Dienstag, 15. April 1926
176. Jahrgang
llr. 85 Erstes Blatt
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im Sommer
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der Arbeitslosen, insbesondere der ausgesteuerten Arbeitslosen, große Sorge bereitet, so sind wir doch der Auffassung, das) wir tm vergangenen Winter den Höhepunkt erreicht haben. Es wird allerdings im kommenden Herbst zu einer erneuten Verschärfung kommen, tocnn Aeubauten nicht mehr ausgeführt werden, so daß die Arbeitslosigkeit unter Umständen die gleiche oder eine höhere Zahl erreichet wird. Auch hier wird es vornehmste Pflicht und Aufgabe der Gewerkschaften sein, zur Besonnenheit und A u h c zu mahnen. Die Gewerkschaften müssen ihren Leuten klar machen, daß eingeschlagene Fensterscheiben und zertrümmerte Werkanlagen nicht Brot, Arbeit und Verdienst schaffen können. Wir haben die Hoffnung, dah die zweite und dritte Zone früher als zu denvorge-
und Recht führen, als Sieger hervorgeheir. wirtschaftlichen Verhältnisse waren schlecht sind heute vielleicht noch schlechter. Wenn aber auf Halbwegs stabile Verhältnisse zu
sehen en Zeiten geräumt wird. Das werden wir aber nicht mit Waffen und Bomben erreichen, sondern mit der Waffe des Rechts und der Wahrheit. Ich habe die feste Aeberzeugung, wir aus diesem Kampf, den wir für Wahr»
Die Derwaltungsreform in Preußen.
Eine Konferenz der preußischen Ober» und Regierungspräsidenten.
Berlin, 12. April. (TU. Amtlich.) 3m preußischen Ministerium des Innern fand unter dem Vorsitz des Ministers Severing eine Konferenz sämtlicher preußischer Ober- und Regierungspräsidenten statt. Der Zweck der Zusammenkunft war eine Aussprache über die Frage der preußischen Verwaltungsreform. Zwei Referate brachten die Wünsche und Gedanken der Vertreter der Provinzbehörden zu dem Stand der Verwaltung und Verwaltungsceform zur Sprache. In den Ausführungen der Referenten kam {tarier Zweifel an dem Gelingen einer großen Verwaltungsreform zum Ausdruck. Aufgabe der Regierung sei es. eine Vereinfachung des Verwaltungsdienstes durch verwaltungstechnische Maßnahmen herbeizusühren. Dem in den letzten Jahren stark hervorgetretenen Bestreben, die Entscheidungen selbst in unwesentlichen Fragen in die Zentralbehörden zu verlegen, müßte ganz entschieden entgegengetreten werden. Mißstände seien dadurch geschaffen, dah sehr häufig ein Reben- und Durcheinander von Reichs- und Landesbehörden festzustellen. Hier müsse und könne vereinfacht werden. 2n der Aussprache stimmten fast alle Redner dem Grundgedanken der gehaltenen Referate zu. Hierauf berichtete Ministerialdirektor Dr. Abbegg über den
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Die Wünsche des besetzten Gebiets
Ministerbesuch in der zweiten gone.
rückgekommen sind, dann ist das in der Hauptsache der Haltung der Gewerkschaften zu verdanken, die stets aufrichtiges Verständnis für die Röte der Zeit und der Wirtschaft gehabt haben. Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete Fhr. Langwerth von Simmern berichtete im Anschluß daran über seine Erfahrungen als Botschafter in Spanien und führte insbesondere aus, daß man dort großes Der- st ä n d n i s für die wirtschaftlichen Röte Deutschlands gehabt und insbesondere beim Ruhrkamps und bei den Separatistenunruhen dem Heroismus und der festen Haltung der Arbeiterschaft großen Beifall gezollt habe. Der Reichskommissar betonte bei seinen Ausführungen den Wunsch nach einer engen Fühlungnahme zwischen ihm und der rheinischen Bevölkerung. Zu diesem Zwecke werde sein Haus jedem Rheinländer und namentlich auch jedem Vertreter der Arbeiterschaft jederzeit offen stehen.
