Nr. 101 viertes Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
damsiag, 1. Mai 1926
Wandern und Reifen Bäder und Sommerfrischen
Reifebrief aus Dalmatien.
6 u f a t, Donnerstag, 25. März 1926.
Ich sitze an der hölzernen Brücke, die das jetzt italienische Fiume mit dem südslawischen Susak verbindet, unb warte, warte . . .
Immer noch will der Dienstmann nicht kommen, dem ich den Auftrag gegeben, meine Koffer vom Bahnhos Susak zu holen. Ich hatte ihn von Graz aus nach Susak vorausgeschickt, ich wollte noch einen Abstecher machen nach Adelsberg (heute Postumia), um die weltberühmte Höhle zu besichtigen.
Noch stehe ich unter dem gewaltigen Eindruck dieser Fahrt in die Unterwelt. Welche geheimen, verschwiegenen Schaffenskräfte der Natur enthüllen sich da! Wie reichen diese Steingebilde vielfach mit fast täuschender Ähnlichkeit an organische Formen heran! Und über all den interessanten, frappierenden und seltsamen Einzelgestaltunaen, die weiten, mächtigen Gewölbe und Hallen dieses Hadesreiches, die über ganze unterirdische Gebirge sich ausspannen. Und diese weihevolle Stille! Nur hie und da das Geräusch eines fallenden Tropfens, in dem gleichsam die Stimme der Jahrtausende und Jahr» Millionen spricht, die nötig wären, um diese Sil- düngen entstehen zu lassen.
öo fühlt man sich räumlich wie zeitlich unserer Welt des Tages und der Sonne entrückt: ein Eindruck der „ganz Anderen" von religiöser Macht und von tiefster Eindringlichkeit! ....
Endlich, endlich kommt der große, schlanke Gepäckträger heran, meinen — fast einen Zentner wie- genben — Koffer auf bem Rücken tragend!
Aber der Zollbeamte an der Brücke, ein alter Mann, der schon lange im österreichischen Diensten gestanden und der sich gütig wie ein Vater meiner angenommen und mir den Dolmetscher gemacht hatte — er ist leider nicht zuständig, auch meinen Koffer zu revidieren. Er muß dazu nach dem Zollamt gebracht werden! Es ist zum Glück nur etwa fünf Minuten entfernt.
Endlich, nachdem verschiedene Papiere ausgefertigt und noch mehr Dinare erlegt worden sind, kann ich mit meinem nun frei gegebenen Koffer zu dem guten Alten nach der Brücke zurück unb von da noch dem Dampfer der Iadranska-Schifs- fahrtsgesellschaft kommen.
Eines fiel mir übrigens noch auf bei meiner Plauderei mit bem alten Zollwächter. So freunb- lld) unb gütig er sonst war: sein Gesicht verfinsterte fid), wenn wir auf die Italiener zu sprechen kamen, die am anderen Ende der kleinen Brücke ihres Amtes walteten. Daß die Italiener sich noch fiiumes bemächtigt haben, dessen Bevölkerung nur (um kleinen Teil italienisch ist: das hat die 6üb- aroen augenscheinlich tief verwundert. Auch sonst t mir dieser Haß gegen Italien entgegengetreten.
Ragusa, Ostersonntag, 4. April 1926.
Die Fahrt von Susak hierher ist still und friedlich gewesen, sie dauert mit dem Eilschiff fast gerade 24 Stunden. Bei Beginn der Nacht waren wir von Susak abgefahren. Als der Morgen kam, Ian- beten wir schon auf eine halbe Stunde bei dem rrizend gelegenen Sebeincv. Keine Spur von Seelrankheit! Fast immer geht die Fahri zwischen bem Festland unb den Inseln dahin, ruhig wie auf einem Fluß, nur wo die Inseln fehlen, macht sich ein wenig stärkerer Wellenschlag bemerkbar.
