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Parlamentarischer Abend.

Darmstadt, 11. Juni.

Der Präsident des Landtags hatte das Mini­sterium und zahlreiche Vertreter der Regierung, die Landtagsabgeordneten sowie andere Gäste zu einem parlamentarischen Abend im Landtagsgebäude eingeladen.

Präsident Adelung begrüßte seine Gäste mit herzlichen Worten. Außer den Abgeordneten, Behörden und der Presse seien es heute vor­nehmlich Vertreter der Kunst und Literatur neben solchen des Kunstgewerbes unseres Hessenlandes, die seiner Einladung gefolgt seien. Eine kleine Ausstellung von Kunsterzeugnissen in den Parla­mentsräumen, die keineswegs Anspruch auf Voll­ständigkeit erhebe, soll den Beschauern einen knappen Einblick in das Schassen hessischer Künst­ler und des Kunstgewerbes gewähren.

Wilhelm Michel hielt hierauf einen Vor­trag, in dem er ausführte: Die Kunst ist im Geisteshaushalt der Menschheit wichtig als Hü­terin und Aufgipfelung der großen Formstiftung, die allem menschlichen Schassen zugrunde liegt; als Erlöserin zum reinen Schauen, womit sie veredelnd und vergeistigend wirrt; als Führerin zur Gemeinschaft; als eine spezifische Kraft der Verjüngung und Lebendigerhaltung.

Dr. Haupt sprach über die wirtschaftliche Bedeutung der künstlerischen Fachausbildung und versuchte besonders den Einfluß darzulegen, den die Kunstgewerbeschulen auf die künftige Entwick­lung gewinnen müssen. Eingehend setzte er sich dabei mit der Gründung der Künstlerkolonie unL> mit der drrrch das Jahr 1901 geschaffenen Kunst- Politik auseinander.

Die Veranstaltung war umrahmt durch Lie­dervorträge von Johs. Bischoff und Frau Massenburg vom Landestheater. Die Be­gleitung lag in Händen von Generalmusikdirektor Rosenstock.

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Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt mit Aufklaren, weiterhin Regenschauer bei wenig veränderten Temperaturen.

Das Bild der Luftdruckoerteilung über Mittel­und Westeurova hat sich seit gestern kaum verändert. Das Kerngebiet des die Wetterlaae bedingenden Tiefe liegt fast ohne Ortsoeränderung über Irland. An seiner Südostseite lösen sich Teilwirbek ab die mit ihren Regengebieten Deutschland überqueren und D|tn)ärtß wandern.

Gestrige Logestemperaturen: Maximum: 16,5 Grad Celsius. Minimum: 9,8 Grad Celsius- Nieder­schläge. 13,2 Millimeter. Heutige Morgentemoera. tur: 13,4 Grad Celsius.

Kunst und Wissenschaft.

Prähistorischer $unb in Gibraltar.

Bei Ausgrabungen in Gibraltar fand man das Stirnbein und andere Teile eines menschlichen Schädels, der gleicher Art sein soll, wie der be­rühmteGibraltar-Schädel", der in den vierziger Jahren deS vorigen Jahrhunderts ge­funden wurde. Der neu entdeckte Schädel besitzt nach vorsichtiger Schätzung ein Alter von 20 000 Jahren.

HroswiLha-Gedenkfeier in Gandersheim.

Die Hroswitha-Gcdenkfeier, die die alte fast 1100jährige Stadt Gandersheim zum Gedächtnis der ersten deutschen Dichterin, der Rönne Hroswitha von Gandersheim veran­staltete, wurde mit einem Kirchenkonzert im alten Münster, der jetzigen Stiftskirche eingeleilet, bei dem Chor- und Orgelwerke aus dem 9. bis zunn 15. Jahrhundert zu Gehör gebracht wurden. Abends vereinigten sich die Festteilnehmer zu einer offiziellen Feier, die durch den Bürger­meister eröffnet wurde, in deren Verlauf Pro­fessor Meier, Braunschweig, einen Vortrag über die Geschichte der Stadt Gandersheim hielt.

