Nr. 301 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Freitag, 24. Dezember (926
Mädchensortbildung
mir
24 Fortsetzung
'3tachbruck verboten
r i ch l u n g sein.
Die Durchführung öes Unterrichts in 6er Hiä6d)enfortfcil6ungsid)uie aus 6em Lande
Zu seinem Erstaunen brach Hagn in Helles ®c< /achter aus.
„Bluff?" sagte er. „Und ein billiger Bluff. Da« mit können Sie kleine Diebe täuschen, ober machen Sie nichts weiß. Wenn Sie „Sieben" gefangen hätten, würden Eie nicht so fröhlich ju mir sprechen. Gehen Sie doch und finden Sie ihn, Elt. Und wenn Sie ibn gefunden haben, dann holten Eie chn nur ja fest. Lossen Eie ihn nur nicht entkommen, so wie Mills Ihnen entkommen wird "
OerFrosch mit derMaske
Roman von Edgar Wallace.
Hessen in Berlin.
Man schreibt uns aus Berlin: Der De rein der Hessen in Berlin fr.-.ttc a :f seiner Monatsrersammlung am 15. Dezember die Ebne. Den hessischen Sraatspräsidcn-- tcn, Herrn LIlrich. in sc ner Mitte zu sebeir. Der 1. Dorsihende. DHinJter aiiMt Pro e,ar Maurer, hieh Den StaatSpräsiDe.tten hc.z'ich tinllfommen und betonte in seiner Ansprache, dah die aus ihrem schönen He matlandc nach dem .Steinhaufeti Berlin" verpflanz cn Hessen in ihrem Derein in erster Linie ihre Stamm ^-art und Heimatliebe pflegen wvllten. &c n? Morte klangen In ein TreugelöbmS zu h.ssischen Hein at und zum deutschen D.iterlande aus. worauf d e Versammlung stehend daS D-utschlanklied sang Der Staatspräsident gab seiner Freude über so treue Heimatliebe A iSdrut und brachte ein Hoch auf das Da ter land und den .Derein der Hessen in Berlin" auS. 3m we leren Derlauf deS Abends brachten Professor Maurer mit dem Dortrag der .Kinstlichen Äi n-r" von Ao e t Schneider. Andreas Euler als .Bürgrrm i'!er von Meiches". Ob:rstudiend r ktor Prof fs?c Werner mit der Schilderung c.ncr D rn» städter ^Waldboddie" von a rno damals und d r 1. Offizier des berühmten H ls5kre.ize.-S ..Well". Kapitän Sch mehl, mit der Erzähl'ing srlblt- erlebter lustiger Abenteuer in den Dschungeln Indiens die Zuhörer in sehr anzeregte Sl in- nrung. die die Landsleute bis weit nach M.tter- nacht z sammenhielt.
Der j'mge Derein zählt nach vlermonat'g-m Testehen bereits 250 Mitglieder. Unsere Lc'er können das Testrrben deS D'r.nnS. allmählich alle hessischen Landeskinder in Berlin unt'r s - ne Fahne zu scharen. Unterstufen indem sie Adr'fsrn von in Berlin lebenden hesl fchen D rwandtm, und Dekanaten d'm 1. Schriftführer Miist r e.l- anrtmann Karl Krieg bäum in Terln Halensee. 3ohann-Georgstraste 12, bekann.gebcn.
Rundfunk-Programm deS frankfurter LcndcrS.
(Aus Der .Radio-Umschau".)
Samslag, 25. Dezember.
8.30 biS 9.30: Morgenfeier, veranstaltet vorn Wartburgverein. 12 bis I Welhnachls- konzert deS HauSorchesterS. 3.30 bis 4 Die Stunde der 3ugend.. 5 bis 5.45: Harmonium« Konzert. 5.45 bis 6.05: Die LZestundr. 6 15 b S 6.45: Der Brie.'kästen. 7.15 biS 7.45. Fankhoch-- schule. .Der europäische Roman des 19. u d 20. Jahrhunderts: Flaubert und Zola II.". Bor- «rag von Prof. Dr. Schultz. 7.45 bis 8.15: ..Wrih- nachten in Theodor SiormS Familie". Dortirg von Gerdi v. H.rlchheydt 8.15 bis 10,15: W h- nachtSveranstaltung. Anschliestend bis 12.33: Tanzmusik.
Soontbg, 26. Dezember.
