ihnen, d. h. n n ihrer Gesundheit-sich einmal bitter rächen werden.
Zum gleichen Thema gehen uns nach von Herrn L. Sommer, 1. Vorsitzendem des Kreislehrerner- eins Gießen folgende Ausführungen mit der Bitte um Abdruck zu: Zur Bekämpfung der Finanznot in Hessen sind von verschiedenen Parteien eine ganze Reihe Anträge gestellt worden. Steuerprotestver- sammlungen finden oUerwärts im Lande statt. Was kommt nun voraussichtlich an Ersparnissen zustande? Bei einem Etat von 128 Millionen ganze 600 000 Mark. Davon soll die Volksschule allein 400 000 Mark tragen. Welch schreiende Ungerechtigkeit! Ist es vor der werdenden Generation zu verantworten, 00 Prozent aller hessischen Kinder ihre einzige Bildungsmöglichkeit zu schmälern? Dabei kostet ein Voltsschüler den Staat einschließlich Fortbildungsschulzeit nur 1175 Mk., ein Schüler höherer Schulen dagegen 2446 Mk.
Der größte Kinderfreund hat einmal gesagt: „Aus dem Munde der Unmündigen hast du dir ein Lob bereitet." „Wer aber ärgert eines dieser Ge ringsten, die an mich glauben, däm wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meere, da es am tiefsten ist." Hört es, ihr Volks Vertreter!
Abbau von Landwirtfchaftsämtern.
Dom Landwirtschaftsamt Lauterbach werden wir um Abdruck folgender Zellen gebeten: Aach dem Kriege wurden entsprechend ihrer beratenden Tätigkeit, welche sich auf das -ganze Iahe bezieht, die landwirtschaftlichen Winterschulen Hessens in Landwirtschaftsämter umgetoanbeU. und da. wenn irgend möglich, jeder Kreis ein solches Amt haben sollte, so wurden neue Aemter ins Leben gerufen. Der Fachmann wird sich der Tieberzeugung nicht verschließen können, daß die Tätigkeit dieser Aemter sehr fördernd auf die Landwirtschaft eingewirkt hat. Sie umfaßt alle Gebiete der Landwirtschaft und übt sie aus durch Wirtschaftsberatung, Abhaltung von Vorträgen, Anlage von versuchen und Lehrgräsergärten, Gemarkungsbegängen. Auskünften aller Art, und nicht zuletzt durch Ginzelberatungen bei den Bauern selbst, sowie durch literarische Tätigkeit, durch die die Tagesfragen für jeden Bezirk gesondert behandelt werden. Do stehen diese Aemter stets in engster Fühlungnahme mit den Praktikern und nun sollen 6 Aemter dem Abbau 3um Opfer fallen.
3n Hessen kommen auf 7500 landwirtschaftliche Betriebe ein Landwirtschaftsamt mit. seiner Schule, in Preußen dagegen auf 1200 Betriebe. Da nach Ansicht der Sechserkommifsion des Hessischen Landtages sämtliche Gewerbeschulen vom Staat aufgegeben werden sollen, fo sollen auch die Landwirtschafllichen Schulen bzw. die Landwirtschaftsämter, denen ja die Schulen angegliedert sind, staatlicherseits aufgegeben und der Landwirtfchaftskammer übergeben werden. Zugleich sollen, wie schon erwähnt, sechs Aemter mit ihren Schulen und archerdem 8 Assessoren abgebaut werden
Im Jahre 1920 beschloß der Landtag einstimmig eine Vermehrung der landwirtschaftlichen Schulen, well der Wiederaufbau des Staates von der Landwirtschaft kommen muß, weil eine Steigerungen der Pflanzen- und Tierproduktion nur durch eingehende Aufklärung der älteren Landwirte, also durch Wirtschaftsberatung, und die landwirtschaftliche Jugend nut durch berufliche Ausbildung in landwirtschaftlichen Schulen und 'nicht in Fortbildungsschulen möglich ist. Moltke . sagte: „Geht die deutsche Landwirtschaftzugrunde, 1 so geht das Deutsche Reich zugrunde, ohne daß f ein Schuß fällt" Den Wert einer auf wissenschaftlicher Grundlage beruhenden lanbwirtschaft- , lichen Ausbildung für die Volksernährung erläutern folgende Zahlen: Es betrug die Einwohnerzahl in Deutschland im Jahre 1816 25 Millionen, 1913 67 Millionen. Davon eritsielsn auf die landwirtschaftliche Bevölkerung 1816 70 Proz., 1913 28 Proz. Es muß daher vom einzelnen landwirtschaftlichen Betrieb dreimal mehr
Uonzert der
Bauerfchen Gesangvereins.
