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Nr. 284 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhejfen)Zamstag, 4. Dezember 1926

800 Jahre deutschen Lebens unter der Koben Tatra.

Don Hilde Reirnefch-DomLnik.

Don den Zipfer - Dachsen soll heute dis-Rede fein, von ihrem Lebens- und Kulturkampf als klein« Sprachinsel im slawischen Meer, von ihrer lounderschönen Heimat im Angesicht der ewigen Berge.

Aus mancherlei Gründen kann man in die Tschechoslowakei reisen. auS wirtschaftlichen oder politischen, aus Interesse an den sremden Dollern und Landstrichen. Das aber ist eine reine Herzens­sache, wenn der Wandersmann mit einemGrüh Gott" an uns vorübergeht, wenn bei schwieriger Klelterparlie der Bergführer uns aus deut'chen blauen Augen ermunternd zuwinkt, wenn ein deut'cher Weister die Reparatur am Knipskasten ausführt, ein deut'cher Feinbäcker sich über den häufigen Besuch der Landsleute in seiner vor­züglichen Konditorei am Marktplatz von KeS - markt freut, ein deut'cher Direktor gar den «rohen Sommer- unb Winterbetrieb im wun­derschönen Dcttrakurort Altschmecks leitet und so fort.

Herrlich und -überwältigend ist es. von der Hochebene aus, von Poprad-Deutschen­dor l die Hohe Tatra zu schauen, wie sie in gewaltiger Kette ihre Häupter reckt: noch schöner durch chren Hochwald zu wandern, in ihren verschwiegenen oder mondänen Kurorten einzu- kehren. an ihren Dren hoch oben in den Kesseln der Gebirgstäler zu träumen, dem uralten Lied der talwärts stürzenden Wasserfälle zu lauschen, chre wilden Felswände und lockenden Spitzen zu erkliynnen, um selige Ausschau zu halten ncub Dorden über das Meer der Gipfel, nach Süden über die gold'chimmernde Hochebene, hinter der in perlmutterweichein Blau die Höhenzüge der Zipfer M a g u r a und des G ö m ö r e r Erzgebirges verschwimmen. Wie spannend eine Fahrt im richtigen Indianerkanoe ans zu- sarnrnengebundenrn, ausgehöhlten Baumstämmen das Wildwasser deS Dunajez hinunter, durch seine grohartige Drrgszenerie bis zur polmschen Grenze! Unheimlich und von schier bedrücken­der Seltsamkeit ein Besuch in der Dob- sch a u e r Eishöhle tief unter der Erde, wo Jahrtausende hindurch jene weihe Frau mit dem schleierartigen Gewand auf die Felswand zugeht, als wollte sie in ihr verschwinden, wo Iahr- tausende der erstarrte Riagara sich wölbt, wo seit Jahrtausenden neben den Eisbergen und EiSgewölben der Abgrund derHölle" Inö Wesen­lose stürzt, dann wieder aus den Spuren Jahrhunderte alten Städtebaues die Zeugen alter Kulturen und edler Kunstepochen auffinben, aus dem Gemäuer und den Resten stolzer Edelsitze den Geist jener feinen polni'chen Renaissance und der bezaubernden franzö'isch-deutschen Kultur des 18. Jahrhunderts aufspüren!

Uni) doch! Und doch! WaS uns zu tiefst mit diesem Landstrich südlich der Hohen Tatra verbindet, ist sein 8 0 0 Jahre altes Deutschtum. Hat dies Land doch einen ur­alten deutschen Ramen, denn nach Bel stammt ZipS vos d»n Gepjden, die hier wohnten, nach denen das Land Gepusia gleich Eepusia, der Gepider aber selbst, mit Um taut des G in C, Eepider genannt wurde, woraus dann Zipser rntsland. Wohnen hier doch Deutsche Schle­sier, Sachsen, Hessen. Rheinländer! DaS Land erzählt von ihnen. AuS ihrem Blut und Schweif) erwuchs seine Fruchtbarkeit, di« sie der Wild­nis abrangen. Die erste Generation zahlte mit1 einem frühen Tot« den Gewinn der Heimat. Die aüen Handeis ^rasten zwischen Kralau und Kaschau wissen viel zu reden von deutscher Bürgerbetrieb­samkeit. die D^rge in der südlichen Zips raunen von dem deut'chen Bergmann, der Kreuze vor feine Stollen und Schichte stellte, um die bösen Geister zu vertreiben, und der im Ramen Got­tes d«Swahren Erzmachers und obersten Berg­herrn" das ..Tugendhafte und Edele" aus den Bergen begehrte. Wog?. Spitzen und Gipfel der Tatra tragen deut'che Ramen, künden von deut­schen Männern, die sie zum ersten Mal be­zwangen Ach, und die Städte! Was erzählen ihre Mauern nicht alles von ilcbcrfall und Brand, von Mord und Pest und neuem Leben,

