Kreis Friedberg
<£ Bad-Nauheim, 25. Mai. Der Hauptpunkt der jüngsten Stadtverordneten- i i y u n g, die Beratung des Voranschlags für 1926, wurde von der Tagesordnung abgeletzt, nachdem ein Vertagungsantrag der Stadtperorone- ten Krauß und Rößler eine knappe Mehrheit gefunden. Die Verwaltung hätte den Voranschlag als dringliche Angelegenheit gern noch vor Pfingsten unter Dach und Fach gebracht gesehen. 3m übrigen wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: Für das Reit-, Spring- und Fahrturnier, daß die Turmerabteilung des Reichsverbandes, Sportkartell Berlin, am 5. und 6. Juni hier abhält, wurde mit großer Mehrheit (dagegen sprach der Redner der Linken) eine Garantiesumme von 2000 Mk. bewilligt und außerdem 1000 Mk. zur Anschaffung von drei Preisen für eine „Konkurrenz der Stadt Bad-Nauheim . Gutgeheißen wurde ein Beschluß des S ch u l o o r st a n d e s , die in Anlehnung an das Volksschulgesetz die P f l i ch t st u n d e n z a h l für fortbildungsschulpflichtige Erwerbslose auf 20 Stunden in der Woche festsetzt. Rach dem das Landesamt für das Bildungswesen die Einführung des Schwimmunterrichts in den Schulen angeordnet hat, soll auch hier der Klassenunterricht für die oberen Klassen diirchgeführt werden. Beschlossen wurde von den Stadtverordneten, das städtische Schwimmbad fijr diesen Zweck unentgeltlich zur Verfügung zu stellen, außerdem sorgt die Stadt für Gestellung eines geprüften Schwimmlehrers, der in der Person von Turn- und Sportlehrer Lehmann vom Turn- verein 1860 gewonnen wurde. Der Unterricht ist für die Schüler kostenlos. Unter Besprechungen wurden, wie in der vorigen Sitzung, wieder B e - s ch w e r d e n gegen den von einer Privatfirma von der Stadt nach dem W a l d h a u s und dem 3 o - hannisberg eingerichteten Autoverkehr vorgebracht. Einmal sei er auf den schmalen Wegen eine Gefahr für den Verkehr, auch störe er die Ruhe des Badeortes, dann aber würde das alteingesessene Kutschergewerbe, das seit dem Kriege sowieso schon von 85 Droschkenbesitzern auf deren 56 zurückgegangen sei, weiter geschädigt. Der Bürgermeister teilte dazu mit, daß die Verkehrsangelegenheiten dem Polizeiamt unterstehen und Beschwerden infolgedessen an das Kreisamt oder dgs Ministerium zu richten seien. — Die Ortsgruppe Bad-Rau- bcim des Hessischen Iagdklubs veranstaltet am nächsten Sonntag, wie in den Vorjahren, wieder ein großes Tontaubenschießen. Die Tontaubenstände am Goldstein beim Bahnhof sind bekanntlich die einzigen in Deutschland, die vollständig elektrisch betätigt werden. Das Schießen besteht aus vier Konkurrenzen, darunter ein Vorgabeschießen wie auch ein Trostpreisschießen, so daß auch den weniger geübten Schützen Gelegenheit gegeben ist, einen Preis zu erringen. Es wird eine rege Beteiligung aus ganz Oberhessen erwartet. Auch der Gießener Iggdklub hat bereits gemeldet. Besonderem Interesse begegnet das Försterschießen. Das Schießen ist reichlich mit Preisen ausgestattet, darunter ist ein sehr wertvoller Preis der Bad- und Kurverwaltung.
