Freitag. 8. Zanuarch26
Gichemr Anzeiger (General-Anzeiger für GberheM
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Stellung und Wirksamkeit, Arbeits- Lebensweise des Reichspräsidenten sind Deutschen noch nicht so wohlvertraut und bekannt, da dies Amt in unserem Staat ja so jung ist. Um nun Dasein und Bedeutung Liedes ersten Reichsbeamten der Allgemeinheit näherzubringen, erscheint soeben nn Verlag für Kulturpolitik zu Berlin ein Buch, in dem unter dem Titel ..Ein Tag aus dem Leben des Reichspräsidenten" von einem Regicrungsvat, der sich nur mit drei (Sternen bezeichnet. Wohnung und Arbeit, Rechte und Pflichten. Wesen und Le-
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Vater, darum bitten wir Sie, Majestät, uns ein bischen zu Helsen. Rämlich wir möchten gerne etwas lernen. Ich hätte Lust als Buchhändlerin, auch Goldarbeiterin tät mir gefallen. Meine Freundin hätte zur Modistin Ärst. Entschuldigen Sie gütigst auch wegen der schlechten Schrift und Daß es mit Bleistift geschrieben ist. Rämlich toir haben es auf oer Wiese beim Gänsehüten geschrieben. Bitte senden Sie uns ein kleinen Bildchen von Ihnen. Wir halten es in Ehren, als wenn es von unseren lieben Eltern wäre." Eine kleine Liselotte aus Berlin ist schon gewandter. ..Ein herzliches Grüß Gott zuvor meinem hochverehrten Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg!" schreibt sie. ..Da laufe ich nun schon tage- nein wochenlang sehnsüchtig an Ihrem Palais in der Wilhelm- strahe vorüber mit dem heißen Wunsch, einmal, ach nur einmal Ew. Exzellenz zu sehen. Doch nie ward mir dies vergönnt. Ja. und damit das endlich einmal wahr wird, bitte ich um Er- füllung meines Herzenswunsches: Darf ich Ew. Ekzellenz eine El eine Freude machen und sie Ihnen auch persönlich überreichen, o. bitte, bitte?" Ein Knabe aus Kiel schreibt: „Lieber Hindenburg. Wie kann man Generalseldmarschall werden? Kommst Du zu uns nach Kiel?" Einige Schüler von der Wasserkante: „Wir Kinder grüßen Dich als Reichspräsident. Wir wollen mal anfragen, ob Sie uns als Soldaten bei der Riesengarde annehmen wollen. Wir haben eine große Kompagnie von sechs Mann. Wenn es nochmal gegen den Erbfeind geht, wollen wir gern helfen, denn wir haben eine schwere Artillerie." (Sin dreizehnjähriges Mädchen: „Ich hosse. Sie bleiben als Reichspräsident tapfer und gesund. Hoffentlich konrmen Sie bald einmal zu un- zu Besuch. Ich habe von Ihnen diel gehört/' Auch - aus fernen Ländern kommen zahlreiche Schreiben. So empfiehlt sich ein Mädchen aus Amerika solgendermaßen für eine Stellung: »Mister President. — Hinterbura. — ich gratuliere dir unö ich lönte ein Puhmütchen bei euch fein, ich (an alles gut pucen. Bitte um Antwort." Ein 12jährige» Mädchen aus Afrika äußert sich also: »Lieber Herr Präsident! Wie gefällt es Ihnen als Reichspräsident von Deutschland? Es gibt hier eine deutsche Schule, auch eine englische, aber ich gehe in die deutsche Schule. Wir sind hier in Afrika. Ach. eS ist hier nicht schön! Ich möchte so gern in 'Seuttölanb sein. Ich war noch keinmal in Deutschland."
