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des Dawesplcmes mit seiner beweglichen Zahlungs­skala und die Festsetzung einer bestimm­ten Reporationssumme wird aus dem Konflikt zwischen den Zahlungen auf Grund des Damesplanes und den Zahlungen auf deutsche In­dustrie- und Stadtanleihen hervorgehen. Die' Re­parationszahlungen werden wahrscheinlich 1928 ,hren Höhepunkt erreichen. Gleichzeitig müßten Mil­liarden auf die unzähligen Industrie- und Stadtanleihen gezahlt werden. Es werde dann die Frage sein, ob die Reparationszahlungen oder die Zahlungen auf die Anleihen den Vor­rang hätten.

Die Landtagswahlen im MemeUand.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 3. Aug. Wie aus Litauen ge­meldet worden ist, soll sich die litauische Re­gierung endlich dazu bequemt haben, die Wah­len zum Memellandtage festzusetzen, und zwar für den 28. August. Wenn die Rachricht zutreffen sollte, so würde es sich nur rein formell um die Erfüllung des vom litauischen Ministerpräsidenten Wvldemaras in Genf abgegebenen Versprechens, die Wahlen bis spätestens vor Ende September d. 3. auszuschrei­ben, handeln. Denn, da der Landtag erst 15 Tage nach den Wahlen zusammentreten darf und erst dann über eine Regierungsbildung im Memellande Beschluß gefaßt werden kann, ist bis zu diesem Zeitpunkt der Völkerbund wie­der ouseinandergegangen. Da die Re­gierungsbildung zu den wichtigsten Problemen des Memelgebietes gehört, hat natürlich die litauische Regierung das größte Interesse daran, diesen Staatsakt unbeobachtet und un­beeinflußt von Genf vornehmen zu lassen. Außerdem sei darauf hingewiesen, daß die Kör­perschaft, die die Regierungsbildung vornehmen soll, der neu zu wählende memelländische Land­tag, unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Memellande keineswegs als ein Pro­dukt der freien Meinungsäußerung der Bevölkerung angesehen werden kann. Bekannt­lich herrscht immer noch im Memelgebiet K r i egs- z u st a n d und damit verbunden strenge Presse­zensur und Versammlungsverbot. Rur den groß- litauisch eingestellten Organen ist eine agitatorische Tätigkeit erlaubt. Der gesamte amtliche Wahl­apparat wird von dem Kriegskommondanten kon­trolliert und untersteht dem diktatorisch regieren­den Landesdirektorium. Die bereits ernannten Wahlkreiskommissionen bestehen nurausGrvß- l i t a u e r n, die wiederum zu Vorsitzenden der Stimmbezirke ihre Anhänger bestimmt haben. Allein aus diesen Tatsachen erhellt, was von der Erfüllung des Versprechens Wvldeniaras', im Memellande eine Regierung auf parlamen­tarisch-demokratischer Grundlage zu bilden, übrig bleibt. Die deutsche Regierung wird es sich an­gelegen sein lassen, den Verlauf der Ereignisse im Memellande aufmerksam zu verfolgen, und, wenn nötig, die strikte Durchführung der Memel­konvention auch zu erzwingen wissen.

Am Dienstag wurde dem Redakteur Warm vomMemeler Dampfboot", der als Vertreter seiner Zeitung auf Einladung der Hamburg- Amerika-Lime sich zu einer Pressefahrt mit -dem DampferReuYork" nach Ham­burg begeben wollte, vom litauischen Gou­verneur das Visum verweigert, so daß er die Fahrt nicht antreten konnte. Ihm wurde erklärt, daß er wohl das Ausreisevisum, jedoch nicht das Wiedereinreisevisum erhal­ten könnte, was einer Verweigerung der Wieder­einreise und somit einer Ausweisung gleichkommt. An demselben Tage wurde der Frau des Chef­redakteurs L e u b n e r, die zur Beerdigung ihrer verstorbefflen Mutter heute nach Prenzlau fahren wollte, das Visum verweigert. Bekanntlich waren Chefredakteur Leubner und Redakteur Warm v«nMemeler Dampfboot", sowie Redak­teur Brieskorn von derMemelländischen Rund­schau" am 1. Juli d. Is. ausgewiesen wor­den, jedoch war die Ausweisung auf Intervention der deutschen Regierung in Kowno bis auf wei­teres aufgehoben worden. Eine Aufenthakts- bewilligung ist ihnen trotz Gesuchs bisher nicht erteilt worden.

