Ein italienisches Siegesdenkmal in Bozen.
Rom. 12. 3ult (WD.) Dei der heute vormittag anläßlich der Eröffnung des 6. Kongresses der italienischen Kriegsinvaliden erfolgten Grundsteinlegung zum Italienischen Siegesdenkmal hielt der älntercichtsminister in Gegenwart des Königs eine Rede, worin er das künftige Denkmal als Zeichen des unerschütterlichen Willens Italiens feierte, das von der Sicherheit seiner Grenzen überzeugt sei. ilnfer Geist, so führt er u. a. aus, dem das lateinische Gefühl für Recht und Billigkeit innewohnt, wird nicht verdunkelt durch trübe Träume, worin andere schon Hermann den Cherusker gesehen haben wollen, wie er die Legionen Roms schlägt. Riemand kann uns ohne offenes ^lebelwoften kulturwidrige Absichten zuschreiben. Roni ist im vollen Bewußtsein seiner Rechte und seiner Mission zwischen den allen und neuen Völkern Europas voller Achtung für jede Kultur und für jede Tradition. Innerhalb der Grenzen, wo sich die römischen Adler niedergelassen haben, müssen sich aber alle dem gerechten Gesetz beugen, das das Siegel der Tradition und der Geschichte der Kraft und des Rechtes trägt
Rach Cinmaueruisg der Urkunde begab sich der König in Begleitung des Senatspräsidenten und des Kammerpräsidenten in die älnterpräfek- tur. wo ihn Abgeordnete der Bürgerschaft begrüßten. Rach dem Vorbeimarsch eines Festzuges mit Abordnungen der Kriegs in validen, der Kriegsteilnehmer und fasziftischer Organisationen trat der König in der Mittagsstunde wieder die Rückreise nach Rom an.
Der Empfang des Königs in Bozen hatte den Charakter einer rein italienischen Feier. Militär, faszistische Miliz und Beamte beherrschten das Bild der Stadt. Die Generäle Cadorna und D i a z, die gemeinsam mit großem Stabe die schweizerisch-tirolerische Grenze bereisen, waren gleichfalls anwesend. Während die deutschen Abgeordneten und sonstigen führenden deutschen Persönlichkeiten Südtirols zu den Feiern nicht eingeladen waren, wurden deutsche Abordnungen von Vereinen, in erster Linie Musikkapellen zur Teilnahme am Fest- zuge gezwungen.
Die englische Rohlenkrifrr.
London, 12. Juli. (Sil.) Zum erstenmal wurden heute die englischen Gruben Wieder für die Arbeiter geöffnet. Die Arbeiter haben jedoch der Aufforderung kaum in nennenswertem Umfange Folge geleistet. Die Führer der Bergarbeiter und Vertreter der Arbeiterparteien . entfalteten während des Wochenendes in allen Teilen des Landes eine lebhafte Propaganda. Sie forderten die Bergarbeiter auf, so lange im Streik zu verharren, bis ein nationales Lohnabkommen erreicht worden sei und sich nicht von den Angeboten der Dcrgwerksbesiher verkochen zu lassen. In London ist die Meinung vorherrschend, daß kaum mit einer baldigen Rückkehr der Arbeiter auf Grund der jetzigen Bedingungen zu rechnen sei. Man ist vielmehr der Ansicht, baß die neue Phase die Führer der Bergarbeiter veranlassen wird, neue Verhandlungen auf der Grundlage des Berichtes der Kohlenkommission aufzunehmen. In unterrichteten Kreisen glaubt man, bereits gewisse Anzeichen in dieser Richtung beobachten zu rönnen. Don besonderer Bedeutung ist im Augenblick die Frage der Rotstandsarbeiter, die in verschiedenen Grubenbezirken aufgefordert wurden, an Stelle der bisherigen sieben Stunden acht Stunden zu arbeiten. Dieser Aufforderung wurde nirgends nachgekommen.
Ein Ermächtigungsgesetz in Belgien.
a r t i k e l n aller Art zu treffen. Der Ministerrat hat die vom Schatzamtskomitee gemachten Vorschläge über die Erzielung von Ersparnissen bei den öffentlichen Ausgaben bestätigt. Die Eisen- bahngütertarifc sollen um 10%, die Sondertarife um 20% erhöht werden.
