Nr. \T\ Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 24. Juli 1926
100 Jahre Helgoland.
Don Willy Norbert.
Weit draußen vor dem Tore des Deutschen Reiches — vor Hamburg — liegt die kleine 3nfcl Helgoland, umbrandet von den Fluten der Nordsee. Wie die Freiheitsfigur vor dem groben Tore der Staaten, so ruft ihr hochragender Fels Vas erste Willkommen jedem zu, der von fernen Ländern über die Meere nach Deutschland kommt. Wer je die Insel so gesehen, langsam und mit machtvoller Geste emporsteigend aus dem Schoß des Meeres, rot erglühend in den Strahlen der sinkenden Sonne unwirklich wie ein Traum, eine Vision, — der fühlte, wie einst in versunkenen Tagen der einsame Felsen dem Wanderer in der weiten Wüste das Wasser als etwas Aeberirdisches erscheinen mußte... da- mials, als der alten Wikinge kindlichgläubiger Sinn Wasser, Himmel und Erde mit den Göttec- gestalten ihrer schöpferischen Phantasie erfüllte. Da ward ihnen der von den Fluten umbrandete Fels zum Thron Fvsites', des Gottes des Rechts, des Lichtgottes Daldur Sohn... Unb „Fosites- Land" nannten sie das Eiland, bauten auf ihm einen Tempel. So wurde früh aus der Insel das Heiligland, das Hillig-Lun der alten Friesen — Heligoland — Helgoland.
Nicht nur der alte Name blieb, — auch das Antlitz, die Gestalt der Insel. Denn während rings um" die Insel die Küsten des weiten deutschen Meeres sich in einem Iahrtausend ständig veränderten, zerrissen von unzähligen Sturmfluten, trotzte Helgolands Felsen der Gewalt der alles verändernden Feit. Noch heute erhebt er sein mächtiges Haupt über den ruhelosen Wassern der Nordsee, fast unverändert Vie einst, da noch der Kiel des Wikingschiffes auf dem Geröll seines Strandes knirschte, und die düstere Opferslamme des alten Asentempels auf den nächtlichen Fluten schimmerte, wo heute die Strahlenbüschei seines Leuchtturms, des stärksten der deutschen Küsten, ihr silbernes Licht auf die Anendlichkeit der Wasser schütten, Angebrochen blieb die dramatische Wucht dieser herben seltsam packenden Insellandschaft — ein Lied der Edda in Stein... Hier wurden tausend Iahre zu einem Tag. Die Zeit steht still. Die gleichen Wasser fluten wie damals, als KlauS Störte- becker auf hochgetakeltem Schiff Zuflucht suchte bet dem Heilig-Land, ilnö andere Bilder der Erinnerung aus dem wechselvollen Dasein der Insel tauchen empor aus dem Schoß von Flut und Zeit. Friedliche und kriegerische. Die Klosterglocken des großen Bischofs Eilbert läuten, Kanonendonner schallt aus der Brandung an den Felsen. Die Dänen, die ersten Besitzer der Insel, beschießen Helgoland, bringen es 1714 wieder an sich, entreißen es den schleswigschen Herzögen, wie schon dreißig Iahre zuvor. Der dänischen Herrschaft folgte 1807 die englische, bis 1890 die Insel an Preußen, an Deutschland kam. Unb mit den Ereignissen tauchen Gestalten der Vergangenheit empor. Aus der Ferne kommen sie herbei, alle, die einst die kleine Insel geliebt und auf ihr Stunden ihres Daseins erlebt, die sie nie vergaßen. Manchem von ihnen hat die alte Insel ein Lied gelehrt: Heinrich Heine, Klaus Groth. Dingelstedt. Hans von Bülow. Aber das schönste der Lieder, das hier in der Inseleinsamkeit entstanden, ist das alte Deutschlandlied, das Hoffmann von Fallersleben vor sünfundachtzig Iahren hier aus dem Rauschen der Wasser vernahm und niederschrieb. So gab einst die kleine Insel dem großen Deutschland sein Lied — das Lied aller Deutschen...
