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Nr.U5 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)

Donnerstag, 19. Mai 1952

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Aus Oer Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Wo, 1932.

Oie iZenensondenzüge 1932.

Bon der Reichsbafondirektion Frankfurt a. M wird mitaetcilt;

auf der Ferienfonderzugkonferenz in Baden- Baden wurde jetzt dos endgültige Programm der in diesem Sommer verkehrenden Ferienionder- Züge scslgetcgl. Für den Bezirk der Reichsbahn- direktion Frankfurt a. M sind folgende Zuge von Interessen

Frankfurt a. M. f)bf. Basel, Bad. B f. Kon- stanz am 11. Juli. Fahrkarten werden ousgegeben nur in Frankfurt a. M. S)bf.

Frankfurt a. M. iibf. München Hbf. am 9.-10. Juli und 11. Juli Fahrkarten werden ausgc gcben in Frankfurt a. M. Hbf., Offenbach a.M. Hbf. und Hanau Hbf.

Dassel Fulda Hersseld München am 9.-10. Juli. Fahrkarten werden ousgegeben in Fulda und Hersfeld.

Frankfurt a.M. Hbf.N o r d d e i ch am 11.Juli. Fahrkarten werden ausgegeben in Frankfurt a. M. Hbf., Friedberg, Gießen Wetzlar und Dillenburg.

Frankfurt a.M. Hbi WiesbadenHamburg/ Bremen am 9 10. und 11/12. Juli. Fahrkarten wer­den ausaegeben in Frankfurt o. M. Hbf., Offen- doch a.M Hbf., Hanau Hbf., Fulda und Bebra

München Hamburg Bremen am 16/17.Juli. Fahrkarten werden ousgegeben in Fulda und Bebra

Kaiserslautern Frankfurt a. M. Hbf. Fried­berg Hamburg Bremen am 16 /17. Juli. Fahr- karten werden ausgegeben in Frankfurt a. M. Hbf., Friedberg, Butzbach und Gießen.

Wiesbaden Frankfurt o. M. Hbf. Berlin am 11. 12. Juli. Fahrkarten werden ousgegeben in Frank­furt a. 'M. Hbf., Offenbach o. M. Hbf., Hanau Hbf und Fulda.

Frankfurt o M. Hbf. Stralsund Carls- HagenTrassenheide am 9 10. Juli. Fahrkarten werden austzegeben in Frankfurt a. M. Hbf , Offen- bad) a. M. chbf, Hanau Hbf., Fulda und Bebra

Frankfurt a M. Hbf. Beuthen (Oberschief.) am 9. 10. Juli. Fahrkarten werden ousgegeben in Frankfurt a. M. Hbf., Offenbach a.M. Hbf., Hanau Hbf., Fulda und Bebra

Frankfurt a. M. Hbf. Breslau Hbf. am 27. 28. Juli. Fahrkarten werden ousgegeben in Frankfurt a. M. Hbf., Offenbach a. M. Hbf., Hanau Hbf., Fulda und Bebra.

Die Datenangabe in Bruchform bedeutet Nacht­sohrt.

Oie Versteuerung des Mietwerts der eigenen Wohnung.

3n Len vom Wirtschaftsprüfer und Bücherrevi­sor Hermann Will zu Gießen herausgegebenen Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Rr. 10) lesen wir über eine Wendung der Recht­sprechung de S R e i ch s f l n a n z h o f s in der Frage des Mictwerts der eige- nenWohnung folgendes

Die Feststellung des Mietwerts einer vom Eigentümer selbst bewohnten Villa oder Wohnung hat von je den Finanzämtern außerordentliche Schwierigkeiten gemacht. Gerade in der heutigen, wirtschaftlich so außerordentlich schweren Zeit werden die zum Teil sehr hohen Mietwerte und die daraus sich ergebende Einkommensteuer als außer­ordentlich drückend emptundeii. kann doch der Be­sitzer eines eigenen Hauses dieses oft nur noch mit Mühe überhaupt halten.

