Ausgabe 
30.11.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

em

Mittwoch, 50. November 1952

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 282 Zweites Blatt

Jugend und Hochschule

instolfe

SN ein.

uu

k Gießen

Seltersw^ w

sie leicht auch im

jstenlos die einzig-

ssistentin

öflidist!

*V

)toucht, um kosten- Lernen Sie von der jchönheitspflege an

s> teils Wer, erhört Meter

Sende lusen n)... lungi

/ Gießen

8406A

und ruckte Hahns Schädel hin und her. Die Drille verrutschte dabei etwas.Hee, noch »in Loch fester."Donnerwetter!" knurrte Hahn. Doch ein­mal zerrte der Corpsdiener, bis er den Leder­riemen noch ein Loch fester geschnallt hatte. Dun zog Hahn mit aller Kraft an der Brille: sie sah wie angeschmiedet.Gott sei Dank!" brummelte er,das ist das Llebelste bei der ganzen Sache." Auf die Mensur!"Fertig!"QoSP

Richards Herz schlug zum Zerspringen. Er wagte kaum zu atmen und verkrampfte die Fäuste. Aber nichts geschah. Die beiden wedelten jeder einmal mit seinem Speer, so daß die Stahlklingen sich mit leichtem Ton in der Luft trafen. Dann gingen sie sofort wieder in die alte Auslage zu­rück. Wieder ertönte das Kommando, und kaum war dasLos!" erklungen, so fegten büßend und pfeifend die Schläger in wildem Wirbel durch die Luft. Doch ehe Richard auch nur etwas erfassen konnte, tönte ein doppeltesHalt!", und aus tief gebückter Haltung sprangen die beiden Sekundan­ten, durch gepolsterte Schirmmützen mit weit vor- spingentem Drahtgitter geschützt, einbandagiert in riesige Fechthandschuhe. dazwischen. Wieder das schmetternde Kommando, Arm und Speer der Se­kundanten sanken nach unten, wieder der rasselnde Wirbel der Schlägerhiebe.

Richard flimmerte es vor den Augen. Er konnte keine Einzelheiten begreifen, als mm, meh­rere Minuten hintereinander mitLos!" und Halt!" die Mensur ihren Fortgang nahm.

Wie er nun jetzt wieder dicht neben dem Schwer­atmenden stand, da weiteten sich in jähem Er­schrecken keine Augen. Blut! Don der rechten Schläfe Hahns sickerter aus dem Haar in stoei dünnen Rinnen ein Dlutstrom. lind wie Richard der Dlutbahn verstört aufwärts folgte, wo das Haar verklebt und dunkel den rinnenden Dach ver­riet, da sah er eine kurze, aber tief flaffende Wunde. Aber niemand kümmerte sich darum, der Sekundant kommandierte schon wiederAuf die Mensur!", und et muhte zurückspringen.

kanäle zu bauen und überhaupt eine große Drainagearbeit durchzuführen. Man muß es sich einmal in die Wirklichkeit umgesetzt denken, was es heißt, 56 000 Meter Gräben zu ziehen, wie das bei Frankfurt an der Oder durch ein Arbeitslager des Jungdeutschen Ordens erledigt wird. Wieviele Tagewerke können da die Arbeitsdienstnehmer er­ledigen, für wielange Zeit sind sie wenigstens der größten Sorgen, der um Brot und Quartier, los und ledig!

Besser noch sind die jungen Burschen daran, die im Eberswalder Forst ihre Arbeit verrichten. Drei Gruppen sind da am Werke, eine pflanzt junge Kiefernsämlinge an, forstet also ein^ Gebiet auf, das in den Vorjahren durch einen Schädling ver­nichtet wurde, eine andere sorgt durch rechtzeitiges Ausgrasen für das Gedeihen der Baumsprößlinge. Die interessanteste Tätigkeit hat jedoch die dritte Gruppe, sie führt ein Experiment durch, das leider erst in vielen Jahrzehnten, in achtzig oder hundert Jahren, sich als wirkungsvoll erweisen wird. Un­summen werden für Oualitätshölzer nach dem Aus­lande gegeben. Es ist daher notwendig, daß ein Verfahren wie das von der Oberförsterei Ebers­walde einmal durchprobiert wurde: etwa zwanzig Jahre alte Kiefern werden sorgsam von allen über­flüssigen und zum Absterben gelangenden Aesten befreit, so daß keine Aststelle entsteht. Bei plan­mäßigem Vorgehen kann also erreicht werden, daß das Holz später einmal völlig astfrei ist und daher einen ungleich höheren Wert bekommt.

