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Die Zahresfchluharbeit des Stadtparlaments.
Die V'.ehrner StLdtverordnetenverfainmlung hat ihre Tätigkeit im Jahre 1926 am Donnerstag abend mit einer Sitzung beschlossen, die einer besonderen Beachtung wert i t. Den Grund dazu gibt nicht etwa das Bild des Sitzungssaales bei dieser Gelegenheit — das allerdings durch den ganz ungewöhnlich starken Besuch »n Zuhörer- raum einen bemerkenswerten Anstrich erhielt —, die Veranlassung zu der besonderen QBürbigung dieser Sitzung liegt vielmehr in den Beschlüssen des Hauses. Diese waren teils von Großzügigkeit und Weitblick geleitet, in einem Falle trat aber auch eine Stellungnahme zutage, die das gerade Gegenteil von dem ersterwähnten Teil der Entscheidungen war. Beschäftigen wir uns kurz mit den w.chtigsten Vorlagen.
3n glatter Weise wurden die Vorschläge über die Votstandsarbeiten im Winter 1 9 26/27 gutgeheißen, und ebenso glatt wurde die dafür erforderliche Summe von 140 0C0 Mark zur Verfügung gestellt. Liese rasche Erledigung ist nur natürlich denn durch diese Vorlage werden produktive Arbeiten erschlossen, von denen die Beschäftigten und auch die Stadt selbst Vorteil haben werden. Besonders wichtig ist dabei der geplante Ausbau von Straßen. Die Forderung, bei den RotstanbS- arbeiten der Erwerbslosen städtebauliche Ziele zu verfolgen — d. h. Bauland zu erschließen durch den Ausbau von Straßen und Wegen, sowie noch mangelhaste Verbindungen in den Außenbezirken zeitgemäß zu gestalten — haben wir bereits, in den Jahren 1922 und 1923 erhoben, weil wir von diesen Arbeiten auch einen bauern- den Vorteil für die Allgemeinheit zu sehen wünschten. Damals hat die Verwaltung sich zu dieser Zielrichtung der Arbeiten nicht verstanden, eS wurden vielmehr allerlei untergeordnete Beschäftigungen ausgeübt. Llm so erfreuter sind w tr, dr ß die Stadtverwaltung jetzt von dem früheren System abgelommen ist und sich auch in der Form von Aotstandsarbeiten an Aufgaben heranmacht, die für die Entwicklung unseres GemeinweienS vorteilhaft sein werden.
Das größte Interesse der Sitzung wurde dem Verwaltungsantrag auf Gewährung einer Winterbeih ilfe für Fürsorgeempfänger, Erwerbslose und Kurzarbeiter, sowie dem Antrag der Sozialdemokratie aus Bewilligung einer besonderen Weih- n a ch t s b e i h i l f e für die genannten Kreise zugewandt. Das ist begreiflich und gutzuheißen. Der AuLgang dieser Angelegenheit tann als befriedigend bezeichnet werden: indessen ist zu den Vorgängen, deren Zeuge man vor der De- schlußsasiung war, einiges zu sagen. Es wird niemand in der S.adtverororeten-Versammlung oder in der Verwaltung da sein, der die Rot- lage der Erwerbslosen und Rentenempfänger nicht anerkennen würde. Gegen diese Rot bei gegebener Gelegenheit auch einmal etwas Besonderes zu tun, ist naheliegend. Dieser Rot- Wendigkeit wollte die Verwaltung in anerken- nerrSwerter Weise mit ihrer Vorlage über die Winterbeihilse gerecht werden. Das Ausmaß der Vorlage war leider nicht allzu groß. Gerade zum Weihnachtssest, dem Fest der Liebe und Freude, wäre eine Erweiterung der Anforderung wünschenswert gewesen. In diese Lücke hakte dec sozialdemokratische Antrag ein. Die Antragsteller batten nach den Wsrten ihres Führers von vornherein nicht den Glauben, daß der Hauptteil ihrer Forderung, der rund 25 000 Mark gekostet hätte, Annahme finden würde: deshalb hatten sie gleich einen Eventualantrag beigefügt, der ein bescheideneres Maß aufwies unb eine Aufwendung von rund 11 000 Ml. erforderlich gemacht hätte. Heber diesen Antrag entspann sich nun am Donnerstag vor der Plenarsitzung des 6tabt;?a;Iamentd eine lange Beratung im Finanzausschuß, deren Ergebnis Ablehnung durch Mehrheitsbeschluß war. Wir muffen sagen, daß wir diese Stellungnahme der Finanzausschuß-Mehrheit soso t nicht verstehen konnten und auch heute noch nicht gucheihen können. Zwar ist an der Richtigkeit dessen, was Beigeordneter Dr. Frey zur Begründung des Ablehnungsbeschlusses vom grundsätzlichen Standpunkt aus sagte, nicht gut zu zweifeln. Indessen ist zu beachten, daß derartige grundsätzliche (Sytoäfiungen doch mehr für normale Zeitläufte passen. Wenn ungewöhnliche Verhältnisse vorliegen — und das ist doch gegen-
Weihnacht auf See.
