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Nr. <5 Zweites Blatt Gießener Anzeiger fSeneral-Anzeiger für Vberhesfen) Dienstag, 23. Februar 1926

Prager Brief.

y Prag, 2L Februar 1926.

Das Abgeordnetenhaus ist Dienstag unter ungeheuren Sturmszenen der Opposition eröffnet worden. An den lärmenden Protesten gegen die (Regierung beteiligten sich bie Deutsch­nationalen, die deutschen (Nationalsozialisten, bie deutschen Sozialdemokraten und die Kommunisten. Der deutsche bürgerliche (Verband verhielt sich trotz der angesagten scharfen Protestegegen die.Sprachen Verordnungen Verhältnis- mähig ruhig, während die slowakischen Autono- inisten, welche (Verhandlungen mit der (Regierung eingeleitet haben, völlig unbeteiligt blieben. Die Eturmszenen, bei denen es auch zu Tätlichkeiten zwischen einzelnen Abgeordneten kam, dauerten während des ganzen Exposees des Auhen- niinisters Benesch über die ungarische Geld­fälscheraffäre fort, so daß trotz der angebrachten sechs Megaphone fein (Dort verständlich war, da die Opposition mit ohrenbetäubendem Geschrei, Pfeifen, Johlen und Autohupensignalen alles übertönte.

Aus der (Rede des Ministers ist das Ange­bot bemerkenswert, mit Ungarn einen mittel­europäischen Garantie Pakt abzuschlie­ßen. Die Tschechoslowakei sei bereit, in einem solchen Pakte dem Völkerbund dieselbe (Rolle einzuräumen, wie im Westpakte und sogleich, falls Ungarn dies wünsche, (Beweise dieser Poli­tik zu geben. Auf Grund des Ergebnisses der Untersuchungen in Ungarn werde sich zeigen, in­wieweit die Tschechoslowakei von der Freiheit Gebrauch machen werde, zu geeigneter Zeit mit dieser Angelegenheit vor ein internationales Forum zu treten, (öenesch sprach schließlich die Hoffnung aus, daß es in der ganzen Angelegen­heit zu feinem ernsten Zwischenfall kommen und Daß man sich direkt einigen werde. Ueber das mitteleuropäische Locarno könne die Tschecho­slowakei sofort mit allen eventuellen Beteiligten verhandeln und dies sei auch der Standpunkt Der ganzen Kleinen Entente.

Gegen die Sprachenverordnungen fanden in den letzten Tagen große Protestversarnm- langen in Prag und in Aussig statt, in denen zahlreiche deutsche Parlamentarier, Parteiführer und Vertreter deutscher Kommunen gegen die Vergewaltigung des sudetendeutschen Volkes Durch die Sprachenverordnungen sowie gegen den Wortbruch Stellung nahmen, der sich darin äußere, daß die Regierung im Jahre 1921 zu­gesagt habe, sich vor Erlassung der Sprachen- vcrordnungen mit den deutschen Volksvertretern ins Penehmen zu setzen, was jedoch nicht gesche­hen 'ist. Der deutsche Verband hat gemeinsam mit der deutschen Rationalpartei, den deutschen Sozialdemokraten und den Kommunisten einen von über 100 Abgeordneten gefertigten Antrag überreicht, der (Regierung wegen Verletzung des international verbürgten Sprachenschutzes der nationalen Minderheiten durch die Sprachenver­ordnungen daS Mißtrauen auszusprechen.

Der Streit der tschechischen Parteien über das Präsidium in der Kammer ist so gelöst wor­den, daß die Führer der verschiedenen Koa­litionsparteien turnusmäßig miteinander im Prä­sidium abwechseln werden.