pb. Butzbach, 25. Mai. Die Weiterberatung des städtischen Voranschlags wurde am Donnerstag und Freitag zu Ende geführt. Einen breiten Raum in der Debatte nahmen die Kapitel Kleinkinderschule, öffentliche Wohlfahrtspflege und die Stadt-Fortbildungs» und Oberrealschule ein. Zu triefen Kapiteln wurden seitens der Linken eine ganze Anzahl ErhShungs- anträge gestellt, die aber abgelehnt wurden. Genehmigt wurden die von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen Beträge, und zwar für Wohl- fahrtspftege 30 000 Mk, für die Stadtschule • 18 500, die Fortbildungsschule 3600 und die Oberrealschule 28 220 Mk. Für Unterstützung an Klein- l rentner wurden 7000 Mk. und an Sozialrentner 16 000 Mk. genehmigt. Für Unterhaltung der * Stadtmauer wurden 600 Mk.. als Rücklage . zur Herrichtung des Marktbrunnens in r seiner früheren Gestalt 500 Mk. bewilligt. Der Anteil an Reichssteuern (Einkommen- und Körperschastssteuer) beträgt 37 260, an Umsatzsteuer 22 940 Mk. Allgemeine Heiterkeit entstand, als Oppenheimer (Komm.) sämtliche G e» meinde-Amlagen in Höhe non 159007 Mk. ablehnte, dagegen aber den Antrag stellte, die Stadt solle ein Kapital von 300 000 Mark aufnehmen, wovon 200000 Mk. für Wohnungsbau, 50 000 Mk. für Straßen und 50 000 Mk. für Erbauung eines Dolksbades verwendet werden sollen. Dieser Antrag wurde selbst
Das Lachende Haus.
Roman von Sophie K l o e r ß.
26. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Thora und Ille nutzten die letzten Tage zum Schlittschuhlauf. Abends, wenn das Tagewerk getan ;öor, wenn nach den sonnigen Mittagsstunden der Vollmond über dem Strom stand und Nachtfrost brachte, schnallten sie die Eisen unter und liefen um die Wette hin über die weite spiegelnde Fläche.
Ille war die Fluchtigere, die Geschmeidigere, ober Thora wurde nie müde, dauerte aus, und wenn es Stunden währte, atmete kaum schneller nach einem Wettlauf und wußte nicht, was müde Füße und Schmerzen in den Beinen waren.
Im Winter zuvor war Heider oft ihr Begleiter gewesen, in diesen Wochen ließ er sich nicht sehen. Seit er Margrit Bunten zur Bahn gefahren und den vergnügten Abend bei Aepfeln und Pfeffernüssen abgehalten hatte, am er nun auf den Hof, um seine landwirtschaftlichen Angelegenheiten zu erledigen. Lr hatte an jenem Abend eine wahnsinnige Sehnsucht empfunden, dies belle, frohe Haus, dies starke, lachende Mädchen endlich ganz zu besitzen: er wußte, lange hielt er es nicht mehr aus, so still wartend neben ihr hinzugehen. — Und dann — — dann war es aus, dann konnte er nicht mehr kommen wie jetzt, bann mußte er einen andern an seine Stelle treten lassen, einen, der nicht sorgte wie er, der nicht sein ganzes Herz an das lachende Haus gab —.
Also hieß es, die Versuchung meiden.
Er ging Thora aus dem Wege: und sie suchte ihn nicht. Aber bann — es war wunderlich — begann sie doch, ihn zu vermissen. Die Mutter war nun schon zehn Tage in Hamburg, man hatte dies und jenes zu besprechen — man brauchte einmal den Wogen und ein andermal einen Arbeitsmann in der Scheune, und immer mußte Piepenstehl das Telephon sein für die gegenteiligen Mitteilungen.
