Die Fürstenabfindung. Initiative des (Ycneralbcvollmächtiq- ten der Hohcnzollern.
Berlin,-5. Juli. ($11.) Der Generalbevollmächtigte des ehemaligen preußischen Königshauses. von Berg, hat heute ein Schreiben an die preußische Staatsregierung gerichtet, in dem er sich bereit erklärt, die Verhandlungen aus der Basis des Vertrages vom 2 3. Oktober 1 92 5 wieder aufzunehmen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: Die preußische Staatsregierung wird mir bestätigen können, daß ich mich seit Hebernahme der Vertretung des königlichen Hauses unablässig zuletzt durch den am 12. Oktober 1925 beiderseits unterzeichneten Vergleich bestrebt gezeigt habe, die Vor- mögensauscinandersetzung auch unter weitgehenden Verzichten, die bis zur Preisgabe von 83 Proz. der Vermögenssuinme durch bas königliche Haus gegangen sind, im Wege einer Verständigung durchzuführen. Die preußische Staatsregierung wird mir weiter darin zustimmen, daß es sich, angesichts der beklagenswerten aus anderen Gründen in unser schwer- leidendes Volk hineingetragenen Erregungen in den letzten Monaten für die Vertretung des königlichen Hauses verbot, durch Heraustreten mit neuen Vorschlägen absichtlichen Mißdeutungen ausgesetzt zu werden. Rachdem aber die zur Abänderung des Vertrages vom 12. Oktober 1925 eingeschlagenen Wege — der Volksentscheid, wie auch die reichsgesetzliche Regelung zu einem Ergebnis nicht geführt haben, ist es mir Pflicht, nunmehr erneut die Initiative zu ergreifen, um den Gegenstand der De- unrubigung unseres öffentlichen Lebens jetzt aus der Welt zu schaffen und ich erkläre mich daher hiermit bereit, die D er g l e i chs v e r handln n g e n auf der Grundlage des Vertrages vom 12. Ölt ober 1925 möglichst bald wieder a u f z u n e h m e n. In der Erwartung, daß die preußische Staatsregierung auch ihrerseits von dem Wunsche geleitet ist, zur Entspannung dep politischen Lage und zum Wohle der Allgemeinheit diese Angelegenheit tunlichst rasch z u einem für beide Teile zufrieden- ft eilenden Abschluß zu bringen, darf ich wohl einer baldgefälligen Rückäußerung er= gebcnft entgegensetzen. Ich habe dieses Schreiben, um die Beruhigung anzubahnen, gleichzeitig der Presse mitgeteilt.
Der Generalbevollmächtigte:
gez. von Berg.
Ausruf Zum Zusammenschluß der Rechten.
Berlin, 5. Juli. (WB.) Die seit Frühjahr 1921 bestehende Arbeitsgemeinschaft im Preußischen Staatsrat, der vorwie- ?nd Mitglieder der deutschnationalen und deutschen Volkspartei angehören, richtete ein von dein Vorsitzenden Freiherrn v. Gayl und dem stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Jarres unterzeichnetes Schreiben an die Fraktionsvor- sihenden der genannten Parteien, worin sie unter Bekanntgabe einer einstimmig gefaßten Entschließung ihrer Arbeitsgemeinschaft, an die „im tiefsten Sinne des Wortes staatserhaltenden Parteien", die Aufforderung zur Bildung einer erweiterten Arbeitsgemeinschaft richtet. „Wir verkennen nicht," fo heißt es in dem Schreiben u. a., „daß sehr erhebliche Schwierigkeiten der Verwirklichung dieses Gedankens heute entgegenstehen, und daß sehr viel uneigennützige und sachliche Arbeit geleistet werden muß, ehe dieses Fiel erreicht wird. . Wir wissen auch, daß der Weg zur einheitlichen Vertretung des großen rechtsgerichteten Teiles : des deutschen Volkes nur schrittweise, beginnend mit 'einer allmähligen immer fester werdenden e Arbeitsgemeinschaft in den Parlamenten, zurückgelegt werden kann. In dem Schreiben, das ferner der Meinung Ausdruck gibt, daß die Bildung dieser Arbeitsgemeinschaft auch ein befriedigendes Verhältnis zu den übrigen bürgerlichen Parteien erleichtern werde, wird schließlich die unverzügliche Aufnahme der einleitenden Schritte und eine möglichst. Huldige Bekanntgabe der Stellung der beiden genannten Frak- . tionen verlangt.