Und nun bin ich schon über eine Woche in R a - au f a. Ich habe das dort gefunden, was ich suchte: Frühling, Sonne. Die Wochen in Wien und Graz fjatten mir nur Regen und Schnee gebracht; als ich über den Semmering fuhr, herrschte dort tiefster Winter. Die Seefahrt hat mich dem Herrschaftsbereich des Winters entführt. Ja, in den ersten Sagen glaubte ich mich geradezu in den Sommer versetzt; ein erschlaffend wirkender Schirokko wehte. Aber am Gründonnerstag ist der Frühling gekommen: herb und klar. Wundervolle Tage sind seitdem dahin gegangen. Die „blau e" Adria — ich habe jetzt erlebt, wie wahr dies Wort ist! Geradezu unwahrscheinlich blau ist das Meer, Darüber aber wölbt sich das lichtere Blau des wolkenlosen Himmels. Dazwischen die sonnenbeglänzten hellen Steinmauern Ragusas.
Von welcher Seite man es auch betrachtet: immer wieder bietet diese Stadt mit ihren ragenden Türmen, Mauern und Bastionen ein wundervolles Gesamtbild, in dem Kraft und Schönheit wetteifern. Gleich hinter der Stadt erhebt sich der Berg Hunderte von Metern, gefrönt von dem in napoleonischer Zeit von den Franzosen errichteten Fort Imperial. Hie und da hat man auch begonnen, ben Abhang wieder aufzuforsten. Wie herrlich muß Her Anblick erst gewesen sein, als er noch Wälder trug; denn Dubrovnik, der heute wieder offiziell geltende Name Ragusa bedeutet eigentlich „Wald- siadt".
Das hat mir ein hier ansässiger pensionierter Professor erklärt, der sich an einem der ersten Abende im Hotel mir vorstellte und seitdem alles tut, um mir den Aufenthalt angenehm zu machen. So hat er mir schon manche verborgene Schönheit der Stadt und der Umgebung gezeigt, die ich ohne diesen sachkundigen Führer nie entdeckt hätte.
Er machte mich auch auf den eigenartigen Brauch aufmerksam, der am Karsamstaa auf dem Marktplatz bei der Kathedrale sich abspielt. Als wir hinkamen, war der Platz von Menschen rings bedeckt; in der Mitte aber lief die Zurüstung zu einem Feuerwerk vor den Obstständen hin; als nun um *12 Uhr das Gloria aus der Kathedrale ertönte, wurde das Feuerwerk angezündet: ein Geprassel wie Maschinengewehrfeuer, untermischt mit Kanonendonner, entstand; die Menge schrie und jubelte; von allen Seiten warf man nun Töpfe, Teller, Tassen auf den Markt — „die Scherben" sollen wohl Glück bringen — schließlich arbeitete sich ein Mann durch die Menge mit einem riesigen, tiumengeschmücktem Tongefäh. Er schleuderte es auf den Markt, daß es schmetternd zersprang. Eine Masse Aepfel rollte heraus, über die sich nun die
Jungen jubelnd hermachien. So feierte man hier — in echt südlicher Weise — Christi Auferstehung.
Aber noch einer anderen Auferstehungsfeier wurde ich an diesem 'Mfcinittag zuteil. Vom lärmenden Markt weg baltMud) mein lieber, alter Professor durch verschwiegene enge Gäßchen hinauf auf die mächtige Stadtmauer geführt. Da saßen wir nun in der Sonne und blickten über das Meer hin, und meine Gedanken schweiften über Meer und Alpen zum Vaterland. Und just eben begann der Professor ein hohes Lied auf Deutschland. Er hat einst in Wien studiert und er hat Deutschland kennen gelernt. Er ist ein Bewunderer deutscher Kultur, vor allem deutscher Musik und deutscher Wisienschast. So kündete er mir denn Auch mit felsenfester Uebergeugung das baldige Wiederauferstehen Deutschlands. Wahrlich, keine bessere Osterbotschaft hätte mir zuteil werden können!
