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Samstag, 27. November (926

Gießener Anzeiger iGeneral-Anzeiger für Gberheffens

Nr. 2'8 Zünftes Blatt

steckend, daß jeder mitmachen muh.'

.,2lch.

-ober Herr," sagte da der Besucher mit einem *.efen Seufzer;nun sehe ich wohl ein, dah auch Sie mir nicht helfen können ich bin Debureau!"

Buntes Allerlei.

Line Wanderung über den Meeresboden.

Dor kurzem hat ein aus Norfolk stammender Taucher namens E. Everts einen Rekord ganz eigener Art aufgestellt. Er durchwanderte den Meeresboden, und zwar die Hamptcn Roods Bucht von Old Point Comsorts bis zur Marine- station von Norfolk. Everts war nach seinen eigenen Angaben überrascht über die Schönheit dieses eigenartigen Spazierganges. Dieser Versuch bestätigt wieder einmal die Behauptung, dah ein Gang über den Meeresboden nicht so ganz reizlvs ist, wie es zunächst den Anschein hat. Wenn es möglich wäre eine derartige längere Wanderung zu machen, so würde man allerdings in der Hauptsache unendliche Ebenen finden, die an Ausdehnung nicht nur die Prärien des Westens der Vereinigten Staaten oder die weiten Pampas von Südamerika weit übertreffen, son--

Äönig Ferdinand in Audienz empfangen, um erst kürzlich wieder dem Grafen Bethlen einen anüerthalbstündigen Besuch abzustatten. 3n an­betrach: der auf diese Weise anzustrebenden Wiedergewinnung Siebenbürgens ist eine solche Kombination imgarischerseirs ge­wiß nicht von der Hand zu nxi'cn, aber po­litische Widerstände mannigfaltiger Art stehen die'er Lösung derzeit noch hindernd im Wege.

Dun ist in der schlauen Sondierung von Mög­lichkeiten und Gelegenheiten dem Grasen Beth - I e n kein zweiter gewach'en und dank solcher Fähigkeiten glückte cs ihm. sich auf drm hol­perigen Terrain des ungari'chrn Parlamentarid mus, das leitenden Männern nur selten eine dauerhafte Karriere gönnt, eine anhaltende Po­sition zu schaffen, die an Festigkeit nichts zu wün'chen übrig läht, und für die kommenden Wahlen das beste verheißt. Seine hauptsächlichen Verdienste bestehen in der energi'chen Abrüstung der noch vor wenigen Jahren so bedrohlichen Parteiertreme auf beiden Flanken, ferner in der unwichtigen Sanierung dds gänzlich zerrütteten Staatshaushalte sbci überaus geschicktem Heranziehen des kapitalkräftigen Aus­landes, ohne die wirtschaftliche Selbständigkeit des Lairdee für die Dauer preiszugeben, 'chlieh- lich in der Defreimtg Llngarns aus seiner isolier­ten Stellung durch Handelsverträge mit den Nachbarstaaten und seinen außenpolitischen Einbezug in die neue italienisch-jugo- slawifch-rumänische S t a a t e n Verbin­dung, deren Fortbestand und Vorteile frei­lich vorläufig noch in Frage stehen.

Ein Konsolidierungswerk in diesem älmfang war allerdings ohne das straffe Anspannen dec Steuerschraube nicht gut durchzusüh- rcn. Die drakonischen Besteuerungsmahnahmen der letzten Jahre waren, da eine Progressivität bei der strittigen Veranlagung und Fahbarkeit der vermögenden Schichten in diesen vionen kaum zum Ziele führen würden, durch das Aeberwiegen indirekter Steuergattungen besonders für den kleinen Mann von drückender Beschaffenheit. Die jüngsten Wochen zeitigten auch in dieser Hinsicht eine abbauende Tendenz. Just die leh*en Sitzun­gen der auseinandergehenden Nationalversamm­lung nahm Finanzminister Bud wahr, um weit­herzige Steuer- und Gebührenermäßigungen vor­zuschlagen. Wohl wurde dieser Akt der Großmut in einem solchen Zeitpunkt von den regierungs­feindlichen Fraktionen als ein bloßes Wahl- rnanöver hingestellt, doch immerhin ist es als solches zeitgemäß und strebt eine regierungs­freundliche Volksstimmung mit lauteren Mit­teln an.

