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Nr28 Lrfttt Blatt

177. Jahrgang

Donnerstag 1. Dezemder (927

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Pet|*«rtomo.

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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CbrirtbüMimr Dr Jrubi tlhib L'anqt Dctd'iieortlidb iftrlteluih Dt (Tt TDdb Vänqt, für (Vtuiüeton Dt f) Ibguet; für ben übrtc.tn Ifl ifrnh Blurnichern. 'ur tun Mn» ftiqtnlcil Muri 5»'NWiaee.

IdmtU* in Bwijen

Ein neuer Konflikt zwischen Preußen und dem Reich.

Das preußische Kabinett beschwert sich über den Reichsinnenminister Or. von Keudell.

In den preuhifchen Hochschulen tobt ein frHtiget Kamps um die von Stuliuomtniuec Decke r re fugte Ordnung des Stuben- ten rechte Bet der bi5l<ni;cn SelbfitKtaxil» türm der bcuiUen e.uie.i.c..Ua|i haben lich ge» wisse Mist^iLnde frerauoge teilt, ou wohl m der HauptsaLe auf mangcintc 6r a,iu.g in ge-chüst» Nchen An eleflcnte ten zurück- fufrrcn sind. An sich ist d'.e studentische Selbstverwaltung und Rröhere LelbsiLnrtgleit c n Fortschritt, ber au« n Hinblick aus die volitische Srziehung za be- aruhen toäre. Dah sich dabei en Kamps um die Anerkennung oder Aichianer» kennungvöltifcher Grundsätze m be ug ouf die 6fle reicht chen Hochschule' bfrau g b Let hot, ist eine Lache sür I ch. d e uns in b.eiern Iusamme han . e te icht berührt. Weni bi? 6lubeiUfnl«ai! den Be^erschen Qbebanlcn ab- lehnt und damit lich Ihre» bisherigen Mas.ea von CelbttDeiiDd^tuiig begibi, in ter a)os nung. Ipü er mehr au erhalte?,, so ist bad ihre Sad c □eben­falls hat die Studentenscha't ein volles A cht, sich ihre eigene Tie.nung zu bilden zu diesem vZweck Versammlung c > ab^ufca te 1 e dmmte Per- sbnltchle ten der Ocf entlichkeit ba.v.i einzuladen und Ichlie lich ihre Stellungnahme zu entscheiden. 3u einer solch.m Stubenle.iv rsammlung war auch eine dinlabung an den Reichst n nen­nt l n i ft e r D r o. Keudell ergangen. 2s wird wohl kaum jemanden geben, der angenom­men "hätte, die Ölnlafung fei an den Ritter» guttbeliber und früheren Landrat des Krcifes Kbnigsmark in der Reumark ergangen, denn ge­meint war offenbar ber Reichsinnenmini- Iler p R.-.iXil 11 e ?.t vb? h'irD man nicht mit Versuchen herumkonnnen. geltend ma­chen zu wollen, daft es sich nur um den Privat- mann v. Keudell gehandelt habe. Oclbftoer» stündlich bat auch ein Minister bas Recht auf seine eigene persönliche Meinung zu bestimm­ten Fragen, und selbstverständlich hat er awH das Recht sich darüber zu äufiern. Don diesem Recht bat der Minister v. Keudell Gebrauch gemacht, indem er fei.icr Gegnerschaft ge­gen den Deckerschen Vorschlag zur Regeluna des Studentenrechts in einem Tele­gramm Ausdruck gab freilich läht sich darüber streiten, ob es politisch tlug und taktvoll ist. von diesem Recht der Meinungsbllbung und Meinungsäußerung in der Form Gebrauch zu marven. wie es Minister v. Keudell getan bat. Dah die Versammlung in schärfster Gegnerschaft zu der Verfügung des preu- siischen Kulturministers stand, war ihm be- lannt. Denn er sich in seinem Telegramm zu innteer Bet u

