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Nr. M Drittes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Spione, Mörder und Beirüger.

Mein Kampf gegen Anarchie und Bolschewismus.

Don Staatsrat a. O. Wladimir Orloff. ui.

Wie werde ich Spion?

Samstag, 50. April 1952

Abenteuer in der chinesischen Gesandtschaft.

Copyright by Greiner L Eo., Berlin NW 6.

Ach, bitte, bitte, Meister Orloff! Verraten Sie mir doch wie man die böten Spione er­wischt?' Gin zierliche entzückend schöne Hofdame der Zarin fragt mich

-Aber nichts einfacher als Lpionagenfang' Wir machen ä wie m der Sahara mit dem Löwenfang!'

.Ach. wie aufregend! Und wie machen die Leute da» da?"

Ganz leicht! Man nimmt einen Trichter und schüttet den Sand der Sahara durch ein Sieb, nicht wahr. Der Sand rutscht durch, die Löwen bleiben im Sieb stecken. So bekommen wir auch unsere Spione'"

,.Aa. scheußlich!" ruft sie aus und berichtet s schaudernd ihren Freundinnen.

Ach. wie oft wird an einen diese Frage ge­richtet! Man kann fi, nicht beantworten, weil jeder Spionensang eme eigene Methode ersordert.

Man must eben auf alles auspassen. auf alles gefaxt fein! Wieviel verfchiedene Arten von <Sc- beimtinte gibt» zum Beispiel! Hunderte' Primi- tivste Geheimtinte, gewissermaßen für jedermann und für überall ist und bleibt der Urin. Man schreibt mit ihm auf Papier, lästt alles trocknen. Hält man den Bogen über dampfendes Jod. (o kommt plötzlich die Schrift wieder zum Borfchein. Auch Milch ist ein beliebtes Deheimschreibmittel. Die Schrift kommt, über Feuer gehalten, deutlich lesbar ans Tageslicht. Gewitztere wählen Kar­toffelmehl. Jst's niedergelchrieben. fo wischt mani wieder ab. Hernach reibt man's mit Asche und siehe da die Schrist taucht wieder auf. Ebenso ist Reismehl. mit Wasser aufgelöst, eine verlästliche Tinte. Hier braucht man nur ein bistchen Joddampf herankommen zu lassen, und schon ist alles zu sehen Man nehme 100 Teile Glyzerin. 100 Teile Wasser und 35 Teile Zucker, so hat man gleichfalls eine vortreffliche Tinte zur Verfügung. Asche darübergestreut schafft alles wieder zurück.

Für die Herren Fälscher, die Wasserzeichen in ihren Briefbogen benötigen, gibt's ein herrliches Aezept für jedes Kind marf legt ein nasses Papier auf ein Spiegelglas. Draus drückt man wieder einen trockenen Bogen. Run malt man Drauf los. was man als Wasserzeichen ersehnt. Ist alles fein getrocknet, erkennt man nichts. Erst, wenn das Papier wieder nast gemacht wird, kommt alles wieder vors erstaunte Auge.

Richt ganz so einfach ist die Entzifferung der Geheimschriften, weil man derlei Dinge nur mit größter Mühe und vom Zufall begünstigt, hcrausdekommt. Jeder Spion hat seine eigene Schrift Er wechselt sie sofort, sobald er merkt, daß man sie cnträfelt hat. Besonders beliebt ist die Bibel. So hat zum Beispiel ein Agent mit seiner Auftraggeberin das Kapitel Johannes vereinbart. Drum zeichnet er jedes Schreiben mit biclcm Hamen Sogleich weist der Empfänger Bescheid In so einem Schreiben be­finden sich nur Zahlen Jede Ziffer hat ihre klar erkenntliche Bedeutung. Zuerst lieft man 4". Das heistt Johannes. Kapitel 4. Dann steht in dem Brief3. Das bedeutet Abschnitt 3". Also schlägt der Empfänger diese Bibelstelle auf. 8 ... 8 ist der achte Buchstabe, also eini. Er kann ohne weiteres ablesen, was gemeint ist b heißt wiederum 6. Kapitel. 3. die Zahl, die jetzt folgt, bezeichnet den Abschnitt und so weiter.

