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Nr. 84 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) lUontog, 12. Ayrii^b

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an ihrer untertoertigen Währung, bi« ihnen Aum mindesten im Inland einen Vorsprung vor Der ausländischen Konkurrenz gewährt.

Die Kohlensrage kann nur auf internatio­naler Basis gelöst werden. Die englische und die deutsch« Kohlenindustcie stehen heute im schärfsten Wettkampf, ähnlich wie die deutsche und französische Eisenindustrie. Die Engländer haben dabei zu energischsten Kampf Maßnahmen gegriffen und ihrem Bergbau, obgleich sie die Zweischncidigkcit dieses Mittels kannten, hohe Staatssubventionen gezahlt, in der Hoffnung, dem durch die Inflation, den Ruhreinfall und die Lasten des Dawes-Abkommens schon zer­mürbten deutschen Kohlenbergbau den Todes- stoß zu versetzen. Es ist erstaunlich, das) die 'Ruhrindustrie auch diesen wirtschastich schwersten Angriff aus eigenen Mitteln überstanden hat. ohne mehr als einige unbedeutende Randge­biete an Ost- und Rordsee einzubüßen. Die beiden Gegner kennen ihre Starte und Schwäche, und damit scheint der Augenblick gekommen, den Kampf durch eine Verständigung zu ersehen, ähn­lich der. die zwischen der deutschen und französi­schen Eisenindustrie angebahnt wird. Ob man da­bei zu einer Kontingentierung der Produktion, zu einer Kartellierung des Absatzes oder zu einer Verteilung der Absatzgebiete gelangt, ist von un­tergeordneter Bedeutung; die Hauptsache ist. das) sich möglichst bald in den beteiligten Ländern die Erkenntnis durchsetzt, das) es heute Industrien gibt, die innerhalb des beschränkten nationalen Rahmens nicht mehr bestehen können.

Europa must mit seinen karg gewordenen Mitteln haushalten. W.nn cs schon die politische Zersplitterung, die durch den Versailler Vertrag in sinnlosester und geschichtswidriger Weise noch vermehrt ist, in den Kauf nehmen must, so kann und mutz es wenigstens die wirtschaftliche Zersplitterung überwinden, soweit das praktisch möglich und geboten ist. Wir wollen leinen Hirngespinsten nachjagen. Ein wirtschaftliches Paneuropa ist ebenso utopisch wie ein politisches, es handelt sich nur darum, innerhalb derjenigen Industrien in den verschiedenen Ländern eine Art Ge­meinschaft zu schaffen, bei denen sich gezeigt hat, dast die eine die andere nicht niederringen kann, und dast sie doch im gegenseitigen Kampfe nicht existieren können. Für Deutschland ist das die Kohle und das Eisen. Diese Produkte können nur noch international bewirtschaftet werden. Da­durch treten beide Industrien in einen Gegen­satz zu den anderen, die sich ihren nationalen Wirtschaftscharcckter bewahrt haben, und wenn sie, auch im Gegensatz zu diesen, an der gebesser­ten Lage und den günstigen Aussichten feinen Anteil haben, so liegt es daran, dast die Besse­rung nur intern ist, während die Zerrüttung des europäischen Marktes zum Schaden aller weiter besteht.

Deutschland als Kolonialmacht.

Das Thema der deutschen Kolonialpolitik ist seit einigen Wochen wieder aktuell geworden, und zwar merkwürdigerweise vorläufig noch mehr für die internationale Öffentlichkeit als für uns selbst. Das Verdienst daran ist dem Reichsbank- präsidenten Dr. Schacht zuzuschreiben, der kürz­lich in der Deutschen Kolonialgesellschaft Berlins einen Vortrag über die neue deutsche Kolonial­politik hielt. Er sahte das Problem seiner ganzen Einstellung entsprechend vornehmlich von der wirtschaftlichen Seite an, indem er davon ausging, dast Deutschland zur Bezahlung der Dawes-Leistungen immer gezwungen sein wird, eine starke Produktion auf den Weitmarit zu werfen, und zwar eine Produk.ion an industriellen Fertigfabritaten, in Konkurrenz mit den Ländern, die aus dem Dawesplan jährlich zweieinhalb