testierenden Student, nfchalt bekennt, bann ist das zugleich ein Bekenntnis schar er Gegnerschaft zu dem dreuhischen Kultusminister Decker. She ein deutscher Reichs Minister und namentlich ber Reichsminister des □nnem, dem bit Pflege ber Beziehungen ju den Ländern neben dem Reichskanzler in erster Linie ob­liegt. zu einem eichen Schritt sich entschUestt. der ihn in schro sen Gegensatz zu der gröfUcn Landesregierung te» Reiches bringen muh. darf man von ihm enoarten. dast er sich über die politischen Folgen völlig klar geworden ist Das scheint nicht der Fall gewesen zu sein, und nun haben wir einen ernsten Konslikt zwi'chen Reich und Preuhen. Lei­der ist das nicht der erste.

Gin ander Ding ist die Form, die der preuhifch« Ministerpräsident gewählt hat, um die Beschwerde ber preustischen Regie­rung an den Reichslanzlar una die Reichsregie­rung au übermitteln. Gerade wenn man der Auslassung ist. dast der Schritt des Retchsinnen- rninisters nicht recht überlegt war. so must man den Ton des Schreibens, den Herr Braun an- zuschlagen für richtig be unben Hal. mifebidigcn. Man fühlt förmlich die Genugtuung darüber heraus, den der fr^ialdemolratilche Minister­präsident Preustens empfiabet. nunmehr den Spiest umdrehen und lich beim Reichs­kanzler über Herrn v. Keudell beschweren zu können, nachdem vor wenigen Dochen bet Reichskanzler namens der Reiche reg» xung beim preustischen Ministerpräsidenten über die Hal­tung des damaligen i?berpräsiden en der Pro- »inj Sachten in der 0cfien!li4kit Beschwerte geführt hatte. Reichskanzler Blan hat bei jener Gelegenheit jedoch einen ganz anderen Ton angeschlagen, als Herr Braun. iSinc solche Grob- schlöchtigkeit. wie sie in her Äusarulswe le des Herrn Braun enthalten ist. würde sich ein Mann, wie Marr, nie zuschulden kommen lassen. Denn weiter der preustische Ministerpräsident bam.t droht, dast Nch die preustische Regierung ge­gebenenfalls genötigt sehen würde, .jeden Ver­kehr mit dem Herrn Reichsminister D?. von Keudell abzubrechen", so schiestt daS weit über das Ziel hinaus Durch eine Derartige Doykot:bewc unt etzt 'ich die preustische Regie­rung schwer ins älnrecht.

Billig klar i't eS. dast auch hi?r das 2gi- t a t i on v b e d ü r s n i s ic* o, aloeaio.rat.'chen Führers über den psiiti chen Tai. g?s.rg. hat. Menn man das Telegramat des Ministers von Keudell als eine Heb r ilung und als ein? t>?ii- tilche Unflug^eit bez. ichnen kann, so verd.rnt der Ton des Schreibe des He.r.i '?._un 'warf­st en Tadel, denn er ist nicht nur übereilt und

politisch unklug, sondern er dient vssen'ichtlich dem x,. vd. den Kons11kl a u I d i c Spitze zu treiben. GS bleibt abzuwarten, ob das preustische Kabinett den Wortlaut des Braun» schen Stzreil<7is gekannt und g.-nchmig: oder ob es nur grund ä.ittch der Aose.rdung einer Be- Ichwcrde an den Reichs.'anzler zugestiinmt hat, ohne die AuZdrurke des Ministerpräsidenten zu kennen. 3eb.nl üU6 ist Reichskanzler Mart aber­mals in eine sehr unangenehm: Lag? versetzt worden, dein er mast einers^ts daraus Rücklicht nehmen, dast in der preustischen Regelung Mii- glicher seiner eigenen Parln s>h.n. d.e also die Haltung des Mim'te.S v. Keudell miftbaiigen, unb er must andererseits mit der Zusammen­setzung seines Kabinetts rechnen. Jedenfalls wird ber unlublame Vorfall noch weitere politische Kreise ziehen.

