Ausgabe 
20.6.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 142 Zweites Blatt

Montag, 20. Zum 1952

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Sechsstaalensahri durch westdeutsches Grenzland.

Don Or. Or. Friedrich Lange.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?) WaS sind schon 150 Kilometer?", fragt txr Schulkamerad vom Kurfürstendamm, wie er die frühsommerliche Wärme durch echt englischen Whisky mit Soda bekämpft'150 Kilometer in einer Zeit, die in Kontinenten denkt!"150 Kilometer", meine ich,ist zwar nur die Ent­fernung zwischen Bremen und Lübeck, ist so weit, wie heut« das Weichbild Berlins von der neuen tschechischen Grenze ent­fernt liegt oder von der neuen polni­schen Grenz« oder von der jetzt ungeschützten Ostsee. 150 Kilometer ist die Luftlinie von Baals in Holländisch-Limburg bis nach Lothringen nahe der Saarschleife, eine Linie, die innerhalb des deutschen Sprachgebietes seit Versailles sechs Staaten berührt."Wer denkt heute noch in Grenzen und Gretrzländern?", fragt der Kur- fürstendammtrotter,heute, wo Wirtschaft die Grenzen illusorisch macht?" ...

Don Aachen, der westlichsten reichsdeutschen Groststadl, hat der Feinschmecker die Wahl zwi­schen zwei Wegen zur niederländischen Grenze. Der eine führt ihn nach Baals in eine weit­bekannte Schlemmerstätte, in deren Garten er die erlesensten Leckerbissen des holländischen Ko­lonialbesitzes für ein Spottgeld bekommt. Der andere führt in die Bähe der Drei­staatenecke, wo das Deutsche Deich, die Niederlande und Belgien sich berühren. Hier ist der höchste Punkt der Niederlande (mehr als 320 Meter über dem Meere), und vom Aus­sichtsturm schweift der Blick nach den Höhen der unmittelbar nicht sichtbaren Maas, die seit dem Bruderkrieg von 1866 nicht mehr das politische Deutschland bespült und die 1918 in ihrem Ober­lauf so furchtbare Kämpfe zwischen Deichsdeut­schen und Deutschamerikanern gesehen hat. Fried­liche Ausblicke bieten an der Dreistaatenecke jene allerliebsten kleinen zweisitzigen Lauben, die der feelenkundige holländische Gastwirt unmittelbar an der Grenze auf reichsdeutschem Boden er­richtet hat, so das) man. im Deiche unter Flieder oder Dosen einsam oderzweisam" sitzend von den Diederlanden aus edelsten Kaffee mit gold­gelbem Kuchen über den auf der Grenze stehenden Tilch herübergereicht bekommt. Was flimmern den Gast hier die Sorgen der verschiedenen Briefmarken. Devisen und Baluten? Der rück­sichtsvolle Kellner weist auch in Deichsmark ein angemessenes Trinkgeld zu schätzen. Wir schauen so vom Deich über die Niederlande hinweg a u s belgisches Gebiet, wo in 30 Meter Ent­fernung von unserem Tisch ein paar einheimische Buben und Mädel fingen: in deutscher Sprache natürlich, denn weit und breit wird hier ringsherum Hochdeutsch in Aachener Mund­art gesprochen ...

Ein kurzes Stück Weges weiter weicht das Hochgefühl des Idylls und es beginnen die Nie­derungen derhohen" Politik. 3n Eupen zeigen die belgischen Herren, das) Versailles zwischen den Menschen gleichen Blutes und gleicher Sprache chinesische Mauern errichtet hat. Die einst so rege Vorstadt Aachens leidet bitterböse unter der Grenzziehung, die hier besonders gehässig ist. Es gibt Enklaven und Enklaven der verschieden­sten Art. Wir fahren auf reichsdeutsch gehobenen Straften durch belgisch gewordenes Land und nachher mit der belaisch gewordenen Vennbahn durch reich^deuiiches Land: zwei b'.to. vier Meter links und rechts von der Fahrbahn laufen v.ele Kilometer Grenzen, die Wicb auf keiner Land­karte naturgetreu darstellen lassen, die gestern vielleicht milder, heute aber wieder mit aller paragraphenmästig-^n Strenge überwacht werden. D'nn der Bauer fein Vieh von der einen Sette seiner Wiese übet die Ausland" gewordene Strafte auf di« andere Seite derselben Wiese treiben will, braucht er einen Paft. Zwilchen den