So gibts Taulende und Abertausende solcher verabredeter Geheimschriften, die unentzifferbar erscheinen müssen. Und doch leben in Rußland zwei, außergewöhnlich begabte Dechiffrier-Spe­zialisten Ich kenne sie beide und habe manches Mal mit Staunen und mit Entsetzen beobachten können, wie sie nach kurzem Rachdenken selbst Die kompliziertesten Gehcimbriefe enthüllten.

Einem zeige ich einmal eine Depesche. In chinesischer Sprache. Unerklärbar. Ganz be­stimmt wichtige Berratsmeidung. Der Entzifferer verabschiedet sich von mir. geht in die Kirche zur Messe, betet eine Stunde, eilt beim, ißt drei Tage nichts, kasteit sich und schließt sich gegen jedermann ab. Völlig entkräftet erscheint er end­lich im Amt, seht sich an den Schreibtisch, kritzelt ein bißchen auf einem Bogen und lieft ohne weiteres ab. was in der Depesche in Wahrheit zu finden ist.

Wie so etwas möglich ist? Ich verstehe es nicht. Und mit mir haben auch alle anderen Fachleute vor einem Rätsel gestanden. Allerdings haben wir in ganz Rußland eben nur zwei derartige Genies gehabt.

Oft geschieht die Entlarvung einer solchen Ge­heimschrift auch völlig anders irgendein fixer Agent stiehlt so ein Dechiffrierbüchlein. Das ist natürlich auch nicht so ganz einfach. Einen Spitzel habe ich gekannt, der bekommt den Auftrag, die Geheimschrift zu entlarven, die die chinesische Ge­sandtschaft in Petersburg mit ihrer Pekinger Regierung benützt.

Der gute Mann beobachtet tagelang als harm­loser Besucher die Gepflogenheiten der chinefi- schen Gesandtschaftsangestellten Zufällig kommt er dahinter, in welchem Tresor der Gesandte persönlich das wichtige Geheimbuch versteckt. Aiko schleicht er sich als Elektrotechniker in die Ge­sandtschaft ein. bringt in das Zimmer des hohen Herrn. In dem Augenblick, in dem er den Schrank aufbrechen will, vernimmt er auf dem Flur Schritte. Wo soll er bin? Es geht auf Leben und Tod! Auf das Spind? Rein! Da erblickt man ihn sofort! Unter den Diwan, den breiten? Ja! 'Runter! O weh' Ist das hier eng und ungemütlich Knapp hat er die Beine unter dem Sofa, da geht auch schon die Tür auf.

Der Gesandte trat ein Aber nicht allein. Rein, mit einer sehr schönen und sehr jungen Dame. Der Spitzel bleibt mäuschenstill unter dem Sofa liegen. Zuerst unterhält sich der Herr Gesandte mit feiner Besucherin. Bald sitzen sie auf dem Sofa. Armer Kerl da unten! Die bei- den drohen ihm das bißchen Luft da unten noch zu rauben. Doch bald ist er von feinen Gr- stickungsgualen erlöst.

Der Herr Gesandte bringt die Dame persön­lich wieder nach Hause. In der Zwischenzeit kann der Agent das Geheimbuch stehlen.

Rafch wird's abgetrieben, teils auch wegen der Eile photographiert. Seite für Seite. Es soll *nut schleunigst wieder in den Schrank zu­rück. damit der Gfandte nichts merkt

Doch plötzlich kehrt der Ehinefe wieder heim Und da findet er den Schr> nk geöffnet, das Buch verschwunden . ..

Sogleich erklärt er den Lode für überholt und führt einen völlig anderen ein. den er als schlauer Fuchs längst vorbereitet und mit den Seinen da­heim verabredet hat ...

