Nr. 187 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag, 12. August 1926
Das Neichsehrenmal.
Don Dr.-Jng. h. e. Maximilian Freih. o. Die geleben. Wirkt. Geh. Rat, hessischem Gesandten in Berlin, stellv. Bevollmächtigten zum Reichsrat.
Die Frage des Standorts des Reichsehrenmals hat das deutsche Volk in heftige Bewegung verseht. Wiederum drohen Uneinigkeit und Svn- derinteresse einen unerfreulichen Streit im Volke Ku entfachen, in einer Angelegenheit, die frei von kleinlichem Zwist - lediglich nach grohen sachlichen Gesichtspunkten beurteilt werden sollte. Die Reichsregierung hatte geglaubt, durch Berufung eines Gutachter-Ausschusses des Reichsrats, der Körperschaft, welche die Vertretung der Gesamtheit der deutschen Länder darstellt, ein Organ zu schaffen, dem es gelingen würde, ein alle überzeugendes, einstimmiges Urteil zu fällen. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Die offiziöse 'Bekanntmachung vom 10. 3uR d. 3. gibt kund, der Reichsratsausschuh habe sich an erster Stelle für einen Ehrenhain im Herzen Deutsch- lands entschieden, wie er in der Gegend von Berka gegeben ist, daneben hätten gewichtige Stimmen auch das Projekt der Toteninsel bei Lorch am Rhein als eine würdige Form der Heldenehrung anerkannt. Aus der Fassung der Bekanntmachung ist herauszulesen, dah der Be- schlub nicht mit Einstimmigkeit ergangen ist. Dem Reich^ratsausschub haben je ein Vertreter von Preuben, Bayern, Sachsen, Thüringen, Hessen und Hamburg angehört. Die Mitglieder sollten nicht nach Instruktionen, fonberii nach eigener freier Ueberzeugung entscheiden. Ursprünglich bestand im Ausschuß starke Reigung für die Er- stellung eines Gedenkmals in der Reichshauptstadt' als aber die Frontkämpferverbände in voller Einmütigkeit für den Gedanken der Errichtung eines , heiligen Hains" eintraten, hat der ReichSratsausschuß sich dem angeschlossen und diesen Gedanken zur Grundlage seiner weiteren Ermittlungen gemacht. Auch ich habe mich auf diesen Standpunkt gestellt, von der Erwägung ausgehend, daß dem deutschen Empfinden eine Gedenkstätte für die Toten in freier Ratur am besten entspreche, und daß für den hier fraglichen Zweck der Haingedanke apch vor dein hier anfänglich propagierten Gedanken der Errichtung eines Denkmals auf Dergeshöhe den Vorzug verdiene. Nunmehr wurden vom Reichsratsaus- schuh aus der Menge von Vorschlägen, die aus allen Gauen Deutschlands eingegangen waren, diejenigen Projette ausgesucht, die zu einer Besichtigung an Ort und Stelle Anlaß zu geben schienen Entscheidend war der Gesichtspunkt, daß, um die Zugänglichkeit für möglichst weite Kreise zu gewährleisten, wiederum einem Wunsche der Frontkämpferverbände entsprechend, der Plah möglichst im Herzen Deutschlands — diesen Begriff allerdings weit gefaßt — gelegen sein solle. Daneben wurde aber das neuerdings erft vorgelegte Projekt einer Toteninsel im Rhein und zwar das Projett der Inseln bei Lorch und das der Insel bei Ober-Hammerstein unterhalb Andernach, sowie ferner das Projekt der Augustusburg bei Chemnitz unweit der böhmischen Grenze zur Besichtigung zugelassen. Eine Einhelligkeit bezüglich der maßgebenden Gesichts- puntte für die Auswahl bestand nicht. Auf der einen Seite wollte man die Hainidee gewisfer- mahen in Reinkultur verwirklicht sehen, d. h. man suchte eine Stätte im abgeschlossenen Waldgebiet, woinöglich im immergrünen Nadelwald; frort sollte ein schmaler Hainweg zu der in einer Erweiterung des Geländes befindlichen Stätte des Ehrenmals - etwa Sarkophag oder Pylone mit brennendem Feuer — führen, wo Schweigen und stilles Gedenken herrschen sollte. Daneben wurde ein gröberer Raum als Aufmarschgebiet oder Versammlungsort erstrebt. Die ganze Anlage sollte lediglich dem Gedanken an die Toten gelten und alles fern gehalten werden, was abziehend wirken konnte. Meine Auffassung war eine andere. Freilich stand auch für mich der Gedanke des Totengedächtnisses an erster Stelle, daneben aber war ich von Anfang an der Meinung, daß auch Gelegenheit gegeben sein müsse, in größeren Versammlungen dem Gedanken der Hoffnung, der vaterländischen Erhebung und des Wiederaufstiegs Ausdruck zu geben. Das sollte nicht an der Stätte des Totenmals geschehen, sondern an einem in der Nähe gelegenen landschaftlich hervorragenden Versammlungsorte. Auch erschien
Rembrandt-Ausstellung im Frankfurter Stadel.
