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lir. 256 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffeni
Montag, Sl.tDttobei 1952
Wehrwillen und Wehrmacht.
Bon G. von
Wer im Laufe der letzten Jahre, während eine vorbereitende Abrüstungskonferenz nach der anderen die klare Aufgabe der Abrüstung verzerrte, ins Ausland kam, konnte hier auf den Standpunkt flößen: Deutschland ist gar nicht abgerüstet In Frankreich, wie in Rumänien, in der Tschechoslowakei, wie in Polen wurde dem Reisenden versichert, daß die Deutschen dank ihrem großen technischen Können in der Lage seien, heim Ausbruch eines Krieges in Kürze alle europäischen Gegner zu übertrumpfen Unzweifelhaft sind diese Versicherungen von leitender Stelle aus wider besseres Wissen und Gewissen, verbreitet worden, um die eigene Nichtabrüstung zu rechtfertigen Ebenso wenig ist aber daran zu zweifeln, daß weite Schichten der Völker im Osten und Westen vorn Weltkriege her eine so hohe Meinung vom deutschen Können haben, daß sie das Unmögliche für möglich halten und diesen bewußten Falschmeldungen Glauben schenken
Es ist von Interesse,' daß gleich nach dem Ab- -schluß dos russisch-polnischen Nichtangriffspaktes die Leningrader „Krasnaja Gazeta" aus der Feder ihres militärischen Mitarbeiters Kaisarow einen Artikel über die „Militärische Macht Deutschlands" bringt, in dem (ogl. „Gießener Anzeiger" Nr 199 vom 25. August D Red.) alle Lügenmeldungen über die deutsche Kriegsmacht ausgenommen werden Die deutsche Reichswehr sei eine Fabrik hochqualifizierter Unteroffiziere und damit nur das Skelett für eine Armee von 1 bis 14 Millionen Soldaten aus den halbmilitärischen Privatorganisationen An versteckten Gewehren und selbst schweren Geschützen (?!) sei kein Mangel Weiter wird das Märchen von der leichten Umstellung der Zioilflutzzeuge in Bombenflugzeuge aufgewärmt, das bisher Patent der großen französischen Mili- tarflugmacht war Es folgt der Hinweis auf die chemische Industrie Deutschlands, die mit ihrer Giftgasfabrikation alle Nachbarn schlagen werde.
Wahrscheinlich will das Sowjetblatt mit dem Schreckgespenst der deutschen Kriegsmacht Polen Willfähriger machen, den Nichtangriffspakt zu ratifizieren Es ist nicht lange her, daß von französischer Seite behauptet wurde, die Hauptbasis der deutschen Rüstungen, besonders auf dem Gebiet des Flugwesens, liege in — Moskau.
Die Mehrheit der Deutschen war nach dem Zusammenbruch kriegsmüde, kriegsfeindlich und ehrlich bereit, durch die eigene Abrüstung den Weltfrieden herbeizuführen Diese Stimmung war so stark, daß sie trotz der schmerzlichen und zum Teil mit unnützen Zerstörungen verbundenen Abrüstung, trotz der damit verbundenen Demütigungen und kleinlicher Schikanen der vielen triumphierenden „Siegerstaaten", trotz schimpflicher Kontrolle und immer wiederkehrender Verleumdungen standhielk Die Abrüstung wurde restlos durchgeführt, und Deutschlands Politik rechnete nur mit friedlichen Mitteln. Es gab. eine Zeit, wo der Pazifismus in Deutsch-
Kügelgen.
land herrschte und leider der Wehrwillen weiten Schichten des deutschen Volkes verloren gegangen war Man hatte bedauerlicherweise seine Freude an allem, was der «»0'ichen Vergangenheit Abbruch tat und den „Militarismus" herabsetzte Hätten die Sieger- ftaaten die versprochene Abrüstung damals in die Wege geleitet, wäre diese Stimmung wahrscheinlich in Deutschland außerordentlich vertieft und gefestigt worden
Doch schon vor dem blamablen Zusammenbruch der Abrüstungsidee in Genf legten der drohend emporwachsende Festungsgürtel im Westen und die rastlosen Bemühungen zur Schaffung noch nicht dagewesener Kriegskräfte z u Wasser, Z u Lande und in der Luft bei allen Nachbarn Deutschlands Zeugnis für die Ueberzeugung ab, daß Deutschlands Abrüstung die Macht des deutschen Volkes nicht gebrochen habe Angesichts der steigenden Unsicherheit Deutschlands, hundertfach furchtbarer als die Unsicherheit des im Panzerkleide ruhenden, aber ängstlich nach Sicherheit rufenden Frankreich, mußte im deutschen Volk der Wehrwi11e erwachen. Das Beispiel des kriegsrüstenden Frankreich und seiner Verbündeten mußte schließlich auch auf die friedensgläubigsten deutschen Spießbürger wirken. Polens Eroberungs- und Kriegsgeschrei mußten Abwehrgefühle im Deutschen wecken Die langjährige Abrüstungskomödie war ein fortlaufender Anschauungsunterricht für die Stärkung des Wehrwillens. Die Erfolge der jungen Türkei, die von Polen, Litauen und Japan glänzend gelieferten Beweise für den Standpunkt: Macht geht vor Recht! mußten die begeisterten Verfechter des Völkerbundes, Völkerfriedens und der internationalen Gerechtigkeit immer weiter zurückdrängen.
