Bach-Abend.
Dom Kovzert'Lercin wird uns «eschrik ben: Das nächste, neunte 21 b o n n e tu c n 10 • konzert wird am kommenden Donnerstag, 2 5. Februar, abends In der StaVtktrche ftattfinden. Es ja rasch aus den Liederabend von letztem Sonntag folgen z» lasten, lag nicht in der Absicht der Konzertleitung, die einem späteren Termin unter allen Umständen den Vorzug gegeben stoben würde, wenn nicht schwerwiegende Gründe die Zurückoerlegung erzwungen hätten. Die bevorstehende Aufführung steht ausschließlich unter dem Zeichen Bach s. Mit einer Pastacaglia, Präludium und Fuge, auf der Orgel eingeleitet, werden aus dem köstlichen, überreichen Schatze Bachicher Kantaten drei der schönsten folgen. Zunächst die mit Nr. 169 bezeichnete „Gott soll allein mein Herze hoben", für Alt-Solo und Chor. In diesem Merke hat Bach in der kleinen sympathischen Einleitung und dem prächtigen Siciliano Teile seines E-Dur« Konzerts verwertet und einfach eine Singstimme dazu geschrieben. Die nächste, im Jahre 1731 cnl standene sog. Septuogesima-Kantote (Nr. 84) mit den Slnfangsworten „Ich bin vergnügt mit meinem Glücke", ist für Sopran-Solo mit Solo Violine geschrieben, während dem Ehor her Schluszchoral zu- fällt. Alsdann wird das wundervolle Duett für So« pran und 'Alt „Wie eilen mit schwachen, doch emsigen Schritten" aus der Kantate Nr. 78 „Jesu, der du meine Seele —" folgen, lind zum Schluß die gewaltige Neformations-Kanlaie (Nr. 79) „Golt der Herr ist Sonn' ixih Schild" aus dem Jahre 1735, deren erster Satz einem Triumphgesange gleicht. Der befomitc Bach-Biograph Schweitzer sagt von ihm: „Es bricht eine eigentümliche, blendende Helligkeit aus ihm hervor, als sähe man das Bild einer siegreichen Schlacht im Morgensonnenglanze". Bach hat — nur die uns erhaltenen gezählt — gegen 200 Kandaten geschrieben, die eine unerschöpfliche Fülle reichster und schönster Chor- lind Solo Gesänge enb stallen. Auf die Erbschaft dieses Allergrößten, der in feiner universalen, zeitlosen Bedeutung immer mehr erkannt wird, je weiter wir uns zeitlich von ihm entfernen, haben wir Deutschen wahrlich allen Grund, stolz zu sein. Die meisten dieser Kantaten sind für Chor und Solostimmen, ober auch für jedes allein, mit Begleitung her Orgel oder des Orchesters geschrieben. In vielen Fällen wetteifern die Solostimmen mit obligaten Jnstrumentalsoli und erheben sich so zu hinreißendem Schwung ,bes (9c- fanas.
Die Orgelparlie liegt in ben Händen des Herrn Hopf, Organist an der St. Georgs-Kirche in Eisenach. der schon bei der Ausführung des 10. Psalms von Reger mit Erfolg hier initwirkte und dem allster dem anfangs erwähnteil Orgelsola auch die umfangreiche Begleitung obliegt. Für die Solopartien sind die Damen Margarethe Strunk und Elisaveth Böhm gewonnen worden. Sie sind den Besuchern unserer Konzerte als Stützeil des „Berliner Bokalterzetls" durch ihr wiederholtes Mulizieren in (fließen bekannt; den tiefen, einer Bratsche gleiche»» Kontraatt des Fräulein Böhm werden sicherlich viele noch in lebhaster Erinnerung haben. Die Biolinbegleituug wird Herr Konzertmeister H a e h n e l aus Naüheim ausführen, und die der Solo-Oboe der erste Oboist der Frankfurter Oper, Herr Ho en sch, mährend ein Teil des Kammer- orchesters mit Verstärkungen durch Frankfurter und 'Nauheimer Künstler die Kapelle bilden. Der Ehor wird von bem Akademische n Gesang v e r e i n gestellt und in Stellvertretung des noch be- urlctubten Herrn Professors Trautmann von Herrn Theodor K n n b t geleitet. Herr Knodt hat ben Chor bereits zur Reichsgrünbungsfeier am 18. Januar in der Aula geführt und sich der Vorbereitung der Bachkailtaten in hingebender Weife gewidmet. Das Konzert bietet die seltene Gelegenheit, eine große Orgel«Solofuge von sachkundiger, virtuoser Hand gespielt und drei der herrlichen Bachkantaten zü hören, und dürste für die große Gemeinde der Musikfreunde imd Gläubigen einen feiertägigeil Genuß bedeuten.