Landesüblichen haushohen Duchenhecken findet sich an der reichsdeul chen Straste ein Gasthof auf belgischem Ged.et, der nur dann betreten wer- den darf, wenn von zuständiger Seite em Auge -ugedrückt wird. Was das dem soliden Handel wie der Zollüberwachung für Erkchwerungen bie­tet, braucht wohl kaum angebeutet zu werden. Dem reizend gelegenen Eifelstädtchen Mon­schau. das beim Deiche belassen worden ist. hat man in einer völlig willkürlichen, nachträglichen Zufahentscheidung über Versailles hinaus den Bahnhof genommen, ähnlich w.e Garnfee und Dischofswerder an der ostpreuhischen Korri- dorgrenze oder Tirschtiegel in der Grenzmark Posen-Westpreusten.

Ganz arg ist die Grenzverwirrung im Groft- herzogtum Luxemburg. In Versailles wurden die letzten Bande der über tau'cnb- jährigen Zugehörigkeit des Landes zum politi­schen Deutschland zerschnitten. Jetzt gehört es zum belgischen Zoll- und Münz­gebiet, die Dahnen sind französisch, die Post luxemburgisch. Schon in Wasserbillig bei Trier stehen belgische Zöllner und nehmen gegen reichsdeutsche oder deutsch-österreichische Reisend« ihre Pflicht sehr genau. Seltsam ist die Sprachverwirrung: obgleich das Land zum ge­schlossenen deutschen Svrachbercich gehört, hat es französische Amtssprache. In der Stadt Luxemburg, deren Vororte so ..echt französische" Damen wie Pfaffental, Pulvermühl und Ver­lorenkost führen, sehen wir nahe dem prachtvollen Viadukt der Deichsbahn, jetzigen französischen Slaatsbahn, ein altes Schild von 1877, das noch rein deutsch ist. Aufschriften aus der Zeit bis etwa 1890 sind dann deutsch und französisch, die späteren bis 1914 französisch und deutsch und seitdem, wie z. D. auch heute die neuen Schilder für den Kraftwagenverkehr, nur französisch: ein nachdenkliches Stück Politik in diesenTa- ferln". aber auch ein Kapitel binnenheutscher Gleichgültigkeit. Neuerdings hat der Siegeszug des Volksdeutschen Gedankens zwischen Südmeer und Nordsee, zwischen Memel und Maas auch die luxemburgische' Jugend stärker aufhorchen lassen und manche finden bereits den Mut. Gutes auch dann zu loben, wenn es aus dem Reich kommt. Aber von Bekenntnis zum deut'chen Volke ist. man in Luxemburg meist noch weit entfernt, ein Lichtblick ist es schon, daft der Höhepunkt der rein französischen Welle im Geistesleben augen­scheinlich überschritten ist.

Deutschbewuftter ist man hinter der nahen West grenze im Belgischen um Arel. Hier leben, vergessen vom Deich und ohne Unterstützung durch die neuerdings so betont germanisch ein­gestellten Vlamen noch an 40 000 Deutsche, also mehr, als es in ganz Estland gibt. Die Ju­gend verwellcht zusehends, aber die Aelteren hal­ten noch fest an Väterart und Muttersprache Hier gibt es behäbige Bauernhöfe und besinn­liche Kleinstadtwinkel, in denen so manches Stück deutscher Vergangenheit zu finden ist, und von aussichtsreichen Hügeln schweift der Blick über die Grenzen Luxemburgs und des nahen Frankreich.

Ganz eng von neuen Wirtschaftsgrenzen ist der rheinische Regierungsbezirk Trier umschlossen, seitdem Luxemburg zum bel­gischen und das Saargebiet zum französischen Zollgebiet gekommen ist. Auch hier gibt es En­klaven. Exklaven, neutrale Grenzwege und Fluft- strecken, alles Kümmernisse der Grenz- und 3ou- überwachungsb"amten. Durch d:ese Zustände wurde fast noch mehr als unmittelbar durch die französische Besatzung das Treiben des Separatistengesindels erleichtert, ganz ähnlich wie in der Dheinpfalz. die heute nach der 'Abtrennung Elsaft-Lothnngens und der Eingl'ederung Saardeutschlands in das französische Zollgebiet ebenfalls von Zollausland

Im Globetrotterklub.