Don Waldemar Keller.
Südlich von Reu-Seeland, dort, wo der kalte tauch der Antarktis sich mit den letzten matten onnenstrahlen der Südsee berührt, segelt die Viermastbark auf der Reise von Taltal, einem chilenischen Hasen, nach Newcastle on Hunter, ber Lebensader von Reu-Süd-Wales. Das Wetter ist trübe. Es ist, als ob eine schweigende Last auf dem dumpf rauschenden Gewässer ruhe, das vom jüngsten Sturm noch ein wenig murrt Rur zeitweilig blinkt ein Lichtstrahl Hemieder, um ebensoschnell, wie er gekommen, in dem Wetterschleier sich wieder zu verlieren. Die Dark rollt sanft, während die leichte Brise kaum imstande schetnt, bte mächtigen Segelflächen zum Schwellen hu bringen.
2Iuf Deck ist alles still. Riemand zu sehen, als der Rudersmann, ber uninteressiert auf das Korn-aßhäuschen schaut unb nur bann und wann seirn.n Rade einen kräftigen Ruck versetzt, nxnrn das Schiff mit konstanter Bosheit immer mehr abfällt - und auf ber Brücke der wachthabende „Erste", der vor dem Peilkompah hin und herwandert die Hände in den Taschen des blauen Monkey-Jackctts vergraben. Leise brummt er ein Lied, eine alte, bekannte Weise: .Stille Rächt, heilige Rächt...“ Immer wieder und wieder beginnt er die Melodie zu summen, so seltsam liebevolt als ob er sich Aurückträume in seine Knabenjahre. Don dem gefürchteten strengen Blick des Steuermanns ist heute nichts zu bemerken: als er nach achtem geht, um nach der Ahr am Kartenhaus zu sehen und dem gelangweilten Rudersmann mit einem sonoren „Sechs GlasI" die Ablösung anzusagen, dingt seine Stimme weich, sreuirdlich — wie sonst nie Hell tönen die drei kurzen Dovpelschläge ber Glocke: es ist 7 IHjr. Die große Glocke auf der Back echot Der Rudersmann ber anderen Wache, bic nun an Deck kommt, klettert die Truppe zum Halbdeck herauf. Den Kragen seines dicken Rachtjac^etts hat
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Samstag, 1°. Dezember 1926
toärtig noch ber Fall — so muß man auch einmal außerordentliche Hilfsmittel anwenden, die Hauptsache ist, daß man den in Rot befindlicher. Brüdern entsprechend den unabweisbaren Rot- Wendigkeiten Hilst und bann erst e.nmal nach ber grundsätzlichen Regel fragt. Bon dieser selbstverständlichen E.Wägung hatte sich die Fi- nanzausschuß-Mch.heit osfeniar zunächst nicht letten lassen, sonst hätte sie sich doch mindestens für den Eventualantrag ber Sozialdemokratie entschließen müssen. Auf den Boden dieses Eventualantrags hätte man unseres Erach- ten£ von vornherein treten können. Man hätte sich sagen müssen, daß eine solche Sonderzuwendung eine schwere Rotlage weiter Devölke- rungskreise lindern und diese Mitbürger übrigens auch einmal w eder bis zu einem gewissen Grade kaufkräftig mache. Don dieser belebten Kauskrast hat doch aber die hiesige Geschäf: Zweit wieder Vorteil, denn es ist als ganz setöstverständlich anzunehmen, daß die Erwerbslosen und Rentner zur Deckung ihrer Bedürfnisse hiesige Geschäfte besuchen und nicht etwa nach Frankfurt fahren. Daß dieser Mehrheitsbeschluß eine glatte Fehl