Die Chronik Helgolands ist reich an solchen Festtagen der Erinnerung. In diesem Iahre gedenken die Helgoländer in Dankbarkeit eines der Ihren, eines schlichten Mannes, der kein begnadeter Dichter, sondern ein einfacher Schiffszimmermann gewesen: Iakob Andresen Siemens, der vor 100 Iahren das begründet, was ein Segen werden sollte nicht nur für die Insulaner, sondern auch für hunderttausende von Menschen: das Seebad Helgoland! Denn nicht allein schuf Siemens seinen um ihr hartes Inseldasein kämpfenden, verarmten Landsleuten einen neuen Beruf, er entdeckte auch vielen Leidenden einen Dorn neuen Lebens, schenkte ihnen verlorene Gesundheit und Kraft wieder. „Aus Helgoland ist ja schon jeder Atemzug ein Bad für Lungen und Hals!" rief einst ein großer Forscher dankbar aus, den die Insel von einem langen, tückischen Leiden befreite. Das war vor fast 100 Iahren, als noch niemand viel wußte von einer Heilkraft der Nordsee, Unb so war es auch damals Siemens nicht leicht, sein schönes Werk zu schaffen, und et hatte mit vielen Vorurteilen und Hemmungen aller Art zu kämpfen. Wie schwer war es damals allein schon, von Hamburg oder Bremen die Insel zu erreichen, als es noch keine Dampfer gab! Man brauchte oft mehrere Tage zur Neise, die heute in wenigen Stunden die großen Salondampfer schaffen. Aber
gerade diese entrückte Lage wurde die Stärke des Seebades, denn hier, wo meilenweit nur die Hochseewasser fluten, gab es keine Landwinde, hier gab es auch weder Watt noch Schlick, und unabhängig von Ebbe und Flut konnte im Meer gebadet werden. Hier gab es glatten, ebenen Sand und warme Dünen wie in Scheveningen oder Ostende, aber etwas war hier, das nirgends zu finden war, nirgends an den Nordseeküsten von Belgien bis Dänemark: die hoch über das Meer ragenden Felsen! Felsen und Meer, es gibt keine schönere Landschaft als die ihrer Vereinigung. So setzte sich trotz aller Widerstände das Werk des Zimmermanns auch rasch durch. Aus den dreihundert Gästen, die das Bad mit Stolz drei Iahre nach seiner Gründung zählen durfte, sind heute weit Über 30 000 jährlicher Besucher geworden, und aus den sechs Dade- karren von Siemens im Iahte 1826 ist heute das große Seebad auf der Düne und daS schöne Warmbad auf dem Unterlande erwachsen.
Wenn auch längst in diesen hundert Iahren auf Helgoland große Hotels und ein mächtiges Kurhaus entstanden — die Insellandschaft ist überbli ungebrochen, und nirgends verzerrt das ehrwürdige Gesicht der alten Insel der Prunkbau der Neuzeit. Theater, Warmbad, Museum, Aquarium — alleö fügt sich in das treuherzige Antlitz des kleinen Ortes auf Oberland und Unterland. ilcberall stehen noch die kleinen, altmodischen Häuschen in den Liliputgassen. Eine stille Welt voll längst entwöhnten Friedens umfängt den Besucher, kein Wagen rasselt über das Pflaster, kein Lärm stört die tiefe Ruhe, ileber- all duften aus den kleinen Vorgärten Rosen und Lavendel entgegen, und Räume in üppiger Fülle erheben sich über die Dächer der Häuser. Auch die Menschen scheinen hier so ganz andere, als daßeim auf dem Festlande. Nirgends das rastlose Treiben, der hastige Schritt, das gehetzte Gesicht unserer raschen Zeit — eine Erquickung allein schon für jeden, der einmal ausspannen möchte von dem verzehrenden Kampfdasein unserer Tage...
So bedarf auch Helgoland heute kaum noch einer Empfehlung, und die großen Feste, die in diesem Iahre die Insel ihren Gästen gibt, gelten allein dcr Freude und der Erinnerung. Die beste Empfehlung war in diesen letzten hundert Iahren, auf die die Insulaner mit leisem Stolz nun zurückblicken, die, daß noch jeder, der einmal auf Helgoland gewesen, immer wieder die Sehnsucht spürte, zurückzukehren, denn es geht ein seltsamer und geheimnisvoller Zauber von der roten Insel aus — vom „Hillig-Lun", dem alten Fvsites-Land ...