Uebrigens habe ich hier nicht selten den Eindruck, in Deutschland zu fein. Fast all die Fremden, die in großer Zahl zu den Oftertagen nach Ragusa gekommen, sind — Deutsche. Deutsch versteht man auch in Gasthöfen, in den Läden, bei den Führern der Barken, Motorboote, Droschken und Autos. Die Zahl der lohnenden Ausflüge zu Land und Wasier ist sehr groß. Mehr als 20 Autos sind heute nach Trebnije gefahren; andere haben die Fremden nach Cetinge und auf den Lovcen mit feiner wundervollen Aussicht geführt. Der Luxusdampfer Kumanowo hat feine gewohnte Sonn- tagsfafjrt nach der Bucht von Cattaro gemacht.
Ich bin aber lieber zur stillen Dfterfeier in Ragusa geblieben. Ich gehe sinnend durch die Stadt und freue mich lieber an den herrlichen Bauten, den Zeugen der großen Vergangenheit Ragusas, dieser einst so stolzen, feegewaltigen Stadt. Und dann wandere ich hinauf zum Park Gradac am ragenden Meeresufer mit feinen Palmen und Pinien, Kakteen und Agaven. Und dort sitze ich auf sonniger Bank und schaue aufs blaue Meer hinaus und träume — träume von Auferstehung. A. M.
Wir geben im Anschluß an diesen Brief einige (natürlich unverbindliche) praktische Hinweise für reifeluftige Leute, die an die blaue Adria wollen.
Verbindungen: Gießen ab 9.49 abends, Frankfurt an 11.03, ab 11.33 (Schlafwagen Frankfurt—München), München an 7.40 morgens, ab 8.30, Triest an 11.10 abends. — Von Triest gehen jeden Dienstag und Freitag, nachmittags 4 Ahr die Dampfer nach Gravofa, dem Hafenort von Dubrovnik (Ragusa).
Die Fahrpreise betragen für die Strecke Gießen—Trieft in der 2. Klasse 79,50 Mk. und in der 3. Klasse 51,40 Mk. Dazu kämen noch die Preise für die Schiffsstrecke Triest—Gravosa, die in der 1. Klasse 198 Lire und in der 2. Klasse 132 Lire betragen.
Visa: Für diese Reise ist ein italienisches Durchreisevisum, bzw. bei Aufenthalt in Triest ein Einreisevisum, sowie ein jugoslawisches Einreisevisum erforderlich.
Zum Aufenthalt in Dubrovnik wird uns die Pension Viktoria und für größere Ansprüche daS Hotel Imperial empfohlen. DaS H a p a g - Reifebureau in Frankfurt ist in der Lage, für diese Hotels Zimmer zu reservieren und Gutscheine auszugeben, die zu einer 25vrozent'gen Fahrpreisermäßigung auf der Dampferstrecke berechtigen; ebenfalls erhält man dort sämtliche erforderlichen Fahrkarten ab Gießen, und auf dem schnellsten Wege die erforderlichen Visen.
Durch eine Verordnung des Verkehrsmini- steriums in Belgrad werden den Besuchern deS südslawischen Küstenlandes auch Heuer die Fahrt- begünftigungen wie im Vorjahre zugestan- den. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 50 Proz. und gilt während des ganzen Jahres. Doch müssen die Besucher bei der Rückfahrt eine Bescheinigung vorlegen, daß sie mindestens 15 Tage im Küstenland verbracht haben. Die bei der Hinfahrt gelosten vollen Karten gelten auch für die Rückfahrt. Für Reisen ins Binnenland gilt eine Fahrpreisermäßigung von 25 Prozent, bei Gruppen von mindestens 5 Personen von 50 Prozent. Die Reisenden müssen mindestens 500 Kilometer in einer Richtung reifen. Die 15 Tage müssen nicht an einem Orte verbracht werden. Weiter hat das Verkehrsministerium den Besuchern der Laibacher Mustermesse eine 50prozentige Fahrpreisermäßigung zugestanden.