Schöffengericht Gießen.
Gießen, 22. Febr. Ein Kaufman aus Bad- Nauheim wurde wegen S i t t l i ch k e i t s v e r-
brechens zu 3 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren E h r v e r l u t verurteilt. Di« Ver- hanblung fand hinter ver chlostenen Türen statt. Strafschärfend wurde berück ichligl, daß der 'Ange klagte wegen ähnlicher Verbrechen schon zweimal bestraft ist. Trotz her erdrückenden Beweise behaup- tet er, unschuldig zu sein, und trat einen umfang- reichen Alibibeweis an, der ober vollkommen zu« sammenbrach.
Ein herumziehender Hausierer und seine Frau waren des Diebstahls von Feldfrüchten angeklagt, der Mann im wiederholten Rückfall. Sie wurden aber nur wegen Feldentwendung (llebertrelting nach bem Hessischen Feldstrafgesetzbuch) verurteilt, da der Wert der gestohlenen Früchte 15 Mk. nicht überstieg. Eine Mitangeklagte wurde mangels ausreichenden Beweises freigesprochen.
Kleine Strafkammer Gießen.
Gießen, 19. Febr. Ein Landwirt war vom Amtsgericht Friedberg wegen Beleidigung und Kör- perverletzung eines Felbfchützen zu SO Mk. Geld« strafe verurteilt worben. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde wegen seiner Porstrasen kosten- fällig verworfen.
Durch Urteil des Amtsgerichts Butzbach war eine Landwirtsfrau wegen Betrugs mit 50 Mk. Geldstrafe belegt morden. Sie soll einem Kunden neben reifen auch unreife Zmelschen verlauft und dies bei der Lieferung verschwiegen haben. Gegen dieses Urteil verfolgte die Angeklagte Berufung. Die Verhandlung in der Berufungsinstanz ergab, daß der Kunde die Zwetschen selbst ausgesucht und bestellt hat. Der Staatsanwalt hält das Urteil erster Instanz für bedenklich, es handle sich hier offenbar um eine Angelegenheit zivilrechtlicher Natur. Das Berufungsgericht war der gleichen Ansicht und sprach die Angeklagte frei.
Ein Unteroffizier hatte wegen Beleidigung eines Vorgesetzten 6 Wochen Mittelarrest erhalten. Auf seine Berufung wurde die Strafe auf 5 Tage Mit« telarrest herabgesetzt, da der Angeklagte inzwischen aus dem Heeresverband ausgeschieden ist und sich entschuldigte, der Vorgesetzte und die Militärve- hörde sich auch zu seinem Gunsten verwandt hatten.
Ein Mädchen, das sich in Zwangserziehung und bei einem Pfarrer in Oberhessen in Diensten befand, wurde dort von seiner Miitter gegen ben Willen des zuständigen Kreisamts aus dem Dienst nach Haufe weggeholt. Das Amtsgericht Grünberg halte die Mutter von Strafe und Kosten freigesprochen. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein und begehrte auf Grund des § 76 des Jugendwohlfahrlsgesetzes vom 7. Juli 1922 Verurteilung der Angeklagten. Die Strafkammer gab der Berufung statt und sprach eine Geldstrafe von 50 Mk. aus.
Gerichtssaai.
verurteilter Uohrungsmltlelfälscher.