Don per Schwenzen.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?)

Ich hatte den Vorzug, Gast desTrampelaget" in Oslo zu fein. DasTrampelagef ist ein streng e.klusiver Verein von Globetrottern, die min­destens zwei Erdteile ausgiebig durchstreiften und zwar unter völligem Verzicht auf die liebreiche Hand des Herrn Cook oder Genoffen.

Ueberall in der Welt gibt es natürlich Tramps", Abenteurer oder Forscher, nirgends aber wohl mehr als in diesem Land der Aus­wanderer, das allein in Kanada und Amerika mit annähernd der gleichen Kopfzahl vertreten ist wie im Mutterland.

Der Klub setzt sich keineswegs aus programm- schweren. planbewuhten Deisefexen zusammen. Da gibt es Schuster, die zehn Jahre für die Chi­nesen sohtten, Barbiere, die ihren Schaum m Minneapolis schlugen, es gibt Schriftsteller, die Steward auf kanadischen F.uftbooten und Sonn- tagsprediger bei den Australnegern waren. Etn- gcführt wurde ich durch den Journalisten Er­ling Dergendahl. der die 'Angewohnheit hat. die größten Flüsse dieser Erde von der Quelle bis jur Mündung im Faltboot hinabzufahren, er hatte an diesem Abend einen Lichtbildervortrag ür die Globetrottergemeinde zu halten Zunächst atzen wir auf dem Dachgarten, eine ungleich zu- ammengefehte Gesellschaft. Ein eleganter lunger Komponist, der sich die Motive zu feinen Schla­gern persönlich aus allen Weltwinkeln zusammen- stiehlt, der paddelnde Journalist, em paar a te. prächtig verwittert« Tramps, die in den Hasen irgendeinen unromantischen Berufes em gelaufen waren. Alles in allem waren wohl an die hun­derttausend Kilometer auf dem Plateau dieses einzigen Hochhauses in Oslo versammelt. Natur- lich tränt man Pjaltcr (Wh.sky unt> Soda,, h-er das A und O aller männlichen Angelegen­heiten. Dann gingen wir in die Klubraume. n den Wanden hängen Negerwaffen. 2,: er flauen, Geweihe, kurz: die Embleme der Cycrne. von der Wand herab ein riesiger Albatros. Em erwar­tungsvolles Murmeln geht durch die ziemlich wortkarge Schar. Soweit man überhaupt c_lto .in dem Gewölk aus etwa dreihrg Pfeifenkopfen erkennen kann, stehen Da auf einem -L.nch an d hundert Bierflaschen und einige Traglasten bayeri­scher Weiftwürste. Das nämlich ist hwr im hohen Norden die absolut« Höhe der Gemutlichkett, das

stereotype Herrenessen. Dieser ganze Aufwand wurde nun höchst stimmungsvoll von Lichtbildern überstrahlt. Bei der siebenten Wurst war ich. soweit ich mich erinnern kann, im südlichen Ka­nada Wir paddelten indessen auf Strömen nor- wegifchen ..Bat)ers". von lieblichen und schroffen Landschaften auf dem ausgespannten Bettuch und von der witzigen und pausenlosen Rede des Jour­nalisten begleitet, bis in die nördlichen Gefilde. W'r fuhren hernach mit einem vortrefflichen Fluftdampfer. Der bei der neunten Wurst im Schlamm Des Flutzbettes stecken blieb.