Wanderfahrten.
Gießen — Coüarer Kops — Dodenburg — Gießen.
Der in der Rähe des Hangelsteins befindliche Lollarer Kopf wird auffallenderweife von Gießener Wanderfreunden recht stiefmütterlich behandelt. Sehr mit Anrecht, beim sein Besuch ist überaus lohnend. Wir fahren entweder nach Lollar, von wo der Weg etwa eine Stunde kürzer ist, oder wandern auf der Marburger Straße bis vor die ersten Häuser von Lollar, wo nach rechts ein Feldweg abzweigt, der uns in bequemer Steigung auf den Lollarer Kopf bringt. Don einigen Ruhebänken unterhalb des Gipfels genießen wir eine herrliche Fernsicht, die sich über Gießen und das Lahntal bis zum Taunus erstreckt, während vom Kamm des Berges die Marburger und Gladenbacher Berge sichtbar sind. Bemerkenswert sind die seltenen Pflanzen, die wir auf der Höhe finden, und die natürlich dem Schutze des Publikums dringend empfohlen werden. Leider droht dem Berg durch einen Steinbruch, der immer größere Dimensionen annimmt, in absehbarer Zeit der Untergang. Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Wege wie der Aufstieg bis zur Landstraße, auf der wir bis zum Walde zurückgehen. Hier kommen wir auf blaue Striche, die uns über die Ruine Badenburg, in deren malerischem alten Gemäuer wir uns
erfrischen können, bis nach Gießen das Geleite geben. Dauer der Wanderung, mit Gießen als Ausgangspunkt gerechnet. 31 ; Stunden.
Bieber — Dünsbcrg — Waidhaus — Krofdorf.
Wir fahren mit der Diebertalbahn nach Bieber. An den ersten Häusern beginnt die schwarze Punktmarkierung, die uns durch Feld und Wald in einer Stunde zu dem Beherrscher unserer Gegend, dem 500 Meter hohen Dünsberg führt. Anterwegs überschreiten wir drei noch gut erhaltene Ringwälle aus altgermanischer Zeil. Don dem, vom Dünsbergverein mit erheblichen Kosten unterhaltenen Turm genießt man einen entzückenden Rundblick. Sonntags sind oben Erfrischungen zu haben. Der Abstieg geht nunmehr den roten Keilen nach und ist auf dieser Seite besonders steil, jedoch kurz unb aussichtsreich Nachdem wir ein kurzes Stück auf der Krumbacher Straße gewandert sind, geht die QKar- fierung scharf rechts ab in den ausgedehnten Krofdorser Forst. An anmutigen Waldwegen, an der ehemalig preußisch-hessischen Grenze entlang, gelangen wir in einer Stunde zum Forsthaus Waldhaus. Rach genügender Rast gehen wir durch eines der schon früher beschriebenen Tälchen, Gleibach (gelber Punkt) oder Fohnbach- tal (blauer Strich) nach Krofdorf, das wir in P/t Stunde erreichen. Don hier aus benutzen wir das Postauto.
Die rosenrote Stadt.
Don Else FrobeniuS.
Es gibt Gegenden, die jeder im Schnellzug durchrast hat, die aber niemand kennt. Tausendfältig redet die Vergangenheit aus ihnen. Reich und wechselvoll ist ihre Schönheit. Aber es ist noch keinem großen Sanatorium oder Hotel eingefallen, für sie Reklame zu machen und sie liegen nicht unmittelbar an der Touristenstraße. So geht man an ihnen vorüber.
Rur wenige Reisende kennen die Gegend nordöstlich von Frankfurt a. M., das Kinzigtal mit feinen Burgen und alten Städtchen und das rosenrote Gelnhausen. Kein Fremdenverkehr lockt dahin. Zwischen den Ausläufern der Rhön, des Dogelsberges und des Spessarts liegt es eingebettet. Spuren römischer Dergangenheit und mittelalterlichen Glanzes vereinigen sich mit landschaftlichem Reiz. Die Dichtung zieht ihre goldenen Spuren dahin. Seine Blüte aber gehört der Dergangenheit an. Die Gegenwart hat eS vergessen.