Oer Frosch mit derMaske

Roman von Edgar Wallace.

7. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Er blieb ein fetter Faustkämpfer. Vor einiger Zeit vor noch ganz kurzer Zeit, war Lew Brady Schwergewichtsmeister von Europa gewesen, ein schrecklicher Kammer, mit gerade jenem Tropfen farbigen Blutes in den Adern, der den Unterschied zwischen Gröhe und Mittelmäßigkeit im Ring aus­zumachen pflegt. Ein stärkerer Mann hatte seine schwache aufgedeckt, und der Ruhm Lew Bradys welkte mit bemerkenswerter Schnelle dahin. Er hatte einen einzigen Vorteil vor feinen Gefährten, und dieser rettete ihn vor völliger Vergessenheit. Ein Philanthrop hatte ihn einst als Kind in der Gosse gesunden und ihm eine Erziehung angedeihen lassen. Er hatte eine gute Schute besucht und war mit Männern, die ein gutes Englisch sprachen, befreun­det. Die Vorteile, die er dieser Freundschaft ver­dankte, waren nicht verloren gegangen, und feine Sprache war von so merkwürdiger Kultur, daß Leute, die den brutalen Mann zum erstenmal sprechen hörten, mit dem hellsten Erstaunen lauschten.

Um wieviel Uhr erwartest du deinen Pagen?" fragte er.

Lola zuckte die zarten Schultern unter der dün­nen Seide, nahm die Zigarette aus den Lippen, um zu gähnen und schmiegte sich noch träger in ihren Sitz.Ich weiß nicht er kommt um fünf Uhr aus dem Bureau."

Der Mann wendete sich vom Fenster ab und be­gann langsam im Zimmer auf- und niederzuschrei­ten. ,Lch verstehe nicht, warum sich der Frosch für ihn interessiert", murrte er.Lola, ich bin dieses alten Herrn Frosches entschieden überdrüssig"

Lola lächelte und sah ihn aus halbgeschlossencn Lidern an.Vielleicht bist du nur der Tatsache üben drüssig, daß du Geld bekommst und nichts dafür zu tun hast", sagte sie.Mich selbst wird solch ein Ueberdruß niemals anwandeln. Und sei sicher, daß der Frosch nicht nach dem jungen Bennett fragen würde, wenn er dessen nicht wert wäre."

Brady zog seine Uhr heraus und blickte auf das juwelengeschmückte Ziffernblatt.Fünf Uhr, du,

von höchster herrlicher deutscher Kunst! Deiner gedenke ich, du Jakobskirche in Leut schau. Fromme Andacht wächst in der Seele vor deinen Wunderfamen Altären. Deine köstlich: Schönheit steigt zum Allmächtigen enrpor als ein deut­sches Gebet. Die erleuchteten Doppelarkaden des mittelalterlichen Leuilchauer Rathauses schimmern wie ein Märchenspiel in den lauen Rächten, und der Mond schiebt sich langsam über die vielen reizenden Giebelchen. daß ihr zierliches Schatten­bild gegen den sanft erleuchteten Himmelsraum sich abhebt.