Neue Arbeiterentlassungen in Ostoberschlefien.

Eigener Drahtbericht des Gießener Anzeigers".

Berlin, 3. Aug. Ostoberschlesien scheint wirklich nicht zur Ruhe kommen zu können. Jeden­falls hat sich seither noch in keiner Weise die Lage der Oberschlesier in dem an Polen abge­tretenen Gebiete geändert. Arbeiter entlassungen» dauern nach wie vor an. die Echulprüfungen lassen mehr als zu wünschen übrig, mit einem Worte, die polnische Regierung ist nur in jeder Hin­sicht bestrebt, das Deutschtum zu unterdrücken, wo sie nur kann. So erfahren wir erst heute, daß wiederum 408 Arbeitern, darunter 24 Schwer­kriegsbeschädigten zum 15. August von der Ver­waltung der Grästn Laura-Hütte in Chorzow gekündigt worden ist. Die deutschen Gewerk­schaften haben wohl eine Beschwerde an den Demobilmachungskommissar gerichtet, der für nächste Woche Verhandlungen zwischen den Re- gieimngsstellen und den Gewerkschaften angeord­net hat. deren Ausgang jedoch sehr zweifelhaft sein dürfte. Der Völkerbund dürfte sich deshalb in seiner kommenden Septembertagung noch ein­mal eingehend mit diesen Fragen zu beschäftigen haben.

vie wiener Gemeindeschutzwache

Paris, 2. Aug. (WTB.) Havas gibt fol­gende Rotiz aus: Man erklärt in den offiziellen Kreisen, daß im eigentlichen Sinne des Wortes kei ne Demarche der Botschofterkon- f e r e n z bei der österreichischen Regierung wegen der Wiener Munizipalgarde stattgefunden habe. Es handelt sich lediglich um eine Interven­tion der örtlichen Liquidierungs- stelle nach Verständigung mit den Vertretern der alliierten Mächte in Wien, die den Bundes­kanzler Seipel aufgefordert habe, für die un­mittelbare Auflösung dieser Formationen Sorge zu tragen. Die Mitglieder der Abwicke­lungsstelle hätten sich jeder innerpolitischen Er­wägung enthalten und bei ihrem Vorgehen nur darauf hingearbeitet, dem Vertrage von St. Ger­main Achtung zu verschaffen. Rach dem ..Petit Varisien" wurde, wenn die österreichische Re- gierung diesen Dorstellungen nicht Rechnung tra­gen solle, allerdings die Botschafter- Konferenz zu entscheiden haben.

Der internationale Gewerkschaftskongreß.

Keine einheitliche Stellung zum Bolschewismus

Paris. 2. Aug. (Sil.) Im Grand-Palais tagt der vierte ordentliche Kongreß des Inter­nationalen Gewerkschaftsverbandes. An den Ver­handlungen nehmen 250 Gewerkschaftsdelegierte der verschiedensten Länder teil. Der deutsche Gewerkschaftsverband hat 15 Delegierte entsandt. Die Leitung des Kongresses liegt in den Hän­den des Präsidenten P u r c e l (England), der einen Lieberblick über die Gewerkschaftsent­wicklung in den verschiedenen Ländern gab. Die Internationale habe ihren Wirkungstreis noch nicht genügend ausgedehnt. Da der Kapitalismus keine Grenzen kenne, sei eine Reu Orientierung der Ziele des Verbandes notwendig. Mit der Internationalisierung des Kapitals entwickle sich auch die Internationalisierung der Arbeiter­klassen. LIeberall wo der Kapitalismus auf­trete. müßten die Gewerkschaftsorganisationen geschaffen werden Infolge der Rivalität der Mächte erstehe von neuem das Gespenst des Krieges und allein die Arbeiter könnten das Auftreten dieser Geister verhindern. Der Red­ner setzte sich dann besonders warm für dio Einbeziehung der russischen Arbei­terschaft in den Gewerkschaftsverband ein und erklärte, er persönlich sei geneigt, einen vollständigen Umarbeitung des Gewerkschafts­verbandes zuzustimmen, wenn hierdurch die völlige Konzentration der Arbeitskräfte erreicht würde. Seine mit dem Bolschewismus sym­pathisierenden Ausführungen riefen in zahl­reichen Delegiertengruppen lebhafte Pro­teste hervor.