In der tschechischen Presse machte sich in den letzten Tagen die lebhafte Befürchtung be­merkbar, daß Polen einen nichtständigen Sitz im Völkerbundsrat auf Kosten der Tschecho­slowakei erhalten könnte. Deshalb äußern sich sämtliche tschechischen Blätter für die Zu­weisung eines ständigen Ratssitzes an Polen. In­teressant ist, daß die nationaldemokratischeRa- rodni lisch" bereits auf die Schwierigkeiten Hin­weisen, mit denen ein kleiner Staat als Ratsmit­glied zu kämpfen habe, und betonen, daß die Frage des weiteren Verbleibens der Tschecho­slowakei im (Rate im Herbste aktuell werden würde. Bei dieser Gelegenheit werde auch für Die Tschechoslowakei die Frage aufgerollt werden, ob es für sie praktischer sei, im (Rate zu bleiben oder nicht. Das Blatt erfährt aus London, daß Polen nicht einen ständigen Ratssitz, wohl aber einen gewählten erhalten würde. Die Frage des Verbleibens der Tschechoslowakei im Rate werde im Zusammenhang mit der polnischen Frage ge­regelt werden.

Sein oder Nichtsein.

Ein Kriminalroman von der Wasserkante.

Von Moritz Schäfer.

28. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Alles recht schön und gut", Hub einer' an und zuckte die kAchseln.Aber wenn Sie auch nicht durchgegangen sind wir wollen doch mal, da wir so hübsch hier versammelt sind, da wollen wir doch nu mal ganz genau wissen, woran wir sind."

Wie soll ich das verstehen?"

Da drängle sich mit weitausladender Geste, als gelte es, eine Woge mit kräftigen Schwimmerarmen zu teilen, ein untersetzter Mann mit breitem Voll­mondgesicht von hinten bis in die vordersten Ncihen. Der Vollmond, der allerdings durch vor­gestrige Bartstoppeln ein wenig in feiner Leucht­kraft behindert war, trug eine Glatze, wie es sich für ein menschliches Abbild seines vielbesungenen himmlischen Musters ziemt, und über der Glatze saß ein mausgrauer Biedermeierfilz von so altehr­würdiger Form, daß man annehmen muhte, es fei ein vom Urahn überkommenes Inventar. In einem Kleidungsstück gleicher Herkunft stak des Mannes ge­drungener Oberleib, nämlich in einem Bratenrock vom Schnitt jener seligen Tage, in denen der Groß­vater die Großmutter freite. Merkwürdig kontra­stierten mit diesen Reliquien die Hosen, in denen die kleinen, dicken Spazierknüppel steckten. Die Buxen waren neu und verrieten in ihrem Würfel­muster einen von Teitenwinkel bis Teterow viel angestaunten Schlager der AbteilungWeb- und Wirkwaren" auf dem letzten Rostocker Pfingst- markt. Ohne viel Phantasie aufzuwenden, durfte man annehmen, daß der Träger dieser schönen Buxen, die übrigens in hohen Stulpenstiefeln mün­deten, die nouveaut6e als Ersatz für die durchge- wetzten Unaussprechlichen seines Urahns erworben hatte. Auf diese ungezwungene Weise erklärt sich die Mischung aus Altehrwürdigem und Hypermoder­nem in der Erscheinung unseres Schwimmers, der sich, nachdem er die Wogen mit mächtigem Arm geteilt hatte, breit vor Lorenzen hinpflanzte und, auf seinen respekteinfliehenden Knotenstock gestützt, das Wort an die Menge richtete:

Ruhig, Lüt, lat m i man reden!"

Turnen, Sport und Spiel.

Turnen.

gum Gauturnfest in Nidda.

ll. Nidda, 22. Febr. Unsere Stadt rüstet schon eifria für das Gauturnfest am 12. Juli. Alle Ausschüsse sind in reger Tätiakeit. Besonders die Arbeit des Wohnungsausschufses schreitet rüstig voran. Gewaltige Vorarbeit ist zu leisten, denn man rechnet mit dem Besuch von 8000 Turnern, eine für kleinere Verhältnisse recht bedeutende Zahl. Wie schon jetzt gesagt werden kann, wird durch die Opfer­freudigkeit der Einwohner Niddas und Umgebung die Unterkunftsfrage zur Zufriedenheit jedes einzel­nen Gastes gelöst werden.

1. Bezirk des Gaues Hessen.

Frauen-Wcrbcturnen in Gladenbach.