Lichtbildervorträge sind in den Tagen des Ton­films reichlich fofül geworden, eine Einladung zu einem Lichlbilderoortrag wirkt nicht viel anders als eine Einladung zu einer §ahrt mit einer. Pferdebahn. Hier aber hatte die --ache einen ganz anderen Reiz. Es war nicht das gewöhnliche Publikum, das sich eine Sache besieht, um An­schauung zu gewinnen, es war wie eine behagl che interne Reminiszenz, die Mitglieder mochten ge­meinsam einen Rundgang durch ihr Klubhaus die Welt. Das Haus ist allerdings recht geräumig. Es gibt da natürlich Korridore und Räume, die man noch nicht kannte. Aber mitunter, wenn eine Landschaft, eine Stadt, ein Antlitz groß auf die weifte Fläche rückte, kam aus Der dunklen edjar ein unterdrückter Aufschrei, ein frohes Brummen und Grunzen: Da war ich das kenn ich ho, Käpten, lebst Du auch noch? Em a ter Knabe, Der 20 Jahre lang als Tramp durch Amerika ge­streift war, erkundigte sich nach Dem Vortrag bei dem R'edner mit zitternder Stimme nach einer al­ten Eskimofrau, Die er roicDererlannte. Damals war er jung gewesen, sie auch so etwas, ja, ja. Das Leben, Teufel nochmal .

Nachdem etwa tausend Kilometer und eine Um iabl Abenteuer, die ich alle gläubig vernahm, vor­über waren, hoste ein alter Kapitan, Der einst eine Fregatte in Den chinesischW Piratengcwassern kom manDiert hatte, das-Segel nieder. Der Redner ver- lieft das große, als Rednerpult aufmontierte Steuerrad und mischte sich unters Volk.

Alte verwitterte Burschen, Druckten sich heran, zerquetschten ihm unter sonorem Dankesgcbrumm die Rechte, fragten nach alten Freunden, Weihen, Indianern und Eskimos, Pfarrern, Goldsuchern und Schmugglern. Der Sekretär des Klubs weihte mich in Die Statuten ein. Ja, Dieser Klub von Wel­tenbummlern, von Horizontspastern, D,e ihre Nase wie einen ewigen Wegweiser Durch Die West tragen, trunken von Ferne unD über alle Lebensangst er­haben Dieser Verein hat ganz ruhrenD strenge Statuten. Diese Freiheitsfanatiker Haden sich

eng umschlossen wird. Die deutsche Art der freiheitsliebenden Bevölkerung hat in der Bauern- schlacht von Wittlich im Bezirk Trier wie bei der heldenhaften Separatistenvertrebung von Pir­masens im Jahr« 1923 gezeigt, wie Rheinland und Pfalz über di« franzö'.schen Eroderungs- pläne denken, und das nicht minder deut'ch- bewuftle Saargebiet w.rd es mit dem Stimm­zettel 1935 bei der Volksabstimmung zeigen.

Wie deutsch ist hier das Land ringsum. Ob man durch die Straften der Mofeldörfer wan­dert oder das Schaykästlein desagcnumfpon- nenen. märchenhaft phantastischen Pfälzer Fellen- landes um Schönau und Dahn oder das Hoch­öfen- und burgenreiche Land der Saar, überall kämpft deutsch« Jugend zukunftslicher gegen die Not und den Druck des Alltags, benutzt sic diele Schwierigkeiten der Armut und der Ar­beitslosigkeit, um nun erst recht sich durch­zusetzen und zu ihrem Teil dem künftigen Europa den Stempel ihrer Art aufzudrücken. Wir schauen vom Winterberg bei Saarbrücken auf die neue Grotzstadt zu unseren Füßen mit dem anspruchs­vollen Regierungspalast, in dem die Saarländer nichts zu sagen haben, den sie aber bezahlen durften", auf den weiten Kranz der farben­frohen Randsiedlungen ringsum, und dann nach der anderen Seite zu den Spicherer Höhen, wo 1870 deutsche Jugend in den Tod ging ui^d nun wieder Frankreichs Militär undsurete ge­bieten.