Selbst wenn Rembrandt nie einen Pinsel berührt hätte, so würde er doch unsterblichen Ruhm gewonnen haben als Radierer: und so ist es aufs Lebhafteste zu begrüßen, dah das Kupferstichkabinett des Stadel das radierte Werk des Meisters in fast lückenloser Folge ausstellt (aus eigenen Beständen). Es handelt sich meist um frühe Drucke von hervorragender Güte.
Schon sehr früh greift Rembrandt zur Radiernadel (die ersten Radierungen stammen aus dem Jahre 1628), und hier ist wirklich einmal „ein Meister vom Himmel gefallen". Denn es ist geradezu erstaunlich, mit welcher Freiheit, Feinheit und Sicherheit der Künstler bereits in den ersten Radierungen die Technik und den Stil beherrscht. Viele Male hat Rembrandt den Kopf der Mutter, den des Vaters wiedergegeben (vom ältesten radierten Kopf der Mutter zeigt die Ausstellung gleich drei Drucke, daneben ein entzückendes Brustbild der Mutter): immer wieder radiert er sein Selbstbildnis, lachend, mit auf- gerissenen Augen, zornig (sogar die wild gesträubten Locken scheinen an der Empörung lell- zunehmen), mit Pelzmütze, mit „derbrettenNase", vornübergebeugt, als Brustbild, mit Federbarett, mtt Saskia zusammen, die Zahl ist Legion: all die Vildnisse sprühen vor innerem Leben.
Schon sehr bald beschäftigt den Meister die Darstellung biblischer Stoffe. Zunächst sind es kleine Blätter, in denen Rembrandt versucht, eine Anzahl von Personen in möglichst geschlossenen Gruppen zu komponieren, meist in geschlossenen Räumen, die Hauptgestalten im hellen Licht, die Nebenfiguren stark im Schatten: doch erreicht diese Entgegensetzung von Licht und Schatten noch keineswegs die malerische Wirkung .der späteren Werke. Dieses Helldunkel findet sich aber nicht nur bei Gruppendarstellungen, nmmer kehrt ein prachtvoller Greisenkops wieder, an dem der Künstler Licht und Schatten in allen erdenklichen Verteilungen erprobte.
es mir erwünscht, dah die Gesarntanlage sich in einer geschichtlich bedeutsamen Umgebung befände und dadurch ein gewisser Zusammenhang auch zwischen Gegenwatt und Vergangenheit geschaffen wurde. Rein polittschc Gesichtspunkte sollten auch nach meiner Auffassung ausscheiden, entscheidend muhte vor allem die Güte des Projekts in seiner Gesamtheit, in seiner sachlichen und nationalen Wcttung sein. -
Am 4. Juli begann die Reche der Desichti» gungen mit dem Besuch der Rheininseln bei Lorch. Man landete aus der nördlichen großen Insel und ging über den Steindamm zur südlichen Heinen Insel. Keiner der Teilnehmer konnte sich dem eigenartigen Eindrücke dieser Insellandschaft entziehen, inmitten des Rheinstromes, in der ernsten Umgebung der nahe an das Ufer heranttetenden Berge der Felsenstrecke, bereit Linienführung wunderbar zu dem ganzen paßt. Es schien, als ob man auf den Inseln von der Welt abgeschlossen sei: der Lärm des Verkehrs ist nicht störend dorthin gedrungen. Die Bepflanzung an den Rändern der Inseln, in der Hauptsache aus Erlen und Weiden bestehend, bildet einen Rahmen und einen Schirm nach außen. Auch die Größe fr er Inseln war überraschen!).
