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lir. 101 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fnr Gberheffev)
Samstag, 1. Mai 1926
Oberhessen.
Landkreis Gießet:
n. Großen-Linden, 30. April. (Eub* ntlffionSbiaten.) Auf her hiesigen Eisen- jebn*"6talü>n soll ein Heber holungsgeleis ein» r^aut werden. Der Voranschlag für die Erd» «d Maurer»Arbeit bezifferte sich auf 7000 Mart.
I, 3 etzt wurden die eingereichten 13 Angebote am Lnte in Gießen eröffnet. Höchste Forderung aar 5809 Mart, niedrigste 1637 Marl. — Aus Airlab der Feldbereinigung wird der stleebach hier an drei verschiedenen Stellen reguliert. Del einem Los sind 8300 Äubtl» n der Erde zu bewegen! Koftenvoranschlag 33 000 rarf. Der Höchst fordernde verlangt 20 Prozent Eer und der Niedrigste 35 Prozent unter dem ^.-stenanschlag. Wie ertlärt man sich diese groben &-ff trennen ?
• Lang. Sons. 30. April. Mehrere Eltern Juwi hier hatten in einer Eingabe an die Reichs- ahndirektion in Frankfurt gebeten, mit ILcksicht auf die Schulkinder den Früh zu g ,m Sommer so zu legen, daß die Kinder, die jcfit io er dem Schulbcyinn über eine Stunde in Gießen n umlaufen müssen, später fahren und un» nfctelbar vor dem Schulanfang in Gießen ankom- nan könnten. Ebenso roar gebeten worden, den 'chmittagvaug so einzurichten. daß die linder unmittelbar nach Schulschluß isim kehren tünnten, während sie jeßt über «ei Stundennutzlos in Gießen warten müssen. Es iribeU sich hierbei täglich um mehr als 130 Kinder. Oi j Reichsbahndirektion hat auf die Ein- ;atbe geantwortet, daß dem Wunsche nur durch Ein- (jung eines neuen Zuges entsprochen werden )®ne, dies aber zur Zeit nicht möglich fei, weil die nl gliche Finanzlage der Reichsbahn die äußerste »rückhaltung in der Uebernahme neuer Zug- ,i|tungen fordere. 3m Hinblick daraus könne die scshnleitung dem Ersuchen der Eltern nicht ent» p r e d) e n , sie stelle vielmehr anheim, an die rrHulleitungen heranzutreten mit dem Wunsche, diese näd)te den Schulbeginn dem Fahrplan „passen. So ist auch dieser Versuch, im Inter- die unserer Kinder eine Derbesierung des Schüler- lprplans herbeizuführen, wieder erfolglos ;c6lieben. Dieser Ausgang der Sache wird all- KHteln sehr bedauert.
f Grünbera. 30. ttpril. Der Gemeinde- :i t beschloß in seiner jüngsten Sitzung, einige An- Hoffungen für die Freiwillige Feuerwehr dis nach einer Rücksprache des Bürger- ie tsters mit dem Kommandanten der Wehr zu- ncdzustellen. Die Weiterverpachtung stöd- i ffcher G r u n d st ü ck e . die auf unbestimmte Zeit tf, soll nur bis 31. Dezember d. 3. Geltung haben, i )i der Gallusmarktplatz infolge des^Reu- loue9 des Finanzamtes und der Theo-Äoch-Straße kee ngt wird, ist geplant, das Gelände nach der Bahn y einzusäen und den Platz nach dorthin zu ver- röhern. Eingehend beschäftigte man sich weiter mit !tn Wünschen, wieder Wochenmärkte in irinberg abzuhalten. Die Angelegenheit wurde zur eiteren Bearbeitung der Marktkommisston über- wiesen. Der für den 6. M a i in Aussicht genommene ? i e f) m a r M findet voraussichtlich statt. Der Nasterung und Kanalisierung der Hin- I'-paffe soll demnächst nähergetreten werden.