So ist erfreulicherweise der Wehrwillen im deutschen Volk von Jahr zu Jahr wieder gewachsen. Die Jugendbewegung und die Bünde, die großen nationalen Organisationen des Wehrgedankens und die nationalen Parteien haben den Wehrwillen bewußt gepflegt und in immer neue Schichten des Volkes getragen. Zuletzt hat dieser Wille in den Sturmabteilungen der Nationalsozialistischen Partei machtvollen Ausdruck gesunden.
Das deutsche Volk in seiner Mehrheit ist wieder wehrwillig. Uni) damit hat es die wichtigste Grundlage einer jeden Landesverteidigung neu geschaffen. Denn trotz aller modernen Technik kommt es jetzt, wie zu allen Zeiten, noch mehr auf den Träger der Waffe, als auf die Waffe an. Wenn kein Wehrwillen vorhanden ist, hilft auch die beste Ausrüstung nichts. Ist aber das Volk wehrwillig, wird es sich auch schließlich die notwendigen Waffen schaffen.
S.VundeMgdesSessischenSängerbundes
Bad-Nauheim, 30. DEL (WSN.) Am Sams- lag und Sonntag hielt hier der etwa 800 Vereine als Mitglieder zählende Hessische Sängerbund seinen 9. ordentlichen Bundestag ab. Bei den Verhandlungen, d>e im Kurhaus stattfanden, waren insgesamt 530 Bundesvereine aus Rheinhessen, dem Nahegau, dem Ried, der Bergstraße, dem Neckarlai, dem Odenwald, dem bayerischen Mäintal, dem Spessart, dem Hohen Vogelsberg, den Grenzgebieten vberhessens, der Wetterau und des Lahn- und Dillgebiets vertreten. Nach einer Bundesvor- standsfitzung am Samstagnachmittag, die der Vorbereitung der Beratungen galt, folgte abends eine Begrüßungsoeranftaltung, bei der 'Ministerialrat Dr. Sieger! (Darmstadt), der erste Vorsitzende des Hessischen Sängerbundes, die
(Ernennung von Studienrat Kuhn (Friedberg) ;um Ehrenchormeister
nitteilte.
Der Bundestag am Sonntag begann mit einer musikalischen Feierstunde, in der nach einem Massen- hor von 400 Sängern Ministerialrat Dr Sieger! der Toten des letzten Jahres gedachte, vor allem des ersten Vorsitzenden des Deutschen Sängerbundes, Geheimrat Dr. Hammerschmidt, und ■)e5 Bundeschormeisters des Hessischen Sängerbundes, Otto Naumann (Mainz) Nach Begrüßung ’oer Behördenoertreter — unter ihnen befand sich ioud) als Vertreter des hessischen Kultusministeriums Oberschulrat Hassinger (Darmstadt), dessen enge Verbundenheit mit dem Hessischen Sängerbund besonders betont wurde — nahmen die eigentlichen Verhandlungen ihren Anfang JDem Bench! des Bundesvorsitzenden ist zu entnehmen, daß mch im Geschäftsjahr 1931/32 der Bund ieinn Besitzstand wahren konnte, so daß es ihm erfreulicherweise auch unter den schwierigen wirt- chafklichan und politischen Verhältnissen der Gegenvar! gelang, in bet seitherigen Weise den kulturellen und wirtschaftlichen Interessen feiner Mitglieder zu bienen
Bei Bergung der Anträge wurde u. a. die Gaueinteilung angeschnitten, zu der mehrere ober- hessische Anträge vorlagen.