C-Maux und die Kammer.
Vor dem Kampf.
Paris, 6. Juli. (TA.) Caillaup gab dem Kabinettsrat eine umfassende Darstellung der Finanzlage. Er entwickelte im Anschluß daran fein Finanz Programm. Ein Ministerrat wird heute früh über die Finanzprojekte Caillaux" eine letzte Beratung abhcüten, worauf diese am Rachmittag dem Parlament unterbreitet werden. Zu der Aussprache im Parlament, die als eine der bedeutsamsten Debatten' feit Kriegsende angesehen wird, haben sich zahlreiche Interpellanten in die Rednerliste eintragen lassen. Man rechnet damit, daß die Debatte mehrere Tage dauern und erst in der Rächt vom Donnerstag auf Freitag zu Ende gehen wird.
Der Sachverständigenbericht, dessen wichtigste Beschlüsse sich Caillaux zu eigen machen wird, ruft in der Presse und Öffentlichkeit starke Bedenken hervor. Man rechnet mit der Einbringung eines sozialistischen Gegenprojekts, das durch Kapitalabgaben und erzwungene Konsolidierung die Stabilisierung herbei- zuführen verspricht. In den Kreisen der Rechtsopposition beobachtet man eine wachsende Zurückhaltung. Paul Peret, der frühere Finanzminister, bat eine Erklärung abgegeben, in der er das Werk der Sachverständigen lobt und betont, daß bei der Sanierung der Finanzen von deren Bericht ausgegangen werden mühte. Es verlautet, daß T a r - d i e u es bei einer oberflächlichen Intervention bewenden lassen werde.
Das Wirtschaftsblatt „Information" sagt: „Der Bericht fei im ganzen genommen eine großzügige Arbeit, bei der man sich nicht gescheut habe, die heikelsten Angelegenheiten an« zuschneiden, und der in dieser Hinsicht vollständig erscheine. Das Werk werde in dem Maße Wert haben, als seine Vorschläge in den vom Parlament angenommenen und duvchgeführten Projekten ihre Bestätigung finden werden. In der Praxis scheine es, als ob die Regierung angesichts der bevorstehenden Parlamentsferien es sich angelegen fein lassen werde, die Zustimmung des Parlamentes zu den großen Linien eines Problems zu erhalten, das sie in großem Maße zu dem ihrigen machen werde und das sie in gewissen Teilen auf dem Verwaltungs
wege durchführen werde, wenn dieses Verfahren verfassungsmäßig eingeschlagen werden könnte. Wenn allerdings infolge einer schwächlichen Haltung der Regierung oder infolge der Obstruktion des Parlaments oder infolge irgendeines Grundes den in dem Bericht enthaltenen ausführlichen Empfehlungen nicht nachgerommen würde, würden sich auch die erwarteten Wirkungen nicht zeigen. Die Währungssanierung wäre wieder einmal vertagt und die vorauszusehende Krise, die sich entweder als direkte Folge in Form einer Inflation oder als Ergebnis einer verzögerten Währungsreform zeigen werde, werde dadurch nur verschärft werden.
Der britische Bergarbeilerstreik.
