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Präsident seine große Genugtuung über diese Er ttärungen aus und bemerkte, daß die Möglichkeit der sofortigen Wiederwahl vom Ausschuß immer so verstanden wäre, daß sie von der Völkerbundsoer­sammlung in aller Freiheit vSrgenommen werden soll.

Line deutsch-österreichische Arbeitsgemeinschaft für Hessen und Hessen-Nassau.

Freitagnachmittag wurde in Franlfurt a. M die deutsch-österreichische Arbeitsgemeinschaft für Hessen und Hessen-Aassau gegründet, die in Zu­sammenarbeit mit den bereits bestehenden ähn­lichen Vereinigungen in München, Köln, Stutt­gart und Wien die im Aaum von Hessen und Hessen-Aassau vorhandenen politischen, wirtschaft­lichen und kulturellen Kräfte für einen weitmög­lichen An- und Ausgleich zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich heranziehen und durch Stärkung der Gemeinschaft des deutschen Volks­tums die notwendigen Vorbedingungen für einen staatsrechtlichen Zusammenschluß in parteipoli­tisch-neutraler Arbeit pflegen will. Das Ehren­präsidium haben Staatspräsident Ut» rich und Obcrpräsident Exzellenz Dr. Schwan- d e r, Kassel, übernommen. Im Ehrenausschuh sind u. a. vertreten: Reichsminister a. D. Dr. David, Dr. von Helmolt. Vorsitzender des Hessischen Vauernbundes, Friedberg, Reichsland­bundpräsident Hepp und Bischof Dr. Hugo von Mainz. Im großen Ausschuß sitzen aus der Provinz Oberbefsen Provinzialdirektor Graef, Professor Dr. Eger, Studieurat Dr. Koenig, Privatdvzent Dr. Raab, Studicnrat Wecker- l i n g, Friedberg.

Die GründungsVersammlung wurde eingeleitel durch einen Vortrag des Wiener Philosophie- Professors Dr. Hans Eibl. Vorstandsmitgliedes des Oesterreichisch-Deutfchen Volksbundes in Wien, der besonders die Aotwendigkeit einer engen Zu­sammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft zum Stu- diunr der wirtschaftlichen Fragen mit den: vor­läufigen Ziele einer Zollunion betonte. Eine zweite Gruppe von Aufgaben umfasse das Kul­turelle namentlich des plnterrichtswesens. das ja schon durch den preußisch-ösleln-eichischen Schul­vertrag mit feinen Angleich,ungsbestrebungen ei neu wesentlichen Fortschritt zeige. Auch in den Be­mühungen um eine Angleichung des Rechts sei schon viel erreicht worden. In großen Zügen schilderte der Redner dann die politischen, kul­tureller und wirtschaftlichen Vorteile, die eine Vereinigung Oesterreichs mit dem Reiä> für beide Teile bringen werde. Oesterreich werde wieder in feine alte Kulturmission, die Ostmark des Reichs zu sein, eintreten können. Damit werde auch die durch die Friedcnsverträge von Ver­sailles und St. Germain geschaffene Einkreisung im Osten durchbrochen und die Brücke zum Balkan geschlagen. Das fei ein außerordentlicher Vorteil gegenüber der jetzigen Lage, in der das politisch und wirtschaftlich ohnmächtige Oesterreich zwangs- läusig einen Ring in der Kette der Kleinen Entente bilde. Wenn wir wissen wollten, ob die Vereinigung der deutschen Stämme gut sei. brauch­ten wir nur nach Paris und Prag zu hören. Dort wolle man die Vereinigung nicht, also sei sie gut Aeben diesen realpvlitischen Vorteilen stehe das ideologische Ziel einer einheitlichen Ge­schichtsauffassung. Ilm die Vereinigung aller Deut­schen werde noch mit den Machthabern von Ver­sailles ein harter Kampf auszufechten sein. Es gelte, dem Friedensdiktat die moralische Maske abzureißen und um das Selbftbestimmungsrecht deS deutschen Volkes zu ringen. Das sei der höhere Sinn eine8 Kampfes um eine Vereinigung Oester­reichs mit dem Reich t Dr. Steinacher vom geschäftsführenden Aus­schuß teilte dann in kurzen Umrissen den Or- Danisatlonsplan und die Geschäftsordnung mit, worauf die Versammlung folgende Entschließung annahm:Die Deutsch-Oesterreichische Arbeits­gemeinschaft für Hessen und Hessen-Aafsau soll keine Zersplitterung der Bewegung der Arbeit für den deutsch-österreichischen Zusammenschluß herbeiführen. Vielmehr soll sie einer solchen durch weitmöglichste Arbeitsverbindung mit den bestehenden und entstehenden deutsch-österreichi­schen Arbeitsgemeinschaften im Reich und in Oesterreich und in sinngemäßer einvernehmlicher Arbeitsteilung mit dem Oesterreichisch-Deutschen Volksbund wirken."