Milliarden von unS haben wollen. Gerade diese Staaten werden uns aber unsere Ware nicht ab- nehmen wollen: im Gegenteil, zum Schuhe chrer eigenen Industrie sich mit hohen Zollmauern umgeben. Deutschland ist allo genötigt, sich neue Absatzgebiete zu schassen. Hnb nicht nur das, es must, um seine Zahlungsbilanz aktiv zu gestalten, irgendwie den Versuch machen, die Rohstoffe, die es verarbeitet, in eigener Erzeugung zu gewinnen. Das ist nur möglich durch den Ge­winn neuen kolonialen Siedlungs­landes.

Dr. Schacht kam auf diesem Wege zu dem Ergebnis, dast wir Kolonien brauchen, dast aber das Geld dazu flüssig zu machen ist durch tue Privatinitiative in Form der Gründung von Gesellschaften, wie sie früher bieOft- Indien-Compagnie Englands war. Das Reich wird in absehbarer Zeit zu arm fein, um die ungezählten Millionen flüssig machen zu können, die in ein solches Reuland hineingesteckt werden müs'en. Das Privatkapital aber wird sich daran interessieren, wenn es b'.e nötigen Gewinn­chancen sieht. Und die Und zweifellos vor­handen. weil Deutschland die Meirichen, die zur Ansiedlung erforderlich find, im äleberfluh hat. Alle die Rückwanderer, die nach dem Kriege zu uns gekommen sind, im eigenen Lande unterzu­bringen. ist uns auf die Dauer unmöglich. Sie werden einen gesunden Stamm von 5armem ab­geben, mit dem wir fruchtbare Kulturarbeit leisten können unter Erhaltung des eigenen Volkstums, während die Abstoßung nach Amerika oder Asien nur bedeuten würde, dast alle diele Millionen dem Deutschtum verloren gehen.

In der erfrischend offenherzigen Ansprache an die Kritiker (damit sie sich nicht übergangen fühlen") heißt es:... Unb doch sind neun Zehntel von dem, was in der Presse der Haupt­städte Europas und Amerikas an Dramenkritiken geboten wird, nichts anderes als eine verworrene Paraphrase darüber..." Und dabei gehören wir wohl noch nicht einmal zu den Hauptstädten, die der große Shaw gemeint hat. Dr. Th.

man sich um die Definition von Schillers (so überraschender)Romantik" bemüht. Die Gü­tung ist einfach und besteht in der Gleich­setzung vonromantisch" undunhistorisch . Shaws Johanna ist unromantisch und historisch. Cum grano salis, natürlich.

Die Stationen, in Kürze. In der Cham­pagne. im Schlosse Vaucouleurs beginnt ber kriegerische Weg des pfiffigen Bauernmädchens. Mit einem Streit um ungelegte Eier (im ©mne f-es Wortes), so unromantisch wie möglich. Der Auftakt endet mit der Erkenntnis kleiner Geister: etwas ist kos mit ihr. . . öic ist

doch von Gott gesandt." Dann aber in der starken Szene im Schloß Chinon reißt sie über den Dauphin und die großen weltlichen und geist­lichen Herren hinweg mit dem gleichsam unter­irdisch ausbrechenden Feuer ihrer Persönlichkeit die Herzen an sich und zwingt sie unter ihr magisches Schwert und ihre Gottesfahne. Vor dem lieber irdischen, dem Wunder an der Lowe (3. Szene) bricht sie ebenso in bie Äme tote Dunois vor ihr niedersinkt. Aber in ihrem Aus­richten erhebt sich der französische Sieg.

Shaw haßt den Krieg: fein Schlachtfeld, fein Trompetenstoß, fein Srommcltoirbej. lein Zusammenprall und feine Flucht: die Gegen­seite. im englischen Zelt beim Generalissimus Warwick, in diplomatisck^politischer Konversation. Dann die große, ergreifende Szene in der Kathe­drale von Reims. Johanna hat Karl zum König gefrönt und erntet den Lohn ihrer Stege: Man hat von ihr genug, fie hat ihre Arbeit getan, sie kann gehen, man ;ft ihrer überbrufig, wendet sich ab, greift ste an. läßt sie fallen in tragische Einsamkeit überragenden Menschentums. Aber wie eine Gnodenglocke schwingt ihr ekstatischer Rus über die versammelte Kleinheit: »Beller nut Gott allein ... 3m Ramcn seiner Kraft will ich wag n und wagen und wagen bis in den Tod..."