entscheidung war, wurde den Reinfagern im Verlaufe ber Aussprache in Gegenwart des großen Publikums klar. Wir hätten es lieber gesehen, wenn diese Einsicht schon im Finanzausschuß zum Durchbruch gekommen wäre und sich dann gleich in der Empfehlung an das Plenum au5- gewirkt hätte. Dann wäre das unliebsame öffentliche Schauspiel allen denen erspart geblieben, die nicht zu den Anhängern sozialdemokratischer Anträge gehören. Die vollständ ge Wendung der Lage brach'e das Ergebnis, baß man dem sozialdemokratischen Verlangen auf der mittleren Linie zwischen der Maximal- und ber Minimalforderung entsprach, also bekanntlich 18 000 Mark bewilligte, unb die ganze Angelegenheit nur unter ein anderes Firmenschild stellte, indem man die Hilfsaktion nicht als „Weihnachtsbeihilfe", sondern als „Winterbeihilfe" laufen läßt, obwohl sie tatsächlich doch eine Weihnachtsbeihilfe ist. Wir geben der Bewilligung dieses Betrages unseren Beifall, well wir ber Ansicht sind, daß man gerade zu Weihnachten auch in das
er bis an die Ohren aufgeschlagen: heiteren Gesichts stapft er dem stillen Plätzchen am Ruberkasten zu. Unb während man sonst nur den trockenen Kurs wechselt, sich mürrisch ein „Westnordwest." oder „As he geihtl" zuruft, herrscht heute ein ganz anderer Ton auch unter ber Mannschaft. „ Fröhliche Weihnachten!" — „Gleichfalls! Un lloap man nich in, mien Jong: bat Schipp fiert ook Wiehnacht." Und schon eilt der erlöste Rudersmann bem Logis zu.
Dort quäkt die Ziehharmonika Weihnachts- lieber, einige rauhe Stimmen fallen ein, und bald singt ein gemischter Chor — das heißt: in Hochdeutsch Plattdeutsch Bayerisch Sächsisch und Dänisch — die schönsten Christnachtsmelodien. Sie fingen nicht geschult. Aber aus den Weisen klingt tiefe Stimmung. Man hat einen Tannen bäum — — ebensogut Birken-, Ahorn- oder Gummibaum — zusammengezimmert, ber, inmitten des weih- gescheuerten Tisches fest angestaubt, den echten Christbaum ersetzen soll. Ein ausgedienter Besenstiel hat herhalten müssen, um den Stamm, abzugeben: einige „Zweige" sind seitlich eingepflockt, mit buntem Papier behangen, dazu etliche mit blanken Pesos erstandene Wachst erzen — und unser Tannenbaum ist fertig. Der „Erste" tritt ein. Auch er will den Daum bewundern. Zum Ueberflub brennt er einen kleinen, Gott weiß wo aufgegabelten Tannenzweig ab, um den nötigen Radeldust zu erzeugen, der natürlich von einem ehemaligen Besenstiel nicht zu erwarten ist. Schwebend verbreitet sich der feine bläulich: Rauch im Logis. Run ist es ganz wechnatchichl, nun fehlt auch gar nichts mehr!