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WSA. Marburg, 11. Juni. Der Straf­rechtslehrer und Aechtsphilosoph Geh. Justizrat Prof. Dr. Ludwig Träger in Marburg konnte gestern fein 7 0. Lebensjahr vollenden. Er stammt aus Werden a. d. Ruhr. Früher war er

Jahre im preußischen Justizdienst

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Berlin, 11. Juni. (VDZ.) Vor Eintritt in Tagesordnung kommt Präsident Lobe auf Lärmszenen in der gestrigen Sitzung zurück. Aus dem stenographischen Bericht ist zu ersehen, daß die Abg. K ü n st l e r (Soz.), v. Ramin (Völk.) und R i e s e b e r g (Dntl.) gestern unparlamentarische Zurufe gemacht haben. Sie werden deshalb nach­träglich zur Ordnung gerufen. Nach Mitteilungen im Aeltestenrat soll der Abg. Rosenfeld (Soz.) seinen durch einen Ordnungsruf gerügten, den Reichspräsidenten beleidigenden Zurrst wiederholt haben. Im Stenogramm ist der Zuruf nicht zu er­sehen. Dr. Rosenfeld hat aber die Möglichkeit der Wiederholung zugegeben und erklärt, daß er den Ordnungsruf nicht gehör! habe. Präsident L ö b e fährt fort: Wegen beharrlicher Wiederholung eines fdjon einmal gerügten Zurufes rufe ich den Abg. Rosenfeld nochmals zur Ordnung. (Gelächter bei den Kommunisten.) Zu diesem Heiterkeitsausbruch muß ich feststellen, daß im Aeltestenausschuß wiederholt betont worden ist, daß die Wiederholung eines schon einmal gerügten Ausdruckes einen besonders fchwe-

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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 12. Juni 1926.

Vom Arbeilsmarkt im nördlichen Oberheffen.

Die Lage des Arbeitsmarktes im Be­reiche des Arbeitsamtes für dos nördliche Oberhessen, wozu Stadt und Kreis Gießen und die Kreise Alsfeld, Lauterbach und Schotten ge­bären, hat sich im Laufe des Monats M a i weiter- hin etwas gebessert. Eine Anzahl Arbeits- kräfte konnte im Baugewerbe und in der Landwirt­schaft Erwerbsmöglichkeit finden. Daneben sind im ganzen Gebiete des Arbeitsamtes noch Notstands­arbeiten im Gange.

Im einzelnen ist auf Grund der Zählungen vom 1. Juni zu berichten:

Stadt Gießen: 1. Juni: 432 Hauptunter. stützungsempfänger, 532 Zuschlagsempfänger (am 1. Mai 421 bzw. 473).

_Kreis Gießen: 1. Juni: 1373 Hauptunter- ^"0S1S bn0er' 1484 Zuschlagsempfänger (am

_ Kreis Alsfeld: 1. Juni: 411 Hauptunter- ftüj)ungscmpfängr, 640 Zufchlagseckipfänger (am 1. Mai 495 bzw. 840).

Kreis Lauterbach: 1. Juni: 91 Haupt- unterstützungsempfänger, 172 Zuschlagsempfänger (am l.Mai 160 bzw. 286).

Kreis Schotten: 1. Juni: 314 Hauptunter. fSi9402PSe970)753 Suschlag-empfänger (am

Insgesamt: 1. Juni: 2621 Hauptunterstüt« zungsempfänger, 3581 Zuschlagsempfänger (am l.Mai 2786 bzw. 3731).

Gießener Wochenmarlktpreise.

Gs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 160 bis 180, Matte 30 biS 35, Wirsing 30 bis 45, gelbe Rüben 60 bis 80, rote Rüben 20 Spinat 25 bis 30, Römischkohl 25, Dohnen 70 Spargel 50 bis 110, Erbsen 70, Tomaten 70 bis 100, Zwiebeln 20, Meerrettich 80, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln, neue 15, alte 5, Aepfel 20 bis 40, Kirschen 35 bis 50, Stachelbeeren 30 bis 35, Erdbeeren 80 bis 120, Honig 50. junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig das Pfund, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 80 bis 120, Salat 10 bis 15, Salatgurken 60 bis 80, Ober-Kohlrabi 25 bis 30, Rettich 20 Pf das Stück. Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf.. Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf., Tauben 60 bis 100 Pf.

Bornotizen.