' —. L i ch, 30. April. Die gegenwärtig mehr als 8i Mitglieder zählende Ortsgruppe Lich des sksfifchen Londjugendbundes unter tr<m Vorsitzenden Karl Ludwig rüstet eifrig für las am 6. 3uni in unserem Städtchen stattfindende ,t eft des Bundes. Man rechnet mit etwa 10000 Suchern. Mehr als 20 Festwagen der einzelnen Ortsgruppen werden im Festzug erscheinen. — Der kad-Nauheimer Männergesangver- w „Frohsinn" beabsichtigt, am Himmelfahrt- tg dem hiesigen Bruderverein „C ä c i l i a" einen ftjud) abzustatten. 3n der neuerweiterten Turn- killt werden sich die beiden Vereine voraussichtlich ks Stelldichein geben. — Unser in letzter Zeit sehr rtger Kriegeroerein (Vorsitzender Stadtrech- ntr Louis Häuser) veranstaltet am Sonntag eine 5i chtbildervorführung über die Somme- >il<cht. Tierarzt Dr. Walter, der Vorsitzende des Zezirks Lich der Kriegerkameradschaft Hassia. hat km Vortrag übernommen.
P L i ch. 30. April. Der hiesige Verkehrs- üud Verschönerungsverein veranstalte! tuafr in diesem Jahre wieder einen Dlurnen- fettbeto erb. Aach den schönen Erfolgen im iccgangenen Jahr steht auch diesmal eine zahl» ri«che Beteiligung der Einwohnerschaft zu er» M_rten. "Recht bald werden alle Straßen unserer ktQdt in schönstem Blumenschmuck prangen und Nnrtit viel zur Hebung und Belebung deS Stadt» ÜlSes beitragen. "Die im vorigen Jahr, stehen; tud) fetzt für die besten Leistungen wieder Preise -ta Form von schönen Dlumen-Psianzen in Aus- W
Kreis Friedberg
O Dambach. 30. April. In einer gemeinten Sitzung deS Schulvorstandes und des Ge- *ruiberat8 war mit 9 gegen 7 Stimmen bei c.iatr Stimmenthaltung — ein Schulvorstands» und un Demeinderatsmitglied fehlten in dieser Sitzung - der Befchluh gefaßt worden, die Fo rtbil- I mn g s sch u l »während des ganzen Jahres zu fallen. Dieser Beschluß rief besonders in bauer» IllHm Kreisen große Erregung hervor. Eine noch» btilge gemeinsame Beratung des Schulvorstandes iitl des GemeinderateS fand deshalb statt. In teer Sitzung, zu der alle Mitglieder beider .Körperschaften anwesend waren, wurde mit 12 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen — die sozial» Iriuokratischen Gemeinderatsmitglieder verliehen lo« der Abstimmung den Saal — der Beschluß icfaßt, eine Glternversammlung in dieser 'Jmgeiegenbeit abzuhalten. Diese erklärte sich mit ttxlnger Ausnahme gegen die Sommer- ivrtbildungSschule, die infolgedessen aus» yit. In bezug auf die M ä dch en f ort b i l - imngsschule wurde mit 12 gegen 2 Stim- hn bei 3 Stimmenthaltungen die Einführung des i Mädchenfortbildungsschuljahrgangs für den .loch- und haus wirtschaftlichen älntemcht be- fhQssen.
OO Niederflorstadt. 30. April. Zwei ftesjährige Buben spielten an der Nidda, lefotn Schiffchen schwimmen und fischten sie wieder uf-. Dabei fiel einer der beiden ins Wasser, schaffte sch aber wieder hoch und konnte dicht am Ufer trinb bekommen. Sein kleiner Freund legte sich uf den Boden, hielt sich mit der einen Hand am lies fest, reichte ihm die andere Hand und half ihm krtus. Leute, die durch das Schreien der Buben kr ieigeeitt waren, brauchten nicht mehr zu helfen. ki)e Jungen sind jetzt zur Schule gekommen. Die iiele, an der der Unfall passierte, hat einen steilen
Damm, die Nidda ist dort etwa li Meter tief und hat starke Strömung, was die Rettung sehr er- schwerie. — Don sechs Bewerbern um den Staate- zuschuß für Wohnungsbau foUten nur zwei ein Darlehen bekommen. Die Auswahl war fo schwer, daß em Herr vom Kreisamt sich die jetzigen Wohnungen der Baulustigen ansah, wahrscheinlich, um nach diesem Gesichtspunkt die Auswahl zu treffen. Scheinbar sind die Wohnungen aber bei allen sehr schlecht, denn dem Vernehmen nach sollen nun sechs Zuschüße nach Florstadt kommen.
