Zrettag, l. April 1927
Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
m. 77 Drittes Blatt
Aauhc.m beabsichtigt war.
Damenbtiüenuni
schlug nun
„Du
Gießen. 31. März. Uhr vormittags betrat das tungefoaL Drr Dottltzende. Gramer, verkündete als-
sie nicht liebhaben?"
,F)ast du überhaupt alle Kinder gerne?"
..Nun hör' aber auf. Liesl." ärgerte er sich, frügst wie in einer Vein-Knabenschule."
..Abladung" beabsichtigt gewesen verständlich, warum diese nicht in Frankfurt
enung. di« sie aufsuchen wollten. Schwing den Weg zum Teich em und ging weiter an dem Teich entlang, zwischen diesem und der Ufa. Zwischen den in einiger Entfernung folgenden drei (tzcnanncn herrschte scheinbar volle Einigkeit. Wag-
Nichts anderes.../ NurfölfiTlin, das reine Cocos-Speisefett,
Punkt! ch um 11 Schwanger cht den L La ndgettchtsdirelt ar bald das folgende, in einem Teile der Donner*» tag-Ausgabe schon berichtete Urteil:
t*m ersten Morgenzug nach jranfhnl a. TL AlfTÜd.
Die rechtliche Veurleilmtg.
Del der rechtlichen Beurteilung hat das
Der Giehener Femeprozeh
Das Urteil und feine Begründung.
Gericht nach den bekanntgegebenen Gründen zunächst geprüft ob Kern, wie die Verteidigung behauptete lediglich eine .Abreibung", eine Äötrcrvcrl «-ng Oe» Wagner in Bad-Rauheim beads.chtcgt hatte oder ob er ihn töten wollte. Das Schwurgericht ift zu der Ueberzeugung gelangt daß eine Tötung des Wagner in Bad- ~ " ---- Wäre lediglich eine
pden. so ist es un
Airnmer nebenan. Am Ende käme er gar noch auf den Einfall, sich zu ihr auf den Fensterplatz zu setzen. So viel durste er sich denn doch nicht vergeben. Er sah durch die offenstehende Tür. wie sie über eine Naharbeit gebückt saß und — wahrhaftig, sie sah gar nicht gedrückt aus. Sie lachte ihm zu, als ihr Blick ihn traf. Na also, da konnte man ja draußen bei ihr weilerlesen. „Was wolltest du denn vorhin sagen?" Er hatte die Zeitung neben ihr sitzend im Schoß gefaltet und sah sie wartend an.
Sie ließ sofort ihre Arbeit sinken und legte beide Hände übereinander auf die polierte Platte des kleinen Tischchens.
..Hast du Annemarie lieb?"
Er war für den Augenblick sprachlos. Wenn fie nichts Wichtigeres zu fragen hatte, hätte sie iyn nicht in seiner Lektüre zu stören gebraucht. „Natürlich!" warf er ärgerlich hin. „Warum sollte ich
Alle drei gingen nun zunächst in dar Restaurant Malepartus. wo zu Abend gegeben wurde, und von hort in die ,»upktb-Di<le". wo fie Wein und auch c<tt tranken. Die Zech« bya^lic o. Salomon. Im Lause des Abends wurde Schwing von dem Ober- Lutnant Rem in seinem in den hinteren Näumcn der .F)upfeld.Diele" gelegenen Zimmer ausgesucht, und es wurde ihm empfohlen, sich für den Abend bereit zu halten, auch einen Stein bereit zu legen. E twa gegen 12 Uhr nachts kam Kern nochmals zu Schwing und teilte diesem mit. er solle mitgeben, um sie nach dem Teich zu führen, auch den Siem solle er nnlnehmen. Schwing packte den etuxi 15 Pfund schweren Stein in Papier und begab sich auf die ctrabe. Er ging von dort noch den 2^bebautem, 'Um unb v. Salomon und in ihrer Mitte Wagner folgten ihm. Rem hatte dem Wagner vorgeredet, in der Nähe des Teiches fei eine andere Wirtschaft mit
.Hast du — axüröeft du auch — ich meine--"
Sie brach jah ab und wurde glühend rot bis an das feine Haargekräusel.
