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31.10.1932 Erstes Blatt
 
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lir. 256 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeni

Montag, Sl.tDttobei 1952

Wehrwillen und Wehrmacht.

Bon G. von

Wer im Laufe der letzten Jahre, während eine vorbereitende Abrüstungskonferenz nach der anderen die klare Aufgabe der Abrüstung verzerrte, ins Ausland kam, konnte hier auf den Standpunkt flößen: Deutschland ist gar nicht abgerüstet In Frankreich, wie in Rumänien, in der Tschechoslowa­kei, wie in Polen wurde dem Reisenden versichert, daß die Deutschen dank ihrem großen technischen Können in der Lage seien, heim Ausbruch eines Krieges in Kürze alle europäischen Gegner zu über­trumpfen Unzweifelhaft sind diese Versicherungen von leitender Stelle aus wider besseres Wissen und Gewissen, verbreitet worden, um die eigene Nicht­abrüstung zu rechtfertigen Ebenso wenig ist aber daran zu zweifeln, daß weite Schichten der Völker im Osten und Westen vorn Weltkriege her eine so hohe Meinung vom deutschen Können haben, daß sie das Unmögliche für möglich halten und diesen bewußten Falschmeldungen Glauben schenken

Es ist von Interesse,' daß gleich nach dem Ab- -schluß dos russisch-polnischen Nichtan­griffspaktes die LeningraderKrasnaja Ga­zeta" aus der Feder ihres militärischen Mitarbeiters Kaisarow einen Artikel über dieMilitärische Macht Deutschlands" bringt, in dem (ogl.Gießener Anzeiger" Nr 199 vom 25. August D Red.) alle Lügenmeldungen über die deutsche Kriegsmacht aus­genommen werden Die deutsche Reichswehr sei eine Fabrik hochqualifizierter Unteroffiziere und damit nur das Skelett für eine Armee von 1 bis 14 Mil­lionen Soldaten aus den halbmilitärischen Privat­organisationen An versteckten Gewehren und selbst schweren Geschützen (?!) sei kein Mangel Weiter wird das Märchen von der leichten Umstellung der Zioilflutzzeuge in Bombenflugzeuge aufgewärmt, das bisher Patent der großen französischen Mili- tarflugmacht war Es folgt der Hinweis auf die chemische Industrie Deutschlands, die mit ihrer Gift­gasfabrikation alle Nachbarn schlagen werde.

Wahrscheinlich will das Sowjetblatt mit dem Schreckgespenst der deutschen Kriegsmacht Polen Willfähriger machen, den Nichtangriffspakt zu rati­fizieren Es ist nicht lange her, daß von französischer Seite behauptet wurde, die Hauptbasis der deutschen Rüstungen, besonders auf dem Gebiet des Flug­wesens, liege in Moskau.

Die Mehrheit der Deutschen war nach dem Zu­sammenbruch kriegsmüde, kriegsfeindlich und ehrlich bereit, durch die eigene Abrüstung den Weltfrieden herbeizuführen Diese Stimmung war so stark, daß sie trotz der schmerzlichen und zum Teil mit un­nützen Zerstörungen verbundenen Abrüstung, trotz der damit verbundenen Demütigungen und klein­licher Schikanen der vielen triumphierendenSie­gerstaaten", trotz schimpflicher Kontrolle und immer wiederkehrender Verleumdungen standhielk Die Abrüstung wurde restlos durchgeführt, und Deutsch­lands Politik rechnete nur mit friedlichen Mitteln. Es gab. eine Zeit, wo der Pazifismus in Deutsch-

Kügelgen.

land herrschte und leider der Wehrwillen weiten Schichten des deutschen Volkes verloren gegangen war Man hatte be­dauerlicherweise seine Freude an allem, was der «»0'ichen Vergangenheit Abbruch tat und den Militarismus" herabsetzte Hätten die Sieger- ftaaten die versprochene Abrüstung damals in die Wege geleitet, wäre diese Stimmung wahrschein­lich in Deutschland außerordentlich vertieft und ge­festigt worden