Llnsere Lugend ist gut!

Eindrücke von einer Besuchsfahrt zum Freiwilligen Arbeitsdienst.

Aus die Mensur! Fertig! Los!

Son Gurt Thomalla

Aus dem im Derlag von Quelle & Meyer in Leipzig erschienenen RomanDer Zweibänder mann" von Curt Tho­malla, der das Leben eines Studenten in der Dachkriegszeit gestaltet und gleich­zeitig hie Werte des studentischen Derbin- dungswesens aufzeigt, veröffentlichen wir im folgenden die spannende Schilderung einer Mensur. (Preis in Lbd. 3,80 Mk.j. Mensurtag! Hahn und die beiden ältesten Füchse, die schon seit dem vorigen Semester da waren, sollten zum ersten Male seit dem Kriege die Waf­fen Baltias wiedet in Ehren blitzen lassen. Hauck und der jüngere Kungsperg, die beide schon Men­suren gesehen hatten, gingen mit Richard in das Innere der Stadt, wo in einem alten Gasthaus zw i e.i Ra iges in einem rückwärts gelegenen Saal die Parteien ausgepaukt wurden.

3m Saal begrüßten sie mit der vorgeschriebenen Derbeugung ihre Corpsbrüder, die zum Teil schon versammelt waren. 3enseits in der anderen Ecke saßen die Crmbern in hellblauer Couleur, an der langen Seite die Arminen, knallrote Mützen auf dem Kops. Lleberall herrschte geschäftiges Leben. Die drei Corpsdiener holten aus mächtigen Kisten Bandagen, Sekundantenschurze und Waffen her­vor. An drei Stellen brodelte Wasser in Sterili­sierkästen über Spiritusflammen, und drei junge Acrzte, auch Corpsstudenten mit der Mühe auf dem Kopf, wuschen und bürsteten sich Hände und Unterarme.

Richard graute es, als die Dandagen aus der Kiste geholt wurden. Ein penetranter Blutgeruch stieg von den dunkelrot verfärbten, mit rissigen Krusten' bedeckten Lederstücken und Seidenbinden auf. Generationen lang war hier Daltenblut über

Dor mehr als Jahresfrist setzte bereits die Ver­wirklichung des Gedankens des freiwilligen Arbeitsdienstes in Deutschland ein. Aber was wurde im Jahre 1931 geschaffen? Es blieb bei Ansätzen und Anfängen, durchgeführt meist von den Wehroerbänden und einigen Bünden: es lag unter der damaligen Gesetzgebung nicht in ihrer Macht, das Werk m nennenswertem Maße zu för­dern.

Inzwischen stieg die Not weiter, die Zahl der Ar­beitslosen wuchs, das Bild der Straße in den Städten wurde dadurch immer unerfreulicher. Denn es konnte nicht ausbleiben, daß sich die Erwerbs­losen in Gruppen einteilten, die sich stark nach ihrer politischen Einstellung betätigen, und die Terrorakte wuchsen in die Unzahl. Jedem Einsichtigen war es klar, daß die Verhetzung der Jugend daran ein er- hebliches Maß Schuld trug.

Aber der Mensch neigt zur Verallgemeinerung. Und plötzlich hieß es fast überall gleichmäßig, diese Jugend sei unbrauchbar, schlecht erzogen, mit den übelsten Fehlern behaftet Trübe Prognosen wur­den für die Zukunft gestellt, in der diese Leute ein­mal die Männer und Frauen sein werden, die Deutschlands Kampf um seine Weltgeltung nach uns weiterzutragen hätten.