Der geschäftsführende Ausschuß wird beauf­tragt und ermächtigt, dahin $u wirken, daß eine einheitliche Deutsch-Oesterretchische Arbeitsge­meinschaft für das Reich geschaffen wird.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 15.Mai. (VDZ.) Zur zweiten Beratung steht ein Gesetzentwurf über Mände- rung des zweiten Punktes der Reichsver- sicherungsor d n u n g (Zuschläge zu den Bei­trägen der Arbeitgeber, wo ungebührlich ver­zögerte Zahlung, Regelung von Streitigkeiten zwischen Aerzten und Krankenkassen durch ein Schiedsamt, Ausgleich in den Wochen-Für­sorgelasten ufto.)

Abg. Iäcker (Soz.) weist auf die Hot» läge der Krankenkassen hin. In Ber­lin allein hätten die Krankenkassen 2 450 000 All. rückständige Beiträge. Danach erscheine der Vor­schlag des Gesetzentwurfes noch nicht scharf genug, die böswilligen Zahler müßten ganz energisch angefaßt werden.

Qlbg. Andre (Ztr.) führt aus, es käme jetzt nicht darauf an, Strafen zu verordnen, son­dern die Rechte der Paragraphen sinngemäß anzuwenden. In manchen Fällen seien sogar schwere Strafen für Versäumnisse verhängt wor­den. Unter den heutigen wirtschaftlichen Ver­hältnissen kämen gar leicht kleinere Hand­werker und Gewerbetreibende in Rückstand mit ihren Verpflichtungen gegen die Krankenkassen ohne böswillige Zahler zu fein. Bei der Groß­industrie sei es Sache der Kassen selbst, recht­zeitig mit der Einziehung der Beiträge vorzu­gehen.

Der Gesetzentwurf wird darauf in zweiter und gleich darauf auch in dritter Lesung ent­sprechend dem Ausschußvorschlag angenommen.

Die kommunistische Fraktion hat einen Ge­setzentwurf über die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen di e Urteile des Staat s g e richtshofes beantragt. 11. a. soll das Wiederaufnahmeverfahren in allen den Fällen zugelassen werden, wo an dem Verfahren der Untersuchungsrichter Jürgens aus Star­gard mitgewirkt hat. Der Rechtsausschuh be­antragt die Ablehnung des Gesetzent- w u rf es.

Abg. Rosenfeld (6.): Da sich der Unter­suchungsrichter Jürgens durch, ehrenrührige Hand­lungen als nicht einwandfrei erwiesen hat, liegt mindestens die Möglichkeit vor. daß er in seinem Amte gleichfalls sich Verfehlungen habe zu schul­den kommen lassen, und deshalb müßten eigentlich sämtliche Urteile der Verfahren, in denen er mit­gewirkt hat, aufgehoben werden. Aber wir wollen so weit nicht gehen, beantragen aber, daß sämt­liche Fälle nachgeprüft werden.

Abg. Dr. Wunderlich lD. Dpt.) lehnt es ab, eine Ausnahme für die Staatsgerichtshof- urteile von dem übrigen Recht zu machen. In dem Falle Jürgens enthalte er sich jeder Stellung­nahme. Was darüber in den Zeitungen gestanden habe, sei noch nicht erwiesen, man müsse abwarten, wie das Gericht über Jürgens urteilen werde. Wenn dies Urteil im Sinne des Vorredners aus- siele, könnte er allerdings empfehlen, daß die Iürgcnsfälle nachgeprüst werden.