Der französische Gewerkschaftssekretär I o u - ha u x erklärte, die Rede Purcells über das russische Problem binde nur den Redner selbst. Die Mehrzahl der Mitglieder des Bureaus und auch die deutschen Delegierten seien mit einem Teil der Ausführungen des Vorsitzenden Purcel nicht einverstanden. Die englischen Delegierten Hocks und Ben Tunner protestierten gegen die Kritik an dem Vorsitzenden. Purcel schloß den Zwischenfall mit der Feststellung, daß seine Ausführungen über die Rotwendig­keit, die russischen Arbeiter in die Gewerkschafts- internationale hineinzuziehen, seine persön­liche Meinung darstelle. Es kam auch später wiederholt zu Anspielungen auf die Uneinigkeit innerhalb des Vorstandes. Der Belgier Mer­tens protestierte u. a. gegen die Eröffnungsrede des Präsidenten P u r c e l l. die ein Lob­lied auf die russische Revolution be­deutet habe. Purcell habe jedoch gewußt, daß die Mitglieder des Vorstandes nicht mit ihm in dieser Frage übereinstimmten. Es sei zu hof­fen, daß die Konferenz Mittel finden werde, hier eine Aenderung zu schaffen. Der ständige Generalsekretär der Trade LInions, Citrin, griff Iouhaux an. weil dieser den Präsidenten Purcell angegriffen habe, ohne sich vorher mit "Den Vorstandsmitgliedern zu verständigen. Ci­trin erklärte ferner, daß die Gewerkschaftspolitik des Verbandes gegenüber den Russen immer entgegenkommend gewesen sei, aber, schloß er, was unsere nationalen Angelegenheiten betrifft, so lehnen wir jede Einmischung von außen her ab.

Der Geschäftsbericht wurde von dem deutschen Gewerkschaftssekretär Sassenbach er­stattet. Er gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß die drei abgelaufenen Jahre keinen beson­deren Fortschritt der sozialen und wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse gebracht hätten. Der Mit­gliederstand der Gewerkschaften sei von 16 530 000 im Jahre 1923 auf 13500000 im Jahre 1926 zu­rückgegangen. Besonders fühlbar mache sich der Rückgang in Deutschland bemerkbar. Man werde aber in dieser Tatsache kein schlechtes Anzeichen sehen, da die Arbeiter heute wieder die Rotwendigkeit ftärferer Organisation begriffen hätten. Sassenbach wies dann darauf hin, daß der internationale Gewerkschaftsverband mit der bol­schewistischen Internationale und dem panrussi­schen Gewerkschaftsrat einen lebhaften Briefwech­sel geführt habe und immer geneigt sei, den Zentralrat der panrussischen Ge­werkschaften zu den gleichen Bedin­gungenaufzunehmen. die für die ande­ren Gcwerkschaf tszentralen gelten. Bisher sei aber keine Annäherung möglich gewesen. Der deutsche Delegierte Großmann bedauerte u. a. die Rede des Präsidenten Purcell ebenso wie den Mangel einheitlicher Gesichts­punkte. Im Schoße des Gewerkschaftsbüros sei Disziplin notwendig und diejenigen, die sich nicht unterordnen wollten, müßten ausscheiden.

Hörflngs Nachfolger.

Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Nach der Meldung eines Magdeburger Blattes soll damit zu rechnen sein, daß das preußische Kabinett heute mittag den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Dr. W a e n t i g zum Oberpräsidenten der Provinz Sach­sen ernennen würde. Wie das Wolff-Bureau auf Erkundigung an zuständiger preußischer Stelle er­fährt, ist es zwar richtig, daß Professor Waentig für diesen Posten in er ft er Linie in Frage kommt; doch findet heute keine Sitzung des preußischen Ka­binetts statt, vielmehr dürfte die endgültige Rege­lung der Nachfolge Hörsings erst in den näch- sten Tagen zu erwarten fein.

DieDeutsche Allgemeine".

Berlin, 3. Aug. (Priv.-Tel.) DerVor­wärts" teilt mit, daß die DAZ. vom 1. April kommenden Jahres ab nicht mehr in der Drucke­rei der Preußischen Staatsregierung, sondern von Hugenberg gedruckt werden wird. Diese Aenderung im Verlag soll, nach den In­formationen des sozräldemvktatischen Blattes, gleichbedeutend sein mit dem völligen Liebergang der DAZ. in den schwer- industriellen Hugenberg-Komern, dem ja be­kanntlich schon u. a. die Scherl-BlätterTag" undLokal-Anzeiger" gehören.

Eine Ferienkonferenz des Reichskabinelts.

Berlin, 3. Aug. (Priv.-Tel.) Rach einer Mitteilung desLol.-Anz." werden die außer­halb Berlins auf Urlaub weilenden Reichs- mmifter zum größten Teil Ende dieser oder Anfang nächster Woche zurückkehren, um an der Feier des Verfassungstages teilzu­nehmen und dabei eine Aussprache über die allgemeine politische Lage zu haben. Wie es in der Mitteilung des genannten Blattes heißt, erscheint eine Fühlungnahme der Ka- i binettsmitglieder um so gebotener, als es

wahrscheinlich die letzte Zusammenkunft vor der Septembertagung des Völkerbundes sein wird.

dine Hindenburg-Amnestie.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 3. Aug. Es darf wohl als fest­stehend angesehen werden, daß der Reichs­präsident von Hindenburg aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages von seinem Be­gnadigungsrecht einen umfassenden Ge­brauch machen wird. Da es sich aber nur auf die Fälle erstreckt, die vom Reichsgericht bearbeitet worden sind, soll dem Reichstag ein Amnestiegesetz zugehen, das Richtlinien auch für Begnadigungen in den Ländern enthält. Mit einer Annahme dieser Vorlage ist natürlich zu rechnen, da es wohl kaum eine Fraktion des Reichstages geben wird, die nicht für einen mög­lichst umfangreichen Straferlaß ist. Man sollte aber von vornherein es dem Reichsjustizmini­sterium überlassen, zu bestimmen, welche Ver­brechen unter die Amnestie zu fallen haben und nicht die gan^e Angelegenheit in den Rlittelpunkt parteipolitischer Streitigkeiten rüden. Denn da­durch wird der Sache nicht gedient, schon gar nicht, wenn, was bei den politischen Verbrechen in greifbarer Rähe liegt, die Parteien sich hier bekämpfen und nur diejenigen amnestiert wissen wollen, für die s ie Sympathien hegen. Im Reichsjustizministerium wird gegenwärtig an der der Fertigstellung eines Entwurfs gearbeitet, der dem Reichstag noch in seiner kurzen Sep­tembertagung vorgelegt werden soll. Wie ein Berliner Abendblatt wissen will, schließt sich der Entwurf eng an das im August 1925 er­lassene Amnestiegcseh an. Auf Grund des neuen Gesetzes soll eine große Zahl politischer Ge­fangener sowohl der rechtsradikalen als auch der linksradikalen Parteien, darunter auch solche, die zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt sind, begnadigt werden.

Aus aller Welt.

Hundslage und hihperiode.