Jahre würde die gründliche Bildung des gutbegabten Mittelschlages beeinträchtigen. Dom Standpunkt der künftigen Tätigkeit in Industrie und Handel ist nicht etiva für eine der verschiedenen Schulformen ein .Dorrang zu beanspruchen. Die beftehenben w e f e n 11 i d) e n Schulformen haben jede für sich ihre selbständige Berechtigung. Diese Schulformen ge­nügen aber auch den Bedürfnissen des Lebens. Die unleidliche Buntscheckigkeil, die sich namentlich infolge der verschiedenartigen Verteilung des fremdsprach­lichen Unterrichts ergeben hat, ist abzustellen. Die Wichtigkeit des Englischen für Wirtschaft und Technik, aber auch des Französischen für die Einführung in die romanische Geisteswelt und zur Schulung des Denkens wird betont. Daneben muß an einer ausreichenden Zahl nach der örtlichen Lage und den wirtschaftlichen Beziehungen geeigneter Lehranstalten den Schülern Gelegenheit zum Er­lernen auch anderer für die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen Deutschlands gegeben wer­den. Wir müssen den Weg zu einer gesunden Schul­entwicklung wiederfinden.

Aus dem Planen um den Gedanken des frei­willigen Arbeitsdienstes wurde inzwischen ein Ge­stalten. Endlich kam die Gesetzgebung mit ihrem schweren Rüstzeug herbei: der Arbeitsdienst sollte eine volkswirtschaftlich tragbare, oolkserz.ie- herisch bedeutu n g s volle Aufgabe er­füllen. Und die besten Männer sind gerade gut ge­nug, um bei der Verwirklichung der Idee zu hel­fen. Weiter: es müssen unter allen Umständen die Mittel zur Verfügung gestellt werden, um wenig­stens einen ansehnlichen Teil des Projektes zu ver­wirklichen. Wer sich zum Träger des Arbeitsdien­stes eignet, der soll auch die Freiwilligen herbei­holen die politischen Parteien mit ihren Jugend- gruppen, die Wehrverbände. Die Jugendorganisatio­nen, sie alle könnten hierbei nützlich sein.

Paris als Stadt ist als sehr international bekannt, so ist cs nicht zu verwundern, daß auch im Stu­dentenviertel alle Nationalitäten vertreten sind. Ader alle diese Fremden fügen sich in das Lebensgesetz des Quartier latin. Woraus dieses Gesetz besteht, ist schwer zu sagen. In ihm ist Arbeit, ja Streber­tum, intellektueller Snobismus, Kameradschaft, Freundschaft alles das ist in ihm enthalten Das unter den Duitoyens dtudianls ist allgemeiner Brauch. In dieses Leben muß sich der deutsche Stu­dent einleben; tut er es, so öffnet sich ihm eine Welt neuer Eindrücke und Erfahrungen.

Heute haben fast nur die Ausländer den Vorzug dieser libertd ögalite fraternitd. Die Auslese der fron- zösischen Studenten lebt in Schulen und Internaten und kommt kaum mit dem allgemeinen Studenten­leben in Berührung. Selbst die französischen Stu- deuten, die nicht in Schulen leben, sind in das neue französische Studiensystem gepreßt, das sie von einem Examen ins andere |agl und aus dem Studium eine Art Schulzeit macht. Freie Arbeit ist für diese Leute kaum möglich. Aber wer in Frankreich kein Examen macht, ist an dieses System nicht gebunden, und dem stehen die Schönheiten von Paris und Frankreich offen.

Es beschränkt sich heute kein Student mehr allem auf das Quartier latin. Es soll der Hauptzweck eines Aufenthalts in Frankreich fein, dieses Land und seine Bewohner kennen und begreifen zu lernen. Frank- reich ist nun malder Andere" neben uns in Europa, die kurze Zeit eines Studienaufenthaltes muß man ausnutzen, um in die Seele unseres wichtigsten Nach­bars einzudrinaen. Wer als bewußt deutscher Mensch sich mit dem Leben dieses eigenartigen Volkes be­schäftigt, an den Sorgen der einzelnen, soweit wie möglich, teilnimmt und, falls er Zugang zu Familien oder Salons hot, diese besucht, der wird vieles von den Beziehungen zwischen Deutschland und Frank­reich begreifen und verstehen lernen.