Hrcis Büdingen.
_ Unter-WidderSheim. 29. April. Die hiesige Lehrerstelle sollte mit Beginn des neuen Schuljahres wieder definitiv besetzt werden, da sie zur Wiederbesetzung ausgeschrieben und eine Anzahl Meldungen eingegangen war. Infolge des Abbaues wurde sie dem seitherigen hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer Hassinger aus Helpershain. Kreis Schotten kommissarisch übertrag"! und der einstweilig mit der Stelle betraute Schul Verwalter Döpp als Gehilfe nach Borsd-ir verseht.
th. L e i d h e ck e n , 30. April. 3a. der gestrigen Gemeinderatssitzung wurde über einen Antrag betr. Drainage in hiesiger Gemarkung verhandelt. Nach längerer Beratung wurde mU Rücksicht auf die bereits ausgestellten Felder der Antrag bzw. die Arbeiten auf die Zeit nach der Ernte verschoben. Dann soll die Drainage als größere Kulturarbeit durchgeführt werden. Außerhalb der Tagesordnung wurde noch über den B a u einer Kreis st raße von hier nach Reichelsheim beraten, da man jetzt bei schlechtem Wetter nur auf Umwegen zur Bahn gelangen kann.
jftretä Schotten.
* Eichelsdorf, 30. April. Dank des Entgegenkommens des hiesigen Forstamts gab es in den letzten Jahren hier nie Arbeitslose. Durch umfangreiche "Wegebauten und Kulturarbeiten wurde nach Möglichkeit für alle Arbeitsuchenden — meist Kleinbauern — Arbeit und Verdienst geschaffen. Die Finanzlage bei hessischen Staates erlaubt es mm nicht weiter, in dieser Weise die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, unb ben zahlreichen Weg- und Waldarbeitern unserer Gemeinde ist gekündigt worden, obgleich noch Arbeit genug vorhanden wäre. Da nur eine ganz geringe Zahl von ständigen Waldarbeitern weiterbeschäftigt werden soll, dürfte es in der nächsten Zeit hier zahlreiche Arbeitslose geben, die in unserer Gegend nur sehr schwer eine andere Verdienstmöglichkeit finden können.
Id Aus dem Vogelsberg, 30. April. Viele Vertreter der Tier- und Pflanzenwelt erscheinen in diesem milden Frühjahr verfrüht. (Maikäfer, Maiblume.) So sind auch die sonst viel später kommenden Wespenköniginnen bereits an der Arbeit, ihre Kolonien zu gründen, di? dann die Zerstörer so großer Werte der Volkswirtschaft aussenden. Eben wäre es an der Zett, daS liebet von Grund auf zu bekämpfen. Sine (am besten hellglasige) Arzneiflasche zur Hälfte mit leichtem, mit Essig etwas angesäuertem Zuckerwasser gefüllt, lockt die Königinnen an, die, einmal in der Flasche gefangen, keinen Ausweg aus ihrem Gefängnis finden unb zu Grunde gehen. Von einer allgemeinen Durchführung dieser einfachen Maßnahme wären überraschende Wirkungen zu ertoarten.
Starkenburg.