Da ertappte sich Thpra bisweilen, wie sie am Flurfenster stand und aussah nach dem Wagen aus Gottesgabe, wenn der oorüberfuhr zur Bahn, ober nach bem Fuchs, besten Hufschlag sie zum eigenen Erstaunen plötzlich von allen andern unterscheiden tonnte, und baß sie sich freute, wenn sie bie schlanke Männergestalt mit bem schmalen Kops und bem
verständlich abgelehnt und nach weiterer UN' wesentlicher Debatte der städtische Voran» schrag im Gesamtbetrag pyn 407 000 Mark genehmigt. Weiter wurdm bann z>nn Ausbau von Wohnungen im Benderschen An? wesen in der Hirschgasse und dem Gläßuerscym Anwesen in der Weiseler Straße insgesamt sechs Wohnungen zu 2 bzw. 3 Zimmer ein Betrag von 13—20 000 Mk. besonders bewilligt, der durch Anleihe aufzunehmen ist. Freitag abend ging d Beratung der Boranschlüge des Elektrizitätswerks, 6es Wasserwercs und des Armenfonds flott von statten. Daß dies möglich war, wurde durch die Aichtanwesenheft des Stadtv. Oppen» Heimer (.Komm.) bewirkt. Er hatte wohl ein? gesehen, daß seine Anträge uM> Ausführungen doch zum größten Teil nicht ernst genommen werden, und es deshalb vorgezogen, d.'.rch Abwesenheit zu glänzen. Die Voranschläge prZ Elet- trizitiüswerks im Betrage von 199 00) Mk., des Wasserwerks im Betrage pog 53 203 Jti. und des Armenfonds im Betrage von 21 loo Ml. wurden nack) unwesentlicher Debatte genehmigt-
* Butzbach, 25. Mai. Die hiesig^9berreg l s ch u l e feiert am 12. und 13. Su.ii das Fest ihres bOjährsgen Bestehens als Höhere Lehranstalt. Als Fortsetzung der alten Lat-einschule wurde die Schule am 12. Supi 1876 als Höhere Bürgerschule wieder ind'ßeben gerufen, 15 Jahre später wurde sie staatliche Realschule, und in blefem Subiläumßjahr 1926 ist sie Oberrealschule gewogen. Zu dem Fest werden eine sehr große Anzahl ehemaliger Lehrer und Schüler erwartet, die nach so langer Zeit diese Gelegenheit benutzen werden, die Stätten ihrer Jugend und ihre äkten Schulkameraden wiedertzusHen.
Lkreis Büsittgeu.
nd. Aid da, 24. Mai. Heute sanden sich hier die aus unserem Kirchspiel stammenden Siebzigjährigen zusammen, um die Wiederkehr ihres Konfirmativnstgges mxh einmal feierlich zu begehen Bon 59 Konfirmanden des Jahres 1870, die damals am zweiten PfingstfÄertage vom Kirchenrat Hof- meyer in der hiesigen Kirche konfirmiert worden waren, sinh nur noch 14 am Lehen, 7 Männer und 7 Frauen, die sämtlich am Gottesdienste teilnahmen. Der Bsädchisnchor des Frauenvereins verschönte durch zwei passende Lieder die fird)* liche Feier, in der Pfarrer Laut eine herzliche Ansprache an ben tleinen Kveis ber Jubftare richtete. Ein gemeinsames Mittagessen und gemütliches Zusammensein im Gasthaus zur Krone vereinigte einige Stunden die Feiernden, von denen sich manche seit vielen Jahren nicht wieder gesehen hatten und wichtige Schicksale ihres Lebens gegenfettig austauschten.
Kreis Schotten.
