Seiner Sande Werk Roman von Klothilde von Stegmann-Stein. Copyright by Martin Fcuchtwanger, Halle (Saale) 2 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Meberhaupt der Vater! Eine heiße Welle floh durch das Herz des jungen Menschen. Der Vater war alles, niemand kam ihm gleich an Güte, Verstand, Lebenskraft. Kurt verehrte seinen alten Herrn bedingungslos. Rur in einem verstand er ihn immer weniger: in seiner zweiten Heirat. Oft lag es ihm auf den Lippen, wenn er sah, wie selbst der humorvolle, gütige Vater unter dem Mesen seiner Frau und seiner Stieftochter litt: „Va'ter, warum hast du diese Frau zur Rach- kolgerin der Mutter gewählt?"
Aber es kam ihm nicht zu, zu fragen. Was der Vater tat, war gut und durfte nicht kritisiert werden. 3m Gegenteil: um des Vaters willen war es seine Pflicht, immer und immer wieder mit der Stiefmutter und Hiltrud auszukommen suchen. Wenn das nur nicht so schwer wäre, so sehr'schwer! —
..Ranu, Junge, du stehst ja da, als wäre dir der Weizen verhagelt", tönte eine Stimme hinter ihm.
Kurt fuhr aus seinem Sinnen auf.
„Vater!" Er sagte es zärtlich, und das fröhliche Leuchten kam wieder auf sein Gesicht. „Ich bin eben angekommen und habe dich schon gesucht."
„So?" meinte der Kommerzienrat lächelnd und blickte mit heimlichem Stolz auf den Sohn. „Ich bin doch kein Kieselstein, daß du mich hier mitten im Hofe auf der Erde suchst. Ich beobachtete dich nämlich schon eine ganze Weile, wie du hier stehst und Locher in den Erdboden schaust."
Kurt lachte und schob seinen Arm unter den des Vaters.
„Ich muhte denken, Vater."
•Mm den Mund des Vaters zuckte es.
„Darum sahst du auch so geistesabwesend aus, mein Sohn. Ra, Iah nur, in den Ferien hat man keine Verpflichtung, zu denken, da soll man ausruhen."
»Ra, erlaube mal, Vater!" Kurt machte ein entrüstetes Gesicht. „Glaub nur ja nicht, daß ich meine Ferien so nutzlos vertue. Allerdings von dem Dücherkram wiM ich nichts wissen, der hängt mir schon zum Halse heraus; aber die Motoren hier, meine Werkstatt — ach, Vater, wie ich mich freue! Wäre ich nur erst mit der Mniversität fertig und in der praktischen Arbeit! Für die allein bin ich bestimmt, Vater."
Der Vater sah mit liebevollem Blick in das Gesicht seines Jungen. Wie glich Kurt doch ihm selbst Zug um Zug, nur dah hier noch die Frische
und Degeisterungsfähl gleit der Jugend lebten, wo bei ihm Alter, Resignation und der heimliche Kummer in seiner zweiten Ehe alles matt gemacht. Aber dennoch sein Sohn. biS in jede Falte auch des Hebens.
„Ich weih, mein Junge, dah du für die praktisch« Arbeit bestimmt bist. Aber gerade darum sollst du den wissenschaftlichen Boden für diese Arbeit fest und gut gründen. Ich wollte, mein Vater hätte es mir ermöglichen können, in Jahren des Lernens auch die wissenschaftlichen Grundlagen mir anzueignen. Dann wären mir viele sorgenvolle Zeiten und Irrwege erspart geblieben. Mm so wichtiger ist es mir, dah du, mein Junge, in allen Sätteln gerecht wirst. Ich hoffe, du siehst das ein."
Kommerzienrat Bremer steuerte auf den linken Flügel des Fabrikgebäudes zu, aber dann hielt er inne.
„Du, Junge." sagte er und sah Kurt bedercklich an, „hast du denn schon Mama begrüßt?"
Kurt wurde rat „Rein, Vater, ich bin gleich hierhergelaufen zu dir."