Für den unglückseligen Spitzel war aber die ganze gefährliche und anstrengende Arbeit um­sonst gewesen. Wer einmal Spion geworden ist. kommt nicht mehr davon los. Er wird Io fest gebunden und vor feinen Landsleuten fo kom­promittiert. daß er schon aus Furcht vor Verrat nicht gefährlich werden kann, wenn er später einmal nicht mehr mitmachen will. Zunächst wird er einmal gehörig ausprobiert. Mit ihm erhal­ten noch sechs bis zehn andere die gleichen Auf­träge. ohne das er's ahnt. Dann gibt man ihm Aufgaben, deren Lösung man längst einwandfrei

Der freiwillige Arbeitsdienst, noch vor etwa einem halben Jahre vielfach nur zö­gernd und mit einem gewissen Mißtrauen aus­genommen. hat sich im Verlause der letzten Mo­nate im Bezirke des Arbeitsamts Gießen immer mehr durchgefetzt. Damit hat sich ein gesun­der Gedanke Dahn gebrochen, der auf seinem bisherigen Wege in die Praxis schon vielfältigen Ruhen und große Befriedigung für die an der Arbeit beteiligten Leute, aber auch bedeutsame Vorteile für die Allgemeinheit ge­bracht hat.

Dom 30. Oktober v. 3. bis jetzt sind für den Bezirk des Arbeitsamts Gießen vom Canbe»- arbeiisamf Hessen insgesamt 107 Maßnahmen für den freiwilligen Arbeitsdienst für ins­gesamt 2603 Arbeitsdienftwillige genehmigt worden.

Von allen Arbeitsämtern im Bezirk des LandeS- arbeitsamtes Hessen hat das Arbeitsamt Gießen 32 Prozent aller Maßnah­men des freiwilligen Arbeitsdien­stes zu verzeichnen: es steht mit diesem Prozent­satz an der Spitze des Landesarbcitsamtsbezirks. Als zweites Amt hinter Gießen folgt Kassel mit nur 60 Maßnahmen des freiwilligen Arbeits­dienstes. Dem Landesarbeitsamt liegen zur Zeit noch 55 Maßnahmen zur Genehmigung vor, außerdem befinden sich bei den Gemeinden und anderen interessierten Stellen im Gießener Ar- beitsamtsbezirt weitere 70 Maßnahmen für den freiwilligen Arbeitsdienst in Vorbereitung. Es handelt sich dabei um zusätzliche gemeinnützige Arbeiten, wie Oedlandkultivierungen. Instand­setzung von Feldwegen. Ausbau von Waldwegen, Rodungsarbeiten im Walde, Fluß- und Bach­laufregulierungen. Herrichtung von Sportplätzen, Anpflanzung von Vogelschuhhecken. Drainage- und Grabenausräumungsarbeiten, Meliorationen und Verbesserung.von Hutweiden.

DieMßliahmenimKreiseGießen

Wir hatten am Donnerstag Gelegenheit, unter Führung des Direktors des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr. Dues, eine Reihe frei­williger Arbeitsdienste im Kreise Gießen zu besichtigen. Ucbcr unsere Beobach­tungen in den einzelnen Orten ist folgendes zu be­richten:

Lollar.

In Lollar sind 32 Leute im freiwilligen Ar­beitsdienst beschäftigt. Zur Zeit wird an der Drainage eines größeren Platzes unmittelbar vor dem Orte in der Richtung nach dem Hangelstein zu gearbeitet. Dieses Gelände, das bisher seucht und sumpfig war. soll durch die Drainage trocken­gelegt werden und künftig als Zeltplatz für die Gemeinde Verwendung finden. Durch diese Arbeit wird cm Gelände von etwa 7000 C.uaDratmctcr Umfang der Verwendung zugeführt. Weiter wird in den nächsten Tagen eine Vergrößerung und Reuherrichtung des Sportplatzes vorgenommen werden, der durch Ver'chleifungs- und Rodungs­arbeiten wesentlich verbessert werden soll. Bei dieser Arbeit handelt es sich um etwa 4500 Tage­werke.