MSN. Köln, 22. Febr. Das Kölner Schöffe»»- aericht verurteilte einen M e tz g e r m c i ft e r, der Kübel voll verdorbenen Fleisches zu W u r ft verarbeitet hatte, zu einem Jahr Gefängnis bei sofortiger Verhaftung. Dem Verurteilten wurde ferner die Befähigung abgesprochen, während fünf Jahren ein öffentliches Amt zu bekleiden.
'Buntes Allerlei.
Schlangen gefällig?
Jede Ha»»Sfrau weist, wo sie ihr Brot und ihr Fleisch, wo sie ihren Kaffee und ihren Zucker einkauft, aber wenn sie vor die Ausgabe gestellt würde, einen Stock Dienen, ein paar Riesenfrösche oder eine .Klapperschlange einzu- hvlen, würde sie gewiß in Verlegenheit geraten. Aber auch für diese und noch andere merkwürdige Waren gibt es Märlte, wie eine Englische Zeitschrift erzählt. Der Handel mit Schlangen ist ficmlid) ausgedehnt, denn die verschiedenen Zoo- ogischen Gärten haben einen großen Bedarf an Reptilien. Sn London gibt es mehrere Ge
schäfte, in denen man mit dem einladenden Ruf „Schlangen gefällig?“ begrüßt werden kann. @inc ausgewachsen« Riesenschlange kostet zwischen 400 und 1000 Mark, dagegen kann man eine der gefährlichen Brillenschlangen schon für 40 bis 100 Mk. bekommen (Sin großer Umsatz ist in kleinen, nicht giftigen Schlangen, die al« Futter für die seltenen Arten in den Zoologischen Gärten benutzt werden, die kann man schon für 2 bl# 5 Mark das Pfund einhandeln. Siner der größten Dienenmärkte ist zu Tecncnbal In Holland. 3m vergangenen 3ahr wechselten hier 1586 Dienenschwärme den 'Besitzer; die Gesamtzahl der verfauften Dienen belief sich auf gegen 30 Alll- lioncn und der Tbert ungefähr auf 6000 Akark. Riesenfrösche sind kein so begehrter Artikel, aber besonders große Eremplare sind doch von manchen Schausteller»» gesucht. Sin Mann, der kürzlich einen besonders großen Ochsenfrosch feil- bot. erzielte dafür 100 Mark. Sin unheimlicher VerlausSgegenstand ist Schlangengist: aber wer diese Mare an den rechten Mann zu bringen weiß, kann damit viel verdienen, beim es gibt gewisse Arten des Schlangengiftes, für die 300 Mark und mehr pro Gramm gezahlt wird.
Die S(aal6lollettc der Elefanten.
Die Sloalstoiletle eines Elefanten, die er für besonders festliche Gelegenheiten macht, ist nicht minder zeitraubend und schwierig als die Verschöne« rung, die sich eine Modedame angedeihen läßt. Von den Geheimnissen dieser Elesanten-Schönheitspflege erzählt ein Sonderberichterstatter der „Times of Indio", der Gelegenheit Halle, der Schmückung der Staatselesanten des Goekwar von Baroda belzU' wohnen. Zunächst erfolgt das Bemalen des Gesichtes, tlnb diese Operation erfordert mehr Sorgfalt als die raffinierteste Schntinkkunft. Es gibt dafür besonders geübte Maler, die zunächst auf der Elefantenhaut mit Kreide die Ilmriffe der Bemalung ausführen und dann das eigentliche Bild rasch und geschickt mit Wasserfarben anbringen. Die Köpfe der Elefanten werden mit verschiedenen Tieren verziert. So werden z. B. zu beiden Seilen des Gesichtes Tiger gemalt, und zwar Io, daß das Auge des Tigers benützt wird, wodurch das gemalte Tier einen besonders lebendigen Eindruck macht. In ähnlicher Weife werden Pfauen auf die Eie- fanlenköpfe gemall, »nährend man sich bei der Verzierung des Körpers mehr mit geomelrstchen Ornamenten begnügt. Maler, die Ihre Arbeit auf der Leinwand verrichten, haben keine Ahnung von den Möglichkeiten, die die geschickte Benutzung eines großen Pinsels auf einer Fläche gewährt, wie sie z. B. ein Elefantenohr darbietet. Sind die Elefanten bemalt, dann werden sie mit Aufbauten aus Gold und Silber und Elfenbein geschmückt. Ebenso müssen die Staatselefanten Ohrringe und kostbare Halsbänder tragen, prunket» im juwelenbesetzten Stimschmuck, und ihre Füße sind mit Spangei» und Fußbändern bedeckt. So groß »st die Last dieses überreichen Schmucks, daß man von den» Tier selbst kaum etwas sieht. Die Ernährung dieser Elefanten ist ebenfo sorgfältig wie ihre Toilette: sic erhalten jeden Tag große Mengen jchwmzen 'Pfeffere, Sol» und Del, und ihr tägliches Menü ist genau auf der Speisekarte angegeben, die über ihren» Platz hangt.