Doch schon vor dem blamablen Zusammenbruch der Abrüstungsidee in Genf legten der drohend emporwachsende Festungsgürtel im Westen und die rastlosen Bemühungen zur Schaffung noch nicht dagewesener Kriegskräfte z u Wasser, Z u Lande und in der Luft bei allen Nach­barn Deutschlands Zeugnis für die Ueberzeugung ab, daß Deutschlands Abrüstung die Macht des deutschen Volkes nicht gebrochen habe Angesichts der steigenden Unsicherheit Deutsch­lands, hundertfach furchtbarer als die Unsicher­heit des im Panzerkleide ruhenden, aber ängstlich nach Sicherheit rufenden Frankreich, mußte im deutschen Volk der Wehrwi11e erwachen. Das Beispiel des kriegsrüstenden Frankreich und seiner Verbündeten mußte schließlich auch auf die friedensgläubigsten deutschen Spießbürger wir­ken. Polens Eroberungs- und Kriegsgeschrei mußten Abwehrgefühle im Deutschen wecken Die langjährige Abrüstungskomödie war ein fortlaufender Anschauungsunterricht für die Stär­kung des Wehrwillens. Die Erfolge der jungen Türkei, die von Polen, Litauen und Japan glänzend gelieferten Beweise für den Standpunkt: Macht geht vor Recht! mußten die begeisterten Verfechter des Völkerbundes, Völkerfriedens und der internatio­nalen Gerechtigkeit immer weiter zurückdrängen.

So ist erfreulicherweise der Wehrwillen im deutschen Volk von Jahr zu Jahr wieder gewachsen. Die Jugendbewegung und die Bünde, die großen nationalen Organisa­tionen des Wehrgedankens und die nationalen Parteien haben den Wehrwillen bewußt gepflegt und in immer neue Schichten des Volkes ge­tragen. Zuletzt hat dieser Wille in den Sturm­abteilungen der Nationalsozialistischen Partei machtvollen Ausdruck gesunden.

Das deutsche Volk in seiner Mehrheit ist wieder wehrwillig. Uni) damit hat es die wichtigste Grundlage einer jeden Landesver­teidigung neu geschaffen. Denn trotz aller mo­dernen Technik kommt es jetzt, wie zu allen Zeiten, noch mehr auf den Träger der Waffe, als auf die Waffe an. Wenn kein Wehrwillen vorhanden ist, hilft auch die beste Ausrüstung nichts. Ist aber das Volk wehr­willig, wird es sich auch schließlich die not­wendigen Waffen schaffen.

S.VundeMgdesSessischenSängerbundes

Bad-Nauheim, 30. DEL (WSN.) Am Sams- lag und Sonntag hielt hier der etwa 800 Vereine als Mitglieder zählende Hessische Sängerbund seinen 9. ordentlichen Bundestag ab. Bei den Verhand­lungen, d>e im Kurhaus stattfanden, waren ins­gesamt 530 Bundesvereine aus Rheinhessen, dem Nahegau, dem Ried, der Bergstraße, dem Neckar­lai, dem Odenwald, dem bayerischen Mäintal, dem Spessart, dem Hohen Vogelsberg, den Grenzgebieten vberhessens, der Wetterau und des Lahn- und Dill­gebiets vertreten. Nach einer Bundesvor- standsfitzung am Samstagnachmittag, die der Vorbereitung der Beratungen galt, folgte abends eine Begrüßungsoeranftaltung, bei der 'Ministerialrat Dr. Sieger! (Darmstadt), der erste Vorsitzende des Hessischen Sängerbundes, die

(Ernennung von Studienrat Kuhn (Friedberg) ;um Ehrenchormeister

nitteilte.

Der Bundestag am Sonntag begann mit einer musikalischen Feierstunde, in der nach einem Massen- hor von 400 Sängern Ministerialrat Dr Sie­ger! der Toten des letzten Jahres gedachte, vor allem des ersten Vorsitzenden des Deutschen Sänger­bundes, Geheimrat Dr. Hammerschmidt, und )e5 Bundeschormeisters des Hessischen Sängerbun­des, Otto Naumann (Mainz) Nach Begrüßung oer Behördenoertreter unter ihnen befand sich ioud) als Vertreter des hessischen Kultusministe­riums Oberschulrat Hassinger (Darmstadt), dessen enge Verbundenheit mit dem Hessischen Sän­gerbund besonders betont wurde nahmen die eigentlichen Verhandlungen ihren Anfang JDem Be­nch! des Bundesvorsitzenden ist zu entnehmen, daß mch im Geschäftsjahr 1931/32 der Bund ieinn Besitzstand wahren konnte, so daß es ihm erfreulicherweise auch unter den schwierigen wirt- chafklichan und politischen Verhältnissen der Gegen­var! gelang, in bet seitherigen Weise den kultu­rellen und wirtschaftlichen Interessen feiner Mit­glieder zu bienen

Bei Bergung der Anträge wurde u. a. die Gau­einteilung angeschnitten, zu der mehrere ober- hessische Anträge vorlagen.