Ja. Elsaft-Lothringen. daS Schmerzens­land! Durch Za der n. Has heule wieder so betont deutsche, fließt träge der Rhein-Marne- Kanal. von dessen naher Gebirgstunnelstrecke der Deutsch-Elsässer Bouchholtz in seinen soeben er­schienenen FerienerinnerungenVakanza" so köst­lich auf elsässischbabbelt". Das Lichtspieltheater muh wegen ilcberfüllung geschlossen werden, weil es geradezwei Herzen im Dreivierteltakt" gibt! Deutsch di« Sprache von jung und alt. deutsch die alten Wirtshausschilder (Die neuen müssen in DerStaatssprache" abgefaftt werden) in Zabern wie in Straßburg, wo wir an einem Haufe den verehrlichenFuchs, der den Enten predigt" wiederfinden (wer sprach soeben vom Völkerbund?), ferner das rundliche Wild- schweinchenZum Hauer" mit der Jahreszahl 1601, denBärenbeck", das Bäckerhauszeichen dcs Bären, der an einer Strasburger Brezel knabbert mit ebensofchuldbcwuhtcn" Augen wie ein harm­loser Mitteleuropäer, der an einer durch Der- tattles verbotenen Frucht naschen wollte. Alles überragt durch Meister Erwins deutsches Münster mit der bis in den badischen Schwarzwald hin sichtbaren Turmnadel, di« den Weg weist zu dem. der Herr ist über alle Grenzen und iln- friedensdiktate.

Sechs Staaten im deutschen W c st - land! Welch ein Wirrwarr von Uniformen. Münzen. Marken sowie w.rtschaftsfeiNdlichen Ge­boten und Verboten, von fremden Lockungen oder Drohungen, die an deutschen Seelen zerren. Den­ken wir daran, daft di« Staatsgrenzen nicht die Volksgrenzen sind, und helfen wir alle dazu, daft sie niemals Kulturgren- ze n werden!

Gasfachntänner tagen in Essen.

Die 73. Jahreshauptversammlung des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern e. V. fand in Essen statt Der Jahresbericht des Vorstan­des weift aus diesem Anlaß daraus hin, daß das Gasfach auch in der Arife seinen Platz in Der Deut- schen Wirtschaft ausgezeichnet hat behaupten kön nen. Seit Dem Ausgang Der Ruhrbesetzung war cs bis 1929, wenn man Den Zechcn-Gasabsatz mit berücksichtigt, möglich gewesen, Den jährlichen Gasvcrkaus von ca. 2,8 auf c a. 4,3 Mil­li a r D e n Kubikmeter zu heben, also fast zu verDoppeln. Der Bezug englischer Kohle ist trotz Der verlockenDen Angebote nach Dem Psund- sturz auch heute noch in stänDigem Rückgang begriffen. Seit Beginn Der Krise hat der Gasabsatz

nach dem Gesetz des inneren Ausgleichs einen Paragraphenzaun um ihre Gemeinschaft gebaut, der einem Kanarienvogelzüchteroerein alle Ehre machen würde. Latte steht dicht an Latte, damit nicht allzuviel unqualifizierte Asphaltfüße sich ein- zwängen können. Man will unter sich sein. Jedes Mitglied Darf nur einmal im Jahre einen Gast einftihrcn.

Ich jedenfalls war einmal in einem Jahre Da. Rahm Die Sehnsucht mit, von Quellen bis zu Mün- Düngen zu reifen, eines schönen AbcnDs Durch Ta­bakswolken hindurch Das Gesicht eines FrcunDes aus Feuer- oDer Grönland auf einem ausgcspnnn- ten Bettuch wiederzuerkennen, soviel Luft zu schlucken wie diese alten prächtigen Tramps.

Auch mit Lichtbilddarbictungen habe ich mich ausgesöhnt. Und überlege zur Zeit, ob ich nicht nach Hause schreiben und mir Die Laterna magica schicken lassen soll, mit Der ich als Quintaner Die fünf Erdteile inklusive aller Kriege und Kulturen an Die Wand warf. Aus meinem Fenster blicke ich auf eine große öde, verputzte Hauswand. Wenn ich an lauen Abenden am Fenster sitze, könnte ich Die tote Wand mit Bildern der Ferne beleben ...