Wn. Für das Frauenturnen fand am Samstag in Gladenbach ein fettens des Bezirks veranstaltetes Werbeturnen statt. Die Da­menabteilung des Turn- und Spvrtvereirrs (Rar- burg hatte sich hierfür zur Verfügung gestellt. Der große Saal imDeutschen Haus" konnte die Gaste raum fassen. Die Darbietungen, die aus sämtlichen neuzettlichen Hebungen des Frauenturnens bestanden, wurden mtt großem Beifall ausgenommen. Die Vorführung foUte vor allem zeigen, was eigentlich das neuzeitliche Frauenturnen ist und bedeutet. Dieser Zweck wurde voll und ganz erfüllt.

Vom Hallen - Gerätewetturnen des 2. Bezirks (D. T.)

Die Erfolge der Gießener Turnerschaft.

-f Die erste turnerische Veranstaltung in 1926 war für die Gießener Turnerschaft ein voller Erfolg und recht verheißend für das kom­mende Jahr, das wiederum reich an Wettkämpfen fein wird. Es konnten Sieger werden:

Turner stufe: Heinrich Wulkan, Tv. 1846, 17. Sieger, 140 Punkte: Ludw. Malkomefius, Mtv., 2. Sieger, 171 P.: Willi Strauch, Mtv., 3. Sieger, 170 P.; Fritz Stein, Mtv., 9. Sieger, 155 P.

Jugend-Oberstufe: Tv. 1846: Otto Hein- stadt, 2. Sieger, 144 Punkte; Willi Reitz und Willi Schwan, 6. Sieger, 137 P-: Walter Loh, 10. Sieger, 131 P.: Wilhelm Wagner, 13. Sieger, 126 P-: Lo­renz Schlamp, 15. Sieger, 123 P. Mtv.: Rudolf Spuck, 1. Sieger, 145 P.; Werner Krause, 7. Sieger, 136 Punkte: Erich Seyb, 12. Sieger, 128 P.: Kurt Kohlhase, 13. Sieger, 126 P.: Heinrich Zammert, 15. Sieger, 123 P.

3ugenb = Unter ft ufe: To. 1846: K. Schick, 1. Sieger, 121 Punkte; Kurt Horeyseck. 3. Sieger, 118 P.: Karl Marx, 5. Sieger, 113 P.; August Schott, 9. Sieger, 106 P.; Franz Müller, 12. Sieger, 100 P.; Kurt Sänger, 14. Sieger, 98 P.; Karl Trechsler, 15. Sieger, 97 P.; Wilhelm Straub, 18. Sieger, 94 Punkte. Mtv. Heinrich Mosbach, 2. Sieger, 119 P.; Fritz Spuck, 3. Sieger, 118 P.; Richard Strauch, 12. Sieger, 100 P.; Karl Sauer, 15. Sieger, 97 P.

Schüler stufe: To. 1846: Philipp Schlamp, Fritz Werner, 3. Sieger, 118 Punkte; Max Hardt, Herm. Preiß, 4. Sieger, 117 P.; Otto Kern, Walter Krömmelbein, Otto Leinweber, Richard Loos, Ernst Weeg, 10. Sieger, 111 P.; Richard Sänger, 11. Sie­ger, 110 P.; Fritz Arnold, 12. Sieger, 109 P.; Herrn. Gudbub, 17. Sieger, 103 P.; Willi Schmidt, 17. Sie­ger, 103 P.; Erwin Bepler, 18. Sieger, 102 P.; Joseph Debus, Walter Gerhardt, 19. Sieger, 101 P.; Ludwig Schneider, 19. Sieger, 101 P.; Karl Schmid, Hans Vogt, 21. Sieger, 99 P.; Karl Habicht, 22. Sie­ger, 98 P.; Willi Ellermeier, 24. Sieger, 96 P.; Ernst Pfeffer, 25. Sieger, 95 Punkte; Hans Mar­quardt, 27. Sieger, 93 P. Mtv.: Hans Bürck, 1. Sieger, 127 P.; Ludwig Lotz, Georg Schwan, 4. Sieger, 117 P.; Erich Ploch, 7. Sieger, 114 P.; Werner Bachmann, 8. Sieger, 113 P.; Gerhard Metz, Willi Sonntag, 9. Sieger, 112 P.; Karl Geller, Heinrich Seipp, 11. Sieger, 110 P.; Willi Becker, Karl Schäfer, 12. Sieger, 109 P.; Heinrich Krüger, 13. Sieger, 108 P.; Willi Steuer, 16. Sieger, 104 P.; Herm. Hafsekbach, 17 Sieger, 103 P.; Ludw. Vetter, 19. Sieger, 101 P.; Waller Paulus, Ewald Schäfer,

Ja, rede d u, Grotjahn", tönte ihm allseitige Zustimmung entgegen. Das also war Herr Grot­jahn, der unentwegte Freund der Tugend und Feind jeglicher Unterdrückung, der in seiner neuesten Beschützerrolle aktiv geworden war.