_ 7" Tageskalender für Samstag. Goethe-Bund: 7V. Tlhr, Kaufm. Vereinshaus, Festabend zum Jahresfest. - Buchhandlung Lechner: Eröffnung der Ausstellung von Piper- Drucken. Spielvereinigung 1900: Eröffnung der Sportanlage an der Liebigshöhe; 6,30 Uhr: Liga-Wettspiel. Gießener Kreis der Christ- deutschen Jugend: 8 älhr, Großer Horsaal der älniversität, Lichtbilder-Vortrag, Wassersport- Verein Hellas: 8»/. Uhr,Frankfurter Hof". Monatsversammlung. Geflügel- und Vogel- zucht-Verein: 9 älhr,Pfälzer Hof", General- Versammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Rosen aus dem Süden" Astotta-Lichtspiele: Der Hochverrat von Panama".

, ~ g eskalender für Sonntag: Rot-Kreuz-Wcrbstag: 3 Uhr nachmittags in der Volkshalle. Akademischer Ausschuß für Leibes­ubungen: 4 Uhr nachmittags. Akademischer Turn- und Spielplatz, Wettkämpfe zur Einweihung der Laufbahn. Baucrscher Gesangverein: 3 Uhr nach-

Liebigshöhe, Sängertag. Lichtspieltheater wie Samstag.

** QI u 5 dem Stadttheater bureau wird uns geschrieben: Die nächste Vorstellung smdet am Dienstag, 22. Juni, statt, und bringt emen neuen Schwank von Kastner und Möller-

to e 1 $ e Der eine Autor, Alfred Moller, ist Mitverfasser des auch rnGießen bestens bekannten reizenden Lustspieles Meme Frau die Hvsschauspielerin". Die Reu- hott hat nach vorliegenden Berichten in Ham­burg einen durchschlagenden Erfolg erzielt und durste auch hier, zumal eine sehr glückliche Be­setzung sich ermögliche ließ, einer starken Wir­kung sicher sein.

21 u 5 ft e H u n g von Piperdrucken. Im Saale der Buchhandlung Keißner findet geaen- wartm eine Ausstellung der Piperdrucke statt. Es find dies vom Verlag Piper in München hergestellle Reproduktionen von Gemälden alter und moderner Meister. Die Wahl der Werke hat M e i e r - G r ä f e für den Verlag besorgt. Die Ausstellung ist werk­tags geöffnet, der Eintritt frei. (Siehe heutige An­zeige.)

E i n Jugend - und Waldfest veran­staltet die Stadtmission Gießen morgen nachmittag auf der Waldbühne. Näheres in der heutigen An­zeige.

Die Deutsch nationale Volks­partei veranstaltet am nächsten Montag im ..Postkeller" einen Vortragsabend, bei dem Frau Abg. Annagrete Lehmann überFürsten­beraubung und Mißwirtschaft der Linksparteien" sprechen wird. (Siehe Anzeige.)

Wege zur Gesundung des beut« schen Volkes" ist das Thema, über das Dr. med. Walter Malech am kommenden Dienstag im großen Horsaal der Universität auf Veranlassung des Naturheilvereins einen Vortrag halten wird. Dlefcr Vortrag soll nützliche Hinweise und praktische 2lnleitungen geben. (Siehe heutige Anzeige.)

O Die Ratenzahlungen bei staat- l' chen Abgaben. Zur Vereinfachung der Ver­waltung der hessischen Abgaben hat das hessische Ge- amtminifferium, wie wir hören, folgende Anwei­sung an die unterstellten Behörden ergehen lassen: In letzter Zeit hat sich bei manchen Staatsbehörden die Hebung herausgebildet, bei Bewilligung von Ratenzahlungen sehr geringfügige Beträge festzu- setzen. Derartige Bewilligungen belasten die Finanz« kassen, die solche Posten jahrelang nachzuführen haben, in einem Maße, das vom Standpunkt der Abgabenverwaltung aus nicht gerechtfertigt erscheint, weil die Kassen dadurch ihrer Haupttätigkeit der rechtzeitigen Einziehung der Steuern zu sehr ent­zogen werden. Sie wollen deshalb ihr Augenmerk darauf richten, daß bei Bewilligung von Raten­zahlungen nur bis zu Beträgen heruntergegangen wird, oie auch unter dem Gesichtspunkt einer wirt­schaftlichen Geschäftsführung der erhebenden Kassen noch vertretbar sind."