Biicherttsch.
Iß a e- Verlobte und Eheleute von der Rechtspflege unbedingt wissen müssen, um evtl. Prozesse, somit Geld und Aekger zu ersparen, enthalt das Duch. .Juristischer Ratgeber für Verlobte und Eheleute", nach dem gegenwärtigen Stand der Gesetzgebung. (Verlag Albert Roebelen. München. Schelling- slraste.)
— Handbüchlein für Arbeitgeber and Angestellte über die wich 1 igsten Bestimmungen der An gest ellte »»verst ch e r u n g not» Oberinspektor E. G a l in , Aschaffenburg. Esisenslr. 3. Selbstverlag. Preis 30 Pfennig, 100 Stück 25 Mark.
Boxe n. Q3on Dr. Willy Meisl. (Verlag illlftclu. Berlins. Das etwa 90 Seiten starke Büchlein, das ii» der Reihe der Stadion-Dücher
den Dand 5 darsteUt. bietet terlsich und mit feine»» vielen Illustrationen den freunden des Dorfports reiche Anregung. 906.
Wirtschaft.
Von den Schlachtviehmärkten.
A»» ben deutschen Schlachtviehmärlten der vorige»» Woche hat die Marktlage gegenüber der Vorwoche keine wele»»tliche Verschiebung erfahren. Der Handel hielt sich bei Rindern, Kälbern und Schafen in der Hauptsache auf mittlerer Linie: bei Schweine»» war die Tendeirz zu flotterem Geschäft vorherrfcheird. Die AuftriebS- zsisern toaren nur bei Schafen stärker rückgängig Die Preife sind auf allen Marktgebieten al- gut stetig zu bezeichnen.
Oluf den nachstehende»» Märkten mürbe» für 1 Pfund Lebengewicht in Pfennig notiert:
Rinder Kälber Schafe Schweine
Berlin 18-51 40-72 26-48 70-81
Bremen 28 - 55 35 - 70 45 - 57 67 - 76
Breslau 15 - 50 49 - 70 30 - 48 60- 78
Chemnitz 20 - 48 45 - 74 35 - 52 66 - 80
Dortmund 16 - 55 35 - 80 25 - 50 79 - 84
Dresden 20 - 50 50 - 70 30 - 55 58 - 80
Düffeldorf 20 - 57 35 - 80 - 72 - 84
Elberfeld 20-55 40-75 - 65-84
Essen 25-55 42-100 - 70-84
FrankfurlM. 15 - 53 40 - 72 25 - 50 65 - 85
Hamburg 14-51 30-75 - 60-81
Hannover 15 - 53 30 - 70 20 -52 65 - 80
Husum — — — —
Karlsruhe 18 - 52 55 - 70 - 72 - 82
Kassel 20-55 42-60 — 70-86
Kiel 16-49 25-66 24-55 49-78
Köln 20-54 42-72 35-44 68-82
Leipzig 20 - 49 40 - 68 35 - 52 70 - 81
Magdeburg 18-50 28-62 22-44 68-83
Mannheim 12-55 52-74 24-36 68-82
München 23-52 55-82 - 58-80
Stettin 10 - 47 28 - 63 15 - 43 68 - 76
(Stuttgart 12-51 55-74 - 58-83
Zwickau 15 - 48 40 - 65 30- 52 70 - 81
Besserer Geschäftsgang bei Opel, Rüsselsheim. In der Fahrräher- »tnd Mo torwagenfabrikation werden von Tag zu Tag von den beurlaubten Werkangehörige»» wieder eine An zahl zur Arbeit zurückgerufen. Während der Molo» ivagenbau vier Tage wöchentlich arbeitet, wird im (flefamtbetrieb des Fahrradbaues nun schon volle sechs Tage gearbeitet.