Moralisch« Erfolge dieser Art reichen jedoch bei der vielfältigen Jnteressenspaltung der Lan­desbevölkerung nicht aus, um dem gegenwärtigen Regierungskurs anläßlich der bevorstehenden Wahlen die absolute Stimmenmehrheit zu sichern. Daher die geheimnisvolle Plötzlichkeit, mit der die Wahlkampagne von seilen der Regierung eingeleitet wurde. Die ungarische Wahltaktik war von jeher ein Ding für sich und vor allem die Feuerprobe für das Geschick der jeweiligen Re­gierung. Stets galt es, die Gegenparteien zu überrumpeln, um den herrschenden Kurs bei Atem zu halten. Nirgends sonst ist die Regie­rungspartei in solchem Maße Alleinträgerin dec staatserhaltenden, realpolitischen Gesinnung und aus diesem Grunde eifersüchtig darauf bedacht,

eine für das Regierungsgefchä t ungewappnete Opposition mit allen ihr zu Gebote stehenden legalen und illegalen Machtmitteln in dec Minderheit zu behalten. Diesem Zweck dient daS trotz aller leidenscha tlichen Anfechtungen von links in rückständigen Formen verharrende Wahlsystem. Schon Graf Tiszas wuchtigste politische Hiebe waren gegen die Vorkämpfer eines geheimen Wahlrechts gerichtet, testen mög­liches Durch! ringen ihm allenfalls mit Rück­sicht aus die sich immer bedrohlicher gebärdenden Nationalitäten von damals als eine Landes- gefohr vorschwebte. Indes steht der fast gänzlich nationalitätenfreie Staat von heute noch immer nicht auf der ausschließlichen Grundlage all­gemeiner und geheimer Wahlen. Nacy der kurzen älcbergangsgeltung des demokratischen Wahlrechts von 1919, das in der Praxis zu einem noch nie dagewesenen reaktionäre.« Wahl­ergebnis führte, einigte man sich zwei Jahre später in einer Kompromißlösung, die nur für die größeren S.ädte die geheime Wahlmethode vorsieht und die allgemeine Wahlbeceä t gung durch verschiedene an Al er, Berus und Bi dungs- grad geknüpfte Kautelcn nicht uncr'«blich eine gr.

Durch solche Einschränkungen wird der Re­gierung die Handhabe gegeben, die Wahlen in ihrem Sinne zu meistern. Auch diesmal fehlte es nicht an Geheiminstruktionen an Obergespane und ausführende Organe und ein strategischer Vorsprung von Belang ist der Regierung bereits sicher. Infolge solcher Machenschaften, aber auch infolge jener Populari.ät, die das Kabinett Beth­len in breiten Volksschichten genießt, ist bei den herannahen den Dezember vahlen mit einer ge- wis'en Stärkung der Regier ung$ mitte zu rechnen, - dies nicht so sehr durch einen Machtzuwachs der ^gouvernementalenKlein'and- toirt", die, in Wirklichkeit von Großagrariern durchsetzt, nach Durchführung der Bodenreform nicht mehr viel bedeuten, als durch den Anschluß früherer liberaler und bisheriger Anhänger der gemäßigten Rechten. Demgegenüber ist die demo­kratische Gegnerschaft gespalten, die Sozia­listen scheinen den Zenith ihres Erfolges bereits anläßlich der letzten Wahlen erreicht zu haben, der rechtsradikale Rassenschuh aber hat an Zug­kraft manches eingebuht. Von den Neuwahlen ist zwar keine soziale Umschichtung, doch immerhin eine weitere Ausschaltung der Rei - bun gsflächen zu eUnarten.

vor Neuwahlen ni Ungarn. |

Don Dr. Gustav Erenyi.

Budapest, November 1926.