Die gegenwärtig in Deutschland herrschende Hitzeperiode, die nun doch noch nrift den kalender- mäßigen Hundstagen zusammenfällt, gibt Ver­anlassung zu einigen Feststellungen, wie lange Hitzeperioden im allgemeinen zu dauern pfle­gen. Die bis jetzt längste Serie aufeinanderfol­gender heißer Tage betrug 1886 11 und 1925 20. Die längste Hitzeperiode wies jedoch der Juli und August des Jahres 1834 mit 22 Tagen auf. Dabei wurden Temperaturen bis zu 37, in Schlesien bis zu 39 Grad Celsius verzeichnet. Dabei sind natürlich nur die Schattentempera- turen berücksichtigt, während in der Sonne die Hitze wett über 40 stieg. In Deutschland haben die Hitzperioden im allgemeinen eine nicht so lange Dauer wie man anzunehmen geneigt ist. Rach einer Feststellung des Geologen Hellmaim kann man nur solche Sommer als besonders heiß bezeichnen, in denen mehr als sechs heiße Tage, mehr als 10 sehr warme und mehr als 35 warme Tage feftgeftdttt werden, wobei als mittlere Tagestemperatur 25 Grad angenommen werden Es ist im übrigen immer beobachtet worden, daß die größten Hitzen tatsächlich in die Zett der Hundstage faßen, obgleich die Sonne um diese Zett bereits ihren Höchststand merklich überschritten hat.

Schwere Unwetter in der Schwei).

Verschiedene Teile der Schweiz wurden von schweren Llnwettern heimgesucht, im besonderen die Gegend von M o n t r e u jt, das Gebiet um Bern, das Emmenthal. das Berner Ober­land sowie auch Teile der Rord- und Ost­schweiz. Die S i m p l o n - Linie war zeitweilig unterbrochen. Auch der Zugverkehr zwischen Bern, Luzern, Spiez und Zweisimmen war meh­rere Stunden unterbrochen. Lleberall hat schwe­rer Hagelschlag die Kulturen zum Teil zerstört. Zahlreiche Häuser wurden schwer be­schädigt. Vielerorts ist auch der Telephon- und Telegraphenverkehr unterbrochen

Die Ueberschwemmungsschäden in Indien.

Aus Baroda wird gemeldet, daß der Verlust an Menschenleben infolge der Lleberschwem- mungen n icht so groß ist, wie anfangs befürchtet wurde, daß aber in mehreren Bezirken des Staates große Berluste an Eigentum, Vieh und Erntevorräten zu verzeichnen find. In der Stadt Baroda und den umliegenden Dörfern sind viele Häuser eingestürzt. Es wur­den Rotlager für die Obdachlosen eingerichtet. Die Regierung gewährt Darlehen zum Dau neuer Häuser und zum Ankauf von Saatgut. Im Staate Gujarat ist nach amtlicher Schätzung der Verlust an Menschenleben vermutlich nicht groß, der Materialschaden aber erheblich.

Junkerswerke.

Norddeutscher Lloyd und Transozeanflüge.

In den vergangenen Wochen haben zwischen den Junkerswerken in Dessau und dem Norddeutschen Lloyd über die Durchführung eines Re> kordfluges Deutschland Neuyork Verhandlungen stattgefunden, die, wie ein Berliner Spätabendblatt aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, nunmehr zu einem Abschluß geführt haben sollen, lieber die Gründe, die die Leitung des Norddeutschen Lloyds veranlaßt haben dürften, ein solches Unternehmen unter eigener Flagge zu betreiben, erklärt das Blatt, daß der künftige Flugverkehr über den Ozean eines Tages be­stimmt einen Teil derjenigen Aufgaben übernehmen werde, der heute derSchiffahrt zufalle. Auf die­sem Gebiet wolle der Norddeutsche Lloyd anschei­nend führend vorangehen.

Um den Dauerflugrekord.