Kaum eine Stunde vor Frankfurt a. M., nahe vor Hanau fährt der Berliner Schnellzug an Gelnhausen vorüber. Der Romantiker Clemens (Brentano nennt eS im Märchen .Linket, Gockel und ®adeleia“ die „Stadt der Metzger und Zuckerbäcker". Tatsächlich gibt eS noch heute besonders viele Fleischerläden in Gelnhausen und man sagt, daß hier die berühmten „Frankfurter Würstchen" bereitet werden, die bi« nach Amerika gehen.
Durch grüne Wiesen fließt die Kinzig m schlängelnden Arabesken, von Erlen umwachsen. Eine Drücke führt in die Stadt, die sich an den rötlichen Dandsteinhang des Dogelsberges lehnt. Hoch über dem Markt schwebt auf steilem Hügel wie eine rosenrote Gralsburg der Dom. Don welcher Seite man die Stadl auch ansehen mag, stets scheint er in ihrem Mittelpunkt zu liegen. Enge Steintreppen zwischen winkligen Hofen mit rissigen bunten Häusern und winzigen Gartenfleckchen führen zu ihm empor. Die drei roten Türme, ein viereckiger und zwei runde, sind mit wundersam vielgestaltigen Fialen und Säulenkapitellen und die Fenster mit unendlich reichem Maßwerk geschmückt. Die Schmiegsamkeit des weichen roten Sandsteins scheint die Künstler zu unerschöpflicher Gestaltung angeregt zu haben. Jahrhundertelang ist an der Kirche gebaut worden, — vom frühen Katholizismus bis zum modernen Protestantismus.
■Unter ihr liegt ein Gewirr spitzer roter Dächer. Seitlich der „Obermarkt", durch eine rote Balustrade in zwei Terrassen gegliedert, die obere mit Kugelarazien, die untere mit Linden eingefaßt, beide durch Treppen miteinander verbunden. Die Türme und Schießscharten, Bastionen und Ausgucke der oberen Stadtmauer sind noch vollständig erhalten. Türme, Häuser, Straßenpflaster sind aus rötlichem Sandstein und sehen froh und festlich aus. Da die Stadt im Laufe der Jahre immer kleiner wurde, sind sogar Felder und Wiesen ins Stadtbild einbezogen. Mitten hn Grünen steht heute die uralte verwitterte Kapelle, die der heiligen Gela gewidmet ist. Man schaut von ihr empor zu den purpurnen Hängen des Dogelsberges und den blauen Höhen des Spessarts.
Auf schmalem holprigem Steinweg geht es zwischen hohen Mauern hinab zur Wasserburg, die Barbarossa zu Ehren der Kaiserin Gela, nach der die Stadt benannt ist, auf einer Insel inmitten der Kinzig erbauen ließ. Die rötlichen Mauern ragen unmittelbar aus dem Wasser auf. Heber eine Drücke gelangt man in die dämmernde Eingangshalle, ein romantisches Säulengewölbe mit roten Sandsteinkapitellen, wuchtig und feierlich. An den Wänden lehnen Kapttelle, Fensterbogen und Ornamententrümmer von unerhörtem Reichtum der Erfindung. Aus einem grün umsponnenen Hof schauen smaragdene Rasenflächen und schimmernde Silbertannen herein. Geheimnisvoll raunende Stille herrscht. Auch der ehemalige Festsaal wirkt wie ein Hof. da nur noch die Mauer stehen. Sie sind von glänzendem Efeu umrantt Zwischen den kunstvoll behauenen Quadern quellen Moos und Schlingpflanzen hervor. Zierlich gegliederte romanische Fensteröffnungen schauen hoch aus dunklem Efeugewirr. Ein Kamin ragt aus der Mauer wie eine Kanzel.