Schnellzugsverbindungen mit Hamburg hat man Gießen ab 8.21 Uhr vorm., Hamburg an 5.15 ilfjt nachm., Gießen ab 1.25 Ahr mittags, Hamburg an 11.28 Ahr abends, Gießen ab 10.18 Ahr abends, Hamburg an 6.47 Ahr morgens, und Gießen ab 11.44 Ahr abends, Hamburg an 7.58 Ahr morgens. Don Hamburg-St.-Pauli-Lan- dungsbrüaen, Brücke 2, vermitteln Dampfer der Hapag Seebäderdienst G. m. b. H. die Aeber- fahrt nach Helgoland. Es geht täglich ein Dampfer Hamburg ab 8 Ahr früh (Sonntags 7 Ahr früh), Helgoland art 1.50 Ahr bzw. 2.40 Ahr (Sonntags 1 Ahr).
Fünfzigjähriges Jubiläum des Rhönklubs.
Am 31. Iuli, 1. und 2. August d. 2. begeht in der alten Dischofsstadt Fulda, dem Orte, von wo aus seinerzeit seine Gründung erfolgte, der Rhönklub das fünfzigjährige Iubiläum seines Bestehens zugleich mit seiner fünfzigsten Hauptversammlung. Der Rhönklub zählt mit seinen 12 000 Mitgliedern in ca. 70 Zweigvereinen in allen Gegenden Mittel-, Süd- und Westdeutschlands mit zu den größten und ältesten Gebirgsvereinen. Ausgehend von seinem Vor- ort Fulda hat er seine Arbeit gleichmäßig auf die preußischen, bayerischen und thüringischen Gebiete des Rhöngebirges ausgedehnt und durch Wegebau unb Marnerung, burch Herausgabe von Führern, Karten, Schriften wissenschaftlicher unb unterhaltender Natur, durch Bau von Hütten, Aussichtstürmen, Verkehrseinrichtungen, durch ein systematisches Wanderprogramm das bis vor einem halben Iahrhunbert noch in seiner wilden Schönheit unbekannte Rhöngebirge den deutschen Gebirgs- und Wanderfreunden erschlossen. Heute ist die Rhön mit ihrem eigenartigen Gebirgscharakter im Herzen Deutschlands zwischen Main und Weser gelegen, ein beliebtes Wanderziel nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter besonders für Wintersportler aus allen Teilen Deutschlands geworden. Für den Wintersport besonders geeignet durch ihre unendlich sich aus« dehnenden kahlen Dergeshänge, die ein hervorragendes Skigelände bilden. Das 50jährige Iubiläum in Fulda wird eine große Anzahl von Rhönfreunden und Deteranen in der reizvollen
alten Darockstabt zu^ammenführen. bic auch an der großen Hauptstrecke Berlin—Frankfurt—Basel unb Hamburg—München gelegen, der günstige Ausgangspunkt für Wanderungen in die Rhön und nach der durch die zuerst dort veranstalteten Segelslugversuche bekannt gewordenen Wasserkuppe bildet. Der Hauptvorstand des Rhönklubs hat seinen Sih und Geschäftsstelle ebenfalls in Fulda.
Was kostet ein Lag in Paris?
„So, Sie waren in Paris? Aber da haben Sie wohl furchtbar viel Geld ausgegeben? Paris ist sehr teuer, nicht wahr?"
Paris ist sehr teuer — allgemeine Ansicht der Zurückgebliebenen, und vieler — Zurückgekehrter.
Paris ist billig, nicht so billig, wie man nach der Differenz zwischen Frankenstand unb unserer guten Währung vermuten könnte, aber immerhin: Paris ist sehr billig, unb kann sehr teuer fein. Es kommt barauf an, wie man sich in bem verrückten Hexenkessel an der Seine zu- rechtfinbet.
Die Eisenbahnfahrt nach Paris ist bic erste freubige Aeberraschung. Ein Billett 2. Klasse von Essen nach Paris — bas ist ungefähr bie gleiche Strecke wie von Essen nach Berlin — kostet etwa 30 Mark, die Fahrt 3. Klasse Essen-Berlin kommt allein auf 25 Mark. Natürlich verbessert sich der Preis, je näher man der Grenze wohnt, und verschlechtert sich im umgekehrten Falle. Iedenfalls fährt man auf belgischem und französischem Boden außerordentlich billig und angenehm. Die Belästigungen der Zollkontrollen sind sehr gelinde.