Seggen Se man, min leim Herr Lorenzen," wandte sich der stopplige Vollmond an den Ban­kier,Sei hebben uns ja woll wat to vertellen! Na, schenieren Se sich nid), legen Se man los." Er breitete die Arme über der Brust, wobei er den Knotenstock im stumpfen Winkel nach unten hielt, blähte die Backen und sah aus, wie ein gereizter, allerdings schlecht rasierter Posaunenengel, der be­reit ist, sofort das Angriffssignal zu blasen.

Ich verstehe Sie nicht. Was soll ich Ihnen erzählen?"

Na, wenn Sei dpt immer noch nich roeten, dann soll'n Se bat hörn. Dörch alle ©traten werd ja bölkt. Sei warn bankrott!"

Das ist eine Lüge! Das ist eine fchändllche Verleumdung!"

Lat'n Se doch bat Monumentestahn! So 'ne Unschuldsmiene, bie importiert uns einfachen Menschenkinnings gornich! Die Sparlings pipen ja schon von die Dächer, uns' Geld war' futsch. Wie stecht bat bormit, he?"

Ihr Geld ist unversehrt! Gehen Sie zur Kasse!"

Dor sin wir all west. Sieberft der Herr Kas­sier hat sin Laben tomakt."

Soeben wird wieder geöffnet!" wandte sich Danselow, der aus dem Kassenraume herbeistürzte, atemlos zu Grotjahn.

Na also," rief Lorenzen,gebn Sie nur hin; überzeugen Sie sich'. Aber langsam! Einer nach dem andern! Sie erhalten Ihre Einlagen zurück. Bei Heller und Pfennig!"

Während ein Teil der Menge nach den Kassen- räumen flutete, blieb ein anderer Teil unschlüssig und das Stichwort des Führers erwartend, in Lo­renzens Zimmer zurück. Herr Grotjahn schien selber nicht zu wissen, wie er sich der veränderten Situation anpassen sollte. Er stürzte sich mit der Linken auf den Knotenstock und kratzte sich mit der Rechten hinter dem Ohr, daß der Biedermeierfil; mit verzweifeltem Schwung ins Genick rutschte. Bor einer Entscheidung versuchte der Vollmond jeden­falls die Lage zu klären.

Willi Jakob, 21. Sieger, 99 P.; Richard Ritz, Kurt Schwan, 24. Sieger, 96 P.

3. Bezirk ©au Hessen D. T.

i. Nidda, 22. Febr. Das vom 3. Bezirk des Gaues Hessen für den 28. Februar festgesetzte B c - zirksgeräteturnen, mit dessen Durchfüh­rung der Turnverein 18 5 9 Nidda betraut ist, mußte infolge verschiedener Umstände auf den 14. März verlegt werden. Bis jetzt sind die Mel­dungen schon in sehr stattlicher Zahl abgegeben worden. Die Beteiligung wird gegen bas Vorjahr erheblich besser fein.

5. Bezirk

im Turngau Hessen D. T.

bpw.Butzbach 21. Febr. Hier versammelten sich heute in der RestaurationGambrinus" die Vertreter der Turnvereine des 5. Bezirks im Turngau Hessen zum diesjährigen Dorsihenden- lag. Aus dem Bericht sei folgendes wieder­gegeben:

Der Bezirksvertreter, Studienrat Schuch­mann. Friedberg, eröffnete die Versammlung und erstattete einen kurzen Bericht über den äußeren Verlauf der Bezirksveranstaltungen im ab gelaufen en Jahre. Aufgabe der Vereinsvor- sihenden und der Turnwarte wird es fein, dahin zu wirken, daß die Bezirtsveranstaltungen in Zukunft von den Turnern viel stärker besucht wer­den als es seither der Fall war. lieber die turnerische Tätigkeit im abgelaufenen Jahr berichtete Bezirksturnwart Hartmann, Bad-Rauheim. Er machte u. a. darauf aufmerk­sam, daß bei Dereinswetturnen feine Cichenkränze ausgegeben werden dürften, die Bestimmungen der D. T. sehen den Cichen- franz als höchste turnerische Auszeichnung nur bei größeren Veranstaltungen der Organisatio­nen vor.