Treis a. d. Lumda.

Die Gemeinde Treis an der Lumda läßt an zwei Plätzen unmittelbar vor dem Orte von 40 Leuten Äulturbaiiarbciten ausführen. An der Landstraße von Mainzlar her wird an der dicht vor dem Ortseingang zur Ehaufsee hervor- springcnden Bergnase ein Stück abgetragen. Mit dielen Erbmassen werden die Walser- und Sumpf­löcher des alten Lumdalaufes, die bisher üble Schnakenbrutstätten waren, zugcfüllt. Durch die Geländeabtragung an dem Berge werden aber auch die Uebcrlichtsverhältnifse für den Verkehr aus der Landstraße an dieser scharfen Ecke gün­stiger gestaltet. Sobald die jetzige Arbeit an die­sem Platze beendet ist, will man eine Verbesserung des Lumdalaufes in die Wege leiten. An der zweiten Arbeitsstelle ist eine schon lange als not­wendig erkannte Zeldwegverbesscrung im Gange. Dort wird an lehr steil ansteigendem Gelände zwi­schen der tiefliegenden Sohle und der Spine des Hügels durch teilweisen Erdabhub mittels tiefe­ren Geländeeinfchnitts eine Korrektur vvrgenom- men. Das oben abgetragene Erdreich wird am Fuße des Hügels zu beiden Seiten verteilt, ferner wird der Geländeanstieg ausgeglichener gestaltet und dadurch die Fahrtverhältnisse für die Land- wirtssuhrwerke günstiger gestaltet. Mit dem ge­wonnenen Steinmaterial soll der Weg außerdem

kennt. Bald vermag man s.ch ein Bild über feine Zuverläs'.gkeit und Tüchtigkeit zu machen. Erst jetzt erteilt man ihm kompliziertere Auf­gaben

Die Honorare find gering, weil jeder Auftrag­geber überzeugt sein muß. daß fein Spion nach einem halben Jahre doch auch für die Gegen­seite arbeitet und nur die Partei redlich beliefert. Die ihn großzügig belohnt So zahlte Rußland für ein Merkbuch des deutschen GcneralstabS- offizierS 1500 Rubel, für genaue Festung»- beschreibungen von Posen 20000 Rubel. Eine Dame, die eine Reife nach Deutschland unternahm, um verschiedene Schriftstücke zu bc- schaffen unter dem Deckmantel einer Auf­käuferin von geschmuggelten Zigarren erhielt Dafür 300 Rubel. Einige Agenten brachten Schlüssel von Gcheimschränken mit militärischen Dokumenten mit. In wenigen Stunden wurden danach die erforderlichen Rachfchlüsfel angefertigt Die Agenten erhielten den richtigen und einen salfchen Schlüssel ausgehändigt Der erste sollte aus feinen Platz zuruckgebracht werden, der zweite zum Oeffnen der Schränke dienen.

Die Geheimdokumente wurden nicht immer ver­kauft. sondern bisweilen nur zeitweise zur Ver­fügung gestellt, damit mantc photographieren könne Ls gab ganze Kollektionen von kleinen Büchlein, nicht größer als Streichholzschachteln. Die Die Kopien irgendeinen gedruckten Buches oder eines handgeschriebenen Dokumentes vor- steIlten. Es gab Schulen für Agenten Mit täg­lichem Unterricht.

befestigt werden. Der landwirtschafttreibenden Ortsbevölkerung wird mit dieser Wegverbefserung ein wertvoller Dienst erwiesen. Als weitere frei­willige Arbeitsdienst-Maßnahme denkt man an die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen der Gemeinde im Weltkrieg.

Alten-Buseck.