Auf mich wirkte vor allem die Beobachtung, daß das Projekt wie von der Natur selbst geschaffen ist. Die südliche kleinere Insel, Trägerin des Hains oder heiligen Raums mit dem Ehrenmal an der Spitze, das den aus der düsteren Ein- ganspfotte der Felsenstrecke bei Rüdesheim rheinabwärts Fahrenden weithin sichtbar sein wird: dann auf dem die beiden Inseln verbindenden Damm der Zugangsweg zum Hain und endlich auf der großen nördlichen Insel der Aufmarsch- unfr Versannnlungsraum, fr er, nachdem der Toten gedacht ist, dem von mir zuvor geschilderten Zweck dienstbar gemacht werden kann. Auch gottesdienstliche Veranstaltungen sind, sei es an der Malstätte, fei es auf dem Versammlungsraum, möglich. Planungen, wie die der Erttchtung eines Stadions sind natürlich ausgeschlossen. Die ganze Umgebung der Insel in ihrer Schönheit, ihrer geschichtlichen Gröhe und ihrer nationalen Bedeutung ist dazu angetan, den Menschen über das Alltägliche zu erheben. Bei dem Projekt des Professors Wach spielt allerdings eine aufwändige Architektur eine große Rolle. Sie bezweckt auf der Chrenmalinsel einen mit mächtigen Pfeilern umrahmten und dadurch in sich abgeschlossenen heiligen Raum gewissermaßen einen Hain von Stein — zu schaffen. Man wird zu prüfen hoben, ob nicht — schon im Interesse der Kostenminde- rung — eine Vereinfachung möglich ist, und ferner, ob nicht die Bepflanzung an den Uferrändern reguliert und der Charakter eines Naturhaines durch Bepflanzung, insbesondere etwa mit Pappeln oder mit immergrünen Koniferen, mehr zum Ausdruck gebracht werden kann- —
Nachttägliche Besprechungen mit forsttech- niscken Sachverständigen haben mir übrigens die Ueberzeugung gebracht, daß die Architektur, als Rückgrat der ganzen Anlage, wohl nirgends zu entbehren ist, da Baumpslanzungen dem Verfall und mehr oder weniger raschem Umtrieb ausgesetzt sind Dies gilt besonders auch von dem Fichtenwald.
Der Nachmittag des 4. Juli wurde zur Fahtt auf dem Rhein nach der Insel bei Ober-Hammer- stein, unterhalb Andernach, benutzt. Eindrucksvoll ist die geschlossene Umrahmung der Insel, wenn man den Rhein herunterkommt, gebildet durch den imponierenden Felseirberg der Ruine Hammerstein am östlichen Ufer und die Berge auf der gegenüberliegenden Rheinseite. Aber bie Insel selbst — es ist nur eine Insel — entbehrt der oben geschilderten Vorzüge der Lorcher Inseln. Der Ausblick von der Insel aus. rhein- abwärts und rheinaufwärts zeigt nicht die hervorragende Geschlossenheit und Schönheit der Landschaft, wie dies bei den Lorcher Inseln der Fall ist. Der gesamte Ausschuß, ein Mitglied ausgenommen, hat dem Lorcher Projekt den Vorzug gegeben.
Am 5. Juli besuchte der Ausschuß den in einer engen Schlucht bei Höxter geplanten Hain.
Ganz besondere Liebe empfindet Rembrandt für die Bettler und Krüppel, die er in jeder Att des Jammers, der Zerrissenheit, der seelischen und körperlichen Verkommenheit darstellt, teilweise erschüttetttde Gestalten (z. D. der fast skizzenhaft aufs Papier geworfene Bettler, ab- gehagertes Gefickt, auf den Stock gebeugt von der Last des Lebens).