WSA. Darmstadt, 30. April. Heute vor- •mittag ereignete sich gegen 11 Uhr im Haus« Luisenstraße 38 eine fchwereGaSexplosion. In der Wohnung machte sich starker Gasgeruch bemerkbar. Ein Installateur wollte die Gasleitung ableuchten: in demselben Moment ereignete sich eine furchtbare Explosion. Sämtliche Fensterscheiben der im ersten Stock gelegenen Wohnung wurden zertrümmert und der Installateur im Gesicht unb an den Händen schwer verbrannt. Die Wohnungsinhaberin blieb wie durch ein W'.mder unverletzt.
WSA. Offenbach, 30. April. Ein Opfer seines Beruf« wurde gestern im nahen Obertshaus en ein mit Telephonleitungsarbeiten beschäftigter 19jähriger Telephonarbeiter au» Mainflingen. Der Telephondraht kam zufällig mit der elektrischen Leitungin Berührung. Da der junge Mann Steigeisen trug und deshalb mit der Erde Verbindung hatte, well an dem Telephonast Dlihleitung war, wurde der Tod sofort herbeigeführt.
Rheinhessen.
WSA. Mainz, 30. April. Gestern vormittag st ü r z t e in der Aähe von Ober-Olm ein französisches Militärflugzeug ab. Während das Flugzeug in Trümmer ging, kam der Pilot mit dem Schrecken davon.
Preußen.
Der neue Regierungspräsident in Kassel.
Der Provinzialausschuß der Provinz Hessen- Aassau erfiärte mit 14 Stimmen bei einer Stimmenthaltung zu der Ernennung des Geheimen Oberregierungsrats S t ö l z e l im preußischen Ministerium des Innern zum Regierungspräsidenten in Kassel fein Einverständnis. Demzufolge hat, wie der Amtllche preußische Pressedienst mitteilt, das preußische Staatsministerium in seiner Sitzung vom 30. April den Geh. Oberregierungsrat Stölzel zum Regierungspräsidenten in Kassel endgültig ernannt
Die Schonzeit für Rehbvckc im Reqierungsbezirk Wiesbaden.
WSN. Frankfurt a. M., 30. April. Der De zirksausschuß zu Wiesbaden hat in feiner Sitzung vom 31. März auf Grund des § 39 und 40 der Jagdordnung vom 15. 3uli 1927 beschlossen, den Schluß der Schonzeit für Rehböcke im Regierungsbezirk Wiesbaden auf den 29. Mai zu verlegen Der erste Jagdtag ist mithin der 3 0. Ma i.
Kreis Wetzla,
3 Wetzlar, 1. Mai. Die Zahl der im Bezirke des Arbeitsnachweises Wetzlar unterstützten Erwerbslosen betrug Ende April 2166 HauptunterstühungSempsänger mit 1142 Frauen unb 208) Kindern als Zuschlagsernp- fängem. Die Zahl der beschästigten Aotstands- arbeitet betrug 608. Ende März wurden unterstützt: 2276 Hauptunterstütz ungsernpf ä nger mit 1238 Frauen unb 2277 Kindern als Zu»
schlagsempsängern. Aotstandsarbetter wurden Ende März 725 beschäftigt Die ErwerbslolM- zisser hat sich also innerhalb des Monats April Verringert. Die Vermittelung von Arbeit durch den Arbeitsnachweis war rege. Es sanden verschiedentlich Vermittelungen nach Orten außerhalb des ArbeitsnachroeisbezirkeS statt.