Was der Reichspräsident für Briese bekommt.
bensweise des Reichsprästdenten geschildert werden. Die Persönlichkeit Hindenburgs wird uns durch diese anschaulichen Bilder auch in ihrer neuen Stellung besonders nahegebracht. Seine große Beliebtheit tritt wohl am deutlichsten aus dem Inhalt der allmorgendlichen P o st entgegen, in der sich zahllose Bitten um Hilfe. 'Bewerbungen um Stellen, Gnadengesuche, Beschwerden usw. befinden. Sehr groß ist auch die Zahl der wohlmeinenden Leute, die dem ersten Mann im Staate mil allerlei Ratschlägen zu Hilfe kommen wollen. Da gibt cs Bricfschreiber. die 10 und noch mehr Bogen mit Ergüssen an» füllen. Am eindruckvollsten aber sind die Schreiben ganz einfacher Leute oder von Kindern. Einige bezeichnende Beispiele seien aus den anangeführten Briefen mifgeteilt. Sv schreibt z. B. ein bayrischer Bauer: ..Ich erlaube mir an Euer Gnckden einen Brief zu richten, um an Sie eine Frage zu stellen, ob's nicht möglich wäre, während der Ferienzeit meiner Wenigkeit als schlichter Landwirt einen Besuch ab* statten zu wollen, um Brisatbesprechung geistlicher und leiblischer Anliegen. Vielleicht ging es Per Auto dem Volke unerkannt durchzukom- men. Ich bin persönlich in vollster Verschwiegenheit und bin bereit Euch aufzunähmen zu übernachten, 4—5 übrige Betten, 1—2 Zimmer zu reserfüren . . Auf Rückkehr in die Heimat auf etwas unbestimmte Zeit abmeldett. Meine Landschaft liegt zwei Stunden vom Chiemsee entfernt. meine Familie besteht aus Weib und Kindern, haben sonst niemand im Haus. Also, haben Sie die Güte und wellen Sie meinen Antrag nicht zurück." Zwei Mädchen vom Lande wenden sich mit folgendem Anliegen an den Präsidenten: „Da Sie doch der Landesvater sind, fo sind Sie doch auch unser lieber
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uniformen, den Dreimaster auf dem Kopf. Run hat die funkelnde Ianuarsonne ihren Höhepunkt erreicht. Aus dem lichtblauen Himmel schießen ihre Strahlenpfeile auf die Erde herab, prallen von der weißen Schneedecke zurück und erfüllen die Wette mit Glanz und Licht. Jetzt beginnen die Glocken der nahen Isakskathedrale zu läuten und olle Glocken der unzähligen Kirchen der Hauptstadt fallen jubelnd ein. Da öffnen sich die Pforten des Winterpalais! Die Geistlichkeit erscheint in ihrem von Gold und Edelsteinen strotzenden Gewändern - in all dieser strahlenden Helle des leuchtenden Wintertages erschrickt das Auge fast vor so viel Pracht. Es folgen die Hof- beamten in langer Reihe. Dann der Kaiser in der Uniform seines Leibgarderegimentes mit den Großsürsteir. Adjutanten und anderen Hofchar- gen. Der ganze prächtige Zug begibt sich auf den Fluß hinaus. Die Geistlichkeit stellt sich im Viereck des reservierten PlaheS auf - - der Kaiser in ihrer Mitte. Dann intonieren die Kirchenfänger einen alten, slawischen Psalm. Wunder- volle Sttmmen in wundervollen Akkorden schweben zum blauen Himmel hinauf.
Der Metropolit von Petersburg ergreift das goldene Gesäß, das mit dem Wasser dec Reva gefüllt ist, und her Kaiser als höchstes Oberhaudt der Kirche weiht und segnet die gefüllte Schale. Fanatische Kirchengläubige drängen sich heran, um ihre kleinen Kinder mit diesem Wasser des Heils taufen zu lassen,' ja es kommt sogar vor, daß Erwachsene in die ausgehackte Eisstelle springen, um sich so, Christo gleich wiedertaufen zu lassen. Dec Kaiser steht ernst und gelassen da. die Geistlichkeit bekreuzigt sich, die Sänger intonieren einen Lobgesang und von der Petei>Pauls- feftung herüber erschallen die Salutschüsse.
