Laß 6tc Nationalsozialisten die D e u t s ch nationalen von den Koalitionsverhandlungen aus- geschaltet sehen möchten und dem Zentrum vovgeschlagen haben, die Besprechungen -nur zwischen den Ariden Parteien tzu führen. Die Erbitterung in der Hitlerpartei gegen Hugenberg hat nicht nur darin ihren Grund, Laß man von hier aus über G a y l und Oldenburg-3-anufchau die entscheidende Einflußnahme auf den Reichspräsidenten vermutet. 3n den programmatischen Auseinandersetzungen der letzten Zeit hat sich auch offenbart, daß
in den grundsätzlichen politischen und wirtschaftspolitischen Fragen zwischen den früheren Verbündeten der Harzburger Front so entgegengesetzte Auffassungen herrschen, dah an eine fruchtbare Zusammenarbeit nicht mehr gedacht werden kann.
Die staatswirtschaftlichen Pläne und die währungspolitischen Absichten, die sich bei einer Mehrheit der nationalsozialistischen Politiker immer deutlicher erkennbar wachen, schlagen den Grundsätzen des Kreises um Hugenberg ins Gesicht. Sie sind unter Umständen leichter mit dem gewerkschaftlichen und christlich-sozialen Flügel des Zentrums zu ver- wirklichen, als mit den Deutschnationalen.
Daß die Koalitions Verhandlungen sehr bald zu einem Ergebnis führen könnten, ist nicht anzunehmen. Die beiden beteiligten Parteien werden natürlich zunächst ihre Maximalforderungen
präsentieren, und solange man die inneren Konzessionen und die taktischen Absichten der Verhandlungspartner in der Öffentlichkeit nicht zu überschauen vermag, kann man schwer eine Prognose stellen. Bezeichnend ist immerhin, daß nach bestimmten Mitteilungen
das Zentrum keine Bedenken tragen würde, eine nationalsozialistische Mehrheit in dem preußischen Drel-Männer-üollegium zu schaffen.
das die eventuelle Auflösung des preußischen Landtages in der Hand hat. Beim Zentrum glaubt man offenbar, daß sich die Nationalsozialisten selbst von Neuwahlen keinen weiteren Auftrieb versprechen. Das andere Bedenken aber, daß der preußische Ministerpräsident allein über die Besetzung und Umbesetzung der Ressorts zu entscheiden hat, spielt nach wie vor eine große Rolle. Daneben werden aber auch andere Sicherungen diskutiert, die sich auf die Verfassung, auf die Handhabung der Exekutive und hier wieder in erster Linie auf die Polizei beziehen. Die Deutschnationalen drängen angesichts von parlamentarischen Möglichkeiten, bei denen sie jedes Einflusses beraubt wenden könnten, bei der Reichsregierung sehr energisch darauf, daß
der Reichskommifsar für Preußen durch die Bildung eines endgültigen Ministeriums
auf gleicher weltanschaulicher Grundlage wie im Reich, also unter starker Berücksichtigung deutschnationaler Persönlichkeiten, den parteimäßigen Bestrebungen einen wirksamen Riegel vovschieben solle.
Oesterreich liefert sich Frankreich aus.
Annahme des Lausanner Protokolls im österreichischen Nationalrat. Nur eine Stimme Mehrheit.
Vien, 17. August. (MTV.) Der Nationalrat hat heute in namentlicher Abstimmung das Lausavner A n l e i h e p r o t o k o l l mit 81 gegen 80 Stimmen angenommen. Für das Protokoll stimmten die Christlich-Sozialen, der Landbund und sechs Mitglieder des Heimatblockes. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, die Großdeutschen und zwei Heimatblockabgeordnete. Lin großdeutscher Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung war vorher mit demselben Stimmenverhältnis abgelehnt worden.
Oie Aussprache.
Den Standpunkt der Sozialdemokratischen Partei legte Abg. Dr. Bauer dar, der die Haupteinwände seiner Partei gegen das Abkommen in vier Thesen zusammenfaßte. Das Abkommen sei erstens eine wesentliche Beeinträchtigung der außenpolitischen Handlungsfreiheit Oesterreichs, zweitens bringe es eine ausländische Kontrolle auf unbestimmte Zeit, drittens enthalte es Bestimmungen, die volkswirtschaftlich sehr gefährlich schienen, z. B. die Verwendung der aufzulegenden inneren Anleihe, und viertens auch sozialpolitisch gefährlich seien, wie z. B. die Durchführung des Reformprogramms bei den Bundesbahnen. Demgegenüber stehe die Erlangung einer 2lnleihe von 300 Millionen Schilling, die jedoch nur eine Erleichterung der währungspolitischen Lage für wenige Monate und eine Erleichterung der staatsfinanziellen Lage höchstens für ein Jahr bedeute. Die Sozialdemokratie fei überzeugt, daß es möglich gewesen wäre, aus Lausanne einen besseren Vertrag nach Hause zu bringen.