DerSMinernachtslraum" im Marburger Schloßparttheater

ShakespearesSommernachtstraum", der als zwe.tL diesjährige Macburger Zestspielaufführung im Schioßparilheater über die Bühne ging, war für das sehr zahlreich erschienene Publikum wirk­lich ein Traum der Sommernacht, ein toller Spuk voller Gegensätzlichkeiten und bizarrer Ro­mantik. zugleich aber auch «in wundersamer Spie­gel der das menschliche Leben mit seinem bunt wirbelnden, oft tollen Durcheinander eindring­lich zu Gemüt« führt«. Wo könnte sich denn aua) die phantastische, musüdurchwobene Elfenwelt belfer austobcn. das Spukhafte, Abgerrsicn- Traumhafte zu besserer Wirkung gelangen, als auf einer Freilichtbühne, über der sich ein pracht­voller Sternenhimmel wölbt und wo sich liebe, zarte, anheimelnde Mendelsfohnsche Melodien mit dem Rauschen der Bäume verbinden.

Gegenüber der Aufführung des Vorjahres hatte das Stück infolge Verstärkung der mitw rkenden Hagener Tanzschule durch Marburger Damen noff wesentlich gewonnen, wie auch die Buhne durch zweckentsprechende Umbauten für das tantrische Spiel bester'erschlossen ist. Der Phantasie und Willkür des Spielleiters, Dr. Fritz Dudde,

nur ganz geringfügige Abschlag« zu verzeichnen. Am Gaskoksmarkt hat Di« Krise keinerlei Storun­gen hervorgerufen. Die Ware wird seit 192b fort- dauernd glatt abgefept und hat leflar_ oftmals bi» in Die letzten Monate hinein gefehlt Für Die übri­gen Nebenprodukte ist Durch Absatzverträge einiger­maßen gesorgt, obzwar hier fühlbar Wertminde­rungen und schleppender Abruf zu rerzeichnen sind. Neubauten und Erweiterungsbauten sind leit Kri- lenbeginn bei Den Gaswerken verhältnismäßig stark eingeschränkt worden, wie ja überhaupt Das (Bae- fad) sich Durch t r a D i 11 o n c 11 vorsichtige Investierung-- und Erpansionspoli- t i k auszeichnet. Ader Die Tendenz, an Den Werk­anlagen zu sparen, hat auf Grund her taiDmunalen Finanzbedürsnise teilweise schon gefährliche For­men angenommen Ersatz für Den ausfallenden Auslandsmarkt Hofft man zu finden nuf den Ge­bieten Dee VraunkoHlenvergofung, Dutd) Appara­turen für Erhöhung der Betriebselaftizität von Gaswerken, alfo Wassergasanlagen sowie Anlagen für Netzdruckerhöhung und Srudrcgelung, schließlich auch Apparaturen für hie Lieferung giftfreien Stadtgases. Die Fabriken für Gasherde, Badeofen ufm leihen mit dem Baumarkt, der früher seine neuer ft eilten Wohnhaus block s bis zu KO und mehr Prozent mit Gaseinrich- t u n g e n versah. Einen guten Vorsprung bietet augenblicklich Der gasbeheizte KleinHeiß­wasserbereiter. Eine Reihe von Vorträgen gesf stete Die Tagung Des Deutschen Vereins von Gas- unD Wasserfachmännern außerordentlich inter­essant. Dr. Retienmaier ftachbom berichtete über Neues aus der Gasaufbereitung mit Tiefkühlung, Turinreinigung und Schwefelestraktion". lieber Fortschritte derIndustriellen Gosverwendung" sprach Direktor Dipl Ing. D. Wolf-Essen. Direktor Gebhardt-Essen spraich überGasvcrwendung im Gewerbe". Die Erfahrungszahlen uorbanhener An­lagen geben schlüssige Beweise für die hervor- ragenden wirtschaftlichen und tech­nischen Eigenschaften des Brennstos- f e s Gas, und selbst In her heutigen Krise zeige Die fortdauernde Umstellung von Ge­werbebetrieben auf Gas, daß sich hier eine technische Entwicklung vollzieht, die stärkste Förderung verdient.

Schweres Autounglück in Herbstein.

teilte Tote, mehrere Schwer- und finiflc Leichtverletzte.