Herr Gott — aber was ist das? Sie haben ja scharf geladen, der letzte Schuß fährt mit lautem Krack in die Mauern des Winterpalais; Scheiben klirren und splittern, virt wilder Aufschrei aus Tausenden von Menschenkehlen. Der Kaiser wendet sich langsam, sein Gesichts ist totew- bleich Langsam, ganz langsam geht er auf dem blutroten Teppich den Weg zum Winterpalais zurück. Das war am 6. Januar 1905. Unaufgeklärt blieb das grausige Geschehen. War es ein Versehen? War es ein Zufall, daß der Schuß nicht den Kaiser, der mitten auf der Reva stand, traf, sondern in die Mauern des stolzen Schlosses führ.
Seit dem Tage hat der russische Kaiser nie mehr der Wasserweihe vor dem Winter Palais bei« gewohnt M. Stvklebhe.
hin und her laufen?), instinktiv von dem Geruch von Kadavern und des Aases angeloät werden".
Naturgemäß ist der Engländer zu höflich, um solchen Gcdanieu öffentlich 'Ausdruck zu verleihen, und die erwähnten Äußerungen Bismarcks waren auch nicht für die Oeffentlichleit bestimmt. Man begnügt sich in England heute damit, möglichst viel über die Vorgänge in Tirol zu bringen, möglichst unangenehme Sachen aus der inneren Verwaltung Italiens zu erzählen und, wie heute der „New Sta* tesman", an die gewaltsame Latinisierung der dode- tanischeu Inseln zu erinnern.
So ist denn die englisch-italienische Zusammenarbeit ein etwas schwieriges Geschäft. Der Größenwahnsinn Mussolinis und seiner Anhänger ist ein beliebtes Thema politischer Betrachtung. Auch dann, wenn Mussolini sachlich recht hat, gefälU beni kühlen, skeptischen Briten nicht die äußere Form. Er ist ihm zu theatralisch. Seine Reden klingen, ins Englische übersetzt, blechern. Aber trotz alledem, die Not, sagt Shakespeare, schasst seltsame
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Das Fest der Wafferweihe.
Erinnerung an ein Dreikönigsfest aus der Zarenzeit.)
<®tn klirrkalter Wintertag. Feuerrot erhebt frt die Sonne über den wetten Rewa-Ufern. He5trgießt den bläulich schimmernden Schnee, der 6tt Prckotige Zarenstaot ganz und gar eingehüllt bat, mit einem zauberbasten Rofenglanz. In fettere Eismasfen gebändigt liegt der majestätische vtrvm da. Auf der rechten Quaifette tagt der tolante Turm der Peter-Panlskirche in den Hellen 2L>rgenhttmnel. Die düsteren Mauern der Peter- tBaußfeftung, die In ihrem Innern so viel grausige Geheimnisse bergen, heben sich drohend über reu flachen ilfercanb. Das Winterpalais in feinet geschlossenen Bauart liegt in vornehmer Ruhe da. Der glitzernde Schnee bildet einen fast märchenhaften Gegensatz zu den rosenroten 'Stauern des stolzen Gebäudes, da- nur noch selten die kaiserliche Familie beherbergt. Heute weht die Xaiserstandarte im leisen Morgenwinde. Kaiser AAvlauS II. und feine Familie sind In Peters- buta, alter heiliger Tradition gemäß wird der Kaiser der Wasserweihe beiwohnen, die punkt 12 Uhc mittags auf der Rewa zur Erinnerung an Christi Taufe im Jordan stattsindet. Unb schon beginnt ein geschäftiges Leben auf dem eisge- decktem Flust In weitern Viereck werden loi- und aoldumwundene Pfähle eingerammt. Durch dieselben wird der Platz bezeichnet, tvo die hohe Geistlichkeit Aufstellung nehmen soll. Ein mehrere Meter breites Loch ist ins Eis gehackt, um bas kalte Rewawasser schöpfen za können. Bon der großen Paradetreppe des Schlofft bis an diese stelle liegt ein scharlachroter Teppich auf dem Meißen Schnee.