Die dreißiger Jahre finden den Meister bereits auf dem Gipfel unerhörten Könnens. Die anfangs manchmal ein wenig gewollt wirkenden Gruppendarstellungen werden völlig überzeugend, überall finden wir iwch stärkere Verinnerlichung und geistige Vertiefung, verbunden mit außerordentlicher Lebendigkeit, Klarheit und Gindruckskraft der Vorgänge und Gestalten. Das ..Helldunkel" ist völlig ausgebildet. Diese ganze Entwicklung läßt sich in der zeitlich geordneten Ausstellung vortrefflich verfolgen.
Technisch meisterhaft, wundervoll in Stimmung und Naturwahrheit die Landschaften, bei denen die Staffage mehr und mehr zurücktrttt. 3 Bauernhäuser, Blick auf Amsterdam, die Drücke usw. usw.. unvergleichlich die Bildnisse (Ian Six, Haring, de Ionghe usw.).
Neben der Aehung bedient sich Rembrandt des Stichels und der kalten Nadel, mit denen er in die geäzte Platte hineinarbeittt und unübertreffliche Feinheiten der Farbigkeit und des Ausdrucks erzielt. Neben Landschaften und Bildnissen schafft Rembrandt auch später hauptsächlich Biblisches. — Das herrliche „Hundertguldenblatt" zeigt die Ausstellung in drei Drucken, darunter den wohl besten zweiten Zustand, einmal leider eingetuscht.
Ganz starken Gegensatz zwischen Licht und Schatten gibt die „Kreuzabnahme bei Fackelschein" (1654) und schon früher (1641) „Christus cm Kreuz zwischen den Schächern". Immer sammt- ner wird das Dunkel, immer geheinmisvoller und schummriger die Atmosphäre i.,Darstellung, im Tempel"). Nachtstücke finden sich häufig (siehe auch die „Flucht nach Aegypten"), daneben solch zart poetische Blätter wie „Das Landgut des Goldwägers". — Ein Blatt immer herrlicher als das andere (mag auch ab und an ein von frem-
6v liegt zu Füßen des ursprünglich zur Ausnahme des Denkmals bestimmten Ziegenberges, der von der Raabenklippe bewehtt. schroff in das schöne Tal der Weser, des einzig rein deutschen Stromes, abfällt. Eine Gegend, deren Geschichte in die germanische und karolingische Frühzeit zurückreicht. —
Von da ging am 6. Juli die Fahrt weiter zu einem Platz mitten in den bewaldeten Bergen zwischen Rinteln und Bückeburg, ein stimmungsvoller Raum in schöner Umgebung. Die Projekte Höxter und Rinteln-Bückeburg sind ansprechend, aber nicht großzügig, auch ermangeln sie der Geschlossenheit und zum Teil auch der Fähigkeit zur Raumentwicklung. —
Ganz anderer Att war das am 7. Juli besichtigte Projekt der Schiefergrube im Harz bei Goslar. Schöner Zugang durch das mit Fichten bestandene enge Gosetal, umrahmt von schön geformten Bergen. Die Schiefergrube auf halber Höhe, von Menschenhand geschaffen, aber jetzt dicht bewachsen, ein heiliger Raum mehr als ein heiliger Hain, man könnte auch sagen ein großes Grab. Don den hohen Rändern der Grube schaut das Auge hinunter. Auf den nächsten Höhen Derfannnlungsplähe mit eindrucksvollen Blicken auf die alte Kaiserstadt Goslar und die malerischen Täler des Harzes. —