Rouen 1431: Gericht. Von den Burgundern wurde sie gefangen, an Warwick für sTweres Geld verkauft. Angeklagt als Here der Lästerung, der Ankeuschheit, des Ungehorsams, bricht, mit Folte-

Die Neuinszenierung (Intendant Stein- goetter) war fein und stimmungs reich: spar­sam in den Farben, bewegt in der Verteilung der Massen, gut gegliedert im Szenisch-Räumlichen, pfleglich im Wort und von sicherem Gefühl für den Gesamtton, der durchaus nicht so einheitlich wie in anderen Historicnspielen die innere Me­lodie der Chronik ausmacht. Als Kontrapunkte, die sich gewichtig wiederholen und steigern, haften vor allem die Kathedralenszene und der Epilog im Gedächtnis. Das groß angelegte Ketzergericht, obwohl sehr gut gespielt, litt unter den breiten Vorbereitungsreden, die freilich bei Shaw im

Buche stehen.

Ieanne: Susanne He hm. Die schwere und große Rolle vortrefflich betoältigt. Die vielfachen Componenten der Figur zugleich auseinander- gelegt und in Einheit und Gleichklang zusammen- geschlossen, ckleberlegenheit und innerliche Führer­schaft im jugendlich-herben Körper: eine warme, musikalische Stimme, die ganz natürlich *mb ein­fach plaudert, die aber unversehens ekstatisch an­steigt, in Begeisterung jubelt, in Angst und Todes­furcht zittert, in Trauer sich verschleiert, wenn die Heiliggesprochene traumhaft wiederkehrt.

Auch die übrige Besetzung trug individuellen Charakter und qualitätvolles Format. Die witzige Königslarve Bastes (ganj auf Ehawschem Geist gewachsen): Hankes leidenschaftlicher DunoiS: Geffers Warwick (ein großer Weltmann und gewiegter Politiker, mehr als ein rauhbeiniger Haudegen): Goll,ungeheuer anmaßender Wein- schlauch" Trämouille: Juhnke, der fanatisch chauvinistische Stogumber: die machtprunkenden Kirchenfürsten: Volck, Schubert, TelekY.

Im gleichen Maß, tote Shaw künstlerisch von Schiller abrückt, nähert er sich Georg Kaiser. Ihre Formulierungen haben die gleiche geistige Perspektive: Demaskierung. Rückführung aus falscher 2lpothcose auf menschliche ülmrisse. Ent­kleidung von posthum gefälschter Heldengloriole (Helden" erscheinen bei Shaw stets oder meist in Gänsebeinchen), Filtrierung des Tatbestandes durch die aufgeklärte Rüchternheit des Jahr­hunderts. Zugleich aber mit der Annäherung an unromantisch-irdifche,natürliche" Proportio­nen, an geschichtlich gegründete Fakten ward ge­funden denn Shaw, wie Kaiser, ist eben nicht Rurhistoriker, sondern Künstler -- Ver­einfachung und Vermenschlichung der Heiligen­gestalt. Man sieht die Ieanne nicht mehr tote durch einen Schleier, durch ein verklärendes, jen­seitig machendes Transparent, sondern als das Menschenwcsen mit Fleisch und Blut, ganz einfach.