Der großdeutsche Abaeordnete Pro dinge r erklärte, das Lausanner Abkommen sei für das Deutschtum i-m Südosten von schicksalhafter Bedeutung. Weite Kreise in Oesterreich stünden der Vorlag-e fassungslos gegenüber. Der Redner forderte eine Volksabstimmung über das Lausanner Protokoll und stellte schließlich den Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung, damit es deutlich werde, daß der österreichische Nationalrat gegen Frankreich und für Deutschland eintritt.
Der Sprecher des Heimatblockes, der für die Annahme des Protokolls sprach, verwies darauf, daß in den letzten Wochen eine Klärung eingetreten sei und dem Protokoll durch die Zusatzanträge des Landbundes die -schärfsten Giftzähne in nationaler und wirtschaftlicher Hinsicht" genommen worden wären.
Namens der Christlich-Sozialen dankte Dr. B u r e s ch dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß für seine unter schwierigen Verhältnissen für die Interessen Oesterreichs geleistete Arbeit.
Abg. Thoma vom Landbund erklärte, seine Partei sei nach gewissenhafter Prüfung zu der Erkenntnis gekommen, daß die Anleihe eine zwingende Notwendigkeit sei. Wir haben den Mut, so schloß der Redner, für Lausanne zu stimmen.
Raubüberfall.
MSN. Dieburg, 17. Aug. Ein R aub - überfall wurde ain Dienstag gegen 19 älhr in Eppertshau sen im Kreise Dieburg verübt. 3rt der Dorfwirtschaft Scharf traf ein auf einem Fahrrad ankommender Mann nur einen 12jährigen 3ungen an, den er unter einem nichtigen Anlaß hinausschickte, um sich dann an der Büssetkasse zu schaffen zu machen. Auf die Hilferufe des zurück kehrenden Knaben eilten zwei Nachbarn herbei, die den Räuber f e st n a h m e n. Dieser griff darauf in die Tasche, um angeblich zu zeigen, dah er kein Geld zu sich genommen habe: dabei schoß er aber aus der Tasche heraus auf den vor ihm stehenden August Müller aus Eppertshausen. Der Schuh ging Müller in den älntetleib, so dah er mit einem Aufschrei zusammenbrach. Sein Bruder 3 o's e f Müller lieh darauf den Revolverhelden los, der sich auf sein Rad schwang und in rasendem Tempo durch die Dorsstrahen in der Richtung nach Oberroden davonfuhr. Dabei hielt der Räuber die Schußwaffe in der erhobenen Hand und bedrohte jeden mit Erschießen, der sich ihm in den Weg stellen wollte. Vermutlich bog er später in eine Waldschneise ab, die nach Nieder- roden führt. Der schwerverletzte August Müller wurde nach dem Kreiskrankenhaus nach Dieburg verbracht, wo sich bald herausstellte, daß der Schuß den Dünndarm sechsmal durchschlagen hatte.
piccard zum Gtratosphärenflug gestartet.
Dübendorf, 18. August. (2DIB. Funkspruch.) Professor Piccard ist unter ungeheurem Jubel einer riesigen Menschenmenge bei fast völliger windstille heute früh um 5 Ahr 5 Minuten z u seinem Slratosphärenflug gestartet.
Oie letzten Vorbereitungen.
lieber die Umstände, unter denen sich Professor Piccard gestern kurz nach 118 Uhr zum Start entschloß, erfährt die Schweizerische Depeschenagentur, daß der Direktor der Wetterstation des Zivil- flugplatzes die atmosphärischen Verhältnisse für den Aufstieg als günstig bezeichnete. In den Höhen wird es klar sein, während in der Ebene teilweise Nebel auftreten wird, lieber die mutmaßliche Richtung, die der Ballon einschlagen wird, kann noch nichts Bestimmtes gesagt werden. Wohl herrscht noch Abzugsströmung nach Südost, doch kann sie während der Nacht aufhören. Es kann als sicher gelten, daß eine nordwestliche Windrichtung außer Frage steht.