Die deutschen Männerchorvereinigungen sind aus dem Gemeinschaftstriebe herausgewachsen, getragen von zusammenschließenden Idealen. Diese Ideale versuchten, der Zeit das zu geben, was ihr fehlte: so muhten Zeiten politischer Depression das Vaterlandsgefühl aufleben lassen. (Die Wacht am Rhein erklang zuerst als Männerchor.) And wieder in der Gegenwart gehen alle Männerchöre einer neuen Blüteperiode entgegen.
And noch ein Band, was die Mitglieder eint, ist auch die Pflege der Geselligkeit. Ist doch der erste Anfang zur Gründung der „Liedertafel" ein Akt der Geselligkeit gewesen. (Im Jahre 1808 hatte man sich in Berlin zu Ehren des nach Wien reisenden Sängers Otto Grell zu- sammengeschlofsen, ein Jahr später entstand daraus die erste Liedertafel.)
Als Vereinigung von Männern ist diesem musikalischen Auswirken fein Kreis gezogen: nur das, was deut W^sen des Mannes entspricht, fein Verhältnis zur höheren Macht, zu Gott, zur umgebenden Ratur, zu den Mitmenschen in. ihrer Gemeinschaft als Vaterland und Volk, zum einzelnen als Freundschaft und Liebe. Das ist das Wirtungs'eld des Männerchors. Aller Weichlichkeit und süßlicher Sentimentalität muh er sich sernhalten: wohl dem Ehor, der diese Linie innehäit!
Aber auch feine Ausdrucksmittel Ureisen ihm den Weg. Richt alles läßt sich durch ben Kiang der Männerstimmen attsdrücken, auch da sind Grenzen. Aber das Erhabene. Hohe, Festliche, das Schlichte. Gemütvolle, Voltsliedmäßige und der Humor liegen ihm.
Als man die erste Liedertafel gründete, da waren die Anforderungen an den Einzelnen recht hoch, nur Komponisten, Dichter und Be- russsänger durften aufgenommen werden, ilnö er ft später, als die Männerchorbewegung weitere Kreise um sich schlug, da ging man mit den Anforderungen zurück. Damit wurde hie Bewegung auf eine weitere Basis gestellt, und, indem man die Musikpflege in weite Volkskreise trug und sie zur aktiven Musikplege anregte, wurde der Männerchor zu einer nationalen Kulturmacht.
Das Gefühl der Unterordnung unter einen anderen Willen, als Glied eines Ganzen zu seinem Teile am Gelingen mitzuwirken, das sind
erzeugt werden als früher und dabei fehlen jetzt die landwirtschaftlichen Gegendeir des Ostens. Dies kann nur geschehen durch intensive Bewirtschaftung, beruhend auf wissenschaftlicher Erkenntnis. Durch Einfuhr vom Ausland werden wir nur noch stärker diesem tributpflichtig.
Cs ist Aufgabe des Staates, die Arbeit der Landwirtschaf tsämker und ihrer Schulen zu fördern und nicht die Zahl derselben zu vermindern. Werden die Schulen vermindert, so wird der Schulbesuch erschwert, verteuert und dadurch
geschwächt. So hatte z. B. die landwirtschaftliche Schule in Alsfeld während 50 Jahren aus dem Kreise Lauterbach 80 Schüler, die die beiden Lehrgänge besucht haben. Im Jahre schickte daher der Kreis Lauterbach noch nicht einmal zwei Schüler nach Alsfeld.