„Ist es das?" jagte er. Die Zeitung glitt von seinem Schoße achtlos zu Boden.
Sie bejahte hastig und sprang auf. um das Zimmer zu verlassen. Aber seine beiden Arme legten sich um ihre Mitte. Er mar io jungenhaft unbeholfen im Zärtlichsein. Nur auf feine Knie zog er sie und drückte ihre Hände gegen seine Wangen. ,Lch hab' mir's jo sehnlich gewünscht, mein Häschen. Der Himmel wird ja wohl ein Einsehen haben und uns keine Hünen, wie ich bin, bescheren. Warum sollten es nicht schlanke, zierliche Menschenkinder werden, wie du bist?" *
„Muß es ein Junge sein?" fragte sie ängstlich.
„Bewahre!" lachte er vergnügt. ,Lch habe sa für keine Dynastie au sorgen. — Ein Christkind wird's," rechnet«- er „Nenkell hot mir gestern zehn Ster Buchenholz angetragen. Das paßte gerade. So ein Heiner Hase will immer warm haben. Und bann will ich sehen, ob sich nicht nach dem Gatten hin anbauen läßt. Der Platz wird uns sonst zu wenig."
Er sprach ganz sachlich und scheinbar m gleich
„Der Angeklagte von Salomon wird wegen Körperverletzung unter E nbeziehung seiner Zuchthausstrafe von 5 Sagten wegen der Aa- thenau-Sache zu einer Gesamtzuchthaus- strafe von 6 Jahren 3 Monaten.
der Angeklagte Schwing wegen Abhilfe zum versuchten Totschlag zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten, woraus 8 Monate Untersuchungshaft ungerechnet werden, verurteilt
Ger Angeklagte Heinz wird wegen Mangels an ausreichenden Gewesen sre'gespro- ch e n.
Die Angeklagten von Salomon und Schwing haben ble «osten des Verfahrens zu tragen, die Soften in der Sache Hein, Verden der Staats, käste auserlegt.-
Die Urteilsbegründung.
Anschließend an die Urteilsverkündung gab der DorsctzcmX die Begründung des AechtS- sprucho». In der es heiß«:
Am 28. Januar 1922 wurde aus dem Gesängnis ■u Naumburg der Oberleutnant zur See. Ditt- mar, der vom Neichsgericht als sog. „ftriegsoer- brecher" rechtskräftig verurteilt worden war, befreit. An der Befreiung haben der Oberleutnant z. 6. Äern unb der Leutnant a. D. Wagner teilgc- kommen. Wagner Hal hierbei das Auto gesteuert. Der Angeklagte Heinz hatte sich an dieser Befreiung nicht beteiligt Die Befreier des Dittmar zerstreuten sich im Lause des Februar über Deutschland. Wagin r begab sich nach Frankfurt a. M. unb geriet dort, ba er keine richtige Stellung finden konnte, in Geldverlegenheit. Ende Februar 1922 kam auch der Oberleutnant z. S. Stern von seinem Wohn- fitz Riel nach Frankfurt a. M. und erzählte dem dort wohnenden fiapltänleutnant a. D. Tillesfen, er habe glaubhafte Kenntnis, daß Wagner die Teilnehmer der Befreiuna Dlttmars verraten werde, wenn er nicht finanziell unterstützt werde. Er, Stern, war sehr aufgeregt uni) machte auch Tillesfen Andeutungen, baß dies oerhindett werden müsse. lillessen warnte Stern vor Unüberlegtheiten. Wenn auch der befreite Dittmar angeblich im Auslande in Sicherheit war, so bestand doch für di« Teilnehmer an der Befreiung und insbesondere für Stern, deren Leiter, die Gefahr, durch Üßagner der Polizei verraten zu werden Am 3. März 1922 lud Stern den Wagner zu einer Tour In den Taunus ein, die beiden verbrachten den Tag im besten, freundschast- lichen Verkehr. Am Abend desselben Tages schlug Stern dem Waaner für den folgenden Tag einen Ausslug nach Bad-Nun beim vor. Am Samstag, 4. Marz 1922, reifte der Angeklagte o. Salomon im Lause des Nachmittag» nach Bad-Nauheim: er begab sich in die Hupseld-Dlele, wo der Chausseur Schwing, der Angeklagte, tätig war. Schwing mußte bereite von dem Kommen bes v. Salomon in Renntnis gesetzt worden fein, wie auch v. Salomon In dem Prozeß zu gab. Letzterer und Schwing machten nun einen Gang durch Bad-Nauheim. Sie aingen auch nach dem Teich, sahen Ins Walser unb stellten, wie von Salomon angab, die liefe des Wassers fest. Auf Umwegen kehrten sie in die Stadt zurück. Gegen Abend ging o. Salomon zum Bahn- Hof unb holte dort Rem und Wagner am Zuge ab.