Sie sitzen auf den Seekisten, den Blick auf den Daum gerichtet, in der Hand die verglimmende Zigarette, das letzte Andenken an bas verlassene Chile. In einet der Oberkojen zerrt irgendjemand noch immer an ber Harmonika — herzerweichend! Da kommt der „lange Hein", der Steward, über den hohen Süll der Logistür hereingestolpert, unter jedem Arm eine Rum- flasche. Lautes Hallo. „Siehste, mien Jong, bat
Heim der Erwerbslosen unb der Rentner etwas Freude und Festessonne tragen foM. wodurch uns andern, die w.r noch besser dastehen. bad Fest nur um so wertvoller wird. Macht die Finanzlage der Stadt b.efe Aufwendung etwas schwierig, so m.g man bei anderen, weniger dringl.chen Angelegenheiten einsparen, 'jlbcr wir bedauern, daß die Fmanzaus'chuß-Mehrheit nicht von vornherein dieser Selbstverstänblichteit durch einen Akt des Entgegenkommens gerecht wurde. Im übrigen mochten wir hier noch einen an- bereu, grundsätzlichen Gedanken anfügen. Wir meinen, daß Anforderungen solcher Art, wie sie am Donnerstag in dem sozialdemokratischen Antrag erhoben wurden, üi Zukunft durch eine ausreichend gestaltete Vorlage ber Stadtverwaltung rechtzeitig gütend gemacht werden sollten, sobald sich so klar wie diesmal erkennen läßt, daß eine besondere Anstrengung für die Hil'sbedürft.gen notwendig ist. Die Initiative in derartigen Dingen sollte man nicht erst von den Parteien erwarten, denn e.iahrungsgemüß haben Parteianträge in solchen Sachen für bic andere Seite in gewissem Maße immer etwas
Unbehagliches an s.ch Den Vorschlägen einer überparteilichen Stelle wird man stets ganz anders gegenübertreten, unb damit wird auch bä: Sache besser gebient Unb am Schlüsse dieser Betrachtung noch ein Wort an die jugendlichen Erwerbslosen. Sie mögen bedenken, daß die Beihilfe gewährt würbe zu nützlicher Verwendung, aber nicht zur Ausgabe für überflüssige Dinge. Demgemäß mögen sie das Geld anlegen. Tun sie das, so wird es in ZukunTt auch leichter sein, in gegebenen Fällen eine weitere Hilfe ins Auge zu fallen.
Mit Genugtuung begrüßen wir den Beschluß über die Verbesserung unserer Straßenbeleuchtung. Cs ist hohe Zeit, daß auf diesem Gebiete etwas Durchreisendes geschieht. Abgesehen von einigen Hauptstraßen im Zentrum der Stadt bestehen in allen übrigen Straßen starke Mängel der Abend- unb Rächt- beleuchtung. Besonders empfindlich tritt dieser älebefftanb in den Außenbezirken in Erscheinung. Der lange Wunschzettel, mit bem die Baudepu-
is reell!" 3m Ru sind ihm die Flaschen abgenommen. Paul, der Junge, keucht mit einer Schüssel heißen Wassers herbei, das er nach langem Zureden unb unter dem Versprechen einer „geistigen" Gratifikation vom Koch erhielt. Man hat schon gewartet. Jeder wirst ein Quantum feiner Ration Farinzucker hinein („Wüstensand" im ©cemannßmunb), die Flaschen werden geleert, unb mit gewichtiger Amtsmiene füllt der Logis- älteste den ihn umlauernden punschdurstigen Gesellen die Becher. Gierig wird das heiße Gebräu hinuntergeschlürft. „Ah", schmatzt es leise in einer Ccke, „de richtige Jsbreeker! Jong, wenn wi man erst Webber to Hus sünd!" Zustimmendes Grunzen. Aus ber Koje quäkt die Ziehharmonika: „Tochter Zions, freue dich...“
Zweimal hat bereits bie Glocke mit eherner Stimme von ber Back gesprochen. Feuchte, kalte Rächt schweigt nun ringsum. Kein Hauch: tnar- renb schlagen bie Segel gegen Mast unb Par- bufjnen. Die Mlttschiffsaäste verlassen müde das Matrosenlogis unb kriechen in bie Koje. Drinnen im Logis wirb es stiller. Roch fällt ber schwache Schein der Oellampe auf die geleerten Decher: noch zittert ein einschläfernder Akkord ber Zieh- Harmonika durch den mit Taoalsqualm gesättigten Daum. Dann verlöscht das Licht. Eine Gardine schließt sich nach der anderen. Weihnachten ist gewesen.
älnd draußen harrt, wie allnächtlich, vier Stunden lang die Deckswache...
Der „Schrecken des Sudans".