Schotten, 25. Mai. Der bekannte Prä - m i e n m a r 11 fand hier bei schönem Sommerwetter statt. Der Besuch aus bem Vogelsberg war infolge« beffen sehr stark, so daß das Kreisstädtchen von Menschen wimmelte. Der Auftrieb an Vieh war recht gut, bas Zuchtmaterial war vorzüglich; man schätzte dje Zahl ber aufgetriebenen Vogelsberger und Simmentaler Zuchttiere — Bullen, Kalbinnen unb Kühe — auf etwa 150 Stück. Für biese ftanb eine beträchtliche Geldsumme zur Preisbewertung zur Verfügung. Mit bem Prämienmarkt waren verbunden Pferbemarkt, Krömermarkt, Rinboiehinarkt, Schweinemarkt unb — wie sich ber Vogelsberger scherzhaft ausbrückt — ber Leutemarkt. Bürgermeister Mengel - Schotten eröffnete den Markt burch eine Ansprache, in der er dem Vertreter des Lanbwittschaftskammer-Ausschusses für Oberhessen, Tierzuchtinspektor Richtberg-Gießen, Kreisdirektor Geheimrat B ö ck m a n n • Schotten den Dank ber Marktkommission und der Stabt Schotten übermittelte. Der Handel in Schweinen ging außerordentlich flott, bie Ferkel waren hoch im Prelle, ein ß^7 Wochen altes Ferkel kostete 50—60 Mk. Der Handel in Rindvieh ging noch verhältnismäßig gut, besonders bewundert wurden bie züchterisch außerordentlich wertvollen Vogelsberger Bullen, Kühe unb Rinder. Von der Prämiierung der Vogelsberger Zuchttiere seien folgende Züchter für hervorragende Leistungen erwähnt: 1 Bullen: 1 Preis (20 Mk.) Schlörb-Schotten, 2. (15 Mk,) W. Kunkel-Burkhards, H. Schneider- Larbenbach, 3. (10 Mk.) K. Rahn-Altenhain unb Herrn. Ort-Altenhain: Anerkennung L. Deibel- Götzen und K. Geist-Altenhain. 2. Kalbinnen: 1. O. Hartmann-Rudingshain, 2. Bürgermeister Deubel-Rudingshain. 3. Jüngere Kühe: 1. W.
braunen Raubrittergesicht im Wagen oder auf dem Pferd erblickte.
Daß nur Ille das nicht merkte! — Wie die spotten würde! Gar nicht auszudenken, das! — Wenn man seit Jahren über jeden Verehrer gelacht hat, bann kann man doch nicht mit einemmal zarte Geständnisse machen!
So lange hatten sie miteinander gelacht unb gespottet, baß ber Mut zum ernsten Vertrauen fortgelacht war.
Gut, daß Mutter unb Rose morgen kommen, dachte Thora. Wir sind hier zu allein. Tante Kallies ist ganz nett, aber doch nur fürs allgemeine. Für das Persönliche kann man nur eine Mutter brauchen. Unb — dachte sie — manches Mal nicht einmal bie.
Sie ging zu Ille, die in heller Seligkeit ihre Rosen betreute.
„Morgen gehen bie ersten zwölf ab nach Hamburg, Thora! Zwölf halboffene Rosen, Thora! Ermißt du die ganze Bedeukung der Sache? Ein Dutzend! Im nächsten Jahre können es zehn Dutzend fein. — Sieh mal her: Ist diese Marie Baumann nicht entzückend? Unb die Kapitän Ehristy, bie so sanft aussieht wie unser Rosetind. — Gott, Thora, freust du dich auch so wahnsinnig, daß sie morgen kommt? Unb Mutter mit ihr? Ich hab' solch Gefühl, als wäre Mutter nicht zwölf Tage, fonbern zwölf Jahre fortgewesen."
„Wenn Rose nur bie Fahrt gut verträgt! Was ist das nur, baß sie so apathisch ist unb sich nicht einmal gefreut hat als Mutter zu ihr kam? Du sollst sehen, da steckt noch etwas anberes dahinter,"
„Jens Appelbom."
„Laß endlich mal Jens Appeldorn! Er kommt nicht, und Rose redete nie von ihm. Aber du denkst immer noch" — sie stutzte. „Denkst hu vielleicht selber zu oft an ihn, Jlle?^
„Ich? An Jens Appeldorn? Hast du eine Ahnung! — An den reellen, gedeihlichen Jüngling? — Thora, man merkt, daß wir hier zu lange in der Einsamkeit gesessen haben. Oder ist dein eigenes Herz nicht mehr jntakt?"
Sie legte die Rosen sorgsam auf nasse Watte unb trug sie in den Keller Morgen nahm Frau Kallies, bie zur Stadt fhr, sie mit. War es auch nur ein Trinkgeld, dieser erste Berdienst, Spaß machte es doch. Wenn man nichts andres hatte.