Die Abstimmung muß wegen Beschlußun- fähigkeit des Hauses abgebrochen werden.

Sozialpolitische Irrwege.

Unter obigem Titel schreibt Professor Dr. Moldenhauer, M. d. R., Köln, imDeutschen­spiegel" (Verlag , ,Der Deutschenspiegel", Berlin W 35) über die letzten Beschlüsse des Sozialpoliti­schen Ausschusses zu einer Abänderung d e s Reichsknappschaftsgesetzes. Diese Be­schlüsse bringen für den deutschen Bergbau eine Mehrbelastung von 50, wahrscheinlich sogar 66 Mi- lionen Mark jährlich. Die Regierung versuchte vor der zweiten Lesung im Ausschuß, eine Milderung dieser Mehrlast zu erreichen. Es war auch im Aus­schuß bei den Regierungsparteien eine dahingehende Einigung zustandegekommen. Im letzten Augenblick aber hat sich sowohl der dem Zentrum angehörige Abg. Iinbnsch als auch der demokratische Abg. Zieg­ler, beides Vertreter der Bergarbeiter, von den Re­gierungsparteien getrennt und zusammen mit So­zialdemokraten und Kommunisten und Deutschwölki- schen die Beschlüsse der ersten Lesung des Ausschusses bestätigt. Wenn diese Beschlüsse Gesetz werden, bann kommen nach sehr sorgfältigen Berechnungen für die Ruhr jährlich auf den Kopf des Arbeiters für Knapp- schafts-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung rund 600 Mk.» das ist ungefähr ein Viertel des ge­samten Lohnes. Die soziale Belastung, die vor dem Kriege nur 80 Pf. pro Nutztonne betrug, ist zur Zeit 2 Mk. und wird sich nach den neuen Beschlüssen noch um weitere 30 bis 40 Pf. erhöhen. Das find Beträge, die im Wettbewerb, insbesondere mit der englischen Kohle, eine einschneidende Rolle spielen. Für die Ar­beiterschaft werden die Beschlüsse zunächst eine Schmälerung ihres Arbeitseinkommens bringen, die durch neue Lohnkämpfe wieder ausgeglichen werden muß. Die endgültige Regelung der Frage wird aber einfach dein künftigen Lohnkampf überlassen. Durch die Beschlüsse des Sozialpolitischen Ausschusses ist es aber soweit gekommen, daß jeder Uebertagearbeiter, der kaufmännische Angestellte einer Zeche nunmehr vom 55. Lebensjahre an das Recht haben sollte, sich pensionieren zu lassen. Was wird die Folge fein? Werden nicht Hüttenarbeiter, Glasarbeiter, die Ar­beiter der chemischen Industrie und zahlreicher an­derer Industrien, in denen die Arbeit aufreibender ist als die Uebertagearbeit im Bergwerk ober die Tätigkeit auf einem Bureau, mit der gleichen For­derung kommen, und wie wird man dieser Forde­rung entgegentreten können?

Hessisches Staatsminifterium und 1. Mai.

Darmstadt, 13. Mai. Abg. D i n g e l d e y und die Fraktion der Deutschen Volkspartei haben wegen der Beflaggung des Staatsministeriums am 1. Mai eine Anfrage im Landtag eingebracht. Die Abgeordneten fragen darin an:

1. Ist es richtig, daß das Staatsministerium am 1. Mai mit der schwarzrotgoldenen Reichsfahne beflaggt war?

2. Aus welchem Anlaß hat diese Beflag­gung stattgefunden, etwa um eine amtliche Teilnahme des Staatsmini st eriums an dem Demonftrationszug der So­zialdemokratischen Partei zu bekunden?

3. Warum war gerade das Staatsminifterium an diesem Tage beflaggt, und wer hat die An­ordnung zur Beflagguna gegeben?

4. Ist es richtig, daß schon feit längerer Zeit ein formeller Beschluß des Gesamt- minifteriums vorliegt, wonach im Falle der Beflaggung staatlicher Gebäude zugleich mit der Reichsflagge stets auch die hessische Lan­tz esflagge gehißt werden soll?