Die Ersparnis durch Aufhebung von 6 Land- wirtschaftsämtern ist ga»rz gering. Die Leistung dieser Aemter und der Schulbetriebe kann volkswirtschaftlich gar nicht hoch genug angeschlagen werden. Caveant Consules!
Turnen, Sport und Spiel.
Aus dem 5. Bezirk im Turngau Hessen.
Veftrfs-Gerälewelturnen.
bpru. Bad-Nauheim, 15. März. Der 5. Bezirk veranstaltete gestern hier sein diesjähriges Hallenturnen. Es nahm unter der umsichtigen Leitung der Bezirketurnwarte Hartmann (Bad- Nauheim) und Lang (Langgöns) einen echt turnerischen Verlaus. Wenn auch die Vereine Steinfurth, Münzenberg, Rockenberg, Örüningen, Ober-Wöllstadt und Wölfersheim keine Wetturner entsandt hatten, war die Gesamtbeteiligung dach wesentlich besser als im Vorjahre, nahmen dach 252 Bewerber am Wetlurnen teil, das für aktive Turner ein Zehnkampf war, während für die Jugend-Oberstufe em Neunkampf, für die Jugend-Unterstufe und die edjüler ein Siebenkampf oargeschrieben war. Vom Gau Hesten waren Gauoberturnwart Wilh. Will (Gießen) und der 2. Gauvertreier, Redakteur Schneider (Butzbach), anwesend. Die gebotenen Leistungen waren durchweg recht gut. Ein Fortschritt war in allen Stufen gegen die vergangenen Jahre zu erkennen. Man kannte selbst bei den kleinsten Schülern schöne Hebungen bei guter Körperhaltung turnen sehen. Die Siegerverkündigung am Abend leitete der Bezirksvertreter, Studienrat Schuchmann (Friedberg), mit einer kernigen Ansprache ein, nachdem er Zu Beginn des Wett- turnens bereits beherzigenswerte Worte an feine Turner gerichtet hatte.
Aus der umfangreichen S i e g e r l i ft e bringen wir nachstehend einen Auszug, der in jeder Stuss die fünf ersten Sieger angibt und im weiteren noch die Preisträger nennt, die den im Kreise Gießen gelegenen Bezirksvereinen angehören:
Aktive Turner (29 Bewerber, 23 Sieger): 1. Sieger A. Richter, Tv. Rieder-Weisel, 163Punkle; 2. H. Witter, T. u. Spv. Butzbach, 153; 3. E. Dietz, To. Griedel, und 0. Sch.nahl, Tgm. Friedberg, 152; 4. W. Bauer, T. u. Spv. Butzbach, 149; 5. V. Wald- schmidt, Tv. 1860 Bad-Nauheim, und R. Faatz, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 148; 17. Hch. Jäger, Tv. Holzheim, 132.
Jugendturner-Oberftufe (27 Bewerber. 22 Sieger): 1. Sieger W. Fay, Seminar-T. u. Spielvg. Friedberg, 156 P.; 2. R. Gred, T. n. Sp. Butzbach, 154; 3. Otta Artz, Tv. Langgöns, 147: 4. E. Reinhardt, Tgm. Friedberg, und Ä. Sommer- lad, Tv. Ostheim, 145; W. Oehring, Tgm. Friedberg, und L. Müller, Tv. Griedel, 142; 11. Friedr. Röhrig, Tv. Holzheim, 131; 12. O. Müller, Tv. Birklar, 130; 13. Ernst Gasche, Tu. Mrischenheint, 128 Punkte.