"Y" Leun, 30. April. Die Bautätigkeit in Leun ist in den letzten Jahren eine äußerst rege und dürfte wohl mit zu den größten im Kreise Wetzlar zu rechnen sein. So wurden in 1920 22 11, 1923 1, 1924 3 und 1925 6 Wohn- und Geschäftshäuser errichtet. Für das laufende Jahr ist mit einer weiteren Fertigstellung von 10 Neubauten zu rechnen, so daß in einem Zeittaum von sechs Jahren über 30 Neubauten mit den dazu gehörenden Anlagen geschaffen wurde, eine für die Größe des Ortes von ca. 1300 Einwohnern immerhin ganz bedeutende Bautätigkeit. Die Finanzierung war, ganz besonders für die ab 1923 erstellten Baulichkeiten, eine äußerst schwierige, da nur zwei Interessenten Zu- schüsse aus Mitteln der Hauszinssteuer erhielten; doch konnte die Geldfrage nicht zuletzt durch die seitens des Kreisausschufses Wetzlar ausgenommene Anleihe und die hieraus zu verhältnismäßig günstigen Zinssätzen zur Verfügung gestellten Gelder und außerdem durch eine weitestgehende Unterstützung der Gemeinde Leun in einer für die Beteiligten ziemlich befriedigenden Weife gelöst werden. Der neuerdings von der Regierung für den Wohnungsbau bewilligte 200-Millionen-Kredit dürfte eine weitere Belebung des Baumarktes mit sich bringen, fo daß auch die hier bestehende Wohnungsnot in absehbarer Zett ganz erheblich gemildert sein dürfte.
Krcis Bicdcnkops.
tz. Waldgirmes, 30. April. Die Eibe ist in Nassau im A u sst e r b e n begriffen und mit Recht fortan unter den Heimatfchutz gestellt. Die Westerwaldorte Mühlteip, Oberteip, Kirch- t e i p lassen erkenen, daß dieser von unseren Vorfahren verehrte Baum einmal in größerer Zahl vorhanden war. Nur noch in einigen nassauischen Partanlagen treffen wir heute die Eibe an. Sie ist ein immergrüner Strauch oder ein niedriger Baum, der im Gegensatz zu allen anderen Nadelhölzern vollkommen harzlos ist. Dafür enthalten aber die zweizeilig gestellten, breiten Nadeln einen scharfen Saft, der sie gegen die Angriffe der zahlreichen Pflanzenfresser sthützt.
Kreis Marburg.
sch. Marburg, 30. April. Von einem Unglücksfall wurde die Familie des Ar- betters Schneider in Weidenhausen betroffen. Während die Eltern abwesend waren, fiel das 2l/t Jahre alle Kind in einen mit Wasser gefüllten Waschtopf und ertrank.
sch Marburg, 30. April. Zwei neue Kliniken — eine Kinder- und eine Hals-, Aasen-, Ohrenklinik — werden zur Zeit gebaut und sollen bis zum 400jährigen Jubiläum der Universität im Jahre 1927 fertiggestellt sein. Während der Dau der Kinderllinik fast ausschließlich durch Stiftungen eines Deutsch-Amerikaners finanziert wird, ist die Hals-, Aasen- Ohrenkllnik ein reiner Staatsbau und speziell als Jubiläumsgeschenk des Staates an die Universität gedacht. Die Kinderllinik, deren Dau im Frühjahre 1922 in Angriff genommen und die zum arvhen Teil schon benutzt wird, liegt in der DeutschhauSstraße und bildet in ihrer Gesamtheit einen geschlossenen viereckigen Hof. Letzterer ist alS Garten gedacht mit Liegehalle, Spielplätzen und Planschbecken. Die Klintt gliedert sich in eine Säulings-, Tuberkulosen» und Jnfektionskrankheiten-Station und bietet 60 "Betten Platz. Außer einem Hörsaal für die Studenten und der damit verbundenen Poliklinik ist in dem Aeubau auch noch Raum für Aerzte- wohnungen. Die Hals-, Aasen- und Ohrenklinik, die der Kinderllinik gegenüberliegt, gliedert sich in eine Männer- und Frauenstation und hat Raum für 43 "Betten.
][ Marburg, 30. April. Der Verschönerungsverein beabsichtigt, dem vor einigen Jahren verstorbenen Stadtrat Din der wegen seiner großen Verdienste um die Ausgestaltung der Anlagen in der Umgebung der Stadt auf der „Kirchspitze" einen Denkstein zu errichten. — Wie das Arbeitsamt mitteilt, hat sich die Zahl der Arbeitslosen etwas vermindert. Immerhin waren am Ende der letzten Woche im hiesigen Kreise noch 2041 Arbeitsuchende und 1272 Unterstützungsempfänger vorhanden.
Oberlahnkreis.
