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Nr. (50 viertes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejjen)Mittwoch, 50. Juni (926

Aus Natur und Technik.

Ueberblick über die Gesolei - Ausstellung.

Don unserem nach Düsseldorf entsandten Sonder­berichterstatter.

Die große Düsseldorfer Ausstellung für Ge­sundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibes­übungen 1926 dürfte die bisher größte Aus­stellung auf diesem Gebiete sein, größer und bedeutungsvoller noch, als die Hygiene-Aus­stellung in Dresden 1911, die damals Weltruf genoß. Auch räumlich ist sie erheblich ausgedehn­ter als die Dresdener, denn während diese nur etwa 55 000 Quadratmeter bebaute, Ausstel­lungfläche aufwies, werden die Gebäude der ©eitncx fast 120 000 Quadratmeter einnehmen. Diese Summe setzt sich zusammen aus 15 000 Quadratmeter festen neuen Bauten, 20 000 Qua­dratmeter bereits bestehenden Gebäuden und etwa 35 000 Quadratmeter offiziellen Bauten, die aber, nur provisorischen Charakter tragen. Die restlichen 50000 Quadratmeter werden durch pri­vate Bauten, wie Pavillons, Vergnügungs-Eta« blissements usw. bedeckt werden.

1. Das Ausstellungsgelände und die Bauten.

Das Bauterrain, das sich auf dem rechten Rheinufer, von der Düsseldorfer Straßenbrücke bis zum Jachthafen erstreckt, hat eine Ausdeh­nung von 400 000 Quadratmeter. Das inter­essanteste und markanteste Gebäude ist das Pla­netarium, das sich dicht neben der Rheinbrücke erhebt. Cs ist ein gewaltiger Rundbau von ca. 30 Meter Hohe mit gigantischer, mit Sati­niertem Kupfer bedeckter Kuppel. Der ganze Bau, der einen Flächeninhalt von ca. 5500 Qua­dratmeter und einen Durchmesser von 47,5 Meter hat, bietet Raum für etwa 2000 Personen. Rund um den Rundbau führt eine Terrasse, die durch eine gewaltige Freitreppe vom Vorgarten aus zu beschreiten ist, aber auch durch einen direkten Zugang von der erhöhten Drückenrampe aus erreichbar ist.

Am Rhein entlang erhebt sich ein großes Gebäude, daS zu Museumszwecken gedacht ist. Gleichfalls am Rhein steht das Rhemterrassen- Restaurant, von dessen Terrassen man eine wun­derbare Aussicht auf den Rhein genießt.

Am meisten der öffentlichen Kritik unter­zogen sind die Bauten um den Kunstpalast und Die Umformung dieses Gebäudes selbst. Der Kunstpalast, 1902 erbaut, konnte in seiner alten Fassung aus künstlerischen und wirtschaftlichen Motiven nicht bestehen bleiben. Sein etwas bom­bastischer Stil hätte sich das Gesamtbild der ganzen Anlage nicht harmonisch eingefügt, feine Kuppel wäre durch die gigantischen Ausmaße der anderen Bauten vollkommen erdrückt worden. Auch wäre es nicht zweckmäßig gewesen, die 100 Meter lange Front des alten Kunstpalastes in seiner veralteten Stilrichtung als Muster für mehr als einen Kilometer neue Fassade dienen zu lassen, darum wurde beschlossen, die neue Fassade vom modernen Gesichtspunkt aus su er­richten und den alten Kunstpalast in demselben Charakter unuugeftalien. Bon dem Kunstpalast laufen Flügelbauten nach einem Gebäude, das parallel zu Rhein und Kunftpalast liegt; so ent­steht ein rechtwinkliger freier Raum, der sehr wirkungsvoll als Jnnenhos ausgestaltet wird.