5. Bejahendenfalls, wer hat entgegen diesem Beschluß des Gesamtministeriums die Anweisung gegeben, das Staatsminifterium am 1.Mai nur mit der schwarzrotgoldenen Reichs- fahne zu beflaggen und welches waren die beson­deren Gründe einer solchen, von den Beschlüssen des Gesamtministeriums abweichenden An­ordnung?

Die hessische 2lusfal!garantie für Rußland.

Darmstadt, 16. Mai. Dem Landtag ist der Entwurf eines Gesetzes wegen Uebernahme einer Ausfallgarantie des Landes Hessen für Liefe­rungsgeschäfte nachRußland zugegangen. Es handelt sich hier um den sog. Rußlandkredit in Hohe von rund -300 Millionen Mark, wofür das Reich und eine Reihe von Ländern bereits die Aus- fallbürgfchaft in Höhe von 25 Prozent übernommen haben. In der Borlage heißt es: Der Beitritt wird von den hessischen Industrie- und Handelskammern für notwendig erachtet. Verschiedene Firmen haben bereits ihr Interesse für das russische Geschäft be­kundet. Wenn trotz gewisser finanzieller und poli­tischer Bedenken der Gesetzentwurf eingebracht wurde, so geschah dies deshalb, weil man sich hier­von eine Belebung des hessischen Geschäfts und hier­mit eine Herabminderung der in ganz Hessen hohen Erwerbslosenziffer ver- sprickt. Es wird für angemessen erachtet, wenn diese Äusfallgarantie zunächst auf 1 Million Mark be­schränkt wird. Batzen hat 5 Millionen übernommen. Es wird dafür gesorgt werden, daß nur solche Fir­men zu dem Lieferungsgeschäft zngelassen werden, die Arbeiter aus hessischen Orten beschäf­tigen, damit tatsächlich eine Erleichterung auf dem hessischen Arbeitsmarkt eintritt.

Die Wiederaufnahme der Arbeit In England.

London, 16. Mai. (WB.) Der Streik der D o ckarb ei ter ist beigelegt worden. Für die allmähliche Wiederaufnahme der Arbeit find vvrläufige Abmachungen getroffen worden. Die Arbert wird am Montag wieder aufgenommen werden. Auch der Vepbottd der Londoner Bei*

tungsbesitzer hat mit der Gewerkschaft der Drucker über die Wiederaufnahme der Ar­beit eine Verständigung erzielt. Die Wiederauf­nahme der Arbeit bei den Eisenbahnen geht ebenfalls befriedigend von statten. Was der Generalstreik das Land gekostet hat. läßt sich naturgemäß noch nicht berechnen, doch wird in gutunterrichteten Kreisen geglaubt, daß der Scha­den geringer sein wird, als bei dem Kohlen­arbeiterstreik 1921, der an direkten und indirekten Verlusten etwa 200 Millionen Pfund Sterling verursachte.

Die Landung der Borge-

Reuhork, 15. Mai. (WB.) DieRorge" ist in Seiler, einem kleinen Handelsplatz Alas­kas mit 200 größtenteils aus Eskimos bestehenden Einwohnern, gelandet. Sie ist in Setter ent­leert worden. Amundsen und Ellsworth haben sich in einem Motorschiff nach Rome begeben. Hin 2 ülhr mittags ging beim Präsidenten Coolidge folgende Rachricht ein: ,.Polarflug erfolgreich ergebenste Grüße Ellsworth."