Allmählich sammeln sich zahlreiche Zuschauer an den Flußufern. Es kommen Abteilungen der Garderegttnenter zu Pferde und zu Fuß. Die 'n fernen Kürasse glänzen und blinken, die Weißen z-ederbüsche wehen kühn. Die Leibkosaken des Kaisers mit der Papacha keck aufs Ohr gedrückt, retten langsam heran. Die Leibtscherkessen mit ben langen, dunklen, silberverschnürten Röcken, udt den schön geschnittenen Gesichtern, blicken kühl — perächtlich auf die gaffende Menge. Immer bunter, immer farbenfroher wird das Bild auf dem Eise des Rewastvomes. Ein sellgeschmückter Schlitten nach dem anderen saust heran. Hohe Würdenträger entsteigen den Gefährten. Mtt> «lieber des heiligen SynobS, des Reichsrats und >eS Senat» Alle tragen goldgestickte Gala-
17 Molkengasse n01lt | marienhahne von alle andern Vögel, ' Papageie, Meer. W. Käfige billig, sversahren. Vermögen der Sinne Rudolf Dödicle, Holz« n-Jndustrie in Eiehen, 3anuat Mb. nachmittags ilurSversahren eröffne nn Heinrich Stieb, dj rslrahe 5, wird zum M nannt imgen find biö jum bei öem Gericht' an-u.
L ernannten vdki lit deren Verwalters, i« ang eines ®läubigetflu> itretenben Zalls über die ilursordnung bezeichnen d zur Prüfung der ang- irungen auf äteilng, ten ’6, vormittags 10 Uhr, -eichnelen Gerichte, 3>m- II. Obcrgefchoh). Termin
ien, weiche eine »ut Könige Sa^in Desiy haben utsmalfe etwas schuldig geben, nichts an den Ge« u verabfolgen oder zu L- DerpsltchlE anierlegl, der Sache und von dm weiche sic aus ker Sache Iriediaung in Anspruch ZUalt« bis M Anzeige zu maajm.
Mtcie Friedberg.
Bad-Nauheim, 7. Ian. (Konflikt im Stadtparlament.) Wie mir in unserem Bericht über die erste Sitzung der neuen Stadtvei ordnetenversammluug bereits mitgeteilt haben, kam cs bei der Besetzung der Ausschüsse, Deputationen und Kommissionen zwischen der Linken einerseits, der Mitte und der Rechten andererseits zu f) e j - tigen Auseinandersetzungen, die sich besonders scharf bei der Wahl des Schulvorstandes auswirkten. Es waren von der Bersammlung sechs Schulvvrstandsmitgliedor zu bestimmen. Die Linke (6 Sozialdemokraten, 1 Mogistratsmitglied, 1 Kommunist) beanspruchte, da es sich um die Bolksschule handle, an der doch die arbeitende Bevölkerung in erster Linie interessiert sei, zwei Sitze im Schulvorstand. Der Borschlag der Rechten und Mitte gestand der Linken aber nur c i n Mandat zu. Es mußte a b g e st i in m t werden, während inan sich bei der Besetzung der anderen Ausschüsse ohne Abstimmung v e r ft ändigen konnte. Der Antrag der Linke n erhielt 10 Stimmen und war damit unterlegen. Als nach dem Schulvarftand die Hundefteuerkom- Mission zu wählen war, lehnte die Linke die ihr zugedachte Bertretung darin mit dem Zuruf ab, diese Arbeit überlasse sie den Herren, „die soeben bewiesen hätten, daß sie aus den Hund gekommen seien". Sa schloß die erste Sitzung mit einem Miß- kl a n g. Die Linke ließ kundtun, daß sie ihre Kon sequenzen aus den Berhandlungen ziehen werde. Sie hat inzwischen auch schon Stellung in der Angelegenheit genommen. Jetzt