London, 6. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Das llnlerhaus nahm in einer Nachtsitzung den Antrag des Innenministers auf Fortdauer der Notstand s v o l l in a ch t e n mit 181 gegen 64 Stimmen an. Der Minister erklärte in der Debatte, wenn arbeitswillige " Bergleute daran verhindert würden, in die Gruben zurückzukehren, dann werde die Negierung die Vollmachten benutzen, um diese Arbeitswilligen zu schützen. P u r ch e l (Arbeiterpartei) sagte, die Vollmachten würden nicht verhindern, daß russisches Geld weiter nach England gelange. Er werde Geld von jener Seite nehmen, wenn es dazu helfe, den Zechenbesitzern eine Niederlage zu bereiten. Man erwartet, daß die Achtstun- be'nbill dm Mittwoch Gesetzeskraft erhalten wird. Schon heute sind in einer Reihe wichtiger Grubenbezirke die neuen Lohnsätze angeschlagen worden. Die Sätze variieren in den einzelnen Bezirken je nach Maßgabe der Rentabilität. Ob die großen Erwartungen der Grubenbesitzer, die die Rückkehr eines überwältigenden Teils der Bergarbeiter zur Arbeit erhoffen, in Erfüllung gehen werden, muß zunächst noch dahingestellt bleiben.
Italiens Valkanptäne.
Ein griechisch-rumänisches Sonderbündnis. — Sprengung der Kleinen Entente.
Belgrad, 6. Juli. (TA.) In hiesigen diplomatischen Kreisen zirkulieren Gerüchte über De- sttebungen zum Abschluß eines Separatbünd- nisses zwischen Griechenland und Rumänien. Der griechische Diktator General P a n g a l v s soll den griechischen Gesandten in Bukarest beauftragt haben, bei dem rumänischen Kabinett den Abschluß eines politischen und wirtschaftlichen Separatbündnisses zwischen Griechenland und Rumänien in Anregung zu bringen. General Ave- rescu habe diese Anregung Griechenlands sehr freundlich ausgenommen und den Außenminister Mittlineu mit der Führung der Verhandlungen betraut. Die Verhandlungen würden streng geheim geführt. Man glaubt, daß die Anregung dazu von Rom ausgegangen sei und daß der Abschluß eines griechisch-rumänischen Separatbündnisses eine wichtige Etappe in den italienischen Balkanplänen darstelle. Die Verwirklichung dieses Bündnisses würde eine Spren- gung der Kleinen Entente nach sich ziehen können und auch eine gefährliche Isolierung Jugoslawiens bedeuten.
Aufstand in Persien.
Paris, 5. Juli. (WTB.) Die „Chicago Tribüne" berichtet aus Teheran über eine gegen Schah Pahlavi gerichtete Aufstandsbewegung türkischer Nomaden und Kurden in der Provinz Korassan. Angeblich soll die Bewegung von Rußland begünstigt werden, da die Regierung der jetzigen Schahs englandfreundlich gestimmt sei. 800 Mann reguläre Truppen der persischen Armee seien zu bet) Aufstänbigen übergegangen. Starke Truppenabteilungen Hütten Teheran in der letzten Nacht verlassen, um mit größter Beschleunigung in das Aufstandsgebiet befördert zu werden. Der Einftuß des Schahs Pahlavi bei der monarchistischen Partei sei im Abnehmen begriffen, da die Einschränkung des Heeresbud- g e t s in. monarchistischen Kreisen große Unzufrie- denheit erregt habe.
Riza Khan Pahlavi. der sich vom einfachen Reiter in der von den Russen gegründeten Kosakenbrigade zum Divisionskommandeur, Kriegsminister, Ministerpräsidenten und seit 1921 zum allmächtigen Diktator Persiens aufgeschwungen hatte, regierte als solcher anfangs mit der rußlandfeindlichen Monarchistenpartei im Parlament, versuchte dann mit Hilfe der anglophilen De- mokrcttie die Republik auszurufen, was aber am Widerstand der Geistlichkeit scheiterte. Darauf lieh er im Rovember 1925 die landflüchtige Dynastie vom Parlament absetzen und bestieg selbst als Schah Pahlavi den Thron. Englands und Rußlands Anerkennung erhielt er sofort. In letzter Zeit scheint sich der Schah mehr auf England gestützt zu haben, um den bolschewistischen Einfluß in feinem Lande zu vernichten.
Aus aller Welt.
Die Eröffnung der Zugspitzbah«.