Und sie alle halfen. Ein paar hundert Mann im Arbeitsdienst das war 1931; ü-b e r zwei­hunderttausend Mann das ist die Zahl von heute. Wieviel Arbeitsläger gibt es? Die sind gar nicht mehr zu zählen, hunderte, tausende? Und womit sind die jungen Leute beschäftigt?

Jede Aufgabe wird erfüllt, wenn sie nur volks­wirtschaftlichen Wert hat. Am nützlichsten wird sich zweifellos die Hilfe in der Urproduktion erweisen. Sn sind Meliorationsarbeiten besonders wertvoll; und daher findet man viele Lager, in Lenen die jungen Männer aus allen Berufsschichten mit Hacke und Spaten dabei sind, saure Wiesen zu fruchtbarem Weideland zu machen, verschmutzte Gräben auszuräumen und zu vertiefen, Vorflut-

Der Paukarzt bahnte sich seinen Weg durch die dichten Reihen der Zuschauer, seine desinfizierten Arme mit einem Sublimattupfer hoch erhoben. Dazwischen schallte die Stimme des Unparteiischen: Silentium! Ein Blutiger auf feiten Baltias"' Richard beugte sich vor, um zu sehen, was der Paukarzt für ein Gesicht machen w?rde. Der sah aber kaum hin. fuhr oberflächlich mit dem Watte­bausch über den Schmiß, legte dann den Sublimat­tupfer auf die Wunnde und brü^" ihn etwas aus. Als er den Tupfer w e'ec fortnahm, stand die Blutung beinahe. Der frische, laubrre Schmiß sah gar nicht so gefährlich aus. Die Sekundanten nahmen ihre Stellung wieder ein, der Unpartei­ische machte auf seiner Tafel unter Baltias Zirkel einen Strich, Hahn straffte sich, packte den Speer fester und ging in Auslage.

Diesmal aber gab s Aufregung nach dem Gang. Drüben bei den Arminen saß eine mächtige Haken­quart. Aus der Schläfe des Gegners spritzte in feinem Strahl pulsierend wohl drei Meter toeit wie ein horizontaler Springbrunnen ein Blut­strahl. Mit mächtigem Sah kam der Paukarzt der Arminen und preßte einen Wattebausch he tig ge­gen die Wunde. Zum Sekundanten machte er eine kurze Bemerkung. Der ging zu den Corpsburschen der Arminen, die beratend die Kopse zusammen­steckten.

Hahn hatte sich gesetzt, und der Corpsdiener riß ihm die Paukbrille ab.Was ist denn los?" fragte Hahn. Schmunzelnd meinte der vielerfah­rene Corpsdiener:Das ist Abfuhr, Herr Dok­tor, das sieht man doch. Temporalis'" Hahn kni«f die Augen, um die sich durch den Druck der Brille dunkelrote Striemen gebildet hatten, zu und lächelte vergnügt vor sich hin. Jetzt trat drüben der Sekundant zum Unparteiischen.Herr Un­parteiischer, wir erklären di« Abfuhr."Silentium, Arminia erklärt die Abfuhr nach viereinhalb Mi­nuten. Silentium! Mensur ex!"

AIS deutscher Student in Paris.

Äon rand. med. Georg Heh, Gießen.