Die Minister für Industrie und Landwirtschaft werden morgen die Müller und andere Beteiligte zu einer Besprechung einladcn, um eine Ausmahlung des Getreides von 82% herbeizuführen, wodurch täglich eins halbe Million Frauken in der Getreideeinfuhr erspart werden würden. Ferner, sollen in der Besprechung Maßnahmen betreffend die Ausfuhr von Getreide, Mehl, Jucker und Kohle besprochen werden. 3m Finanzministerium fand nach dem Ka- binettsrat eine Konferenz von Bankiers statt, wobei der Finanzminister anwesend war. Die Bankiers sind sich darüber einig, der Negierung Unterstützung angedeihen zu lassen und ihr bei den Maßnahmen beizustehen, welche sie für notwendig erachte, um eine Stützung des Franken sicherzustellen.
Aus aller Welt.
Ein Reiferekord.
Die amerikanischen Weltreisenden Wells und Evans, die die Erde in einer Rekordzeit zu umreisen versuchen, sind, nachdem sie nach Anlunft in Deutschland in einem Sonderflugzeug der „Deutschen Lufthansa" von Magdeburg nach Königsberg und von dort mit einem Flugzeug der „Deruluft" nach Moskau gelangt waren, in einem russischen Junkers Flugzeug unter Führung des Piloten Kophloff nach Omsk gestartet. Rach einem elfstündigen Dauerrekordflug über 1120 Kilometer erreichten sie Krasnoufimsk. Von dort geht der Flug weiter nach Omsk, um dort den Expreßzug nach C h a r- bin zu erreichen.
Tödlicher Absturz im Hollental.
Freiburg, 12. Juli. Gestern nachmittag ist der bekannte Freiburger Sportsmann und 1. Vor sitzender des Freiburger Ausschußes für Leibesübungen Dr. Tauern bei einem Kletterversuch am Paulkefelsen (Hirschsprung) abge stürzt. Dem Vernehmen nach soll der Verunglückte ohne Seil den schweren Anstieg gewagt haben. Andere Meldungen besagen, daß das Seil gerissen sei. Dr. Tauern stürzte aus beträchtlicher Höhe ab und wurde in schwerverletztem Zustande in ein Auto getragen, das sich auf der Fahrt durch das Höllental befand. 3n der Chirurgischen Klinik zu Freiburg ist Dr. Tauern im Laufe des Abends seinen schweren Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.
Ein Faltboot gekentert.
Auf einer Faltbootfahrt auf der hochgehenden Elster, die zwei Gymnasiasten unternommen hatten, kenterte das Boot. Einer der beiden, ein 18jähriger Gymnasiast, wurde von dem Strudel in die Tiefe gezogen und ertrank.
Ein Eisenbahnunglück verhütet.
Der Schnellzug Domodossela-Mailan d entgleiste Sonntaguachmittag am Laggo Maggiore in der Nähe von Arona. Der Fug fuhr etwa 400 Meter mit 70 Kilometer Geschwindigkeit außerhalb des Gleises und drohte den Abhang hinabzu- st ü r z e n. Der Reisenden bemächtigte sich eine Panik. Dem Lokomotivführer gelang es jedoch, den Zug noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen und eine Katastrophe zu verhüten.
Beim Fischfang ertrunken.
Beim Fischfang schlug ein mit drei Fischern aus Oberlahn st ein besetzter Fischerkahn bei der Löhnberger Mühle um. Zwei der Fischer konnten sich retten, während der dritte, ein pensionierter Lokomotivführer, in den Fluten versank.
Rene Erdstöße auf Sumatra.
3n Padang und Pandjcmg wurde ein neuer heftiger E r d st o ß wahrgenommen. Aus Fort de Koch wird berichtet, daß von einem fahrenden Eisenbahnzug infolge Erdoerschiebungen acht Wagen entgleisten, wobei zwei Eingeborene getötet, einer schwer und drei andere leicht verletzt wurden.
Aus dem Fenster gestürzt.
Fennel und HegenbarLH im Oberhefsischen Kunstverein.