Rach einer Meldung aus Rome muhte das Motorboot, in dem die Mannschaft derRorge" nach Rome gekommen ist, 14 Meilen über das Eis der Portclareucebai bei Seiler geschleppt werden, ehe offenes Wasser erreicht wurde und die Fahrt nach Rome beginnen konnte. An der Mündung des Slangenflusses, 7 Meilen westlich von Rome, hatte sich eine Gruppe von Eskimos und Weißen versammelt, um die Besatzung der Rorge" zu begrüßen. Verschiedene Einwohner von Rome brachten ein Gefühl der Mißstimmung gegen Amundsen zum Ausdruck, weil er, nachdem der norwegische Vizekonsul in Rome von ihm ver­anlaßt worden war, für Hilsewleistung bei der Landung derRorge" 100 Mann zusammenzu­bringen. dieselbe doch nicht nach Rome gebracht hat. Der zweite Steuermann derRorge", Leutnant Riiser Larsen, erklärte, man habe am Roröpol dünnes Eis und offenes Wasser gefunden, doch habe man kein Land entdecken können. Die Rorge" hat am Aordpo beträchtliche Zeit ver­bracht, um wissenschaftliche Beobachtungen machen zu können. Das Luftschiff senkte sich dabei bis auf 600 Fuß über die Eisfläche und stieg dann wieder bis zur Höhe von 4000 Fuß. lieber Point Barrow bildete sich Eis auf den laufenden Pro­pellern des Luftschiffes. Dieser Eisbelag brach dann ab und durchschnitt eine große Gaszelle, so daß durch den Verlust an Wasserstoff das Luftschiff äußerst schwer wurde. Auf dem Weg von Point Barrow nach Teller wurde die Fahrt jedoch durch günstigenWindunterstützt. Im ganzen hat die Mannschaft derRorge" 7 2 Stunden in der Luft verbracht. Sie tarn in Teller sehr ermüdet, aber in bestem gesundheitlichem Zustand an. Vor der Landung wurde ein Anker ausgeworsen, und der zweite Mechaniker, Sergeant Arduino, begab sich auf den Boden hinunter, um das Landungsmanöver zu leiten, das bei ziemlich heftigem Wind vonstatten ging. Die Landung in Teller vollzog sich ohne alle Zwischenfälle. Rachdem einige Kinoaufnahmen gemacht tooröen waren, wurde das Luftschiff in 30 Minuten ent­leert und unter Leitung von Oberst Robile ab» montiert. Die Bestandteile des Luftschiffes sollen für einen etwaigen Reuaufbau aufgehoben werden. Leutnant Omdal, der die Absicht hat, noch einmal mit dem Motorboot nach Teller zurückzufahren, erklärte, daß die Maschinen (deutsche Mahbachmvtoren) . des Luftschiffes in guter Verfassung gewesen sind und ihre Auf­gabe glänzend erfüllt haben. Amundsen stellte fest, daß er jederzeit genau gewußt habe, wo sich die »Rorge" befand.

Kleine politische Nachrichten.

In der Reichskanzlei fand zur Erinnerung an die Volksabstimmungen in den deutschen Grenzgebieten ein Empfang von Vertretern landsmannschaftlicher Verbände mit anschließendem See im Park statt. Vom Reichs­kabinett waren erschienen der stellvertre- tende Reichskanzler, Reichsminister Dr. Gehler, der Reichsminister des Auswärttgen Dr. S t r e s e m a n n, Reichsjustizminister Dr. Marx und Reichsinnenminister Dr. Külz. Der stellvertretende Reichskanzler, Reichswehrminister Dr. G e ö I e r begrüßte die Erschienenen im Ramen der Reichsregierung und sprach ihnen herzlichsten Dank und Anerkennung für die während und nach der Abstimmung in den Grenzgebieten geleistete außerordentlich wertvolle Tätigkeit zur Erhaltung des deutschen Volkstums aus.

Gras Bernstorfs, der Führer der deut­schen Delegation bei der am Dienstag beginnen­den ersten Tagung des Vorbereitungsausschusses für die Abrüstungskonferenz, ist in Be­gleitung von Geheimrat von Bülow, dem Leiter der Dölkerbundsabteilung im Auswärti­gen Amt und verschiedenen militärischen Sach­verständigen in Genf eingetroffen.

In San Remo ist der letzte Sultan der Türkei, Mehrn ed VI., an einem Herzschlag ge­storben. Der Verstorbene war 1844 als Sohn des Sultans Abdul Medjod geboren und folgte seinem Bruder Abdul Hamid 1909 nach der jungtürkischen Revolutton auf dem Osmanen- thron. Der unglückliche Ausgang des Welt­kriegs machte auch seiner Herrschaft ein Ende.

Kunst undWissenschast.

Eröffnung der pädagogischen Akademie in Bonn.