Im laufenden Turnjahr 1926 werden fol­gende Veranstaltungen innerhalb des Bezirfs stakt- finden: Das Bezirfsgerätewetturnen wird am 14. März in Bad-Rauheim ab­gehalten. Das volkstümliche Bezirks- wetturnen findet am 13. Juni in Ober» Mörlen statt. Der 100. Geburtstag des unvergeßlichen Turnerführers Dr. Ferdinand Goetz (24. Mai 1926) soll in Verbindung mit der Goetz-Wanderung am Sonntag vor Himmelfahrt (9. Mai) würdig begangen werben. Der durch die Erinnerung an den hessischen Turnvater Dr. F. L. Weidig geheiligte Schrenzer bei Butzbach wurde als Treffpunkt vorgeschlagen. Die An­regung fand einstimmigen Beifall. Der Turn- und Sportverein Butzbach trifft die Vorbereitun­gen zu der Veranstaltung.

Mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Rotlage begrüßte der Vorsitzendentag die auf Abbau der turnerischen Veranstaltungen gerichteten Be­strebungen. Zwei diesbezügliche Anträge, die beim Gauturntag eingereicht werden sollen, fan­den eine beträchtliche Mehrheit in der Versamm­lung. Einmal wird gewünscht, daß das Gau- voWtumen als besondere Veranstaltung in die­sem Jahre in Wegfall kommt und mit dem Gau­turnfest in Ridda verbunden wird; außerdem wird die Forderung erhoben, in diesem Jahre auf die Gauturnfahrt zu verzichten.

Den Abschluß und zugleich Höhepunkt der arbeitsreichen Tagung bildete der Vortrag des im Gau und Kreis bekannten Jugendführers Gg. Reinhardt, Friedberg, überTurner- jugenbbewegung und Geistesturnen. Die Ausführungen, die trotz der vorgeschrittenen Zeit mit lebhaftem Interesse verfolgt wurden, waren von innerer Begeisterung für die Sache der Jugendarbeit getragen. Der inhaltreiche Vor­trag, der den Vereinen noch im Wortlaut Zu- gehen wird, fand stärksten Beifall und führte zu einer anregenden Aussprache.

Mit Worten des Dankes an alle, die die Be­strebungen der Turnerschaft unterstützen, nicht zu­letzt auch an die im Dezirksgebiet erscheinenden Tageszeitungen, schloß Studienrat Schuch­mann den Bezirkstag.

Sou. Wir trägen unser Geld wedder? Ist denn bat ollens 00k wohr?"

Es ist wahr! Sie werden's ja gleich selber sehen! Und fagen Sie jedem, der die Verleum­dung weiter trägt, daß ich ihn vor Gericht fordern werde!"

Man langsam, man langsam, und immer ge­mütlich!"

Lat doch nach, Grotjahn," die Stimme eines Besonneren mengte sich ein:du hörst doch, wir trägen unser Geld wedder!"

Unsinn, (egg ick," der Vollmond schien zu einem Entschluß gekommen zu fein.Gor nichts kriegt Ihr, als an poor leere Redensarten."

Mann hüten Sie fick)!"

Dat Dräuen wär' nu woll an uns!"

So überzeugen Sie sich, wie die andern! Gehen Sie zur Kasse!"

Da spreizte Herr Grotjahn die kleinen dicken Beine, daß die schönen Würfelmuster krachten, und den Knotenstock wie ein italienischer Fechtmeister fein Florett über dem Kopf wirbelnd, brach er in ein zynisches Gelächter aus:Hahaha! Jawoll, an die Kaff! Weest du ok, nun Söhn, wat die Spar- kmgs noch vertellen? Din Wiew hält' de Kass' up- broken un mär verduft'."

