Herzgebobteller Maikäfer", ober er jprtd^t bcoon, daß ein Mensch lacht wie ein Maikäfer. In Schwaben heißt's: „Der hat Sonntag und Werktag e i Kleid o wie e Maikäfer", ober ,Ln sich hinein vergnügt sein, wie ein Maikäfer", „Das steht dem an, wie einem Maikäfer her Sabel". Sich unnötige Arbeit machen, heißt auf schwäbische „Maikäfer numeriere".
Allgemein bekannt ist das „er rnaikäsen", wenn einer über einer Rede brütet, bah heißt, sich zum Reben vorbereitet, wie ber Maikäfer zum Fliegen. In Leipzig sagt man: „Er hat ä paar Maikäfer unter ber Rase", und meint damit einen Schnurrbart, mit sehr klein gehaltenen Flügeln. Eine Benennung, die offenbar recht alt ist, da sie schon ber Satiriker Philander von Sittewalb zu Anfang des 17. Jahrhunderts bezeugt.
Dem Sprachschatz bes Volkes ist, wie wir sehen, ber Braun kitte! lieb und vertraut. Auf weniger gutem Fuß mit ihm steht ble hohe Dichtung, gibt e doch auf „jtäfer keinen anderen Reim als ..Schäler", und wer könnte den Maikäfer in jam- bH*e ober trochäische Verse einfügen! Da bleibt nichts anderes übrig, als den „Maikäfer" in einen . Maienkäfer" zu wandeln: so kann er auch im Distel-Wald surren: Maikäfer flieg'
Einweihung des Chattenhauses.
Am Samstagnachmittag tourte mit einem festlichen Alt das neue Hau« der Landsmannschaft „5 f> -i 11 i o“ an ter Phtlipp-Gail-Strasi« ebi- pcto'iht und seiner Bestimmung übergeben. Kurz nach. 4 Uhr erfolgte der feierliche Einzug der Glstc und der Astivitos ins Heim, tov im rot» rn.i fr-rot ccfd)nu"utten Saale im Erdgeschoß die Bieter nach einem Musikvortrage durch einen Prolog lDclan Lehn) eingeleitet tourte, während A. H S ch ä f e r die sehr zahlreiche Dersammlung, vor allem Herrn Pros. Laqueur als Vertreter Sr. Magnifizenz des Herrn Rektor-, Herrn Pro- vinzialdirektor Graes, Herrn Beigeordneten Dr. Hamm als Vertreter ter Stadt, die Damen, die Alten Herren und Aktiven tm neuen Hauie willkommen hieß. Aach einem Gesangsvortvage von Frau Dr. Hebet ergriff Dekan Guhmann das Wort zu einer längeren Rede, in der er die Bedeutung der festlichen Stunde würdigte und das Haus offiziell der aktiven Landsmannschaft zur Benutzung übergab; ter Redner gedachte besonders des A H Becker I., dem In Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Korporation die Verwaltung ter zum Besten der Verbindung und ihrer Mitglieder gestifteten 3a* kod'Becker-Spente übergeben tourte. 3m Aamen der Aktivitas dankte in einer kurzen Ansprache ter derzeitige 1. Lhargierte des feiernten Buntes; Vertreter ter befreundeten Korporationen im L. C Darmstadtia' und ,Merowingia", überbrachten un Rainen ihrer Derbindun^gen Glückwünsche und Grüße und stifteten zur Ausschmückung des Heimes Bilder des Altreichskanzlers un> ter Koburg. Rach gemeinsamer Astingung tee> Far- benlietes ersolgdc die Besichtigung des Hause- durch die Gäste
Aeger-Gedächtnisfeier.