3m Walde bei Alten-Buseck läßt diese Gemeinde von 24 Leuten durch Rodungs- und Erdbewegungsarbeiten, ferner durch Verlegung eines Dachlaufes eine Kulturarbeit vollbringen, die für den Forst von großem Ruhen sein wird. Der Dachlauf führte bisher bei starkem Gefälle nach anhaltenden Regengüssen ober starken Ge­wittern immer große Wassermassen zu Tal, die bei dem starken Anprall an das Erdreich große Verwüstungen am Waldbestand anrichteten. Der bisherige Schadensbezirk wird jetzt nach der Ver­legung und' teilweisen Descstigung des Dach- laufes durch Rodungen und Planierungen für die Reuaufsorstung hergerichtet. Rach dem Ab­schluß dieser Arbeiten sollen weitere Maßnahmen ähnlicher Art in Gang kommen.

Großen Buseck.

3n der Gemarkung von Großen -Duseck sind zwischen dem Orte und der Kreisstraße nach Reiskirchen zu 50 Arbcitsdienstsreiwillige mit der Rodung und Urbarmachung eines etwa 25 Morgen großen Geländes beschäftigt, das bisher stark versumpft und versteint war und für keiner­lei Ruhung in Betracht kam. Ein großer Teil der Fläche ist bereits umgearbeitet, die herausge.» holten Steine sind zu großen Haufen ausgeschich­tet worden und sollen nach Beendigung der Rodungsarbeiten zur Ehaufsierung der Feldwege Verwendung finden. Das durch die jetzigen Ar­beiten kultivierte Land wird der landwirtschaft­lichen Benutzung zugeführt und dann einen wert­vollen Aktivposten der Gemeinde bilden. Als weitere Maßnahme des freiwilligen Arbeits­dienstes ist die Rodung eines Waldstückes ins Auge gefaßt. Ferner könnte wohl mit Leichtig­keit in Der Rahe der jetzigen Arbeitsstelle unter Rutzbarmachung der Wieseck ein Schwimmbad geschaffen werden, für das ein brachliegendes Landstück guten Platz böte.

Burkhardsfelden

Bei Burkhardsfelden ist auf der Höhe unmittelbar an der Landstraße von Oppenrod her die Herrichtung eines Sportplatzes im Gange, der landschaftlich sehr schön hegen wird und eine ausgedehnte Fläche Landes umfaßt, das für landwirtschaftliche Zwecke wegen feines starken steinigen Untergrundes keine Verwendungsmög­lichkeit bietet. An dieser Baustelle haben die Leute, 25 an der Zahl, besonders schwere Arbeit im Kampfe mit der starken Steindecke zu leisten, ferner sind hier auch umfangreiche Erdbewegun­gen erforderlich.

Albach.

In der Rähe von Albach wird ein neuer Feldweg geschaffen und chauffiert. Das erforder­liche Steinmaterial wird aus einer benachbarten Oedlandfläche gewonnen, die dadurch gleichzeitig kultiviert wird.

Garbenteich.

Die Gemeinde Garbenteich hat sich bei 44 Arbeitsdienstsreiwilligen gleichfalls ein um­fangreiches Wegebauprogramm vorgenommen, bcfen Kernstück die Chaussierung eines Weges nach Grüningen darstellt, der bei gleicher Tätig­keit von Der Grüninger Seite her vielleicht schon in ein oder zwei Jahren zu einer Direkten Chauffee von Garbenteich nach Grüningen wer­den Dürfte. Auch hier wird das Steinmaterial aus Oedland Der Gemarkung herausgeholt und damit zugleich gute Kulturarbeit geleistet. Ferner will die Gemeinde unter Inanspruchnahme einer Gemeindewicse den Sportplatz we'entlich ver­größern, der künftig zugleich Fcstplahur alle Veranstaltungen in der Gemeinde fein soll. Un­mittelbar gegenüber von biefem Platz, im Wielen- gründe an der Landstraße nach Lich. will man eine Badeanlage ^Planschbecken, Herrichten, um dadurch einem schon lange bestehenden Bedürfnis der Gemeinde gerecht zu werden.

Hausen.