Die bisherige Rechtsprechung ging von dem Ge­danken aus. daß Grundlage für die Schätzung des Mictwertcs eine angemessene Verzinsung des in­vestierten Kapitals sein müsse. Eine Abweichung wurde nur zugelassen, wenn der Eigentümer beim Erwerb oder bei der Herstellung übervorteilt war. oder sonst unvortcilhast abgeschnitten hatte

Von dieser Rechtsprechung ist der Reichssinanz- hof nunmehr abgekommen 3n einer Entscheidung vom 3. Februar 1932 VI A 1182 31 erklärt der Reichsfinanzhof ein Abwcichen von der

Verbesserungen

Die ft a ö m i d) e n Anlagen sind im Besitztum der Stadl einZUtiopoften von unbekannter, weil ide- eller Große Sie ersetzen Taufenden den Besitz des eignen Gärtchens und bringen das Wunder der 'Natur auch demjenigen naher, besten Blick durch forgenvolle Arbeit so getrübt ist. daß er auf Erholung in der freien Goitesnatur verzichten zu muffen glaubt. Die städtischen Anlagen im Blulenschmuck des ersten Frühlings sind ein Stück veredelter Natur, bei der nur einige Schönheitsfehler störend wirken. Hierher gehört vor allem das massenhafte Borkom men von Löwenzahn und Kälberkropf in den Nasenflachen. Diese Andenken an die Kriegsjahre, wo man aus Mangel an Arbeitskräften die Rasenflächen zur Wiese verwildern lasten mußte, sollten gegenwärtig, wo mehr müßige Hände vor­handen sind, als bezahlt werden können, unbedingt zum Derfchwinden kommen

Ein Beispiel landschaftlicher Gartenschönheit auf kleinstem Raum unter Ausnutzung der gegebenen Verhältniste ist die Ost an läge. In der Nahe des Teiches hat man, unter Buschwerk verstreut, den Fingerhut angepslanzt. Wie wäre es, wenn man zur weiteren Belebung des Bildes auch andere Gewächse in zwangloser Anordnung anbrächte? Wir nennrn Krokus und Narzissen in Streumuster an den Han gen, Passerschwertlilien (Iris Pseudocaris und Kämpferi) am Wasser, den Gaisbart mit seinen langen, weißen Blütenrispen am Bachlauf Blumen­beete in landschaftlichem Rahmen sind vielfach wenig beliebt. Auch das kreisrunde Beet an der Brücke der Senckenbcrgftrahe, am Fuße des Silberahorns, der Zerstörungswut der Hunde preisgegcbcn, ist kein glücklicher Gedanke. Dafür könnte der -worfel des Liebigdenkmals mit einer dauerhaften Polsierftaude umgrünt, oder der fußbreite Rasenstreifen, wie er jetzt ist, alljährlich neu angesät und etwas sorgfältiger gehalten werden. Dos Denkmal würde durch Ent­fernen der beiden davorgepflanzten Schierlings­tannen nur gewinnen. Erfreulich ist die Begrünung der sonst kahlen Böschung am Schorgraben, die durch Fortnohme non Aesten aus den Kronen der Linden bäume erreicht worden ist.

Dlütenreich ist die S ü d a n I a g c ausaestattet. Hier ist bereits begonnen worden, die Wirkung auffallend schöner Blütensträucher durch Massen- pflanzung zu steigern, wie das mit Forsythia in der Rohe des Theaters und am Tempelchen mit japanischen Quitten vorgenommen wurde. Wir vermissen aber noch eine Pflanzung von Mandel» kirschen und Paeonien. Auch die sommerblühenden Gehölze wie Holodiscus, Aesculus macro<tachya und Hydrangea paniculata, der sog. Herbstflieder, wären zu Gruppen gehäuft und diese einzeln ge­stellt an der W e st a n l o g e z V. am rechten Platze. An der Johanneskirche ist vor einer Reihe von Jahren ein etwa 1000 Quadratmeter umfas­sender Schmuckplatz geschaffen worden, dessen

Schätzung des Mietwertes nach der angemessenen Verzinsung des investierten Kapitals dann für ge­boten, wenn der Aufwand für Herstellung oder Erwerb eines eigenen Hauses sich als teilweise ver­loren herausstellt. Das kann nicht bloß dann vor­liegen. wenn zur Zeit des Vaues der Eigenwohner vom Architekten überfordert ist, oder der Vau sonstwie überfordert ist, oder der Vau sonstwie übersteuert war. sondern auch dann, wenn später die Herstellungskosten allgemein sinken, so daß also die Herstellung in dem der Beurteilung un­terliegenden Steuerabschnitt nur entsprechend ge­ringere Gesamtaufwendungen erfordern würde. Ratürlich kommt diesem Umstand nur Bedeutung zu. wenn es sich um wesentliche und klar erkenn- bare allgemeine Veränderungen der wirtschaft­lichen Sachlage, oder um ganz besondere Fäsle handelt.