Zünnel-Betzenrod, 2. Kgrl Lotz und 3. Hch. Rjn- kenberger-Betzenrsd. 4. Weitere Kühe: 1. B:r- germcifter Deubel-Rudingshain UNd Heinrich Frjtz- Wohnfeld, einen weiteren Preis erhielt Th. Mijlle\9 Rudingshain-
ld. Schotten, 25, Mgi.^D?r vordere Vogelsberg scheint eben das Arbeitsgebiet von Hühner- hieben zu fein, die in jedem Falle ganze Arbeit leisten. So wurden binnen kurzem in Ulfa 14 und 8, in Eichelsdorf 10, in D b e r l a i s 11 unb in Betzenrod 10 Hühner gestohlen. Da die Diebstähle sehr sachgemäß aus geführt sind, scheint es sich um gewerbsmäßige Diebe zu handeln, die, wie einige Fälle klar erweisen, mit ortskundigen Langfingern zusammenarbeiten und die Beute auf schnellstem Wege nach auswärts schaffen-
* Rainrpd, 85. Mai. Die hiesige Beoöl- kerung begrüßt es freudig, baß die Kress, abdeckerei nunmehr im oberen Dierbach- ta l und nicht, wie früher geplant war, im unteren Teil des Tütchens errichtet werden soll, denn bei Nordostwind hätte sich die Anstalt für Eisenbahn, Landstraße unb Dorf unliebsam bemerkbar g0' macht. — Die ,,Läunobache r", die Bewohner der Wandervogelsiedlung im Tale des Läunsbgches, dreiviertel Stunden oberhalb Rainrod, hatten für den Nachmittag des ersten Pfingstfeierfages zu einer musikalischen Feierstunde im Grünen eingeladen, zu der sich eine sehr große Schar von Zuhörern aus den Nachbargemeinden einfand. Die gebotenen ernsten und heiteren Lieder im Volkston, Fahrtenlieder, Landsknechtslieder und Balladen fanden lebhaften Beifall- Diese Veranstaltung sowie die Besichtigung des selbsterbauten Hgufts mit seiner einfachen, aber sehr geschmackvollen Inneneinrichtung, werden wesentlich dazu beitragen, das Mißtrauen zu beseitigen, mit dem die einheimische Bevölkerung seither die Siedler beobachtete. Da es sich um katholische Wandervögel handelt, wurde die Siedlung als Jesuitenniederlassung bezeichnet und gemieden, bis sich nun allmählich ein Vertrauensverhältnis üe#ausbjlbet, und man fühlt, daß diese harmlosen jungen Menschen in ihrer Na- fiirlichkßit und Frische in vielen Dingen Vorbild für die Jugend fein könnten,
T Ober-Lais, 25. Mai. Der Geldmangel, der besonders auf dem Gebiete des Bauwesens sich sehr hemmend bemerkbar macht, hat hier zur Wiederaufnahme alter Bauweise geführt. Ein hiesiger Landwirt, dessen Staftgebäude im Aovember v. 3. teilweise niederbrannte, hat jetzt das Fachwepk des Aeubaues ganz in der alten Art nrit Ruten ausflechten und mit Lehm bewerfen lassen. Auf den noch feuchten Lehm kam eine Kalktünche, in die mit einem Bündel kurzer Strohhalme allerlei Figuren eingestochen wurden. Die von zwei Leuten ausgeführte Arbeit förderte außerordentlich schnell und hat dem Bau ein recht schmuckes Aussehen verliehen. Schade, daß diese Technik nur noch von wenigen beherrscht wird. — Das Darniederliegen der Bau« tätigkeit wirlß in unserem Dorfe ganz besonders schwer empfunden, da ein großer Teil unserer männlichen Einwohner Bauhandwerker sind. Die Zahl der unterstützten Arbeitslosen ist Mit 19 sehr hoch. Zur Ausführung von Aotstandsarbeiten fehlen der Gemeinde die Mittel. Ein begonnener Wegebau liegt vorläufig still und kann erst weitergeführt werden, wenn es gelingt, Mittel der produktiven Erwerbslosenfürsorge dafür flüssig zu machen.