b.i kann ich nebenbei meine Zeitung lesen unb brauche niemand Antwort zu geben!"
„Das brauchst du hier auch nicht!"
„Das sagst du jetzt.--Ich mag wetten, wenn
ich meinen Kopf in das Blatt stecke, fragst du schon nach der ersten Zeile, was ich gelesen habe. — Du hast es ja früher auch so gemacht. Warum solltest bu bas verlernt haben?"
Sie gab ihm einen kräftigen Schlag auf die Schulter. „Mich wundett nur, daß du so gut mit ihm fertig wirst!" neckte sie Elisabeth.
„Nur zu gut," gab er resigniert für seine Frau zur Antwort.
Elisabeth war mit einem Male wieder von allen Sorgen unb Seelenzwiefpälten erlöst. Eie steckte ihren Arm in den seinen und drückte ihre Wang« gegen seine breite Schuller.
..Siehst bu. wie sie es macht?" sprach Neichmann unb hielt ihre Hand feft. „Ach^ Gott ja, ihr Weiber wißt ganz gut, was ihr wollt!"
„Mehr Ehrfurcht vor uns!" mahnte Nella.
„Hm."
Nella lächelle noch über dieses Gespräch, als sie schon bei Tisch saß. Er hatte sich seit den Rindertagen um nichts geändert. Ader es lag viel Schönes In seinem Charakter.
Tage unb Wochen lachte nun die sieghafte Lenzes- sonne. Es sproßte, grünte und blühte überall. Die ersten Nosenknospen setzten schüchtern an und die Apfelbäume im Dottoraarten standen wie ein rosenrotes Märchenwunder, selbst ganz verschämt ob ihrer oielbeftaunten Schönhell.
Elisabeth blühte mit all den Knospen um die Wette. Ihre Augen zeigten ein Glänzen und in ihrem Herzen trug sie eine Wonne ohnegleichen mit sich.
.Hch möchte dich etwas fragen." sagte sie eines Tages ganz unvermittelt zu ihrem Manne, der eben in feine Mittagszeitung vertieft war.
,5a," gab er mürrisch zurück, „aber mach' rasch."
Sie schüttelte den Kopf und ging an ihm vorbei, nach ihrem Nähtischplatz am Fenster.
..9hm?" fragte er gereizt.
,,Es hat keine Eile", jab si«^zurück, aber er hätte das Zittern in ihrer etimme.