Jugendturner-Unterstufe (52 Teil«., 34 Sieger): 1. Sieger Hrch. Reichhold, T. u. Spv. Butzbach, und Wilh. Dreier, To. Langgöns, 119 P.; 2. L. Böck, T. u. Spv. Butzbach, 116; 3. V. Wenzel, Tgm. Friedberg, 115; 4. O. Dietrich, Seminar- T. u. Spielvg. Friedberg, 114; 5. T. Rack, Tv. Dornassenheim, 110; 10. W. Dern, Tv. Langgöns, 104; 13. Hrch. Jung, Tv. Holzheim, Ernst Weil, Tv. Muschenheim, und Herm. Weil, Tv. Muschenheim, 100 Punkte.
Schüler (144 Bewerber, 130 Sieger): 1. Zieger Rich. Dreier, Tv. Langgöns, 133 P.; 2. 2V. Blaß, T. u. Spv. Butzbach, 130; 3. O. Törmer, Tv. 1860 Bad-Nauheim, 123; 9. Erwin Müll, Tv. Langgöns, 116; 18. Ernst Mattheis, Tv. Eberstadt, W. Römer, Tv. Langgöns, und A. Begk, To. Langgöns, 107; 19. A. van Diemar, Tv. Eberstadt, 106; 21. Eugen Beppler, Tv. Langgöns, und A. Ruth,
Tv. Langgöns, 104; 22. W. Fischer, Tv. Eberstadt, 103; 28. ^.Wentzel, To. Langgöns, und R. Wentzel, Tv. Langgöns, 97 P.
Sptelötreinigimg 1900 Gießen.
ö. Das für beit Werdegang des Vereins bedetllendste Treffen stieg am Sonntag in Wetzlar auf dem B. C.-Plahe. Die Gießener Vereinigung mußte auch in diesem Spiel nochmals auf die Mitwirrung zwei ihrer Vesten verzichten. Der Wetzlarer Platz befand sich in ganz annehmbarer Verfassung. Das Spiel der Ligamannschaften begann mit wechselnden Angriffen. Es entspann sich ein schneller, spannender Kampf. Beide Hüto' wußten zunächst unter Aufbietung ihres ganzen Könnens ihre Gehäuse reinzuhalten. Wetzlar hatte in der ersten Spielhälfte das Glück, durch Platzwahl mit dem Wiird int Rucken bergab spielen zu dürfen, konnte jedoch die zeitweise leichte Aeberlegenheit nicht in Torerfolge verwandeln. 'Bei besserer Schutzsicherheit der B. E.-Stürmer hätten sich leicht eins bis zwei Tore erzielen lassen, ins- befonbete, da in der ersten Hälfte die Giehener Verteidigung noch nicht aus voller Höhe war. Die Läuferreihe der Vereinigten arbeitete mit verdoppeltem Eifer und brachte den £ turnt immer wieder zum Angriff. Besonders gefiel das Spiel des Mittelläufers, der durch weite Vorlagen auf die Flügel hinten immer wieder entlastete. Der Rechtsaußen war in ausgezeichneter Verfassung, er gab wunderbare Flanken, aber nichts wollte bet Mitte zunächst gelingen, Wetzlar war noch auf dein Posten. Kurz vor der Pause schoß der Rechtsaußen von der Außen- iinie, schräg unter die Latte, zum schönsten Tor des Tages ein. Bald wurden mit 1:0 für Gießen die Seiten gewechselt. Jetzt hatte Gießen Me bessere Seite. Dies merkte man bald. D. E. ließ sich reichlich viel im eigenen Strafraum zusammcndrücken. Das Spiel wurde schärfer. 1900 erzielte nach schöner Flachkombinativn den 2. Treffer, dem einige Minuten später aus einem prachtvollen Eckball L'cS Rechts außen der 3. Erfolg angcreifit wurde. Gin Elfmeter brachte das 4. und letzte Tor für Gießen. Wetzlür hatte mehrmals in höchster Bedrängnis im Strafraum mit bcc Hand abgewehrt. Rur einmal verhängte der Schiedsrichter den bereits erwähnten Elfer. Inzwischen lief die Gießener Hintermannschaft zur großen Form aus, damit alle Wetzlarer Tvr- boffnungen zunichte machend. Rur allzubald beendete der nicht überragende Schiedsrichter das mit Temperament durchgesührte Spiel. Resultat: 4:0 siir Sp. Vgg. 1900 Gießen.