Damit bat sich eine Wendung in der Rechtspre­chung vollzogen, die sich in vielen Fällen zum Vorteil des Hausbesitzers auswirken wird. Der Villenbesiyer braucht nun nicht mehr einen Miet­wert zu versteuern, dem die Verzinsung des unter

in Den Anlagen.

Blumenschmuck au» Bändern niederer Rosen be­steht. Run stehen aber darauf, zum Teil dicht ge­drängt. dreißig große Bäufne, von denen immer einer in die Krone des andern hine'nwächst Ihr Schatten läßt an manchen Stellen die Rofen nicht recht zur Entwidlung kommen Hier sollte ein­mal die Afft eingredcn. Diejenigen, die im Fällen eines Baumes eine Art von Barbarei erblicken, sollten einmal nach England gehen, um zu sehen, wie man dort ganz anderes Verständnis für die Schönheit freigestellter Bäume und Baumgruppen aufbringt. Roch viel schlimmer als an der Kirche sieht es vor den Häulern 21 r. 3 bis 6 auS. Das Wort .Proletarier" besitzt einen üblen Klang Diese Bäume sind aber Proletarier des Pflanzen­reichs schlimmster Sorte, weil sie aus Mangel an Licht und Rahrung sich gegenseitig bedrängen und zu verkrüppeltem Stangenholz werden Die Hälfte davon wäre noch zu reichlich Alles andere sollte fallen.

Wer sich das farbenprächtige Bild vergegen­wärtigt. das den Besucher Darmstadts beim Verlassen des Bahnhofs überrascht, wird sich wundern, daß unsere maßgebende Stelle m der Verwendung von Schmuckdahlien und Hanna so überaus starke Zurückhaltung übt Gewiß können wir auf unserem nun einmal unglücklich verbauten Platze vor dem Bahnhof nichts ähnliches leisten, aber auf den größeren von den beiden Grünplätzen zwilchen Hotel Kühne und der Haupt­post gehört ein massiges Beet in einer wirksamen, leuchtenden Farbe, wie sie bei Dahlien prächtiger als bei allen anderen Modeblumen in großer Auswahl vorhanden sind.

Auch die Grünstreifen an der Westanlage vertragen eine solche Aufhellung durchaus.

Zu den hier vorgetragenen Wünschen, die Anregungen sein sollen, wird mancher vielleicht sagen, dies alles erfordere Geldausgaben, die in einer Zeit wie jetzt unbedingt vermieden werden müßten. Dem ist entgegenzuhalten, daß Arbeits­kräfte und auch der technische Apparat mit einem Manne an der Spitze vorhanden sind, der von bestem Wollen beseelt seiner Ausgabe gern gerecht wird Das benötigte Material ist unseres Willens entweder schon vorhanden, oder läßt sich im städtischen Pflanzgarten heranziehen Könnte man nicht auch einmal den überall lich regenden freiwilligen Arbeitsdienst im nächsten Herbst und Winter zur Erneuerung der Rasenflächen, namentlich in der R o r d a n l a g e , mobil machen? Auch die Holzfällerarbeiten in der Südanlage und in den Anlagen am Alten Friedhof könnten auf diesem Wege zur Ausführung kommen. Ebenso dankbar zu be­grüßen wäre die Inangriffnahme einer Kirschen­pflanzung. R.

ganz anderen Verhältnissen aufgewandten Ka­pitals zugrundegelegt ist. sondern nur einen Miet- toert unter Zugrundelegung der Aufwendungen, die heute für die Errichtung einer Villa ersorde» lich wären.

Gtctzcncr Wochenmarktpreisc.