Im Beisein des Staatsministers Severing fand dann noch eine Besprechung statt, in der die Wirtfchaftsgruppen des besetzten Gebiets ihre Wünsche und Beschwerden vorbrachten. Regierungspräsident Brandt wies auf die schwierige Lage im Regierungsbezirk Koblenz hin. die durch die schweren Desahungslasten noch besonders vermehrt werden. Man stehe auf dem Boden des Geistes von Locarno und könne darum um so weniger verstehen, daß die Besetzung des DHeinlandes mit einer so großen Truppenzahl aufrecht erhalten werde. So empfiirde Koblenz die Desatzungs- last als sehr drückend. In Engers seien 750 Mann Besatzung mehr untergebracht als früher und in Kreuznach entfalle auf acht Personen ein Mann der Besatzung. Rachdem noch jeder Wirtschaftsstand seine Wünsche und Beschwerden durch einen Vertreter vorgebracht hatte, sagte Minister Severing die Berücksichtigung dieser Wünsche im Rahmen des Möglichen zu und versprach, die einzelnen Anregungen den Ressortministerien zu übermitteln. Er versicherte, daß sowohl bei der Staatsregierung als auch bei der Reichsregierung mit besonderer Sorgfalt das Augenmerk auf das besetzte Gebiet gerichtet fei und daß man sich bewußt bleibe, daßd as Rheinland nicht in Köln aufhöre, sondern daß eine zweite und dritte Zone noch der Befreiung harrten.
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seine Handlungsfreiheit nach Osten vor- zubehalten. Eine Anerkennung der vertragswidrigen Annexion des Memellandes durch Litauen kommt selbstverständlich n i e in Frage. Auch die Locarnoverträge bedeuten keineswegs eine Anerkennung der Annerion der deutschen Ostgebiete, im Gegenteil lassen sie die Möglichkeit einer friedlichen Revision der deutschen Ostgrenze durchaus offen.
Die Forderungen der Saarländer.
Eine Tagung des Landrats.
Saarbrücken. 12. April. (WB.) Der Landesrat nahm zu den neuen Steuergesetzen der Regierungskommission Stellung. Vor Eintritt in die Tagesordnung gaben die Vertreter der einzelnen Fraktionen programmatische Erklärungen über ihre Stellungnahme zu den Veränderungen in der Zusammensetzung in der Regierungskommission ab. Eie gipfelten im We<^ sentlichen in dem Wunsche: Wahrung unserer Rechte und Vorbereitung der Rückkehr des Saargebietes zum deutschen Vaterlande durch die Anpassung der Gesetzgebung auf allen Gebieten an die deutsche. Bezüglich rc5 neuen Präsidenten der Regie- rungskommcssion. des Kanadiers Stephens, wurde einhellig erklärt, daß bisher wemg Grund vorliege, ihn zu rühmen, daß man vielmehr vorläufig noch Zurückhaltung beobachten müsse. Auch die Tatsache, daß zum französischen Mitglied der Regierungskommission der bisherige Generalsekretär Moriz e. der Reffe des ab- gedankten Rault. ernannt worden sei. fei wenig begrüßenswert, denn man dürfe annehmen, daß er selbst im Sinne seines Oheims
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wirken werde. Immerhin, so wurde betont, seien zwar keine neuen Männer in die Regierungskommission eingezogen, doch sei ein Mann geschieden. Victor Rault. der das westlich orientierte System verkörpere, das mit seinem Weggang hoffentlich für immer gebrochen sei.
Mussolini in Tripolis.