übergab sie dem Bürgermeister ein Schreiben, worin sie durch ihren Führer miiteilcn läßt, daß sie a n d e n B e r a l u n- gen der Ausschüsse, Deputationen ü n d K o m in i s s i o n e n nicht t e i l n e h in e n werde, bis die paritätische Besetzung des Schulvorstandes erfolgt sei. Wie verlautet, beabsichtigt die Sozialdemokratie, die im verflossenen Stadtparlament in vielen Fällen als „Notgemein schäft" eine Mehrheit mit der Rechten bilden konnte, in schärfste Opposition zu treten, wenn die Schulvorstandsangelegenheit nicht zu ihren Gunsten gelöst werde. — Unfercm Stadtverordnetenbericht tragen wir zum Punkte ,,Besprechungen" nach nach: Stadtv. I. Schäfer fragte an, ob durch Errichtung einer Volksküche an E r w e r b s l o s e nicht ein warmes Mittagessen verabreicht werden könne. Der Bürgermeister konnte mitteilen, daß eine N o t st a n d s k ü ch e int Ko nitzkystist errichtet werde. Das Wohlfahrtsamt werde Kurien zur Teilnahme ausgeben. — 3m dieswinter kichen Öortragsprogrämm der Vereine stehen noch zwei besondere Ereignisse bevor. Am 11. Januar wird der als Kulturforscher bekannte Frankfurter Professor Leo Frobenius im Bor trods: und Musikverein einen L i ch t b i l d e r v o r trag über „Die Polarität der Kultur" hallen. Der Bildungsverein hat den Gießener 03c o graphen Prof. Klute zu einem Dorttag über feine Grönlandexpedition gewonnen.
England und Italien.
Don unserem K Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London, den 5. Januar 1926.
Die in London beginnenden englisch-italienischen Lchuldenfundierungsoerhandlungen und das Zu- fammentreffen von Sir Austen Chamberlain imb Mussolini in Rapallo haben die öffentliche Aufmerksamkeit erneut auf das Verhältnis der beiden europäischen Flügelmächte gerichtet. 51)re durch den Locarnopakt bedingte Zusmnmcn- ärbeit auf dem Kontinent macht eine Verständigung lich in allen den Fragen notwendig, die bisher, lic der Bureuukrat sagt, dilatorisch behandelt war- en sind. Die zweifellos vorhandene Interessen- acineinschaft in Zentralen ropa findet ihr Gegenstück in dem Verhältnis der beiden Staaten ir.i Bereiche des Mittelmceres. England als die stärkste Mittelmeermacht ist es gewesen, die während des Krieges Italien bestimmt hat, in den $rieg auf feiten Der Entente cinzutreten. Seither bauert em stimmungsmäßig schwankendes, aber politisch tragfähiges Verhältnis der beiden Staaten. . Aus diesem Teil gemeinsamer Vergangenheit flüinirten die gegenwärtigen Schwierigkeiten. Italien pljulbet nn England 582 510 000 Pfund Sterling Über rd. 121 Milliarden Goldmark. Die Schuld Frankreichs an England beträgt, beiläufig bemerkt, nur 320 224 220 Pfund, d. b. eine knappe Milliarde Eoldmark mehr. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich die grundsätzliche Bedeutung der soeben Begonnenen Verhandlungen zwischen Volpi und Churchill. Die italienische Schuld macht mehr als t der gesamten Außenstände Englands im Betrage von etwas über 2 Milliarden Pfund Sterling (40 Milliarden Goldmark) aus.
