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recht am 19. Juli 1917 an den damaligen Reichs­kanzler v. Hertling geschrieben habe. Er sagt dazu: Gras von Hertling war damals nicht Reichskanzler, sondern bayerischer Ministerpräsident. An ihn hat der Kronprinz am 19. Juli 19 17 aus dem Gro ßen Hauptquartier einen Brief gerichtet, dessen wörtliche Abschrift ich hier habe, und der wert ist, Ser Dergangenheit entrissen zu werden. Der Kron­prinz schreibt da, daß ihn die Entwicklung der Dinge im Reiche und in bin Ländern mit größter Sorge erfüllt. Er gibt bann eine interessante Schilberung der militärischen Lage, an die er die Bemerkung knüpft.Es ist deshalb von ausschlaggebender Wich- tigieit, bis zum Herbst mit Rußland einen Frieden zu erlangen unter Verzicht aus irgendwelche Annexionen (hört! und Entschädigungen (hört! hört! links.) Wer unsere militärische Position für die Zukunst verschlechtern würde, ist entschieden zu bekämpfen. Das ist auch die Meinung des deutschen .'l r o n p r i n z e n. (Hört! hört! links. Abg. Mül- i . f, Franken sSoz.s:Beide Kronprinzen wollten

denScheidemannfrieden".) Ob der U-Boot- g mriier solche Erfolge zeitigen wird, wie bis-

'.ist zweifelhaft, da die Gegenwirkung immer mehr .n.nt, besonders infolge der Kriegsbeteiligung

i ; bereinigten Staaten. (Hört! hört! links.) Die Bombenangriffe gegen London halle ich !iir d'rchaus verfehlt. Sie fordern zu Repressalien liegen deutsche Städte heraus und rufen Erbitterung h raor gerade bei den englischen Arbeitern, die dem Kriegablehnendgegenüberstehen. (Hört! hört! links.) Die amerikanische Hilfe für die En­tente ist nicht zu imterschätzen." (Lebhaftes Höri? Hort! links.)

Der" Kronprinz schreibt weiter, es müsse ein Friede ohne Annexionen und Entschädigungen er­strebt werden (hort! hört! links). Oesterreich müsse zu gewissen Gebietsabtretungen an Italien oeran- laßt werden. (Hört! hört! links.) Der Kronprinz schreibt dann von dem vollständigen Sieg der Ober­sten Heeresleitung über den Reichskanzler. Es darf nicht dazu kommen, daß unter dem ausgehängten Schilde des populären Generalfeldmorfchalls von Hindenburg die Heeresleitung auch die Führung der inneren und äußeren Politik übernimmt.

Damit ist die erste Beratung der Dorlage beendet.

Gs liegen vom Zentrum und den Demokraten Anträge auf Ausschuhüberweisung des GnteignungsentwurseS und der dazu gestellten Antrag« vor.

Die Lieberweisung d«S demokratischen Aendc- rungSantrages an den Rechtsausschub wird mit 200 gegen 143 Stimmen beschlossen. Dagegen stimmen die Deutschnationalen, die Deutsche DolkSpartei, die'.kischen und die Kommunisten. Mit gleicher Mehrheit wird dann die Lieber- Weisung de« CSnteignungs enttourfe« und des dazu vorliegenden Aenderungsantrages des Zentrums an den RechtsauSschuß beschlossen. Die Lieber­weisung der völkischen Anträge an den Ausschuß toitb abgelehnt.

3n namentlicher Abstimmung wird dann mit 230 gegen 147 Stimmen bei einer Stimmenthal­tung die Entschließung angenommen, die die schleunige Dorlegung ein«- Gesetzes über d i e Rechtsgrundlage der Privatschulen fordert.

Rach &/< Lihr vertagt sich da- Hau« auf DienStag.

Ein Regierungsenlwurs zur Fürstenabfindung.

Berlin, 30. April. (TU.) Amtlich. Das Reichskabinett bat in seiner heutigen Sitzung ein­stimmig beschlossen, einen Gesetzentwurf über dl-vermögensrechtliche Auseinanversetzung mit den ch?mal5 regierenden Fürstenhäusern" auf dem normalen Wege der Gesetzgebung, d.h. über den Reichsrat, einzubringen. Ais Grundlage fallen die konipromißentwürfe der Regierungspar­teien dienen.