Dessau, 3. Aug. (WTB. Funkspruch.) Heute früh um 5.25 Llhr sind die beiden Rekordflieger Loose und R i st i c z mit ie einem Hilfsflieger in Iunkermaschinen mit 3unrermotoren auf dem Dessauer Flugplatz zu einem Angriff <uif den von Amerika gehaltenen Weltrekord von 51 Stunden gestartet. Dabei wurde die neue Zementstartoahn zum erstenmal mit Erfolg be­nutzt. Die Maschinen kreuzen zwischen Dessau und Leipzig und führen Betriebs­stoff für 55 Stunden mit sich. Loose wird von dem Flieger Kohl, Risticz von dem Flieger R i g a r b begleitet.

kottbus dementiert.

Gegenüber Pressemeldungen über eine Betei­ligung der Stadtverwaltung Kott- bus an einem der deutschen Ozean­flugpläne erklärt die Rachrichtenstelle des Magistrats der Stadt Kottbus, daß ein Trans- ozeanflug für Kottbus nicht in Frage komme.

Mar Garrison f.

In noch verhältnismäßig jungem Alter ist der ehemalige Opernsängern ndTheater- direktor Max Garrison im Schöneberger Krankenhaus gestorben. Mit Max Garrison steigt ein Rame in der Erinnerung auf, der eine glän­zende Laufbahn auf der Opembühne begonnen hatte, aber mitten aus feinen höchsten Erfolgen durch einen Meineidsprozeß herausgerissen wurde, der ihn auf ein Jahr ins Zuchthaus brachte, obgleich er immer wieder seine Llnschuld be­teuerte und auch zahlreiche Fürsprecher, so u. a. in der Bühnengenossenschaft, in bekannten Schau­spielern und selbst im Kronprinzen hatte. Garri­son war geborener Amerikaner, war ursprünglich in einem Schneidergeschäft tätig, ging dann aber zur Oper und stteg rasch von Erfolg zu Erfolg. Seine Laufbahn endete mit einem Engagement der Wiener Hofoper. Dort geriet er mit Gustav Mah­ler jedoch in Meinungsverschiedenheiten, löste sein Engagement und ging nach Berlin, um selbst Theaterdirektor zu werden. Hier geri'et er jedoch in Mißhelligkeiten mit seinem Geldgeber, die dazu führten, daß man gegen Garrison Anklage wegen Verleitung zum Meineid erhob. Rachdem er aus dem Zuchthaus wieder herauskam, besaß er zwar noch seine ausgezeichneten musikalischen Mittel, aber nicht mehr seine alte Energie, so daß et den Weg seiner einstigen ruhmvollen Laufbahn nicht wieder fand.

Internationale Akademie für vergleichendes Recht.

Die im Jahre 1924 gegründete Internationale Akademie für vergleichendes Recht, die zur Zeit im Haag zur zweiten Beratung zusammengetreten ist, hat im großen Sitzungssaal des Friedenspalastes eine öffentliche Sitzung abgehalten, der u. a. auch der Präsident des Internationalen Gerichtshofes, Professor Dr. Huber, uni) verschiedene Mitglieder dieses Gerichtshofes beiwohnten. Der Generalsekre­tär, Professor Balogh, gab eine Ueberstcht über die Arbeiten der Akademie in den letzten zwei Jahren. Dabei wies er besonders auf die inzwischen zustandegebrachte enge Zusammenarbeit der Aka­demie einerseits und des Rates und des Sekretariats des Völkerbundes andererseits hin. Nachdem noch Professor Ule man-Paris und Professor W a l t o n - Oxford Vorträge über das englische Rechtsi'ystem und die historische Schule der Rechts­wissenschaften gehalten hatten, wurde die Sitzung geschlossen.

Welt-Jugendtreffen auf der Freusburg.

Auf der an der Sieg gelegenen Freusburg begann am Sonntag unter Teilnahme von über 400 Führern von Iugendbünden aus allen Erd­teilen ein Weltjugenötrefsen. Die Beratungen, die mehrere Tage dauern, haben den Zweck, die Jugend zugemeinsamerArbeit für den Frieden zusammenzusafsen. Aus Deutschland sind allein 85, aus England 22 Bünde ver­treten. In der ersten Sitzung hielt Fritz von LI n r u h eine Rede über die Bedeutung des 1. August für die Jugend, welche mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde.

Englische Schüleraufführungen in Deutschland.