Die am vergangenen Samstag eröffnete Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins bringt in sauoerer Ordnung eine wohlproportionierte Anzahl von Werken des Malers Friedrich Fen- ncl und des Graphikers Joseph Hegenbarth. So wohlklingend der Zusammenschluß der beiden Ramen in ihrer Lautverbindung, dem Ausmaß und Aufeinanderfolgen der Silben auch empfunden werden mag. so selbstverständlich, so künstlerisch begründet die Zusammenstellung der Bilder in ihrer farbigen Gesamtheit auch berührt, so abgrundtief ist der Unterschied, der die beiden Künstlercharaktere voneinander trennt.
Dieser Unterschied ist nicht nur zurückzuführen auf den Gegensatz der Generationen — der Allersabstand beträgt nur die mittlere Zahl von 12 Jahren — oder auf eine eventuelle Distanz innerhalb des künstlerischen Könnens er scheint vielmehr vor allem seinen Ursprung zu finden in dem grundverschiedenen Milieu, dem inneren Gegensatz der Volksgemeinschaften, dem die beiden Künstler als Manschen entstammen. Kennel ist Hesse, Hegenbart/H ist Oesterreicher.
Fennel wurde im August 1872 zu Wehlheiden m Rieder Hessen geboren. Gr war ursprünglich Glasmaler. Erst später kam er auf die Kasseler Akademie. Ausländische Studienjahre verbrachte er in Italien und hauptsächlich in Paris. Die Reifezeit seines Schaffens verlebte er wieder in Kassel, wo er auch im Februar vorigen Jahres starb. Hegenbarth wurde Un Juni 1884 zu Kam- nitz in Böhmen geboren. Eine legitime Studien- -.eit verbrachte er ledig/.ich an der Dresdner Akademie.
Es ist nun außerordentlich lehrreich, zu er- kc nnen, wie der ältere Hesse haften bleibt an dem Erdboden, aus dem er hervorgewachsen ist, wie ertrotz seines, dem Oesterreicher gegenüber wesentlich kosmopolitischeren Studienganges sich eng abschließt gegen den Kontakt mit dem Kunst- geschehen in der großen Welt, wie er die in fernen Iugendjahren im Ausland gewonnenen
Brüssel, 12. 7. (Havas.) Der Ministerrat hat heute nachmittag die Finanz- und Währungslage einer eingehenden Prüfung unterzogen. Es wurde u. a. beschlossen, morgen dem Parlament einen Gesetzentwurf vorzulegen, der dem König auf die Dauer von sechs Monaten die notwendigen E r> mächtigungen zur Regelung aller Fragen des Notenumlaufs, der Anleihe und der Lebensmittelund Rohstoffversorgung sowie des Betriebs und der Speisung des Amortisationsfonds erteilt. Der Finanzminister wurde beauftragt, Maßnahmen zur Einschränkung des Verbrauchs von Luxus-
Jn N e u ft a d t a. d. H. siel eine wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus untergebrachte Frau aus einem im zweiten Stock gelegenen Fenster auf den Hof und war sofort t o t. Die Verunglückte erwartete den Besuch ihrer Angehörigen und scheint sich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben, wobei sie das Gleichgewicht verloren haben dürfte.
Wettervoraussage.
Meist heiter, lokale Gewitterneigung, sonst trocken und tagsüber sehr warm.
Anregungen wohl aufnimmt und zu einer Art eigenem Stil zusammenschweißt, niemals aber in Versuchung gerät, den die Zeit bewegenden formallünstlerischen Problemen nachzugehen, sie weiter zu entwickeln und rückwirkend das internationale Kunstgeschehen befruchten zu wollen. Stärker als die Liebe zur Kunst scheint in ihm mitunter die Liebe zum Gegenstand und zur Idee der Heimat. Seinen Stil, der sich aus ziemlich eindeutig zu bestimmenden Elementen zu- sanunensetzt, unter denen wahrscheinlich in Frankreich auf genommene pointilistisch-impressionistische, «u wohlanständig leichtfaßbarem körperlichen Punktwerk verdichtet, bisweilen besonders hervortreten, legt er über jedes Ding, das zu malen er itd) vorgenommen, gleichgültig, welche eigenen formbestimmenden Werte in ihm enthalten sind.