8.30 biS 9. jO: Morgen ei er. 11.30 bis 12: El eimstunde. 12 bis 1: Konzert des HauScrcheste s. Beethoven. 2.33 bis 4.20: Ucbcrlrag ing vom Sportplatz am Riederwald: Fust^allwetika n"f d"s Sprr Vereins .Ei'.tracht'-Fra kf rl g gc.i F f - ball-Sperrvcrein Frank-url. 4 33 bis 5.30: D e Stunde der Jugend. 5.3) bis 6.30: Ernst Joseph: Vortrag auS eigenen Dicht ung-m 6.33 bis 7/0: Stunde deS Rhein-Main fchen D rbandeS für Dolksbild ing 7.33 bis 8. Sportnachrichten. 8/0: -Der Raub dec Seb.n:rinnen". Schwank in i'i r 2lk en von Franz i n) Paul von Schönthan. A - schliestend bis 12 33; 11 bertrag:ng von Berlin: Tanzmusik.
Gang bei anderen Gelegenheiten bisweilen auch ganz gern geopfert wird. Nur beiläufig sei noch bemerk. da st an dem Unterricht im Kochen eine stattliche Anzahl von älteren Mädchen teilnimmt, für die jeine «chulpslicht nicht mehr besteht.
So darf abjchliestend gesagt werden, dast in ungünstiger Zeit ohne besondere Reibungen ein Derk eingerichtet worden ist, zu dem die Not der Gegen- wart den unmittelbaren Anstoß gegeben hat, da» aber seinen hohen Wert immer behalten wird. Was das neue Schulgesetz hier fordert, ist ein Fortschritt von großer Bedeutung. Seine Forderung war eine Tat. Nun soll sich's auswirken und das werden, was es für Gemeinde und Volk werden kann: ein Segen.
„Du dummer Junge!" sagte sie und streckte ihren weißen Arm aus. „Bin ich Denn tätowiert?" fragte sie. „Ober Lew? Die Großen werden nicht gezeichnet! Du weißt nicht, was für eine große Zukunft Du hast. Lieber."
Ray nahm ihre Hand und streichelte sie. „Lola — und diese Geschichte, die Gordon erzählt hat, — daß bu verheiratet bist, ist das wahr?" Sie strich über sein Haar.
„Gordon ist eifersüchtig", sagte sie. „Nein, frage nicht, ich kann dir jetzt nicht alles erzählen. 2lbcr, hot er nicht feine guten Gründe?"
Ihre Augen strahlten ihn an, aber als er die xlrme nach ihr ausftrccfic, entwand sie sich ihm.
./)ör' zu. Ich werde jetzt um einen Tisch telephonieren und du kommst m>t uns zum Lunch. Und wir werden auf das Wohl des kleinen großen Frosches trinken, der uns alle ernährt."
Aber als Lola den Hörer abhob, sah sie ein kleines schwarzes Metallkästchen, das an der Basis des Telephon» befestigt war.
,Lst da» eint neue Erfindung?" fragte sie.
„Man hat es gestern angebracht", erwiderte Ray „2)er Monteur erzählte mir, daß jemand, der wahrend eines Gewitters telephonierte, einen schreck- lichen Schock bekommen hat und |o machen sie jetzt das Experiment mi: diesen Dingen, die sie überall anbringen. E» macht das Telephon schwerer und ist auch häßlich, aber — — — Langsam legte Lola den Jöörer nieder und beugte sich über den Apparat. „Es ist ein Diktaphon", sagte sic. „Uno die ganze Zeit während wir gesprochen haben, hat man unser Gespräch belauschen können."
Sie ging zum Kamin, holte den Schürhaken und ließ ihn mit einem Krach aus den kleinen Kasten fallen. Inspektor Elk Der, die Hörer um Den Kopf, in seinem Heinen Bureau auf dem Themse-Embank- ment saß, legte Den Bleistift mit einem Seufzer nieDer. Dann nahm er sein Telephon auf und rief die PoNzeizen.tale an.
Elk kehrte von dieser Unterredung mit dem Ge- suhle zurück, daß vielleicht doch nicht alles ganz nach seinem Wunsche gegangen sei.
Aber als er das Gebäude verließ, winkte er dem Oberinspektor.
.2ch werde Hagn heute nachmittag einen Lockvogel schicken. Stecken Sie die beiden zusammen und lassen Sie sie allein."
Der Inspektor nickte oerftänbnisinnig.
XVIL
Die Ankunft Mills.