Tripolis, 12. April. (AgenziaStefani.) Rach einem Besuch an den Gräbern der im Kriege Gefallenen begab sich Mussolini nach dem Rathaus. Der Bürgermeister überreichte ihm eine Schreibtischgarnitur aus massivem Holz und einen reich verzierten arabischen Säbel mit dem Bemerken, wenig Menschen verstünden wie Mussolini die Feder und den Degen zu handhaben. Mussolini besuchte dann den Sih des F a s z i o s. wo er auf die Begrüßung des faszistt- schen Vertreters erwiderte. Er sagte u. a.: Ich wollte die Ausmerksamkeit der Italiener auf das Land jenseits des Meeres richten. Ich wäre auch abgereift, selbst wenn meine Verwundung schwerer gewesen wäre. D'.eler erste Tag erfüllt mich m i t Begeisterung, denn ich finde die Italiener würdig des Italiens, das der Faszismus schon bei dem Marsch auf Rom, der eine neue geschichtliche Periode eröffnen sollte, gewollt hat. Es ist nicht ohne tiefere Bedeutung, daß ich dies an den Ufern des Meeres sage, das Roms Meer war unb wieder Roms Meer wird. Er fühle sich umgeben von einem Delk von Soldaten. Kolonisten und Pionieren. Dieses aufsteigende Italien werde sich von der Last seiner glorreichen Vergangenheit nicht hemmen, sondern a v l p o r n e n lassen, um immer rascher dem unausbleiblichen Triumph von morgen ent- gegenzumarschieren.
Stand der Polizeiorganisation
und den Verhandlungen mit den alliierten Mächten in Fragen der Polizei. Es sei im großen und ganzen mit den alliierten Mächten letzt Einigkeit erzielt, wodurch sich ein notwendiger Abbau der Zahl der Polizeibeamten ergebe. Das brächte feie Notwendigkeit mit sich, aus einer Anzahl von Orten die staatlichen Polizeien fortzunehmen. Dieses Herausziehen der Polizei würde sich aber auf eine Reihe von Jahren verteilen. Nötig aber sei es schon jetzt, auf den Ausbau der kommunalen Polizei hinzu- wirken. Die Neuordnung der Landjägerei sei in ihren Grundzügen vollendet. Minister Severing führte dann aus, er würde es begrüßen, wenn auch heute schon Klarheit über den endgültigen Zustand der Polizeiorganisation und der Po> lizeibelegung geschaffen werden könnte. Aber das sei schon aus politischen Gründen heute leibet noch nicht möglich. Nach seiner Ueberzeugung seien wir aus dem Gröbsten noch nicht heraus. Die starke Arbeitslosigkeit würde auch ' und im nächsten Herbst noch nicht üdi
Auch Ausschreitungen politischer Gruppen müßten
Koblenz, 12. April. (Wolff.) Heute mittag V212 Uhr traf der preußische Minister des Innern. Severing. von Berlin kommend, zu den Besprechungen mit dem Gewerkschaftsaus« schuh für die besetzten Gebiete und Verhandlungen mit den hiesigen Behörden ein. Um V$1 Uhr traf ferner der Reichsjustizminister und Reichsminister für die besetzten Gebiete, Dr. Marx, hier ein. Beide Minister folgten heute mittag einer Einladung des ReichskommiLars für die besetzten Gebiete. Freiherrn Lang- werth v. Simmern.
Der Gewerkschaftsausschuh für die besetzten Gebiete, der die Spihenverbände der gesamten Gewerkschaften im besetzten Gebiet umfaßt, hielt am Rachmittag seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende Wolf-Düsseldorf begrüßte die erschienenen Gäste, insbesondere die Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, darunter den Minister für die besetzten Gebiete Dr. Marx, den preußischen Minister des Innern Severing. den Reichskommissar für die besetzten Gebiete Frhrn. Langwerth von Simmern, den Oberpräsidenten Dr. F.U ch s. den Regierungspräsidenten Dr. Brandt sowie Vertreter der bayerischen und hessischen Staatsministerien. Geschäftsführer Dr. Meyer erstattete den Geschäftsbericht. Er führte u. a. aus. dah das rheinische Volk friedliebend sei und in den vergangenen Jahren trotz der schweren Tage immer wieder verkündet habe, dah es den Weg zur Verständigung gehen wolle. Man könne aber nicht ertragen, daß das Volk im Rheinland kulturell und volkstümlich Schaden leide.