kommt es, daß seine italienischen und fran- zosischen Landschaften weniger durch ihre verschiedenartige in der Atmosphäre des Obiekts begründete Stimmung erkennbar sind, als durch die auf ihnen dargestellten Pinien, Lorbeerbämne. Tempelruinen und frcmzösisch- gotiscyen Kathedralen, ivelch letztere als solche zu bestimmen für den kunsthistorisch ungeschulten Laien Mit einigen Schwierigkeiten verbunden fein Este. Indessen ist Fennel ein Maler von Wert, nr t! • ^lne Größe ersten Ranges, aber seine mu a* durchweg gut, niemals ganz
schlecht nut wenig Ausnahmen, zu denen be-
? ewige Figurenbilder zu zählen sind, aus denen sich falsche Proportionierung mit L.lc5lö,cr Farbengebung und unverarbeiteter Lichtbehandlung verbindet. Sehr hübsch, wenig- stens von wohltuend einheitlich durchgeführter Stimmung und bravem technischen Können sind
L^^Hchbrn nut Dauerngruppen und Schafherden. Reizvoll, besonders in kompositto- RUnS’ Ä. c2nc Landschaft, betitelt „Riederheslische Landstraße mit Kornfeld", welche ber ileberfteigerung der Gröhe des Kornfeldes gegenüber der Landstraße wegen, worin gerade der künstlerische Reiz beruht, besser Kornfeld mit niederhessischer Landstraße" genannt worden wäre. Zwei in blau-feuchten Dämmer getauchte
Aus der provinMiyauWM.
Gießen, den 13. Juli 1926.
Kirschen.
lieber 2000 Fahre sind verflossen, seit der ttirsch- baum von Kleinasien nach Europa herüber kam, seine Früchte, die zuerst nur den verwöhntesten, reichsten Feinschmeckern zur Verfügung standen, sind längst jedermann zugänglich geworden, ja sie beherrschen jetzt in den Sommermonaten das Stadtbild. Aus den Schaufenstern locken die Körbe und Berge in allen Farben von rot und gelb. Hoch türmen sie sich auf offenen Straßenwagen, und die Kinder und Erwachsene schmausen überall, aus Tüten und Händen.
Kirschen sind so recht Früchte für Kinder. Ich ent- sinne mich noch genau, wie wir uns in meiner Jugendzeit die Zweier und Dreilinge über die Ohren hängten und uns mit diesem lustigen Schmuck wunderschön vorkamen. Einmal hatte ich ein besonders schönes Paar solcher Ohrringe, als ich mit meinem Bruder in Streit geriet; er wollte mir meinen Schah entreißen. Eilends schob ich ihn in den Mund, und schluckte in der Aufregung die Kirschen mit den Kernen herunter. Erschrocken stand ich da - es war uns streng verboten, Kirschkerne zu schlucken, ftrenger noch, als sie auf die Straße zu werfen - und da sagte mein Bruder strafend: „So, nun wächst dir ein Kirschbaum im Magen!" Ich weinte so bitterlich ob dieser gräßlichen Aussicht, daß er sich wieder mit mir versöhnte und tröstend meinte, immer geschähe es ja nicht, nur manchmal, und ich könnte doch Glück haben. Ich hatte es auch.
Gestern beobachtete ich eine hübsche kleine Szene: Ein alter Mann zog in einem plumpen Wägelchen, mehr einer Kiste auf Rädern, ein kleines Mädchen hinter sich her. Er war schon sehr alt, und schleppte sich müde und gebückt dahin. Die Kleine sah blaß und schwächlich aus und aß langsam und ernsthaft von einem Stück trockenen Brotes; vor einem Stand mit Kirschen hielt der Alte einen Augenblick an, sah verlangend auf die appetitlichen Früchte, schüttelte dann den Kops und zog weiter. Ein junges Mädchen, das eben eine große Tüte Kirschen gekauft hatte, sah auch auf die armselige Fuhre, legte mit lieblichem Lächeln dem Kinde die Kirschen auf den Schoß und entfernte sich schnell. Erst nach geraumer Zeit hörte der Alte die Zurufe der Kleinen, sah mit Staunen den unverhofften Reichtum, kauerte sich dann mit auf den Wagen, und beide ließen sich's wohl schmecken.