Man schreibt uns: Wenn ber Konzertverein in Verbindung mit der Regeraeineinde am Dienstag, 11 Mai, 8 Uhr, m ber Stadtkirche eine Gedenk- feier an den am 11. Mai 1916 verstorbenen Mei- ff.-r oeranstallet, io liegt gerade für Gießen eine bclonberc Veranlassung dazu vor, denn hier hat ber große Meister nicht nur oft und mit Vorliebe ge- weist, sondern auch seine neuesten Tonschöpfungen gern dem hiesigen musikverständigen und auch moderner Miis't, wie er wußte, zugänglichen Konzert- 1 nbbfum bargeboten. Ein kurzer Rückblick auf R e - g c r 9 3ßi r t en in Gießen dürfte daher nament- lifh jene .streife interessieren.
“'m November 1909 kam Max 'Roger zuiammen mi dem ausgezeichneten Geiger Sjenri M a r - i - >i u zum ersten '.Wale hierher. Auf dem bei dieser Gelegenheit bnraebolcnen Programm standen Korn ppfilionen non 'Mozart und Brahms sowie Regers eigene Suite im alten Stil op. 9.3 und das von Marteau gefpielte große Violinkonzert in D-Dur. Zwei Iah e später, im Januar 1911, erfreute uns 'Reger wiederum mit feinem Besuch und brachte diesmal Frau F 11 ch e r . M a r e tz k t mit, die, wie bekannt, lange Zeit als erste Reger Interpretin beharrlich und wirkungsvoll fiir seine Kunst eintrat; Rieger spielte damals mit Professor Trautmann die nierhandigen ,cinq pieces plttoresques“ und auf zwei SUaolercn die Beethoven Variationen, was ollen, die jenen Stunden beiwohnen "burften, ein unpergefrflmer Genuß bleiben wird Seine brhtmallqe ?lnwesenheit im Februar 1913 brachte uns dos Erlebnis, Reger als Dirigenten ber trefflichen Mei - ninger.Kapelle beobachten und in feiner Eigenart auch nach dieser Richtung hin bewundern zu können. Er lieh dabei spielen die Hiller-Variationen und die Luslspielouvertüre op. 120. Rur kurze 3elt darauf kehrte er wiederum mit dem Meininger Orchester hier ein, um sich diesmal auch als Chordiri' gent zu zeigen. Unter seiner Leitung fang der Akademische Gesangverein damals das Chor- wcrk „Die Nonne" op. 112, während bas Orchester
bie Roman sch« Suite zu dem Programm beitrug. Im Februar 1914 lernten wir durch ble Meininger bie herrliche Döcklin-Suite Regers kennen, unb im Jahr barauf, 1915, spielte der Meister selbst mit dem Leipziger Gewandhaus-Quartett aus seinen Kommermusikwerken das noch in Meiningen entstandene Klavierquartett op 133. Das war sein letzte» Musizieren in Glesien. Aber nicht nur bei diesen Gelegenheiten sind Reaersche Kompositionen hier zu Gehör gebracht worden, sondern auch zu allen anderen Zeiten hat sich der Konzertoerein unter Professor Trautmanns Führung mit Erfolg dafür eingesetzt Professor Irautmann hat neben den drei Choralkantaten zwei bedeutende und für die Sänger schwer zu bewältigende Chorwerke zur Aufführung gebracht: den „Einsiedler" (mit dem Requiem wohl Regers bestes Chorwerk» und im Dezember 1925 den gewaltigen 1 00. Psalm, in ganz ausgezeichneter Wiedergabe, wie Publikum unb Kritik bamalfr einstimmig versicherten. Fast alle kon- zertierenben Künstler sinb in Giesien auch gern für Reger eingetreten, so Adolf Busch, Fritz Busch, Giese- king, Serkin, Frau Fischer-Maretzki, Erler-Schnaudt, das Wendling-Quartett, Amar-Quanett u. a. m.
So ist in Gießen der Boden für Reger gut bearbeitet worden Es darf nach alledem wohl angenommen werden, baß die Gedächtnisfeier, für welche bie zur Zeit bebeutendste Reger-Inlerpretin, Frau Claire v. Conto, unb ber Organist Wieder gewonnen worden sind, warmes Interesse und die nötige Unterstützung finden wird. Karten sind bei Ernst Chollier zu hoben, für Konzertvereinsmitglieder zu ermäßigtem Preise.