Kesmark's gedenke ich, der tätigen deutschen Stadt, überkrönt vom majestätischen Zug der Hohen Tatra, auf deren duftigen Hintergrund die dunklen Schindeldächer der Altstadt sich kraft­voll abheben, und aus deren Mitte sich der eigenartige Rathausturm schlank und anmutig gegen die Berge reckt. In schönen alten Formen, wie gleichsam aus der Stadt erwachsen, steigt die Eilige Kreuzkirche empor. Dominierend, aber ohne Beziehung zum Stadtbild die mächt ge Masse der evangelischen Kirche. Da ist mir dein evan- geli'ches Holzkirchlein schon lieber Kesmark, was weiß es zu erzählen aus bösen Tagen der älnduldsamkeit, aus schönen Tagen nicht zu bre­chenden Glaubensmutes! Welch eine innige Stim­mung breitet sich noch heute unter seinen niedri­gen, bemalten, gewinkelten Holzdächern, um seinen köstlich barocken Altar und Kanzel! Am andern Ende der Stadt schauen die stoben Türme des Tökölyi-'Schlosses aus dem wuchernden Daum­wuchs: schwer von Geschichte ist diese Stätte, und wenn man in der Mittagsstille auf einer sonni­gen Bank im Park zu lau'chen beginnt, dann wird es unheimlich lebendig rings herum, da brau­sen die Hussitenstürme über das Schloß und ver­nichten es zweimal, da werden alte, edle Ramen lebendig, die Zapolyal die Lasky, die Thurso und Tököly, und was der Stadt KeSmark Gu­tes und Böses durch sie geschah.

Wenn du dies alles und noch viel mehr erschaut und erlebt hast, dann fragst du wohl dem Leben und Schicksal dieser Deutschen nach, dann magst du wohl wissen, was sie heute sind.

Ins 12. Jahrhundert müssen w.r zurück­wandern zum ungarischen König Gefall.: denn er war es, der die deutschen Kolonisten in sein Land rief, das eine Wildnis, ein Sumps und ilt- wald war. Die verstanden damals schon den Ackerbau, das Handwirk, den Städtebau, die hohen Künste, damals als feine unruhigen Ma­gyaren kaum seßhaft geworden waren, und der Slawe nichts anderes wußte, als sein kümmer­liches Dieh das fressen zu lassen, was Gott wachsen liefe. Da schlug deutsche Faust den ilr- wald, da erkämpfte deutsche Tatkrast und deut­scher Idealismus unter Drangabe von Gesund­heit und Leben den fruchtbaren Boden, da er­blühten 24 deutsche Städte, die sich nach eigenem Recht regierten, nach dem SachsenspiegelDill- kühr der Sachsen in dem Zips". Die ungarischen Könige und Herren forderten und schützten sie, wo sie nur konnten, waren sie doch in allem unvergleichliche Lehrmeister der anderen Böller.

Doch dies schöne blühende Leben wurde mit einem Schlage vernichtet durch die bei Liegnitz abgewehrten Tataren, die ganz Ungarn über­schwemmten und von den ungarischen Königen leider nicht besiegt werden konnten. DerSachsen­gras" führte den gröfeten Teil seiner Deutschen aus einen im wilden Wald versteckten Felsen, wo sie drei Jahre lang hausten, und der heute noch derlapis refugii oderZufluchtsstein" helfet. Rach Abzug der grausigen Horden blieb den unglücklichen Menschen ein ungeheures Trümmerfeld: tapfer fanden sie sich darein und begannen ein neues Geben aufzubauen. Wieder halfen ungarischer Edelmut, Freigebigkeit und königliche Dankbarkeit dabei. Die Sachsen waren abgabefrei, hatten weitgehende Privilegien und waren nur zu Kriegsdiensten verpflichtet.

Eine 820;äferige Geschichte verbindet die Zips mit Ungarn. Die ungeheuere Macht einer solchen Tradition darf man nicht verkennen: man darf sich nicht wundern, wenn der Zipfer sich auch

vermutlich weiß der Junge nicht, daß du mit mir verheiratet bist."

Du bist ein Narr!" sagte Lola, sich träge deh­nend.Sollte ich mich dessen auch noch rühmen?"

Lew Brady ging von neuem hin und her, hin und her. Ein schwaches Glockenzeichen ward hörbar und er sah Lola an. Sie nickte, erhob sich, schüttette die Kissen auf und nahm von neuem ihre frühere Stellung ein.