Für Kaiser war ein Einzelfall der Chronik von psychologischem Interesse. Für Shaw die ganze Chronik, Und er erweitert sie zugleich, reiht sie ein, gibt ihr nicht zwar ihr welt­geschichtliches Maß. aber ihren bleibenden Sinn. Er sieht nicht, wie Schiller es sah. Den Strengen, notwendig Sühne heischenden Konftitt (zwischen himmlischer Berufung und irdischer Liebe), Sondern das Mädchen ganz in ihrem menschlichen Daseinsablauf vom Anfang bi» zum Ende. Der Scheiterhaufen aber ist nicht das Ende, sondern der eigentliche Anfang Johanna». Shaw «iebt seine ..Heldin' gleichermaßen ruck- schauend, wie vorwärtsblickend. >pte wird iym Symbol, ihr Leben Gleichnis für viele UiiDere Leben. Deshalb kann er auf den Epilog nicht verzichten, der mit den Worten abfchließt: ,,O Sott, der du diese wundervolle Erde geschaffen hast, wie lange wird es dauern, bis sie wert sein wird deine Heiligen. zu empfangen, wie lange, o Gott, tote lange?"

Das ist der tiefere Sinn der Chronik. Und man muß sich erinnern, daß es auch weltliche Heilige gibt, die daraus toacten müllen emp­fangen zu werden. Das ist der Z^oße Appels das Menschenmemento anno domini HDo._ -Jas ist für uns so wichtig wie für die Englancer. die auch hier denn Shaw kann in der 3o- hanna-Chronik so wenig aus seiner Haut heraus, wie im Methusalem-Evangelium mit aller

auch hier: denn früher oder Spater wird Afrika erwachen, der Aethiopismus macht langsam, aber Sicher Fortschritte, und wir wollen uns nicht noch einmal der Gefahr aussetzen, daß wir gejat haben, nur damit ein anderer goldene Ernte einbringt. Aber gerade Oftafttfa hat Raum genug, um all den Bedingungen zu ent­sprechen. an die für Deutschland aus unterer Verarmung der Wiederbeginn der folomalcn Betätigung gebunden ist. Das Scheint man auch in London einzuSehen, so wäre es immerhin ver­ständlich. wenn die Engländer, bevor wir in den Völkerbund hineingehen. schnell noch Ostafrika mit Italienern nach Kräften zu bevölkern lutbcn würden. Sie dementieren das zwar, etwas Wah­res wird indesfen schon daran fein. Sie werde« jedoch wohl nicht naiv genug fein, zu glauben, daß es gelingen könnte. Deutschland mit seinen Ansprück^n durch einige unfruchtbare oder sumpfige Länderstrecken abzuSpeifen, tu denen wir uns ohne Ausficht auf finanziellen Ertrag die Zähne ausbeihen. Einen solchen Lurus kön­nen wir uiis nicht gestatten. Wir willen nicht, wieweit die vertraulichen Besprechungen der deutschen Regierung vor QCbfenbung unteres Auf- nahmegeSuches an den Völkerbund gediehen sind, wir teilten aber, daß die Forderung nach trag- ähigem Kolonialneubefitz eine der wenigen fra­gen ist, wo sich eine deutsche Einheitsfront ganz von selbst herausgebildet hat. ülnd das wird der deutschen Politik bei der Anmeldung un- Ansprüche eine starke Rückendeckung geben.

Gießener Stadttheater.

BcrnardShaw:DicheiligeJohanna".

Immer und immer wieder hat diese welthittori- schc Gestalt die Gemüter erregt und die Poesie be­flügelt, immer wieder haben die Dichter sich ihrer bemächtigt, nachdem die Geschichte, parteilos, kühl und nüchtern, das Ihre längst getan und gesprochen hat. Bei Shakespeare (Heinrich VI") ist ste gewiß zu kurz gekommen, beim Landsmann und französi­schen Nachfahren Voltaire (Pucelle") erst recht Er machte sie lächerlich, jener verächtlich. Und man hatte glauben können, nach SchillersJungfrau sei ste endgültig und letztmalig im Dichterischen verklart worden.

Aber da erhebt unsere eigene Zeit aufs neue ihre Stimme. Georg Kaiser (Gilles und Ieanne ) griff, seiner Weise, seiner geistigen Einstellung und dramatischen Blickrichtung gemäß, einen erotisch be­tonten und an eine gewisse Grenze getriebenen Son­derfall aus der überlieferten Histone um Scanne heraus. Und Shaw? Er schrieb eine dramatische Chronik in sechs Szenen und einem Epilog, und es hat fast den Anschein, als ob die Gestaltung, die er gab, gültiger und populärer werden wollte, als die romantische Tragödie Schillers, die uns seither am nächsten stand.