Als ein Kaiser Barbarossa mit seiner schöne« Gemahlin hier Hoflager hielt, kamen die Geln- häuser und baten ibn um Erhebung Gelnhaufen« zur freien Reichsstadt und um eigenes Wappen. Er stand gerade mit ihr am Fenster und tagte: .Aehrnt, was Ihr seht' 6o nahmen sie ihn und seine Gemahlin in ihr SigiUum auf. — beide mit Krone und Zepter, umgeben von einem romanischen Torbogen.
Die seine höfische Kultur der Hohenstaufen- zeit spricht aus den stillen, grün umwachsenen Räumen, in die nur von Zeit xu Zeit daS Rauschen der Kinzig hereintont. Ihr Fluidum ist ebenso unvergänglich wie das der märien- frohen Frömmigkeit, die den Dom erbaute. Burg und Dom wurden zu Ehren von Frauen errichtet — wurden einer Königin und einer Heiligen gewidmet. Darum liegt auch heute noch ein Hauch heiteren Friedens über der rosenroten Stadl, ein Schimmer von Liebe und Glück, den man besonders stark empfindet, wenn im Schein der untergehenden Sonne der Dogeisberg und Türme und Mauern der Stadt in purpurnem Glanze auf strahlen.
Reisewinke.
Reisekreditbriefe.
Größere Summen bei sich herumzutragen. ist auf längeren Reisen aus verschiedenen Gründen nicht ratsam. Hier ist vielmehr die Einrich- tung der Reisekreditbriefe sehr zu empfehlen. Die Reisekreditbriefe sind in jeder beliebigen Währung zu erhalten und können auf fast jedem Ort der Welt ausgestellt werden. Die Einlösung erfolgt auch an Sonn- und Feiertagen. Außerdem genießt der Reisende noch den wesentlichen Dorteil, daß er Geld. Fahrkarten und Auskünfte auf ein und derselben Stelle, nämlich auf der betreffenden Agentur des mitteleuropäischen Reisebureaus erhalten kann. Run mag mancher befürchten, daß er den Reisekreditbrief mit s inem hohen Wert auch vielleicht einmal verlieren könne und dann einen schweren Derlust erlc de. Dieses Bedenken ist aber gegenstandslos, weil bet Derlust des Kreditbriefes infolge besonderer Vorsichtsmaßregeln eine Abhebung durch irgend jemand, der nicht dazu berechtigt ist, nicht geschehen kann.
Scßlosibelenchtnngen in Heidelberg.
Das Städtische Verkehrsamt in Heidelberg teilt mit, daß noch zwei weitere Schloßbeleuchtungen festgelegt worden sind, und zwar am 20. Juni und 4. Juli. Schloßbeleuchtungen mit Drückenbeleuchtung finden nun an folgenden Tagen statt: 2., 6. und 20. Juni, 1. und 4. Juli, 11. August.
Wiedereröffnung der Brockendahu.
DaS frühzeitige warme Sommerwetter die'eS Jahres hat schon jetzt erhebliches Anschw eilen des Fremdenverkehrs im Harz zur Holge gehabt. Man ist im Harz mit allen Kräften bemüht, diesem unerwarteten frühen Fremdenzustrom in jeder Hinsicht gerecht zu werden. So hat sich jetzt auch erfreulicherweise die Drockenbahn den an sie gelangenden zahlreichen Wünschen nach früherer Eröffnung ihre- Detriebes nicht verschlossen, und am 30. April hat Vater Brocken zum ersten Male in diesem Jahre wieder den Pfiff der Brockenbahnlokomotive gehört. Der Raturfreund, dem es Al er oder Bequemlichkeit verbieten, auf Schusters Rappen den Ausstieg zu unternehmen, wird die herrlichen Ausblicke von den langsam Den Berg hinanrollenden Wagen der Brockenbahn dem hastenden, jagenden Auto vorziehen.
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