Bonn, 16. Mai. (WB.) Heute vormittag nnirbe in Anwesenheit des preußischen Ministers Dr. Decker, des Kardinalerzbischofs Dr. Schulte-Köln und anderer yervor ragender Persönlichkeiten die staatliche katholische päda­gogische Akademie in Bonn eingeweiht. Der Er­öffnungsfeier in der Aula der ülniversttät ging ein Pontifikalamt voraus, das Kardinal- erzbischof Dr. Schulte im Bonner Münster zele­brierte. Die weltliche Eröffnungsfeier in der Uni­versität wurde durch einen Festchor eingeleitet, worauf Staatsminister Dr. Becker in seiner Er­öffnungsrede u. a. ausführte: Die neue Akademie ist aus der allgemein oeränberten Zeitlage ent­standen. Das alte Seminar war der organisa­torische Ausdruck der sozialen Schichtung der vergangenen Zeit. Dir wollen mit der neuen Akademie unsere Lehrerbildung einbauen in die Gedankenwelt des sozialen Aufbaues der Gegen­wart mit der Parole der Einheitsschule, nicht der Einheitsschule einer allgememen Gleichmacherei,

sondern der differenzierten Einheits­schule. Mit der sozialen Umschichtung war eft. Wandel in unserer Bildung selber ver^ bunden. Wer die Volksschule kenrch, weiß, daß in den letzten IcchrzehnM -aus ihr etwas anderes wurde, als sie vor einem halben Jahrhundert war. Damals war die Volksschule eingestellt auf den Kanrpf gegen das Analphabetentum. Heute ist die Volksschube ein reichgegliedertes Bildungsinstrument und eine würdige Basis unseres ganzen Bildungsaufbaues. Diese Tatsache ist zu danken der Arbeit der letzten Generation unserer deutschen und preuhv schen Lehrer, und es war selbstverständlich, daß die Schule mit der Bildung der Lehreschaft wuchs und immer wertvoller wurde. Was die reichsgegliederte Volksschule fordert und die Aka-' beinie will, ist, .daß die künftige Lehreschaft allen Gegenwartsaufgaben der Volksbildung ge­recht werde. Das war nur möglich, wenn man grundsätzlich an die Frage heranging: Wie bilden wir unsere Lehrer? Diese Frage wurde mit der Gründung der drei pädagogischen Akademien für Preußen gelöst.

Versteigerung in Frankfurt.

Die Privatgalerie Senator Feßler wurde bei Bangel in Frankfurt unter lebhafter Beteiligung von Sammlern und Händlern aus dem In^ich-Sluslandc versteigert. Von den großen Museen waren u. a. die 'Jlationalgalerie Berlin und das Städel-Jnstitut Frankfurt vertreten, konnten jedoch infolge der ftar» fen Konkurrenz nur wenige Stücke erwerben. Die er­zielten Preise waren großenteils gut; wir geben im folgenden einige bemerkenswerte Zuschläge zahlen­mäßig wieder. Den Spitzenpreis erzielte diesmal ein Feuerbach (Bei der Kupplerin) mit 18 000. Ferner: Thoma (Wiesenlandschaft und Iunimor- gen) 12 700 und 11 400, Renoir (Landhaus mit Obstgarten) 12 000. Courbet (Wasserfall) 5400, Liebermann (Selbstbildnis) 5500, Spitzweg (Pilger) 5000, Corot (Waldlandschaft) 4000, C s - z a n n e (Landschaftsstudie) 3500, Zügel (Drei Och­sen) 3000, Scholderer (Kind mit Katze) 2000,' Trübner (Landschaft) 2800, Sievogt (Akt) 1850, Corinth (Kind mit Katze) 1750.

Aus aKer Welt.

Vom Volksbund deutscher krlegsgräberfursorge.

In Düsseldorf trat der Brrtretertag des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge' unter Vorsitz des Präsidenten Overpfärre'r S i e mL aus Berlin zusammen. Aus dem Tä­tigkeitsbericht ist besonders hervorzuheben, daß der Volksbund im vergangenen Jahre rund 108 000 Reichsmark für Kriegsgräberfürsorae ausgab. Von weit über 2 Millionen deutscher Gefallener des Weltkrieges ruhen rund zwei Millionen im Auslande, davon 900 000 in Frank­reich, 451 000 in Einzelqräbern, 224 000 in Mas­sengräbern. Die Ruhestätten von 225 000 Ge­fallenen sind nicht mehr festzustellen. Mit den französischen amtlichen Stellen wurde vereinbart, daß die Gräber anstelle der Holzlreuze m i t steinernen Erabzeichen versehen werden. Auch ist reichere Bepflanzung zugesagt. Die belgische Regierung sicherte für die deutschen Soldatengräbern jetzt das ewige Ruherecht zu.