Ich weiß nicht, wie viele Sorten Kirschen allmählich entstanden und gezüchtet sind, und welche als die feinsten und kostbarsten gelten. Aber das ist sicher: am schönsten schmecken die, die man sich selber vorn Baum pflückt, sonnenwarm, hell, dunkelrot oder golden aus dem Grün uns entgegenleuchtend - aber gerade diese allerschönste Sorte ist den meisten Städtern versagt. E. D. M.
Gießener Wochenrnarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochemnarkt: Butter 180 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 30, Weißkraut 30, rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkohl 10, Dohnen 50 bis 60, Erbsen 17 bis 25, Mischgemüse 12 bis 15, Tomaten 60 bis 100, Zwiebeln 25, Rhabarber 15, Pilze 40, Kartoffeln, neue 10 bis 12, alte 5, Dirnen 30. Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 20, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 80, Himbeeren 60, Walderdbeeren 80, Honig 40, junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf.: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 100, Salat 4 bis 10, Salatgurken 30 bis 60. Ober-Kohlrabi 15, Rettich 10 bis 12 Pf. das Stück: Radieschen Bd. 10 Pf.; gelbe Rüben Päckchen 15 bis 20 Pf.
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** 25 Jahre im Gießener Polizeidienst. Am 11. Juli konnte Polizeikommiffar Wilhelm Schmidt auf eine 25jährige Tättgkeit im Polizeidienst zurückblicken. Während dieser Zeit gehörte er ununterbrochen dem Polizeiamt Gießen an. Er hat sich durch seine Kenniniffe, seine Pflichttreue und sein entgegenkommendes Wesen das Vertrauen seiner Vorgesetzten und seiner Untergebenen, sowie des Publikums erworben.
** Der Leich enfund im Gioßen-Lin- dener Gemeindewald aufgeklärt. Die Bemühungen der Gerichtskommission zur Aufklärung des gestern gemeldeten Leichenfundes im Gemeindewald von Großen-Linden haben bereits gestern zum vollen Erfolg geführt. Der Tote wurde als der 75 Fahre alte Wilhelm Loh aus Langendernbach (Kreis Limburg) festgestellt. Der Mann war in der Gießener Heil- und Pflegeanstalt untergebracht, von wo et sich Anfang Fuli entfernt hatte. Nach Feststellung des Ortsbefundes wurde die Leiche zum Fried-
Abendlandschaften „Alte hessische Mühle" und „Kornfeld am Abend", vielleicht frühere Arbeiten des Meisters, fallen durch ihren ausgesprochen vorpleinäiristifchen Stil und auch qualitativ nicht zu ihrem Rachteil aus dem Rahmen der übrigen Produktion heraus. Ebenso zeigt eine Ansicht von Gieselwerder an der Lahn in der Modellierung und dem Ineinanderübergehen der Farbenkomplexe eine sonst nicht wiederzufindende, schummerig-sanft verwischende Weichheit, die dem Auge aus dem grell-heiteren Einerlei ewiger, sonnbeschienener Wiesentäler, wenn auch nur vorübergehend, willkommene Ruhe gewährt.