Am 8. Juli folgte Eisenach, die Stadt in schönster, vielfach gegliederter Landschaft des Thüringer Waldes, überragt von der Wartburg. In einem kleinen engen Seitental des Johannistals, abseits von den Hauptwegen, ein hervorragend schöner, von prachttollen Fichten umrahmter Hainweg, der zu dem Talabschluß fühtt, einer halbtteisförmigen Erweiterung der Schlucht, zur Aufnahme des Ehrenmals geeignet. Dom oberen Rand der Schluchtwand und auf den in fror Nähe gelegenen Plätzen — Versammlungs- Plätzen — ein herrlicher Blick ins Tal und auf die Dergkulissen von Eisenach mit der Wartburg. —
Von Eisenach am selben Tag nach Koburg. Dort wurde ein auf der Höhe in der Nähe der Feste gelegener, von einem spärlichen Wasserlauf durchflossener Fichtenwald besichtigt, in dem der Hain angelegt werden sollte. Don diesem Projekt gilt in verstärktem Maße das zuvor von den Weserprojekten Gesagte. —
Eine lange Fahrt brachte den Ausschuß am 9. Juli zur Augustusburg bei Chemnitz, in den Dorbergen des Erzgebirges, unweit der tschechischen Grenze. Auf einer die Spitze zwischen zwei Tälern bildenden, ziemlich steil abfallenden Höhe, ein gewaltiges viertürmiges Renais sanceschloh. Von oben schöner Blick auf die Höhenzüge des Gebirges und in das Tal, im Schloß selbst ein weiträumiger, zu Versammlungen geeigneter Hof und zahllose große Räume, die den Verbänden zur Anbringung von Ettnnerungszeichen und dergleichen überlassen werden sollen. In nicht allzu großer Entfernung vom Schloß ein ansteigender Fichtenwald, worin die Anlage eines Hains mit dem Ehrenmal aus der Kuppe geplant war. Dieses Projekt leidet darunter, daß der Hain- gedanke zu sehr in den Hintergrund tritt und frort auch keiner eigenartigen Verwirklichung fähig ist. Das Schloß ist die Hauptsache. Man möchte wünschen, daß die beachtenswetten Ziele, die dem Augustusburg-Projekt zugrunde liegen, doch in irgendeiner Weise zur Durchführung gelangen. —
Die Reise fand am 10. Juli ihren Abschluß mit der Besichtigung des Raumes bei dem etwa 12 Kilometer von Weimar entfernten Berka. Un- toeit von Berka, abseits vom Ilmtal, liegt ein einsames Waldgebiet: die engen Täler sind von niedrigen, mit Fichten bestandenen Höhen von fünfter Linienführung umgeben. Am Zusammenfluß mehrerer Laieinschnitte soll der Raum sich befinden. Dott sind auf beiden Seiten des Täl- chens freie Flächen (Kahlhiebe), die sich die Höhe hinaufziehen. Auf der einen Seite soll eine terraffiertc Anlage mit Mauern, die Gedächtnisinschriften tragen, hergestellt werden. Der gegenüberliegende Raum ist als Versammlungs- Platz gedacht. Die Tettassenanlage stößt an den Rand des Fichtenwaldes, in den der eigentliche
der Hand überarbeitetes dazwischen sein), kaum vermag man sich zu trennen!
Der Ausstellung der Radierungen schließt sich eine solche von Originalzeichnungen des Meisters an, auf die näher einzugehen der Raum mangelt. Den Beschluß macht Graphik nach den Wetten Rembrandts. Der Besuch der Ausstellung, die bis Oktober geöffnet ist, sei jedermann warm empfohlen. E. D.
Kaninchenfarmen, die Geburis
stätten moderner Pelze.