UebcrrcttchendertveUe wurde die ungarische Nationalversammlung dieser Tage durch einen Erlaß des Reichs Verwesers noch vor Ablauf der borge'chvittenen Sitzungsdauer aufgelöst. Eia solcher Entschluß traf die Opposition, die noch manche Beschwerden und Vorschläge für die lau­sende Session in Vorbereitung hatte, recht uner­wartet, ob'chon bereits Tage vorher in den Wandelgängen des Parlament gemunkelt wurde, daß die Auslö'ung unmittelbar bevorstel»«, und daß Ministerpräsident Gras Bethlen die dies- bezügliche Ermächtigung in seiner Aktentasche mit sich trage. Verzögernd wirkte nur noch der Umstand, dah die Ge'etzesVorlage über das neu z u errichtende Magnat« «Haus erst in allen Teilen verab chiedet werden muhte. 'Sie ist dazu berufen, die vielbetonteDerfas- sungskontinuität". die gewisfermahen im Zwei­kammersystem gipfelt, restlos wiederherzustellen, und somit die neuen Wahlen bereits im Zeichen der allen Verfassung vornehmen zu lassen.

Allenfalls trug der Entwurf des restituier­ten Magnatenhauses manchen Erfordernissen der Neuzeit Rechnung und nahm dieser Institution vor allem durch Erweiterung der in ihr vertretenen Schichten den vormals ausgesprochen aristokratischen Grundcharakter. Nun finden sich im neugefahten Oberhausrahmen die verschiede­nen Stände und Berufe in skurrilem Ne­beneinander beisammen; an eine ergiebige Auslese des ge'chichtlichen Hochadels reihen sich Ver­treter verschiedener industrieller und land­wirtschaftlicher Verbände und selbst die Repräsentanten der einzelnen Religionsgc- mrinben fehlen nicht An vorderster Stelle aber wurden die habs'burgis ch e n Erz­herzog« mit vollendeten 30 Lebensjahren aus­genommen zum Beweis dessen, daß er auf Restau­ration des Hauses Habsburg lossteuerndeLe­gi ti m i s mus", der in der Hauptsache von einer Schar oppositioneller Altpolitiker betrieben wird, auch einer tiefreichenden amtlichen Grund­lage nicht entbehrt.

Im übrigen ist die noch immer ungelöste K ö - nigssrage der einzige Schönheitsfehler in der traditionstreuen Struktur des neuen Ungarftaateä immerhin ein Fehler, der die öffentllche Mei­nung nicht mehr sonderlich zu erregen vermag, zumal cs Gras Bethlens gewiegtem Staatssinn meisterhaft geglückt ist, dem royalistischen Pro­blem den Sl. chel zu nehmen und es bis zum Her- anreifen einer günstigen außenpolitischen Lage auf ein totes Gleis obzu'chieben. Nichts­destoweniger tauchen dann und wann fenfattt>- nette Gerüchte auf, so zuletzt wieder einmal in Verbindung mit der schon öfters lancierten ungarisch-rumänischen Personal­union. Wiewohl der ungarische Ministerpräsi­dent eine solche Lesart mit allem Nachdruck in Abrede stellt, sind bereits beiderseits Mo­mente in die Ocsfentlichkeit gedrungen, die auf eine gelegentliche Fühlungnahme zwischen den Regierungen von Budapest und Bukarest schließen lassen. Namentlich wurde der frühere ungarische Außenminister Graf Nikolaus Banssy, der nicht ohne offiziellen Auftrag nach Siebenbürgen über gefiedelt und dort die rumänische Staats­bürgerschaft erworben hat, schon wiederholt von