Ministerpräsident Braun an den Reichskanzler.

Vrcustcn droht mit Abbruch der Beztcbuugen.

Berlin, 30. Jlou. (Wolff.) Unter Bezugnahme auf ein Lynipaihietelegramn, das der Ist eich»- Innenminister o. Keudell einer studen - t i | d) c n P r o t e st v e r s a m m l u n g im Zirkus Busch hat zugehen lassen, ist am Mittwoch, ben 3<). 'Jlourmber be n Reichskanzler ein Schreiben des preustischen Ministerpräsidenien Dr. Braun zuge- gangen, das nach dem Amtlichen Preußischen Presse­dienst folgenden Wortlaut hat.

Hochgeehrter Herr Reichskanzler!

Der Herr Reichsminister des Innern, v. Keudell, hat zur Kundgebung ber Deutschen Studentenschaft die am vorigen Sonntag, den 27. d. M. aegen das orcustische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Bolksbilbung. stattgesunden hat, an den Vorstand der Deutschen Studentenschaft nach unwidersprochen gebliebenen Zeitungsnachrichten folgendes Tele­gramm gerichtet:

,.Im (Seift unter Ihnen, in innerer verbunden, heil bekennt ficd erneut zu Ihnen mit herzlichen Grüsten und Wünschen o. Kcudell.

Auf Erknndiaung bei den zuständigen Stellen des Reichrinnenministerium» ist die Tatsache der Ad- sendung de» Telegramm» bestätigt allerdings hin- jugefeRt worden, dast man den authentischen Wort- laut nicht kenne, dast er aber dem Sinn der oben angesührlen Depesche entspreche.

Ich muh bei Ihnen hochgeehrter Herr Reichs­kanzler. aus bas entschiedenste bag?gen Ver­wahrung einlegen, bah ein M t,stieb der Reichsregierung in einet Frage, bie die preu- stilchen Hochschulen unb Stu.ent.nschasten aufs tiefste erregt unb Ne Hochschulen in heftige po­litische Kämpfe hlnernzuziehen droht. gegen die unverantwortliche preust.sche RegierungSpoli- tik in einer Meise ösfcntllch Stellung nimmt, die sich m.t den gegen das preustische Minister um für Missenschast. Kunst und CBolbbil.ung ge­richteten Angriffen identifiziert. Ich must hierin w e jedermann eine starke Brüskie­rung der Politik der preustischen Regierung erblicken, um fo nubr. als der Herr Reichsrntnister des Inn.tu bereits mehrfach studentische, insbesondere völkische (Gruppen, die gegen die preusti che Reg erung Stellung genom­men haben, in ihren Angr.ssen durch feine Hal­tung ostentativ b e ft ä r ft hat.

Da sich eine heran.ge Cinft Hum des Herrn Reichsministers Dr. Keudell mit ausgesprochener Spitze gegen Ne preust sche Regierung auch schon bei anderen Gelegenheiten bemerkoar gemacht hat, so batf ich Sie. Herr Reichskanzler, er­gebend bitten, dafür Sorge tragen zu wollen, dast sich derartige Zölle unter feinen Umstän­den wiederholen, da die preuhifdx Regie­rung andernfalls sich zu ihrem Bedauern genötigt sehen würde, jeden Berfebr mit dem Herrn Reichsminister Dr. v. Keudell abzubrechen.

In bekannter Hochachtung unb Verehrung

Ihr (gez.) Braun."

Das Abstimmungsergebnis über bas preußische Slubentenrechl.

Berlin. 30. Rov. (DB > B>ie die Deutjchc Studentenschaft bekannt gibt, haben von den 27 preustiliyen Hochschulen 2ti bie neue Verord­nung des Kultusininisteriums mit gr oster Mehrheit abgelebnl Lediglich Ne philo- logi ch iheologilche Akademie in Brauns- berg. die allerdings nur 33 Studierende hat, hat al» einzige preustische Hochschule die neue Verordnung angenommen.