§ Ulrichstein, 25. Mai. Mit dem Beginn der Feldarbeit erreichen die besonderen Veranstaltungen der evangelischen Gemeinde während des letzten WinterS ihr Ende. Die bisher Dienstagabeirds gehaltenen Bibelstun den, die in diesem Winter neu eingeführt wurden, wapen durchschnittfich von 35 Frauen und Mädchen besucht. Auch die Jugend- abends, für beide Geschlechter getrennt, wurden abgeschlossen: sie beschäftigten sich mit mancherlei rsligiös-skttlichen Fragen, wie etwa der der rechten Freude, ferner mit dem Evangelium in Spanien, dem vertriebenen Salzburger Joseph Schaitberger. der Diakonifsenarbeit (Bericht von Kaiserswerth), der Gefängnis-Seelsorge (Flied- ner), dem christlichen General Feng rn China, dem Mädchenheim des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem, dessen Balten-Waisenhilfe, den Märtyrern im Balteirland (Briefe aus dem Dol- schewiken-Gefängnis), Oberlin, Hermann Löns, auch mit der Aeußeven Mission (Togo); teilweise halfen Lichtbilder zu größerer Anschaulichkeit. Jeder Abend schloß mit Schriftbetrachtung, Gebet und Gesang: die Beteiligung war, bis auf
„Ich geh' noch mal hinaus zum Schlittschuhlaufen. Kommst du mit?"
„$)eute nicht, teure Schwesterseele! Du siehst, ich habe zu tun. Unb bu sollst es auch lieber lassen. Das Eis kommt in Bewegung."
„Hier noch lange nicht. Acht Tage kann man noch laufen. Auf Wiedersehen!" Sie nahm auf bem Flur bie Eisen vom Haken, warf bie kurze, pesz- eerte Jacke über, drückte bie Mütze auf bie
Zöpfe unb ging hinaus, über den Hof, den Heckenweg hinab zum Strom.
Das Klappern von Pferdkhufen, ein Ruf hinter ihr: „Fräulein Bunsen!"
„Ja!" Sie wandte sich nur ein wenig,
„Laufen Sie heule lieber nicht mehr! Der Strom unb bie Flut stehen gegeneinander. Das Eis wird unsicher."
„Ich bleibe dicht am Ufer, da rührt sich noch nichts. — Na, bist bu glücklich wieder mir, kleine Sina? Komm mit!" Ein Nicken hinüber zum Reiter, zum eben vom Pferde sprang, unb, von der blaffenden Hündin umsprungen, ging sie weiter.
Heider Steffen gab bas Pferd bem alten Katenmann, daß er es in den Stall führe, und wandte sich zur Scheune. Dg luden zwei Knechte Stroh, daß von Kiekvondiek nach Gottesgabe gebracht werden sollte. Er gab seine Anweisungen unb blieb stehen, denn die beiden Leute waren Polgcken, denen er in bezug auf Rauchen während ber Arbeit nicht traute. Es wäre nicht bie erste Scheune gewesen, die so in Brand geraten wäre.
Thra lauschte immer hinter sich, obgleich sie doch wußte, es kam ihr niemand nach. Heider Steffen hatte gesagt: „Warten will ich, aber Sie müssen es mir selber sagen, wenn Siß sich entschlossen haben. Fragen tu' ich nicht zum zweitenmal." Einen harten Kopf hatte er, einen ebenso harten wie sie. Wer hielt länger aus? Sie konnte doch nicht zu ihm gehen und sagen: „Sie fehlen mir! Ich bin ganz klein und artig geworden. Wollen Sie mich noch?" Ausgeschlossen!