„O weh!" Kommerzienrat Bremer wiegte den Kopf. „Du, dann mach aber schleunigst, dah du 'rüberkommst. Du weiht, Mama ist gekränkt wenn du ihr nicht zuerst guten Tag sagst. Mnd mach dich ein bissel niedlich, Kurt", setzte er mit grimmigem Humor hinzu, „damit du nicht abstichst gegen die feinen Leute, die da 'rumwimmeln."
„Kann ich nicht erst zu den Motoren zu dir, Vater?" Kurt warf einen sehnsüchtigen Blick hinüber zu den Fabrikräumen.
„Vein, nein." Kommerzienrat Bremers Gesicht zeigt« etwas wie Sorge. „Geh nur, Kurt, mir zuliebe. Du weiht Mama ist so leicht aufgeregt. Morgen, mein Junge, kannst du alles besichtigen."
Kurt zog ohne ein Wort seinen Arm aus dem des Vaters.
„Wie du wünscht, Vater", sagte er ehrerbietig.
Dann ging er mit feinen langen Beinen über den Hof. An dem Tor. das von dem Fabrikgrundstück hinüber zum Herrenhause führte, sah er sich noch einmail um. Da ging der Vater wieder den Werkstätten zu. Täuschte er sich? Der vorhin so elastische Schritt des VaterS war jetzt müde und schwer, seine Haltung gebeugt Lum ersten Male kam es Kurt erschreckend zum Bewußtsein, dah auch der Vater alt wurde.
Drittes Kapitel.
Auf der Terrasse, die vor dem Speisesaal des Schlosses Dremerwerk lag, war wie gewöhnlich eine größere Gesellschaft versammelt Die Hausherrin Melanie Bremer, ehemals Frau von Stüb- ben, sah in einem Korbsesset dessen bunte Seidenkissen eine schöne Folie abgaben für die noch immer sehr reizvolle Frauengestalt.
Melanie Bremer mochte etwa achtundvierzig Jahre alt sein. Aher ihre Figur war noch Die
eines jungen Mädchens, ihr Teink rosig und faltenlos; nur zwei scharfe, abwärtsgehende Falten um den sorgfältig geschminkten Mund zeigten verräterisch, daß die Jugend vorüber war. Das Haar, das in kunstvoll geordneten Wellen über bie Stirn und die Ohren siet zeigte in seiner Schwärze noch keinen einzigen weihen Faden, die Stirn war glatt. Mnd so wäre Frau Melanie Bremer noch immer eine schöne Frau gewesen, Pätte nicht ein Zug von hochmütiger Kälte in ihren Augen gelegen, der dieses gleichmähige, schöne Gesicht beherrschte. Die blahblauen Augen, an sich ein pikanter Kontrast zu dem dunklen Haar, sprachen von maßloser Eigenliebe; es ging eine Kühle von ihnen aus, die jede wärmere Herzensregung ersticken mußte. Man spürte es: diese Frau konnte nie gütig, nie selbstlos lächeln; alles, was sie tat und sprach, war wohlüberlegt, bar jeder umpulsiven Regung. Hier war ein Mensch, dessen Herz beherrscht wurde von einem kalt rechnenden Verstände. Mnd so war auch das ganze Benehmen Melanies von einer abgezirkelten Gleichmäßigkeit die auf impulsive Menschen lähmend wirkte.
Jetzt sah sie, kerzengerade, ihr blauweißeS sommerliches Seidenkleid in schöne Falten gelegt, in. ihrem Sessel und unterhielt sich in liebenswürdig herablassender Art mit einer schlicht gekleideter Dame, die neben ihr sah und mit bescheidener Stimme antwortete.
Gerade machte Frau Melanie eine entscheidende Bewegung mit ihrer Hand:
„Rein, meine liebe Frau Pastor. Sie können mich nicht überzeugen, daß wir in der Stadt noch einen weiteren Kinderhort einrichten müssen. Ich habe schon meinem Manne gegenüber meine ernsten Bedenken ausgesprochen, dah er hier im Werk solch einen Tageshort eingerichtet hat, aber in seine privaten Wohltätigkeitsbestrebungen kann ich ihm nicht hineinreden, obwohl ich sie für sehr übertrieben halte. Aber meinen Grundsätzen so untreu zu werden, dah ich den Ghren- vorsitz mit in dem städtischen Hort übernehme, das können Sie nicht erwarten."