** Der Werbetag des Roten Kren- z e ß am morgigen Sonntag sei hiermit nochmals in empfehlende Erinnerung gebracht. Vormittags findet bekanntlich um 11.30 Uhr am Palastlichtspielhaus eine Schauübung der Freiwilligen Sanitätskolonne statt, nachmittags ist für die Kinder aller Stande in

ren -Verstoß gegen die Parlamentsordnung darstellt, gegen den schärfere Maßnahmen ergriffen werden müssen. (Zustimmung.)

Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt das Luftfahrtabkommen mit der Botschafterkon« ferenz. Das Wkornrnen wird ohne Debatte dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen.

Es folgt die Absttmmung über das kommuni­stische Mißtrauensvotum gegen die Re­gierung. Dafür stimmen nur die Kommunisten. Die Sozialdemokraten enthalten sich der Stimme. Die übrigen Fraktionen stimmen bageaen, so daß das Mißtrauensvotum nut großer Mehrheit abge­lehnt wird. Dor der Abstimmung hatte Abg. Mül­ler- Franken (Soz.) erklärt, daß die Sozialdemo­kraten besonders auch mit Rücksicht auf die gestrige Erklärung des Abg. Guerard (Zentt.) sich der Stimmen enthalten würden.

Es folgt der Bericht des Verkehrsausschusses über den Lippe-Seitenkanal.

Abg. Becker- Arnsberg (Zentr.) verlangt schleu­nige Bereitstellung von Mitteln für den Ausbau des Lippe-Seitenkanals.

Die Ausschußentschließung wird einstimmig an­genommen.

Es erfolgt die zweite Beratung des Gesetzent­wurfes über die Gewährung von Dar­lehen zur Hebung der landwirtschaft­lichen Erzeugung. Danach sind 600 Millionen 0U5 der Reichsgetreidestelle für mäßig verzinsliche landwirtschaftliche Kredite bereitzustellen. 15 Mil­lionen davon sollen zu Siedlungszwecken und zur Ansässigmachung von Land- und Industriearbeitern verwendet werden.

Abg. Rönneburg (Dem.) beantragt mit Rück­sicht auf die neu eingegangenen Aenderungsanträge, oie Vorlage an den Ausschuß zurückzuoerweisen. Die Vorlage wird an den Ausschuß zurlickverwiesen.

Um 3.40 Uhr schließt Präsident Lobe die Sitzung und beruft sogleich eine neue auf 3.50 Uhr ein.

Auf der Tagesordnung der zweiten Sitzung steht zunächst der Bericht des Geschästsordnungs- ausschusses über die Anträge zur Strafver­folgung von Abgeordneten. Während der Ausschuß in allen Fällen die Verweigerung der Genehmigung zur Strafverfolgung beantragt, befürwortet er die Genehmigung zur Strafverfol­gung des Abg. Kube wegen Anstiftung zum Mord.

Abg. S t o h r (Völk.) erklärt, seine Freunde hätten selbst im Ausschuß die Genehmigung zur Strafverfolgung beantragt, damit dem Abg. Kube die Möglichkeit gegeben wird, die schamlosen Verdächtigungen zurückzuweisen, denen er seit längerer Zeit seitens der jüdischen Presse (Ge­lächter links) ausgesetzt sei. Tatsächlich liege gegen Kube weiter nichts vor, als die Ver­leumdungen eines wegen Raubmordes verur­teilten Lümmels.

Ohne weitere Debatte wird gegen die Stim­men der Kommunisten der Ausschußantrag an­genommen, der die Genehmigung zur Straf­verfolgung des Abgeordneten Kube ausspricht.

Es folgt der Bericht des Volkswirischastsaus- schusses über dis Anträge, die sich auf die Lie­ferungsbedingungen des Kohlen- shndikais beziehen. Ein soz-aldemokrattscher Antrag hatte die direkte Brennstoffbelieferung der Genossenschaften verlangt. Ein Antrag der Bayerischen Volkspartei forderte ein Einschreiten gegen gewisse Lieferungsbedingungen der Syndi­kate durch die sich die Verbraucher geschädigt fühlen. Der Ausschuß hat die Anträge durch die inzwischen vom Reichslohlsnsyndikat beschlossenen neuen Grundsätze für erledigt erklärt.