Die Blätter teilen noch mit. daß bl- neue Vor­tage bereits anfang nächster Woche dem Reichsrat zugeleitet werden soll. Jür den Reichsrat soll bereits eine Zweidrittelmehrheit gesichert fein, da Preußen seine Stimmen für den Entwurf ab- geben werde. Wenn der Entwurf dann an den Reichstag gelangt, so würde hinter ihm die Reichs­regierung, der Reichsrat, insbesondere die preußische Regierung einschließlich ihrer sozialdemokratischen Minister stehen. Man erwartet, daß die Zweidrittel­mehrheit mit den Stimmen der Sojiawemofraten bann erreicht werden wird.

Jur Finanznot der hessischen Landeskirche.

Der am 5. Mai in Darmstadt zusammenkom- mende Hessische Landesklrchentag wird eine unangenehme Aufgabe vorsinben. Er muß den Voranschlag für 19 2 6 unter Dach brin­gen. Die vom Lonbeskirchenamt gemachte Vorlage läßt den ganzen Ernst des Flnanzelends der hessi- ichen Landeskirche erkennen. Die Finanznot ber hessischen Kirche ist durch drei Ursachen bedingt. Durch die Inflation, welche die Kapitalien vernich­tet und die Einnahmen aus eigenen Mitteln der Kirche um 500 000 Mark verkürzt hat, durch die Vermehrung der Ausgaben, insbesondere für Ge­hälter, und endlich durch das geringe Entgegenkom­men, das der Staat in bezug auf Erhöhung der wenigen an die Kirche zu leistenden Zuschüsse zeigt. 3m letzten Punkt gehen die Meinungen von Staat und Kirche auseinander. Die Meinung der maß­geblichen Kirwenkreise darf wohl in den Ausfüh- i ngen des Oberkirchenrats D. Emil Vüchler er- ! irft werden, der in feiner AbhandlungDer Staatszuschuh an die evangelische Landeskirche in r,;en" den Nachweis führt, daß der sog.Staats-

: -)uh an die Kirche" sich zusammensetzt aus einer .he einzelner Leistungen, die auf bestimmten . jtstiteln ruhten, daß der Kirche gegenüber dem . at ein Rechtsanspruch auf diese Leistungen zu- siche, unb zwar in bem Sinne, wie sie ursprünglich . 2-reinr feien, nämlich, daß die Kirche dadurch in- V. .nb gesetzt werbe, bestimmte kulturelle Leistungen i betätigen (Ausgaben für Oberkonsistorium unb Vrebigerfeminar), und daß ein gewisses Einkorn- mensminimum für die Pfarrer garantiert (ei. Auch bas ber Kirche im Jahre 1874 zugcstanbene Recht der eigenen Steuererhebung habe an biefen recht­lichen Normen nichts geänbert, unb wenn bie Kirche von ihrem Steuerrecht einen angemessenen Gebrauch gemacht habe, ohne ihre Ziele ganz zu er­reichen, so habe ber Staat die Verpflichtung, hel­fend einzugreifen. Demgegenüber steht bie Meinung bes Staates, der einen Rechtsanspruch der Kirche auf irgendwelche Erhöhung ber staatlichen Zu­schüsse nicht anerkennen will. Es wirb bem Staat, ber noch auf ein Gutachten ber Iuristenfakultät ber Landesunioersität Gießen wartet, nickt ganz leicht fallen, seinen ablehnenden Standpunkt den klaren

Büchlcrschen Ausführungen gegenüber zu behaup­ten. 3n den Verhandlungen des Lanbeskirchcntages dürfte das Buch von Büchler jedenfalls eine Rolle spielen, unb bie spätere Auseinandersetzung zwischen Kirche unb Staat anbahnen helfen.