Herrgott, was so ein Weid für einen Gefühls- dallast mit sich herumschteppte. Die Liesl insbesondere. Die schien aus lauter Mollrönen zusammen gesetzt. Er nahm seine Zeitung und ging in fern Studier-
n<y äußerte gelegentlich Hier möche ich auch nicht allein gehen", unb zu Rem: „Du willst mich doch nicht in den Teich werfen". Rem erwidert«: „Du meinst wohl, weil ich ein Seemann bin." In der Nähe des letzten Anglersteges fchlug plötzlich Rem dem Wagner mit der Faust auf den Stopf. Wagner hielt dies zunächst für Scherz. Als aber die Schläge immer heftiger wurden, erfaßte er seinen Totschläger unb setzte sich zur Wehr. Jetzt kam v. Salomon, der ausgetreten war. hinzu und suchte dem Wagner den Totschläger zu entreißen Er schlug ihn hierbei mll der Faust inS Gesicht, so daß die Brille des Wagners zu Boden fiel. Es entstand nun zwischen Wagner. Äern und v. Salomon ein weiteres Geraufe in diesfem Verlaus auch Rem zu Boden tarn. Wagner wurde von den beiden anderen nach dem Geländer des Anglersteges gedrängt. Als er sah, daß er sich nicht anders helfen konnte, stellte er sich tot. Aunmehr wurde gerufen, ob von Äern oder von v. Salomon, wurde nicht festgestellt. „Den Stein her, den Stein her". Schwing, der auf dem Wege schon über den Anglersteg hinauSgekommen und bei dem Geraufe fteljengeblieben war, kam nun mit dem Stein, den er aus dem Packpapier herausgenommen hatte, herbei. Der Stein wurde nun dem aus dem Boden liegenden Wagner in den aufgeknöpften Mantel gesteckt. Auf Aufforderung deS Äern ergriff Schwing den Wagner am Kopf. Äcm ihn an den Füßen, ob auch v. Salomon hierbei geholfen hat, steht nicht fest. Wagner wurde über das Geländer ins Wasfer geworfen. 3n dem seichten Wasser kam er alsbald wieder zum 6teben. Nunmehr feuerte Äern auS einer Pistole drei Schüsse aus Wagner ab. Wagner tauchte unter, schwamm ein Stück in der Richtung nach der Mitte des Deichs und dann wieder im Bogen nach dem Ufer zu. v. Salomon war inzwischen dem Äern in den Arm gefallen, hatte ihm die Pistole abgenontmen und ihn hierdurch am weiteren Schießen verhindert. Äern, v Salomon und Schwing gingen nunmehr nach Bad-Aauheim zurück in das Zimmer des Schwing, wo sie sich reinigten. Wagner klettert« an- Ufer, er ging nach dem Wasserwerk auf der anderen Seite des Teiches, wo er ein Licht brennen sah. unb suchte dort Schutz. Bon hier _>urbe er in das Krankenhaus gebracht. Er äuhette dort die Befürchtung, er könne noch von seinen Dersolgem erschossen werden. Äern und v. Salomon begaben sich zu Fuß nach Bad Homburg und von hier mit
_________ I
gültigem Ton. Ader Elisabeth hätte doch die Wärme in feiner Stimme unb fah, wie feine Augen glänzten. Er freute sich. Freute sich mit ihr auf fein Rtnb Das machte sie überselig. Sie hätte kaum, als er ihr sagte, was fie zu meiden hätte und was für sie von ‘.Borteil fei in dieser Zeit. Hanna kam erschrocken ins Zimmer: „Ob er beim feine Sprechstunde vergessen habe?"
.,3a so, ich komme gleich" - Das war jetzt wichtiger.
Elisabeth bekam sogar noch einen Stuß, ehe er aus dem Zimmer ging.
Hanna hatte m den kommenden Tagen ihr« kleine Liefe am liebsten In Walle gewickelt. Neichmann muhte immer schelten, daß das Derpappeln nichts tauge. Esten sollte die Liesl tüchtig unb ihre gewohnte leichte Arbeit tun unb schlafen zwischenhinein und viel spazieren lausen.