Abg. Rauch (Bayer. Vp.) beantragt, den Antrag feiner Partei nicht für erledigt zu er­klären, sondern art den Ausschuß zurückzuver- weisen. Das Haus stimmt der Zurückverweisung zu. Die in der ersten Sitzung von heute an den Aus­schluß zurückvcrwicsene Vorlage über dis landwirt­schaftlichen Kredite ist statt dessen auf die Tages- torbnung der neuen Sitzung gesetzt worden, nach­

Die Debatte über die russischen Hilfs« gelber im Londoner Parlament für die streiken­den Bergarbeiter hat die S o w j e t r e g i e r u n g veranlaßt, ihren Bevollmächtigten in London anzu­weisen, dem Foreign Office mitzuteilen, daß es sich um Gelder privater Organisationen handle, mit denen die Regierung nichts zu tun habe.

Vie britische Streillage.

London, 11. Juni. (WB.) Der Derg- arbeiterverband veröffentlicht heute eine Erklärung, in der es heißt: Da die Gruben­besitzer nicht bereit sind, die Anempfehlungen des Gerichtes der Kohlenkvmmission aryunehmen, tamt der Bergarbeiterverband ein allgemei­nes Versprechen der Regierung, die von der Kohlenkommission anempfohlene Reform einführen zu wollen, nicht als befriedi­gend betrachten. Der erste Schritt zur Regelung der Streitigkeiten im Bergbau müßte darin be­stehen, daß die Regierung genau det ai-- lierte Pläne für die Reorganisation der Dergbauindustrie zur Erörterung und Kritik Dor» legt. Die notwendigen Ersparnisse könnten durch einzweckmähigesKohlenverteilungs- f Hst em erzielt werden und bessere Preise durch die Einrichtung von Verkaufsverbänden, die mög­lichst überall mit den auswärtigen Interessen» kreisen in Verbindung treten sollen. Im übrigen sind die Bergleute nicht nur bereit, sondern wün­schen sogar dringend, zur Reorgani- ganisativn der Kohlenindustrie bei­zutragen. Sie sind aber nicht gewillt, einer all­gemeinen Herabdrückung des Lebens­standards von über vier Millionsn Männern, Frauen und Kindern, zuzustimmen.

dem sämtliche dazu gestellten Aenderungsanträge zurückgezogen worden sind.

2fi>g. Hoernle (Komm.) verlangt Garan­tien dafür, daß das mit Hilfe der Kredite ver­besserte Land auch wirklich den besitzlosen Bauern­söhnen, Flüchtlingen und Landarbeitern zur Ver­fügung gestellt wird.

Abg. Schmidt (Pößneck! (Soz.) beklagt die hohen Zinssätze von 16 bis 18 Prozent, die von landwirtschaftlichen Genossenschaften erhoben wer­den. (Hört! hörtl) Der Redner erhofft von der Vorlage eine lebhafte Förderung der Siedlungs­tätigkeit.

Abg. Rönneburg (Sem.) begrüßt die Vorlage. Die mit ihr erstrebte Bodenverbesse­rung könne zur Erreichung des Zieles beitragen, daß Deutschland sich aus eigener Scholle ernährt.

Die Vorlage wird dann in zweiter und dritter Beratung endgültig angenommen.

Es folgt die dritte Beratung des Antrags S ch u l d t (Dem.), der die zweimonatige Vor­auszahlung des Gehaltes der Be­amten als Einleitung zur Wiedereinführung der Dierteljahreszahlung verlangt.

Abg. T o r g e l e r (Komm.) beantragt unter Wiederaufnahme des ursprünglichen Antrags Schuldt eine weitere Erhöhung der Zuschläge bei den Besoldungsgruppen 1 bis 9.

Die kommunistischen Anträge werden a b ge­lehnt. Die Entschließung des Ausschusses wird angenommen.

Hessischer Landtag.

Darrnstadt, 11. Juni.

Dar Eintritt in die Tagesordnung richtet der kommunistische Abg. Salm eine Kleine Anfrage über Verhängung von Geldstrafen im Zusammen­hang mit der Sammlung von Unterschriften für das Volksbegehren in Alsfeld. Oberjustizrat v. E i f f er- ! widert, daß die Bestrafungen wegen unerlaubter Geldsainmlungen erfolgt sind.