Ausstellung ,,Unsere gähne".
Eine ganz vortreffliche Ausstellung zeigt gegenwärtig im Kaih. Deremshaus bie Bezirksgruppe Oberheffen bes Reichsoerbandes Deutscher Dentisten. Sie hat eine Schau „Unsere Zähne" hergerichtet, die eine ausierordenUiche Fülle des Lehrreichen und Sehenswerten enthält. Am Samstagmittag wurde die Ausstellung eröffnet und dabei die auf die Hebung unserer Volksgesundheit gerichtete Tendenz der Veranstaltung in Ansprachen des Dentisten S ch e 11 e r-Gießen, de Dentisten Büche von der dentistischen Fachschule in Frankfurt a. M. unb bes Beigeorbneten Dr. Frey mit Recht stark her- vorgehoben. Die Munb- unb Zahnpflege läßt be- konnllich noch viel zu wünschen übrig, unb beshalb ist es besonders dankenswert, daß durch eine Ausstellung wie die hier hergerichtete Aufklärung in breiteste Volkskreise getragen wird. An zahlreichen Modellorbeiten. die von der dentistischen Fachschule in Frankfurt sachkundig hergestelll wurden, sowie an Röntgenbildern usw. werden die Zahnkrankheiten und ihre Folgen gezeigt, woraus man leicht Schluß- folgerungen ziehen kann auf dos. was vorbeugend unb verhütend zu tun ist. Sachkundige Führung und Belehrung durch hiesige Mitglieder des Dentiftenner- bantes dient vortrefflich zum Verständnis der aus- gestellten Objekte. Der Zutritt zu ber Veranstaltung ist frei. Diese Ausstellung ist eine verdienst- volle Tat, der roi rdas stärkste Interesse der gesamten Bürgerschaft wünschen; sie reiht sich würdig und wirkungsvoll den Segnungen an, bie von der Rcichsgesundteitswoche in brei e Bevölkerungskreise ausstromten. Schon um seiner seiest willen sollte niemand versäumen, sich in dieser Ausstellung fachkundig gegebene Aufklärung zu holen und diese sorg- lich zu beherzinen.
LZornotizen.
— Lageskalender für Montag: Eckener-Lag: 8 Uhr, Vollshalle, Vortrag von Dr. Eckener. — Oeffentllche Ausstellung, „Unsere Zahne", von vormittags 10 Uhr bis nach,"«tags 6 Uhr„.Kath. Vereinshaus". — Licht spi> hauS, Bahnhofstraße ., 5amihc Schirnet ur/' Zur Chronik von Grieshuus". ,
Palast-Lichtspiele Der Vortrag Deutsche Heimatfilmc" findet wegen teS Dr.-Eckcn. r-Vor- trages heute nicht statt. Reuer Termin wird noch befanntqegeten.
— D i e Laban schule Frankfurt wird infolge Verschiebung Mittwoch, nicht am morgigen Dienstag, im Stadttheater unter Leitung von Frl. Lotte Müller anmnastisch-tänzerische Uebungs folgen, d)oreogr ir,hifd)e Studien, Ausdrucksstudieu und Tänze zur Ausführung bringen. Bei dem außer ordenllichen Interesse, das sich in Gießen seit langem für Tanz unb Gymnastik kundtut, wird diese erst malige Darstellung des Labonsystems sicherlich zahl reichen Besuch finden. (Siehe Anzeige.)