Vorher spielten die L i g a r e f e r v e Mannschaften. Wetzlar durchweg ältere, stämmige Leute. Gießen alles junge, technisch gutdurchge- bilbete Spieler, die auch vom Anbeginn an das Feld beherrschten. Rur mangelndes Schuhvermögen und Aengsllichkeit vor dem körperlich stärkeren Gegner verhinderten eine hohe Rieder läge WehlarS. Lediglich ein Elfmeter, wegen regelwidrigem Anspringen verhalf zum l:0-Sieg der Gießener.
Die 3a-M a n n s ch a f t muhte sich von Herborns 2. eine 2: l-Riederlage gefallen lassen, nachdem sie noch 10 Minuten vor Schluß nach durchweg überlegen geführtem Spiel mit 1:0 im Bor teil war. Schuld daran tragen nur zwei Spieler, die den Zug versäumten, so daß in Herborn nur neun Gießener Spieler zur Stelle waren.
Momente, die sich im Leben des Staatsbürgers wieder fruchtbringend ausstrahlen können.
Solch eine Machtstellung schließt aber auch Pflichten in sich, Pflichten der Allgemeinheit gegenüber. Richt nur, die Mitglieder sollen an dem musikalischen Leben Anteil haben (und mag er auch noch so viele „passive" Mitglieder zähien), auch für weitere Kreise soll er wirken, vorausgesetzt, baß seine Leistungen nicht hinter den Idealen zurückbleiben. Die meisten Chöre kommen dieser Pflicht nach in den Aufführungen und geben gleichzeitig damit der Vereinsarbeit ein festumrissenes Ziel.
Von zielbewuhter Arbeit zeugte das Konzert des Bauerfchen Gesangvereins; von starkem Willen zur 'Betätigung spricht die Zahl der aktiven Sänger, von der geleisteten Arbeit der Erfolg. Die Werke, die sich dieser Chor zur Ausgabe gestellt hatte, gehörten nicht zu den leichtesten der Literatur. Allerdings birgt dieser Verein in seinen Reihen eine reiche Zahl schöner voller Stimmen, besonders in den wichtigen Arihenstimmen; und so war schon von vornherein ein runder gesättigter Klang gewährleistet. Dazu die Arbeit des umsichtigen Dirigenten, Herrn Otto Görlach, — es muhte gelingen. Das Forte erklang frisch und strahlend, auch in höchster Höhe. Das Piano weich und rund, weitere zielbewusste Arbeit wird in manchem noch mehr abtönen können. Die Tenaussprach^ war sehr artikuliert und deutlich, man konnte bequem ohne den Text auf dem. Programm nuskonnnen, jedoch sollte die deutliche Aussprache sich nicht auf Kosten des Klanges vollziehen.
Gewiß, in nnfSrer deutschen Sprache find die Konsonanten oft die Feinde des Klaiwcs. aber Singen ist nun einmal nicht ohne den Ton denkbar (z. B. von dem „i“ in 'Morgenttcht hatte man tonen klanglichen Eindruck). In hochdeutschen Texten sollte man dialektische Abweichungen vermeiden iz. B. „wie uns scheint").