Mach auf!" sagte sie und der Mann ging ge­horsam. Dann kam Ray Bennett mit «-afdjen Schrit­ten herein, nahm Lolas Hand und küßte sie.

Ich komme spät. Der alte Johnson hat mich noch zurückgehalten, nachdem die andern schon lange ge­gangen waren. Oh, ist das aber ein schöner Raum! Ich hatte gar keine Ahnung, daß du in so großem Stile lebst, Lola." '

Kennst du Lew Brady?"

Ray nickte lächelnd. Er sah wie die verkörperte Glückseligkeit aus und die Geaenwarl Bradns tat ihm wenig zuleide. (Er wußte längst, daß Lola mit Brady in irgendeiner Geschäftsverbindung stünde. Ueberdies war Ray auch noch stolz auf jene Ver­wirrung der Meinungen, die manfreie Anschauun­gen" nennt. Er hatte Visionen von einer neuen Ge- sellfchaftsordnung, die höher stehen sollte als die Knechtschaft, die den Männern und Frauen in ihren Beziehungen zueinander von altmodischen Gesetzen aufgezwungen wurde. Er war jung und sah die Dinge, wie er sie haben wollte.

Also, sprechen wir jetzt von deinem yundecvollen Plan!" sagte er, als er auf ein Zeichen von Lola sich neben sie gesetzt hatte.Weiß Brady davon?" Es ist Lews Idee , sagte sie leichthin.Er späht ja immer nach guten Gelegenheiten aus, allerdings nicht für sich selber, sondern immer nur für andere Leute."

3a, das ist eine meiner Schwächen", sagte Lew bescheiden. .Ich weiß ja nicht, ob Sie mit meinen Plänen einverstanden fein werden. Ich würde die Sache selbst üoernehmen, aber ich habe leider im Augenblick zu viel zu tun. Hat Lola Ihnen alles darüber gesagt?"

Ray nickte. .Ich kann es kaum glauben", sagte er. ..Ich habe immer gemeint, daß so etwas nur in Zeitschriften steht. Lola hat mir von einem Geheim­agenten erzählt, den die japanische Regierung in London einfeßr* möchte. Jemanden, den sie

weiterhin auf Gedeih und Verderb mit Ungarn verbunden fühlt: denn er wird und kann es nie vergessen, wie die ungarischen Herren ihm halsen, sein Leben aufzubauen, deutschen Ackerbau, deut­sches Handwerk, deutsch« Kunst förderten, wenn auch aus der richtigen Erkenntnis heraus, dafe der hochentwickelte Deutsche dem noch völlig un­kultivierten Ungarn ein vorzüglicher Lehr­meister fein toure. Dessen sollen aber die Zipfer gedenken, dafe während 700 Jahren dieser ge­meinsamen Geschichte nur ein deutsches Dolkstumsbewufetsein, nicht aber ein un­garisches oder slawisches in der Zips vorhanden war. Die von wenigen Ausnahmen abge­sehen gütige und gnädige Haltung der un­garischen Könige und Adligen erweckte im Lause ber Zeit _ eine geradezu fanatische Dankbarkeit und Anhänglichkeit in der Seele der Deutschen. Der deutsche Bauer und Handwerker schickte seinen Sohn auf das magyarische Gymnasium, und wirklich konnten diese intelligenten Bauern­söhne die höchsten Stellen im Staate erreichen. So verlor das Zipfer Deutschtum feine Fuhrer- fchicht an Ungarn und den mißachteten Acker an den Slowaken!

Andere Faktoren traten auf, das Zipfer Deutschtum zahlenmäfeig und wirtschaftlich zu schwächen. Sie alte Handelsstraße KafchauKra­kau wurde von den gewinnsüchtigen Habsburgern widernatürlich über Wien gelegt. Dadurch be­gann die Verarmung des Dolles, die sich durch den Eisenbahnbau, der sich nicht an d e Handels­straße hielt, steigerte: die hereingebrachten Fabrikprvdukte aber erwürgten das Handwerk.