Eine verschollene Persönlichkeit, deren Rarne vor 40 Jahren in aller Munde war wie später der. des Ohm Krüger, ist mit Osman D goa, dem „Führer der Derwische", dahingegangen. Osman Digna, d. h. der Bärtige, wie er wegen seines breiten Backenbartes genannt wurde, war in den Tagen des Mahdi-Aufstandes der „Schrecken des Sudans", von dessen Untaten und Grausamkeiten die furchtbarsten Geschichten erzählt wurden. Er
tatlon bei ter Entscheidung über bie Anbringung von Strahenlampen zu rechnen hat, spricht so deutlich und eindringlich, daß wir uns beleäf» tigende Wo.te sparen können. Wir möchten nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß aus diesem Gebiete nun schnell geha-nbe.t wird und nicht etwa e.st das Frühjahr ober der Sommer die Verbesserung bringt. Denn an bem Zustand, daß manu)« Dorf besser beleuchtet ist als die Außenviertel unserer Stadt, hat die Bürgerschaft nachgerade genug getragen.
3m Jnteres.e einer gedeihlichen Entwicklung unserer Verlchröverhältni fc tann man sich mit bem Beschluß über den Ausbau des Flug- Ha s c >. s einverstanden erllärcn. Es ist gut, daß tie Verwaltung und das Stabtparlament auf diesem Gebiete großzügig sind, denn tn wenigen 3a_hren wirb sich heran/teilen, daß diejenigen Städte im großen wirtschaftlichen Wettbewerb die günstigsten Chaneen haben, bie über die weitreichendsten Derlehrsmöglichleiten ver ügen. Es ist also ein gutes Stück Zulun tsarbett, daS man mit diesem Beschluß geleistet hat. Dasselbe ist zu sagen von dem Beitritt unserer Staat zu dem Verein für die Autostraße H a m - bürg- Franksur t—D a , c L
Schließlich noch ein Wort zur Frage der Aufwertung unserer Stadtanlcihen. In anerkennenswerter Weife besteht bei der Verwaltung und auch im Stabtparlament der Wille, aus diesem Gebiete den Aotwen^igt'citrn Rechnung zu tragen. Hoffentlich wirb cs möglich sein, die Arbeit recht bald a.tiv in Angriff zu nehmen und dabei so weit zu gehen, daß man sagen kann: es ist das geleistet worden, was der Staat Gießen würdig ist.
Butzbacher Kommunalsrayen.
pb. Butzbach, 16. Dez. 3m ..Deutschen Haus" fand heute mittag eine von der Stadtoer- w a 11 u n g einberufene Versammlung der Bürgermeister der Umgebung sowie der D e r- treter von Handel. Industrie. Gewerbe usw. stall Ferner waren die Landtags- abgeordnelen Prof. Dr. Werner, Fenchel und Weck le r eingcladen worden, von welchen die beiden Letztgenannten erschienen waren: Prof. Dr. Werner hatte fidf wegen Erkrankung ent- schuldigt.
Bürgermeister Dr. Jansen begrüßte die Erschienenen und erläuterte m großen Zügen die geplanten Autolinien. Es sei beabsichtigt, zunächst eine Linie nach Langenhain-Ziegenberg einzurichten, die die Orte Hochweiscl. Fauerbach und Münster berührt. Dann ist eine zweite Linie nach Holzheim und eine dritte nach Brand- obernborf vorgesehen. Zwischendurch Jollen von Butzbach aus, je nach Bedürfnis. Stichs ährten nach Niederkleen — Dornholzhausen. Niederweisel, und gegebenenfalls nach Dbermörlen gemacht werden. Der Betrieb wird durch die Firma Freitag ausgeführt, unterstützt durch die Daimler-Benzwerke. Die Gemeinde Langenhain-Ziegenberg bat sich bereit erklärt, eine Autohalle und Unter- kunstsraum für den Fahrer unentgeltlich zu stellen.
Unternehmer Freitag erläuterte die Vertragsbedingungen mit den Daimlerwerken und bemerkte, daß diese einen 22sitzigen Wagen zunächst für die Dauer von drei Monaten zur Verfügung gestellt haben.