Die einzelnen Gesänge hatte man mit lieben-- der Sorgfalt ausgearbeitet, und bei bet Auswahl war man den oben erwähnten Klippen entgangen. Kreutzers „Märznacht" mit seiner Finihlings- realistik wurde sehr charakteristisch durchgeführt; „Feldeinsamkeit" (E. Wendel) gab mit seinen Pionostellen von hoher Klangkultur Zeugnis. Heuser hat in „(Sine Wiese voll Margueriten" den Stimmungswechsel wohl getroffen, aber die Art der Vertonung erscheint zu konventionell, gesungen ivvrde das Lieb vortrefflich: ebenso wie Simon Breus „ Frühling am Rhein", bas zündend wirkte. Kau ns „Ouartettchen" ist ein Stückchen intimer Kleinkunst, das recht fein pointiert vor
getragen wurde. Die Hauptdomäne des Männergesanges, das Volkslied, hätte noch zahlreicher vertreten sein können. Den Höhepunkt her chori-- schrn Leistungen stellte das „Morgenlied" von Julius Rieh bar. Was der Verein da bot, war prächtig; «die vorzüglichen Solostimmen im Wechsel mit dem Chor, es war eine Freude, das zu hören.
Lim Abwechslung in die Reihe der Chöre zu bringen, teils aber doch wohl auch, um den Chormitgliedern ein erstrebenswertes Ideal vorzuführen. hatte man Herrn Konzertsänger Hans Schuberth-Meister (Tenor) aus Chemnitz verpflichtet. Herr Schuberth-Meister besitzt von Ratur aus recht erfreuliche Stimmittel; nur kommen diese nicht voll zur Entfaltung, weil eine knö- dellge -Unfreiheit des Halses die Bildung dunkler Vokale besonders erschwert. Die ständig nach rechts schiefe Mundftettung bestätigt diese Hemmung auch äußerlich. Gfr hatte sich Lieder von Schubert. Schumann und Hugo Wolf erwählt und sang sie auch mit Geschick, ^e^■)r hätte sich seine Gestattungsgabe sicherlich entfaltet, wenn er nicht so stark vom Rotenblatt abhängig gewesen wäre; denn daß er vorzutragen versteht, das zeigte er an den Liedern von P. Geilsdorf. Rur hätte man sich an Stelle dieser nicht sehr in die Tiefe gehenden Gaben eine andere Auswahl wünschen mögen; unsere so reiche Giteratnr bietet doch genug heitere Lieder, die musikalisch höherwertig sind. Herr Otto G u t j a h r - Gießen begleitete mit Geschmack, an einigen Stellen jedoch zu diskret.
Den Abschluß gab R. Hoffmanns: „Wieland, Schmied", für Chor mit Bkasorchesterbeglei- tung (Milglieder der Kapelle des 1. (Hess.) Btt., lh. Inf.-Rgt ). Die Welt ter alten Sagen wird durch eine stellenweise an R. Wagner gemahnende Musik, die aus der „Rot und Rach:" unserer Zeit emporgewachfen ist, charakteristisch belebt, und stellenweise ist dieser Chor von so starker Wucht und zwingender Kraft, daß er von vornherein zum Masfenchor prädestiniert erscheint. .Und mit welcher Begeisterung erklang er. Chor und Orchester überboten einander, ein Höhepunkt vaterländischer Stimmung! „Laßt stark und stehn in Tkvt und Leid, in Bruderliebe und Einigkeit, dann bezwingen wir Schicksal und Zeit!" (W. Ofchmann, „Wieland, der Schmied"). - in—
Frankfurter Theater.
Im Schauspielhaus gelangte „Regen" (Rain-, ein Schauspiel van Colton und Rande l p h zur Aufführung. Es handelt fid) um die bühnenwirksame DraMatisietung einer Dbjöelle W. S. Maughams. Diese Novelle muß unbedingt ftnrl
Die 3b-M annschaft hatte auf dem hiesigen Universitätsplatz die 1. Mannschaff von Saubringen zu Gast und fertigte diese mit 4:2 ab. Zwei weitere von Gießen erzielte Tore gab der in seinen Entscheidungen sonderbare Pfeisenmann nicht.