Neichsminister für die besetzte« Gebiete Dr. Marx sprach dann über die politische unb wirtschaftliche Lage der besetzten Gebiete. Die schweren Zeiten der Besetzung und die erbittertsten Kämpfe hätten den Einheitswillen der gesamten rheinischen Bevölkerung zum Deutschen Reich nicht erschüttern können. Es sei erstaunlich, wie gerade das rheinische Volk die Röte der Wirtschaft, insbesondere der Inflatton und des Ruhrkampfes, überstanden habe. In nächster Zeit werde eine Geschichte des Rhein- und Ruhrkampfes geschrieben werden, die eine wesentliche Episode der Weltgeschichte darstellen werde. In aller Welt habe damals schon der unerschütterliche Einheitswille des wehrlosen und entwaffneten Volkes gegenüber der Waffengewalt einen besonderen Eindruck erweckt. 2hm. dem damaligen Kanzler, habe ein einflußreicher Politiker in London erklärt: „Ihr Deutschen seid doch ein prachtvolles Volk. Mögen sie mit euch machen, was sie wollen, ihr seid gefaßt. Ein solches Volk wird niemals verloren gehen." Viel Anerkennung zollte Reichsminister Dr. Marx den Gewerkschaften und ihren Führern, die während des Ruhrkampfes und auch während der Separatistentage ein einheitliche sge- s chlossenes Ganzes dargestellt hätten. Durch ihren einheitlichen Willen hätten sie alle Intrigen zuschanden gemacht. Es sei aber nötig, dah der Einheitswille auch fernerhin gefördert werde. Arbeitnehmer und Arbeitgeber gehörten nicht allein in den Tagen der Rot zusammen, sondern es sei nach seiner Auffassung erforderlich. dah sich in allen Zeiten Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen- finden. — Darauf ergriff
der preußische Innenminister Severing das Wort und führte u. a. aus: Allmählich geht es wieder vorwärts. Wenn auch die Zahl
in Rechnung gestelü werden, deshalb könne man nicht daran bepfen, aus heute mit Polizei belegten Gesahrengebieten die Polizei herauszuziehen. Der Minister richtete an die Ober- und die Regierungspräsidenten die Bitte, nach wie vor die wirtschast- lichen und politischen Vorgänge mit größter Aufmerksamkeit zu verfolgen. Er überschätze gewiß die Wirksamkeit der sogenannten Wehrorganisationen nicht. Bei der regen Tätigkeit der Radikalen auf beiden Flügeln aber bestände stets die Gefahr, daß einmal die Flinten von selbst losgingen. Er erwarte von den Provinzbehörden, daß sie mit ruhiger und vorsichtiger Entschlossenheit ohne jede Nervosität, aber mit der notwendigen Entschiedenheit bei gegebenen Anlässen auftreten würden.
Die Friedensverhandlungen mit Abd el Krim.
Paris, 13. April. (WTB. Funkspruch.) Generalresident Steeg hatte gere-*. den 20. März in 2 a o u r i r t mit dem Minister des Aeuße- ren Abd el Krims eine Besprechung. Die Einladung dazu war von Fez ausgegangen. Briand unb Painleve lehnten es zunächst ab. bie seit langer Zeit betriebenen Truppenkonzentrationen in Marokko aufzugeben, bei denen auf einen vollen Erfolg gerechnet würbe. Steeg brohte barauf mit feinem Rücktritt. Angesichts der dro- henben Angriffe des Kartells der Linken gaben 2rianb unb Painleve nach unb entschlossen sich zur Konferenz von Oubjba. nicht ohne gewisse Schwierigkeiten bei bem Versuche zu begegnen, bie durch den Umschwung in Paris überraschten Spanier auf ihre Seite zu bringen.