dem auch noch gewaltiger sind als ö.c kahlen, endlos sich dehnenden Steppen Rußlands und Sibiriens Ter Nordosten des Stillen Ozcans zwilchen Sait Zranziko und den Sanowich-Inseln, eine ungeheure Strecke, würde diesen Eyarakter einer eintönigen Ebene in hohem Grade wieder­geben Kein Pflanzenwuchs, eine ungeheure Wüste, deren einförmig we.ßc Farbe kaum durch einige graue oder rosa Färbung« l unterbrochen wird, hier und da eine leise Wellenlinie ces Bodens, deren weiche Schwingungen in dieser dunklen und trostlos schweigenden Einöde des Meeresabgrundes wie «in letzter Rest lebenb.gcr Formen austauchen. In anderen Gegenden, be­sonders in der Nachbarschaft steil abfalle«. er Küsten, z. B nahe bei Norwegen, wurde man jähe Abgründe entdecken, die oft viel stetter hsr- abstürzen, als die Berge fich über unseren Tälern emporheben. Anderswo, etwa bei den Azoren, befände man sich plötzlich inmitten einer bizarren, phantastischen Landschaft, die von Bergspitzen starrt, von ungeheuren Höhlen bebedt ist, die nackte und kahle, aber regelmäßige Wände ha­ben. llcbcrall würde man liefe Schlünde sehen, aus denen man dumpf rollend das Dröhnen unterirdischer Feuer hören würde. Krater wür en sich auftun, deren Ausdehnung der Oberfläche des Genfer Sees fast gleichkommt, und die sich bis­weilen öffnen und spalten, um yroße Lavaströme auszuspeien, vulkanische Eruptionen, die von schrecklichen Stößen begleitet sind und das ganze Meer in seinen Gru Oliesen aufwühlen. Gewal­tige Wellen tragen Jic Erschüttcremg von einem End« der Erdkugel zum anderen und überströmen das Meeresbett mit Schuttstücken, Bimsstein und Schlacken, ohne dah an der Wasseroberfläche selbst der innere Aufruhr sich anderweitig bemerkbar macht, als durch ein leichtes Schwanken, ein Er­zittern des Meeres. Der Wanderer würde ferner auch weite Hochebenen überschreiten, die von fast senkrechten Mauern begrenzt sind. Man würde in der Dunkelheit aufragende, einzelne legal förmige Berge unterscheiden, die wie riesenhafte Zuckerhüte aussehen, und weite Täler, die von runden Berg kämmen eingeschlossen sind, dazwi­schen vereinzelt Schluchten und Klüfte. Sicherlich ist der Boden des Ozeans, in seiner Gesamtheit betrachtet, weniger mannigfaltig als die Erd­oberfläche. Aber seine Großartigkeit würde ihm gewiß den Charakter einer unvergleichlichen Maje­stät verleihen.

Unheilbar.

Eines Tages kam zu dem berühmten fran­zösischen Arz» Ricard ein magerer hochaufge­schossener Mann, dessen Züge die tiefste Schwer­mut zeigten. Er bat den Arzt, ihn von seiner Melancholie zu heilen, die ihm das Leben uner­träglich mache.Sie müssen gut essen und trin­ken", sagte der Arzt.Ich führe die beste Küche und habe die sechsten Weine," erwiderte leit nicht."So reisen Sie."Ich hab« der Kranke,aber sie verscheuchen meine Traurig­ganz Europa durchreist, aber meine Schwermut hat mich immer begleitet."Das ist ein schwieriger Fall," sagte Ricard,da weiß ich nur ein Mittel; Gehen Sie regelmäßig ins Theater, wenn Debureau auftritt, der große Komiker, sein Humor ist unerschöpflich, seine Lustigkeit so an-

OerFrosch mitderMaske

Roman von Edgar Wallace.

1. Fortsetzung Nachdruck verboten

Sie sind der erste Mensch, den Vater je zum Essen eingeladcn hat, nicht wahr, Ray? sagte das Mädchen.

Ray lächelte.Vater halt nicht viel von Ge­selligkeit, das stimmt", sagte er. ..Ich bat ihn neu­lich, Philo Johnson zum Weckend einzuladen, aber er mordete diese Idee, noch ehe sie geboren war. Dabei ist der alte Philosoph ein guter Kerl und der Privatsekretär des Chefs. Sie haben doch von denVereinigten Maitlands" gehört?"

Dick nickte. Der Marmorpalast auf dem Strand- Cnbankment, In dem der märchenhaft reiche Herr Maitland seine Bureaus aufgeschlagen hott«, war eines der Prunkgebäude Londons.

Ich bin Wechselbeamter in seinem Bureau", sagte der junge Mann.Und Philo könnte sehr viel für mich tun, wenn mein Vater mit feiner Einladung herausrücken wollte. So aber bin ich wohl verdammt, mein ganzes Leben lang ein kleiner Angestellter zu bleiben."

Die Hand des Mädchens legte sich auf seine Lippen.Es ist töricht, Papa zu tadeln. Und du wirst sicherlich eines schönes Tages sehr, sehr reich werden."