An jenem Morgen, an dem Elk auf die Ankunft des geständigen Mills wartete, wurden umstänbliche Vorsichtsmaßregeln ergriffen um den Gefangenen sicher in Die PolizeibireUion zu schaffen. Während der ganzen Nacht war Das Gefängnis von einem Kordon bewaffneter Wachen umgeben und Wachen patrouillierten in Dem angrenzenDen Hose Der gefangene Frosch mar em gebildeter Mann, dem es schlecht ergangen und Der auf Der Walze von zwei vagabundierenden Mitgliedern der Brüderschaft an- geworben worden war. Aus feinen Aussagen ging fjeroor, dah er als Abteilungschef fungiert halte, in» Dem er die Instruktionen und Ordres den Unteroffi- zieren und Gemeinen weitergab, die Derluste zu melden hatten und bei den Ueberfäöen, die von Zeit ^u Zeit auf Leute gemocht wurden, welche sich Die Feindschaft des Frosches zugezogen hotten, miiwir- ken mußten. Anscheinend hatten nur Abteilungschef und Vertraute diese Art von Arbeit zu leisten.
Um elf Uhr brachte man ihn aus feiner Zelle, aber Mills war trotz der Versicherung, Die er erhalten hatte, nervös und furchtsam. Außerdem war er erkältet und hustete stark.
lFoniegung folgt.)
Kunst nicht versteht, wird sich der Mann im Hause nie wohl fühlen: er wird seine Erholung anderswo suchen, wird sie am leichtesten im Wirtsha.,e fin- ben, und wo Das endet, kann jedermann ai. rechnen, nur zu oft in einer unheilvollen Zerrüttung des qcmilirnlebcns. Daß die Familie die Keimzellt Der Volksgemeinschaft ist, weiß heute jeder: daß tiefe Zelle erfüllt sein soll von Dem Geist der Ordnung des Wohlbehagens und einer gesunden Wirtschafts, fuhrung, sollte selbstverständlich fein. In Der Mad- chenfortbildungsschiile wollen wir diesem Ziele dienen.
_ Ein Kernstück in den technischen Fächern der Fortbildungsschule ist der K o ch u n t e r r i ch t. Don >chm gilt in erhöhtem Maße, was eben von dem Handarbeitsunterricht gesagt jrorben ist. Daß gut kochen können, eine schöne ead)e ist, weiß jeder. Aber heute steht doch die Sache so, ob die Haus- frau die Kunst versteht, bei l'escheidenem Wirt- schastsgeld doch etwas Nahrhaftes, Wohlfchmecken. des auf den Tifch zu bringen. Aus dem Dolle'» wirtschaften, ist wohl nicht schwer. Aber in roieoicLn Haushaltungen ist das heute noch möglich? Dazu kommt ein weiteres: W'r wollen über die mechanische Seite des Kochens hinaus: unsere Mädck^en sollen zur Einsicht in die Grundlagen des Ernah- rungsprozesses geführt werden, sollen Klarheit gewinnen über das Warum? und zu welchem Zweck? Worin Der Nährwert eines Nahrungsm.fels be- sieht, wie man ihn erhöhen kann, wie eine M »hl- zeit zweckmäßig zusammengesetzt wird, wie man sie bekömmlich macht, worauf beim Einkauf zu achten ist, wird Gegenstand eines verständigen Äochunter- richts sein müssen.
Daneben legen wir größten Wert auf Er- Ziehung zu Ordnungssinn, Reinlichkeit und pfleg- licher Behandlung der Geräte, und schließlich wird es bei manchem 16jährigen- Mädchen liuch nicht ganz üerflüffig (ein, wenn auf fein Verhauen bei Tische geachtet und wenn es angeleitet wird, sich beim Darreichen der Speise entsprechend zu benehmen.
Daß eine sorgfältige systematische Unterweisung in allen diesen Punkten für ein heranwachsendes Mädchen eine notwendige Sache ist, wird niemand bestreiten. Gewiß gibt es Familien, die das ihren Töchtern seither schon in Frauen- und Haushal- tungsschulen haben bieten können. Aber die andern? Die zahlreichen Mädchen aus kleinbürgerlichen und Arbeiterfamilien in Stadt und Land und insbeson- berc die Mädchen, die sofort nach der Schulentlassung in die Fabrik gehen? Wo erwerben sie, was ihnen not tut? Und auch die Dienstmädchen? Und doch werden auch sie in einigen Jahren einen Haushalt führen sollen, auch bann, wenn sie so gut wie gar nicht dazu vorgebildet sind. Es gehört dann sehr viel Glück dazu, wenn das gut abgehen soll. So können verständige Menschen es nur begrüßen, daß Die MäDchenfortbildungsschule einspringt. Die alle er- saßt und die in jeden Haushalt die Grundlage für eine gesunde Wirtschaft tragen will.
