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Nr. 125 Zweiter Blatt _______________Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)______________Dienstag, 51. Mai 1952

Aus der Provinzialhauptstadt.

(Sieben, den 31. Mai 1932.

Wählerliste einsehen!

DieWählerliftezurheffischenLand- tags wähl liegt im Stadthaus Bergstrabe. Zimmer Br 13. bis einlchsießlich nächsten Sonntag. 5. 3uni. 4 u jedermann» öin- s, cht in der Zeit von 7 30 biS 12 30 Ufrr und 14 30 bis 18 Uhr. nächsten Samstag nur von 7 30 bis 13 Uhr und am kommenden Sonntag non 9 bis 13 Uhr offen Zur Stimmabgabe am Wahltage lind nur diejenigen Personen berechtigt, deren Hamen in der Wählerliste enthalten sind Niemand versäume, sich davon zu überzeugen, dab er in der Wähler­liste verzeichnet steht. Diese Mahnung gilt r xmcntlid) für junge Wahlberechtigte, die Dieber noch nicht stimmberechtigt waren und bis zum Wahltage (19.3uni) das Wahlalter von 20 Jahren erreichen

Ab Mittwoch verbilligtes weisen.

Am Mittwoch, 1 Juni, treten die neuen Fahrpreisermäßigungen derReichs- bahn in Kraft. Mil Wirkung vom 1.3uni ab werden die bisher gültigen Sätze für Sch n c H - und GilzugSzuschl ä g e um die Hälfte her­abgesetzt. Die bisherige Rahzone bei Eilzügen (1 dis 35 Kilometer) fällt fort Zur die Benutzung von F D-Zugen (bisher einheitlicher Zuschlag 4 Mk ) treten zu den Schnellzugszuschlägen 2. und 1 Klasse hinzu für Entfernungen bis 300 .Kilo­meter 2 Mk. darüber 3 Mk., für die Benutzung von FFI)-3ügcn (bisher einheitlicher Zuschlag 8 Mk.) für Entfernungen bis 330 Kilometer 4 Mk. darüber b Mk

Eine besondere Verbilligung erfährt der S o m- merurlaubsverkehr Bis zum 15. Oktober werden die sog Sommerurlaubstarten mit 20- prozentiger Ermäßigung ausgegeben, deren Gel­tungsdauer zwei Monate beträgt. Um einem Mißbrauch vorzubeugen, muß die Hinreise am ersten Geltungstage angetreten werben, während die Ruckreise frühestens am 11 Geltungstag er­folgen darf, wobei auf der Rückfahrt dreimalige Fahrtunterbrechung gestattet ist. Bei Benutzung von Schnell- und Eilzügen ist der tarismäßige Zuschlag zu zahlen. Bereits zehn Tage vor dem ersten Geltungstag werden die Sommerurlaubs- karten an den Ausgabestellen zur Verfügung gestellt.

Die Preise für 3 c i 11 a r t en bei der Reichs­bahn erfahren dadurch eine Verbilligung, daß b.ic große Spanne, die zwischen den Zeitkarten­preisen für Personen- und Eilzüge und zwischen den Zeitkartenpreisen der 2. und 3. Klasse besteht, verringert wird

3n Zukunft hat die Monatskarte 3. Klaffe mit Eilzugsberechtigung denselben Preis, wie die Monatskarte für den Personen^ug in der 2. Klasse. Der 3nhaber einer Monatskarte für 2. Klaffe Personenzug darf also ohne weiteres einen Eilzug ,n der 3. Klasse aufgrund seiner Monatskarte benutzen, bzw barf V?r Besitzer einer Monats­karte für 3 Klasse in dem Personenzug in der 2. Klasse fahren.

Militär-<Hroß-Konzert in der BollShalle

Die Konzerte unserer Bataillonskapelle erfreuen sich, besonders in letzter Zeit, immer größerer Be­liebtheit. So konnte es nicht wundernehme,1 daß das Konzert am Sonntag/-bei dem noch die Mußt korps des III. und des Ausbildungs Bataillons mit hinzugezogen waren, eine recht zahlreiche und ebenso aufmerksame Zuhörerschaft in der BolkshaUe ver­einigte cheeresmusikinspizient Sy S d) m i b t «Berlin), per Leiter des Konzerts, hatte eine reichhaltige und geschmackvoll zusammengesetzte Bortragssolge ge­wählt, die in zwei Teilen sowohl Musik ernsteren Charakters als auch spezifisch militärische Musik ent hielt Die Präzision und der schneid in der Aussuh rung liehen keinen Wunsch offen und entfesselten wiederholt einen wahren Begeisterungssturm, na­mentlich in dem zweiten Teil, der in der Hauptsache Märsche brachte, die mit dem nur Militärkapellen eigenen Schwung und Schmiß musiziert wurden, daß man seine reine Freude daran hatte. Sechs Zugaben wurden gegeben, die den Dank der Kapellen für

Der Brand desGeorges philippar".