Eine Kleine Anfrage des Abg. Dr. Werner bezieht sich auf die Zündholzkontigentierung als Ab­wehr gegen die amerikanische Zündholzeinfuhr; fer­ner werden Zollmaßnahmen zum Schutze der Oden- wälder Hartstelnindustrie verlangt. Minister Raab erwidert darauf, daß der Stellvertreter Hessens im Reichsrat angewiesen sei zu sondieren, wie sich die Regierungen zu der Zündholzkontigentierung stellen. Die hessische Regierung habe sich noch nicht in dieser Frage entschieden, da auch die Auffassung der Han­delskammern nicht einheitlich sei. Der Vertreter Hes- sens im Reichsrat sei angewiesen worden, bei den Verhandlungen über den deutsch-schwedischen Han­delsvertrag für den Satz des autonomen Zolltarifs für Pflastersteine zum Schutz der Odenwäldcr Stein- mduftrie einzutreten. In diesem Sinne wäre auch dafür gestimmt worden.

Abg. Galm (Komm.) behauptet in einer weiteren Anfrage, daß in Offenbach, auf Veran­lassung des Abg. Kaul, ein Arbeiter verhaftet worden sei. Minister v. Brentano stellt dazu fest, daß es sich in diesem Falle nicht um eine Verhaftung, sondern um eine Aamenftststellung gehandelt hat.

Das Haus tritt hierauf in die zweite Be­ratung der Regierungsvorlage über das hessische Gesetz zur Ausführung des Reichs- viehseuchengefetzes vom 26. Juni 1909 ein. Abgeordnete des Bauernbundes und der Deutschnattonalen haben zu Artikel 6 des Ge­setzes einen Antrag eingebracht, durch den ein Teil der Kosten für Impfungen und Entschädi­gungen der Staatskasse auferlegt werden soll. Das Gesetz wird angenommen. Der erwähnte Antrag wird an den Ausschuß zurückverwiesen.

Es folgt die zweite Beratung der Regie-- rungsvorlaae über den Entwurf eines Gesetzes zur Ausführung der Reichsverord­nung über die F ü r f o r ge p f li ch t vom 13. Februar 1924.

Abg. Delp (Soz.) wendet sich gegen die Krttlk, öte Abg. Kindt an Maßnahmen des Für- svrgeamtes der Stadt Darmstadt geübt hat. In längeren Ausführungen legt Abg. Delp hierauf die Arbeitsmethode des Darmstädter Wohlfahrts­amtes dar.

Abg. Kindt (Dtschn.) führt nochmals den Fall an, in dem die Frage der Arbeitsfähig­keit einer älteren Dame rein nach dem medizini­schen Standpunkt entschieden wurde. Wie von vielen Kleinrentnern die Sondersteuer auf den bebauten Grundbesitz aufgebracht werden soll, habe der Vorredner nicht gesagt. Es sei nicht zu beanstanden, wenn Leute, die früher in besse­ren Verhältnissen eine größere Wohnung hatten, diese beibehielten, um Zimmer zu vermieten, denn dadurch fielen sie ja dem Wohlfahrtsamt nicht zur Last.

Rach weiterer Aussprache wird die Regie­rungsvorlage angenommen. Ein Antrag der Abgeordneten Haury und Gen. zur Schätzung in Brandfällen will, daß bei diesen Schatzungen öon der Brandversicherungskammer nicht die Friedenspreise sondern die tatsächlichen Ge­stehungskosten zugrunde gelegt werden und daß die Entschädigungen demgemäß auszuzahlen sind. Der Ausschuß hat, wie Abgeordneter Wiedmann mitteilt, in seiner Mehrheit beschlossen, den An­trag abzulehnen. Die Minderheit hält den An­trag aufrecht, den Abg. Haurv (D. Dp.) in aus­führlichen Darlegungen mündlich erläutert.

Abg. Mann (Soz.) sucht an einem Beispiel oarzulegen, daß der Antrag Haury Ungleich­heiten in der Bewertu.ig von Gebäuden schafft.

2Ibg Haury (D. Vp.) weist demgegenüber nach, da«; an der Bewertung grundsätzlich nichts geändert werden soll durch seinen Antrag

Der Antrag wird an den Ausschuß zurück- verwiesen.