Hegenbarth ist demgegenüber durchaus Vertreter zeitgenössischen Kunst- und Kulturbetriebes. Los- efo weit als möglich aus jedem naturhaft ständig begründeten landschaftlichen Zusammenhang, kennt er lediglich Bindungen rein geistig- intellektueller Art, wie sie sich von Großstadt zu Großstadt, von Zentrum zu Zentrum spannen. Indessen sind auch bei ihm gewisse Eigenheiten seines Stils allein aus einem, wenn auch nur schwachen Auswirken spezifisch österreichischen Volkstemperaments heraus zu erklären. Die Themata der gegenwärtig zur Schau gestellten Aquarelle sind durchweg dem Kaffeehausleben, den Theatern, Tingeltangels, Varietes, Revuen, Bars und dem Zirkus entnommen. Die Art der Darstellung geht zunächst auf dekorativsinnlichen Augen reiz unter starker Betonung der rhythmischen Anlage des Linienverlaufes und der Verteilung der Farbflecke. In zweiter Linie interessiert den Künstler erst die Charakteristik des Seelischen, sowohl in der Wiedergabe der Physiognomien, wie in der Gestaltung des einzelnen Umrisses. Der unmittelbare Stimmungsgehalt des Dargestellten wird meist übertönt durch die ihrerseits jedoch außer- ordentlich feinnervig ausgefeilte dekorative Wirkung der Gesamtanlage. Indessen sind auch Blätter vorhanden, bei denen gerade die Atmosphäre eines Augenblicks, eines Milieus, der Geruch eines unbewegten Geschehens mit anspruchsloser Selbstverständlichkeit ohne Virtuosenhafte Garnitur präsentiert und mit packender Eindeutigkeit klar gemacht wird, so bei einem Kaffeehausbild mit großen, wäßrig- blau angelaufenen Spiegelscheiben an den Wän-
hof in (ßroDen«£linben verbracht, wo die Sektion vorgenommen wurde. Dabei ergab sich, daß der Mann eines natürlichen Todes infolge hochgradiger Arterienverkalkung gestorben ist. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft freigegeben.
** Gegen die Verunreinigung der Straßen. Das Polizeiamt teilt mit: Seit neuerer Zeit ist wieder die Unsitte eingerissen, Papier, Obst- schalen, insbesondere Apfelsinenschalen und sonstige Abfälle, auf Bürgersteige und Fahrbahn zu werfen. Hierdurch werden nicht nur die Straßen verunreinigt, sondern auch Gefahren für die Passanten heroorge- rufen, die durch Ausgleiten auf Obstresten und der- gleichen zu Fall kommen und sich erheblich verletzen können. Das Polizeiamt erwartet, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um den Uebelstand abzustellen, widrigenfalls die Polizeibeamten mit Strafanzeigen vorgehen müßten.
’* Man dankt für die Titel. Das hessische Landesamt für das Bildungswesen hatte den Vorständen der beiden in Hessen bestehenden Dolksschul- lehrervereine miigeteilt, daß es beabsichtige, den hes- fischen Volksschullehrern - entsprechend den anderen Gehaltskategorien - nach Gehaltsstufen abgestufte Titel zu verleihen, und zwar für Gehaltsgruppe 7 den Titel Lehrer, für 8 Hauptlehrer und für 9 Oberlehrer. Beide Lehreroereine haben diese Titel als den Wünschen der Lehrerschaft nicht entsprechend, abgelehnt.
Oberhessen."
Landkreis Gießen.
LI Annerod, 12. Juli. Trotz der schlechten, trüben Wetterausfichten war das gestrige Misst o n s f e ft wohlgeraten und gut besucht, nicht allein von der Gemeinde, sonder auch von Auswärtigen. Pfarrasfistent Hertel aus Gießen predigte an Hand von Apostelgeschichte 13, Vers 42—47 über das gute Recht und die wachsenden Aufgaben der Heidenmission. Missionar Laut aus Frankfurt zeigte im Anschluß an Johannes 4, Vers 34—38 an verschiedenen Beispielen die Sehnsucht und das aufrichtige Verlangen vieler Heiden nach Erlösung und inneren Frieden. Der P o s a unenchor Großen - Buseck und der Kirchenchor Gießen gaben der Feier durch ihre Lieder und die Begleitung des Gemeindegesanges einen wär- digen Rahmen. In einer schnell improvisierten Rachoersammlung, die aus besonderen Gründen in der Kirche stattfand, gab Missionar Laut noch eine fesselnde Schilderung über die Umwälzung der Lebensoerhältnifse, die in China auf allen Gebieten eingetreten ist: der Einfluß und die Schuld der europäischen Völker hat diese Umwälzung veranlaßt, diese Völker haben daher auch die Pflicht, China zur Neugeburt, zur Sitte und Ordnung zu verhelfen. Die genannten beiden Chöre sorgten auch hier für Abwechslung und Frische. Das Schlußwort sprach der O r t s g e i st l i ch e. Das Missionsopfer mit über 60 Mark wurde Basel zugewiesen.