Heule wie vor 700 Jahrey ist das Quartier latin die eigentliche Heimat der Pariser Studenten Die Romantik früherer Tage ist allerdings un Schwin- den, ober auch heute ist das Leben auf und um den Boulevard St. Michel, in der Studentensprache le Boul-Mich genannt, voller Eigenart. Die Atmosphäre dort ist etwa die einer kleinen deutschen Universi­tätsstadt. Es ist ein glücklicher Zufall, daß viele Institute und die Fakultäten un Quartier liegen, so spielt sich alles studentische Leben eben in diesem einen Viertel ab. Die Tradition der alten mittel­alterlichen Sorbonne lebt in der heutigen Universitd fort, die als geschlossene Hochschule erst feit 1896 mieser besteht. Heute noch geben die Gebäude der alten königlichen Sorbonne und die uorreoolutio nären Trachten der Professoren und Studenten dem akademischen Viertel feine geschichtliche Luft Der , Wahlsvruch der französischen Republik lautet: libertd dgalite fraternite. Dieses Ideal, das im politischen Leben nicht ganz seiner Bedeutung entsprechend zur Durchführung gekommen ist. kommt in dem Leben der akademischen Bürger seiner Verwirklichung näher. In der akademischen Republik sind alle 'Bür­ger gleich. Auf diesem Boden der ererbten Halits Öffnet sich der Weg von Freund zu Freund Im Unterschied zu den deutschen, amerikanischen oder englischen Universitäten fehlen hier studentische ©nip­pen, 'Vereine oder Verbindungen, abgesehen von einigen ganz unbedeutenden politischen Klubs. Disziplin liegt dem Franzosen nicht. Jeder muß sich seinen Kameraden selbständig suchen. Ist dieser ge­funden, so öffnet sich, nicht der Zugang zu einer größeren Gruppe, er kennt eben nur den einen. Auf diesem schlichten Boden der Kameradschaft hat schon manche wahre Freundschaft ihren Anfang gefunden.

arenbianwe w b^engai

Steil)«1-

! mit E

iWibeobi

i Spit9cl- 3

L. 1 KoininM.. Schrei

=k**'i**S

diese Mensurausrüstungen geflossen, war einge­trocknet und eingesogen.

Hahn trug eine weiße Tennishofe und ein Sport­hemd ohne Kragen und Manschetten. Run legte ihm der Corpsdiener den mächtigen, panzerähn- lichen Schurz um, der von den Schultern bis zu den Knien reichte. Ein Armstulp schützte den rech­ten Arm. Das Handgelenk wurde in vielfache Lagen einer schwarzen Seidenbinde eingepackt. Eine dicke, aber erstaunlich geschmeidige Bandage wurde in mehrfachen Lagen um den Hals ge­wickelt. Zunächst hatte Richard es nicht für mög­lich gehalten, daß die Panzerung um den Hals von Hahn Platz finden würde. Run ragte aber dessen Kopf krampfhaft senkrecht gehalten unver­rückbar hoch in die Luft, so daß sein Gesicht säst in einem kleinen Winkel hintenüber geneigt war.

Bisher hatte Hahn, doch ein wenig aufgeregt, denn er hatte einen sehr schweren Gegner zu be- stehen, kein Wort geäußert. Jetzt begann er aber doch ein heftiges Fluchen, als der Corpsdiener ihm die Pau^rille anpassen wollte. Zwei oder drei von diesen Ungetümen lehnte er ab, da sie drückten. Endlich paßte ihm eine. Richard, der das Gestell halten mußte, staunte über die Schwere dieses starken Eisenapparates. Dor den mit feinem Draht vergitterten Augenfenstern wölbten sich große schützende Eisenringe. Die 3nnenseite war mit einem Stückchen schmalen Gummischlauchs ge­polstert. Lieber der Rasenwurzel wurde noch ein wenig Watte untergeschoben. Hahn holte noch ein­mal tief Atem und der Corpsdiener ermahnte mit­leidig:Jetzt zieh ich zu, Herr Doktor!" Richard traute seinen Augen nicht. Der Corpsdiener stemmte sich mit der einen Hand gegen Hahns Hinterkopf und zerrte mit der anderen die Leder­riemen der Paukbrilke zusammen, als gelte es, einen eisernen Schraubstock zuzuziehen. Hahn ver­zog das Gesicht und knirschte mit den Zähnen. Fertig?" Der Corpsdiener.stellte sich vor ihn hin. griff mit beiden Händen nach der Pcmkbrille

obersten Stellen dem begabten Volksschüle.r die Möglichkeit eröffnet werden, bei besonderer Bewäh­rung ebenso wie Mittelschüler in den mittleren, auch den gehobenen mittleren Dienst aufzusteigen.