Ehrwald, 5. Juli (TA.) Heute vormittag fand die Eröffnung der Zugspihbahn statt. Von Wien, München, Innsbruck waren Sonderzüge nach Ehrwald geleitet worden. Anter den zahlreichen Ehrengästen sah man den deutschen Reichsgesandten in München von Hantel, den Präsidenten des Bayerischen Landtages Königsbauer, den Bürgermeister von München Scharnagl, Vertreter der bayerischen Staatsregierung, sowie zahlreiche Landtagsab- georönete. In Ehrwald wurden die Gäste von dem österreichischen Vizekanzler Waber und dem Handelsminister Schürf begrüßt. Rach einer kurzen kirchlichen Weihe begrüßte der Vizepräsident der Zugspihbahn Abgeordneter Dr. Stern die Gäste. Er bezeichnete den Bau der Zugspihbahn als ein Zeichen der deutsch-österreichischen Gemeinschaft, als ein erhabenes Denkmal treuer Kriegskameradschaft. Rach den Klängen des Andreas-Hoferliedes sprach der Reichsgesandte von Haniel im Ramen der Reichsregierung den Dank für die Einladung aus und wünschte, daß die Zugspihbahn dazu beitragen möge, die beiden Völker mehr und mehr zusammenzuschließen. Im Ramen der österreichischen Bundesregierung gedachte Handelsminister Schürf der Mitarbeiter an dem großen Werke und ' nannte den Tag einen Festtag, nicht nur der Wissenschaft und Technik, sondern auch des Zusammenschlusses Oesterreichs und Deutschlands. Der Minister verlieh hierauf den Mitarbeitern an dem Bau der Zugspihbahn, dem Vizepräsidenten Dr. Stern und Geheimrat Opitz das
goldene Ehrenzeichen der Republik. Am 1 Ahr r nachmittags begann mit Abständen von 15 Minuten die Beförderung der etwa 300 geladenen Persönlichkeiten, die sich ohne Schwierigkeiten glatt abwickelte. Die Teilnehmer drückten ihre große Befriedigung über den Eindruck, den sie in herrlicher Fahrt gewonnen hatten, aus. Die Fahrt dauerte nur sechzehn Minuten, um aus dem Tal in die Höhen des ewigen Schnees zu gelangen.
Das Reichsehrenma!.
Sine Desichtigungsreife der Kommission des Reichsrats zur Bestimmung des Reichsehrenmals, an der außer den Kommissionsmitgliedern der Reichskunstwart, Vertreter des Reichskanzlers, des Reichsinnenministers, des Ministerpräsidenten zu Koblenz, der Oberpräsident von Hessey-Rassau, die Landeshauptleute von Düsseldorf und Wiesbaden, sowie die Regierungspräsidenten von Koblenz und Wiesbaden teilgenommen haben, führte zu Schiff von Rüdesheim über Lorch—Kapellen— Stolzenfels—Koblenz nach Hammerstei.rer Werth bei Andernach. Don den verschiedenen Plänen, die unter sachkundiger Führung in Augenschein genommen wurden, trat der Plan der Lorcher Insel besonders hervor uiid nahm für sich ein. Aeberhaupt scheint am Rhein nur ein Jnselplan in Frage zu kommen, während die Dergplane offenbar ausgeschieden sind. Die Kommission hat ihre Reise zur Weser und in den Harz fortgesetzt.
Das Urteil im Paßfälfcherprozeß.
Leipzig, 6. Juki. (TA.) In dem Pah- fälscherprozeß gegen Herpoldt und Genossen vor dem 4. Strafsenat des Reichsgerichts wurde am Montag nach dreitägiger Verhandlung folgendes Arteil gefällt: Die Angeklagten werden wegen Vergehens gegen § 7 des Republikschutzgesetzes sowie wegen unbefugten Waffenbesitzes und Arkundensälschung verurteilt und zwar Her- poldt zu 4 Jahren Zuchthaus und 500 Mk. Geldstrafe, Hußmann zu 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis und 300 Mk. Geldstrafe, Mehlbaum zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängnis und 300 Mk. Geldstrafe.
Schwere Autounfalle im Rheinland.