Außer den sechs Szenen und dem Epilog, auf den der Dichter (mit Recht) durchaus nicht zu ver­zichten gewillt ist, und gegen dessen ^re.chung auf der Bühne er sich entschieden gewehrt hat, schrieb aber Shaw auch einen Prolog zu ^nem Stuck nn Vorwort von immerhin achtzig Druckseten.Denner nahm seine Sache sehr genau. Und betastete drehte und wendete das Ucberkommene hm und her her und hin scharfgeiftig, logisch und wahrheitsliebend. Er prüfte die historistlje Echtheit, wie die modernen Entstellungen, die Schönheit Johannas und ihre Visionen er erwog ihre Vergötterung. w,e ihre Mißdeutung, er verglich sie mit Sokrates, und maß sie an Napoleon. e

2lls QuinteSfcnz feiner, (Sonte.ption der Sc­anne d'Arc aber steht getrieben...... ein Hu-

aeF pfiffiges Landmädchcn von autzerordcnt- IZ-r S-Wl-ost und physischer Tapser^.t... Sie ist niemals auch nur einen Augenblick das aetoefen, was So viele Roman- unb ^eater- Febreiber aus ihr zu machen versuchten: eine wmantiSche. junge Dame..." 2n der Tat: die Quinieifenz. ästhetisch ge:ehen. Der Standpunkt, der Shaw tünstleriSch ifoliert. Der ihn - vor allem deutlich und absichtlich von Schiller abrücken läßt, mindestens ebensofehr, wie er ftch von Shakespeare und Voltaire entfernte, eben- fofehr auch wie von den Lobhudlern. Wie hat

Internationale Sanierung.

r7 Don Profeffor Dr. Max I. Wolff.

Die deutschen Dorfen behnben sich feit Be­ginn des Jahres in einer dauernden festen Stimmung, die an einzelnen Tagen zu einer sprunghaften Heraufsetzung der Kurse führte. Eine solche Korrektur nach oben war ja nach der Qreivierteljährigen OkrHauung zu erwarten und fpt, So überraschend sie eingetreten ist, nichts plnr.atürliches. Auch kann man kaum behaupten, daß von einzelnen Ausnahmen abgesehen die Detvertung der Effekten übertrieben hoch srj- immerhin haben sie eine erstaunliche Hohe erreicht, wenn man die Schwierigkeiten erwägt, zie die deutsche Wirtschaft durchgemacht hat ».nd sich der ungünstigen Prognosen erinnert, Üc ihr noch kürzlich von führenden Männern Les Handels und der Industrie gestellt wurden. ' Das Jahr 1925 war ein ausgesprochenes -«krisenjahr. Die Zahl der ArbeiterentlafSungen, Ler Ko-.ckurse, der GefchästsaufSichten und der 5-illaelegten Werke erreichte eine erschreckende ^öbe Man tröSbete Sich über die Zeichen des Niederganges mit dem Worte: GenesungskriSis. und Sicher gab es in vielen Zweigen der In­dustrie und des Handels zahlreiche Reugrün­rungen die Sich während des Krieges und der Inflation eingeniftet hatten und mit ihrem fchwä- L>cn papiernen Fundament nach der Stablli» lierung keine Cxistenzmoglichkeit und keine En- sienzberechtigung befaßen. Ihre Beseitigung hat Lie Bahn für die gefunden Unternehmungen sreigemacht? Dazu kam eine fortschreitende Ra­tionierung innerhalb der einzelnen Industrie- -weige und ZufammenschlüSse, die einen vernuns- tigen Ausgleich in der Produktion gewährleisten. Man darf annehmen, daß auf vielen Gebieten Las Schlimmste überwunden ist. und datz z. B. lie chemische und elektrische Industrie Sowie das Textil- und das Baugewerbe einer belferen Zu­kunft entgegengehen.