D,e Gemeinde Hausen hat 40 Mann des freiwilligen Arbeitsdienstes im Wegebau be­schäftigt. Das Feldwegenetz der Gemeinde hat durch diesen Arbeitsdienst bereits wesentliche Ver­besserungen erfahren, weitere Maßnahmen glei­

cher Art sind zur Zeit noch im Gange und werden der Landwirtschaft, aber auch Den Spa­ziergängern, Die hd) ,n der Gegend deS Schiffen- berges erholen wollen, recht nützlich sein.

Datzenborn-Gteinberg.

Umfangreiche Wegcverbefferungcn sind auch in der Gemarkung von Watzenborn-Stern- berg zum Teil fchon vollendet, zum Teil noch im Gange. Hier lind 50 Mann im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigt Reben dem Wegebau sind auch ^Tainagcarbcuen in daS Dauprogramm eingestellt.

Holzheim.

Die Gemeinde Holzheim hat in ihrer Ge­markung 45 Mann im freiwilligen Arbeitsdienst bcfchäftigt. Hier wird durch Rutzbarmachung von Ocdland ein großer Sportplatz geschaffen Un­mittelbar anschließend wird, ebenfalls auf ge­rodetem Oedland. in vorbildlicher Weife ein Dogelfchuygehölz dergorichtet, um Den gefiederten Feldpolizisten und Feinden der Ob'ibaumfchäd- hnge eine Rist- und Schutzstätte zu bieten. Dtefes Dogelfchutzgehölz, Deffcn Anlage für andere Ge metnben ein Vorbild sein sollte, wird etwa 160 Meter lang und 18 Meter breit fein. Ferner wird im Rahmen diefes ArbeitSprogrammZ Wegebau durchgefuhrt. Für später ist noch man­cherlei Arbeit im Steinbruch vorgesehen, den man für bessere Ausnutzung Herrichten will.

Großen-Linden.

3n der Gemarkung von Großen-Linden sind 40 Mann bei der Ehaussierung von Feld­wegen und dem Drechen und Heranschafsen deS Steinmaterials befchästigt Auch hier ist bereits ausgezeichnete Arbeit geleistet worden. Weitere Arbeitsmaßnohmen im Wegebau und in Ro­dungen stehen hier noch auf dem Programm.

Feststellungen

und Schlußfolgerungen.

Dei allen besichtigten Arbeiten fanden wir die Leute voll befriedigt bei Der Tätigkeit Diele junge Menschen, aber auch mitarbeitcnDe ältere Leute begrüßen die Schasfung Di ei er Ar- beitSmoglichkeiten aus vollem Herzen. Sie find froh. Daß sie durch diese Arbeiten endlich aus Der erzwungenen Untätigkeit erlöst sind. Wir konnten bei unserer Besichtigungsfahrt sogar be­obachten. daß junge Leute Den Leiter des Ar­beitsamtes. Regierungsrat Dr. Dues. mit der Ditte um Einstellung alS Arbeitsdienstfreiwillige bestürmten, um endlich wieder Beschäftigung zu finden, auch wenn Der tägliche Arbeitslohn von 2 Mark an sich nicht hoch ist. Man gewann Die Ueberzeugung, daß es all diesen fleißigen Leuten weniger um Den materiellen Vorteil, als viel­mehr um die Erringung eines Arbeits­platzes überhaupt gehl. Damit sie sich end­lich wieder regen und des ideellen Segens der Arbeit teilhaftig werden können. Die gleiche Er­scheinung tritt auch in zahlreichen Briesen an daS Arbeitsamt zutage, in denen junge und ältere Leute in geradezu rührender Weife fich zur Beteiligung an dem freiwilligen Arbeits­dienst herandrängen. Und die leuchtenden Augen, die wir bei all den eifrigen Schaffern der be­suchten Arbeitsplätze sahen, gaben den Beweis Dafür, wie hoch diese Leute den Segen der wieder gewonnenen Arbeit einschätzen. Hier ist endlich ein Weg gezeigt, auf dem man wieder zufriedene und xirbeitsfrohe Menschen erhoffen kann, wenn alle Gemeinden ihn mit Entschlossen­heit und Konsequenz beschreiten. Die eifrige Werbearbeit für Den freiwilligen Arbeitsdienst, Die gerade von dem Leiter des Arbeitsamtes, Regierungsrat Dr. Bues. entfaltet wird, findet schon durch die bis jetzt vorliegenden Tatsachen ihre volle Rechtfertigung. Mit voller Anerkennung muß aber auch Die Mithilfe bet Landwirte beim freiwilligen Arbeitsdienst vermerkt werden. In vor­bildlichem Gemeinsinn haben die Landwirte über­all da. wo im Rahmen deS freiwilligen Arbeits­dienstes Fuhrleistungen erforderlich waren, die Fahrten völlig umsonst geleistet und dadurch dem Arbeitsdienst, aber auch ihren Gemeinden wert­volle Hilfe angedeihen lassen. Diese selbstlose Mitarbeit gerade in der Zeit Der Frühjahrs­bestellung verdient bei andere Hervorhebung.