Auf einer Automobilfahrt von Siegen nach Gummersbach verunglückten der Fabrikbirektor Erich Bockhacker unb bet Chauffeur Albert Mühlhoff töblich. Das Auto ftihr gegen einen Baum unb überschlug sich. — Auf einer Autofahrt ins A h r - t a l verunglückte ber Kaufmann Paas aus Elber- selb. Der Wagen schlug auf einer schlammigen Straße um, stürzte eine Böschung hinab unb begrub bic Insassen unter sich. Paas unb eine ebenfalls mitfahrende Dame waren sofort tot, während die übrigen vier Insassen-mit mehr ober weniger schweren Verletzungen bavon kamen.
Lxplosionsunglück in einer Bronzefabrik.
Schwabach, 6. Juli. (WTB. Funkspruch.) Heute früh 6.25 Ahr ereignete sich m der Dronzefabrik Weigand in Schwabach (Mittel- franken) ein schweres Explosionsunglück. Das Dach der Fabrik flog in die Luft und eine Stichflamme schoß empor. Die Explofton wurde in der ganzen Stadt gehört. In den umliegenden Straßen sprangen die Fensterscheiben. Dis 8 Ahr morgens wurden 4 Sch werverletzte geborgen.
Tleues Eisenbahnunglück in Frankreich.
Paris, 6. Juli. (WTB. Funkspruch.) Auf dem Bahnhof Annemasse (Strecke Genf— Chamonix) sind vorgestern abend die letzten Wagen eines nach Genf fahrenden Zuges von einem in den Bahnhof einsahr enden Zug gerammt worden. Es hat 15 zum Teil Schwerverletzte gegeben.
Streik auf der Reuyorker Untergrundbahn.
Wahrscheinlich werden das fahrende Personal und die Weichensteller der hauptsächlichsten Antergrundbahnen der Stadt um Mitternacht in den Ausstand treten, da die Gesellschaft „Interne Rapid Transit" den Schiedsspruch ausdrücklich ablehnte. Die Direktoren dieser Gesellschaft erklären, daß sie trotz des Streiks den Verkehr aufrechterhalten werden.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 6. Juli 1926.
Ein Fahrplanwunsch an die Reichsbahn.
Gießen hat bisher mit seinen Bemühungen um Verbesserung des Eisenbahnfahrplans wenig Erfolg gehabt. Heute möchten wir erneut einen Wunsch an die Reichsbahndir e ktivn Frankfurt a. M. richten, dessen Erfüllung uit8 notwendig erscheint.
In F r a n k f u r t a. M. geht um 6,2 3 A h r morgens ein beschleunigter Personen- zug über Darmstadt-Bensheim usw. nach S ü d - deutschland ab. Diesen Zug, der für das Derkehrsbedürsnis der an der Strecke Gießen— Friedberg—Frankfurt liegenden Orte wichtig ist, kann man zur Zeit von hier aus nicht erreichen, da die Frühverbindung von Gießen nach Frankfurt (Personenzug 704 ab Gießen 4 Ahr früh) erst um 6,25 Ayr, also 2 Minuten nach Abg ang jenes beschleunigten Personen- zuges, in Frankfurt a. M. ankommt. Eine Schnellzugverbindung von Gießen nach Frankfurt die das frühere Ankommen in der Mainstadt ermöglichte, besteht nicht. Anser Wunsch, der von breiten Bevölkerungskreisen ebenfalls gehegt wird, geht dahin, den obengenannten Personenzug 704 ab Gießen, der hier eingestellt wird, statt (wie jetzt) um 4 Ahr früh etwa 10 Minuten früher abfahren zu lassen, so daß man bereits um 6,15 Ahr in Frankfurt ankäme. Dadurch würde bei einer Spanne von 8 Minuten der Anschluß an den obengenannten beschleunigten Personenzug Frankfurt — Süddeutschland hergestellt werden können. Hoffentlich erfüllt die Reichsbahndirektion wenigstens diesen Wunsch.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 80, Wirsing 30, Weißkraut 30, Römischkohl 15, Erbsen 35, Mischgemüse 15, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 25, Meerrettich 80, Rhabarber 15 bis 25, Kartoffeln, neue 13, do. alte 05, Birnen 40, Kirschen 30 bis 50, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 25 bis 45, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 70, Honig 40; das Stück: Gier 12 bi) 13, Blumenkohl 20 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 50 bis 60, Ober- Kohlrabi 15, Rettich 10; das Päckchen: gelbe Rüben 20, rote Rüben 20, Radieschen 15 Pfennig.