Lang-Göns, 12. Juli. Am Sonntag beteiligte sich der hiesige Gesangverein „Frohsinn" unter der Leitung seines Dirigenten, Lehrer Blaß- Großen-Linden. an einem Gesang Wettstreit in Schasheim bei Baben- housen. Der „Frohsinn" errang bei starker Konkurrenz den 1. Preis, Ehrenpreis, Hauptehrenpreis und den Dirigentenpreis.
Kreis Friedberg.
>Pb. Butzbach, 11. 3uli. Die neue große Glocke, die am Dienstagvormittag in Gegenwart einer großen Zuschauermenge in den Glocken- türm gebracht worden war, wurde heute vormittag im Hauptgottesdicnst feierlich ein» geweiht. Rach einem vom Kirchenchor stimmungsvoll borgetragenen Lied: „Die Welt singt Gottes Preis, o Seele stimme ein“ und dem EingangSlied: „Komm heiliger Geist", hielt der erste Gastliche Pfarrer Schneider die Weihe- rede. Er führte darin aus, daß mit dem heutigen Tage den Butzbachern wieder ein Stück gegeben werde, nach dein sie sich all die Jahre her gesehnt, und das ihnen gefehlt habe. Wie die alten Giebelhäuser zum ehrwürdigen Marktplatz, wie das Standbild zum Marktbrunnen, so gehöre die große Glocke zu einem Jahrhunderte alten Bestand des Butzbacher Kirchengeläutes, und deshalb hätten auch alle Butzbacher, einerlei welchen Glaubens, gern ihr Scherflein dazu beigetragen, um die Beschaffung der Glocke wieder zu ermöglichen. Hierfür sei allen Dank gesagt. Er weihe die Glocke und gebe ihr den Ramen „Gedächtnisglocke". Möge ihr eherner Klang stets die Lebenden an die für das Vaterland im Weltkrieg Gefallenen mahnen. Während dann die Gemeinde ein stilles Vaterunser betete, ertönte llar, langanhallend und nachhallend der Ton der neuen großen Glocke, der deutlich an
den, das wohl als eines der besten ausgestellten Stücke des Meisters bezeichnet werden barf. Gut in der Charakteristik der Typen, deren äln- barmherzigkeit zwar nicht, wie auch wohl nicht gewollt, an die eines Georg Groß heranreicht, aber in der resoluten Treffsicherheit des Striche- von guter Beobachtungsgabe und starkem psh« chologischen Gestaltungsvermögen zeugt, das sind zwei grohfigurige Blätter, betitelt „Im Restaurant" und „In der Elektrischen". Einige weitere Arbeiten mit nur zwei, oder gar nur einer großen Figur im Brustbild beunruhigen etwas durch die monumental bewegte Kompositton, die zu der kunstgewerblichen Feinheit und Köstlichkeit der Technik in keinerlei Einklang steht, und durch den ebenfalls unverhältnismäßig leeren Ausdruck in den großen Köpfen. Indessen wieder von entzückend spielerischer Grazie und ungewöhnlichem Raffinement in Farbe, Linie und Erfindung sind die meisten der Revue- und Zirkusblätter. Leider muh hier das Wissen um die allzu starke Anlehnung an das Vorbild Slevogt die Freude am schöpferischen Werk bisweilen etwas herabmindern, jlirmittel- bar wirksam in seinem dekorativen Ausdrucks« gebalt ist das rote Kleid der Dame des Blatte- „Auf der Promenade", und, wenn auch nicht von gleicher Tieberzeugungskraft, so doch im großen und ganzen originell und neu empfunden erfreuen eine Reihe von dünn und schmallinig bezeichneten Blättern mit Bar° und Straßen- szenen. Zum Schluß fei noch auf eine pikante technische Spielerei hingewiesen, die auch von Kokoschka gerne angewandt wird, bei der farblose, meist kraus gezogene 'Linien mit einem Stift, ober dem umgekehrten Pinselende in die Farbfläche eingeritzt werden.
Durch die Qualität und die Wesensgegenfätz- lichkeit des Gebotenen bietet die Ausstellung sowohl hohen Genuß, wie anregende Belehrung. Die Direktion des Kunstvereins darf man zu der Wahl deS Stoffes beglückwünschen und dem Publikum den Besuch der Ausstellung und die Verarbeitung dieses Stoffes wohl empfehlen. P.