„Mach' alle Tage deinen gleichmäßigen Trott," verordnete er. „Dann wird nichts fehlen!" — Aber er sagte das letzte unsicher
Sie tat alles, was unb wie er es haben wollte. Einen folgsameren Pattenten hatte Neichmann In feiner ganzen Praxis nicht. Ihr Aussehen war blühend, bis fie eines Tages rpit todblassem Gesicht zu Hanna in die Rüche trat
,Jf)frr Jesus, kleine Liefe, was ift dir denn?"
„fttitfats!" (Es Oana hohl, unb die Augen der jungen §rau hatten alles Glänzen verloren.
„Hast fein vertrauen mehr zu mir?" jammerte Hanna.
,Lch bin nur so müde!"
»Das ist los?* frug Rcsthmann, als er am Mit- toft zu Tische kam. „Fühlst bu dich besonders unpäßlich heute?"
„Nein." Ein eigentümlich forschender Blick streifte ihn.
Das hat sie beim, dachte er, unb suchte bas Darum zu ergründen. Eie fühlte sich so wohl wie sonst. Mehr war nicht aus ihr herouLZubringen. Während er in der Sprechstunde sah. verschloß sie sich m ihr Schlafzimmer und zog aus ihrem Brustausschnitt einen stiebet fachen en Dogen hc-rvor. Der hatte in feiner Tasche gesteckt. Er batte gestern abend, ehe er in Gesellschaft ging, den Nock gewechselt unb ihn rm Zimmer hängen gekästen.
(Fortsetzung folgt.)
Märtyrer der Liede.
Roman von I. Schneide--Förstl.
39 Fortsetzung Nachdruck verboten.
Das Rind blickte sie oorwurssvoll an. Sie schämte sich. — D Gott, hilf mir doch in diesem schrecklichen Zwiespalt In mir selbst, schrie sie aus tiefster Seele. Warum verttaute sic denn nicht vollen und gläubigen Herzen? Mißt rauen schändet seinen Träger, unb wahrhaftig, er batte ihr. seit sie verheiratet waren, iwch nie Grund zur Eifersucht gegeben, unb sie wußte gut. daß die Frauen eine Dorliebe für ihn hatten. Ich will mich bestreben, gerecht .zu sein, er- mahnte sie sich und nahm nun dem Rind gegenüber ihr voriges Nein zurück. Annemarie frug nach keinem Darum. Sie war glücklich und sprang vergnügt vor-
1 aus quer durch den Wald.
„Da ist es am nächsten nach Hause!" erkiätte sie munter. „Die Mama roirb sich freuen, wenn ich dich bringe."
„Meinst du, auch der Onkel Doktor?" sagte Elisa- beth mit einem zweifelhaften Lächeln
„Der Onkel Dottor0 — Aber das ist doch dein Mann, Tante Elisabeth! Unb ein Mann freut sich doch immer, wenn seine Frau kommt. Nicht wahr, Tante?"
„Ja — natürlich!" lächelle dir junge Frau und suchte den letzten Nest von Depression hinwegzu- scheuchen. Es gelang beinahe.
„Alfo, da bist du ja schon!" sagte Reichmann, als sie mit Annemarie in Nellas Wobnzimmer kra t. „Ich tagte soeben zu Nella. du seiest die Pünktlichkeit selbst. Da können wir also gleich fahren."
„Lass' doch deine Frau erst noch ein Glas Wein trinken!" UMnbk sie rasch ein.
„Wozu denn?" Er schob das kleine Tischchen vor dem Ecksofa etwas beijeite und dehnte feine Hünengestalt. .Hie Lie-1 ist gar nicht auf Wein unb |o etwas erpickt. Nicht wahr, Liesl? Unb zudem habe ich Hunger noch einem ausgiebigen Mittagessen und . ."
„Iß bei mir!" warf sie dazwischen.
. Bei dir? — Nein, meine Liebe! Ich will's bequem haben."
„Das läßt sich ja machen!" lachte Nella.