Wichtig, außerordentlich wichtig ist die Frage des Hotels. Ich war mit einem Herrn in Paris, der vor dem Kriege zehn Iahre dort gelebt hat. Er kannte ein sauberes Privathotel, gleich neben dem großen Boulevard Sebastopol, gute Bedienung, warmes Wasser, Teppiche auf dem Boden, bequemes Bett, mitten im Getriebe der Stadt, für ganze 13 Franken den Tag. Wer natürlich in die großen Hotels geht: Hotel Modern am Republikplah, Grande-Hotel an der Oper usw., der bezahlt für ein, natürlich komfortabler eingerichtetes Zimmer 150 Franken, also glatt das Zehnfache. And schimpft später auf die hohen Preise. Es wird jedem Deutschen so gehen, der nach Berlin kommt und im Adlon wohnt.
Es kommt die zweite Klippe: der Reisende, der an die großen Hotels gebunden ist, läßt sich deren Küche aufschwähen, geht sozusagen in „volle Pension", um allen Anannehmlichkeiten draußen aus dem Wege zu gehen. Natürlich kostet hier ein Diner, das vielleicht zwanzig Gänge aufweist, von denen man nur den kleinsten Teil benötigt, erheblich mehr als in den Speiserestaurants auf dem Boulevards. Man muß, wie mein Freund bissig bemerkte, den Marmor mit befahlen.
Wir haben für 10 bis 20 Franken ausgezeichnet essen können, ganz ausgezeichnet bei Duval, der, wie Aschinger in Berlin, überall seine Zweigstellen hat. Das französische Menu hat den Dorteil, daß man es nach eigenem Belieben zusa.nmenstellen, ausdehnen oder einschrän- ken kann, je nach Appetit und — Kasse. Bei Duval gab es jedenfalls ein Horsd'oeuvre zu 3,50 Franken, das sechserlei delikate Sachen brachte, es gab eine Fleischplatte, eine Gemüseplatte, Käse, Dessert, Wein unb Brot, peinlichst sauber von höflichen, hübschen Kellnerinnen serviert, für 10 bis 20 Franken. Ich bemerke, daß 20 Franken eine Grenze nach oben waren und allerlei Dinge enthielten, die man so nur in Paris haben kann. Wünscht man außer dem gewöhnlichen Tischwein, der im Menu eingerechnet ist, eine bessere Sorte, so kann man Haute Sauverne, Beaujolais, echten Bordeaux für 4 bis 7,50 Franken die Flasche haben. Ich habe in dcr Heimat die Erfahrung gemacht, daß deutsche Restaurants den gleichen Wein mit denselben Zahlen aufführten — nur daß statt des Franken solide deutsche Reichsmark dahinter stand. Man kann noch billiger essen in den kleinen Restaurants auf dem unteren Montmartre für 4,50 Franken prix fix, man kann jedoch auch anderswo für 100 Franken sich den Magen verderben. Ein gepflegtes schwedisches Haus, in der Nähe der Rotunde auf dem Mvnt Parnasse, nahm 15 Franken für ein Diner. Dabei gab es ein Horsd'oeuvre. nach schwedischer Sitte mitten im Raum aufgestellt, jedem Gast zur freien Bedienung überlassen, an dem man allein alle Freuden des Gaumens auskosten konnte. And die Fischplatte bei Duval: Colin und Salm . . .!, das sind wehmütige Erinnerungen. Für das ebendliche Souper darf man dieselben Sähe rechnen. Das Frühstück kostet eine Kleinigkeit.
Die Getränke in den Boulevardkaffees sind für den Deutschen gleichfalls billig. Das Bier, nicht so gut wie bei uns, kostet durchweg 1 bis 1,50 Franken. Für die sogenannten Aperitifs,
die spezifische französische Mischung von Sodawasser unb allerlei Schnäpsen, fehlt ein deutscher Dergleichungsstab. MA 2,bis 4 Fraickcn scheinen sie jedenfalls nicht sehr teuer.
In allen diesen Restaurants wird mit der äußersten Höflichkeit serviert. Die Befürchtung, daß man als Deutscher überall anstohen würde, ist grundlos. Man erfcimt jeden echten Deutschen auf dem heißen Pariser Pflaster auf 20 Schritt, aber nirgendwo kann er sich unbelästigter bewegen als hier.
