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Die tolle Herzogin
Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Dimeter. Verlag, Berlin.
sicht an das Krankenbett.
Eines Abends sprach er sogar mit seinen Toch- lern über die Fortschritte seines groben Projekts.
„Ich glaube, es wird gehen. Hier wird die Stimmung immer günstiger, und auch die Berichte, die ich aus Arnerila erhalte, geben der Hoffnung Raum, daß wir die Anerkennung der Sowjets sowohl im .Kongreß wie im Repräsentantenhause durchdringen. Wie wir hier mit der französischen Gefahr arbeiten, operieren sie drüben mit der japanischen. Ich denke, es wird keine vierzehn Tage mehr dauern, und wir können mit der ganzen Angelegenheit ruhig an das Tageslicht der Oefsenllichkeit hervorkommen."
Vierzehn Tage! Mitten in ihrer Fieberhitze glaubte Gloria eine eisigkalte Hand zu spuren, die ihr nach dem Herzen griff.
Vierzehn Tage! Und die Abschrift der Vertrages verschwunden! Sie an das Bett gefesselt! Wehrlos! Machtlos!
Aber sie zwang sich zu einem schwachen Lächeln.
„Ich verstehe nicht, Vater," sprach sie mit ihrer leisen, vom Fieber eingefdpiürten Stimme, „warum ihr euch bei dieser arofjen Angelegenheit, die doch nicht nur eine geschäftliche, sondern auch eine eminent patriotische Bedeutung hat, in solche Geheimniskrämerei versteckt?"
„Eben dieser patriotischen Bedeutung wegen! Das Petroleum wird eines Tages die Welt regieren. Es macht heute schon der Kohle den Rang streitig. Wer das Petroleum hat, wird die Meere beherrschen. Wird Strieg und Frieden diktieren können. England ist durch seinen Reichtum an Kohle groß geworden. Es muß sich nach Ersatz umsehen, bevor dieser Reichtum eines Tages erschöpft ist. Was glaubst du, Kind, was gäben unsere Freunde an der anderen Seite des Kanals dafür, wenn sie erfahren könnten, wie der Vertrag aussieht, den wir mit Karaschin und den Deutschen vereinbart haben?"
(Fortsetzung folgt.)
unmöglich ist. Sie hat ihn erst in Burnham Tower kennengelernt und sid; dort nicht sonderlich mit ihm abgegeben. Meine alle Freundin, Miß Elliot, sprach die Ansicht aus, er habe seine Aufmerksamkeit haupt- sächlid) Grace zugewendet."
„Daisy Elliot? Hin — wird sie -schweigen?"
„Aber, Onkel! O Haupt einer so weisen Familie! Die liebliche Daisy wundert sich heute noch, wer mir den Streich gespielt und mich zu ihr hinaustelepho- niert hat. Ich (am an, angeblich auf ihren telephonischen Wunsch, und unterhielt mich den ganzen Naä)mittag mit ihr über ihre Versuche, Airedales und Collies zu kreuzen. Als ich alles wußte, fuhr ich wieder heim. Liebeserklärungen habe ich ihr keine gemacht — das schwöre ich. Nein — nein, Gloria Sainsbury hak mit Las Valdas nichts zu tun gehabt. — Ich--id)--! Verdammt — sie ist
noch immer nicht zu sprechen! Hßule morgen hatte sie beinahe vierzig Grad Fieber."
Er zündete sich eine „Queen" an, warf sie aber in plötzlich aufwallender Erregung wieder fort.
„Ich weiß nicht," rief er, „ich komme mir diesmal vor, wie vor den Stopf geschlagen. Meine berühmte Intuition versagt ganz und gar Ich bin phantasielos wie ein moderner Maler. Ich habe da eine Menge Personen, die durch irgendwelche Fäden zusammengehalten werden, Las Valdas, Neville, Herrn St. Aubain, die Herzogin, den Chauffeur, diesen Vertins--und ich kann nicht den kleinsten
Faden in die Hand bekommen. Wie hat Archimedes, dieser antike Gymnasialprofessor, gesagt? Gib mir einen festen Punkt und ich hebe die Welt aus den Angeln. So oder so ähnlich hat er gesagt. Ich weiß es nicht genau — war nie sehr fest in Geschichte. Jedenfalls kann ich so ähnlich sagen: Gib mir einen festen Faden und ich wickle den ganzen Knäuel auseinander!" .
Sir Arthur wiegte nachdenklich den Kops.
„Hast du dich schon für den früheren Chauffeur des Grasen interessiert? Der so merkwürdig plötzlich erkrankte?"
Der Neffe machte ein beleidigtes Gesicht.
„Wenn id) das nicht getan hätte, verdiente ich weder Ihr Nesse zu sein, noch im Geheimdienste Seiner Majestät zu stehen. Natürlich habe ich bas. Besagter Adams ist nicht aufzutreiben. Hak sich in Luft aufgelöst."