Internationaler Ltadtekongreß im Dien.

3m September findet in Wien der Inter­nationale Städtebaukongreß statt, zu dem 600 Teilnehmer, darunter Vertreter aller großen deutschen Städte, erwartet werden. Das In­teresse in Deutschland an dieser Veranstaltung ist außerordentlich groß, das auch darin zum Ausdruck kommt, daß das deutsche Städtearchiv den Auftrag gegeben hat, zu der gleichzeitig in Wien stattfindenden Ausstellung für Städtebau alles wertvolle Material zur Verfügung zu stellen, so dätz die Ausstellung ein vollständiges Bild des deutschen Städtebaues gehen wird.

(Ein hungerkünstler an Entkräftung gestorben.

Der Hungerkünstler Max, mit seinem Bürger­namen Max Scholz, ist im Bautzener Stadttranken- haus an Entkräftung gestorben. Er hatte verschiedene Stärkungsmittel und Kochsalzinjektionen erhalten, aber alle diese Maßnahmen haben den Verfall seines hochgradig geschwächten Körpers nicht mehr auf­hatten können. Infolge des Ausgangs dieser Hunger­kur entstand unter der Bevölkerung eine große Er­regung, die sich vor allem gegen den Manager des Hungerkünstlers richtete.

Ein sechsfacher Raubmörder verhaftet.

In Schneidemühl wurde der schon seit Jahren von mehreren Staatsanwaltschaften we­gen sechsfachen Mordes gesuchte polnische Ban­denführer Johann Liemerc^z, genannt üe'r blinde Johann, durch einen Oberlandjäger in dem Augenblick festgenommen, als er die Grenze überschreiten wollte. Der Verhaftete wurde dem Grenzkommissariat übergeben.

Schweres Automobilunglück.

Auf der Straße zwischen Heitersheim und Gries­heim (Baden) fuhr gestern der Kraftwagen des französischen Vizekonsuls von Stuttgart mit voller Geschwindigkeit beim Nehmen einer Kurve in ben Sulzbach, wobei sich der Wagen überschlug. Der Vizekonsul ertrank, s eine Frau erlitt schwere, seine Tochter leichtere Verletzungen.

Wegen versuchten Gattenmordes verhaftet on 39iä^ri9e Taglöhnersfrau Ida Fuß in Wildflecken in der Rhön, die ihren Gatten mittels Gift beiseite schaffen wollte, um ihren Lieb­haber heiraten zu können, ist von der Gendarmerie verhaftet und im Amtsgerichtsgefängnis in Brückenau eingeliefert worden.

Ein Zigeunerkampf.

Zu einem Kampf zwischen Zigeunern kam es am Samstag bei Reinickendorf. Männer des Weißeuseer Stammes überfielen einen Zi- geimer. der sich mit seinem Wohnwagen auf Reinickendorfer Gebiet niederlassen wollte. Die Angreifer waren mit Rasiermessern, Totschlä­gern und Seitengewehren ausgerüstet. Die alar­mierte Schutzpolizei trieb die ganze Bande aus­einander. Fünf Zigeuner wurden festgenommen.

Wettervoraussage.

Noch einzelne Regenfälle, halb bis ganz bedeckt, nordwestliche schwache bis frische Winde. Ein Millel- meerties, das sich infolge der starken Temperatur­gegensätze auf seiner Vorder- und Rückseite sehr kräftig entwickelt hat, ist bis ins Battikum vor­gestoßen und beherrscht völlig die Wetterlage Mittel­europas. Auf seiner Rückseite bleibt unter Bezirk im Bereich nördlicher bis westlicher kühler und feuchter Lust.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 9,7 Grad Celsius, Minimum 7,2 Grad Celsius, Niederschläge 5,6 Millimeter. Heuttge Morgentemperatur 8,1 Grad Celsttrs.