Ein Deutscher Abend zum Besten ter Ausl'iltnmg von deutsche" Kolonialschwestern wird am kommeirten Sonntag von ter hiesigen^ Ortsgruppe des Frauen Vereins vom Roten Kreuz für Deutso. - fiter See im Stadttheater veranstaltet. Rinrahmt von Musikstücken, für die sich das Stutentenorchester danienswert erweise zur Verfügung gestellt hat, werden Kräfte des Stadt- theaters im Verein mit Fräulein Trute Heß vom Kösliner Stadttheater, die ja hier in Giesien keine Hnbefaimte ist, Goethes reizend amnutiges Schauspiel aus ter Weimarer Zell .Die Geschwister" zur Ausführung bringen. Dann werten durch Leihgesterner Burschen und Mädchen in der
alten, schönen Hütrenterger Trecht, tm man heute I leider kaum mebr zu sehen bekommt, unter Gesang und Zwiesprache Szenen am Dorfbrunnen zur Darstellung kommen. Auch das bunte Leben und Treiben m einer alten hessischen dptnnftute soll vorgeführt werden. Georg Hesi. ein guter Kenner alter Hüttenberger Gebrauche, dem wir ja schon manch kurzweilige Schnurre in heimischer Mundart verdanken, leitet diesen Tell des Abends Die Preise sind so gehalten, daß jedem Mitbürger in Stadt und Land die Teilnahme an diesem ge nusiverlprecheirden Abend möglich gemacht ist. zumal die durch die Veranstaltung erzielten Ein- nahmcn dazu dienen sollen, durch Entsendung von Kranken- und Fürsorgeschwestern unseren deutschen Brütern, die in allen Weltteilen über See hart um ihre Existenz ringen, wieder die Wohltat deutscher Krankenpflege und mütterlicher Fürsorge durch deutsch« Schwestern zu verschaffen. (Räheres siehe Anzeige.)
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" 2 prilwe11er im W a i hat uns der Wettergoti in den letzten Tagen gebracht. Rauhe Winde, Kält«, Regen und sogar Hagel machten den Aufenthalt im Freien ungemütlich und liehen eine schön geheizte Stube noch immer als geraten erscheinen. 3n der letzten Rächt kam sogar empfindlicher Rachtfrosk hinzu, der an dem jungen Grün und der Blütcnpracht allerlei Unheil an- richtete. Die Eishelligen MamertuS. Pankratius und Servatius, die vom 11. bis 13. Mai als gestrenge Herren zu fürchten find, haben eS mit dem Antritt ihrer Herrschaft offensichtlich sehr eilig gehabt, ganz gegen unseren Wlllen!
O DaS Zest der goldenen Hochzeit bedingen am gestrigen Sonntag ter Pfarrer L *K Friedrich 6er i ba und Gemahlin geb. Bernhardt. Ostanlage 9 Hierselbst wohnhaft. Dem Jubelpaar ist noch eine ausierordentliche geistige und körperliche Frische beschieden. Dem alten Herrn, der 77 Jahre alt ist, und seiner im 71 Lebensjahre stehenden Gattin wurden vielfache herzliche Ehrungen bereitet.
** Hessischer Landes-Lehrerinnen- Verein. Auf der Hauptversammlung des Hessischen Landes-Lehrererinnen-Vereins, die am 15. Mai hier stattfindet, wird Margarete Treuge aus Hamburg über „Die soziaipädagoaifchen Ausgaben unserer Zell" sprechen. Margarete Treuge leitet seit Jahren die von Dr. Gertrud Bäumer und Dr. Marie Baum in Hamburg gegründete Soziale Frauenschule, die mit einem sozialpädagogischen In- stitut verknüpft ist, und gehört in Hamburg und wett über Hamburg hinaus zu den Führerinnen auf dem Gebiet aller Sozialpädagogik. Aus ihrer Kenntnis der tiefen fozialen Zufammenhänge unteres Lebens heraus ist ihr Sozialpädagoglk ein weiter Begriff, vor allem lieht sie jede Pädagogik — wie Ratorp — als Sozialpädagogik. So beruht ihr das Schwergewicht der Ausbilliung des künftigen Dolkslehrers in feiner vertieften sozialen Ausbildung. Sie verlangt vom Lehrer eine bewußte soziale Einstellung, eine starke innere Beziehung zum Leben, die Fähigkeit, seine Arbeit am Kinde einhüftigen in menschliche Beziehungen und Verbundenheiten. — Der äußere Rahmen, in dem sich menschliches Leben abspielt, ist der Staat. Marg. Treuge so-dert vom Menschen und vor allem von jedem Erzieher eine feste Stellungnahme zum Staat, die auf klarer politischer Ucberjeugung beruht. So sind Sozialpädagogik, Lehrerbildung unb Staatsbürger- künde ihre Hauptarbeitsgebiete, auf denen sie Eigenes und Hervo.ragendes leistet.