” Japanischer Millionen-Auftrag für Siemen s. Wie der „Montag Morgen" erfährt, hat die Firma Siemens & Halske von der japanischen Regierung einen Auftrag zur Lieferung und Installation von kompletten antoinatische»» Tele phonanlagen für die Städte Kobe und Osaka erhal ten. Das Objekt beträgt 5 Millionen Mark.
' Vie Kukirolfabrik unter (8 c schäftsaufsicht. In einem Rundschreiben an ihre Gläubiger teilt die Kukirolfabrik Kurt ÄrffV in Groß-Salze bei Magdeburg mit, daß sie sich gelungen gesehen habe, den Antrag auf Geschäfts aufsicht zu stellen, nachdem ihre Bemühungen, einen größeren Kredit zu erhalten, zu keinem Ziele ge führt haben. Das Gericht hat dem Antrag am 19. Februar ftnttgegebcn.
Berliner Börse.
Berlin, 23. Febr. Die freundlichere Tendenz, die fich gern» Schluß der gestrigen Börse einffeUtc, hielt heule an. Allerdings fanden z>» den erften Kursen noch Verkäufe statt, so daß diese knapp gehalten werden konnten. Während der ersten Stunde entwickelte sich bann in einigen Spe 1,10 1 werten lebhafteres Geschält, das die Speht- lation zu Deckungen veranlaßte. Hiervon wurde de sonders der Montan »mb Schiffahrts« markt betroffen, wo Kombinationen über das Zusammentreffen zwischen Geheimrat Cuno mit dem Amerikaner Harriman ftlmuHerten. I»» Nachwirkung der Londonei Verhandlungen flogen Schuh gebieten teilen anfangs stärker an (auf 7,72). während K r ie g s a »»l e ! h e n eher zur Schwäche neigten. Die feste Haltung der Spcziallverte gab auch
Gießener Konzertverein.
<-va Lisrmann — Hindemith.
Führt ein einzelner Künstler eh» abendfüllendes Programm aus, fa gibt die Kraft feiner Persönlichkeit bereits die Gewähr für die Einheitlichkeit des Geftaltens, denn die Reihe der von ihn» gewählten Gaben erweist fich als ein Spiegel feine-:. Ich--.. Schwieriger ist es aber, wenn mehrere Ausführende zu einem Einheitlichen verschmelzen wollen.
Es gab eine Zeit, namenilich Im Zeitalter des Virtuosentums, wo man sich durch das Nebeneinander nicht störe»» ließ, nm nur der Große den Abend beherrschte, alle andere»» aber nur die Vortragsreihe füllten, wo das Publikum bei» Große»» hören wollte, alles anbcrc aber als angenehmes Beiwerk anfah. Unsere Großen mußten sich einst bamli abfinben, mit virtuosen Kunststucka-ei» für ihr Werk werbe»»: so wurde z. B. an» Abe»»d der Urausführung von Beethovens Violinkonzert auch noch ein Stück auf der nach unten gekehrten Violine gespielt: des Knabe»» Mozart ,.Hauptnummer" war das Spiel auf verdeckter Klaviatur u. a. n».