Die la-I u g e n d fertigte im Meisterschaftsspiel die gleiche von Dillenburg mit 1:0 Toren ab. Lediglich ein Elfmeter verhalf zu diesem Resultat. Der Gegner verlegte sich von Anfang bis zu End« auf die Taktik des Mauerns. 1900 hatte zwei gute Spieler ersetzt.
Die ld°Iugend kehrte vom Spiel gegen die 1. Jugend Herborns mit einem 1:0-Sieg nach Hause zurück.
Die 23-Iugend fertigte im Meisterschaftsspiel den Ortsrivalen V. f. B. Gießen 2. Jugend 7:0! ab. trotzdem der Spielführer, wohl der beste Mann, infolge Krankheit fehlte.
Rur noch der Benjamin des Vereins, die neugegründete 2K-J u g e n d. mußte in der Feuerprobe gegen die körperlich weit stärkere 1. Iu- gendmannschaft Lollars eine 1:2-Riederkage einstecken. Zum Unglück verhalf ein Eigentor dem Gegner zu den Siegeslorbeeven.
Wetzlarer Sportbericht.
tz. Am Sonntag war in Wetzlar ein Spielbetrieb, wie man ihn seit langem nicht mehr erlebt hatte. "Nachdem am Samstagabend der Werbeabend des Turnvereins mit Erfolg durchgeführt war (siehe Bericht an anderer Stelle dieser Ausgabe), starteten am Sonntag sämtliche Rasensportvereine mit allen verfügbaren Kräften. Den größten Spielbetrieb hatte der Ballspielclub 1910 aufzuweisen, der in Wetzlar auf eigenem Platz allein mit 4 Mannschaften tätig war. Die Liga hatte zum ersten Male die Vereinigte S. V g. 1900 Gießen zu Gaste, die sich gleich sehr gut ein- sührte, und deren Ligaelf durch ihr Zusammengehen Der beiden alten Vereine entschieden gewonnen hat; nicht nur das, sondern auch das Spiel gewannen die Gäste verdient 4:0, 1900 spielte sehr eifrig und auch körperlich. Offenbacher war bei "ihnen der beste Mann und leistete auf feinem Torhüterposten Vorzügliches. Im übrigen war das Spiel offen, ohne daß sich aber der B. C. im Strafraum durchsetzen konnte. B. C.s Sturm verstand sich nicht und mu&, wenn er in Zukunft erfolgreicher fein will, feinen Angriff neu aufbauen. Die vier Tore der 1900er waren z. T. sehr schön, insbesondere das von Mb. Jr. n v von rechtsauhen erzielte. Krall im B. C.-Tore zeigte sich ebenfalls von feiner besten Seite, war aber gegen die Torerfolge der 1900, die z. T. aus nächster Nähe ein- gebrüdi wurden, machtlos. Der Schiedsrichter Flick, F. C., tonnte mcht besonders gefallen. Er schien zu ängstlich, um gegen das körperliche Spiel energischer durchzugreifen.
Die unteren Mannschaften des B. C. spielten: 2. Mannschaft gegen 1900 2. 0:1. Die Gäste gewannen durch Elfmeter. 3. Mannschaft gegen Aßlar 1. 2:3, und B. Cs trat nur mit 8 Mann an und verschenkte so den Sieg. 1. Jugend gegen V. f. B. Gießen 1. Jugend 3:0. Ein feiner Erfolg. der Wetzlarer.