" D. Sy C. Dir bie Anmeldungen auf den geplanten Sonderzug nach Hartmannshain zur Einweihung bes 3ugenbheims und ter Denkmalsweite auf der Herchenhainer Höhe nicht In genügender Zahl ein gelaufen sind, mußte von der Ausstellung eines solchen Zuges Abstand genommen werden. Dagegen ist es ter Hauptvereinsleitung gelungen, für die Rückfahrt ab Hartmannshain einen späteren Zug alS fahrplan- mähig. und ;war ab 6.52 Uhr. an Giesien 9.52 Uhr atente gehen zu lassen lsiehe 3nferat), so dasi also genügend Zeit für den Aufenthalt auf ber Höhe bleibt. Hoffentlich machen iccht viele Teilnehmer von dieser Vergünstigung Gebrauch, ist doch dadurch auch die Möglichleit geboten, da? eigens für ten Tug verfaßte Festspiel: „Die Priesterin" mit anzufehen.
*• Schaukochen auf G a s! Rach einer Anzeige in unserer heutigen Rümmer findet am Dienstag. 11. d. Mi^, nachmittags 4 itfrr, und Mittwoch, 12. d. Mts., nachmittags 4 Uhr und abends 8 Ute Vortrag und Schaukochen auf Roedergasherden neuester Konstrullion im Saalbau Sauer, Reustadt 58, statt. Es wird für jede Hausfrau von 3ntereffe fein, hier zu sehen, wie sie vorteilhaft und billig mit Gas wirtschaften kann. Die Hausfrauen seien auf diele Veranstaltung besonders aufmerksam gemacht.
*• Berichtigung. 3n dem Artikel „3 u r Reise nach Dalmatien" in unserer Reifebeilage vom Samstag ist ein 3rrtum unterlaufen, der hiermit richtiggestellt sei: Die Ausfüllung der Formulare übernimmt natürlich das 3 ugo- slawische (nicht, wie angegeben: Tschechoslowakische) Konsulat in Frankfurt.
~ Auftrieb auf dem heutigen Frank furter Schlachtviehmarkt: 294 Ochsen, 48 Bullen, 914 Kühe. 591 Kälber 37 Schaf». 3077 Schweine.
Kleine Strafkammer Gießen.
Gießen, 7. Mai. Zwei Landwirte au» Mittel-Gründau waren vom Amtsgericht Tübingen wegen Milchfälfchung au Geldstrafen verurteilt worden. Die Staat^mwaltschast verfolgt« dagegen Berufung, um eine strengere Bestrafung zu erzielen. Die Berufung hatte Erfolg. Da» Gericht mar der Ansicht, daß ein derart gemeingefährliches Vorgehen, durch das in erster Linie Kranke unb kleine Kinder gefährdet werden, mit bloßen Geld- strafen nicht wirksam bekämpft werden kann. Don den Angeklagten wurde der eine zu einer Gefäng nis strafe von 1 Woche und 50 M k. Geldstrafe, der andere, ber noch mehr Doffer zuge setzi hatte, zu einer Gefängnisstrafe von 10 Tagen und 60 M k. Geldstras« verurteilt. Außerdem wurde bestimmt, daß das Urteil auf Kosten der Angeklagten öffentlich bekannt zu machen ist.
Das Urteil de» Amtsgericht» Bad-Nauheim, durch dos ein Kaufmann von der Anklage der Pfand Verschleppung freigesprochen worden war. wurde bestätigt.