& Lauterbach. 19. Juni. In Der Nacht auf Sonntag gegen 24 Uhr ereignete sich in Herb­stein in unmittelbarer Nähe Der Weberei Ruhl ein Verkehrsunfall, bei Dem H Personen, davon Drei sehr schwer, verletzt rourDcn. Eine Frau Rockel aus Schlechtenwegen ist kurz nach Der Einlieferung ins Herbsteiner Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen. Ein Lieferwagen, Der mit Personen aus Altenschlirf und Schlechtenwegen besetzt war und sich aus her Heimfahrt von Der nationalsozialistischen Sonnwend­feier auf Dem HoheroDskopf befand, wurde in Der scharfen Rechtskurve bei der Weberei Ruhl von einem anheren, ebenfalls mit Versammlungsteilneh­mern von Hoherodskopf besetzten Lieserwagen i n he r Flanke angefahren, so Daß Der hinter- teil des Wagens gegen einen ft arten Baum geschleudert wurde. Infolge des heftigen Zusammen- pralls ging der Wagenaufbau in Trümmer und sämtliche Insassen wurden herausgesd)leudert. Aon Den 15 Fahrtteilnehmcrn wurDen H zum Teil schwer verletzt. Wie wir noch erfahren konnten, soll außer Der Frau Rockel aus Schlechtenwegen, Die eine halbe StunDe nach Der Einlieferung ins Kranken- Haus ihren Verletzungen erlegen ist, auch Der Ehe­mann s o schwer verletzt sein, Daß an seinem Auskommen gezweifelt werden muß. Außer ihm liegen noch 2 Schwerverletzte im Krankenhaus: die übrigen Verletzten konnten nach Anlegung eines Notverbandes die Fahrt fortsetzen.

Marburg, bot sich hier ein unbegrenztes Feld, das er auch voll ausvunutzen verstand. Das war ein Springen und Hüpfen, ein Gleiten und Schwe­ben im Tafte der stimmungsvollen Weisen. Aus­gelassen und wild sprang Buck umher, die Elsen durch den Zauberwald daherj^gend und Zettel, der Weber, führte die Handwerkergruppe in gro­teskem Schreien und Stelzen an. Was man sah und frrte. war Sommer und Jugend. Neckisch, lebhaft und naturwahr gab diesmal Günter Heft den gutmütigen Elementargeist Droll. Die beiden Liebespaare Lysander H:rmia und Demetrius - Helena hatten in Theo Leitner und Erich Strömer sowie Hansi Nassee und Marte, Hein in richtiger Erfassung des Eharnkteristischen beste Darstellung. Hugo F i r m b a ch als Herzog von Achen und Nora v. S ch r e n ck als Hippo- lyta verkörperten mit Würde ihre Rollen. Al- Königin der Elfen erfreute Hanna Mertens durch schöne TeweLungen und eine wohlklingende Stimme, ihr zur Seite Leopold Debertt ols Oberon Vorzüglich von derber und doch behag­licher Komik erfüllt waren, die Handwerker- und Rüpelfzenen, bei denen in erster Linie Georg Au­gust Koch als Zettel. Rudolf Blümner als Squenz und Karl S t r i e b e ck als Flaut-Thisbe durch ihr groteskes humorvolles Spiel hervor­traten. Bei dem ausgezeichneten Zulammenfpiel des ganzes Ensembles war es nicht verwunderlich, daft aus der Auslührung ein großer Erfolg wurde, der sich in freudigen Beiiallskundgebungen am Schlul e äufterte und.hoften läßt, daft noch mancher das Schloftparktheater auffucht, um dort den wirk­lichen Traum einer Sommernacht zu träumen.

W.

Oie diplomatische Antrittsrede.

Als Der fchweDische Graf Königsmark, Der zum Gesandten in Frankreich ausersehcn war, in Pans feine Antritlsaudienz abhielt, blieb er mitten in seiner üonleinftuDierten Rehe, Die er in schwedischer Sprache hielt, stecken. Er behielt jedoch kühles Blut und begann, um sich keine Blöße zu geben, das schwedische Vaterunser herzusagen, und Da ihm das zu kurz Dünkte, fügte er auch noch Das Glaubens- befenntnis hinzu. Der ganze Hofstaat, Der um ü^n Thron Des Königs versammelt war, lauschte Rin­gerin en Der mit großem Feuer und geschickter Be­tonung vorgetragenen vermeintlichen Glanzprobe der ReDelunst, unD nur das Gefolge Des Gesandten hatte große Mühe, angesichts des Ernstes Der Zu­hörer das Lachen zu verbeißen.