Wer Paris recht erleben will, muh sehr viel Auto fahren. Die Boulevards find restlos von den Taris erobert, die in unglaublicher Zahl zu haben sind. Große Autofirmen, wie Citroen und Renault, lassen Riesenkolonnen von Taxis laufen. Die Grundtaxe beträgt 1 Franken, für jede weiteren 200 Meter 25 Zentimes. Ist man zu zweit und britt, so kann man die Gebühr umlegen und die Feststellung machen, bah, man billiger mit dem Auto gefahren ist, als daheim mit der Straßenbahn. Die Untergrundbahn, vorzüglich funktionierend, in den Verbindungen äußerst vorteilhaft, fährt einen für 75 Centimes wohin immer .man will.
Ein ungeschriebenes Gesetz besteht jedoch überall: 10 Prozent Trinkgeld Eine Dergehlich- leit in diesem Punkte würde jeder Kellner übel vermerken. Aber meistens versteht er es, geschmeidiger Diplomat, den Gast in irgendeiner Form auf fein Versäumnis aufmerksam zu machen.
Die Gebühren zum Betreten der Museen und Schlösser betragen 1 fato. 2 Franken, entsprechend der Gröhe des Objektes. Im Louvre kann man sich von vormittags 9 Ahr bis abends 5 Ahr für 2 Franken die großartigste Gemäldeausstellung betrachten, die die Welt lernt.
Unterhaltung gibt es in Paris die Menge. Der Fremde wirb die exquisiteren Stätten besuchen. Für einen guten Platz in der prunkvollen Großen Oper muß man 50 bis 150 Franken dransetzen. Die Preise sind hier verhältnismäßig hoch, da man mit den valutastarken Fremden rechnet. Die großen Revuetheater — Mou- lin Rouge, Folies Beraere — nehmen Preise von 7,50 bis 100 Franken. Mit 7,50 Franken bezahlt man das Promenoir, den teppichbelegten Wandelgang um bie Parterrelogen, man kann sich hier während der Vorstellung ungeniert bewegen, darf rauchen, kann hinausgehen, herein- kommen, wann und wie oft man will. Die kleinen Pariser sind vornehmlich hier zu finden: die teueren Logen und Orchesterfauteuifs sind durchweg mit Fremden beseht.
Schlecht und recht geneppt, wie es auf dem Kurfürstendamm geschieht, wird man auch in den Nachtlokalen auf bem Montmartre, wo der Betrieb erst gegen 11 Ahr beginnt. Der Montmartre um die Moulin Rouge herum ist der Brennpunkt te3 nächtlichen Amüsierbetriebs. Lokale in uuüfcerfchbarer Fülle, von der kleinsten Taverne, wo das Bier auch schon 4 Fran- len kostet, bis zum mondänsten Tanzpalast, der den Sekt mit 100 Franken aufwiegen läßt.
Will man zum Rennen fahren, so benutzt man am besten einen der großen Omnibusse, die schnell und bequem sind und schon lange vor Beginn der Reimen auf den Boulevards herum - fähren und Fahrgäste sammeln. Der Fahrpreis beträgt für Longchamps 5 Franken, für Auteuil 3 Franken pro Kops. Die Tribünenkarte kostet 15 Franken. Wetten kann man von 5 Franken an aufwärts.
Die Preise in den Warenhäusern nähern sich in manchem den unserigen. Diele Dinge bekommt man jedoch zum Heiden Preis, günstiger wird man jedoch nicht einkaufen. Iedenfalls soll man feine Frau nicht in die Galerien Printemps, Lafayette oder Don Marche führen. Die Herrlichkeiten in diesen Häusern würden ihr jede weitere Freude an Paris nehmen, und der Reiseetat würde katastrophal erschüttert werden. Nebenbei sei gesagt, daß der deutsche Zollwächter sehr scharfe Augen hat.
Das sind einige grobe Ucberbii.de. Man öarf mit ruhigem Gewissen sagen, daß man sich für 10 Mark pro Tag sehr viel leisten kann. Man darf sich natürlich nicht aufs falsche Pferd sehen und in das Paris hineingeraten, wo es luxuriös und am teuersten ist. Dann wird man selbst mit deutscher Mark finanzielle Kopfschmerzen bekommen. K. S.
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