3n den achtziger Jahren beginnt die Aus­wanderung nach Amerika, die der Zips die Hälfte der Bevölkerung enhog. Rach der neuen Staatseinteiluna ist die Industrie, die auf Un­garn und den Balkan eingestellt war, von diesen Märk en abgeschnitten. 3n dem W'ttbewerb mit der böhmischen ist sie sowie die Bergwerke zu­grunde gegangen, ganz abgesehen davon, daß der Tscheche in dem neuen Staate allein verdienen will.

Seelisch ist das Schicksal dieser Deutschen, die in fremdem Boden Wurzel fafeten, ein grau» kam hartes. Der Boden, den sie nicht nur be­bauen, wie jeder Landmann anderswo, sondern den sie sich eTf<hu*en, ist für sie im tiefsten Sinne Heimat. B^lkstum und Heimat deckt sich nie bei ihnen. Ihr Bolkstum ist deutsch, ihre Heimat war bisher ungarisch, jetzt ist sie tschecho­slowakisch. Man kann von keiner Bolksseele so­viel Akrobatentum verlangen, daß sie sich ent­sprechend wandele. Die Siebenbürger Sachsen gingen den aeroben, dabei schwersten Weg sie blieben Deutsche, sie blieben Bauern, sie blieben Büraer. Die Zidser Sachsen ginaen einen bequemeren Weg. der ihnen von den ungarischen Herren auf das freundlichste geebnet wurde: sie wurden Ungarn, sie wurden Beamte, sie worden Offiziere, sie ließen sich adeln, sie wurden große Herren in Ungarn, die Intelligenz natürlich mir. Die besten Zipser haben es mir immer wieder bekannt, daß sie Ungarn sind. Heißer als der echte Unaar hängen sie am ungarischen Vaterland, brennenber zuckt in ihrem Harzen bas Weh um feine Zerstückelung. Rach ihrem Deutschtum befragt, wollen sie einem verstänb- lich machen, baß b"ib^s gleichen Anteil an ihrer °iebe, an, ihrem KHen habe: sie fpre-^en von ihrer Dop^ellee'e. Sie haben keinen S:nn für die tiefe Weisheit des Jesuwortes:Riemanb Fann zween Herren bienen, entweder er wird *em einen anbannen ober den anbem verachten." Die Ausschließlichkeit der Hinnabe machte für Jesus den W"rt der Liehe aus. Der Zipser lwohlverstanben nicht ber Bauer und Hand­werker) spricht in ber Familie und Freundschaft meistens maqvarllch. schreibt ferne Bücher maaya- rifd>. er kann es alles ebensogut deutsch, aber er tut es nickt: dabei verleugnet er nicht etwa seine deutsche Herkunft, im Gegenteil, er betont sie mit Stolz. Aber es ist die ruhiae Liebe, mit ber man her Eltern und feiner Kindheit gedenkt.

desavouieren könnte, wenn es notwendig wäre. Aber worin bestünde denn eigentlich meine Arbeit?"

Das weiß ich nicht", sagte Lew kopfschüttelnd. Soweit ich informiert bin, Haben Sie nichts zu tun als zu atmen. Vielleicht werden sie Sie brauchen, um Dinge in Erfahrung zu bringen, die in der poli­tischen Welt vor sich gehen. Das war mir, wie ich ehrlich gestehe, daran nicht gefällt, ist, daß Sie tzin Doppelleben führen müffen. Niemand darf erfahren, daß Sie bei Maitland angestellt sind. Sie können sich einen beliebigen Namen beilegen und müssen Ihre häuslichen Arrangements treffen so gut Sie es vermögen."

Das wird nicht schwer halten", unterbrach ihn Ray.Vater meinte ohnedies, ich müßte ein Zim­mer in der Stadt nehmen. Er findet d»e tägliche Reise von und nach Horsham zu kostspielig. Das habe ich Samstag mit ihm ausgemacht. Zum Wochenende werde ich immer nach Hause fahren, aber was habe ich zu tun und wem muß ich be­richten?"

Lola stand auf und kam langsam auf ihn zu. Armer Junge," spottete sie mit ihrem leisen Lachen, die Aussicht, eine schöne Wohnung zu haben und mich jeden tag zu sehen, macht ihm solche Sorgen!"

VI.

Herr Maitland geht einkaufen.