Die Entscheidung darüber wurde an den Provin- sialvorstand Oberhessen verwiesen, der die Angelegenheit im Einvernehmen mit dem Bundesvor- jtanb regeln soll Alsdann würben eine Reihe von
Satzungsänberungen beschlossen. Wichtig ist davon die neue Bestimmung, daß Uebertritte von Vereinen von einem Gau in den andern nur aus zwingenden Gründen erfolgen können und ferner der Zustimmung der beiden beteiligten Gauoor- ftänöe sowie des geschäftsführenden Bundesvorstandes bedürfen. Als nächsten Tagungsort wählte man Bingen, nachdem Mainz zurückgetreten war. Die Beiträge wurden auf dem bisherigen Stand belassen.
Nach der Mittagspause entwickelte, nachdem der Bundesrechner entlastet worden war, der Bundesvorsitzende das zukünftige Arbeitsgebiet, das u. a. die Auswahl der Gau-Wertungschöre durch den demnächst vom Musikausschuß neu zu wählenden Bundeschormeister vorsieht und ferner als besonders wichtige Gesichtspunkte die
Gewinnung der Jugend für die Ziele des Bundes
und eine erhöhte Werbetätigkeit bezeichnet. Der Zweite Vorsitzende des Bundes' Rechtsanwalt Reen (Mainz) nahm vor Beendigung der Tagung Gelegenheit, dem ersten Bundesvörsitzenden für seine Tätigkeit im abgelaufenen Jahr herzlichen Dank auszusprechen. Dann roui^e gegen 16.30 Uhr die in voller Harmonie verlaufene und von Liebe und Begeisterung zur Sache zeugende Tagung mit dem deutschen Sängergruß geschlossen.
Oie Wünsche
der oberhessischen Gänger.
Don besonderer Bedeutung für unsere ober- hessischen Bundesvereine war ein Antrag des Gaues Gießen Stadt und Land,
baldigst die dringend notwendige Neueinteilung der Gaue in der Gruppe Oberhessen oorzu- nehmen.
Der Bundesvorstand hatte sich in seiner Sitzung am Samstag mit diesem Antrag befaßt. Der Pro- vinzialvorsitzende Wendler, Bad-Nauheim, gab nun bei der eigentlichen Bundestagung hierzu die Erklärung ab, daß der Bundesvorstand beschlossen hat, daß in einer Sitzung der Gauvorstände der Provinz Oberhessen, die am 24. November in Gießen stattfinden soll, d i e Angelegenheit geregelt werden soll. Die <
So werden unsere Aaujacken ausgebildet
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Die Bilder stammen aus der Marineschule Kiel-Wik. Für alle Angehörigen der Reichsmarine, die einen höheren Dienstgrad erreichen wollen, ist der Besuch einer solchen Marineschule erforderlich. — Oben links: Maschinistenmaatenanwärter lernen die Bedienung der Kesfeloentile; daneben: die jungen Manchen beim Marsch in Gasmasken. — Unten links: Physikalische Grundgesetze werden an Hand einer Waage erklärt; daneben: Theoretischer Unterricht über die Funktion der Gasmaske.
Versammlung erklärte sich damit einverstanden. Der mit dem Antrag des Gaues Gießen im Zusammenhang stehende des Hütten berg- Schiffenberg-Sängerbundes, der die Erklärung zum selbständigen Gau wünscht, wurde ebenfalls bis zu dieser Tagung in Gießen zurückgestellt.
2luf eine entsprechende Anfrage des Vertreters des Gaues Solms-Wehlar erklärte der Dundes- vorsihende, daß die Rundfunkgesellschaft grundsätzlich die Liebertragung von Ausschnitten aus Liedertagen und ähnlichen Veranstaltungen ablehne. Die Programme zu den Darbietungen der Vereine im Rundfunk sollen nach den neuen Richtlinien ein halbes Jahr den Ortsvereinen zugestellt werden. Ein Vertreter glaubt, daß das Singen im Rundfunk den Konzertbesuch ungünstig beeinflusse. Demgegenüber betonen Matern (Mainzl und ObersHulrat Hassinger, daß die Rundfunkkonzerte gerade für unsere Sache werben können und zu erhöhtenKunstleistungen erziehen. Weiter wird bemängelt, daß der Rundfunk öfter Chöre deswegen ablehne, um keine Wiederholungen zu bringen. Blaß (Großen-Linden) hält das nicht für unbedingt wichtig, da gerade Wiederholungen Anlaß zum Vergleichen geben, was auch bildend wirke. Die Auswahl des Programmes müsse dem Dirigenten des im Rundfunk singenden Vereins überlassen bleiben.