Hieraus erläuterte der Vertreter der Daimler- Denzwerke, Herr Schneider, Gießen, den künftigen Fahrplan. Frühmorgens sollen zwei bis drei Fahrten nach Butzbach bzw. Ostheim gemacht werden, sodann eine bis drei Fahrten nach Holzheim bzw. Niederweisel, abends zwei bis drei Fahrten in Richtung Langenhain. Näherer Fahrplan wird noch festgesetzt und bekanntgegcben. Der Fahrpreis wird 7 Ps. pro Kilometer bzw. 4 Ps. für Arbeiter und Schüler betragen.
Den Ausführungen wurde zugestimmt. Für kom- menden Sonntag sind Sonderfahrten von den Landortcn nach hier geplant.
Weiter wurde nochmals die Angelegenhelk ber Aufhebung der landwirtschaftlichen Win- t e r j ch u l e behandelt. Bürgermeister Dr. Jansen legte die Gründe, die zur Aushebung der Schule geführt haben, eingchgnd bar. Er betonte, daß da- durch eine außerordentliche Schädigung der land- wirtfchaftlick-en Belange der Butzbacher Umgebung eingetreten sei. Landtagsabg. Weckler unterstrich die Ausführungen des Bürgermeisters und bemerkte, daß gerade die Vertreter der Landwirtschaft im Landtag nicht für die Erhaltung der Schule ein- getreten seien. Nach weiterer Aussprache wurde eine Entschließung an d en Landtag gefaßt.
war zunächst ein berüchtigter Sklavenhändler. Als aber dann streitge Gesetze gegen den Menschenhandel erlassen wurden, da gelobte Osman denen, die ihn an fernem einträglichen Geschäft hindcr- ten, Rache und crariff die günstige Gelegenheit, sich mit dem Mahdi zu verbünden. Er wurde von diesem mit der Verbreitung des Aufstandes nn östlichen Sudan beauftragt und sammelte e ne Schar von „wilden Derwischen" um s.ch, mit denen er den englisch-ägyptischen Truppen schwere Riederlagen beibrachte. So richtete er 1334 bei einem Kampf zu El Teb in der Rahe von Suakin ein wahres Blutbad unter den ägyptischen Truppen an, die von dem englischen Obersten Baker Pascha geführt wurden. Von den 4000 Mann wurden 2375 getötet. Bei einer Schlacht gegen eine englisch-indische Truppe zu Tamai brach er in die britischen Reihen ein und metzelte den größten Dell nieder. Äack^em er Monate hrnvurch Suakin und seine Garnison bedroht hatte, rüstete der General Sir G:a:ald Graham eure Expedition gegen ihn aus. drrch di? er 1891 geschlagen und in bzn Sudan zurückgedrängt wurde. Hier trieb er aber sein Unwesen weiter und kämpfte verzweisell mit den Derwischen gegen bie englischen Truppen. Er rühmte sich, stolz, un- befiegt zu sein, und blieb eine schwere Gefahr für die Engländer, die sich sogar damals entschließen muhten, den Sudan zu räumen. Erst als 1896 Lord Krtchener ein neues Heer in den Sudan führte, da schlug auch für ihn die Stunde der Riederlage. Bei Omdurman entging er mit Müh unb Rot dem Tode, muhte sich nach dem Fall von Kartum 1898 in das Gebirgsland bei Suakin flüchten unb wurde 1900 gefangen genommen, nachdem er von einem Mitglied feiner Familie verraten worden war. Der greife Gefangene, der schon damals recht alt war — das geiaue Jahr seiner Geburt femrt man nicht — wurde geistes- krcmk und erflärte nun. die Engländer wären die wahren Propheten des Islam. Er w.:rd? zu Wadi Haifa am zweiten Rilkawrakt 23 Jahr? gelangengehalten, bis ihn jetzt der Tod erlöst hat.
Das große Heimatblatt
der eingesessenen Bevölkerung Gießens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der im 176. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger
mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Gießener Familienb'ärler
der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorg, faltig ausgewählten, gediegenen literarischen Lesestoff
Heimat im Bi d
der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet
Die Scholle
von Fachleuten und Kennern der Heimaterde für dreLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirtschaft, Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger
Das große Anzeigenblatt