Die Schaffung der für die Madchensortbildungs- schule erforderlichen Einrichtungen begegnete erheb- lichen Schwierigkeiten. Schon die Raumfrage war oft nur mit Schwierigkeiten zu lösen: die Beschassung der Kücheneinrichtungen, Nähmaschinen us»v. aber erforderte von Den Gemeinden nicht unbeträchtliche Opfer, dazu in der Zeit be» schweren wirtsck)astlichen Drucks Der letzten brei Jahre. 'Tiber bie Oemeinben haben nicht versagt Nachbem bie Einrichtinigsarbei- tcn im Streife Gießen so gut wie abgeschlossen finb, Darf mit Genugtuung festgestellt roerDen, Daß zahlreiche Gemeinbeverwaltungen Den an sie ergangenen Anregungen alsbald und bereitwillig entsprochen haben. Wir h'ben in einer großen Anzahl von Gemeinden Einrichtungen, die allen billigen Ansprüchen genügen, und bie alles aufroeijen, was zu einem erfolorcicten Unterricht notwendig ist. Die Haltung der Gemeinden in dieser Frage verdient durchweg volle Anerkennung. Um die auszuwendenden Mittel in mäßigen Grenzen zu halten, hat man Darauf ver- sichtet, in jeder Gemeinde eine Küche einzurichten. 3n den meisten Fällen wird die Küche von Schülerinnen aus mehreren Gemeinden besucht (in einem Falle aus sechs Nebengemeinden). Das bietet neben der Kostenersparnis den Dorteil, daß in mehreren Abteilungen gekocht werden kann, und daß die Einrichtung somit weitestgehend ausgenutzt wird. Die geringe Unbequemlichkeit, dah eine Gruppe Mädchen einmal in Der Woche zum Unterricht in die Nachbargemeinde geh:, wiegt gegenüber diesen Vorteilen nicht schwer. Man weiß, baß ein solcher entsinnen, seither in bie Tasche gegriffen zu haben. Also war es boch wohl im Klub geschehen! Viel- leicht war einer ber Kellner der Frosch gewesen.
Elk setzte sich nieder, um nachzudenken. „Du lieber Gott!" sagte er.
(Fr läutete und Balder kam herein.
„Balder, Sie können sich erinnern daß ich durch Ihr Zimmer gegangen bin. Trug ich damals den Rock über dem Arm
„Ich habe nicht hingesehen" sagte Balder mit* Befriedigung.
Balder machte stets auf Elk Den Eindruck, als ob es ihm herzliche Zufriedenheit bereite, wenn er nichts gesehen halte, wenn er nichts wußte, wenn er nicht fähig war, zu helfen.
„Sehr merfroürbiq", sagte Elk.
„Etwas nicht in Ordnung, Herr Inspektor?" „Nein, nein. — Haben Sie sich gemerkt, was mit Mills zu geschehen hat? Er darf mit nieman« dem sprechen. Im Augenblick seiner Ankunft soll er in bas Wartezimmer gefühlt werben und ganz allein bleiben. Es ist nicht erlaubt, mit ihm zu reben, ober, falls er selbst sprechen sollte, zu antworten."
Elk prüfte feinen Fund nochmals Es fehlte nichts, auch bie Anmerkungen bes Ministers waren oorhanben. Elk rief seine Lorbschaft an unb er» ftott'te seinen erfreulichen Bericht. Zehn Minuten später kam eine kleine Abteilung vom auswärtigen Amt, um bas kostbare Dokument einzuholen unb Elk im Namen bes Ministeriums den Dank für seine wertvollen Dienste auszudrecken.
Hätte Elk Die Papiere nicht wieder zu finden gewußt, so hätte man ihn von ganzem Herzen ver- flucht, unb er wäre ebenso unschuldig baran ge» roejen. Es blieb noch eine Stunbe bis zur Ankunft Mills unb Elk verbrachte biefe mit Hagn, ber nun eine befonbere Zelle, entfernt von ben gewöhnlichen Haftplätzen in Der Cannon Row Station einnahm.