Ringsum Stille. Aller Blicke waren auf Lorenzen gerichtet, dessen Brust in schwerer Arbeit keuchte. Noch ein Wort," rief er und entriß mit Gedanken­schnelle Grotjahn den Knotenstock,noch ein Wort, und ich schlage Sie nieder, wie einen tollen Hund!" Der Vollmond duckte sich. Offenbar war's mit seinem Mut vorbei, als er sah, daß der andere sich nicht einschüchtern ließ. Und jetzt versagten auch die, zu deren Führer er sich aufgeworfen hatte.

Dat is to oel, Grotjahn", mahnte der Be­sonnene, der schon einmal eingegriffen hatte, und versuchte den Hetzer am Slermel des Bratenrocks in den Hintergrund zu ziehen.Geh' tu Hus und leg di flapen!"

Gleichzeitig drängten eine Anzahl Depositäre aus dem Kassenraum zurück und nahmen dem Mann vollends den Wind aus den Segeln.Dat is wohr wir hebben allens trägen Wir 00k." Diese und ähnliche Ausrufe schwirrten auf und veranlaßten die durch Grotjahn Zurückgehaltenen zu schleunigstem Abzug noch der 5:ass:. Nu'_ Gruppe blieb :.och im Zimmer zurück. j

Aus dem Arbeiter-Turn- und Sporlbund.

Frauenturnen.

£ Die zweite planmäßige Uebungsftunbc für 1926 fand am Sonntag in Gießen statt. Abermals hatte sich eine recht stattliche Zahl dazu vereinigt. Pünktlich zur festgesetzten Zeit konnte der Frauen- lurroart Mandler (Heuchelheim) antreten lassen. Wie immer, so wurde auch hier wiederum mit Geh- und Laufübungen der Anfang gemacht. Man tonnte die Beobachtung machen, daß die Abteilungen fid) schon mit diesen einfachen, im Frauenturnen unent­behrlichen Lockerungübungen besaßt haben. Die Masienübungen füllten fast den ganzen Vormittag aus. Am abwechslungsreichsten sind die Freiübun- gen, die in etwas schwieriger Form gehalten sind. Ein gut Stück körperbildende Gymnastik ist darin enthalten. Werden diese Hebungen fleißig geübt, bann wirb bas Frauenturnen in unsrem entlegenen Bezirke auch mehr aus den Kinderschuhen heraus- fommen und in Zutunst die Schwierigkeiten, die fid) ihm entgegcnfteUen, überwinden. Um den Lockungen des schönen Frühlingswetters gerecht zu werden, wurde die Turnstunde um 1 Uhr ge­schloffen. Am 21. März werden sich die Turnerinnen wiederum vereinigen, und zwar in Wieseck.

Leichtathletik.

Akademischer Ausschuß für Leibesübungen.

's- In einer akademischen Feier am Freitagabend in der Reuen Aula, bei der der Besuch aber weit besser hätte sein können, fand die Sieger- ver kündig ung und -Ehrung von dein Aal» lensp 0 rtfest des Akademischen Ausschusses statt. «Die Siegerliste ist in Rr. 36 desGieß. Anz." bereits veröffentlicht worden.) Besonders bedauerlich war, daß selbst von den Preisträgern etliche fehlten. Im Anschluß an die Siegerver­kündigung wiesen die Ausführungen Seiner Ma­gnifizenz des Rektors Pros. Dr. Bürker auf die wunderbaren Zusammenhänge und Vorgänge im menschlichen Körper bei der Ausübung der Leibesübungen hin. Die Muskeln find seine Maschinen, die im Gegensätze zu den technischen Maschinen bei erhöhter Inanspruchnahme immer stärker werden und sich immer mehr entwickeln und vervollkommnen. Die Verbindung zwischen Mus­keln und der Zentralstation, dem Gehirn, der Hin­weis auf den Gleichgewichtssinn und seine Funk­tion während der Vollbringung irgendwelcher Hebung u. a. in. wirkten überzeugend.