Die erste Originalaufnahme des brennenden französischen OstasiendampsersGeorges Philippar". Die meisten Paslagiere hatten rechtzeitig, bevor die Flammen die Kabinen erreichten, von den zur Hilfe geeilten Schiffen gerettet werden können. Dennoch betrug die Zahl der Opfer, die mit dem brennenden Wrack in den Fluten versanken, 52.

den herzlichen Beisall aussprachen. Daß sich unter diesen Zugaben auch der alte Parademarsch des Re­giments 116 befand, wird wohl in allen anwesenden ehemaligen llöcrn manche Erinnerungen geweckt Haden.

Der erste Teil der Bortragssolge begann mit der Hl)inne und dem Triumphmarich aus Berdis Oper Vida", bei dem eine besondere Trompetenart, die Bordi eigens für feine Oper konstruieren ließ, ver­wendet wird. BeethovensEgmont" Ouvertüre schloß sich an, ein Werk, das an die Leistung im Zusammen spiel erhebliche 'Anforderungen stellt Mit einer Fan- , taste aus C. d Alberts OperTiefland" und der VI. Ungarischen Rhapsodie von Liszt schloß der erste Teil. Der zweite Teil brachte außerWotans Ab- schied" aus WagnersWalküre" noch eine inter­essante Fantasie über vier deutsche Volkslieder von Sy Schmidt, im übrigen sonst Märsche. Unter diesen an erster Stelle von Landgraf Ludwig VIII. einen Hessischen Fahnenmarsch", bearbeitet von dem frühe ren Musikdirektor des Regiments 116, Karl K raufte, und einenPrösentiermarsch", von H Schmidt bearbeitet. Der Kürassier MarschGrofter Kurfürft" und zwei Heeresmärsche mit Heroldstrom peten und Kesselpauken schloßen sich an. Gerade die beiden letzten Märsche wurden so schwungvoll und mitreiftenb geboten, daß der Beisall kein Ende neh­men wollte. Zum Schluß marschierte noch der Spielnianuzug des Gießener Bataillons ein und be­teiligte sich mit viel Erfolg an der Wiedergabe des Großen Zapfenstreichs", als dessen letzte ')lummer das Deutschlandlied erklang, das vom Publikum stehend mitgesungen wurde.

Als der Beisall kein Ende nehmen wollte und nie- wand Miene machte, die Volkshalle zu verlassen, wurde derFriderieus Rex" noch einmal gegeben

Herrn Heeresmusikinfpizient Schmidt als dem Leiter des Konzerts gebührt in erster Linie der Dank der Zuhörer. Er nahm ihn aber auch für die Mit glieber der drei Musikkorps und deren erfreuliche Leistungen entgegenr.

Taten für Ticnetag, 31. Mai

1750: der preußische Staatsmann Karl August Freiherr von Hardenberg in Eßenroda geboren, 1773. der Dichter Ludwig Tieck in Berlin geboren; 1809: der Komponist Joseph Haydn in Wien ge starben; 1809: Ferdinand von --chill fällt bei der Verteidigung von Stralsund; 1817: der Dichter Georg Herwegh in Stuttgart geboren; 1857:. Pa pst Pius XI zu Desio. Provinz Mailand, geboren; 1916. deutsch-englische Seeschlacht vor dem Skagerrak.

* Hitzung des Provinzialausschus- ses Am Samstag, 4.3uni, 10J5 Uhr. findet im Sitzungssaal des Reglerungsgebäudes zu

----------,--------------- Gießen eine öfsentliche Sitzung de- Provinzial- | ausschuffes der Provinz Oberhefsen statt mit folgender Tagesordnung: Berufung des Heinrich L 0 h in Rodenbach gegen das Urteil des Kreis- ausschusses des Kreises Büdingen vom 14. April 1932 in Sachen Einwendungen gegen die am 6 März 1932 in Rodenbach stattgehabte Burger- mcisterwahl.