Hagn weigerte sich, irgenbwelche (fleftänbniffe zu machen.
. ».Sie haben keine Beweise, Elk", sagte er. „Unb Sie wißen, baß ich unschulbig bin."
„Sie waren ber letzte, ben man in Genters Gesellschaft gesehen hat", sagte Elk. ,Lm übrigen hat auch Mills alle» verraten. Ich will es Ihnen ge- siehen, wir haben seit heute morgen Nummer sieben unter Schloß unb Riegel."
Die Einführung der Fortbilbungsschule für bie Mädchen ist gewiß nicht in allen Gemeinden begrüßt worden. Ader wer hätte bas erwarten wollen? Gibt es überhaupt einen Fortschritt in ber Welt, der nicht von vornherein Ablehnung unb auch Wiberslanb begegnet? Felbbercinigung. Wasserleitung, elektrisches Licht, — hat ihre Einführung nicht in ben meisten ©emeinben erkämpft werden müssen? Unb dabei muß bei ber Einführung ber Mädchen- fortbilbungsschule zugegeben werben, baß bie von Ellern unb Arbeitgebern zu bringenben Opfer lehr erheblich sinb. Sic greifen ja in bie eigensten Angelegenheiten bes täglichen Lebens im Haushalt ein. Es ist doch so, daß bas Dienstmöbchen ober bie Tochter gcrabe bann zum Unterricht gehen muß,
Don Kreisschulrat
Seit der Beendigung bes Krieges hat man in allen deutschen Ländern der Sorge um unsere im nachschutpslichtigen Alter stehende Jugend erhöhte Beachtung geschenkt. Die Notwendigkeit hierzu hatte sich aus mancherlei Ursachen ergeben. Die Der- Wüstungen, Die ber Krieg auf bem Gebiete ber Iu- genberzlehuna angerichtet hatte, lagen bcutlich vor jedermann» Augen. Wo in der Familie jahrelang Geist und Hand des Vaters gefehlt hatte, wo in der Unrast der Zeit und in ber Sorge um bas tägliche Leben auch bie Mutter ihre Erzieherpslichten nur ungenugenb hatte erfüllen können, waren bie be denklichen Erscheinungen, bie wir alle kennen, nicht vcrwunberlich. E» bedurste deshalb einer erhöhten Anstrengung, aud) durch staatliche Maßnahmen, um das wieder herzustellen, was in erschreckendem Maße verloren gegangen war.
Dazu kam ein Zweites. Die Einschnürung unsere» Wirtschaftslebens durch den unglücklichen Aus» flang de» Krieges, dazu die erhöhte Leistungsfähig, keil fremder Wirtschaftsgebiete, die durch Kriegs- Maßnahmen ber Gegner in ber Kriegszeit hochgezüchtet worden waren, hatten Bedingungen für die deutsche Volkswirtschaft geschaffen, die von den Der- bältnissen Der Vorkriegszeit sehr bemerkenswert ver- schieden waren. Es cntftanb bie Frage, welche Dor- aussetzungen noch geschossen werben konnten, um unsere Wirtschaft als Glied dek Weltwirtschaft überhaupt konkurrenzfähig zu erhalten. Ganzer, großer Absatzgebiete verlustig gegangen, dazu gegenüber einem empfindlich geschwächten Inlandmarkt und obendrein mit brückenden Lasten beschwert, durste kein Mittel unbeachtet bleiben, das zur Rationali- sierung ber Wirtschaft geeignet erschien. So fing man benn an, auch ber Serufsausbilbung ber Heranwachsenden Männer und Frauen von morgen erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es entstand die Forderung nach Qualitätsware, Qualitätsarbeit und dem Qualitätsarbeiter. Das war aber nur bei ent- sprechender Durchbildung des jugendlichen Arbeiters erreichbar.
Bei ber männlichen Jugend lag ber Ge- danke ber besseren Schulbilbung im Hinblick auf den künftigen Beruf nahe: er hatte eigentlich auch schon vor bem Kriege in der pädagogischen Well zur Erörterung gestanden. Neu aber war seine Anwendung auf die weibliche schulentlassene Jugend. Und doch lagen auch bei ihr ganz besondere Umstände vor, bie die Frage: Was soll aus unseren h e r a n w a ch s e n b e n Mäbchen werben? dringlich machten. In ben Städten konnte bie Dringlichkeit bieser Fraae überhaupt nicht bestritten werben. Wie viele Mäbchen, bie früher nie Daran gedacht hätten, letzten f:d) ießt darauf einrichten. In das (kroerbslcicn einjulreten! Aber auf dem Lande? Lagen hier nicht im wcsent- l.ichen die Derhältnisie der Vorkriegszeit fast unver- ändert vor?