Die Entscheidung darüber wurde an den Provin- sialvorstand Oberhessen verwiesen, der die Ange­legenheit im Einvernehmen mit dem Bundesvor- jtanb regeln soll Alsdann würben eine Reihe von

Satzungsänberungen beschlossen. Wichtig ist davon die neue Bestimmung, daß Uebertritte von Vereinen von einem Gau in den andern nur aus zwingenden Gründen erfolgen können und ferner der Zustimmung der beiden beteiligten Gauoor- ftänöe sowie des geschäftsführenden Bundesvor­standes bedürfen. Als nächsten Tagungsort wählte man Bingen, nachdem Mainz zurückgetreten war. Die Beiträge wurden auf dem bisherigen Stand belassen.

Nach der Mittagspause entwickelte, nachdem der Bundesrechner entlastet worden war, der Bundes­vorsitzende das zukünftige Arbeitsgebiet, das u. a. die Auswahl der Gau-Wertungschöre durch den demnächst vom Musikausschuß neu zu wählenden Bundeschormeister vorsieht und ferner als besonders wichtige Gesichtspunkte die

Gewinnung der Jugend für die Ziele des Bundes

und eine erhöhte Werbetätigkeit bezeichnet. Der Zweite Vorsitzende des Bundes' Rechtsanwalt Reen (Mainz) nahm vor Beendigung der Tagung Ge­legenheit, dem ersten Bundesvörsitzenden für seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahr herzlichen Dank auszusprechen. Dann roui^e gegen 16.30 Uhr die in voller Harmonie verlaufene und von Liebe und Begeisterung zur Sache zeugende Tagung mit dem deutschen Sängergruß geschlossen.

Oie Wünsche

der oberhessischen Gänger.

Don besonderer Bedeutung für unsere ober- hessischen Bundesvereine war ein Antrag des Gaues Gießen Stadt und Land,

baldigst die dringend notwendige Neueinteilung der Gaue in der Gruppe Oberhessen oorzu- nehmen.

Der Bundesvorstand hatte sich in seiner Sitzung am Samstag mit diesem Antrag befaßt. Der Pro- vinzialvorsitzende Wendler, Bad-Nauheim, gab nun bei der eigentlichen Bundestagung hier­zu die Erklärung ab, daß der Bundesvorstand beschlossen hat, daß in einer Sitzung der Gau­vorstände der Provinz Oberhessen, die am 24. No­vember in Gießen stattfinden soll, d i e Ange­legenheit geregelt werden soll. Die <

So werden unsere Aaujacken ausgebildet

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Die Bilder stammen aus der Marineschule Kiel-Wik. Für alle Angehörigen der Reichsmarine, die einen höheren Dienstgrad erreichen wollen, ist der Besuch einer solchen Marineschule erforderlich. Oben links: Maschinistenmaatenanwärter lernen die Bedienung der Kesfeloentile; daneben: die jungen Ma­nchen beim Marsch in Gasmasken. Unten links: Physikalische Grundgesetze werden an Hand einer Waage erklärt; daneben: Theoretischer Unterricht über die Funktion der Gasmaske.

Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Der mit dem Antrag des Gaues Gießen im Zu­sammenhang stehende des Hütten berg- Schiffenberg-Sängerbundes, der die Erklärung zum selbständigen Gau wünscht, wurde ebenfalls bis zu dieser Tagung in Gießen zurückgestellt.

2luf eine entsprechende Anfrage des Vertreters des Gaues Solms-Wehlar erklärte der Dundes- vorsihende, daß die Rundfunkgesellschaft grund­sätzlich die Liebertragung von Ausschnitten aus Liedertagen und ähnlichen Veranstaltungen ab­lehne. Die Programme zu den Darbietungen der Vereine im Rundfunk sollen nach den neuen Richt­linien ein halbes Jahr den Ortsvereinen zuge­stellt werden. Ein Vertreter glaubt, daß das Sin­gen im Rundfunk den Konzertbesuch ungünstig be­einflusse. Demgegenüber betonen Matern (Mainzl und ObersHulrat Hassinger, daß die Rundfunkkonzerte gerade für unsere Sache werben können und zu erhöhtenKunstleistungen erziehen. Weiter wird bemängelt, daß der Rund­funk öfter Chöre deswegen ablehne, um keine Wie­derholungen zu bringen. Blaß (Großen-Linden) hält das nicht für unbedingt wichtig, da gerade Wiederholungen Anlaß zum Vergleichen geben, was auch bildend wirke. Die Auswahl des Pro­grammes müsse dem Dirigenten des im Rundfunk singenden Vereins überlassen bleiben.