Die Mode bereitet sich für den Herbst und Winter vor, unb der Pelz, der heute während des ganzen Jahres nicht mehr völlig verschwindet, tritt wieder in feine Rechte. Es gab einmal eine Zeit, in der der Besitz eines Pelzmantels zwar die Sehnsucht aller Frauen, aber eigentlich doch nur das Vorrecht der Begüterten war. Fast schien ein solcher Pelz zu gut, um getragen zu werden: er wurde ängstlich geschont, jeden Frühling sorgsam eingekampfett und zum Beginn des Winters wieder hervorgeholt. Die Tage, in denen der Pelzmantel ein solches Familienerbstück war, sind vorüber. Mit Hilfe des schlichten Kaninchens ist heute dieses begehrte Kleidungsstück für die meisten Frauen zugänglich. Seal-Kanin, Maulwurfs- Kanin, Biber-Kanin, Chinchilla-Kanin, sie findet man überall und zu Preisen, die den meisten erschwinglich sind. Diese Eignung des Kaninchens als moderner Pelzlieferant hat eine neue Industrie hervorgerufen, die Kaninchen-Farmen, in denen bereits Vermögen angelegt sind. Kanada, das erste Land, das Fuchs-Farmen begründet hat. gab, wie eine englische Zeitschrift ausfühtt, auch hier den Anstoß, aber Kaninchen- Farmen gibt es heute auch in England schon in beträchtlicher Zahl. Die ganze Aufmerksamkeit der Züchter richtete sich natürlich auf die Züchtung schönerer und größerer Rassen, und durch wohlüberlegte Kreuzung sind die Kaninchen jetzt in der Tat auf eine Stufe gehoben, die vor wenigen Jahren noch ganz unerreichbar erschieß Wahrscheinlich hat keine Rasse mehr zum schnellen Aufblühen dieser Industrie beigetragen als das berühmte
Hain oder Hainweg. der #um Ehrenmal führt, hineingeschnitten werden soll. Das Danze in Waldeinsamkeit und Abgeschlossenheit. Die Landschaft hat nach meinem Empsinden etwas Ernstes an sich, aber nichts Großes, zwar nichts, was von dem Gedanken der Totenehrung abzieht, aber auch nichts, was eine besondere Anziehungskraft ausübt. Geschichtlich große Momente fehlen der Landschaft und Umgebung vollständig. Mit Geist von Weimar als der Wittungsstätte Goethes und Schillers kann man doch für diese Sache kein durchschlagendes Argument herauf beschwören.
Alsbald nach der Besichtigung des Bettaer Projettes trat der Reichsraisausschust in Weimar zur Beschlußfassung zusammen, die das eingangs mitgeteUte Ergebnis hatte. Die Nlohrliett glaubte, in dem Projekt von Betta den Hain- gedanken am reinsten verwirklicht zu sehen. Auch die Lage im Herzen Deutschlands fiel wesentlich ins Gewicht, und endlich mag auch die Annahme mitgewirkt haben, daß die Frontkämpferverbände sich einmütig für das Projett entschieden hätten. Inwieweit auch politische Momente Einfluß übten, möchte ich hier nicht näher ausführen. Berka wurde also von der Mehrheit an die erste Stelle gesetzt. Ein Mitglied zog Eisenach vor. Ich habe mich mit aller Entschiedenheit für das Projekt der Rheininseln bei Lorch ausgesprochen, an zweiter Stelle für das schöne, sehr beachtliche Projekt von Eisenach, an dritter Stelle für Goslar und erst an vierter Stelle für Betta. In meiner Ablehnung des Berkaer Projekts bestärtt mich der Umstand, daß es mir nachttäglich auf Grund vor Unterredungen mit forfttechnischen Sachverständigen sehr zweifelhaft geworden ist, ob man durch Anpflanzungen die unschönen Waldränder der Kahlhiebe verbessern und durch einer Einschnitt in den Fichtenwald einen schönen und dauerhaften (sturmfesten) Hain schaffen kann. Wie groß fr er Eindruck des Rheinprojektes war, ergibt sich schon daraus, dah andere gewlchttge Stimmen des Ausschusses dieses wenigstens als ar zweiter Stelle in Bett acht kommend anerkannten Auch nach meiner Auffassung muß man auf die Lage im Herzen Deutschlands eine gewisse Rücksicht nehmen, eine Ausnahme bildet aber der Rhein. Wenn ein Projett wie das der Lorcher Inseln so viele in sich selbst, in der Umgebung und in seiner ideellen Bedeutung liegende Vorzüge besitzt, dann ist die sachliche Wettung entscheidend. Die Meinung der Verbände darf man nicht übersehen, aber der Ausschuß war doch berufen, ein selbständiges, freies Urteil abzugeben. Nur ein solches Tann die Öffentlichkeit beeinflussen.