Nur eine oberflächliche Betrachtung wird das zugeben können. Tatsächlich sind bie letzten 10 Jahre auch an dem inneren Leben der kleinsten Landge- melnben nicht spiirlos porübergegangen. Es ist doch einige» cingctretcn, was es Den berufenen Stellen zur Pflicht machte, bie Frage zu prüfen, ob wirklich cd Den 14jährigen schulentlassenen Mäbchen erziehlich unb unterrichtlich alle» so ganz in Ordnung sei. Die Antwort auf diese Frage konnte nur die Ein-
Fischer, Gießen.
wenn die Hausfrau glaubt, sie am dringendsten notig zu haben. Daß da, fo lange die Sache neu mar, nicht jede Mutter und Hausfrau gleich mit konnte, wen wird das wundern? Aber es ist schon gar nicht richtig, daß der Ablehnung Der Mädchen- kortbildungsjchule allgemein gewesen sei. Im Gegenteil, es Darf heute ausgesprochen werden, daß die neue Schule in vielen Gemeinden (auch Landge- meinben) wie eine jclbftocrftänblidje Sache ausgenommen würbe. Selbst ganz kleine Gemeinden haben die Fortbildungsschule für ihre Mädchen rwci Jahre früher eingerichtet als sie dazu verpflichtet waren. Das beweist doch, daß es einfach nicht wahr ist, daß in Schul- und Bildungsfragen das Land das nötige Verständnis vermissen lasse. (Nebe.ibei: Ist dieses Verständnis in den Städten immer unb überall oorhanben?) Gewiß sind Unterschiebe oorhanben. Aber im ganzen barf gejagt werben, Daß bie Ausnahme ber Fortbilbungsschule für bie Mädchen nicht ungünstig war.
Für gewöhnlich verbindet sich mit bem Begriff Mäbchensortbilbungsfchule nur bie Vorstellung von Handardeits- unb Kochunterricht. Beibes gehört gewiß in erster Linie bazu. Aber es ist Doch nicht alles. Es soll ja nicht allein unterrichtet, es soll noch erzogen werben. Unb bie seelische Not unserer Heranwachsenden Jugend, von ber man heute mit Recht spricht, ist ja keineswegs auf bie Knaben beschränkt, eie tritt bei ihnen nur schärfer hervor. Ader vor- hanben ist sie auch bei ben Mäbchen. Hat sich schon jeber Erwachsene klar gemacht, was es für unsere schulentlassene Iugenb schon debeutct, wenn 14- bis 17jähribe Knaben und Mäbchen monatelang fein 5?mf) in bie Hanb bekommen,'geistige Anregung so gut wie nicht erhalten? Das junge Leute, mann- lichk unb weibliche, im Laufe von Wochen kaum eine Zeile schreiben? Unb doch handelt cs sich um ein Lebensalter, in bem bie jungen Leute aufnahmefähig, aufgeschlossen und trotz allem* auch bildungs- bereit sinb wie zu keiner anderen Zeit. Dem will bie Mäbchensortbildungsschule Rechnung tragen, indem sie ihre Schülerinnen an wertvolle Lektüre heranführt, inbem sie ben Schriftwechsel erarbeitet, der ben Mäbchen im Leben begegnet, inbem ober auch in bie Beziehungen hineingeführt wirb, in denen ber Mensch in Leben, Beruf unb Vollstum sicht. So führt ber Unterricht hinüber zu staats- bürgerlichen Aufgaben, zu ben Verpflichtungen, über bie heute fo viel geredet unb nach benen ach so wenig gehanbelt wirb. Wir wollen burchaus, daß auch bem heranwachsenben Mäbchen eine Ahnung aufgehe von ber verpflichtcnben Verdunbenh'-it mit Familie, Stanb, Gemeinbe, Volk unb Staat Wir wollen „bas Derantwvrtlichkeltsgefühl für bie eigene P? l'on unb bas Gefühl ber engsten Zugehörigkeil mit bem Dolksganzen wecken unb zur Selbst er- Ziehung für das Leben in Gemeinde. Staat unb Beruf anleiten". (Richtlinien für ben Unterricht an der Pflichtfartbildungsfchule für Mäbchen, S. 3.)