Abg. Dingeldey (D. V.) erklärt, daß der wchutzverem für Strafgefangene das Gut Hohenau an der Mainfpitze pachte und das Inventar käuflich übernehmen will. Auf dem Gute wird Landwirt­schaft getrieben; auch sollen Meliorationsarbeiten vorgenommen werden. Hierzu sind 70 000 Mark er­forderlich. Der Landtag wird ersucht, die Bürg­schaft für diese Summe zu übernehmen. Das Haus stimmt dem Antrag zu.

Ein Antraa Dr. Werner (Dn.) will, daß der Gemeinde Schotten die Einrichtung einer Ober- fekunda in ihrer Realschule gestattet wird. Der Aus­schuß hat die Ablehnung des Antrags beschlossen. Abg. Werner tritt nochmals dafür ein und macht geltend, daß die Stadt Schotten weit ab von den großen Verkehrsadern liegt, und der Kreis kein Uebermaß an höheren Schulen habe. Man solle dem Wunsche der Stadt auch aus Gründen der Gerechtig­keit nachgeben.

Der ablehnende Antrag des Ausschusses wird angenommen.

(fine Regierungsvorlage zur Neckar-Kanalisie- rung, wonach wie Abg. Dingeldey mitteilt, der Bauzuschuß Hessens (50 000 Mark) in ein Aktien­kapital umgewandelt wird, findet Zustimmung.

Aus «Ker Welt.

Eisenbahnunglück in Australien.

Einer Londoner Meldung zufolge ent­gleiste zwischen Sidney unb Brisbane iuAustra-- ticn ein Schnellzug und stürzte'von einer zwölf Meter hohen Brücke ab. Fünf Personen wurden getötet und 40 verletzt. Es handelt sich durchweg um Mitglieder einer auf einer Gast­reise befindlichen Londoner Operettengruppe.

Zwölf Personen crirunken.

Aus Madras wird gemeldet: In Vizagapatau sind 12 Personen infolge Kentern eines Bootes, das Passagiere vom Bollwerk zu einem Dampfer brachte, ertrunken. Drei weitere Personen wurden von Hafenbeamten gerettet, während fünf andere dos Ufer schwimmend erreichten.

Schwere Anwellerkatastrophe.

Im Auetal bei Rodenberg Hai sich, wie aus Rin­teln gemeldet wird, eine schwere Unwetterkatastrophe ereignet. Besonders schwer wurden die Auetaldörfer Soldorf, Lyhren und Avelorn in Mitleidenschaft ge­zogen. Die in einem Wolkenbruch niedergehenden Wassermafsen waren so groß, daß die drei Ge­meinden in kurzer Zeit unter Wasser stan­den. Der Ackerboden wurde weggeschwemmt, mit ihm Bienenkörbe, Zäune und alles, was nicht niet- und nagelfest war. Ebenso furchtbar hat das Un­wetter in der Gemarkung Bekedorf-Kobbensen ge­haust. Das Wasser wälzte sich in einem Strom vom Berg herunter durch die Aecker, die vollständig verwüstet wurden. Was von den Fluten nicht er­reicht wurde, vernichtete der Hagelschlag. Es fielen Elsstücke bis zur Größe von Hühnereiern, die Rog­genfelder sind platt gewalzt. Das Wasser kam so schnell, daß kaum das Vieh aus den Ställen gerettet werden konnte. Außerordentlich stark gelitten hat auch Bad Eilfen. Die sonst so sanfte Aue stieg in ganz kurzer Zeit um U Meter und verwandelte den Kurpark und seine schönen Anlagen in einen See. Das Wasser drang in die Verkaufsläden ein. Der Schaden geht in die Tausende.

von einem Löwen angefallen.

Auf der Probe des in Weimar gastierenden Zirkus Bornum wurde der mit 20 Löwen auf- tretende Dompteur Alberty von einer Löwin angefallen, die sich in feinen Oberarm und Brust verbiß. Es gelang dem Dompteur, iroh start blutender Wunden die Tiere in den Käsig zuruckzubnngen, dann brach er aber ohnmächtig zusammen und mußte in ärztliche Behandlung ae° bracht werden.