Frankreich gegen das italienisch- englische Abessinien-Abkommen.
Paris. 12. April. (TU.) Die französische Regierung Hut gegen das italienisch-britische Abkommen über Die Teilung Abessiniens in eine britische unb eine italienische Wirtschaftszone protestiert. Es wird darauf hingewiesen, dah dieses Abkommen die französischen Interessen am Roten Meere ernstlich bedrohe und stark auf bie wirtschaftliche SelbständigkeitcinesMitgliedftaa- tes des Völkerbundes wirke. Es bedürfe daher, nach französischer Auffassung, erst der Billigung des Völkerbundes.
Regierung und KohlenKrifis in England.
London. 13. April. Baldwin hat ange- hinbigt, daß, falls bie Grubenbesitzer unb die Bergarbeiter heute nicht eine Grundlage für rasch abwickelnde Verhandlungen finden, die Regierung ein greif en und beiden Parteien den Ernst der Lage zu Gemüle führen wird. Die Regierung wirb mir dann über den 1. Mai hinaus aus öffentlichen Mitteln den Bergbau weiter subventionieren, wenn bie Arbeiter unb die Grubenbesitzer auf ber Grundlage des Berichts des Enqueteausschusses ein K o m p r o m i ß abgeschlossen haben.
Hnnatme von Inielgee für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
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Tffrfredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlamschein; für den Anzeigenteil Hans Füftel, fämttich in Gießen.
Deutschlands Recht auf Kolonien.
AuslaffnnqendesReichsinnenminifters Dr. Külz.
Reichsinnenminister Dr. Külz, ber als Kommissar für das Reichskolonialamt in den Jahren 1907 unb 1903 in Deutsch-Sübwestafrika bie Selbstverwaltung für die Gemeinden eingerichtet hatte, veröffentlicht in einem Berliner ‘Statte einen Artikel, in welchem er betonte, dah die Kolonialsehnsucht Deutschlands mit Imperialismus unb Militarismus nichts zu tun habe. Dne Wiebereinreihung Deutschlands in bie Kolonialmächte sei vielmehr eine Sache des deutschen Rechtes, der deutschen Ehre unb ber wirtschaftlichen, politischen unb kulturellen Gleichberechtigung. Unter Berufung auf eine Aeuherung des amerikanischen Staatssekretärs Lansing erinnert Dr. Külz daran, dah die Austeilung ber deutschen Kolonien dem Punkts der Wilsonschen 14 Punkte widerspricht. Der Verfasser weist ferner entschieden bie Kolonialschuldlüge über bie deutsche Unfähigkeit zur Kolonisierung zurück, die die Kolonialfrage zu einer Frage ber nationalen Ehre mache. Dr. Külz beruft sich dabei auf eine Reihe von Zeugnissen, insbesondere auf die Ausführungen des Viscount M i I n e r im Kgl. britischen Kolonialinstttut vom 13. 1- 1914. Auch der frühere englische Kolonialgouverneur Sir Harry I o h n st o n habe kurz vor dem Kriege in einem Kolonialvortrag in (Stuttgart gesagt: .Wenn von den großen Kolonialvölkem der Welt gehandelt wird, ist es schwierig, zwischen den Deutschen und den Engländern einen Unterschied zu machen. Vom Standpunkt der Gleichberechtigung der Völker untereinander habe Deutschland das historische und sittliche Recht, in ber Reihe der Rationen ^u verbleiben, bie an der kulturellen und wirtschaftlichen Erschließung der überseeischen Länder beteiligt seien. Die koloniale Sache sei durchaus geeignet, zu einer deutschen Volks sache zu werden unb sie vor ber Welt zu vertreten als ein Gebot, ohne dessen Erfüllung eine wirkliche Gleichberechtigung Deutschlands nicht denkbar sei. Der Ausschluß des deutschen Volkes, von den an ber wirtschaftlichen unb kulturellen Erschließung der Welt beteiligten Mächten sei eine einfache Unmöglichkeit. Die Teilnahme Deutschlands an der Entwicklung der Kolonialgebiete gehöre zu den wirtschaftlichen Lebensnotwendigkeiten Deutschlands.