Aus diesen allgemeinen Grundsätzen werden Leit­sätze zu den einzelnen Schularten abgeleitet. Für die Volksschule wird gefordert, die Grundfächer stärker in den Vordergrund zu rücken. Auch in der modernen Arbeitsschule muß die Erzielung von Leistungen zum Zwecke der Kräfteschulung und die Gewöhnung zu peinlich gewissenhaf- ter Arbeit Aufgabe fein. Die achtjährige Volks­schule mit vierjähriger Oberstufe ist als ausreichend, allgemeine Einführung als notwendig zu be- zeichnen. Die allgemeine Verkürzung der Grund­schule aus drei Jahre ist abzulehnen, ebenso aber eine Verlängerung der Volksschulpflicht.

Für die höheren Schulen ist eine möglichst früh ein setzen de Auslese durch Sieben bei der Aufnahme und unnachsichtiges Anwenden der Ver­setzungsbestimmungen notwendig. Die neunjährige Dauer Hal sich bewährt. Eine Verkürzung auf acht

Junge Leute führen derartige Arbeiten durch, von achtzehn bis zu fünfundzwanzig Jahren findet man jegliche Altersstufe. Man könnte erwarten, daß sie mit müden und stumpfen Gesichtern ihre Arbeit verrichten, die ihnen gleichgültig und bedeutungslos erscheint, weil es eben nicht ihre Arbeit ist, nicht jenes Werk, das sie einstmals gelernt haben. Die Handwerker was sagt ihnen schon das Entsäuern von Wiesen, die Trockenlegung von moorigem Bruchland. Die Kaufleute wie fremd muß ihnen Hacke und Schippe erscheinen, da sie doch nur an Zahlen und Bücher gewöhnt sind? Die Fabrik­arbeiter wie können, sie ermessen, was für große Bedeutung mit ihrem Tun verbunden ist, da sie doch Immer nur ein winziges Glied am lausenden Bande waren?

Und es ist das Ueberrafchende und wohl auch Ueberwältigende, daß man keine stumpfen Gesichter dabei'findet. Spricht man mit den jungen Leuten, so wird wohl nach " Männerart ge- sch'mpft, aber dabei verrät ihr Vertrautsein mit ihren Aufgaben doch das Interesse, das die jungen Leute an ihrer Arbeit nehmen. Sie denken sich etwas dabei, wenn sie einen Graben ausräumen, wenn sie Kanäle buddeln, wenn sie mit der Rode­hacke in der Waldschonung tätig sind, wenn sie auf schwankender Leiter Ast um Äst von den Kiefern mit einem Messer wegsäbeln. Sie wissen, daß sie

ie Ji «ÄS

h

raffen-' y,

jie I^Ö-

fl. W^'. DTO^0

Schule und Wirtschaft.

Wnn'che des Industrie- und Handelstages.

Der Deutsche Industrie - undHandels- tag hat den zuständigen Reichs- und Landesbehör­den und der Oesftntlichkeit eine Denkschrift zum Schulwesen übermittelt Sie beruht auf einer gründlichen Durchberatung innerhalb der Industrie- und Handelskammern. Diese haben zum Schulwesen von altersher enge Beziehungen, besonders dadurch, daß viele Fach und Fortbildungsschulen als berufs« ständische Einrichtungen der Industrie- und Handels- fummern errichtet und betrieben wurden wie allgemein auch dadurch, daß die Ausbildung des Nachwuchses in den Industrie- und Handelsbe- trieben und die Erfahrungen, die mit den von den verschiedenen Schulstufen kommenden jungen Leuten gemacht werden, immer wieder die Betriebsleiter und die Industrie- und Handelskammern in Ver- bindung mit dem Schulwesen bringen. Die Bedeu­tung der Schule für die Wirtschaft ist um so grö- her, als gerade in Deutschland Ertrag und Erfolg wirtschaftlicher Tätigkeit im Wettbewerb mit den übrigen Völkern besonders stark von Art und Wert der A r b e i t s I e i ft u n g der Menschen abhängt.