Ein Landstreicher, der außer zu Host zur Uebermelfung an bi» Landespolizei- behörde verurteilt worben war, erzielte mit seiner Berufung, daß von Uedermeisung abgesehen wurde. Das Gericht nahm zu feinen Gunsten an, baß er setzt Arbeit bekommen könne unb auch an nehmen wolle.
Gerichtsfaal.
Todesurteil im Meouprozeft.
Darmstadt. 8 Mai. (Wolff.) Aach dreitägiger Verhandlung wurde Heu de das Urteil im Prozeß gegen ten Studenten Joses Mevn, ter am 21. August 1925 die Stütz» Anna ® t II- m an n aus Wirtelskirchen mittels eines Totschlägers und Erwürgung ermordet hatte, gefällt Meon wurde zum Tode und zur dauernden Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt
Aus den Verhandlungen ist noch von Interesse, dasi die Sachverständigen — Amtsarzt Dr. Vif, Sanitätsrat Dr. Magnus Hirschfeld und Oberarzt Dr. Dannenberger — ziemlich übereinstimmende Urteile über Meon abgaten. 3n ihren Gutachten wurde Meon alS intellektuell unter dem Durchschnitt stehend bezeichnet, alS aemintert zurechnungsfähig oder alS erblich belasteter Reurvpath. Reue über den Mord habe er kaum gezeigt Dem weiblichen Geschlecht gegenüber sei Meon als seelisch-sadistisch zu tetradxten, die Triebstärke bei ihm nähere sich dem, waS die Wissenschaft als HypererotiSmus bezeichnet Der letztgenannte ter Sachverständigen erklärte, dasi die Minterwertigbeit nicht die verminderte Zurechnungsfähigkeit bedeute. Oberstaatsanwalt Wünzer bemerkte in seiner Anklagerede, dasi । on dem, was Meon zu seiner Verteidigung vor- br .d;te, kein Wort zu glauben sei. Es liege keime Affekthandlung, sondern eine wohlüberlegte Tötung. ein Raubmord vor. Meon sei weder «in psychologisches noch ein sexuell-pathologisches Rätsel. Di« Verteidiger suchten die Tat MeonS als Affekthandlung hinzusiellen, sie chavakterisier« sich als Totschlag, nicht alS Mord. 3n ter UrteiM- begründung wurde vorn Gericht auSgeführt daß ter Tötungsvorsatz zu bejahen und eine Affekthandlung ntchck glaubhaft sei. Di« Wegnahme des Geltes sei als Raub zu bezeichnen. Meon riss nach Verkündung des Ürteils in t*n Saal: .Das ist ein Mord!"
Rundfunk-Programm
deS frankfurter Senders.
(Aus der ^Radio-Umschau".)
Dienstag, 11. Mai.
4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchester». 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde: Aus dem Roman „Pitt und Fox" von Friedrick Huch. 6.15 bis 6.45 Uhr: Übertragung von Kassel: Vortrag des Direktors Reinhold Scheer von der landwirtfchafllichen Winterschule Wolssanger: „Unkrautbekämpfung und Bodenbearbeitung in Feld und Garten". 6.45 bis 7.15 Uhr: Vortragszyklus des städtischen Gesund- heitsamts: „Landheime", Vortrag von Prof. Dr. Schlesinger. 7.15 bis 7.45 Uhr: Funkbochschule Frankfurt: Charaktergestalten aus der Geschichte des neueren deutschen Unternehmertums, V. Aus dem Kreis ber Mitarbeiter und Jortsetzer Emil Rathenaus: Waller Rathsnau und Oskar o. Miller" — Vortrag von Professor Dr. Ktintzel. 7.45 bis 8 Uhr: Englische Citeraturproben, oorgetragen von Paul Olbrich, Studienrat an der Musterschule. 8 bis 8.30 Uhr: Englischer Sprachunterricht. 8.30 bis 10 Uhr: Vortragsabend Professor Marcell Salzer. 10 bi» 11 Uhr: Reue Schallplatten.
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