Von den gegenwärtigen iinanziellcn Schwierig­leiten gibt der neue Voranschlag folgenbes Bilb: Bei einem Ausgabebedürfnis von 4 671000 Mark bleibt rin Defizit von 1249 400 Mark, das weder durch Steuereingänge, noch durch Ersparnisse ge­deckt werden kann. Um es zu beseitigen, beantragt bie Kirchenregierung, der Lanbesklrckentag wolle einen Ausschlag von 500 000 Mark auf die Kirchen- gemeinden des Landes und Aufnahme eines Dar- lehns beim Staat in Höhe von runb 750 000 Mark beschließen. Eins ist so unerfreulich wie bas andre. Denn das letztere ist keine Losung, sondern bringt eine neue für die Kirche schwer tragbare Schulden­last. Und bas erstere ist biejenige yorm von Kir- chensteuer, die schon im vorigen Jahre, als sie zum erstenmal auflauchte, bie heftigste Ablehnung im Lande gefunden hatte. Es hatte unter allen Umstän­den vermieden werden müssen, diese Steuer aufs neue anzubieten. Denn eine gerechte Verteilung der Lasten läßt sich bei dieser Art der Besteuerung, wie bie Erfahrungen gezeigt haben, nicht erreichen. Es hätte möglich gemacht werben müssen, zum wenigsten diesen Betrag von 500 000 Mark noch in die direkte Kirchensteuer aufzunehmen. Dadurch wäre vermieden worden, gleich drei Befteuerungs- arten zu schaffen, unb es wäre bei zweien ge­blieben. Die Lanbeskirchxnsteuer, auf bie sich allein biese Ausführungen beziehen, soll künftig nicht mehr in einem bestimmten Zuschlag, welcher voriges Jahr 15 Prozent zur Reichsemkommensteuer be­trug, erhoben werben, sondern, um einen gerechten Ausgleich zwischen den Gruppen ber Gehalts- unb Lohnempfänger einerseits unb ber Lanbwirtschaft anberfeits herbeizuführen, soll einmal ein Zuschlag von 7 Prozent zur Reichseinkommensteuer und das andre Mal ein Zuschlag von 5 Pf. auf 100 Mark Sicuerratrt des unbebauten Grundbesitzes als Kir­chensteuer angefordert werden. Diese Aenderung stellt zweifelsohne eine Verbesserung nach der Seite ber Gerechtigkeit hin dar. Damit soll aber auch dieser Steuerart kein unbedingtes Lob ausge­sprochen werden. Wenn bie Kirchenregierung viel­mehr einen ernstlichen Versuch gemacht hätte, burch Schaffung eigener Organe einen neuen Weg ber Besteuerung, bie sich bann hätte gerechter gestalten lassen, zu gehen, so würde es ihr dabei an der Zu­stimmung weiter Kreise nicht gefehlt haben.

Man wird die kommenden Verhandlungen des Landesti chentages mit Interesse beobachten, wobei ebenso die Haltuna her Staatsregierung, als auch die Arbeit ber Kirchenvertreter allgemeine Auf­merksamkeit finden wird.er

Aus der provinzialhauptftadt.

Gießen, den 1. Mai 1926.

Otto Behaghel.

Der Senior der Philosophischen Fakultät unserer Landesuniversität. Geheimerat Professor Dr. Otto Dehaghel, tritt am 3. Mal In sein 73. Lebensjahr dn. Mit der Feier des Geburtstags verbindet er die Feier des Tages, an dem ihm vor 50 Jahren von der Philo­sophischen Fakultät in Heidelberg die Würde eines Dr. ph i I. verliehen wurde. Der Dame Otto Dehaghel ist als der Rame eines Forschers ersten Ranges todt über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt. Sein Arbeitsgebiet ist die deutsche Philologie im weitesten Llmfcmg, aber er hat über den großen Dereich dieses Fache- häufig hinausgegriffen. 3m Mittelpunkt seines Schaffens steht die Geschichte der Muttersprache von der ältesten Zelt bis zur Gegenwart, bis in die heutigen Mundarten hinein. Kennt ihn die wissen­schaftliche Welt besonders als Mdster der deut­schen Sprachwissenschaft, so verehren die Gießener in ihm den bedeutenden Lehrer, die lebensprühende Persönlichkeit, den Mann, der im Leben der Llniversität, im wissenschaftlichen Leben der Stadt und des Landes eine führende Stellung dnnimmt.