Das Duellgesetz.
Aussetzung der Verkündung durch den Ncichspräsidcntcir.
Berlin, 12. April. (121.) Dem Reichstag ist jetzt die vom Reichspräsidenten und Reichswehrminister unterzeichnete Lntfchlie- tzungsurkunde über die Ausfehung der Bet- fünbung des Gesetzes zur Vereinfachung des INilitärstrafrechtes (D u e 11 f r a g e) zugegangen. Sie hat folgenden Wortlaut:
Entschließung: Auf Grund des Verlangens eines Drittels des Reichstages vom 18. Mär; 1926 sehe ich gemäß Artikel 72 der Reichsver- sassung die Verkündung des am 3. Februar 1926 vom Reichstag beschlossenen Gesetzes zur Vereinfachung des Militärstrafrechtes um zwei Monate aus.
Berlin, den 27. März 1926.
Zur Vorgeschichte dieses Erlasses ift folgendes xu sagen: Am 3. Februar 1926 nahm ber Reichstag ein Gesetz zur Vereinfachung des Mili- tacstrafrechtes an. das einen Passus enthielt, nid) bem Offiziere, bie sich an einem Duell beteiligen, aus bem Dienst entlassen werben. Dieses Ausnahmegesetz für bie Offiziere der Reichswehr rief im ganzen Lande gerechte Empörung hervor, ber Reichspräsident von Hindenburg lieh ber Reichstagsmehrheit sofort erklären, bah er diesem Gesetz bie Unterschrift verweigern unb von dem Artikel 73 ber Reichsverfassung Gebrauch machen werbe, der ihm das Recht gibt, bie Verkündung eines beschlossenen Gesetzes aufzuschieben, wenn ein Drittel ber Reichstagsabgeordneten bas verlange. Diese, Situation hat sich mit bem 3. Februar ergeben, sie ist burch die verschiedenen Versuche, den Konflikt zwischen bem Reichspräsidenten unb dem Reichstag burch Vermittlungsvorschläge aus ber Welt zu schaffen, nicht beseitigt worden, da die Mehrheit des Reichstages sich bisher noch nicht zu entschließen vermochte, einen der verschiedenen Vorschläge anzunehmen, so daß der Reichspräsident jetzt auf den Artikel 73 zurückgegriffen und die Verkündung des Gesetzes um zwei Monate hinausgeschoben hat. Die Parteien haben also nun sechzig Tage Zeit, zu überlegen, ob es nicht ange^achter erscheint, dem Reichspräsidenten auf baftem Wege entgegenzukommen unb bas Duellverbot auf alle Reichsbeamten aus- zudehnen. so daß damit bem Gesetz ber Charakter eines Ausnahmegesetzes gegen die Reichswehr genommen wird. Die entscheidenden Verhandlungen werden Ende des Monats ausgenommen werden.
Die Deutschen Ostgronzen.
Berlin, 12. April. (TU.) Der ..Tag" meidet: Entgegen Meldungen über eine angebliche Fühlungnahme zwischen den Rand st aalen und dec Reichsregierung über einen vertrag zur (Baran- tie derGrenzen von Lettland, Litauen und Estland ist fesizustellen, daß die deutsche Regierung an solche Verhandlungen nicht denkt, vielmehr erscheint es für Deutschland geboten, sich
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnttk ttNd Verlag, vrühl'fche Univerfilälr-Vuch- unü Stetntruderci R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle- Zchulstrahe 7.