Es verlohnt nicht, in diesem Zusammenhang auf wirtschaftliche Momente einzugehen, die von der iiaHenifchen Regierung zum Nachweis ihrer Zahlungsunfähigkeit oorgebracht werden dürften. Lbenfowentg lohnt es, die Jeremiaden des nicht bezahlten Gläubigers England,, die im letzten Jahre nur zu oft angestimmt wurden, zu wiederholen, tte Verhandlungen sind ein politisches G e - schäft, sonst nichts. Denn das Maß des englischen Entgegenkommens wird sich zweifellos nicht nach der italienischen objektiven Leistungsfähigkeit in finanzieller Hinsicht, sondern nach der Ergiebigkeit Der italienischen Politik in anderer Hinsicht richten.
Um was es sich handelt, wurde anläßlich der Zusammenkunft zwilchen Mussolini und Chamberlain verstohlen angebeutet. Erstens da? gemeinsame Verhältnis der beiden Locarnobürgen zu R u ß - ia n b. Zweitens das Verhältnis zur Türkei, irittens da» nordafrikanische Problem (Tripolis). Viertens das Verhältnis zu Frankreich und fünftens die sich aus der Locarno- volitik ergebenden Fragen. Chamberlain hat bei Vieser Unterredung, rote Die nachträgliche Ueber- b-gung ergibt, zweifellos sehr behutsam fein müssen, benn England hat gegenüber Italien machtpolitisch alle Trümpfe in der Hand. Seit der Verlegung der modernsten englischen Schlachtichiffgeschwader in ?>as Mittelmeer Ist England wieder die stärkste Macht im Mittelmeer.
Zudem darf nicht unerwähnt bleiben, daß das Hjiftifdje Italien in England äußerst unpopulär ist. 'ißenn sich auch scharfe Angriffe gegen das Regime Mussolini nur in der liberalen Presse finden, er- streckt sich die instinktive Abneigung des Engländers gegen das System Mussolini bis weit nach rechts. Wie stets hat diese gesuhlsmäßige Abneigung des Engländers einen realpolitischen Hintergrund. ’M a n traut dem Italiener nicht. Der Turchschnittsengländer sieht in Italien auch heute noch, wie Bismarck vor Abschluß des Dreibundes, ein Kind mit einem riesigen Appetit, aber ohne ausreichende Zahne, um damit zu beißen, ober, nach einer anberen in ber „Revue be Paris" roieber- gegebenen Aeußerung Bismarcks, die „ewig unzu- knedenen Italiener, immer bereit, sich nach allen vier Himmelsrichtungen zu rüsten, Verschwörungen anzuzetteln, vergleichbar einer Schar unruhiger Schakale, die, mit gierigem Blick
Oberhessen.
Landkreis Gictzett.
'■ Heuchelheim, 3. Iain Am morgigen Samstag abend wird der Turnverein H euch e l h e i m seine neu erbaute Turnhalle ein- weihen. Zu dieser Feier haben nur die Ver- einsmitglieder und geladene Gäste Zutritt. Am Sonntag nachmittag ist die Turnhalle dem allgemeinen Zutritt des Publikums offen.
* Großen-Linden, 7. Ian. Die hiesige Untergässer - Schäferei versammelte sich gestern abend, um, wie üblich, den Jahresabschluß iisw. entgegenzunehmen. Ganz besonders galt dieser Abend einer Ehrung ihres verdienstvollen Schäfers Ernst Geiger, der 25 Jahre ununterbrochen im Dienste der Schäferei stand. Es ist nicht zu viel gesagt, daß wohl selten ein Bediensteter dieses Berufes zu finden ist, der so gewissenhast und hingebend seiner Pflicht obliegt, wie es Geiger bis jetzt getan. Als Zeichen der Anerkennung bewarb sich die Schäferei für ihn um die von der Landwirt>chafts- kammcr verliehene Auszeichnung für 25jährige treue Dienste. Außerdem wurde der Jubilar mit einem Bandelier und einem Ruhesessel bedacht, der ihm durch den stellvettretenden Borsitzenden W. V e l ten mit einer kernhasten Ansprache überreicht wurde. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre seine vorbildlich geleistete, dem Wohle der Allgemeinheit dienende Arbeit bei bester Gesundheit auszuüben.