Tie Absti nmungSergednisie an den einzelnen Hoch'chulen lind folgende: Tlniversität Berlin, Wahlbeteiligung 8) Prozent, für Annahme 2575. Ablehnung 4481. Halle: Wahidet. 75 Pro­zent. Ann 98. 3blnfl. 1513 Münster L OB. 'IbbtL 30 Prozent, Ann. 72. Adlng. 902. Bonn Ann. 9J8. 2lb;ag. 1702. Köln Wlbl 57 Pro­zent Ann 6t>3. Adln^ 1200 Kiel Ana 187, Ablng. 1051. 0 r e 11 e ro a I b: Ann. 55. Ablng 815. Breslau: Wbtl. 75 Prozent. Ann. 891. Ab'.ng. 1740. Marbu rg: Ann. 179. Ablng 1737. Frankfurt a. M Ann. 420. Ablng. 1101, bei 54 Prozent Wbtg. Königsberg QDbtlg. 68 Prozent. Ann. 168. Adlna 1255.

Bergakademle KIaustha 1 IDMla. SO 3 No. Ann. 3. Ablng. 291. Technische Hochschule Lhar- lottenburg: IDbtlg. 88 Proz. Ann. 541, Ablng. 2475. Technische Hochschule Han­nover: Wbtlg. 81.4 Proz Ann. 187. Ablng. 1337. Tierärztliche Hoch'chule Hannover: Mbtlg. 945 Proz. Ann. 4 Ablng. 204. La nb- wirtschaftliche Hochschule Berlin: TDbtlg. 73 Proz. Ann. 12. Ablng. 343. Tierärztliche Hochschule Berlin. IDbtlg. 88,5 Proz. Ann. 6, Ablng. 11.9.

Lanbwirtfchastliche Hochschule Bonn-Pop- pelsdorsZinn. 42. Ablng. 333; Forstakademie Eberswalde Dahlbet. 84 Proz. Ann. 0, Ablng. 67; Medizin Ak. Düsseidors Ann. M, Ablng. 16

Ein russischer Abrüstungsvorschlag in Genf.

Litwinow fordert sofortige und völlige Beseitigung der Rüstungen.

Genf, 30. Rov. (Wolfs.) Die vierte Ta­gung des vorbereitenden Abrüstu.igsausfchusles wurde vom Präfideiiten Loudon, dem hollän­dischen Gesandten in Paris, eröffnet. Der An­drang von Publikum und Presse war sehr stark. Mit Rücksicht auf die Delegation ©otojet- rustIands. die erstmalig an diesen Bera­tungen teilnimmt, wurden von der Genfer Poli- fei umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen gcrof- en. Don den 26 eingelabenen Staaten, sind, wie bereit- bei ber letzten Tagung. Brasilien, Spanien und ilruguan toiri>er nicht vertreten. Die 23 anweienden Staaten umfassen 14 Rats­staaten und noch Argentinien. Bolloieti. Belgien. Griechenland. Schweden. Tschechoslowakei. Süd- slawicn und als Richtmitgtteder des Völker­bundes die Vereinigten Staaten von Amerika unb Sowjetruhlanb.

Die 23 Staaten haben fast ausnahmslos wieder die gleichen Vertreter entsandt, die für sie an ben früheren 'Beratungen teil- aenommen haben. ®i-.i;e namhafte Persönlich­keiten fehlen jedoch, darunter vor allem Lord Robert (Steil und ber belgi che Senator be Broucke re. die die Beratungen ber frühe­ren Tagungen in vielen Fällen geradezu be- herrscht hatten und ber als Botschafter nach Brüssel versetzte frühere amerikanische Haupt­delegierte Gibson. an dessen Stelle ber amt- ritani che Gssandte in Bern Wilson, getre­ten ist während die Delegation Englands unb Belgiens nunmehr unter der Führung Lord Sushenduns unb Baron Montcheurs stehen Reben dielen beiden Persönlichkeiten wird den. Mitgliedern der sowjetruf''i'chen Delegation am meisten Beachtung geschenkt