Gießen. 19 Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt- Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120 bis 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30. Wirsing (gelb) 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12. Rotkraut 12 bis 15. gelbe Rüben 10 bis 12. rote Rüben 10 bis 12. Spinat 10 bis 15. älnterkohlrabi 5 bis 6. Spargel 25 bis 50. Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 80 bis 100. Zwiebeln 15 bis 18. Meerrettich 30 bis 60. Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln 4.5 (pro Zentner 3.80 bis 4 Mk), Aepfel 10 bis 15. Dörrobst 25 bis 30. Rüsse 35 bis 40. Honig 40 bis 45. Suppenhühner 70 dis 80. junge Hähne 80 dis 90 Pfennig pro Pfund. Tauben 50 bis 70. Eier 6 und 7. Käse 5 bis 10, Blumenkohl 30 bis 70. Salatgurken 40 bis 60.

Obcrloblrabi 15 bi» 20. Sellerie 10 bi» 30. Salat 15 bi» 20 Lauch 5 bi» 10. Rettich 15 bi» 20 Pfennig pro Stuck Radieschen 10 bi» 15 Pf. pro Bund

Aufgehobene Postwertzeichen Verkauf ft eile Wie da» Postamt muieilt, ist die amtliche AerkaussicUe für Postwertzeichen bei H rmann Röhrig, Lederhandlung, Neustadt 53, auigehoben worden

Die Reichspost lenkt Die Fern­sprecher . Neben st eilengebühren. Am 1 Juli treten ermäßigte Gebührensätze für Fern Ipreduiebenanlthluffc und Zusatzeinrichiungen in Kraft. Namentlich sind die Apparatebeitrage herab- gefegt worden, wodurch den Teilnehmern die Ein­richtung und Erweiteruna von Nebenstellenanschlus- len erleichtert wird. An Apparalenbeitrag find künf­tig zu zahlen für eine Nebenstelle für gewöhnlichen Apparat 15 Mark statt 20 Mark Die Monatsge- buhren für den Nebenanschluß sind gleichfalls er- mäßigt worden Bei den Großanlagen kostet em Nebenanschluß künftig nur 3,60 Mark monatlich, gegen 4,3o Mark Alle Teilnehmer, bei denen sich die Monatsgebühr ändert, erhalten von ihrem Vermut- lungsaint 'Jlad)rid)t.

Städtische GraSver st ei gerungen linden am'Montag. 'Dienstag und Mittwoch näch­ster Woche statt. RähcreS in der heutigen Be­kanntmachung der Stadtverwaltung

Kranken-Tragbetten bei der Reichsbahn. Es ist noch wenig bekannt, daß die Reichsbahn zur Beförderung von Kranken Tragbetten zur Verfügung hält. Mit diesen Trag- betten ist e» möglich, den Kranken, ohne feine Lage zu verändern, bequem in die Abteilwagen zu bringen. Die Bewegungsfreiheit und Bequem­lichkeit des Kranken wird durch da- Tragbett nicht gehindert. Die Tragbetten haben Matratzen und Vorhänge. Aus den größeren Bahnpöfen, so z. B. in Frankfurt. Gießen. Limburg. Bad Ems usw. stehen solche Tragbetten zur Ver­fügung. Wer zur Beförderung von Kranken sich der Tragbetten bedienen will, der wende sich - vorherige Bestellung ist erwünscht an den Bahnhof, von dem er die Bahnreife antreten will. Gegen Lösung von zwei Fahrkarten 3. Klasse für den Kranken wird im Zuge ein Wagenabteil 3. Klasse frei gehalten. Für jeden Begleiter de» Kranken ist eine Fahrkarte 3 Klasse notwendig

Sterbefälle in Gießen 3n der Zeit Demi 1. bis 15 Mai verstärken in Gießen 3 Margareta Schäfer, geb Schollmeier, 31 Jahre, Wehsteingasse 32 4- Dr Eduard Siofor, Studien­rat. 52 Jahre. Ludwigsplatz 5- 10. Anna Maria Kraus, geb. Schälen. Witwe. 63 Jahre, Stephan- straße 49. 11. Georg Wienhold. Pförtner. 51 Jahre. Zriedensstraße 21 13. Friedrich Kern, ohne Beruf. 42 Jahre. Lindengasse 14. Philipp Schneider. Werkmeister. 65 Jahre. Weserstraße 18. Marie Kretschmann, geb. Klein. Witwe. 35 Jahre, Hammstraße 14.