Ein weiterer Antrag des Gaues Solms-Wehlar, Vereinen, die an der Nürnberger Sängerwoche und ähnlichen Veranstaltungen durch Ausführung eines Konzertes teilnehmen wollen, einen Lin­kostenbeitrag aus Bundesmitteln zu gewähren, wird vom Antragsteller zurückgezogen, da von fei­ten des Vorstandes erklärt wird, daß man nun allen Ernstes daran denke,

hessische Sängerwochen zu veranstalten.

Ein weiterer Antrag dieses Gaues, die Abstim­mung auf den Sängertagen betreffend, wird ab­gelehnt. Ein anderer, der stärkere Gliederung der Bilanz verlangt, vom Antragsteller für erledigt erklärt.

Oammbruch bei Nordeck.

Nordeck, 29. Okt. Gestern, gegen 19.30 Lihr, erlebten die Bewohner der Burgstraße eine unangenehme LIeberraschung. Es flös­sen plötzlich große Wassermengen die etwas abfallende Straße herunter, ohne daß sich jemand die Lirsache dessen erklären konnte. Als man dem Vorfall nachging, muhte man feststel­len, daß bei dem nördlich von der alten Burg im Walde oblegenen Teiche, demHilperlsdorfer- deich" ein Damm gebrochen war. Das Wasser des Teiches toai ourch den anhaltenden Regen bis an den Rand des Dammes gestiegen, hatte den Damm überspült und ausgespült, so daß die Wassermassen sich einen Weg bahnen konnten. Olm meisten wurde durch diesen Llnfall das An­wesen des Hausbesitzers Schönwandt in Mit­leidenschaft gezogen. Im Kellergeschoß wurden

durch die Wassermassen die KeUersenister ein­gedrückt, im Hausgarten wurde der Mmter- boden fortgeschwemmt. Die vor einem Jahr durch Arbeitslose instand gebrachte Straße nördlich der Burg wurde zum größten Teil zer­stört.

Gchloßbrand in Amorbach.

WSN. Amorbach, 29. Okt. Heute früh gegen 5 LLhr brach in dem prächtigen, von dem Fürsten von Leiningen bewohnten Schloß Feuer aus. Man befürchtete zunächst ein Liebergreifen des Feuers auf die beiden Ost- und Westflügel. Den vereinten Bemühungen der gesamten Feuerwehren der Um­gebung gelang es jedoch, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, so daß lediglich der Dach­stuhl des Derbindungsbaues vollstän­dig ausbrannte. Einige Wohnungen der beiden Schlohflügel mußten geräumt werden. Lieber die Drandursache konnte bis jetzt noch nichts ermittelt werden. Der Brand war um 7 Ahr ge­löscht. Das Schloß war bis 1803 ein Kloster und ging dann in den Besitz des Fürsten von Lei­ningen über.

Kunst und Wissenschaft.

Goethe-Medaille für Professor Dr. Meinecke.

Der Herr Reichspräsident hat dem bekannten Hi. ftoriEer Universitätsprofessor Dr. Friedrich Mei. n e cf e aus Anlaß des 70. Geburtstages feine Glückwünsche ausgesprochen und ihm die Goethe- wedaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Der Reichsminister des Innern hat dem Gelehrten die Auszeichnung mit einem besonderen Glückwunsch­schreiben übermittelt.

Die Ergebnisse der Arktisfahrt desGraf Zeppelin".

In der Zeit von Ende Oktober bis 13. November veranstalte! die Internationale Gesellschaft zur Er­forschung der Arktis mit Luftfahrzeugen (Aero Arctik) in der Technischen Hochschule Charlotten- burg eine Ausstellung über bie wissen» schaftlichen Ergebnisse ber vorjäh­rigen Arktisfahrt mitGras Zeppelin". Sie wurde durch Dl. Eckener, dem Präsidenten ber Aero Arctik, eröffnet. Dr. Eckener betonte, daß der Vorteil des Luftschiffes, sowie des Flugzeuges darin bestehe, daß sonst unzugängliche Gebiete erforscht werden könnten. Er wies hin auf die Luftaufnah. men der weiten Sumpfstrecken in Sibirien, die eine große Bereicherung der geographischen Kenntnisse gebracht hätten Unter den Anwesenden bemerkte man u a Hauptman a D. Bruns, den Begrün- der und Generalsekretär der Aero Arctik und den Leningrader Professor Samojlowitsch.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

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