Die kleine blasse Frau Pastor schwieg bedrückt. ES war hoffnungslos, diese kaltherzige unl> herrschsüchtige Frau von etwas zu überzeugen, was sie nicht einsehen wollte. Am liebsten hätte sie ihr einmal tüchtig die Meiirung gesagt.
Frau Pastor Rüge beschloß, sich an den Kommerzienrat zu wenden. Der hatte ein offene« Herz und eine offene Hand. Er würde auch für den neuen Tages hort etwas stiften; sie hatte gehofft, die Eitelkeit der Frau Melanie durch das angetragene Protektorat zu wecken. Aber wo es um Geld ging, schwieg sogar die Eitelkeit dieser eitlen Frau.
Mit versteckter Mißbilliagung sah Frau Pastor Rüge zu der kleinen Gruppe hinüber, die sich dort um Hiltrud Bremer gebildet hatte.
Hiltrud lag in einem Schaukelstuhl. Das blonde Haar lehnte gegen ein lichtgrünes Seidenkissen und glänzte in der warmen Rachmittagssonne. Sie hatte die Züge der Mutter, nur jung, zart und durch die Mmrahmung des blonden Haares lieblicher wirkend. Sie wäre vollendet schön gewesen, wenn nicht ihr Gesicht einen Zug von Langweile und Blasiertheit getragen hätte. Wie sie so im Schaukelstuhl lehnte, belebte sich ihr Gesicht nur, wenn sie einen verstohlenen Blick za der anderen Seite der Terrasse hinüberwarf, wo ein großer, hochgewachsener, blonder MaNn sich eifrig mit einer schlichtgekleideten Dame unterhielt. deren Gesicht nicht schön war, aber den Ausdruck wirklicher Klugheit und Herzensgute trug.
Unmutig blickte Hiltrud zu dem Paar hinüber, das, in lebhafte Mnterhaltung vertieft, sich um die übrige Gesellschaft wenig kümmerte. Dann wandte sie den Kopf mit einem gelangweilten Lächeln wieder zu dem geschniegelten jungen Herrn, der neben ihr sah und eifrig auf sie ein* sprach. Aber sie war nur halb bei der Sache, und immer wieder glitten ihre Augen hinüber zu Olaf Erikson, dem jungen schwedischen Adligen, der da in eifrigem Gespräch mit der jungen Werksärztin stand, die heute zum ersten Male hier im Hause eingeladen war. Während sie sich von ihrem Gesprächspartner, dem jungen Referendar. allerhand Schmeicheleien sagen ließ, überlegte sie nur, wie sie den jungen Schweden von der Aerzttn fortlocken könnte.
In diesem Augenblick schaute Frau Kommerzienrat Bremer zu ihrer Tochter herüber. Die deutete mit einem kaum merklichen Ausblihen der Augen auf das Paar an der Balustrade. Mutter und Tochter verstanden sich auch ohne Worte.
„Ach bitte, Herr Referendar", rief Frau Melanie au dem jungen Manne herüber der neben Hiltrud saß, „ich hätte gern von Ihnen etwas über den Sommerball im Tennisklub gehört — Sie sind ja im Festausschuß." /
Mit einer höflichen Verbeugung gegen Hiltrud ging der Referendar zu dem Tisch der älteren Damen hinüber, wo er sofort von Frau Kommerzienrat Bremer in ein lebhaftes Gespräch gezogen wurde.
Hiltrud schlenderte zur Balustrade der Terrasse, wo der große blonde Schwede mit der jungen Aerzttn zusammenstand.
»Sie sind ja so eifrig in der Mnterhaltung, Baron Erikson", meinte Hiltrud, „daß Sie für andere Leute überhaupt nicht mehr zu haben sind" — und sie warf einen unfreundlichen Blick auf die junge Aenttn —, „sicher sehr interessant, waS Sie da zu bereden haben. Vielleicht darf man auch daran teilnehmen?"