Es find durchweg Drttiebe, bei denen ent» toeber der Absatz im Inland die Hauptrolle spielt oder die Löhne nicht den ausschlag- «ebenben Faktor in der Preisgestaltung des Produktes bilden: diejenigen Industrien aber, lie auf den Export angewiesen und in ihren Gestehungskosten beinahe ganz von den Arbeiter­löhnen abhängig find, befihen keine gleich gün­stigen Aussichten für die nächste Zukunft. Das sind in erster Linie die Kohlen» und die Eifen- inbuftrie, die einst als die festesten und uner­schütterlichsten Stützen der deutschen Wirtschaft galten. ,

Auf diesen Gebieten mögen Sich auch ein­zelne Werke über Gebühr ausgedehnt haben, aber Kriegs- und Inflationsgründungen waren gerade hier Sehr Spärlich. Don einer Ausmer­zung überflüfHg gewordener Elemente kann kaum Erleichterung gehofft werden. Eine durchgrei­fende Befserung kann auch dadurch nicht erfol­gen. datz unergiebige Zechen zugunsten von er­giebigeren ftillgelegt werden, oder datz sich die einzelnen Unternehmungen noch enger als bis­her zuSammenfchließen. In beiden Richtungen ist schon viel geschehen, aber dadurch kann an der bitteren Tatsache nichts geändert werden, daß ous dem Weltmärkte heute mehr Kohle und Ellen angeboten wird als untergebracht werden lann. .

Am klarsten zeigt sich die Ungunfl der Lage im Bergbau. Wahrend die Arbeitslosigkeit fönst in den letzten Wochen eine abnehmende Tendenz ausweist, ift sie hier noch gestiegen. Trotz aller Einschränkungen ist eine Hebung des Absatzes nicht zu erreichen. Diese Schwierigkeiten treffen die englische Kohlenindustrie genau So wie die deutsche, und wenn die belgische und französi­sche r.och nicht darunter leiden, so liegt es nur

Wiener Bries.

Von unferem ^.-Korrespondenten.

Wien, 10. April 1926.

Der üebergang aus der Ruhe der Ostertage in das politische Alltagsleben gestaltet sich nur allmählich. Das Parlament hat noch einige Wochen Ferien und die nach verschiedenen Seiten (inec c..e e.i Handels- und Schied.ge .chts- verhandlungen befinden sich meist noch im Sta­dium der Vorbereitung: nur Soll, wie verlautet, der o st e r r e i ch i S ch-u ngariScheHande 16» vertrag nach endlicher UebcrtDinSung zahl­reicher Schwierigkeiten unmittelbar vor der Unterfertigung stehen. Wirklich ernste Fragen innen- oder außenpolitischer Ratur liegen im Augenblick nicht vor, es sei denn die bei Rück­kehr des Bundeskanzlers Ramek von seiner Besuchsreise nach Berlin und Prag etwas bedrohlich erschienene Lohnbewegung in einzelnen Bundesbetrieben: doch dürste ftc nach den von neuem aufgenommenen Verhand­lungen zwischen Regierung und Beamtenvertre­tern einer friedlichen Lösung entgegengehen.

Rachdem diefe Besuche in Berlin und Prag vorüber find, läßt sich ein gewisfer ileberblid über die Wirkungen geben, die diefe beiden Reifen hier hervorgerufen haben. 3n einem ist man sich einig, nämlich, daß Oesterreich von den berühmten Anempfehlungen des Völker­bundes an seine Rachfolgeftaaten nicht leben kann, und daß es seine Polittk nur auf Wirt- Schaft e i n ft e 11 e n muß, um auS der schweren Krise herauszukommen. In diesem Sinne wer­den denn auch die Reisen des Bundeskanzlers in erster Linie gewertet, und man begrüßt, daß Dr. Ramek die Initiative dazu ergriffen hat. Wenn in den Besprechungen des Berliner Besuchs vom politischen Anschluß verhältnis­mäßig wenig die Rede war und sich, mit wenigen Ausnahmen, auch im Auslande keine über- flüffige Aufregung bemerkbar machte, so liegt darin wohl der beste Beweis für die Richtig­keit des von Oesterreich eingeschlagenen Weges. Das Vertrauen darauf ist hier um So fester, als man bei allen Verhandlungen von vorn-