hl. Lang-Göns, 7. Ian. Vom 3. bis 6. Januar fand hier die 1. Arbeitstagung des oberhessischen Verbandes kirchlicher Posaunenchöre statt. Geleitet wurde die Tagung von dem Vorsitzenden Pfarrer D. Fritsch- •'Jxuppertsburg unter Mitwirkung des Stiftsdechonten Lenz» Lich, die die Bibelbesprechungen übernom- men hatten. Musikalischer Leiter der Blasübungen war der Dirigent des Verbandes, Karl Boller- Lang Göns. Die Tage verliefen in ernster Vertie- sung und fleißiger Arbeit und fanden bei allen Beteiligten einen solchen Beifall, baß der Beichluß gefaßt wurde, die Tagung alljährlich zu wiederholen. Zwei Abende wurden als Volksmissions- abende, gehalten von Missionar Walter- Beuern und Psarcrr D, Fritsch, ausgestaltet, wobei die teilnehmenden Bläser die Musik iiber- nommen hatten. Am letzten Abend vereinigten sich die
Bettgenossen.
Die Politik von Locarno hat Englands Ver- bältnis zu Frankreich etwas gelockert. Während Frankreich lieber, wenn auch nicht praktisch, so doch formal, ber einzig wirkliche Bürge der englischen Stellung in Europa war, geht England seither auf eine Verteilung seines außenpolitischen Risikos aus. Es Hot eine freiere Hand als früher. So wird es denn alles daran fetzen, um mit Italien zu einem brauchbaren Ausgleich zu gelangen. Wen» nicht alles trügt, wird sich dabei sehr vieles von grundsätzlicher Bedeutung für die Zukunft der englisch-französischen Beziehiingen, besonders
Gastgeber und passiven Mitglieder zu einem I a - I m i l i e n a b e n d , bei dem neben dein Blasen Ansprachen vor allem über die Geschichte der hessischen Posaunenchöre gehalten wurden.
Kloster Arnsburg, 8.Ian. Ain morgigen 9. Januar feiert die älteste Einwohne - r i n in Arnsburg, Frau Marie T h ö r r e r Wwe., ihren 9ii. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische,
Watzenborn-Steinberg, 7. Ian. Der Gesangverein „Jugendfreund" hielt unter der Leitung seines Präsidenten L. Schmidt die ordentliche Generalversammlung ab. In dein Geschäftsbericht über das nbgetaufene Jahr wurde die Heber nähme des Dirigentenamtes durch Herrn H. Köhler - Großen-Linden hervorgehoben und dabei betont, daß ber Verein unter ber Leitung des neuen Chormeifters einen neuen Aufschwung erlebte. Mit stolzer Genugtuung wurde weiter aus den glänzenden Erfolg des W i n t e r k o n - zerts hingewiefen, ferner wurde des schönen Verlaufs der Weihnachtsfeier gedacht. Bei der Borst a n d s w a h l trat der Präsident L. Schmidt wegen geschäftlicher Ueberlustung von seinem Posten zurück. Zum ZP r ä s i d e n t e n des Vereins wurde Herr Ernst Schmidt einstimmig neugewählt, im übrigen blieb der Vorstand unverändert. Als erste Veranstaltung im neuen Jahre beabsichtigt der Verein einen Unterhaltungsabend Anfang Februar zu veranstalten.