(Fortsetzung folgt.)
Wem» Eure Männer ihre Lebensversicherung verfallen laffen möchten, helft ihnen, fie in Kraft z« halten! Helft mit, an anderer Ttelle fo viel z« sparen, daß Euer Beitrag eingezahlt werden kann! Nur dann seid Ihr und En« Kinder auch in dem schlimmsten Fall geschützt!
buch i* schwere« Zeiten gibt es Mittel enb «ege, trat eine Lebensversicherung i« Statt ■■
»* ^halten. Fragt ben Versicherung-.Fachmann — et wird Euch sachgemäß beraten! 05
Gute
Statt Karten.
Kolter
preiswert:
Gießen, den 29 Oktober 1932.
06313
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Wilhelm Kröck IL, Metzgermeister.
Am 26. Oktober verschied nach langem, schwerem Leiden meine liebe, unvergeßliche Frau, unsre treue Mutter, Schwiegermutter, Großmutter
Ohr. Frans Ludwig Frans Paul Frans.
Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie für die zahlreichen Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen danken wir herzlichst.
b'woll. 3.00, 3.40, 2.90, 2.10 wollene 15.-,12.50,9.80,7.50 bess. 33.-, 27.50,22-15.50
Familie Familie Familie
Gießen, den 29. Oktober 1982.
In tiefer Trauer: Naumann, Oberst a. D. Gertrud Poppert, geb. Naumann Professor Dr. Poppert Ingeborg Poppert Dieter Poppert, cand. med.
Die Einäscherung hat auf Wunsch der Entschlafenen in aller Stille stattgefunden. Von Beileidsbezeugungen jeder Art und von Besuchen bitten wir abzusehen.
Kalmuc
fGrTisch-und Bettunterlagen
Bettbiber
2.10 1.80 1.60 0.98
Gestern morgen entschlief sanft unsre liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante
Frau Rechnungsrat Minna Franz
geb. Arnold
Wir betrauern tief das Ableben unseres Heben A.H.
Geh. Rat Prof Dr.
Albrecht Haupt
in Hannover
aktiv S. 8.1870
Die G. B. Germania
Heuchelheim, den 29. Oktober 1932. 7666 d
Frau Minna Naumann
geb. Thorwart
im Alter von 79 Jahren.
Statt besonderer Anzeige.
Nach längerer Krankheit entschlief heute im 90. Lebensjahr unsere liebe gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante
Frau Mathilde Gläfener, geb. Lütges
Witwe des Bürgermeisters a. D. Gläßner
tiefbetrauert von den Ihrigen
Bürgermeister a, D. Richard Gläßner und Familie Elsbeth Eisenach, geb. Gläßner
DlpL-Ing. Paul Gläßner und Frau Dr. H. Eisenach.
Gießen (Liebigstraße 37), Frankfurt a. M„ Gerknäs (Finnland), den 29. Oktober 1932.
Die Trauerfeier findet Montag, den 31. Oktober d. J., nachmittags 3 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt 06379
müssen Sie sich
UÄDasWorf eh,p';®8?-
wenn Sie Ihre
tDCU/AUI Hühncra«$en tDC rvvnl los sein wollen.
H^!?llereu6ei>"Lebew<>M Bl«chdoae (8 Pflaster) 6« Pf., in Apotheken u. Drogerien. Sicher tu haben, Med.-Drpg. Haus Hindenburg, H. Elges, Seitenweg 68a; Löwen-Drog. W. Kllbinger Nacht., Seltersweg 69; H. Noll Ludwlgsplatz-Dronerio u. Neustadt-Drogerie; Oermanla- Droger e C. Seibel, Frankfurter Straße 39; 0. Wlnterhoff, Drogerie, Krouiplati D-10- fx^g»
DieBeerdigrung findet am Montag, dem Sl.Oktober, nachmittags 2V, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt.
Beileidsbesuche dankend verbeten.
__________________________________________________________7637 V
C. Röhr & Co.
7640 Al
Wirksam« Werbe-Drucksachen liefert di» BrUhl'sche Druckerei
L A.i Reuter
X 7654 D