„Nein!" beharrte er. .Lu Haufe schneidet die Liesl mir das Fleisch und macht mir alles mundgerecht.
tarnten Beweisaufnahme, zu der lleberzeugung. daß bte freie Willens b< stimmig des Schwing bei Begehung der Tat nicht ausgeschlallen war. Selbst wenn der am Boden liegende Wagner sich beim Herankommen des Schwing rot gestellt hatte, so mußte und konnte auch Schwing. wenn er sich auch in diesem Moment in größerer Erregung befand, di« Erwägung anfteilen, zunächst zu prüfen. ob Wagner wirklich tot war. Auch dies hat er unterlasten und er hat ohne weiteres dem Äern Hilfe geleistet. Schwung wurde deshalb wegen Beihilfe zum versuchten Totschlag verutteilr.
tki brr Strafzumessung
hat das Schwurgericht nach den Grünt ei, bezüglich von Salomon straferhöhend erwogen, daß die Handlungsweise eine äußerst gemeine war Dem Äameraben wurden bte schönsten Bisher vorgegaukelt. als er in den beabsichtigten Tod geführt wurde. Anderseits hat aber das Schwurgericht zugunsten des Angeklagten von Salomon berücksich- tigt, daß er bei Begehung der Tat er i kaum 19 Jahre alt war. er in einem förmlta»n Ab- bangigkellsvcrhältnis au Äern stand, auch wurde die Tat aus den Zuständen in Deutschland im Zähre 1922. nicht aus der jetziaen Zell betrachtet Dies alles veranlaßte das Schwurgericht, den von Salomon in eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren zu verurteilen. Diese Strafe war. da v. Salomon nach der Begehung der Tat vom StaatsgerichtShof wegen Beteiligung an der Ermordung des Ministers Rathenau zu einer Zuchthausstrafe von 5 Jahren verurteilt worden war. nach gesetzlicher Bestimmung, dem Verhältnis von 2 AU 3 entspr«hend. in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren zurückzusühren und gemäß § 74 Str D. B. weiter zu reduzieren. 3n Berücksichtigung der gesetzlichen Besttmmungen hat das Schwur- gettcht eine Zusatzstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten Zuchthaus ausgesprochen und hiernach aus eine Gesamtzuchthausstrase von sechs Jahren und drei Monaten erkannt.
Bezüglich deS Schwing waren bei de, StrasauSmessung folgende Gründe artSfchlag- gebenb: Schwing ift von den Sachverständigen alS schwerer Pfnchopalh geschildert worden, auch er des and such in einem gewissen Abhängigk-its- Verhältnis zu Äern, andererseits mußte aber die Schwere der Tat berücAichtigt werden. Deshalb kam das Schwurgerictt hier zu einer Gefängnisstrafe von 1 3 a b r und 8 Monaten Die erlittene UnlerfuchungShast wurde dem Schwing angerechnet.
Was endlich den Angeklagten Heinz anlangt, so besagten die Gründe, daß ein zweifelsfreier Beweis dafür, daß er den Schwing zur Tat angestiftet und er dem Äern dadurch Beihilfe geleistet habe, daß er den. Schwing am Nachmittag deS 4. März 1922 von dem Rommen des von Salomon benachrichtigt, ihn dem Äern bllv. von Salomon zur Verfügung gestellt habe, nicht erbracht fei. wenn auch die Unschuld des Hernz nicht erwiesen sei.
Hinsichtlich deS viel umstrittenen Zeugen Schmidt- .Halbschuh" kam das Schwurgericht zu dem SrgebniS, daß seine Aussage nicht ein völlig klares Bild davon gebe, was er selbst erlebt und war er gebärt bat GS wurde auch berücksichtigt, daß er Angaben, Me er gemocht, wieder zurückgenommen hat.