Zusammenkunst ehemaliger 25 4er. Am 4. und 5. Juni findet in Darmstadt die elfte Jahres-Hauptversammlung und Zusammenkunft der Angehörigen des chem. Großh. Hess. Res -Inf.-Regi­ments 254 statt. Man erwartet bei dieser Gelegen- bei: eine kameradschaftliche Wiedersehensseier aller chem. 254er.

Zigarre n dieb st ah l. Ein Einbrecher drang während der Pfingstfeiertoge in die Zigarren- fabrik von Rinn & (Moos in Heuchelheim ein. Der unerwünschte Besucher kletterte an einer Stange an der Außenwand des Fabrikgebäudes bis zum Dache empor, spazierte dann über das Dach bis zu einer Bodenluke, wo er das Fenster einschlug und dann m den Packraum gelangte. Hier stahl er, soweit bisher festgestellt werden konnte. 32 Kistchen Zigarren zu je 50 Stück. Aus dem gleichen Wege, wie bei feinem Kommen, trat er dann den Rückzug an. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.

DiebstähIe. Wie der Polizeibericht mitteilt, wurde von einem Fahrrad, das in einem Hose des Sesterswegs stand, der Satfel mit Sattelstütze ent- wendet, ferner aus einer Sandgrube im Wiefecker Weg eine Wagenplane von 3,60 X3,20 Meter Größe gestohlen.

getreten war. Sein Raine wird für immer mit .Lüyows wilder, verwegener Jagd" verknüpft bleiben.

Cs war ein glücklicher Gedanke Lühows. diese »Schor der Rache" mit schwarzen Uniformen aus- tzurüsten und sogleich mit einem romantischen schein zu umgeben Die edelsten Geister jener Tage sammelten sich unter seiner Fahne, aber die Erfolge waren gering und rechtfertigten nicht die großen Hoffnungen, die man auf die Lützower gesetzt hatte Die Erhebung ganz Deutschlands blieb aus. Während man davon geschwärmt hatte, daß die Lützower sich zu einem Heer von 100 000 Mann erweitern würden, kamen nur 2800 Mann zu Fuß und 480 Reiter zusammen. Außerdem war Lüyow nicht die geeignete Persönlichkeit, um die bunt zusammengewürfelten, aus den verschieden­sten Schichten stammenden Krieger richtig zu be­handeln. Man wird ihm auch nicht den Vorwurf ersparen können, daß er zu vertrauensselig war. als er in die Falle bei Kitzen ging, in der feine Schar fast völlig aufgcricbcn wurde. Er selbst wurde schwer verwundet. Ihn zeichnete mehr toll­kühne Tapferkeit, als strategische Begabung und die Gabe des Führers aus. So war es berechtigt, daß die .Schwarze Schar" im Rovernber 1813 ins Heer eingereiht und ein Truppenteil wie jeder andere wurde. Lützow hat an der Spitze seines Regimentes an den Hauptschlachten der Freiheits­kriege teilgenommen- immer war er im dichtesten Handgemenge, wurde noch dreimal schwer ver­wundet und geriet zweimal in französische Ge­fangenschaft. Bei ßigni) hatte er die Führung des vordersten Stoßtrupps, stürzte mit dem Pferde und wurde verwundet gefangen, bei Waterloo aber wieder befreit. So kehrte er mit Lorbeeren bedeckt aus dem Kriege beim. Seit 1817 war er Brigadegeneral in Münster, und in dem angereg­ten Haus, das seine Gattin machte, verkehrte auch der Dichter Jmmermann, mit dem Elise einen Seelenbund schloß. Die romantische Frau halte sich Lützow. da er nicht mehr von der Gloriole des Helden umwittert war, immer mehr entfrem- del. und so kam es zur Trennung. 1825 zur Schei­dung. Lützow bewies auch hier seine ritterliche Gesinnung. Er wollte dem Glück feiner Frau nicht im Dege stehen und -suchte selbst alle Hinderniffe zu beseitigen, die ihrer Verbindung mit Jmmer­mann entgegenstanden Er ging sogar so weit, Jmmermann einen jährlichen Zuschuß anzubieten, um ihm die Gründung eines Heims zu ermög­lichen. .Lützow ist mir immer der treueste Freund geblieben, versicherte Elife später, als sie Jmmer­mann durch seine Verheiratung mit einer andern verloren hatte. Lüyow heiratete bann noch einmal und zwar die Gattin feines verstorbenen Bruders Er starb 1834, nachdem er 1830 in den Ruhestand

Hessen-Aassauisches Wörterbuch.