Ein weiterer Antrag des Gaues Solms-Wehlar, Vereinen, die an der Nürnberger Sängerwoche und ähnlichen Veranstaltungen durch Ausführung eines Konzertes teilnehmen wollen, einen Linkostenbeitrag aus Bundesmitteln zu gewähren, wird vom Antragsteller zurückgezogen, da von feiten des Vorstandes erklärt wird, daß man nun allen Ernstes daran denke,
hessische Sängerwochen zu veranstalten.
Ein weiterer Antrag dieses Gaues, die Abstimmung auf den Sängertagen betreffend, wird abgelehnt. Ein anderer, der stärkere Gliederung der Bilanz verlangt, vom Antragsteller für erledigt erklärt.
Oammbruch bei Nordeck.
Nordeck, 29. Okt. Gestern, gegen 19.30 Lihr, erlebten die Bewohner der Burgstraße eine unangenehme LIeberraschung. Es flössen plötzlich große Wassermengen die etwas abfallende Straße herunter, ohne daß sich jemand die Lirsache dessen erklären konnte. Als man dem Vorfall nachging, muhte man feststellen, daß bei dem nördlich von der alten Burg im Walde oblegenen Teiche, dem „Hilperlsdorfer- deich" ein Damm gebrochen war. Das Wasser des Teiches toai ourch den anhaltenden Regen bis an den Rand des Dammes gestiegen, hatte den Damm überspült und ausgespült, so daß die Wassermassen sich einen Weg bahnen konnten. Olm meisten wurde durch diesen Llnfall das Anwesen des Hausbesitzers Schönwandt in Mitleidenschaft gezogen. Im Kellergeschoß wurden
durch die Wassermassen die KeUersenister eingedrückt, im Hausgarten wurde der Mmter- boden fortgeschwemmt. Die vor einem Jahr durch Arbeitslose instand gebrachte Straße nördlich der Burg wurde zum größten Teil zerstört.
Gchloßbrand in Amorbach.
WSN. Amorbach, 29. Okt. Heute früh gegen 5 LLhr brach in dem prächtigen, von dem Fürsten von Leiningen bewohnten Schloß Feuer aus. Man befürchtete zunächst ein Liebergreifen des Feuers auf die beiden Ost- und Westflügel. Den vereinten Bemühungen der gesamten Feuerwehren der Umgebung gelang es jedoch, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, so daß lediglich der Dachstuhl des Derbindungsbaues vollständig ausbrannte. Einige Wohnungen der beiden Schlohflügel mußten geräumt werden. Lieber die Drandursache konnte bis jetzt noch nichts ermittelt werden. Der Brand war um 7 Ahr gelöscht. Das Schloß war bis 1803 ein Kloster und ging dann in den Besitz des Fürsten von Leiningen über.
Kunst und Wissenschaft.
Goethe-Medaille für Professor Dr. Meinecke.
Der Herr Reichspräsident hat dem bekannten Hi. ftoriEer Universitätsprofessor Dr. Friedrich Mei. n e cf e aus Anlaß des 70. Geburtstages feine Glückwünsche ausgesprochen und ihm die Goethe- wedaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Der Reichsminister des Innern hat dem Gelehrten die Auszeichnung mit einem besonderen Glückwunschschreiben übermittelt.
Die Ergebnisse der Arktisfahrt des „Graf Zeppelin".
In der Zeit von Ende Oktober bis 13. November veranstalte! die Internationale Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luftfahrzeugen (Aero Arctik) in der Technischen Hochschule Charlotten- burg eine Ausstellung über bie wissen» schaftlichen Ergebnisse ber vorjährigen Arktisfahrt mit „Gras Zeppelin". Sie wurde durch Dl. Eckener, dem Präsidenten ber Aero Arctik, eröffnet. Dr. Eckener betonte, daß der Vorteil des Luftschiffes, sowie des Flugzeuges darin bestehe, daß sonst unzugängliche Gebiete erforscht werden könnten. Er wies hin auf die Luftaufnah. men der weiten Sumpfstrecken in Sibirien, die eine große Bereicherung der geographischen Kenntnisse gebracht hätten Unter den Anwesenden bemerkte man u a Hauptman a D. Bruns, den Begrün- der und Generalsekretär der Aero Arctik und den Leningrader Professor Samojlowitsch.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.
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