Die ganzen Gebäude, deren Schöpfer der be­kannte Düsseldorfer Architekt Prof. Dr. 3ng. e. h. Kreis ist, sind in einem einfachen, die Zweck­mäßigkeit betonenden Stil entworfen, der auf den Laien etwas fremdartig wirkt, der aber nur mit ehrlicher Offenheit das sagt, was wirklich da ist, und es ablehnt, etwas vorzutäuschen, was nicht ist. Darum mußte das Gebäude, das be­stimmt ist, später einmal die Kunstschätze Düssel­dorfs aufzunehmen, seinem Charakter gemäß, also als Museumsbau ausgestaltet werden. Dar­aus folgte, daß die oberen Stockwerke nach der Westseite Oberlichtbeleuchtung erhielten, und zwar durch seitliche Fensteröffnungen nach der anderen Seite. Dadurch erscheint dieses Gebäude nach dem Rhein mit hohen geschlossenen Fronten und zeigt nur im Erdgeschoß Fenster, ausge­nommen die großen Mittelhallen, deren Fenster nach der Rheinseite durch alle Stockwerke hin- durchgehen. Durch diese, aus der Ratur der Sache gegebene Anordnung wurde die Rhein­front sehr monumental und erscheint ungewohnten Augen fremdartig. Jedem aber, der einmal große Museumsbauten mit Oberlicht gesehen hat. wird es einleuchten, daß es nicht anders fein konnte.

Auch die provisorischen Bauten sind nach einem harmonischen Gesamtplan so ausgeführt worden, daß sowohl der Verkehr als auch das äußere Bild aller Bauten sich vorzüglich dar­stellt. Eine Straße von fast 40 Meter Breite führt vom Terrassen-Restaurant aus am Rhein .entlang bis an das Ende der Ausstellung. 3n der Mitte erweitert sich die Straße in einem 300 Meter breiten und 150 Meter tiefen Fest- platz. Der erste Abschnitt der offiziellen Bau­ten, beginnend am Terrassen-Restaurant, um­faßt eine sehr große Gruppe von Bauten. Sie beginnt mit einem Turm, der für Vorführungen der Feuerwehr bestimmt ist und abends mit 2e- leuchtungSeffekten weithin eine große Anziehungs­kraft ausüben wird. Die Ausstellungshallen sind schlicht und einfach, ihrer Bestimmung entspre­chend gebildet und werden sich vorteilhaft von vielen früheren Ausstellungen dadurch unter­scheiden, daß sie nicht wie diese ein unruhiges Durcheinander verschiedener Stilsormen und ver­schiedener Maßstäbe sein werden, sondern eine Einheit in der Auffassung und im Maßstab und daher ein schönes harmonisches Bild einer Rhein­front von 3 Kilometer Länge einschließlich der festen Bauten ergeben.

Als Verkehrsmittel für diese gewaltige Aus­stellungsanlage dient eine Liliputbahn, die durch den Hosgarten und die neue Anlage vor dem Kunstpalast bis zum Sporthafen führt und zu­rück, bis sie schließlich wieder im Hofgarten icndigt

Jl. Rundgang durch die Ausstellung.

Die Fülle des Gebotenen ist so außerordent­lich groß, daß wir uns auf einen ganz kurzen äleberblick beschränken. Schon aus dem Wort ^Gesolei" geht hervor, daß die ganze Ausstellung In drei Hauptteilungen zerfällt, nämlich Gesund­

heitslehre, soziale Fürsorge und ßeibedübungen, von denen die erste bei weitem die größte an Umfang und 3nhalt ist.

Die Gesundheitspflege beginnt mit der welt- weltberühmten Schau des Deutschen Hygiene- Museums in Dresden, .Der durchsichtige Mensch", die eine anschauliche Darstellung des Baues und der Funktionen unseres Körpers gibt. Daran schließt sich eine geschichtliche Darstellung der Medizin und Raturwissenschaflen am Rhein von altgermanischer Vorzeit bis jetzt an. 3n einer Abteilung Erblichkeit und Rassenhygiene wird ge­zeigt, wie sich der Mensch nicht nur auswärts entwickeln, sondern auch durch Fehler sich und seine Rachkommen schädigen kann. Roch einer Darstellung der Bedeutung von Luft und Klima für die Gesundheit des Menschen kommen wir zu der umfangreichen Gruppe ..Ernährung und Nahrungsmitte l", die alle Fragen der Ernährung einschl. der betreffenden Funktionen des menschlichen Körpers und der richtigen Aus­wahl der Speisen behandelt. 3n engem Zu­sammenhänge steht die außerordentlich beachtens­werte unb reich beschickte GruppeD e r M e n s ch in seinen gesundheitlichen Bezie­hungen zu Pflanzen und Tieren", die in wohl noch nie gezeigter Fülle ein Bild der Pflanzen- und Tierzucht einschließlich ihrer Krank­heiten gibt. Um ein Beispiel anzuführen, nennen Wird die Gruvven ..Die Milch vom Gitter der