Bericht über den Stand der Arbeiten.

Heber die Arbeiten an dem großen Heimat­werk im Jahre 1931 schrieb in den Sitzungs­berichten der Preußischen Akademie der Wissen- Ichaflen Pros Ferd. Wrede in Marburg- Das Wörterbuch hatte in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres mit erheblichen Geldlchwierigkeiten zu kämpfen Sie ergaben sich dadurch, daß seine Bezüge seitens der Provinz zum Teil noch weit über das hinaus eingeschränkt wurden, was den sonst durch die Rotlage hervorgerufenen Kürzun­gen entsprochen hätte Wenn gleichwohl die Ar­beit nicht unterbrochen wurde, auch die 5- Liefe­rung herauskam. so war das nur deshalb mög­lich. weil erstens wenigstens ein Bruchteil des ausgefallenen Geldes durch eine hochherzige ein­malige Zuwendung des Hniversitätsbundes Mar­burg ersetzt werden konnte, und weil zweitens Frau Prof Berthold trotz stark verminderter Bezüge ihre Tätigkeit danienswerterweife in vollem Umfang aufrechterhielt Allerdings war auch so noch c nc Einschränkung der wichtigen ßemmatificrungearbeit leider nicht vermeidbar. Es sei nachdrücklich betont, daß die Fortdauer von Geldlchwierigkeiten dieses Ausmaßes zu wei­teren Kürzungen wichtiger Hilfsarbeiten zwingen mußte ja schließlich das Fortfchreiten unserer Veröffentlichung in Frage stellen würde

Weiterhin berichtet Frau Prof Berthold: Von dem Heffen-Rasfauischen Volkswörterbuch wurde im Berichtsjahr die 5 Lieferung (Marien- tag Metze« fertiggeftellt. Sie ist in den ersten Wochen des neuen Jahres ausgegeben worden. Wieder machte sie mancherlei Cinzelfragen nötig, für deren Beantwortung wir herzlich zu danken haben, m erster Linie der Lehrerschaft. Be­sonders wertvoll waren uns die Auskünfte für die Auffüllung und Rachprüfung der Wort- karten. die ohne diele Hilfe gar nicht herstellbar gewesen wären. Leider ist es aus Raumgründen nicht möglich, die vielen Helfer mit Rainen auf­zuzählen. die uns mit solchen Einzelantworten nützten Unseres Dankes aber und des Danks der Heimat dürfen sie gewiß fein. Mit ständiger Auskunft unterstützen uns folgende, feit Jahren bewährte Helfer, unter deneg stch eine Reche

von Schülern W red cs befinden die Herren Hauptlehrer Adel. Dr. Hofmann. Mittel­schullehrer Kappus. Dr Kroh, Dr Münch, Taubstummenlehrer R u p p e l Lehrer i R. Schaefer. Schulrat i R Schw.alm Dr. Schudt. Dr Schwing. Dr. Sooft Dr. WeierShaufen, Dr. W i tz e l, dazu Frau Arndt

Der Ausbau des Gesamtapparats konnte auch im Berichtsjahr gefördert werden. Gedruckte und ungedruckte Dialektliteratur wurde ausgezogen, Einsendungen unterer Helfer sowie Fragebogen wurden verzettelt Die Zahl der revidierten Apparatzettel erhöhte sich auf 244 000- Der Zu­wachs an Zetteln wäre noch größer gewesen, wenn die Cemmatifierung nicht darunter litte, daß die Berichterstatterin aus Geldmangel über keine philologisch geschulte Dauerhilse verfugte, die sie an dieser verantwortungsreichen Arbeit mit­beteiligen konnte.