Am Ende ber Eröffnungssitzung entwickelte

Litwinow

ein Abrüstungsprogramur. bae die vollständige Abschaffung ber Rüstungen zu Lande, zu Dasfer unb in der Luft unb zu ihrer stufenwei'en Ber» wirllichung innerhalb von o»er Jahren u. a. die Entlassung der gesamten stehenden Streitkräfte aller Truppenarten. Me Zerstörung aller Waffen» unb Mun.tionsbestände ur.b sämtlicher chemischer ÄrlcgSmitLl den voll­ständigen Abbau der See- und Luftslotton. die Schleifung ber Festungen bie Ab chafsung der Flotten- unb Lustflotlenftützpunlle. die Aufhe­bung aller besonderen Waff:n'abrtken un> ver­schiedene gesetzliche Maßnahmen um ahi. Die fot> jetru'sifchc Delegation wollte unter Wahrung ihres Standpunl.cs an allen Erörterungen t.U- nehmen. soweit es sich um praktische Mah­nahmen handelt, die zu einer Berw.rk.ichung der Aorüstung führen. Die rus i'che 2t-g crum fei außerdem ber ii. sofort e.n Staatenablommen über das Berbot aes chemischen un bit.eriolo- gi chen Krieges zu unterzeichnen. Litwitww ver­

las bann einen Resolutionsanrrag. durch ben be­antragt wird 1. lie sofortige Ausarbeitung eines Detaillierten Konvent, onsentwur- f e s zur allgemeinen Abrüstung aut Grund der von der russischen Delegation karg.legten Richt­linien und 2. die Einberufung einer allgemei­nen Abrüstungskonferenz für d.n März 1928 zur entgültigen Annahme d entsprechen­den Staatenabkommens. Litwinow er.nncrte in einem Schlustwort an die beiden nicht ibentifchen Roten Moskaus an Warschau und Kowno. mit denen Sowjetruhlan> fein Be­mühen um Sicherung und Erhaltung des Friedens belunbele, und fügte hinzu, day Moskau die li­tauische Regierung aufgeforbert habe, um des Friedens toillen den feit sechs Jahren bestehenden gefahrvollen Kriegszustand ,wi chen Polen und Litauen zu betätigen.

Obwohl man feiner Feit den Weltkrieg als ben letz­ten aller Kriege bezeichnet habe, fei die (inlöidlur.g der internationalen Beziehungen der Nachkriegszeit durch eine systematische und ununterbrochene Be r mehrung Der Streitkräfte gekennzeichnet. Heute lasse sich auch nicht einmal eine teilweise Cer- wirllichung der feierlichen verfprechungen des Böl- ferbunbe» erkennen, der der praktischen Behandlung der Abrüftungsfrage bisher aus dem Wege gegan­gen fei. Wenn man dem Ldrustungsproblem Den Begriff der Kriegsmöglichkeit zugrunde lege, fo werde Die Abrüftungskon'erenz nicht zu einer Herabietzung der heutigen Rüstungen führen, sondern im (8eger.icil die Möglichkeit ui einer recht- mäßigen Vermehrung Der Runungen osi.n Uten. Im Falle der Ablehnung Der jo'onigen Ab­schaffung Der flänDigen Rüstungen schlage Die ruf- fische Regierung eine ftufenroeife unb eine gleichzeitige Verwirklichung Der vollständigen Ab­rüstung im verlause von vier Jahren oor. Die Kriegsgefahr fei heute nicht eine th.orestsch« 3R5g- lichkeit, iontem eine absolute Wirklichkeit, und deshalb müsse das Abrüstung-Problem rasche­sten» seiner Lösung zuge'ührt werden. Jene Staa­ten, die sich um das Abrüst.ingsproblem Herum­drücken, nehmen eine ungeheure Verantwortung auf sich.