" Eine Schwei nez wischenzählung findet am 1. Juni statt Mit dieser Zahlung ist die Ermittlung der nicht beschlilipslichtigei) Hausjchlach tungen in der Zeit pom 1 März bis 31. Mai uer bunben. Die letztere Ermittlung soll dazu dienen, einen Ueb-rblick über den saisonmäßigen Verlaus der Gefannschlachtungen an Schweinen zu erhalten

Kranken fahr st ühle gesucht! Für die hessische Krüppelsursorge werden dringend einige Krankcnsahrstühle gebraucht. Gewiß stehen in man­cher Haushaltung und in Bodenräumen solche herum, die sicher edle Spender für den guten Zweck zur , Verfügung stellen werden Der Hessische Fürsorge­verein für Krüppel (Geschäftsstelle Orthopädische Uni­versitätsklinik, Freiligrathstraße 2) bittet um Ver­ständigung, sic wird für Abholung sorgen.

Oessentliche B ü ch e r h a 11 c. Im Mai wurden 141)0 Bände ausgeliehcn. Davon kamen auf. Erzählende Literatur 951, Literaturgeschichte 1, Zeit­schriften 38, Gedichte und Dramen 5, Zugendschriften 129. Länder und Völkerkunde 79, Kulturgeschichte 3, Geschichte und Biographien 114, Kunstgeschichte 3, 'Naturwissenschaft und Technologie 44, Haus- und Landwirtschaft 1, Religion und Philosophie 4

Der BundHaus und Schule" ver­anstaltete am Freitagabend im Iohannessaal einen Familienabend. Rach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden, Landgerichtsrat K n a u ß, hielt Pfarrer Ausfeld als Teilnehmer an den Festlichkeiten, die im 3uni 1930 anläßlich der 400jährigen Wiederkehr des Tages der Augs- burgischen Konfession in Augsburg stattfanden, einen Vortrag über das heutige Augsburg An Hand guter Lichtbilder schilderte der Redner'im besonderen die Festlichkeiten vom 3ahre 1930, zu denen Besucher aus allen Teilen der Erde ge­kommen waren, und zeigte den historischen Fest­zug. in welchem Bilder aus der Reformation, der Gegenreformation, aus dem Dreißigiährigen Kriege und der Mission dargestellt wurden. Die Feier war von musikalischen Darbietungen einer Abteilung der Reichswehrkapelle umrahmt. Land­gerichtsrat Knauf) sprach den Dank der Ver­sammlung aus.

Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings ip Ober-Hörgern (Kreis Gießen) und in Ebsdorf (Kreis Marburg) fcftgcftdlt I worden.

100. Geburtstag eines Pioniers der Landwirtschaft-

Einweihung einer btehrnttafrl für Professor Tr. Avolf ttrociner.

WSR Darmstadt, 29 Ma, Heute .mittag sand auf Einladung der Gesellschaft für Ge­schichte und Literatur in der Landwirtschaft im Verwaltungsgebäude der Hessischen Land­wirtschaftskammer eme schlichte Feier an­läßlich des lOOGeburtstages von Prof Dr A d 0 l f K r a e m e r. des verstorbenen ver­dienstvollen Forschers. Praktikers und Wissen­schaftlers der deutschen und schweizerischen Land­wirtschaft, statt.

Der Präsident der Hessischen LandwiN'chafts. kammer. Oekonomierat Hensel- Dortelweil, be­grüßte die Festversammlung und gedachte be­sonder- der Verdienste Kraemers für Helfen, dessen Energie und Tatkraft der zweckentsprechende Aufbau der hessischen Viehzucht, die Förderung und Verbesserung des Meliorations» und Feld­bereinigungswesens. die Schaffung landwirtschaft­licher ©tbulen und Bildungsanstalten, die gesamte Förderung der Acker- und Bodenkultur usw. zu verdanken ist. , , ,

Pros Dr. Seed 0 rs aus Göttingen hob seitens der Gesellschaft für Geschichte und Literatur in der Landwirtschaft die hervorragenden Verdienste Kraemers für die deutsche und die schweizerische Landwirtschaft hervor und schilderte den Werde­gang Kraemers. seine überragende Persönlichkeit und seine Leistungen al- Dozent, Forscher. Prak­tiker und Wiffenfchaftler.