Arbeits- und Gewerbehygiene einschl. Unfallverhütung ist ein in un­serem Zeitalter sehr wichtiges Kapitel. Hier sehen wir alle die Maßnahmen, die zur Er­haltung der Gesundheit und zur Sicherheit des Arbeiters gegen Unfälle getroffen werden. 3m Anschluß daran ist auf die Eignungsprüfung für körperliche und geistige Arbeit eingegangen. Auch die typischen Gewerbekrankheiten und der Schuh der Frauen und Kinder in den Betrieben ist vertreten.

Wenn wir zusammenfassend die ganze zur Schau gestellte Gesundheitslehre mit ihren vielen Rebenzweigen überschauen, so sind wir über­rascht. zu sehen, wie auch hier die moderns Technik und 3nbuftrie überall eingreift. Ohne zu übertreiben, darf man behaupten, baß cs hier kein größeres Gebiet gibt, das sich nicht in irgendeiner Weise technischer Mittel bedient. Wenn wir in den historischen Gruppen die frü­heren Zustände betrachten, so kommt un»3 dies noch mehr zum Bewußtsein. Vor allen Dingen erkennen wir daraus, daß unsere ganze heutige hohe kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung in der Gesundheitspflege ohne die Fortschritte in Raturwissenschast und Technik gar nicht möglich wären.

Die zweite Hauptabtellung der großen Aus­stellung ist derSozialen Fürsorge" ge­widmet. Grundlegend sind hier drei große =

Blick auf die Bauten der Gesolei mit Rheinbrücke im Vordergrund.

Kuh bis zum Muirde des Konsumenten" und Hygiene der Fleischgewinnung und -Verarbei­tung".

3n sehr großem Umfange wird bas Woh­nung s - unb Siebelungswesen behan­delt. Wir beginnen mit dem Brandschutz. Ein 40 Meter hoher, in 40 Tagen in Beton aus hochwertigem Zement errichteter Feuerwehrturm legt Zeugnis von den Leistungen deutscher Dau- technik ab. 3n der anschließenden Halle finden wir Feuerlöschgerüte und Feuerschutzmittel. Die Wasserversorgung", eine der wichtigsten hy­gienischen Grundlagen für jede moderne (Stadt unb Siedlung gliedert sich in eine historische, wissenschaftliche und industrielle Abteilung. An Hand vorzüglicher Modelle erhält der Besucher einen guten Ueberblid über dies so wichtige Ge­biet. Viel 3ntereffe findet auch die geschichtliche Entwicklung des Babewesens von ber ältesten Zeit bis zur Gegenwart. 3n einem Wellen­bad (Plairschcttarium) hat man Gelegenheit, gleich die praktische Nutzanwendung zu ziehen. Die Beseitigung des Kehrichtes unb bet Abwä sser hat nicht minder große Bedeutung für unsere Gesuirbheit. Man denke nur an die ansteckenden Krankheiten, die bei mangelnder Ab- fallstoffbeseitigung sich ungeheuer ausbreiten kön­nen. 3ntereffante Modelle unb Apparate führen uns auch in dieses Gebiet ein. Der Anlage von Siebelungen unb Heimstätten ist burch Musteranlagen in natürlicher Größe, wobei be­sonders die fünf Musterhäuser mit Dorfkirche hervorzuheben find, große Beachtung geschenkt. An dieser Stelle wollen wir nicht vergessen, auf die SonderausstellungRuhrkohle" hinzu­weisen, die u. a. ein Bergwerk im Kleinen mit allen feinen interessanten Einrichtungen unter Lage zeigt.