Otto Dehaghel wurde am 3. Mai 1854 in Karlsruhe geboren. Gr studierte von 1873 bis 1876 klassische, germanische und romanische Philo­logie in Heidelberg, Göttingen und Paris. 3m 3ahre 1876 wurde er promoviert. 3m Winter­semester 1877/78 habilitierte er sich In Heidelberg für germanische und romanische Philologie. 1882 wurde er zum außerordentlichen Professor er­nannt Schon im folgenden 3ahre wurde er ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Literatur in Da sei. Seit dem 1. Oktober 1888 wirkt er als ordentlicher Professor in Gießen. Ginen Ruf nach Freiburg lehnte er im 3ahre 1893 ab.

Dreimal hat er als Rektor an der Spitze der Llniversität gestanden: in den Fahren 1895/96, 1905'6 und int 3ahre der 300jährigen Llniversi« tätSfeier 1906-7. Die Festrede und die An­sprachen des 3ubiläumsrektors in der Reuen Aula haben auf die Teilnehmer einen tiefen Eindruck gemacht.

An dem Tag, an dem Dehaghel auf eine 25jährige Lehrtätigkeit an der Llniversität Gießen zuruckfchaute, ehrte ihn die Studentenschaft durch rinen Fackelzug unb einen feierlichen Kommers.

3m Herbst 1925 ließ sich Dehaghel emeri­tieren. Aber der Professor emerituS befinbd sich nicht etwaim Ruhestand": er seht seine Lehr­tätigkeit fort und arbeitet mit dner Kraft, um die ihn die meisten 3üngeren beneiden können, an großen wissenschaftlichen Aufgaben

Mit der Gefchichte der Landesuniversität ist DehaghelS Rame auf8 engste verknüpft. Er hat bei den meisten wichtigen Fragen, die die Llni­versität beschäftigt haben, tatkräftig mitgearbeitet. Lim die Begründung und die Leitung der »Ge­sellschaft der Freunde und Förderer der Llni­versität" (Gießener Hochschulgesellschaft) hat er sich die größten Derdienste erworben.

3n einer Reihe von gelehrten Körperschaften entfaltd Dehaghel fdt langem eine fruchtbare Tätigkeit. Weiteren Kreisen der Stadt Dreßen ist er bekannt als Dorsihender des Oberhessischen Geschichtsvereins und der Gießener Ortsgruppe des Deutschen Sprachvereins. Er gehört auch dem Gesamtvorstand des Deutschen Sprachvereins an. Er ist Mitglied des Vorstandes des Römisch- Germanischen Zentralmuseums unb Mitglied der Historischen Kommission für Hessen. 3n dieser letzteren Körperschaft ist er insbesondere der Leiter der Ausschüsse für das Ortsnamenbuch und für bad Südhesflsche Wörterbuch. Die Dav- rische Akademie der Wissenschaften wählte ihn im 3ahre 1912 zu ihrem korrefpondierenden Mitglied. Er ist außerdem Mitglied bet im vorigen 3ahr begründeten Deutschen Akademie, und zwar in der »Sektion für deutsche Sprache. Literatur unb Volkskunde"

An seinem 70. Geburtstag wurde .bem ver­ehrten Forscher. Lehrer und Freund" eine Fest­schrift überreicht (.Beiträge zur german scken Sprachwissenschaft"). Die 3aristifche Fakultät der Landesuniversität ernannte ihn zu ihrem (Sbren- bottor. Die Philosophische Fakultät ließ von Pro­fessor Dantzer den charatteristilchen Gelehrten­kopf Otto Dehaghels malen und übergab an dem Tag. an dem Dehaghel von den Pflichten deS Amtes entbunden wurde, das vortrefflich gelun­gene Dild der Llniversität.