Aus unseren Beobachtungen vom Donnerstag an Den Plätzen des freiwilligen Arbeitsdienstes ergeben sich einige Schlußfolgerungen. Zunächst erscheint es dringend geboten, daß solche Gemein­den, in denen bis jeyt nur wenige Arbeitslose vorhanden sind, und die Möglichkeit zur Durch- sührung gemeinnütziger zusätzlicher Arbeiten im freiwilligen Arbeitsdienst gegeben ist. sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammenlchhe- ßen, um auf diese Weife nacheinander in den einzelnen Gemeinden Den sreiwill'qen Ar­beitsdienst in Gang zu bringen. Die Bildung sol­cher Arbeitsgemeinschaften dürfte sich besonders für manche Vogelsberggemeinden zur Verbes­serung Der Hutweiden empfehlen Aus den guten Ergebnissen Der bisherigen Arbeit im totalen Rahmen ergibt sich aber noch eine weitere ilcbcr- legung. Was hier unter Verwendung der Geld­mittel der Reicheanstalt für Arbeitslosenversiche­rung in kleinem Umfange geschaffen wird, näm­lich arbeitsfreudige und zufriedene Menschen und gleichzeitig Werke zum Be­sten der Allgemeinheit, das sollte nun endlich auch in großem Rahmen unter Ruhbar- machung Der Gelder Der Reichsanstalt bei Der Schaffung gemeinnütziger Einrichtungen zur Tat werben? Wenn man diesen Weg Der Bekämpfung Der Arbeitslos.gleit mit Entfchloffenheit beschrei­tet. wird man für Hui dertlaukende. ja für Mil­lionen von Arbeitern und auch für die Allgemein­heit Rutzen stiften und ein wirksames Stück Be­kämpfung der deu'.schen Wirtschaftskrise leisten. Dieter Ersolg iwe Mühens rechtfertigt auch die Opferung eines Fürsorgeichemas. dessen Anwen­dung bisher für den einzelnen, wie auch für die Allgemeinheit, nicht gerade zum Besten gewesen ist weil es 'ich volkswirtschaftlich nicht produktiv auswirkte.

Taten für Lamstag, 30. April.

1632: Der kaiserliche Feldherr Iferrlaes Graf von Tilln in Ingolstadt gestorben: 1777: der Mwh- matifer K Gauß in Braunfchwcm geboren; 1803 Der Gi-neralfeldmarschall Gras Noon in Pleus Hagen bei Stolberg geboren. 1870: Der Operetten fomponift Fran; Lchär in fiomorn in Ungarn ge­boren.

Der freiwillige Arbeitsdienst im kreise Gießen.

Oer Gießener Arbeitsamtsbezirk im freiwilligen Arbeitsdienst an der Spitze von Hessen und Hessen-Nassau.