Ministerialdirektor Pros Dr. R ö ß 1 e r als Ver­treter der Hessischen Regierung und de« Vorstan­des der landwirtschaftlichen DerfuchsstationDarm- stadt kennzeichnete anhand der Geschichte der "Ver­suchsstation Kraemers Verdienste für die Grün­dung der Versuchsstation. Kraemer war der geistige Urheber der Landwirtschaftlichen Ver­suchsstation und vor seinem Weggang nach Zürich Vorsitzender des Direktoriums derselben.

3m "Hamen des Rektors der Landesuniversität. sowie des Landwirtschaftlichen Instituts Gießen brachte Pros. Dr. S e s s 0 u s - Gießen den Dank der Landesuniversität für die Förderung zum Ausdruck, die Kraemer in feiner.hessischen Tätig­keit ihr hatte angedeihen lassen, und brachte zur Kenntnis, daß der Sohn. Universitäts-Professor Dr H Kraemer. die wertvolle Bücherei Adolf Kraemer« dem Landwirtschaftlichen Institut und damit dem Lande Hessen übergeben werde

3 in Aus trage der Eidgenössischen Technischen Hochschule Thüringen und der getarnten schweizer Landwirtschaft überbrachte Prof. Dr M a u r - Zürich herzliche Grüße aus der Schweiz und gab ein Bild ton dem Schaffen und Wirken Kraemer« im Schweizerland, der jedoch mit seinem Herzen stets in Deutschland geblieben sei

3m Rainen der Familie Kraemer dankte Dr. Hermann Kraemer. Professor für Tierzucht am Landwirtschaftlichen Institut Gießen für die außerordentliche Ehrung, die seinem Vater durch die Errichtung der Gedenktafel und die heutige Feier zuteil geworden ist.

Ramens des Landwirtschaftlichen Vereins Ber­leburg. der mit Rücksicht auf die Entfernung einen Vertreter nicht gesandt hatte, legte General­direktor Dr Hamann- Darmstadt einen Lor- bccrkranz als Zeichen der Dankbarkeit der west­fälischen Heimat Kraemers an der Gedenktafel nieder.

Am Schluß der eindrucksvollen Feier gab Prä­sident Hensel die Zusicherung, daß die Land- wirtschaftskammer die Gedenktafel in gute Obhut übernehmen und den kommenden Geschlechtern den Rainen Adolf Kraemer und seine unvergänglichen Werke stets in Erinnerung halten werde

3,4 Mill. Defizit in Darmstadt.

Darmstadt, 30. Mai. (WSR.) Der den Stadt röten joeben zugegangenc stadtifcheEtat schließt mit einem ungedeckten Fehlbetrag non 3,1 M ((Honen ab bei einer Etatssumme von 29,9 Mill. (i. V. 33,1 Mill.) RM Der Aus gleich soll durch Entnahmen aus dem Ver­mögen herbeigeführt werden, das mit rund vier

Römischer Kliegerhimmet.

Von Dr. Gustav W Cfrberkni.

Rom. Ende Mai.

Jubelnder römischer Lchwalbenhimmel! Wie ihn Iahen leit Jahrtausenden deine Türme und Mauern, deine Herren und Gäste; schwirrende Sinfonie m Blau, tönende Sphäre des ewig Rastlosen und unbekümmert Stetigen, sieghafter Lang über Werden und Vergehen, du herrlichste« Leitmotiv de« Sommers über dem Kontrapunkt bc« städtischen Lebens, was ist aus dir geworden? Ersulltest du nicht die wander- und wechsel- verständige Seele eine« Goethe?

Aber freilich, seither ist die Zeit weiter­gegangen und der Fortschritt gelaufen, und da jeder Fortschritt notwendigerweise em ed)ntt fort von Goethe sein muß. so ging es zuerst mit Hiebenmeilenstiefeln und dann mit Sechs- zvlindern und dann mit rasenden Propellern, bis etwas anderes aus deiner blauen, hallenden Glocke wurde

Donnernder römischer Fsiegerhimmel

Es ist. als ob das Getöse-der Straßen dort oben lein Echo finde und man muß zufrieden fein,baft sich nicht auch der Wirrwarr des Verkehr« mit seiner unvorstellbaren Rücksichts­losigkeit der Autobusse und der grotesken Zucht- tätigten der Radfahrer am Himmel spiegelt 3m heiteren Blau wird eine entsprechend klare, ge­regelte und disziplinierte, wenn auch dröhnende Sprache gesprochen, selten fällt etwa« herunter, bie Schwalben könnten sich ein Beispiel daran nehmen (Ucbrigen« bringt das. nach römischem Glauben. Glück und junge Mädchen lächeln daher die Sache auf dem neuen Sommerkleid em- fach weg >