Saujenb flog sie über das Eis. Durch das wechselnde Tauen unb Frieren war bie ganze Fläche zum blanken Spiegel geworben. Unb der Wind schob sie fast allein über den Strom hin. Dina blaffte aufgeregt unb fuhr hinter ber Herrin brein, glitt aus, rollte, rutschte, Hefte vor Aufregung unb schnappte nach Thoras Kleib. Die lachte unb schwenkte sich im
die Zeisen einer Grippe-Epedemie, gut: Mäd» chen bis zu 22, junge Burschen bis zu 18.
Starkenburg.
• Dar m stabt, ?5. Bsai. Ig Dieburg schoß sich ein 21 Jahre alter S chneider aus Liebeskummer eine Kugel in den Kopf upd verletzte sich so schwer, daß er in das Krankenhaus gebracht werden mußte. — Bor einigen Tagen wurde im Bahnhof Bickenbach die Leiche eines neugeborene» Kindes männlichen Gschlechtes gefunden- Aach beig Seklionsbefiind hat das Kind gelebt. — Sm Roßdorfer Walde wurde gestern die Leiche eines älteren Marines gefunden. Man vermutet, daß es sich um den seit einiger Zeit verschwundenen Pentner Schmidtmann handelt.
WSR. Darmstadt, 25. Mai. Dem „Hess. Bofts'xeund" zufolge machte in Jives he m ein C'.nwohner feinem Lsben dadurch ein Ende, daß er einen Draht um das Handgelenk legte und das andere Ende des Drahtes über die Hochspannung warf. Der Loh trat augenblfikl'ch ein.
Preußen.' ~
Arris Marhrrrg.
sch- Marburg, ?5. Mai. Um die 95aitf tätigkeit nnsuregen, hat ber Magistrat bst, schlossen, für Wohnungsbauten Zusgtz- hnpotheken bis zur Höhe poy 50 Prozent ber gesamten Baukosten zu vergeben- Die Verzinsung der Zusatzhypothsken beträgt 9j Prozent, bie Tilgung 2 Prozent jährlich ab 1. April 1928. Voraussetzung für die Vergebung ber Zusatzhypotheken ist, baß ber Bauherr selbst 10 Prozent ber gesamten Baukosten aufbrinot, Ferner ist ein früher gefaßter Entschluß des Magistrats, nach bem Hausinstlmd- setzungsbarlehen in Höhe von 1000 Mark an bedürftige Hausbesitzer gegeben wurden, jetzt dahin erweitert worden, daß auch Hausbesitzer, bei denen Bedürftigkeit nicht oorljegt, Darlehen bis zur Höhe von 3000 Mark gegen hypothekarische Sicherstellung gewährt werden, unb zwar zu einem Zinsfuß von llj Prozent unb einer jährlichen Tilgung von 10i Prozent.
Oberwefterwaldkres.
4 Höhn-Urdorf, 25. Mas. Hier wurde ein Mann wegen Sittlichkeitsvergehens an fünf- bis sechsjährigen Kindern verhaftet.
A Gchönberg, 25. Mai. Der in unserer Gemarkung liegende Steinbruch scheint sehr rentabel zu sein, denn man ist bereits mit bem Bau einer Drahtseilbahn nach dem Bahnanschluß in Großseifen beschäftigt.
Maingau.