Von der bewundernswerten Schaffenskraft V-ehaghels gibt drs Verzeichnis feiner Veröffent­lichungen in der Festschrift Kunde. Es zählt nicht weniger als 688 Rummern, dazu ist in den beiden letzten Zähren noch eine ganze Anzahl hinzugekommen. Unter feinen Schriften befinden sich umfangreiche Dächer. Auch nur diese aufzu- zählen, fehlt biet der Raum. 3n weitesten Krrisen bekannt ist fein Doch .Die deutsche Sprache", von dem 1923 die 7. Auflage erschien. Von der Geschichte der deutsche:, Sprache" tst die 5. Auf­lage In Vorbereitung. 1923 erschien der 1. Dank) einer großangelegten Deutschen Syntax in ge­schichtlicher Darstellung: der 2. Band folgte 1924; und schon ist die Handschrift des 3. Dar.des dem Drucker übergeben. Eine kurzgefahtr Deutsche Syntax ist gleichfalls im Druck.

Wir wünschen dem schaffenssrohen Gelehrten, der so viel zum Ansehen der Llniversität Gießen beigetragen hat, noch viele 3ahre freudigen Wirkens!

,,Gebote" für Wanderer.

Wegweiser kannst bu dreist beschädigen, denn wer nicht Bescheid weih, braucht überhaupt nicht zu wandern. Auch das Versetzen und Vertauschen von Wegtafeln ist ein neckischer Unfug, dessen Folgen viel Spaß bereiten.

Frühstückspapier, Konservenbüchsen und Ziga- rettenschachteln, Wurst- und Eierschalen wirf umher, damit man die Spuren deines Erbenwallens ver­folgen kann.

Rastplätze, Ruhebante unb Aussichtspunkte halte zah unb anbauernb besetzt und nimm nicht etwa in schlapper Weichherzigkeit Rücksicht auf Damen, Ge­brechliche unb alte Leute.

Kräftiges Singen ober Pfeifen ber neuesten Tanzmelodien und Operettenschlager paßt prächtig in den Waldesfrieden. Das Johlen unb Echorufen dort, wo ein Widerhall nusgeschlossen ist, zeugt von feinster Naturbeobachtung.

Abgepflückte Blumen wirs möglichst bald wieder weg, bas Abschlagen von Zweigen, Farrenkräutern und dergleichen ist eine gesunde Hebung.

Wozu soll man Unbekannte unterwegs freund- lich grüßen? Was gehn sie dich denn an? Einen dir gebotenen Gruß erwidere so kurz und knapp, baß ber andere die Lust zu solchen plumpen Vertrau­lichkeiten verliert.

Auskunft über Wegrichtung, Entfernung zur nächsten Ortstchaft usw. brauchst du niemandem zu geben; es ist rücksichtslos, dich mit solchen Fragen zu behelligen.

Meide die einsamen stillen Wege und folge lieber bem großen Schwall; denn dort hat die Menschheit mehr von dir.

Das Werfen mit Steinen in unübersichtlichem Gelände bereitet viel Vergnügen, ebenso das '-inab- rollen von Felsbrocken und Baumstämmen an Ab­hängen oder Böschungen; es braucht ja niemand so dumm zu sein und unten gerade des Wegs zu laufen.

Laß nie die Landschaft auf dich einwirken, son­dern ziehe stets Vergleiche mit angeblich groß- artigeren Gegenden und Ländern. Nicht die Natur soll dein Herz erfüllen unb erheben, sondern du mußt dich ihr überlegen dünken.

Befolgst du dieseGebote", dann bist du ein echter" Wanderer, an dem natürlich die anderen Zeitgenossen so gut wie alles zu tadeln haben.

H. L.

Steuerfänigfceiten im Mai.

3m Monat M a i werden folgende Steuern fällig:

5. Mai: Steuerabzug vom Arbdtslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 21. bis 30. April einschließlich ver für die Zeit vom 1. bis 10. April bzw. 11. bis 20. April rinbehattenen, noch nicht abgesührten Driräge ohrre Rücksicht auf deven Höhe.

10. Mai: Llms<rhsteuervora.uszahlung = /, Prozent der Llmfatze usw. im Monat April;

15. Mai: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zett vom 1. bis 10 Mai, sofern der Gesamtbetrag mehr als 100 Rm. be­trägt; Einkommensteuer der Landwirte 3. Rate des Wirtschaftsjahres 1925 26 gemäß der seiner­zeit zugestdlten Steuerbescheide; Kirchen- und Kultussteuern 1. Rate Rj. 1926 auf Grund der in Kürze zur Zustellung kommenden Steuerbe­scheide;

2 5. Mai. Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20. Mai, sofern der Gesamtbetrag für die genannte Zeit oder mit den für die Zeit vom 1. bis 10. Mai einbehaltenen, noch nicht ab geführten Deträgen zusammen mehr als 100 Rm. beträgt.