(Jin Leuchtturm mitten im gifchtenden Wogen. st«-ht die alte Säule auf der Piazza Colonna. Aicr ist das Herz von Rom und wer eine Photographie davon kauft, der meint verblüfft, c« sei stehengeblieben Da sieht man noch einen unter der Sonnenglut ausgestorbenen Platz mit Gaskandelabern, zum Einschlafen denn die römischen privilegierten Photographen haben e« nicht für nötig gehalten, im Strom der Zeit mitzufchwimmen In Wirklichkeit branden um den Sockel der Säule in den man früher hmein-

flüchten konnte, die Automobile und um die Gloriole des heiligen Paulus und um fein blanke« Schwert schwirren die Flugzeuge mit ihrem kaum mehr lyrischen Tirili. Dazwischen nicht« als Kamps und Schlacht und Tod und Heldentum Das schraubt sich als wildbewegtes Filmband hinaus, das raffelt herab als flugakrobatifcher Pfropfenzieher, und kein Cicerone fände eine Sekunde Zeit, um zu behaupten, daß das Relief gegen die Markomannen gedacht ist und eigentlich Marc Aurel an der Stelle von Paulus stand Was kümmern uns solche Haarspaltereien, es genügt uns zu wissen, zu sehen und zu hören, daß heute wie gestern nichts ist als Kampf und Schlacht und Tod und Heldentum.

Rur die Kampf hätten sind erweitert worden, man stürmt jetzt über den Alpenwall wie «über den Limes und aus dem Rheinübergang wurde ein Ozeanflug An der Stelle Marc Aurels steht Mussolini und Krieger aller Rationen ziehen an ihm vorbei

Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. In dieser Woche zertrümmern noch zehnmal mehr Pro­peller die Lust über der Stadt und schlagen das Blau in Trümmer. Der Duce hat alle Ozean­flieger nach Rom gerufen und der ..Radio-Äuto- Avio-Raduno' rafft alles zusammen, was Räder und Flügel hat um den geballten Fortschritt der Zeit über Rom an» Meer zu lenken wo der dynamische Mann unserer Zeit die Parade ab­nimmt. Alles nach Rom zum Oiorno dcllala. Tag der Flügel und Motoren' Alle Wände schreien c«. über die Straßen wird der Rus ge­spannt. über Berge und Meere strömt es herein aus die Halbinsel, und die Schwalben wzl'en nicht mehr aus und ein. Geheimnisvoll wie ein unbekanntes Flugzeug in dunkler Rächt dröhnt dieses Wort Radio Auto Aviv Raduno Um es mit luftgekühlter Sachlichkeit zu erklären

Raduno heißt soviel wie Versammlung oder Treffen. Das Treffen findet m Rom statt, und wer daran teilnehmen will, braucht sich nur in sein Auto ober Flugzeug zu setzen, gleichviel, wo er sich gerade befindet Das Ucbrige wird durch Radio besorgt, das heißt, durch Funkfpruch erfährt jeder, welche Straße er zu fahren hat und in welcher Zeit In zwei Tagen muffen 800 Kilometer zurückgelegt werden, in einer I Stunde soundfoviel, je nach Kategorie, jede Mi­

nute zu frühen oder zu späten Eintreffens wird bestraft Die unsichtbaren Wellen^ die jeder nach Belieben mit einem Kofferempfänger ober einer am Wagenaufbau angebrachten Antenne auf­fangen kann, lenken bas ganze Heer der Straßen und Lüfte an den Strand von Ostia, der jetzt der römische Lido heißt, und vorbei am Duce Wer möchte da nicht mitmachen?

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen jedoch heuer dieTran-^tlantia1" oderTransoceanici, die ruhmbedeckten Ozeanflieger aller Rationen. Wie sie Mussolinis Flugminister. Italo Balbo. im Popolo d'Italia' begrüßt das ist kein Leit­artikel mehr, das ist das Epos der modernen Argonauten Fast alle haben im Ksiege mit- gekämpst. aber niemand fragt, unter welcher Flagge, und wenn Gegner sich treffen, so ziehen sie um so ritterlicher den Hut

Kampfadler über Rom' Kreise ziehend, er» scheiyen sie über dem Meeresufer wie über der Peterskuppel um bann in der Tibermündung oder am Liktorienflugplatz niederzugehen Ge­schwader stürzen ihnen entgegen, begleiten fie über die dreizehn Hügel Immer sieht man die germanische Kcilform über Pinien. Die Ohren klingen uns. des Dröhnens ist kein Ende mehr.