Weiterhin treffen wir auf die Einrichtungen des modernen Haushaltes wie Gas, Elektrizität unb Beleuchtungstechnik im besonderen. Daran schließt sich Heizung, Lüftung unb Wäscherei an. Man sieht hier, wie unwirtschaftlich meist in Haushalt noch gearbeitet wird, unb wie viel schneller und leichter die Arbeit mit Hilfe ber technischen Einrichtungen vor sich geht. Eine Svndergruppe Verkehr unb Verkehrsmittel gibt auch hier eine Uebersicht, besonders in hygieni­scher Beziehung. Die Reichspost will mit einem Musterpvstamt Verständnis für ihren Betrieb erwecken.

Eine SondergruppeDie Frau stellt die Frau in den verschiedenen Berufsarbeiten bar. Der Kleidung unb rperpslege ist eine besondere Abteilung gewidmet, die zweck­mäßige und gesunde Kleidung praktisch vor Augen führt.Krankenversorgung und Kran­kenbehandlung" dürfen natürlich nicht feh­len. Auch hier spielt die Technik heute eine große Rolle lRöntgenapparate. Krankentrans­port usw.). Eingehende Würdigung finden die übertragbare Kr ankh eiten, die heute trotz aller Gesundheitspflege noch fast ein Drittel aller Todesfälle frühzeitig verursachen. Rach un­seren früheren Kolonien führen die Kolonial­hygiene und Kraßheiten warmer Länder. Hier wird auch der Beweis erbracht, wie ungeheuer viel die deutsche Verwaltung für die Gesund­heit ber Eingeborenen getan hat und daß bas vom Ausland noch immer verbreitete Gegenteil nichts als böswillige Lüge ist. Für Robert Koch, dem erfolgreichen Dekämpfer ber Schlaf­krankheit. ist in einem besonderen Raum eine Würdigung seiner ungeheueren Verdienste um die Menschheit gegeben.

Pen zu unterscheiden, nämlich die Gesundheits­fürsorge, die Dildungs- und Erziehungsfürsorge und die wirtschaftliche Fürsorge mit ihrer Gruppe der Sozialversicherung. Sehr bemerkenswert und zu begrüßen ist, daß in sehr vielen Fällen trocknes statistisches Zahlenmaterial durch anschauliche modellartige Darstellung dem Besucher leicht ver­ständlich Vorgefühl ist.

3n der Gesundheitsfürsorge wird ein umfassendes Bild von all den in Frage kom­menden und für unsere Volksgesundheit so wich­tige Problemen gegeben. Besonders wichtig ist die Eheberatung, sowie die Darstellungen über Bekämpfung der Tuberkulose und Geschlechts­krankheiten.

Die Dildungs- und Erziehungs- für sorge hat sich mit Recht in den letzten 3ahren außerordentlich ausgedehnt. Besonders hervorzuheben dürfte die mustergültige 3ugend- herberge, das Haus der 3ugend und die muster­gültige Dücherausleihe sein.

Die wirtschaftliche Fürsorge ist ein Gebiet, wo vielfach erst Anfänge vorhanden find. Wir sehen hier die mannigfachen Aufgaben, die noch einer wirklich erfolgreichen Lösung harren. 3n engem Zusammenhang damit steht die Für­sorge durch Sozial- unb Privatversicherung. Zu­letzt bekommen wir ein Dild vom Umfang ber behördlichen unb freien Wohlfahrtspflege.

Den Schluß bildet bie dritte Hauptabteilung Leibesübungen". Heute gilt mehr denn je das alte lateinische Sprichwortmens sana in corpore sano, auf deutschein gesunden Geist kann nur in einem gefunden Körper wohnen". Es ist erfreulich, daß unsere 3ugenb und auch das reifere Alter sich so stark sportlich betätigt. Auf ber Gesolei erhält man einen Ueberblick über all die verschiedenen Zweige der sport­lichen Betätigung. Auch der Deutsche Reichs­ausschuß und die Deutsche Hochschule für Leibes­übungen in Berlin fehlen nicht. Eine Sonder- ausstellungLuftschiffahrt" gibt eine Dar­stellung ber vergangenen unb zukünftigen Ent­wicklung bes Lustfahrwesens. Das Flugzeug unb bie AusbÜbung zum Flugzeugführer ist babei besonbers berücksichtigt. An die mit der Gesolei verbundene Düsseldorfer Kunstausstel­lung schließt sich eine interessante und schöne Abteilung Sport und Kunst an.

Rundfunkstörungen - ohne Straßenbahn.