25 englische Schüler aus Leeds mit ihren Lehrern und Lehrerinen find nach Deutschland abgereift, wo sie Ende dieser und während der nächsten Woche in Hamburg, Lübeck und anderen deutschen Städten englische Theaterstücke aufführen werden. Sie werden auch am nächsten Sonntag in Magdeburg bei den dramatischen Festspielen für Schulen mitwirkten. Die Zöglinge derselben Schule Haven bereits einmal im Jahre 1926 Lübeck, Plocn, Kiel und Hamburg besucht und Szenen von Shcckr- speare sowie Volkslieder vorgetragen. Im letzten Mai hatten deutsche Schuler den Besuch erwidert.

Die Baupläne für Berlin.

DieVoss. Ztg." teilt mit, daß beim Ma­gistrat jetzt die eingeforderten Angebote für die Bebauung städtischer Terrains im Westend, Fürstengrund, Reukölln und in Treptow ein­gegangen sind. Unter den deutschen Firmen, die sich bewerben, befinden sich Philipp H o l z - mann, Frankfurt, die Berlinische Boden - g e s e l l s ch a s t (Haberland), Lenz & Co. Für die Amerikaner haben Chapmann & (io. eine Offerte abge&en lassen. Es handelt sich um 6000 Wohnungen von 21/?. 3Vs und 41/8 Zim­mern, die mit allem Komfort ausgerüstet werden sollen. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Fi- nanzierung, in der Frage der Verzinsung und der sich daraus ergebenden Miete. Im Gegensatz zu den deutschen Firmen beanspruchen die Amerikaner keinerlei Hauszinssteuermittel.

Schweres Autounglück.

Stoppenberg (Kreis Essen), 3. Aug. (WTB. Funkspruch.) Heute morgen ereignete sich in der Gel­senkirchener Straße ein schweres Automobilunglück. Ein Auto der ZecheHibernia" fuhr mit großer Ge­schwindigkeit in den Vorderperron eines aus der Richtung Gelsenkirchen kommenden Straßenbahn- wagens. Der Autolenker, der Sohn des General- direktors von Velsen aus Herne war sofort tot, während der Neffe des Generaldirektors sowie Bergassessor Reus aus Gelsenkirchen mit schwe­ren inneren und äußeren Verletzun­gen dem St. Vincentkrankenhaus in Stoppenberg zugeführt wurden.

Flugzeugabsturz.

Der Doussan ((Santon Aurignac) ist ein Flug­zeug brennendabgestürzt. Fünf Perso- nen sind ums Leben gekommen, und zwar der Pilot, drei Flugzeugmechaniker, die gerade aus Marokko zurückgekehrt waren, und die Ehefrau des einen von Ihnen.

Tödlicher Absturz in den Alpen.

Beim Aufstteg auf das Matterhorn ist der Tourist Georg Klein aus München tödlich abge stürzt. Klein hatte mit zwei andern Deutschen einen Aufstieg unternommen, sich bei der Rast losgeseilt und war etwas abseits gegangen. Die Zurückgebliebenen hörten plötzlich ein Krachen und bemerkten, daß Klein auf dem sogenannten Tiefenrnatt-Gletscher abgestürzt war. Zur Bergung der Leiche ist sofort eine Rettungsexpedition aus Zermatt abgegangen.

Der besteuerte Bubikopf.

In Wartenberg wurde in der Stadtverord­netenversammlung ein Antrag auf Einführung einer Bubikopf st euer angenommen. Der verheiratete Bubikopf habe den doppelten Steuerbetrag zu entrichten, während Bubiköpfe unter 15 Jahren steuerfrei bleiben.

Wettervoraussage.

Heiter bis wolkig und meist trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 21,7 Grad Celsius. Minimum: 12,4 Grad Celsius. Nieder­schläge: 1,8 Millimeter. Sonnenscheindauer: Eine Viertelstunde. Heutige Morgentemperatur: 16,4 Gr. Celsius.

Witterungsaussichten für Freitag: Warm, wolkig, zunehmende Gewitterneigung.