Der Fußball-Club 05 spielte sein Gesell- schaftsruckspiel Dillenburg gegen die wieder vereinigte Elf der "beiden Dillenburger Vereine und siegte mit knapepn 3:2 Toren. Die Dillenburger, die auf ihrem ausnehmend kleinen Platz besonders gut eingespielt find, leisteten hartnäckigen Widerstand. Das Spiel stand im allgemeinen im Zeichen der Ueberlegenheit des W. F. C., bis auf die ersten fünf Minuten, in denen D. stark drängen konnte, ohne aber zuerst zu einem Erfolge zu kommen. 2tts Wetzlar bereits 3:1 führte (Benner, der sonst ausgezeichnete Verteidiger, lenkte einen Eckball ins eigene Tor), kamen die Dillenburger durch einen verwandelten Eismeter zu ihrem zweiten Erfolg und hätten um em Haar gleichgezogen, wenn nicht der Wetzlarer Torhüter einen Durchbruch des Dillenburger Mittelstürmers im letzten Augenblick durch Herauslaufen geschickt pariert hätte. — F. C. 2. gegen Dillenburger 2. 3:3. Hier schoß Rinker alle drei Tore für den F. C. — Die Handballmeisterelf des F. E. schnitt, wie bereits in der gestrigen Ausgabe berichtet, in Barmen erfolgreich ab.
und fesselnd sein, denn ihre handelnden Personen werden ungemein lebendig im Scheine der Rampenlichter und die der Novelle zugrunde liegende Idee ist tragfähig genug, ein Schauspiel anzu spannen und auszufüllen. Der Ort der Handlung ist die Insel Tutuila in der Südsee. Im Hasen von Pago-Pago landen fünf Personen, zwei Ehepaare und eine recht ausgelassene Dame. Auf dem einen Dampfer ist Cholera ausgebrochen, deshalb darf das Schiff bett Hafen nicht verlassen, man muh in dem einzigen „Hotel" der Insel, in dem Gasthofladen des Kaufmanns Joe Horn, der mit einer Eingeborenen verheiratet ist, die Zeit der Quarantäne abwarten. Zum Unglück beginnt auch noch die Regenzeit, unaufhörlich regnet es. Die Reisenden Reverend Alfred Davidson und Frau, Dr. Mac Phail und Frau, sowie Sabie Thompson müssen unter einem Dach verweilen, so sehr sich auch der Missionar und feine Frau über bas Benehmen dieser Sabie entrüsten. Davibson sucht Sabie, bic bereits mit bem auf ber Jnfel stationierten Marinekorps auf gutem Fuße steht, ben ganzen Tag Grammophon spielt, zu bekehren; er hat erkannt, baß sie aus dem übelsten Viertel von Honolulu burchgegangen ist. Er, ber ein Fanatiker ist, will sie mit allen Mitteln zur Buße bringen, er geht bis zum Gouverneur unb fordert ihre Deportation nach San Franzisko, wo auf Sabie bas Zuchthaus wartet. Das Mäbchen tobt und schreit unter bieser Seelenmarter; zuletzt ist es vollständig gebrochen, ba ihr niemand gegen bissen Glaubenseiferer helfen kann. Da, in ber letzten Nacht vor ber Deportierung, klopft Davibson roieber an bie Tur ber Miß — der nächste Morgen findet ihn mit durchschnittener Kehle am Strande, Davidson hat nach diesem Irrtum seines Lebens die Bilanz gezogen. Der Regen hat aufgehört unb im Sonnenschein wirb Sabie eine anbere Rsiserou-te nehmen, als bie nach Frisko. — Weicherts Regie waltete inhaltsvoll über dem interessanten Stoss unb wußte bie Darstellung sich künstlerisch auswirken zu lassen. Im Dorber- grunb stanb Rene6 Stobra was Sabie; sic spielte nicht im expressionistischen Bühnenstil mit verlogener Exaltation, fonbern war einfach, trieb; haft, gesund. Es bedeutet wirklich eine Freude, die Künstlerin nach längerer Abwesenheit wiederzusehen. Ihr Gegenspieler war Robert Taube, der den Religionsfanatiker mit zäher Eindringlichkeit charakterisierte. Ganz prächtig in einer kleinen Rolle Ftttz Odemar als Arzt, Leontine Sagau inter effant wie immer. Die Aufführung wurde äußerst beifällig ausgenommen, uno am Schlüsse mußten Weichert iind feine Getreuen zu wiederholten Malen dem Riffen br.- Publikums auf bic Buhne sollen.