Mit Ausnahme des Steuerabzugs vom Ar­beitslohn (Lohnsteuer) und der Kirchensteuer können die angegebenen Steuern noch innerhalb der siebentägigen Schonsrist ohne Zuschläge, zur Zeit halbmonatlich/4 Prozent, entrichtet werden.

Gictzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Dutter 200 biS 210, Matte 35 bis 40. Käse 50 bis 140, Wirsing 35. Weißkraut 25 bis 35. Rot- kraut 30. gelbe Rüben 25 bi« 30. rote Rüben 20, Spinat 35 bis 50. Römischkohl 30. Spargel 110 bis 120. Mtschgemüse 30. Tomaten 130, Zwiebeln 25. Meerrettich 40 bi« 80. Schwarzwurzeln 40 bis 50. Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 20 bis 30. Dörrobst (Zwischen) 30. Honig 50, junge Hahnen 100 bis 130, Suppenhühner 100 bis 130 Pf. das Pfund; Eier 10 bis 11, Dlumenkohl 80 biS 120, Salat 25 bis 30. Salat­gurken 120. Lauch 5 bi« 20, Sellerie 20 bis 60 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 20 bis 25 Pf.

Bornotizen.

Lageskalender für Samstag. Ariillerie-D«:dn: Vereinslokal. Motratsver- fammlung. Ruderklub .Hasfia"; 8.30 Lihr, DootshauS. Mitgliederversammlung. Marine- Verein: 8.30 Lihr, Dereinslokal, Monatsversc.mm- lung. Radfahrer-Verein »Fortuna": 8.30 Lihr, Veveinslokal, Monatsveriammlung. Lichtspiel­haus, DahnhofstraheDer Abenteurer" Astoria-Lichtspiele: »Die Königin de« Waldes".

Lageskalender für Sonntag. Stadttheater: 7 Lihr .Marietta". (Ende gegen 10 Lihr.) Oberheffischer Kunftverdn: II Lihr norm. Turmhaus am Drand. Eröffnung der Aus­

stellung von Dildern W. Trautschold«. Männer- und Frauenverrinigung der MatthäuS- gemeinde: 8 Lldr. Stadttirche. KirchonnusckaUsche Abendandacht. Rerrin Rudersport: LV, Lihr, Dootshaus, Anrudern. - Lichtspieltheater wie Samstag Palastlichtfpide: .De« Tal de« Todes".

Ein TranSpvrt erholungsbe­dürftiger Kinder unserer Stabt. 60 Schüler und Schülerinnen der Volksschule und 10 Kinder von Kriegsbeschädigten. ist am Mitt­woch zu einer sechswöchigen Kur nach der bekann­ten Kinder-ErholunqSsmtte H e u b e r g in ber Schwäbischen All' abgereist. 4>ie Kftrder wxrden auf Veranlassung und unter Betreuung des städti­schen 3ugendamies in die Sommers rische ge­schickt. Auf Wunsch des 3ugent)amtc8 wurde von der Reichsbahn in berettwillcher Weise ein von Gießen bi« Heubeeq durch geltender l> Zug- Wagen gestellt, so daß die Äxnber unterwegs nicht umzusteigen brauchten. Gestern wurden auf Veranlassung de« Jugendamtes 15 schwäch­liche Kinder zu einer Solbadekur nach Dad- R a u h e i m entsandt.

Zahlreiche Reparaturen an den Asphalt-Dürger st eigen werden feit eini­gen Tagen in verschiedenen Stadtteilen vorgenom­men. Diese Maßnahme der Stadtverwaltung ist sehr zu begrüßen. Hoffentllch folgt die dringend notwendige Pflasterung in manchen weiteren Straßen baB> nach.