Die Vorzüge des Lorcher Projettes habe ich bereits oben skizziert. Die Gründe, die mich be- stimmten, waren kurz zusamm enges aßt die folgenden: Das Projekt ist einzigartig — eine Insel im herrlichen Strom, keine andere Gegend Deutsch - lands kann Gleichattiges aufweifen. Haine gibt es viele, überall werden sie angeboten. Stimmungsvoll ist das Projett wegen der insularen Abgeschlossenheit und wegen des romanisch ernsten Charakters der Felsensttecke des Rheins: es ermöglicht aber auch, auf der großen Insel in Versammlungen dem Gedanken der Erhebung und des Wiederaufstiegs Ausdruck zu verleihen. Das Projett ist wie von der Natur gegeben. Das weithin sichtbare Totenmal am Haupt der kleinen Insel wird eine gewaltige ethische Wirkung ausüben. Groh sind die geschichtlichen Erinnerungen. Wenn es auch richtig ist, dah der Weltkrieg nicht nur des Rheines wegen geführt worden ist und dah ganz Deutschland an dem Heroismus des Weltkrieges Anteil genommen hat. so stand und steht doch der Rhein im Vordergrund alles Geschehens. Der Rhein ist nun einmal das nationale Symbol für alle Deutschen. Jeder Deutsche, auch der vom Osten, sehnt sich nach dem Rhein, wo er findet, was ihn ergreift und was ihn erhebt.
Die Frage der Kostenminderung in der Bepflanzung wird, wie ich oben anfreutete, noch einer näheren Prüfung bedürfen, ebenso die m. W. bereits bejahte Frage der Zulässigkeit der Anlage vom sttombautechnischen Standpunkte aus. Nun sind in der Oeffentlichkeit gegenüber dem
Chinchilla-Kamnchen, das eine ganz überraschende Ähnlichkeit mit dem echten süframerikanischen Chinchilla hat. Früher wurden die Felle, die man verarbeitete, von den gewöhnlichsten und billigsten Rassen genommen; sie kamen in der Mehrzahl aus Australien und konnten in feiner Hinsicht den Vergleich aushalten mit dem heutigen Chinchilla-Kaninchen, das zuerst in Frankreich gezüchtet wurde und dessen Fell mit 5 bis 10 Matt verkauft wird. In Kanada legi man besonderen Wert auf die Güte der Rasse: man hat andere, die auch gezüchtet werden, aber den besten Ertrag gibt doch dieses Chinchilla. Das Fleisch ist auhervrfrentlich zart, fast ebenso wie das des berühmten Ostende-Kaninchens, während die Felle einen feinen schieferblauen Ton haben und die Haare nicht weniger als einen Zoll lang, dick und ganz besonders weich sind. In Kanada gibt es bereits sehr große Farmen, die sich ausschließlich mit dieser Zucht beschäftigen. Das Fleisch, das in besonders konstruierten Wagen verladen wird, versorgt die Weltmärtte, und die Häute werden zu den Pelzvettäufen versandt oder auch an Ort und Stelle schon ver- arbettet. Selbst der Dünger wird in getrocknetem Zustande gut verwertet. 50 bis 60 Prozent aller Pelze, die heute getragen werden, stammen von Kaninchen. Die Felle werden geschoren gefärbt und hergerichtet, daß sie nicht wiederzuerkennen sind und erscheinen dann im Glanze eines Maulwurfs, Bibers. Seehunds, oder auch Chinchillas. 40 Felle werden zu einem kostbaren Mantel auSreichen, zwei zu einem Keinen Hals kragen, Öen jede Dame tragen kann, während eins zu einem guten Paar Handschuhe hinreicht. Die Auslichten der Kaninchen-Farmen sind also sehr gut. Da wird nichts verschwendet: Fleisch. Fell und selbst der Dünger haben guten Marktwert, während auf der anderen Seite die Kosten nicht übermäßig sind. Die Zuchtarbeit bietet keine Schwierigketten, und sie bereitet, wie man sich oft genug überzeugen kann, vielen ein großes Vergnügen. Cs ist also anzunehmen, daß sich hier auch noch ein gutes Feld für den kleinen Züchter eröffnet.