Dieser Schwierigkeit beim Zusammenwirken trug bas letzte Konzert des Konzertvereins Rechnung, als es einer an sich mit charakteristischen Ausbrucksqua- litäten bedachten Altstimme ein ihm klanglich ver- mandles Instrument, bas Cello, entgegenstellte, so daß zwei ähnliche Klangivellen, nur in mehr oder weniger vorstellungshaster Deutlichkeit unterschieden, eine Welt des Ausdrucks erschlossen. Warm ver schmolzen waren beide besonders im letzten Teile des Programm». Mai» halte vielleicht ivlinschen mögen, daß der stärkste Vertreter dieses Ausdrucks- stiles, Mufsorgskl, noch mein in den Vordergrund
erlebt hat, den» werden seine Welten überaus gegenwärtig, zeitgemäß erscheine»» und sich der konstruierten Welt des Expressionismus gegenüber mit wol'l Inender Kraft behaupten. Zu nernnmbern ijt nur, daß diese Musik vor rund 51» Jahren geschrieben wurde, sich aber jetzt erst mit Erfolg burchznsetzen scheint. Zwar vermag Mufforgski mit seiner Voran- ftellnng des Ausdrucks unter Znrlickdrängung des uns als Wesen der Musik erscheinenden, der Melodie, nicht jede»» sogleich zu gewinnen; aber seine Welt fand besonders'auch durch Gretschaninow ihre Weiterbildung, und dem Elndrtick seiner beide»» Lieder des Programms hat sich schwerlich jemand verschließen können.
Wenn man in dieser Einstellung den beiden Künstler»» des Abends gegenübertritt, so wird die Einheit des Ganzen um Io deutlicher erscheinen. Rudolph Hindemith stehl der allermobemflen Musik äußerst nahe, und diese Einstellung läßt ihn selbst da, wo wir vielleicht »»»ehr das Spielerische in» Ab- lauf der Fort»» flu erkennen vermögen, gestalten »md neue Gesichtspunkte zur Erfassung des musikalischen Gehaltes gemimten. Da steht ihm ein warmer, voluminöser Eellotoi» zur Verfügung, wie mir Ihn nur selten bei ben Cellisten ber Gegenwart antreffen, um jo berounbernomürbiger ist die technische Meisterschaft und, baß dos (lello doch immer seine Eigenart trotz allem behält, was nicht allen Virtuosen des Instrumentes gelingt. Sei es die Welt Boecherinis, die er in technischer Eleganz und Ausdruck der Konlilene erschloß (die Springbogenkilnfte waren verblüffend), oder Bachs Präludium in sei- ncr energievoll gespannten Linienführung, ein Werk, das mit zu stärkster persönlicher Ausdrucksgestaltung werden kann und durch ihn wurde. Mit Davidosss Eellokonzert (A-Dtoll), das bem neurusfischen Stil nahesieht und vielleicht die Welt der russische»» Novatore»» vorbereitete, stellte er sich auf ben Baden virtuoser Musik, und das scheinbar Unmöglichste gelang Ihm spielend, besonders in ber mit ihren lech. „Ischen öchwierigkeilen ihresgleichen suchenden Kadenz. Halle man Hindemith bisher mehr im Kam« mermusikensemble kennen und schätzen gelernt, nun wird man ihn mit um so größerer Freude auch zu
ben ersten Solospielern auf feinem Instrumente rechne»» können. Ein herzlich Glückauf!
Den» Jnstrumentasislei» flehen, infofern er fein Instrument beherrscht, wenig Hindernisfe des Aus drucks gegenüber. Den» Sänger ist steis mit den» Eharakter der Persönlichkeit und damit auch der Stimme, als bem Aeußerungsmittel der Persönlichkeit, ein Weg gewiesen, aber auch gleichzeitig eine Grenze gesetzt.
Alo Eva Jekelluv-Llßmam» das Podium betrat, da »ahn» ihre saft königlich-hoheitsvoll zu nennende Erscheinung das Publikum gefangen. Mai» hatte die- (er Erscheinung entsprechend eine pastose Altstimme voll dunkler Glut erwartet, und bei ihrem beseelten Gesichtsausdruck einen Vortrag voller Verinnerlichung. Aber es wurde eine Enttäuschung, als sie z», dem Vorträge sowohl der Liede» von Schubert als auch von Wolf eine lächelnde Miene atifsetzle, anstatt gerade durch die plastische Kraft ihres starken Gesichtsausdruckes die llßcllen ber Lieber mit zu erschließen. Leiber schien die Stimme auch nicht völlig ausgeglichen, besonder > die breite lächelnde Miindstetlung ließ manche Vokale, besonders ben „a'-Lant, flach bilden, bas „u" entbehrte ber Tragkraft. Erft die riifsifchen Lieder des letzten Teiles wurde»» fltim Erlebnis des Abend", so sehr sie sich auch um Schubert unb Wolf bemüht hatte. Dieses Ernste, Verhaltene des Ausdrucks, bas stimmte zu der persönlichen Erfcfaimmg und ließ sie mit volle»»» Recht als würdige Schülerin ihres gerade lu der Variragskunst einzigen Lehrers Raimund von Zur- Mühlen werden. Hier wirkte sie lebenswarm unb voll Gestaltungskraft. Warum fetzte sich die Sän- !;erln nicht für eine größere Auswahl von Mus- srgfkis Lieden» ein, etwa für die „Lieder und 'änze des Todes"? Dieser, wenn mich herben, aber doch so starken Ausdruastuitsl, hätte sie eine ebenso tiesfliche, überzeugende Kunderin werden können, wie sie es für die Lieder Gretschaninows „In ber Steppe", „Der Gefangene" wurde, oder für die schlichte Weihe des Vespergesanges.