Endlich hat da- Schwurgericht, tote au<- gesührt wurde, nicht bi« Ueber^eugung erlangt, bah hinter Äern unb von Salomion ehw Oraanb- satton stand, unb zwar auf Grund der beeidigten Aussagen deS Zeugen Tillesfen, der befunbet hat, bah Äern allein von feinem Dorgehen gegen Wagner gesprochen habe, chm, Ti lies len. sicher bekannt geworben wäre, wenn noch andere, nis- besondere eine Organisation an dem Attentat auf Wagner irgendwie beteiligt gewesen wäre.
a Main rntgcixommen worden wäre Für eine Tötung^abs.cht sprechen auch weiter bie llmftänte. daß von Salomon am Nachmittag DorauÄgetobren war. offensichtlich zu becn Zweck, das Terrain zu sondieren. Auch die Wanderung durch die verschiedenen Lokale unb die Vorspiegelung weiteren- Amüsements in der Nähe des Teichs dem Wagner geqenüber spricht hierfür, ferner, daß Wagner in den Augen ÄernS ein Derrärer war. der den „'Bertater** beseitigen, wolle, was durch eine Abreibung nicht möglich gewesen wäre, sowie daß Äcm und von Salomon sich um ein Aachtguart.er in Bad-Nauheim überhaupt nicht bemüht hatten, endlich auch die nächtl.che Wanderung nach dem entfernten Bad Homburg, wodurch zweifellos die Aufhellung der Tat erschwert. ein Alibi geschallen werden sollte.
SS bestand auch für daS Gericht kein Zweifel. daß von Salomon wußte, daß Äcm den Wagner zu töten beabsichtigte. (3r gab au. daß Äern im Laufe deS AbendS in der „Hupfeld- Diele" von einer Waffe gesprochen habe 3n ÄenntniS deS TötungSwillenS deS Äern hat von Salomon in bewuhtem oder gewolltem Zusammenwirken mit Äern die vorstehend geschilderten Handlungen gegen Wagner begangen. Der Versuch. Wagner zu töten, wäre aber erst mit dem letzten Schuh auS Äerns Pistole beendet gewesen. Diesen Versuch hat von Salomon dadurch freiwillig vereitelt, daß er dem Äcm die Waffe entrissen hat. Er ist damit freiwillig vom Versuch der Tötung Aurüdgetreten. Diese Angabe Salomons, daß er dem Riern die Waffe entrissen habe, wurde bestätigt durch die beeidigten Aussagen der Zeugen X i l lef f en und Brand, denen gegenüber Äern Angaben gemacht hatte in dem Sinne, daß von Salomon ihn von weiterem, vom äußersten abgehalten habe. eS hierdurch nicht zur Tötung WagnerS gekommen sei. Aach der Ansicht des Schwurgerichts war deshalb von Salomon nur wegen gerne in- schaftlich mit Äern begangener vorsätzlicher Äör- perverlehung. sowie wegen des hinterlistigen UcberfallS auf 'Wagner nach Paragraphen 223, 223a Str.G B. zu bestrafen.
WaS die Beteiligung deS Schwing anlangt, so hatte nach der vorgetragenen ilcberxeugung des Schwurgerichts dieser zunächst nur dunkle Ahnung, was bet dem Gang zum Teich bevorstehc. Dah etwas Schweres, Fürchterliches bevorstehc, darüber war er sich klar. Erst als der Stein von ihm abbetlangt wurde und mit diesem die erwähnten Manipulationen vorgenommen wurden, konnte kein Zweifel mehr für ihn bestehen, was Äern beabsichtigte, und er hat an der beabsichtigten Tötung dadurch teil genommen, dah er dem Äern half, den Wagner inS Waller zu werfen. Er hat dadurch dem Äcm wissentlich Hilfe geleistet. Er hat aber nach der Ueberzeugung des Schwuraettchts ohne lleberlegung gehan- belt Die Sachverständigen. Med.-Aat Dr. 6 c r i b a und Dr. Schäfer, äußerten erhebliche Zweifel, ob Schwing, ein schwerer Psychopath, für seine Tat verantwortlich gemacht werden könne. DaS Schwurgericht kam aber, auf Grund der ge-