Der junge Mann brummte unter ihrer Hand und sagte ein wenig bitter:Papa hat ohnehin schon jedesWi«-werde-ich-reich"-System erprobt, das Menschenverstand und Geist nur---"

Run? Und?" Die Stimme klana rauh und bebte vor Zorn. Niemand hatte John Bennetts Wiederkommen bemerkt.Du leistest jede Arbeit mit Unwillen, aber ich, ich versuche seit zwanzig Jahren mich emporzuarbeiten. Es ist wahr, ich habe jeden dummen Plan erprobt, aber es ist um Euretwillen geschehen---" er stockte plötz­

lich, als er Gordons Verlegenheit bemerkte.Ich habe Sie eingeladen und nun wasche ich die schmutzige Wäsche des Hauses vor Ihnen", sagte er mit reuigem Humor. Er nahm Dicks Arm und führt« ihn den Gartenweg zwischen den üppig wuchernden Buschrosen hindurch.Ich weiß nicht, junger Mann," sagte er.Warum ich Sie zum Bleiben eingeladen habe, vielleicht aus Im­

puls, vielleicht auch aus schlechtem Gewissen. Ich verschaffe den jungen Leuten zu Hause nicht all die Geselligkeit, die sie genießen sollten und ich selber bin kein besonders guter Gesellschafter für sie. Ader es ist doch zu töricht, daß Sie Zeuge des ersten Familienzankes fein mußten, den wir seit Jahren hatten." Seine Stimme und seine Ma­nieren waren die des gebildeten Mannes. Dick hätte von Herzen gerne gewußt, welchen Beruf er habe.

Während der Mahlzeit saß Ella Bennett Dick zur Linken. Sie sprach wenig und wenn er sie ver­stohlen ansah, so hoffte er heimlich, es wäre um seinetwillen, daß sie so verwirrt und innerlich be­schäftigt scheine. Sie bediente selbst bei Tische und hatte eben das Obst aufgetragen, als der Alte fragte: ,Lch kann Sie doch nicht für so jung hal­ten wie Sie aussehen, Herr Gordon. Wie all sind Sie wohl?"Ich bin schon furchtbar alt", sagte Dick.Einunddreißig."

Einunddreißig?" rief Ella eralühend,und ich sprach mit Ihnen als wären Sie ein Kind!"

Denken Sie, ich sei im Grunde ein Kind", sagte er ernst.Obwohl ich ein Verfolger von Sieben und Mördern und schlechten Charakteren im allgemeinen bin. Ich bin Hilfsdirektor der Stgajsanwallschaft." Das Messer fiel klappernd aus Bennetts Hand und sein Gesicht wurde weiß.

Gordon! Richard Gordon", sagte er hohl. Eine Sekund« lang trafen sich die Augen beider Männer. Die klaren blauen und die verblaßten.

Ja, so heiß ich," sagte Gordon beherrscht,und ich bin der Meinung, daß Sie und ich schon irgend- einmal zusammengetroffen sind!"

Die blassen Augen blinkten nicht. John Bennetts Gesicht war kalt wie eine Maske.Nichtberuflich, hoffentlich", sagte er und es klang wie eine Her­ausforderung. Auf dem ganzen Rückwege nach Lon­don strengte Dick vergeblich fein Gedächtnis an, aber er konnte John Bennett von Horshan mit keinem Geschehnis in Zusammenhang bringen.

il.

Ein Gespräch über Frösche.

Die Vereinigten Maitlands waren aus einem kleinen Bureau in verhältnismäßig kurzer Zeit zu ihren jetzigen palastähnlichen Proportionen heran- gewachsen. Maitland war ein Mann in vorgerückten

Jahren, patriarchalisch im Aussehen und knapp In seiner Rede. Er war ohne jede Protektion nach London gekommen und war arriviert, bevor Lon­don seiner Existenz noch gewahr wurde.

Dick Gordon sah den Spekulanten zum ersten Male, als er tn dem marmorprunkenden Vestibül wartete. Ein Mann von mittlerer Größe, kräftig gebaut, mit einem Barte, der bis zur Brust reichte und Augen, die fast unter den dichten weißeir Brauen verborgen lagen. Mit schwerem Gang kam er langsam aus dem äußern Bureau, wo etwa zwanzig Beamte unter ihren grünen Lampen­schirmen arbeiteten. Er sah weder nach rechts noch links, stieg in den Lift ein und verschwand.

Das ist der Alte, haben Sie ihn schon jemals früher gesehen?" fragte Ray Bennett, der vor einem Augenblick herausgekommen war, um den Besucher zu begrüßen.Es ist ein verehrungswürdiger alter Bursche, aber so dicht wie eine schallsichere Tür. Sie können aus ihm kein Geld herausziehen, nicht wenir Sie Dynamit verwendeten. Philo zahlt er ein Ge­halt, das man einem durchschnittlichen Sekretär nicht einmal anzubieten wagen würde, aber Philo ist eine viel zu gutmütige Seele."