Bornotizen.
— Tageskalenber f ii r Dienstag. Stabltheater: 8 Uhr, Gastspiel des Bab-Nauheimer Kurtheaters: „Bettinas Verlobung".
— Aris dem Stadttheaterbureau wirb uns geschrieben: Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Aufführung des hübschen Lustspiels „Bettinas Verlobung" von Leo Lenz, dem erfolgreichen Verfasser der „Heimlichen Brautfahrt", hingewiesen. In Hauptrollen sind beschäftigt die Damen Kräh m er, Scherer unb Heym sowie bie Herren Geffers, Volck unb Wehrt.
— Das vierte Abonnementskonzert unserer Militärkapelle finbet am kommenden Donnerstagabend auf der Liebigshöhe statt. (Siche Anzeige.)
Wettervoraussage.
Anbeständig und weitere Regenfälle, bei nut vorübergehend etwas schwächerer Bewölkung kühl.
Die konttnentale Luftströmung ist vorläufig unterbunden, da im Kanalgebiet eine neue Zyklone erschienen ist, unter deren Einfluß die Winde unserer Gegend auf südliche bis westliche Richtung drehen. Das Zusammentreffen der bisher über dem Festland liegenden stark evtoärm- ten Luft mit kühler westlicher Luft führt zu weiteren Regenfällen.
Gestrcae Tagestemperaturen: MaLMUm: 23.4 Grad Celsius. Minimum: 13.6 Grad Celsius. Niederschläge: 11.6 Millimeter. Heutige Morgen- temperatur: 16.4 Grad Celsius.
Verkehrsneuregelung in der Rodheimer Straße. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Reubefestigung der Rodheimer Straße zwischen Cisenbahnüberführung und Kruft Dörfer Straße wird mit sofortiger Wirkung die Rodheimer Straße zwischen Cisenbahnüberfüh- rung und Lahnstraße für jeglichen Fährverkehr bis auf weiteres gesperrt. Die Umleitung erfolgt für den Verkehr von der Rodheimer Sttahe durch die Lahnstraße und für den Verkehr nach der Rodheimer Straße durch die Hammstraße. (Haus Schlosser Euler vorbei.) Während der Bauarbeiten auf der Rodheimer Straße zwischen Lahnstraße und Krofdorfer Straße dürfen sich auf dieser Strecke Fahrzeuge aller Art nur in einer dem Schrittempo entsprechenden Geschwindigkeit bewegen. Radfahrer haben abzusteigen.
_O Bep aratur einer Eisenbah n* brücke. Die Eisenbahnbrücke im Zuge der Klinikstraße, die den Süden der Stadt mit dem Güterbahnhof verbindet und einen sehr lebhaften Verkehr zeigt, ist jetzt bereits ein Jahr dem vollen Verkehr entzogen. Anfänglich war die Brücke für den Fuhrverkehr ganz gesperrt, später gab man die südliche Hälfte der Fahrbahn für leichte Fuhrwerke und Personenautos frei; für Lastautos ist sie heute noch gesperrt. Gegenwärtig ist man mit der Ausbesserung Der Drücke beschäftigt. Die für den heutigen Verkehr au schwache Brücke soll, wie wir hören, durch eiserne Träger und Säulen verstärkt werden, auch wird eine für die Fußgänger sehr erfreuliche Reparatur an Dem Brückengeländer vorgenommen, wo der Maschendraht, der an dem Geländer beseffigt war, durch Flacheisenstäbe ersetzt wird. Man hofft, daß die Drücke in nicht allzulanger Zeit dem vollen Verkehr wieder übergeben werden kann.