Die Eldorstraße in Tottenham ist einer der tau­send grauen und häßlichen Verkehrswege, die die inneren Vororte Londons durchziehen. Man denke sich zwei Rejhen von Häusern, $u beiden Seiten einer geraden Straße aufgereiht, in sparsamen In­tervallen von gelben Lampen beleuchtet. Jedes dieser Häuser ist von der Straße durch ein Eisengitter ge­trennt und mit einem eisernen Tor versehen. Im ersten Stock darüber sieht man zwei ganz gleiche Fenster. In dem winzigen Borhof müssen auch die zähesten Sträucher verzweifett um ihr Dasein kämpfen.

Um neun Uhr abends ging Elk im strömenden Regen durch die Eldorstraße, die verödet lag. Die meisten Fronten waren unerhellt, denn das Leben der Eldorstraße spielt sich zu dieser Zeit in der auf der Hinterseite der Häuser liegenden Küche ab. Aber aus den Fenstern des Kaufes Nr. 193 fiel ein Licht­schein.

Hingegen die leibenschaftlich Begehrte ist llnN gam.

Run sind diese armen Menschen staatlich« Tschecho-Slowalen. Richts verbindet sie gefühls- mäfeig mit diesem Dolk. Sie wollen loyale Staatsbürger sein: mehr können die Tschechen auch nicht verlangen. Da das llngartum in Die'cm neuen Staate naturgemäß verfolgt wird, so bra gt sich den Zipser Sachsen immer mehr die Er­kenntnis auf, voll und ganz Deutsche zu werden, was sie dem Blute nach sind. Gegen diese Ein­stellung kann der Tscheche nichts sagen, er mufe sie achten, und auch dem alten ungarischen Dater- land ist damit am besten gedient, denn würde die neue Generation nicht konzentrisch deutsch, so würde sie sich in absehbarer Zeit ebenso im Slawentum verlieren, wie sie im Begriff war, im Ungartum völlig aufzugehen. So ist wenig­stens die Möglichkeit offen, als Deutsche noch einmal zum alten ungarischen Ta erlaub gehören zu können. Die jüngste Generation geht diesen neuen Weg aus innerster lleberzeugung, und daS ist hocherfreulich. Sie sollte eS nur ver­meiden, die Gefühle der alten Generation mit der Doppelseele in so schroffer Weise zu ver­letzen, indem sie von ber 830ährigen ungarischen Unterdrückung spricht. Das ist nicht nur un­nötig, sondern auch unrichtig: denn ihr Ber- hältnis zu Ungarn haben die Zipser Sachsen in freier Wahl bestimmt. Es ist nicht nur ver­ständlich. sondern eine sitt.iche Pflicht, dem alten Baterland die Dankbarkeit und Freundschaft zu bewahren. Wenn die Jungen jedoch verlangen, die Zipser Sachsen sollen in jedem Staate, auch wenn es noch einmal ber ungarische fein sollte, den sittlichen Mut aufbringen, Farbe zu be­kennen für beutscheS Wesen, sollen bie Pflege deutscher .Kultur auch in Mittelschulen durch­setzen, so ist das ihr gutes Recht als Deutsche. Und man kann nur wünschen, dafe dies Streben nach einem einhe t ichen Bolkstums- gefühl immer erfolgreicher sein möge, diesem fräfliren und hochintelligenten deutschen Stamme und feiner schönen Heimat zum Segen.

Oberhessen.

r.'anvkrcis GHcficn.

OO Klein-Linden, 3. Dez. Aus ber gestri­gen Gemeinderatsfitzung: Der Bei­tritt zum Dogelschutzverein wurde ab­gelehnt. D ieser Entschluß ist verwunderlich, wenn man bedenkt, bafe ber Bogrlschuhverein als eine sehr gemeinnützige Einrichtung enuufefeen ist. Der Deretn will die hermifche Dogelwelt, ins­besondere unsere nützlichen Singvögel, erhalten, um damit auch unseren Landwirten treue Bundes­genossen zuzusühren, die ihnen bei der Bekämpfung des Ungeziefers helfen sollen. Auch beträgt ber jährliche Mitgliedsbeitrag nur 3 Mk. Wie g sagt, ein unverständlicher Beschlufe. Die Pflicht- arbeiten ber Erwerbslosen werden für bie Zukunft eingestellt. Das Daugesuch des Friebrich Jung wurde unter einigen Vorbehalten genehmigt. Die Unterhaltung der Wilhelm strafe« soll später auf die Gemeinde über gehen.