Psychophysische Zeitmessung b c im Wettlauf" war das Thema, das sich Pros. Dr. Sommer gestellt hatte. Die Ausführungen, auf eigner Beobachtung aufgebaut, durch eigens für diese Zwecke hergestellte Apparate veran­schaulicht und durch Lichtbilder erläutert, waren für den in der Sache Tätigen äußerst wertvoll, für den Fernstehenden zum' mindesten interessant. Es würde zu weit führen, hier auf die Ein­zelheiten einzugehen, nur sei nochmals mit Be­dauern vermerkt, daß so toenige Besucher diese wertvollen Anregungen entgegennehmen konnten. Mit der Bitte, auch fernerhin im Akademischen Ausschuß für Leibesübungen treu zusammen­zuarbeiten, schloß Geheimrat Prof. Dr. Sommer.

ZandbnN.

Wetzlar gewinnt den Städtekampf. Wehlar-Kassel 2:0 (1:0).

tz. Man kann ruhig behaupten, daß die int Städtespiel am Sonntag gezeigten Leistungen einer gewissen Vollendung nahekommen. Das war der rein sporttechnische Wert der Veranstaltung. Der an spannenden Momentei: reiche und vor allem auch faire Verlauf des Kampfes war eine vorbildliche Propaganda für das Handballspiel, dessen Vorteile sich in der gezeigten Form be­stätigten. Roch eins soll nicht unerwähnt bleiben, nämlich die Organisation der Dnanstaltung, die man mit Recht als mustergültig bezeichnete.

Bürgermeister Dr. Kühn leitete 3.15 älhr den Kampf der beiden Städte bar-; eine an die Kasseler gerichtete herzliche Begrüßung ein, die durch ihren Spielführer, Studienrat Jung- Henn, dankten. Kassel wählte mit Wind und Sonne im Rücken. Gleich nach Anpfiff legte Wetzlar ein Tempo vor, dessen Durchhalten man

Nun," wandte sich Lorenzen an die Leute, wer wagt es noch, von Lügen zu reden? Geht, geht, ihr ahnt ja nicht, wie weh Ihr mir tut."

Mit seiner Kraft war es jetzt zu Ende. Er muhte sich an den Türpfosten stützen, die Knie versagten ihm den Dienst.

Wir danken Ihnen," rief der Antipode des zur Disposition gestellten Racheenqels,wir danken Ihnen von ganzem Herzen! lind dem Grotjahn, dem Hetzer, dem hauen wir die Jacke so voll, daß er Zeit seines Lebens das Verleumden vergißt."

Herr Grotjahn aber versuchte burd) eine ver­blüffende Schwenkung die Situation für fid) zu retten.

Wenn dat wirklich und wahrhaftig woahr ist," wandte er sich an Lorenzen und hieb ihm mit der flachen dicken Pfote auf die Schulter,wenn dat all woahr is, bat Sei bat Geld t'rüggäben, bann soll'n Sei min Hofbankier wem."

Wer finb Sie benn eigentlich? Haben Sie überhaupt Gelb bei mir liegen?"

Da steckte Herr Grotjahn in aller Gemütsruhe bie Hände in bie Hosentaschen und tat ben klassi­schen Ausspruch:Geld? Bei Ihnen? Nee, feen Heller!"

Da hört benn bock Verschiedenes auf!"

So seggen Sei! Awerst ick, Tobias Grotjahn, ick jegg: man not sich de bedrängte Unschuld anneh­men! Is dat nich so? Nu is de Spieß umbrecht, jetzt finb Sei be bebrängte Unschulb! Nu wär ick Sei bistahn!"

Latz jetzt bas Geschwätz und bitte um Ver­zeihung", mahnte ber Besonnene. Doch Herr Grot­jahn gefiel sich in seiner neuen Beschützerrolle zu gut, um sich beirren zu lassen.

Ach wat, Verzeihung," sagte er,bat kam all ut treuem Herzen. Ick heww mi irrt, bat kann jebroebber een' passieren. A'werst, wenn ick noch eenmol so'n verdammten Sperling droapen du, de wedder so'n Unsinn piept, dem drei ick bat Genick um! Dat Beest soll an ml benfen!"

Sprach'-, nahm den Knotenstock wieder auf, den Lorenzen hatte fallen lassen, machte kehrt und stapfte zur Tür hinaus.

Draußen verlies sich der Strom ber Sefriebigten. Aber noch waren die Aufregungen des Tages für -^n nicht beendet.

(Fücksetz'.ng folgt)