Dick Gordon fühlte sich recht unbehaglich. Seine Gegenwart in Maitlands Haus war verwunderlich, feine Entschuldigung für diesen Besuch so schwach wie nur irgend möglich. Hätte er dem geschmeichelten jungen Manne, den er in den Geschäftsstunden auf­störte, die Wahrheit offenbart, so würde sie gelautet haben:Ich habe mich närrisch in Ihre Schwester verliebt. Ich bin an Ihnen selbst nicht besonders interessiert, aber ich betrachte Sie als Bindeglied, das mir zu einer neuerlichen Begegnung verhelfen kann. Deshalb benützte ich meine Anwesenheit in der Nachbarschaft als Ausrede für diesen Besuch und bin sogar bereit, Ihren Philo kennen zu lernen, der mich sicher von Herzen langweilen wird!"

Statt all dem aber sagte er nur:Warum nennen Sie ihn so?"

W^il er ein alter Philospoh ist. Sein richtiger Name ist Philipp. Jeder Mann ist Philos Freund. Er gehört zu der Art von Menschen, mit denen man leicht gut Freund wird."

Die Türe des Auszuges öffnete sich in diesem Moment und Dick Gordon wußte intuitiv, daß der kahlköpfige, in mittleren Jahren stehende Mann mit dem gutmütigen Gesicht, der nun heraustrat.

soeben Gegenstand ihrer Diskussion gewesen sei. Sein rünbes fettes Antlitz ward von einem gut­mütigen Lächeln überstrahlt, als er Ray erkannte und nachdem er ein Bündel von Dokumenten einem der Angestellten übergeben hatte, kam er zu ihnen herüber.Das ist Gordon," stellte Ray vor,und das ist mein Freund Johnson."

Philo ergriff warm die ausgeftreefte Hand. Warm war ein Wort, das wie kein anderes Herrn Johnsons Wesen kennzeichnete. Sogar Dick Gordon, der nicht allzu schnell bereit war, sich fremden Ein­flüssen hinzugeben, unterlag dem unmittelbaren Ein­druck feiner Freundlichkeit.

Sie sind Herr Gordon von der Staatsanwalt­schaft, Ray hat es mir erzählt", sagte er.Ich würde mich freuen, wenn ®ic eines Tages her­kämen, um den alten Maitland einzustecken. Er ist von allen Männern, denen ich je begegnet bin, sicher- lich derjenige, den Sie am ehesten verfolgen sollten. Ich muß jetzt gehen, er ist heute morgen in einer schrecklichen Laune. Man könnte glauben, die Frösche hüpften hinter ihm her."

Mit fröhlichem Nicken eilte er in den List zu­rück.Jetzt muß ich aber auch wieder hineingehen", sagte Ray und ein fast ängstlicher Blick traf Gor­don aus seinen Augen.Ich danke Ihnen, daß Sie Ihr Versprechen wahr gemacht und mich besucht haben. Ja, ich möchte gerne einmal mit Ihnen zum Lunch gehen. Meine Schwester wird sicherlich ebenso gerne mit dabei sein. Sie ist ost in der Stadt." Sein Abschied war hastig und ein wenig zerstreut und Dick trat mit einem Gefühl der Be­schämung auf die Straße hinaus.

Als er in sein Amt zurückkehrte, fand er einen verstört aussehenden Polizeichef vor, der auf ihn wartete und bei dessen Anblick Dick blinzelnd die Augen zusammenkniff.Nun?" fragte er:Was ist mit Genter?"

Der Polizeichef machte eine Grimasse wie ein Kranker, der eine unangenehme Arznei hinunter- schlucken muß.Sie find mir entwischt", sagte er. Der Frosch kam im Auto an und darauf war ich nicht vorbereitet. Genter stieg zu ihm ein und weg waren sie, bevor ich mir nur recht klar wurde, was aeschehen sei. Ich bin nicht besorgt um ihn, denn Genter hat einen Revolver und er ist ein zäher Bursche in schweren Unternehmungen, aber--"

'^ortlenuna folgt.)

DEUTSCHER W E / N B

Generalvertreter: S. Grünewald, Bebra.

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