„Hm--"
»Zugegeben, teurer und nach Gebühr bewunderter Onkel! Eben deshalb bemühe ich mich ja, dem verstockten Menschen zu beweisen, daß er lügt. Ich konnte ihm ja einfach sagen: Du bist mir aufgesessen, lieber Harald, als du mir sagtest, du haft aus dem kleinen Revolver geschossen. Damit wäre aber nichts erreicht. Er würde eben behaupten — nun, wenn ihr es wißt — gut, ich habe aus meiner Pistole geschossen. Wo ist die Pistole? würden mir fragen. Sucht sie! konnte oder würde er antworten. Er hat es sich einmal in den Kopf gesetzt, Gloria Sainsbury zu decken und wird so lange schweigen, bis sie selbst spricht. Und wenn ich die „tolle Herzogin" richtig einschätze, wird sie sprechen, sobald sie nur irgend kann. Deshalb mochte ich den guten Harald noch weiter durch unser? Gastfreundschaft erfreuen. In dem Moment, da wir ihn freigeben, hat Gloria Sainsbuy keine Veranlassung, zu sprechen. Doch um ihn zu befreien, wird sie auch sogar sagen, sie sei die Geliebte des Portugiesen gewesen und habe ihn aus Eifersucht erschossen. Sie wird sich nicht schonen. Gloria Sainsbury ist nicht nur eine schone Frau, sondern eine Frau, die tapfer und voll Ehrgefühl ist wie ein Mann. Teurer und nach Ge- buhr bewunderter Onkel, selbst aus die Gefahr hin, von Ihnen als Weiberknecht angesehen zu werden, kann ich "nicht umhin, zu bekennen, daß Gloria Sainsbury eine der wenigen Frauen ist, denen ich ehrliche Hochschätzung entgegenbringe."
„So auch ich", stimmte der ältere Ryce bei. „Ebensowenig wie wir dem Neville jein Märchen glauben, würde ich ihr ein Wort glauben, wenn sie uns erzählen wollte, sie sei die Geliebte des Las Valdas gewesen. Wir müssen nach einem anderen Grunde suchen, der sie an jenem Abend in das Haus des Portugiesen geführt hat."
„Den suchen wir ja. Ich habe inzwischen nod) einige kleine Nachforschungen angestellt und bin jetzt davon überzeugt, daß die Annahme, sie habe mit Las Valdas in irgendwelchen Beziehungen gestanden, schon aus zeitlichen und räumlichen Gründen
Gloria hatte vierzig Grad fieber.
Doch ihre Energie rang mit der Krankheit eben|o verzweifelt wie ihr junger, gesunder Körper. Mit Staunen sahen es die Aerzte, mit beinahe furchtsamer Bewunderung Grace.
Lord Burnham kam auf die erste Nachricht hin nach London. Als er sein schönes kraftstrotzendes Kind schwach, regungslos, mit flammenden Wangen im Bette liegen sah, konnte er seine Tränen kaum zurückhalten — dock) sie schob ihre Hand in ote (einige und hielt sie fest.
„Keine Angst, Vater", flüsterte sie mit kaum hörbarer Stimme. „Deine Tochter läßt sich nicht unter- kriegen. Laß dir nur von den Herren Doktoren nicht den Kopf voll machen! Du hast Wichtigeres zu tun, als dick, mit Sorgen zu plagen, wenn einmal eine deiner Töchter etwas Influenza hat. Ich bin ja selbst schuld — wer hieß mich, bei diesem Wetter o"^ahin'bist du denn gegangen?"
„Wohin geht eine Frau trotz schlechtem Wetter? Zur Schneiderin. Bei Mademoiselle Jeannette in der Regent Street war ich." „
„Welch ein Leichtsinn, mein Kind!
„Ich kenne eure Londoner Regengüsse nicht mehr! Du lieber Gott, wie oft bin ich schon auf meinen Heiden in den Hills eingeregnet! Nie ist nur etwas passiert. In London ist aber sogar der Regen mit Bazillen geschwängert."
So sprach sie mit dem Vater. So bezwang sie seine Angst. Täuschte seine Sorgen. Er ließ sich zwar nicht nach Burnham Tower zurückschicken, aber er widmete sich doch angelegentlich der Bearbeitung des großen Projekts. Jn der englischen Presse begann es leise und diskret von den russischen Oelkonzessio- nen zu rumoren. Günstige Artikel über die Sowjets, über die wirtschaftliche Wiedererstarkung des russischen Reiches begannen zu erscheinen. Die Rede des Premiers, die über die Aufregungen einer großen interalliierten Konferenz etwas wieder in
Juck.», ia't a. Haut leib., 1000000i. dem. umKu.uB^. ——
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i Vergessenheit geraten war, erschien wieder in Erinnerung. Wurde da und dort zitiert. Lord Burn- ham, der Mitglied des Oberhauses war, unterhielt sich mit seinen politischen Freunden über die Mus- sichleu, die für die Anerkennung der Sowjetregie- rung bestünden. Hatte lange Konferenzen mit ver- jchiedenen Abgeordneten des Unterhauses. Kam gut vorwärts und brachte ein immer fröhlicheres Ge-
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