Don Wilhelm Duchmann.

Diesmal ist sie wirklich unschuldig, nicht etwa, weil sie sich gebessert hätte, sondern weil sie wirklich nichts dafür kann. Was hat man ber bösen Straßenbahn nicht alles auf baä Schuldkonto gesetzt, teils unberechtigte, zum großen Teil aber auch leider nur allzuberech- rigte Vorwürfe. Durch eingehende Versuche so­wie feßr sorgfältige Beobachtungen zahlreicher Funkfreunde wissen wir heute, daß die Ursachen für Vx mannigfachen von ber Straßenbahn per- rührenden Störungen des Rundfuntempfangs in der mangelhaften Kontaktgabe des Stromabneh­mers Bügel- oder Rollenabnehmers zu suchen sind. Seltsamerweise sind es nicht die großen, weithin sichtbaren Funken am Fahr­draht ober den Schienen, die bei schlechtem Kontakt unb hoher Stromaufnahme des Motors entstehen, sondern die ganz kleinen, fast mikro­skopischen Fünkchen bei geringem Stromverbrauch durch die Glühlampen des Wagens bei aus- geschaltetem Motor. Schon ein feines Zittern

bes Fahrdrahtes oder des Abnehmers bei ste­henden Wagen infolge von Dobenerschütterungen durch vorbeisährende Wagen ober selbst durch Vorübergehende genügt, um bie ganze Rachbar- schast ausreichend mit störenden Geräuschen zu versorgen.

Run sollte man meinen, baß den Vorzug des Rauschens, Ratterns und Knackens im Hö­rer nur die Funkgäste haben, die auch sonst die Straßenbahn in bequemer Reichweite haben. Weit gefehlt. 3ch habe z. D. das Glück, die nächste Sttaßcnbahn in mindestens 5 Kilometer Entfernung zu haben, und bin bisher von den mir von Bekannten in der Stadt her wohl- vertrauten (Störungen verschont geblieben. 3ch konnte mich allerdings hie unb da an dem (Sc- quieke lieber Rückkopplungsnachbarn ergötzen, aber selbst beim besten Willen und Fern­empfang waren keine Straßenbahngeräusche her- vorzulocken wenigstens bis vorgestern nicht. Dann wurde ich aber reichlich entschädigt, un­verfälscht war bas Rauschen unb Knattern selbst im Detektorempfänger! Sollte man mir über Rächt einen eigenen Sttaßenbahnanschluß gelegt haben, um mir meinen täglichen Fuß­marsch zu ersparen und dafür die (Segnungen des Rundfunks zu verleiden? Wohl kaum. 3ch habe weder so einflußreiche Gönner noch so nieder­trächtige Freunde. Funkheinzelmännchen schie­nen ihre Hände im Spiel zu haben. Und tat­sächlich. so war es! Die Störungen traten, wie die Straßenbahnstörungen, nur abends auf. Was konnte nur die Störungsursache sein? 3d) sand schließlich, baß bie (Störungen anfingen, sobald eine bestimmte Glühlampe eingeschaltet worden war, besonders bann, wenn jemand durch das Zimmer ging: Die Lampe hatte sich von selbst in ihrer Fassung gelockert unb machte am Fuß schlechten Kontakt. Bei besonders starken Er­schütterungen flackerte sie sogar. Die Ursachen für die Störungen sind also die gleichen wie bei ber Straßenbahn: Wackelkontakt unb ge­ringe Stromstärke, die nicht zum Ziehen eines größeren Lichtbogens, wohl aber zur Bildung kleiner Fünkchen ausreicht.