* Lang-Göns, 2. Dez. In dem kürzlich vev öfsentlichten Bericht über die diesjährige G e - [lüget- und Kaninchen-Aus st ellung Des hiesigen Züchtervereins waren einige Angaben gemacht, die auf einer mißverständlichen Auffassung beruhen dürften. Berichtigend sei solgendes mitge- teilt: Als Preisrichter fungierten die Herren Sof­ter, Bad-Nauheim, Menget, Marburg, und Gerhardt, Kirch-Göns, die folgende Ehrenpreise vergeben konnten: Norbert Grünebaum auf weiße Wyandottes, W. Reusch, schwarze Wyandottes und engt. Zwergkämpfer, Otto May, schwarze Minorka, N. Orünebaum, schwarze Langshan. K. Schmidt, schwarze Italiener, Otto Boller, rebh. Italiener, Karl Müller, porzellf. Zwerge, und Antw. Bartzwerge, Rich. Kaiser, weiße Wyandottes, Zwerg und Zwerg- langshan, Willi Belte, gelbe Italiener. Wilh. Bink, deutsche Zwerge, Bürgermeister Müller, schwarze

Am Morgen jenes Tages hatten die Zeitungen eine Verlautbarung über die neue Spekulation der Vereinigten Maitlands gebracht, über ein Geschäft, dessen Gewinn weit mehr als eine Million Pfund betragen hatte. Und das Haupt des Konzerns lebte in solch einem Schmutzwinkel! Während Elk vor dem Hause stand, verlöschte plötzlich das Licht und er hörte den sich nähernden Schall von Tritten drinnen im Hausflur. Er hatte eben noch Zeit, die Dunkelheit der gegenüberliegenden Straßenseite zu gewinnen, als die Türe sich öffnete und zwei Personen heraus- traten. Es waren Maitland und die alte Frau, die Elk schon gesehen hatte. Sie trug eine'Tasche aus Netzwerk in der Hand und anscheinend gingen sie aus, um einzukaufen. Es war Samstagabend und die Hauptstraße, die Elk eben passiert batte, war noch von den Einkäufern belebt, die erst spät die Läden von Tottenham zu besuchen pflegten, um die Nah­rungsmittel vor Geschäftsschluß zu billigeren Prei- fen zu erstehen.

Elk wartete, bis das Paar verschwunden war, ging dann bis zum entgegengesetzten Ende der Straße herab und wendete sich nach links. Er folgte einer mit Plakaten bedeckten Mauer, bis er einen engen Gang erreichte. Es war ein Weg, der zwi­schen den teergestrichenen Holzzäunen der Gärten hinlief, ein finsteres, unbeleuchtetes Gäßchen, kaum zwei Meter breit. Er zählte die Gartentore zur Lin­ken mit Hilfe feiner Taschenlampe, nach einer Weile blieb er stehen und drückte die Klinke des letzten nieder. Die Türe war versperrt, aber nicht' verriegelt. Elk grunzte befriedigt und zog aus feiner Tasche ein ledernes Säckchen, dem er einen kleinen hölzernen Handgriff entnahm, in welchen er einen Stahlhaken einfetzte, den er sorgfältig Aus einem Dutzend an­derer ausgewählt hatte. Erst nach vielen Versuchen drehte sich das Schloß und er stieß die Türe leise auf. Die Hinterfront des Hauses lag im Dunkeln und der Hof war merkwürdigerweise ganz frei von all den Hindernissen, die Elk erwartet hatte. Er über­querte ihn rasch und ging zur Türe, die ins Haus führte. Zu feiner Ueberraschung war sie nicht oer- schlossen. Er befand sich in einem kleinen Abwasch- raum, bann ging er durch eine Türe in einen kahlen Flur und kam in das Zimmer, in dem er das Licht gesehen hatte.

(Fortsetzung folgt.)