Reden biefe allgemein geistigen unb ftaatsbürger* lichen Aufgaben stellt alsbann das tägliche Leben seine bestimmten und seldstverständlichen Forderun- gen. In drei Jahren sollen unsere jungen Mädchen in den Handarbeiten soweit gefördert werden, daß sie nicht allein jeder Ausbesserungsarbeii gc- wachsen finb, sondern daß sie auch den Bedarf an einfacher Frauenkleidung selbständig und in gefälliger Form Herstellen können. Es ist zu fordern, daß die Schülerinnen „zu einer gewissen Selbständigkeit im Ausbessern und Umarbeiten von Wäsche- unb Kleibungsstücken geführt werden". (Richtlinien S. 4.) Das ist gerade heute besonders notroenbig. Bei dem schmalen Einkommen in so vielen Haushaltungen ist Wirtschaftlichkeit dringendstes Gebot. Was irgendwie noch verwendbar ist, darf nicht weggeworfe'n werden. Die Zeiten finb für viele Familien vorbei, in benen ein Stück ab- gelegt unb dafür Einfach ein neues gekauft mürbe. Die Kunst unb Der Wert einer Hausfrau muß in ihrem Sinn und ihrem Geschick für Wirts haltllch- feit gesunden werden. Mit beschränkten Mitteln den Haushalt in Ordnung zu führen unb ihn be- haglid) zu gestalten, muß ihre beste Ausgabe sein. Das muß aber gelernt werben. Wo bie Frau biefe
„Sie können bas Diktaphon bei Nr. 93718 ab- schrauben", sagte er.
Er sammelte seine Stenogrammnolizen, ging an sein Pult unb legte sie nett neben seinem Ablöscher zurecht. Zuw Fenster schlenbemd blickte er auf ben fcnnebligenben Fluß hinab, unb Friebe unb Freube wohnten in seinem Herzen.
3n berfclben Nacht hatte sich der Gefangene Mills, nachdem ihm Straflosigkeit unb freie Fahrt radj Kanaba zugesichert worben waren, entschlossen, 1 ein völliges Geständnis in Aussicht zu stellen. Und Mills wußte Diel, weit mehr als er bis nun gestanden hatte. ,Hch kann Ihnen eine Spur an- geben, die Ihnen Nr. 7 in bie Hände liefern wird", hatte auf feinem Zettel gestanden.
„Nummer sieden!" Elk holte tief Atem. Nummer sieben war der Angelpunkt, um den sich das Rod drehte. Elk rieb sich bie Hänbe, denn nun schien es, daß das Geheimnis des Frosches boch gelöst werben sollte. Vielleicht würbe bie Spur auch zu bem fehlenben Vertrage hinführen.
Bei bem Gebqnken an bas fehlende Dokument seufzte Elk. Zwei Minister, ein großes Staats* bepartemenl unb unzählige Unterfetrctäre füllten ihre Bureauzeit mit wilden Erkundigungsfchreiben an die Polizeidirektion aus, die alle Lord Farm- leys Verlust zum Inhalt hatten.
„Sie fordern Wunder!" klagte Elk. „Und Ich glaube nicht, daß heutzutage noch Wunder geschehen."
Er ging zum Kleiderrechen, um sich zum Trost die Zigarrentasche aus feinem Rocke zu holen und seine Hand berührte babei eine dicke Papierrolle. Er zog sie heraus und warf sie auf sein Pult hinüber. Sie entrollte sich unb fein Blick fiel auf die ersten Worte des ersten Blattes: „Im Namen von des .Königs allerhöchster Majestät . . ."
Elk wollte aufschreien, aber die Stimme ver- sagte ihm. Er riß die Papiere vom Pult und wen- bete mit zitternden Händen bie Blätter um. Es war ber verlorene Vertrag.
Elk hielt das toftbare Dokument in Händen und sieß die Ereionisie der heutigen Nacht an sich vor- überziehen. Wann hatte er nur den Ueberrotf abgelegt? Wann hatte er nur zuletzt die Hand in bie husche gesteckt^ Er hatte ben Rock in bie Garberobe bes Herons Klubs gegeben unb konnte sich nicht
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Joh. Krohn
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Platten, 1,2,3.4 u. 5 mm, wieder, am Laeer 7175c
Carl Schunck
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