0 Weilburg, 29. April. Heute nacht ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Aachdem der Zirkus Dlumenfeld seine Schluhvorstellung gegeben hatte, wurde schleunigst abgeschlagen. Beim Abtransprirt der Wagen über die Lahnbrücke rissen die ti len eines Anhängewagens. Ein Angestellter des Zirkus, etwa 28 Jahre alt, wollte im Fahren den Wagen wieder anhängen, kam dabei aber zu Fall und geriet unter die Räder. Der Bedauernswerte wurde dabei so schwer verletzt, daß er bald darauf verstarb.
Weilburg, 30. April. (WSA.) Ein Handlungsgehilfe von hier ist nach Unterschlagung einkassier:er Gelder flüchtig gegangen. Ein Steckbrief ist hinter chm erlassen worden.
ftreiö Kirchhain.
sch Kirchhain, 30. April. Unsere Stadt errichtet ein Evangelisches Gemeindehaus, das neben einigen Sälen für Kleinkinderschule und den Evangelischen Arbeiterverein auch Wohnungen für die evangeliscken Schwestern umfassen wird. Mit der Errichtung des Gebäudes ist bereits begonnen worden.
)f Kirchhain, 30. April. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung laßt: einstimmig einen Protest gegen d.e geplante Aufteilung des Kreises Kirchha-n.
TiLlkrcis.
bl. Dillenburg, 30. April. Die Kraft- strompreise unserer Stadt wurden herabgesetzt. In Zukunft stasseln sie sich folgen» dem raßen: für die ersten 30 Kilowattstunden 30 Pfg., für die weiteren 20 Kilowattstunden 28 Psg., bis zu 100 Kilowattstunden 26 Pfg., bis 200 Kilowattstunden 24 Pfg., bis 300 Kilowattstunden 23 Pfg. und für einen Monatsverbrauch von über 300 Kilowattstunden 22 Pfg.
bl. Haiger, 30. Llpril. Der Haushaltsplan unserer Stadt schließt in Einnahme und Ausgabe mit 352 000 Mark ab. Der durch Gemeindesteuern zu deckende Fehlbetrag beläuft sich auf 62 680 Mark. Zur Deckung dieses "Betrages
sollen erhoben werden: ISO PreMtt Zuschläge jur Grundvermögens steuer, 400 Prozent xur Gewerbesteuer nach dem Ertrage. 13ö0 Prozent Gewerbesteuer nach dem Kapital.
bl. A i e d e r s ch e l d. 30. April. Die Landstraße von hier nach Dillenburg soll in einer Länge von 500 Meter mit Kleinpflaster versehen werden.
Maingau.
WSA. Frankfurt a. M., 30. April. Eirn: eigenartige Gasvergiftung ereignete sich gestern vormittag in der Haimnanstvaße. In einer Wohnung machte sich dort plötzlich ein scharfer atemerauenöbber Geruch bemerkbar, ohne daß eS möglich gewesen wäre, die Ursache festzustellen. Die Bewohner konnten sich nur durch schleunige Flucht vor dem Ersticken retten. Da am "Nachmittag eine Dame Atembeschwerden und Schmer-en in der Brust verspürte, forschte man nach der Ursache dieser eigenartigen Gaserscheinung unb stellte fest, daß im darunteo- liegenden Stockwerk ein Kammerjäger in einem 3immer zum Vertreiben von Ungeziefer Schwefeldioryd-Dämpse entwickelt hatte, die an der Durchbrrechstelle der Dampfheizung durch die Decke in die Höhe gestiegen waren. Wie das städtische GesuTidheitsamt auf eine Anfrage dazu mitteilt, bestehen bis jetzt leider keine Vorschriften für Kammerjäger, die eine Schädigung ahnungsloser Aachbam durch Räucherdämpfe ausschließ em Die Kriminal- Polizei hat eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet.
Wirtschaft.
Börse unb Geldmarkt.