Paul-Boncouf

verteidigte die Ausfchutzarbcuen gegen den Vorwurf der Verschleppung und Kompt^ieriheit. Die rufst, fchcn vsrichloge hätten im Grunde genommen den tiebler, dog ste sich die Sache viel zu leicht muchicn. ttr betonte, dah die HbrUlung&arbeiten des Völkerbunde- oon ganz anderen Erwägungen aus- gehen. flHitel 8 des Pakte- tilbe D;e Grundlage der Abrustungcarbeiten des Völkerbünde- (Er jede ein Rlistungsminimum zur Wahrung der nationalen Sicherheit der einzelnen Lör.der unb zur Erfüllung ihrer internationalen verpstich tungen cor So Ctriotfenb auch die r isischen Vor­schläge seien, so könnte man doch nicht ohne ein

sehr ernste» Risiko auf sie eingehen. Im Falle eine» Konfliktes wurden die kleinen Staaten zwar in gleichem Mähe abgerüftet fein wie bie großen, aber nicht in gleichem Mähe zu neuen- (tungen befähigt fein, fo dah ste dem Willen ber großen Staaten ausgcliefert wären.

($raf Bernstofff

erklärte, bah bie beutsch' Dclega ion absolut aus dem Boten ber Resolution n der Völkerbunbs- ber'ammlung steht, und bereit ist. nach dem Buch­staben unb dem Geiste bi 1er Gntschl ehungi-n an ber Vorbereitung ber Abrüstung mitzuarbei- ten. Die Kritik Litwinows fet sehr streng aus­gefallen. 3m Grunde genommen seien Vor­schläge. wie Litwinow sie freute gemach: frabf, schon früher ausgestellt worb.n. Auch Mil on frabe in seinen 14 Punkten eine vollkommene Abrü rang verlangt. Die strenge Kritik werde aber ben Aus- schuh sicherlich zu beschleunigter Arbeit an'por- nen. Graf Bernstorff unterbreitete bann einen Vorschlag auf Vertagung ber Diskussion ber rus­sischen Anträge bis zur zweien Lesung unb auf Festsetzung ihres Datums Die Rebe des tschecho­slowakischen Auhenrnintsters

Benesch

ga'i im wesentlichen bem Rachweis. bah bie russischen Vorschläge wenn auch in etwas unbe­stimmterer Form, bereits 1921 unb 1922 u. a. durch einen norwcgl chen Antrag ben Arbe ten bes Bölkerbuntes zugrunde g.legt waren Sine grundsätzliche t^orettsche Durchprüsung dieser Vorschläge sei allo im Schohe des Böllcrbundes bereits erfolgt, so bah eine neue Diskuslloir keinen pratti chen Vorteil verspreche.

tunarffdyarffi

wies den in einigen Zeitungen gemachten Vorwurf zurück, dah die 'owjetrussifche tetegaiion die Ar- beiten dc- Adrüstungsausfchuffcs fabotieren wolle, (ir verteidigte die russischen Vorschläge und w es gegenüber dem Einwand Paul-Boncours Darauf h:n. dah Der oon ihm gerügte MihflanD auf keinen ^oll fchlimmer märe als die heute bestehende Loge. Auch er stimmte im übrigen Dem Deutschen Anträge auf Vertagung Der weiteren Diskussion der ruf- sifchen BorsÄage auf die zweite Lesung zu. Der Schluh der Sitzung brachte die Einsetzung de» Sicherheitskomitees. Entsprechend einem von Frankreich, Jugoslawien. Japan und Schweden eiracdrachten Anträge bat der Ausschuß daraus verachtet, dem Sicherheitskomite« ein besonderes Aröcitsprogramm zu geben und lediglich beschlossen, ihm für die Aufnahme feiner Arbeiten die entspre­chenden Entschllchungen der letzten^ Bundesoer- iamrJung und dcs Rates sowie das Sitzungsproto- lall de- Abrüstungsaus'chusies der letzten Völker- bundsoer ammluna zu unterbreiten. Das Sicher- hettskomitce erhält das Recht, für feine Beratungen