: : Beuern, 7. Ion. Die Schäden, die der orkanartige Sturm in den letzten zwei Tagen des alten Jahres angerichtet bat, sind jetzt erst zu übersehen. Mehr als 135 Festmeter Fichten- und Buchenstämme liegen umgeknickt im hiesigen Gemeindswold. Bis Mitte Februar wird die H o l z h o u e r a r b e i t im hiesigen Gemeindewald beendet fern. Ra ment lich wird in diesem Winter zum Unterschied gegen das vorige Jahr viel Brennholz gemocht. Ins-- gesamt werden 2300 Festmeter gefällt. Die 30 beschäftigten Holzhauer arbeiten in 3 Rotten, zu je 10 Mann. Eine weit größere Anzahl, d'.e sich g.ineldet hatte, mußte zurückstehen. Run sollen ober doch noch einige dieser Leute zum Brechen von Steinen und bei Wegebauten Verwendung finden. - Die vom hiesigen Gemeinderat für die Gemeinde Beuern gewählten W i e s e n v o r- ft ands Mitglieder wurden in diesen Tagen vom Kreisamt Gießen verpflichtet. Cs sind die Herren Jakob S ch o m & e r, Philipp S o m m e r- lad VI. und Philipp Wilhelm Sommert ad. — Die Zahl Der Erwerbslosen betragt gegenwärtig hier 19 gegen 13 in der vorigen Woche.
: : Bersrod, 7. Ian. In unfern Wald entstand durch den gewaltigen 6t_urm vom 30. zum 31. Dezeyiber recht beträchtlicher Schaden. Zirka 115 Festmeter, meist Fichten, und auch etwas Buchen, sind dem Sturm zum Opfer gefallen. Die Holzhauerei in unserm Wald ift eben stark im Gange. 18 Holzmacher, eingekeilt in 2 Rotten, find an der Arbeit. Es werden in diesem Winter nur 700 Festmeter Holz geschlagen, so daß bis Ende Januar die Arbeit beendigt fein wird. Im Interesse der Holz machenden Bevölkerung wäre es j agern gesehen worden, wenn mehr Holz geschlagen werden könnte, um den Leuten eine längere Verdienst Möglichkeit zu gewähren, aber geordneter Forstwirt)chaft halber kann von dem fesigesetzten Quantum iricht abgewichen werden.
Grünberg, 7. Jan. Am Reujahrssonntag veranstaltete der hiesige Musikverein in der Turnhalle fein diesjähriges W i n - teckonzert. Der Besuch war überaus stark", jedenfalls ein Dank der Einwohnerschaft für üas uneigennützige Mitwirken unserer Musiker, wenn es gilt, eine öffentliche Feier, sei es bei lirchlichen Veranstaltungen, fei es bei allgemeinen Fest lichtesten oder Schulfeiern verschönern zu helfen. Die unter Leitung des Kapellmeisters Mar S ch ü h e l vorgctragenen Musikstücke fanden bei den Zuhörern wohlverdienten Beifall: her Verein muhte sich au mehreren Zugaben verstehen. Mit einem Dail, zu dem die gesamte Kapelle spielte, sand der Abend feinen Abschluß.
sch. Rockenberg, 7. Jan. Die letzten Tage brachten einen erheblichen Rückgang des in unserer Gemarkung ganz besonders starken Hockwas^ sers. Dadurch, daß im nahen Oppershofen eine Stauung cinaetreten, roar der weite Wiesen- gründ non Griedel—Rockenberg—Oppershofen vollständig unter Wasser, ein einziger See. Zwischen Oppershofen und Steinfutth war ein Teil der Landstraße . überflutet. In Rockenberg war die Muhlsiraße zum großen Teil tief unter Wasser, io daß die Bewohner lagelang nur mit Wagen und unter großen Schwierigkeiten auf Umwegen Den Verkehr aufrecht hielten. Der Betrieb der Bahn mußtzte infolge der allzu sttucken WaNerftrömung ooruvergehend cingestellt werden, denn ble Schienen der Butzbach-Licher Eisenbahn waren weithin vma Wasser umspült, an zwei Stellen soaar überflutet Größeren Schaden bat das Wasser jedoch nicht verursacht, soweit das bis jetzt überschaut werden kann. Einigen Baulustigen wurde allerDinys das an der Wetter gelagerte Bauholz abgetrieben, das erft mehrere Orte weit mühsam wieder aufgefangen werden konnte. Die „Klosterroiefen", ein ausgedehn-
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