Wenn man seinen Empfang rein halten will, so muß man also darauf achten, baß bie Leichtleitung keinen Wackelkontakt aufweist. Die Lampen finb fest einzuschrauben unb von Zeit zu Zeit nachzudrehen, da sie sich häufig von selbst lockern. Aus Grunb der geschilderten Er­fahrung habe ich alle Lampen auf ihren Ditz geprüft; sie hatten sich sämtlich etwas gelockert, auch stehende. Gerade die Störenfriedin war eine solche. Weitere Fehlerquellen können Schal­ter bilden, deren Federn nachgelassen oder sich gelockert haben, ferner schlecht eingeschraubte Sicherungen sowie lose sitzende Stecker, beson­ders von bewegten Heiz- und Kochgeräten, wie Bügeleisen usw. Sehr störend können auch Staub­sauger und Nähmaschinenantriebe mit fehler­haften Dürsten wirken: sie machen sich unter Umständen auf mehrere hundert Meter bemerk­bar, zum mindesten im Haus, kann man doch auch das Ein- und Ausschalten des Lichtes in ber eigenen ober ber Nachbarwohnung deutlich als Knacken im Hörer wahrnehmen. Die aus Starkstromleitungen über Klingelwanbler ge­speisten Klingeln unb Türöffner rufen ebenfalls ein starkes Rattern hervor, so baß man schon im Fernhörer feststellen kann, wenn Frau Leh­mann Besuch bekommt.

Der Bernstein.

Don 3ngenieur Karl Trott.

Wer sich an ber Ostsee aufhält, richtet seinen Blick häufig auf den Boden, um wenigstens ein Stückchen Bernstein zu finden. Gewöhnlich ist der Erfolg nur gering, und man fragt sich mit Recht, woher denn eigentlich die vielen Schmuck- fachen aus Bernstein kommen. Diese Frage wäre zu verstehen, wenn man eben nur auf die weni­gen Stückchen Bernstein angewiesen wäre, die unS bas Meer anschwemmt. Nun ist aber der Bern­stein aus dem Harz einer Art Nadelhölzer ent­standen, die mit der Zeit im Sande verschwun­den find. Man wird ihn daher um so eher finden, wenn man ihn regelrecht wie etwa die Braun­kohle fordert. 3n der Tat ist diese Dernstein- forberung, hauptsächlich in Ostpreußen, ein blü­hender Industriezweig geworben: Werden doch jährlich aus dieserblauen Erde", wie man diese Eandschichten nennt, 500 000 Kilogramm Roh­bernstein gewonnen. Riesige Bagger schaffen Zu­tritt zu dieser Erde, die etwa ein Tausendstel Bernstein enthält. Förderaufzüge, Lokomotiven und elektrische Maschinen vervollständigen das nur wenigen bekannte Bild, das einzig in seiner Art ist. Nur die deutsche Ostseeküste birgt Bern­stein, und so kann dieser Schmuck als ein aus­schließlich deutsches Erzeugnis gelten. Bevor sich ber Bernstein jeboch dem Auge als Schmuckstück zeigt, muß er sich manche Behandlung gefallen lassen; auch von ihm gilt das Wort, daß in einer rauhen Schale ein guter Kern steckt. Er ist im Laufe der Zeit an feiner Außenfläche verwittert und rauh unb trüb geworden. Alle Stücke, die in einerWäsche" von Sand und Erde gereinigt worden sind, werden von dieser Rinde zunächst befreit unb kommen in Drehtrommeln, wo etwa noch vorhandene Unreinigkeiten vollends abge- schlisfen werden.

Nun folgt bie eigentliche Auslese. Hierzu gehört eine große Kenntnis ber verschiedenen Demsteinsorten, deren es ungefähr 200 gibt. Der Ausleser muß sofort wissen, für welchen Gegen­stand sich ein bestimmtes Stück am besten eignet. Klare, helle Stücke werden für Ringe ober Cin- Aelperlen bestimmt. Man sagt, baß bas Feuer solcher geschliffenen Stücke dem des Diamanten gleicht ober ihm wenigstens nahe kommt. Flache Stücke sinb besonders als Mundstücke von Zi­garrenspitzen beliebt. Leider sieht man bei uns viel zu wenig Dernsteinschmuck; das Ausland, das eine große Vorliebe für ihn hat, bezieht nicht nur große Mengen unverarbeiteten Bern­steins, sondern auch etwa neun Zehntel aller Fertigwaren. Man kann also auch auf den Bern­stein bas alte Sprichwort anwenben, daß der Prophet nichts in seinem Vaterlanbe gilt.

Die beutsche Dernsteinindustrie verschafft vie­len Menschen Brot: Für bie Förderung allein werden 1200 Arbeiter beschäftigt. Hierzu kommen noch mehrere Schleifereien unb Drechslereien unb schließlich die Unternehmungen zur Herstellung ber Bernsteinlacke.