Unter den oben erwähnten Einsendungen beson­ders hervorzuheben sind die der Herren Tierarzt Friederich (für Hersfeld und Hofgeismar», Amtsgerichtsrok Pitel (für Homberg a d C >. Dr Warnecke (für den Kreis Wetzlarj. Dr. Witzel (für mehrere osthefsische Ärcilc), Rektor Ziemer (Urkundliches aus Raffaus. Justizober- lefretär Welker (für Selters. Unterwesterwald- freie). Den reichsten Zuwichs aber bedeutete für uns der wissenschaftliche Rachlaß des verstorbenen Dr Walther Wagner der uns von seiner Witwe geschenkt wurde. Er umfaßt eine Orte- grammatif von Langenhain im Main-Tounus- kreis sowie laut- und wortgeographische Paulen aus dem Südtaunusgebiet, beides in Handschrift. Cs ist unS ein Bedürfnis, der Spenderin für ihre Gabe aufrichtig zu danken.

Zu Dank verbunden sind wir endlich noch der Presse, die sich auch in diesem Jahr unserer Arbeit annahm Sie gab Artikeln über die Wörterbucharbeit Raum, brachte Besprechungen unterer Veröffentlichung und überließ uns nicht leiten kostenlos ihre Heimatbeilagen Dauernd im Dienst des Wörterbuchs tätig war im ab- gelaufenen Jahr die Berichterstatterin. Zeit­weilige Hilfsarbeit leisteten ihr die Damen stuck. Hartmanshenn, stuck. Jagdhuhn, stuck. Kühn und die Herren Baum, Cor- vinus. Bibliotheksrat Dr. Martin. Dr. Warnecke. Unter dielen muh besonders Dr. Martins gedacht werden der von den Wort- karten der 5 Lieferung die zweite dritte und vierte bcigefteuert hat

Lühows wilde, verwegene Zagt».

Zu Adolf von lühows 150. Geburtstage.

Bon Professor Or. Eugen Wölbe.

Jmmermann hat einmal das Lühowsche Frei­korps diePoesie des Heeres" genannt, und von der Romantik, die diese Truppe verklärt, fällt auch ein gut Teil auf ihren Schöpfer, den Frei­herrn Adolf von Lützow, dessen 150.Geburts­tag auf den 18. Mai fiel. Lüyow ist der Typus des ritterlichen Kämpfers der Freiheitskriege gewor­den, kein hervorragender Geist, keine führende Persönlichkeit, aber ganz durchglüht von jener Vaterlandsliebe, die kein Opfer scheut, von jenem Freifoeitsdurst. der die Schmach der Unterdrückung nicht ertragen kann. In dem Gedanken, an dem Aufstand des Volkes durch die Gründung einer Freischar aus Richtpreußen teilzunehmen, die die Einheit ganz Deutschlands verkörpern und das ganze Vaterland zum einmütigen Kampf entflam­men sollten, gipfelt seine Laufbahn, und von hier aus fällt ein unvergänglicher Glanz auf die Sc- Halt dieses märkischen Edelmannes Schon mit 13 Jahren war er in die preußische Garde cingetrc- ten, hatte 1806 tapfer in der unglücklichen Schlacht bei Auerstädt mitgefochten und schloß sich nach der Auslösung seines Regiments dem Schillschen Frei­korps an. Er war ein naher Freund Schills und organisierte die Reiterei innerhalb feines Trup­penverbandes. Lützow hat auch bei den entschei­denden Beratungen immer wieder zum Durchhal­ten in dem verzweifelten Unternehmen geraten; er wurde in der Schlacht bei Stargard verwundet und dadurch vor der Teilnahme an dem tragischen Ausgang Schills und der Seinen bewahrt. Als Major verabschiedet, suchte der an seinen Wunden kränkelnde Offizier Heilung im Bade und lernte hier die anmutige und reiche dänische Gräfin Elife von Afoleseldt kennen, die sich in den statt­lichen, mit dem Orden Pour le .Mente geschmückten Mann verliebte So kam rakfo die Ehe zustande, in der der wackere Reiter dem hohen romantischen Gedankenslug seiner schöngeistigen Gattin zu fol­gen wußte, von ihr aber in feiner vaterländischen Begeisterung unterstützt wurde. Rachdem er 1811 wieder in die Armee eingetreten war, erhielt er am 18. Februar 1813 den Auftrag, in Schlesien ein Freikorps zu bilden, um damit auch in den andern deutschen Ländern den Anstoß zur Volkserhebung zu geben. Elife von Lützow. die ihn nach Möglich- icti auch in d-en Feldzügen begleitete, wurde die .Muse der schwarzen Schar".