** Zulassung von F a chs ch u l a b s o l- benten zur Technischen Hochschule Darmstadt. Rach einer Bekanntmachung des Hessischen Landesamtes für das Bildungswesen können Reichsdeutsche, Die nach Erlangung Der Reise für Obersekunda einer neunklassigen höheren Schule eine vom Landesamt für das Bi ft dungswesen anerkannte hessische Fachschule durchlaufen und in der Abschlußprüfung mindestens in allen Hauptfächern des erwählten Studiums Die beste, im ganzen Die zweitbeste Rote erhalten haben, auf GrunD einer Ergänzungs-Reifeprüfung, in der sie eine ausreichende Allgemeinbildung nachzuweisen haben, als ordentliche Studierende an Der Technischen Hochschule Darmstadt zugelassen werden. Die Ergänzungs-Reifeprüfung ist am Realgymnasium in Darmstadt abzulegen; fie umfaßt Die Fächer Deutsch, Geschichte unter Berücksichtigung Der Kulturgeschichte und Staats« bürgerfunDe, ErDkunde, eine Fremdsprache (Französisch, Englisch oder Lateinisch), Mathematik unö Physik. Den Prüfungsanforderungen wird Der Lehrplan Der hessischen Realgymnasien zu Grunde gelegt. Die Bestimmuimen finden bis auf weiteres Anwendung auf ehemalige Schüler der 2ai> desbaugewerkschule zu Darmstadt, der Dange- werkschule zu Dingen und Der DaugewerSschule zu Offenbach.
---Der Gleibergverein hielt am Samstag nachmittag auf Der Burg Gleiberg seine diesjährige Hauptversammlung ab, die bet Dem guten Wetter stark besucht war. Der Vorsitzende, Provinzialdirektor Graes, begrüßte besonders den Landrat Geheimen Regierungsrat Dr. Sartorius (Wetzlar) als Vertreter Der preußischen Aufsichtsbehörde. Kreiskassendirektor K a u s erstattete zunächst Den Rechnungsbericht für 1925/26. Die Mitgliederbeiträge betrugen 1434 Mark, Geschenk von der Kreiskasse Gießen 200 Mark, von Der Provinzialkasse Oberhessen! 200 Mark, Kr eiskommunalkasse Wetzlar 200 Mk., von der Stadtkasse Gießen 100 Mark, zusammen 705 Mark an Geschenken. Der Aeberschuß vom Sommersest 1925 ergab 157,33 Mark, Der Burgwart zahlte 400 Mark, aus Kapitalzinsen wurden 115 Mark eingenommen. Der Gesamteinnahme von 2962,32 Mark stehen 2917,41 Mark Gesamt- ausgaben gegenüber, so daß ein Aeberschuß von 44,91 Mark in bar verbleibt. DaS Vermögen beträgt 1710,50 Mark, bei der Sparkasse Wetzlar steht eine Schuld von 2282,15 Mark. Der Vorsitzende, Provinzialdirektor Gräf, verlas hierauf den Geschäftsbericht für. 1925/26. Die Gesamtzahl der Mitglieder betrug 1925 — 478. Anter den Einnahmen des Vereins erwähnte der Vorsitzende dankbar Die Geldgeschenke in Höhe von 705 Mk. Für Bauten, Erhaltungsarbeiten, Erneuerung des Mobiliars wurden 2546,71 Mk. ausgegeben. Die vorgesehenen Ausbesserungsarbeiten kamen in vollem Amfang zur Ausführung; so am Turm des Albertusbaues, an dem Palais Ludwig des Saliers und an Der Außenwand des Zwingers. Die Wandteile des Flurs im Rassauerbau, Die sehr beschädigt waren, wurden erneuert und getäfelt. Sämtliche Dächer mußten Durchrepariert und ein Durchgebrochener Aeberzug über Dem Vorstandszimmer erneuert werden. Wirtschaftsmobiliar und Gartenmöbel erfuhren einen Reuanstrich. Für DaS kommende Jahr find wiederum größere Herstellungen in Aussicht genommen. Es ist zu hoffen, daß auch in diesem Jahr Freunde und Gönner eine offene Hand zeigen werden. Das im Jahre 1925 auf dem Gleiberg abgehaltene Sommerfest verlief, dank weitgehender Anterstühung einzelner Mtt-