ruitg bedroht, ihrHcldcmtum" ganz menschlich zusammen. Mit lebenslänglicher Hast bestraft, rafft fie sich noch einmal auf und zerreißt die untermalte Widerrufungssormel. Jetzt kann fie niemand mehr vor dem Scheiterhaufen retten. Jetzt erst beginnt Johannas Sendung in der Welt: der Epilog mit her Heiligsprechung bringt zugleich die Wiederholung jener erschütternden. Schrittweis-unaufhaltsamen Vereinsamung, ver­hallt mit dem Ruf, der die Chrochk ins Zeitlose hebt: .....wie lange, v Gott, wie lange?

Voraussetzung für die Durchführung dieser Gedanken ift nur und damit kommen wir auf das politische, daß wir die nötige Ellen­bogenfreiheit bekommen. Sie ift uns in Ver­sailles genommen worden, wo die Siegerstaaten uns bescheinigten, daß wir uns Sür die Koloniai- tätigtcit als unfähig erwiesen hätten. Auch biofe Lüge ift inzwischen zufammungebrochen, ehrliche Engländer haben in ihrer eigenen PreSfe über» raScht eingestehen müffen, welche vorbildliche Ar­beit Deutschland in feinen Kolonien geleistet hat, fie haben Sogar anerkannt, daß seither ein starker Rückschritt in den ehemals deutschen Kolo­nien unter englischer und französischer Verwal­tung zu verzeichnen ist. Schon aus moralischen und ettnSchen Gründen ift es Selbstverständlich Pflicht Deutschlands, daß es dieSer Lüge ebenso wie dem KriegsSchuldmärchen mit aller Ent­schiedenheit entgegentritt. Daß ist von der deut­schen Regierung auch feit Jahren angekündigt und durchgefühlt worden. Als wir die erste Anfrage wegen unseres Eintritts in den Völker­bund verfandten, haben wir gleich daraus bin» gewiesen, daß ein: unserer Voraussetzungen auch die Rückgabe unserer Kolonien fei. Wir wissen natürlich, daß wir nicht daran denken können, alle Kolonien zurückzubekommen. Die Kcft>- Kvlonie wird sich hüten, Südwest-Afrika wieder herauszurücken, auch Kiautschou ist verloren und, soweit der Einfluß Australiens reicht, wird auch da kaum etwas zu wollen fein; ganz abgesehen davon, daß es zweifelhaft ist, ob wir gut daran tun, von neuem Stütz­punkte zu errichten, die Soweit von der Heimat entfernt und fo klein oder zerfplittert finb, datz wir Sie im entscheidenden Augenblick nicht zu halten vermögen.

Es käme also darauf an, eine Kolonie zu be­kommen, die auf der einen Seite die Begehrlichkeit anderer nicht erweckt, auf der anderen Seite ober auch groß genug ist, um ein geschlossenes Sied­lungsgebiet deutscher Auswanderer zu geben, Die hier erträgliche Lebens- und Entwicklungsmöglich­keiten finden können. Dafür kann nur Afrika in Frage kommen. Bedenken bestehen natürlich

Boshaftigkeit und giftigen Ironie die Meinung gesagt bekommen. Ein schwacher -^rost, datz es den Franzosen nicht viel belfer geht.

Wie mit der hergebrachten Stilisierung des Stoffes, hat der Ire mit der klassischen Aesthettk gebrochcw Hier ift eine neue Form des Geschichts­dramas eingeführt mit neuen Gesehen, von romanhafter Subjektivität des Schöpfers Eme stark episch gefärbte Haltung bestimmt die Szenen, die zeitlich und rättmlich weit auseinander liegen. 1429 1431, 1456! Aristoteles bleibt dahinten, Lessing ist abgetan. Die Geradlinigkeit des drama­tischen Ablaufes bestimmt die innere Dynamck des Werkes mehr noch als die heute zu fordernde Einheit der Stimmung, die eben durch das epifch vvrdrängende, persönlich beteiligte Temperament des Dichters oft genug durchbrochen wird.