Aprilwetter herrscht zur Zeit an der D ö r s e. Die Unbcftänöigfeit der Börsenkurse ist kaum noch zu überbieten. Allerdings hat die Börse selbst zum Teil Schuld hieran. Man hatte den Freigabenachrichten wochenlang zu großes Gewicht beigelegt und auf ihnen eine Hausse ausgebaut, der wirMcher fester Boden fehlte. DaS Publikum, das vielfach auf den höheren Votierungen fest- siht, ist mißtrauisch geworden und blieb dem Geschäft auch in der letzten Woche unverändert fern. Die Spekulation selbst hiett sich schon wegen der innerpolitischen Vorgänge zurück, so daß per Saldo an verschiedenen Tagen eine völlige Verödung der Effektenmärkte festzustellen war. Bei dieser Lage ist wichtig, festzustellen, daß andererseits dringendes Angebot nicht her- auskam, die allgemeine stimmungsmäßige Einstellung also bald wieder mit einer Erholung der Votierungen rechnet. Diese Ansicht ist nicht ganz unberechtigt, denn die Großbanken selbst demonstrierten ihre zuversichtliche Auffassung über die weitere Entwicklung der Dörsenlage durch ".ei-- hafte Käufe, die sie vor einigen Tagen in exponierten Spezialpapieren vornabmen. Sicherlich war eine Beeinflussung der nervösen und unsicheren Tendenz in der Richtung einer größeren Stetigkeit nicht der letzte Zweck dieses Eingreifens Die Unruhe am Schiffahrtsaktienmarkt ist inzwischen gewichen, nachdem die Exekutionen aufgehört haben. Dagegen sind Elektro- werte unter Führung der Siemenswerte und Farbenindustrieaktien in letzter Zeit stark in den Vordergrund getreten und tonangebend geworden. Die dabei verbreiteten verschiedenen Gerüchte haben sich Dorläufig als zum Teil unrichtig erwiesen. Besonders heftig sind die Schwankungen der Aktien der Schultheiß-Ostwerke- Kahlbaum-Gruppe gewesen, wobei durch mehrere Tage Schultheiß-Aktien und Ostwerke-Aktien weit Dorangingen, während Kahlbaum-Aftien, oermut- lich nicht ungewollt, zurückblieben. Die verschiedenen in diesem Zusammenhang bekannt gewordenen Vermutungen über die Aenderung des 2n- teressengemeinschaftSvertrages der Gesellschaften haben inzwischen aber die Kahlbaum-Aktionäre auf den Plan gerufen und zu einer energischen Vertretung ihrer Interessen veranlaßt. Die Folge hiervon ist, daß neuerdings Kahlbaum-Aktien stärker anziehen und fast täglich die Spanne gegenüber den Kursen der übrigen zwei Gesellschaften vermindern. Bekanntlich verlautet, daß die Interessengemeinschaft aufgehoben und eine Fusion der Ostwerke mit Schultheiß erfolgt sei, nachdem Kahlbaum vorweg in den Ostwerkcn auf- geangen ist. Zu einer größeren Geschäftsentwicklung kam es jedoch auch in diesen besondercn Papieren nur zeitweise. An der Börse erörtert man infolge des darniederliegenden Allienge» schäftes schon jetzt lebhaft die Frage, ob nicht bald wieder die Einführung des börsenfreien Samstags angebracht ist. In der Tat decken die Umsätze dieses Börsentages oft nicht die Unkosten, die den Danken durch ihren Dörsenapparat entstehen. Veuigkeiien technischer Art liegen insofern vor, als der Terminhandel ab 1. Mai um em Papier, nämlich Felten & Guillaume» Aktien, erweitert wird und Verhandlungen über die Gründung einer Treuhand st eile bei Dörseninsolvenzen aufgeitommen wurden. Diese Treuhandstelle soll im Rahmen der Ciqui- dationskasse eingerichtet werden, die damit an die Stelle des vor dem Kriege in dieser Richtung tätigen Mallervereins tritt.
Der Ultimo hat sich am Geldmarkt zwar in einem leio fen Anziehen der Sähe bemev;i ar
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