MSN- Frankfurt a- M-, 25. Mai. Am ersten Pfingsttage traf, von Heidelberg kommend,' ber Mi 1 waukeer „L i e d e r k r a nz" zum Besuche unsrer Stabt ein. Die etwa 300 amerikanischen Relfeteilnehmer mürben im Kaisersaal des Rathauses von Stadtrat H i \ l e r im Namen des Magistrats eierlich begrüßt. — 3m Hause Meichftraße 68 hat ich heute mittag 11.30 Uhr m ber im Erdgeschoß jelegenen Werkstätte ber „Stemwarte-Zeit"°Gesell- chaft ein schweres Explosionsunglück ereignet. In der Werkstätte mar ein besonderer kleiner Raum obgetrennt, in dem sich em Schweiß- apparat befand, unb der nicht mit feuergefährlichen Gegenständen betreten werden durfte. Trotz dieses Verbotes kam ein 14jähriger Lehx 1 ing mit einem Topf Benzin in den Raum. Dabei fing das Benzin gleich Feuer. Der Junge warf den Topf in der Angst zur Seite, wodurch die Kleiber von zwei jungen Leuten im Mer von etwa 18 Jahren Feuer fingen. Alle drei liefen mit brennenden Kleidern auf den Hof, wodurch bas Unglück bemerkt würbe. Die jungen Leute mußten mit schweren Branbwunden im Krankenhaus eingeliefert werden. Die sofort alarmierte Feuerwehr, die innerhalb drei Minuten an Ort und Stelle war, löschte das Feuer. Der Sachschaden ist groß. — Am 22. Mai, nachmittags gegen 6 Uhr, mußte in der Schnurgasse ein Polizeibeamter zu der Sistierung von 4 Personen schreiten, welche ihm Widerstand leisteten und ihn auch tätlich an* griffen. In derNotwehr mußte ber Polizeibeamte von feiner Hiebwaffe Gebrauch machen. Aus der angesammelten Menschenmenge versuchten junge Burschen, ihm den Säbel zu entreißen. Durch Hinzukommen von Beamten des Reviers konnten drei
Bogen, der Hund flog geradeaus und bellte wild im Eifer. Sie trieben das Spiel nicht zum erstenmal.
Draußen im Strom segelten große Eisfelder, los. gerissen von den Rändern, vom schwellenden Strom getragen, von der einsetzenden Flut zurückgedrängt. Es war, wie Heider gesagt: Der pressende Strom, vier Fuß über Normalhöhe, strebte der See zu, pon draußen drängte die Tide ihm entgegen, unb von Stunde zu Stunde stieg pr an. Man hörte das Krachen, wenn die Blöcke gegen die Eisränder stießen. Es knarrte, knallte, das Dröhnen lief weithin bis an bas Ufer. Unter ihren Füßen spürte Thora bas Zittern unb Reißen.
Fein das! So gefiel es ihr! Sich ass Herr fühlen, ganz nah der anbrängenben Gefahr. — Der dumme Hunb! Jedesmal, wenn dies Schüttern durch das Eis ging, schrie er förmlich vor Aufregung, stemmte olle Viere gegen dgs Eis, starrte nieder und blaffte sie angstvoll an. Dann lachte Phora schmetternd los. Unb, sofort beruhigt, nahm Dina die luftige Jagd wieder auf. Wie weit hinaufgejagt war sie am Ufer! Kiekvondieks kahle Kastanien waren gar nicht mehr zu sehen. Und die Sonne sank hinter Wplkenbänftn, es wurde förmlich schwül, als käme an diesem Abend der Südwind selber hinter den Wassern drein, die er von den Bergen gejagt hatte.
Das Mädchen nahm bie Pelzmütze ab und wischte sich den Schweiß von ber Stirn. Dina verstaub das als eine Aufforderung zu neuem Spiel, schnappte zu, faßte die Kappe unb jagte davon, dem Hof entgegen. ..Dina, was fällt dir ein? Hierher! Sofort hierher! Gehorchen hafte ber Hund nicht gelernt. Er fpang mit seiner Beute im Kreise, ließ sie fallen, riß sie wieder auf, sobald Thora heranschoß, sauste weiter. Unb sie — im Eifer des Spiels achtete nicht mehr genau auf die Bahn. Sah nicht auf die Strohwische, mit denen die geeisten unb nur leicht überfrorenen Stellen bezeichnet waren, fühlte plötzlich, wie bas Eis sich unter ihr bog, wellenb sank unb stieg — ein Ruck, ein Riß, da schoß sie in die Tiefe, stieß in ber nächsten Sekunde schon wieder empor, griff nach ber Eiskante^ die splitterte unter ihrer Hand, da begann sie hastig Wasser zu treten, kam an festeren Rand, gewann Haft, stemmte die Anne auf, atmete erlöst. Das war hart am Dunkel porbeigegangenl
(Fortsetzung folgt)