Das Schulwesen befindet sich gegenwärtig in einem Zustand einer gewissen Unsicherheit, be­greiflich angesichts der auch sonst wahrnehmbaren Häufung von krisenhaften Erschütterungen und Be­wegungen; der Schule aber ist Unruhe besonders abträglich, sie äußert sich in allzu schnellem Wechsel und allzu großer Vielfältigkeit der Schulformen wie der Lehrpläne, in unorganischem Nebeneinander ver­schiedenartiger Zielsetzungen und Lehrmethoden. Demgegenüber fordern die erzieherischen und unter­richtlichen Zwecke der Schule erziehliche und gedank­liche Zucht und Zusammenfassung des Unterrichts auf das Wesentliche. Bei allen Schularten müssen deshalb die wesentlichen Bildungsstoffe und Wissens­gebiete wieder mehr in den Mittelpunkt gestellt, die am Rande liegenden entweder getürmt oder freiwil­ligem Unterricht überlassen oder aufgegeben wer­den. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich bei vielen Schülern der Lebensgang weniger als früher im voraus übersehen läßt und daher eine gewisse Wen­digkeit gegenüber wechselnden Anforderungen des Berufslebens möglichst auch in der Schularbeit durch Entwicklung der hierfür besonders wichtigen Kräfte anzustreben ist Aus der Grundforderung stärkerer Kraftoereinigung auf das Wesentliche ergeben sich als Folgen: Die Beurteilung der Schüler wird sich stärker als jetzt aus die Leistungen in den Hauptfächern aufbauen müssen; die allzu weit­gehende Möglichkeit, ungenügende Leistungen in Hauptfächern, namentlich in gewissen Fertig­keiten, auszugleichen, ist zu beschränken. Die grundsätzlichen Anordnungen der Schulbehörden müssen für Lehrziele und Lehrpläne stärker bestim­mend fein' als jetzt; dabei soll dem in hohem Maße anzuerkennenden Streben der Lehrerschaft nach Entfaltung persönlicher Kräfte durchaus das notwen­dige Recht belaßen werden. Das wesentliche Ziel der Schule ist, tüchtige Staats- und Dolksbürger zu er­ziehen. Die wichtigste Aufgabe ist daher, dasuber- liefertedeutscheBildungsgutinder Ge­samtheit seiner kulturellen und religiösen Werte als nationales Besitztum dem kommenden Geschlecht zu übermitteln und hieraus Gemeinschaftsbewuhtfein und Heimatgefühl lebendig zu entwickeln.

Es ist besonders notwendig, die Ueberftei- gerungen der schulmäßigen Anforderungen, die sich im Berechtigungswesen ergeben haben, wieder abzubauen. Die vor dem Krieg begonnene und danach verstärkte Fehlentwicklung führt zu un- nüften Mehrausgaben der Eltern wie der Schul­träger, belastet die höheren Schulen mit Schülern, die zu' den Unterrichtszielen keine innere Beziehung haben beeinträchtigt durch die Entvölkerung der oberen Klassen der Volksschule deren Leistung und Ansehen und schafft bittere Enttäuschungen. Es ist deshalb einmal notwendig, in den Volks- und Mit­telschulen die Leistungen so zu gestalten, daß der tüchtige Schüler eine für das Leben genügende Vor­bildung erhält. Zum andern dürfen bei Aufnahme in eine gewerbliche, wirtschaftliche oder behördliche Tätigkeit nur d i e nach den tatsächlichen Aufgaben unerläßlichen Anforderun. gen gestellt werden. Im besonderen ist es Pflicht der gewerblichen Unternehmer, in ihren Betrieben übersteigerte Bildungsanforderungen abzustellen. Im Behördendienst mutz durch klare Anordnungen der

eine Ausgabe leisten und erfüllen, die der All­gemeinheit zugute kommt: ebenso dringend, wie sie sich mit iprem eigenen Schicksal beschäftigen, sorgen sie sich um die Existenz des Vaterlandes. Nein, diese Jugend ist nicht" Ichlecht Wer ihre Kraft in die rechten Bahnen lenkt, wird die besten Mit­arbeiter für ein neues Deutschland erziehen Gebt diesen jungen Leuten das rechte Betätigungsfeld das muh möglich gemacht werden! Bonn geht es auch wieder aufwärts. E. w.

M13A