Am Flügel waltete Herr Paul 'Sieger Frankfurt, wie immer ein Begleiter, bereu es nicht viele gibt; alle guten Geister halfen Ihm am Gelingen. -In-
Die Afrikareise von Leo Frodenius.
Geheimrat Prof. F r o b e n i u S, der betnnntc Asrikaforfcher, gab. wie aus Frankfurt gemeldet wird, vor Vertreter»» der dortige»» Presse ein«»» Tleberbllck über die Ziele, die er sich bei seiner neuen Afrikafahrt gesteckt hat. Geheimrat Fro- beniuS plauderte dabei in anziehender Weise muh über die Methoden, die er bei feiner bisherigen Forscherarbeit beobachtet hat. Er stützte sich bei seiner Arbeit auf die Sagen, die sich in einer bestimmten Gegend Jahrtausende hindurch er- halte»» haben und die immer wieder, tote die Resultate seiner Forscherreise ergeben haben, aus bestimmte Vorkommnisse zurückzusühren sind. So sind ihn» bei seinem letzte»» Aufenthalt In Afrika von Eingeborenen viele Mitteilungen gemacht »vorbei», denen er zunächst skeptisch gegenüber gestanden hat. von denen sich aber ein Teil sch«» heute bewahrheitet bat. Frobenius tollt nun auf seiner neuen Grpevition den Dinge»» auf den Grund gehe»» und hofft, zu eigenartigen Ergebnisse»» zu kommen, die neue- Licht auf die Geschichte Rubicns und der anstoßenden Teile Afrikas werfen loerden. sSeheimrat Frobenius hat Frankfurt bereits verlassen, um die Reise nach Aegvvten miflutreten. 3n Aegypten. Rüblen und am Roten Meer werden unter der Oberleitung von Frobeniu« mehrere Unternehmimgen statt- sinden. die die Reise»» des Forscher- 1912 unb 1915 vervollständige»» und (veiler aufTlären solle»». An diesen Teil der Arbeiten der G-rpedilton soll sich bau»» unter Mitwirkung ernster und fa* sonnener Männer ein weiteres Unternehmen an» schließen, bei dem die AuSwlrkungSrndglichkeiten der moderne»» DetoegungSmaschlne»» im schwarzen Grdteil erprobt werden sollen. Äs dürste zu hvssei» sein, daß die z»» diesem Zwecke gebauten Automobile der Forschungsexpeditio»» bei ihrer Arbeit schnellere und sichere Hilfe bieten und größere wissenschastliche Erfolge ii» kürzere»' Zeil ermöglichen »oerbei» al« ein schwerfälliger Kamel- unb Gxpedltlonsiroß.
getreten wäre. Es ist für unsere Zeit des E^- pressionismus bezeichnend, daß die teljten zehn Jahre unter bem Einfluß einer Mufforgski Renaissance stehen. Mussorgski war mH einer ber ersten, ber, einer Anregung feines Latibsrnaimes Dargomsichki folgend, ben Ausdruck in feiner Wahrheit als solchen über bic schöne Formgestaltung erhob. Wer die elementatc, primitive ‘ Mralt seiner Lieberz»)klen ober seilte Oper Boris Godunow"
> Kaufet! Kochet! ) kosstet!