Im funtelncuen riesigen Luftwehrmlnisterium versammelt Balbo die Preffeleute Er nennt sie alle, die da die Meere überwunden haben, kennt ihre Geschichte Da ist der große Richardson, da der unverwüstliche Gronau, da Endres, dessen ..Gerechtigkeit für Ungarn, so sagt er wörtlich. Ehre und Ruhm für fein ritterliches Vaterland zurückfordern' Tags darauf auf dem Liktorienflugplatz Strahlende Sonne. Blau der Ewigkeit, und wie em fremder Stern erscheint das Flugzeug des Ungarn am römischen Himmel und schießt brennend zur Erde Flaggen «ruf Halbmast. Mussolini läßt ein Bankett adfagen. aber nun ist es in aller Munde, das truhige Wort Gerechtigkeit für Ungarn Das wurde der Sinn des Opfers auf fremder Erde

Dtp Sonne zieht ihre Bahn, und die Adler muffen mit ihr aufsteigen, fo lange fie leben. Stippvisite bei Muffolini. über der Pinienoafe der Villa Torlonia Er steht zwilchen jonischen Säulen und schaut in die ticfflicgcnöcn Schwärme. Er steht aut fron Kapitol, um die fremden P'lotcn nach ihrem blumenüberfchütietcn Triumph­

zug durch den Korso vor der Statue Eäsar« zu begrüßen Er lädt sie abends zu Tisch, ins größte Hotel. Ern Bankett Mussolinis, da« ist ein seltenes Ereignis, man weiß die Ehre zu schätzen Er sitzt Dalbo gegenüber, zwischen den Botschaftern von Deutschland und England. Frankreich und Amerika Wie er nach Rom gekommen sei. geht die Frage an den biederen Schwaben Köhl, mit einem Doppeldecker? Rein, höre ich ihn schwäbeln, mit einem ganz kleinen Wägelchen Der Duce lächelt und hangt ihm einen ganz großen Orden um.

Am Fronleichnamsmorgen verdunkeln Adler- schwärme die Sonne Da« fängt an wie Stra­winskys ..Zeuervogel". wälzt sich dumpf und schwer heran wie Vulkanstöße und Berggewitter steigt plötzlich als donnernde Steilbrandung an felsiger Küste hoch und zerkracht wie Walhalls berstende Burg, in Stücke stößt sich der Himmel Eisgang der Lüfte, bis unangreifbar klar das Leitmotiv durchschmettert. Ja. das ist Sieg­frieds Horn! Und schon zischt Hagens Speer

Rom wird bombardiert. In der großen Tiber- schleife, dort, wo Ungarns Stern zerflammle hat man Häuser errichtet. Fabrikanlagen, ein Schiff aufgebaut Was sind die Fortschritte der Zeit anderes als Ziele unterer Bomben? Jetzt sollen die Adler zeigen, was fie können. Jetzt haben die Militärflieger da« Wort Und wiffen cs zu gebrauchen in dieser Uebermaterialfchlacht der Lüfte. Qualm und Schlag, künstliche Rau4° wölken droben, echte unten Am Kolosseum wie an der Peterskuppel bricht sich da« Gctöle. Die Vernichtung rast Die umgetauftenDo X wuchten wie Dreadnoughts durch Torpedo­gewimmel. Das Malchinengewehrgeknatter ist nur ein sinder Fruhlingsrcgen gegen den Hagel der modernen Dordgefchütze Aber was wollen hier Vergleiche was kümmerliche Menlchenwortc lagen1 Und das Volk, mit Sonderzugen her­gebracht. füllt offenen Mundes und beklommenen Herzens die Arena, in der es blühen und summen würde vor Sommerluft, Wenn nicht Gaswolken alles einhullen würden daß es wieder ist wie vor der Schöpfung. Ist deyn kein Gott mehr, der schiede Wafser und Land?

Schwalben vielleicht Werden morgen Wieder Schwalben jubeln durchs Blau.