Der Oberhessische Kunstverein eröffnet morgen. Sonntag. 2. Mai. vorm. 11 Lihr, mit einer Einführung eine neue Ausstellung, welche hauptsächlich Porträtdflbnifse W. Traut­sch o l d s aus Gießener Prirxrtbesitz enthält. Der genannte Künstler war in der Mitte de« vorigen Jahrhunderts in unforcr Stadt tätig inih hat hier eine größere Zahl trefflicher Dildnisse ge­schaffen. Von ihm rührt auch da« bekannte Rhe- nanenbild her. Ausgestellt sind weiter Portrait- Dildnisse von Frau Elsa Pfister-Kauf­mann in Darmstadt, sowie dnige Landschaften der genannten Künstlerin und solche von 3 u [ i u « Kaufmann, ferner Kinderporträt« der Dild- baucrin Louise Schmidt in Frankfurt a. M., sowie Plastik von 3 o h. K ö d d i n g in Gießen. Die Ausstellung ist wieder Sonntags. Montags, Mittwochs und Freitag« von 11 bi« 1 Lihr, mitt­wochs auch von 3 biß 5 Lihr geöffnet. (Siehe Anzeige in unserer gestrigen Rümmer )

* Die Habt. Gemäldesammlung mit ber Dr.^ans«Bo<^-®ebä^^tnisSt^f- t u n g im Neuen Schloß, Eingang Semfenbcrg- strahe, ist von morgen an raieber jeben Sonn- tagvonllbislUhrgeSssnet. Eintritt frei. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zu- tritt. Im graphischen Kabinett wurden neu ausge- stellt: Driginalnibieritngcn von E. Bracht, W. Doms, O. H. Engel, 9»t). Fränk, Fr. Kallmorgen und P. Paeschke. In ber Ritgen-Abtriiung würben Aqua- re Ile vom ©leiberg, Schiffenberg, Staufenberg unb Münzenberg eingereiht, sowie noch 8 Motive von der Wartburg.

* Kirchenmusikalifche Abe'nd- andacht in der Stadtkirche. Man schreibt uns: Im Zeichen von Suchers Messe 1526 oer- anstaltet die Männer- und Franenoeremigung der Matthäusgemeinbe am morgigen Sonntag Kantate, 2. Mai, in ber Stabtkirche, abenbs 8 lihr, eine kirchenmusikalische Abenbanbacht. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: das Quartett des Herrn Musiktehrer Franz Bauer, die Konzertsängerin Frl. Ida Stammler, Herr Privatdozent Sic. Cann. Das Bauersche Quartett bringt wundervolle Stücke aus den Quartetten von Haydn (D-Dur op. 64). Beethoven (E-Moll op. 18), Tschaikowski (D-Dur op. 11) zu Gehör. Die Veranstaltung ist auf weiteste Kreise berechnet. Der Eintritt ist frei. Jedermann ist herzlich eingeladen. (Siehe gestrige Anzeige.)

* Sonderunterstützung für Sabal* arbeitet. Der Reichsminister der Finanzen hat entschieden, daß bei denjenigen erwerbslosen Tabakarbeitern, die durch da« Gesetz vom 10. August v. 3. erwerbslos geworden sind, die De- dürstigkeitsprüfung für die ganze LlnIerstützungS- öauer, also auch für die ersten 26 Wochen, fort- fällt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst hierzu mitteilt, ersucht der Preußische Minister für Volkswohlsahrt die nachMvrdneien Behörden, die in Frage kommenden Arbeitsnachweise des jeweiligen Bezirks entsprechend anzuweisen.

Das Lichts pielhaus, Bahnhof­straße. bringt dn gutes Doppelpnvzixmrm: das LustspielP a t u n d P a t a ch o n im Prater" und den itoch dem glrichnamigen Roman von Rudolf Herzog bearbeiteten Film®er Aben­teurer". Das Lustspiel zeigt Pat und Patachon, die ewig vom Schicksal verfolgten Vagabunden, in bester Form und hält auch sonst ein befriedigen­des Aiveau. 9er zweite Film, ..Der Abenteurer", läßt keine Wünsche offen, das Ensemble der Pro­minenten stellt hier den Erfolg in jeder Beziehung sicher. Rur einige 'Hamen: Harry Liedtke. Erna Mo re na. Mady Christians. Hans Drausewetter. Eduard von CED in ter ft ein, deren Ruf längst gefertigt ist