Wie verlautet, werden nach dem Start vier Automobile, hauptsächlich des Ostschweizerischen Vereins für Luftfahrt, an die Verfolgung des Ballons gehen. Außerdem haben Privatleute ein Flugzeug gemietet, das mit Mittel- Holzer zur Verfolgung des Ballons aufsteigen wird.
Um 3 Uhr wurde die Gondel unter den Ballon geschoben. Die Befestigung des Ventils an der Gon
del nahm Professor Piccard selbst vor, der sich seit 2.30 Uhr wieder auf dem Flugplatz befand, nachdem er vier Stunden in einem Schuppen der Suisse Aero geschlafen hatte. Kurz nach 3 Uhr erschien Frau Piccard mit ihren vier Kindern. Mittlerweile wurde bekannt, daß auch Dr. Eckener aus Friedrichshafen auf dem Flugplatz eingetroffen sei. Kurz vor 4.30 Uhr hielt Professor Piccard noch eine kurze Ansprache an die Pressevertreter. Er teilte mit, daß 650 Kilogramm Ballast in der Gondel seien und daß der Ballon einem Auftrieb von 85 Kilogramm habe, was gerade recht sei. Professor Piccard betonte, daß lediglich technische und meteorologische Gründe ihn bewogen hätten diesmal in Zürich zu starten. Auf eine Frage, welche Richtung der Ballon wahrscheinlich einschlagen werde, erklärte Professor Piccard, daß er dies unmöglich wissen könne. Vielleicht fliege er nach Norden, vielleicht nach Süden. Darauf wurden die Ballonpioniere versammelt, denen Piccard seinen Dank aussprach. Sodann verabschiedete sich der Forscher von seinen Mitarbeitern und von seiner Familie, worauf er in die Gondel stieg. Wenige Minuten nach 5 Uhr winkte Professor Piccard seiner Frau und seinen Kindern zum letzten Male zu, worauf die letzten Haltetaue durchschnitten wurden und d e r Ballon lang s a m h o ch st i e g. Anfänglich zog der Ballon in nördlicher Richtung in einer Höhe Don 100 bis 150 Meter davon, jedoch änderte er die Richtung und wandte sich langsam nach Süden.
Oer neue Frankfurter Gender.
Der erste Spatenstich für die Errichtung des neuen Rundfunksendergebäudes erfolgte am 12. 3anuar 1932. Mit dem Einbau der technischen Einrichtungen durch die Firma C. Lorenz-AG. ist anfangs Mai begonnen worden.
Die Inbetriebnahme wird voraussichtlich am 20. August erfolgen.
Detritt man durch den Haupteingcmg das neue Gebäude, so befindet sich rechts der Sendersaal und links der Maschinenraum. 3m Sendersaal befindet sich die eigentliche Sendeeinrichtung. Diese besteht aus sechs Stufen, während der alte Sender nur zwei hatte. Die große Anzahl der Stufen ist gewählt worden, um größtmöglichste Frequenz. konstanA bzw. Mellenkonstanz zu gewährleisten. Die sechs Stufen sind in einzelnen Gehäusen untergebracht. Durch die erste Stufe, die als Schwin- gungserzeuger eine kleine Schirmgitterröhre enthält, wird eine Frequenz von etwa 577 kHz erzeugt. Die nächste Stufe ist ein neutralifiertec Hochfrequenzverstärker: in der dritten Stufe erfolgt eine Frequenzverdoppelung, d. h. man erhält eine Frequenz von etwa 1154 kHz, was einer Melle von rund 260 Meter entspricht. Die vierte Stufe dient zur Dermeidung von Rückwirkungen der Modulation auf den Steuersender, d. h. auf die erste Stufe. Sie verstärkt als neutralisiertev Hochfrequenzverstärker die Frequenz der dritten Stufe. 3n der fünften Stufe wird die verdoppelte Frequenz weiter verstärkt und zugleich moduliert. Die sechste und Endstufe enthält zwei im Gegentakt geschaltete wassergekühlte 40-K>V-Röhren. Diese Stufe ist doppelt vorhanden, die eine dient zum Betrieb, die an» dere zur Reserve. Mittels des Zwischenkreises wird die Endstufe 6 an einen sog. Siebkreis angeschlossen, der die Senderwelle von noch vorhandenen Oberschwingungen gründ lichst reinigen soll, damit der Empfang anderer, ferner Sender durch diese nicht gestört werden kann. Der Ausgang des Sieb- kreises ist mit einer doppeldräytigen Energieleitung verbunden, die die im Sender erzeugte und modulierte Hochfrequenzenergie der Antenne zuführt.
Die Anlennenleistung des neuen Senders beträgt etwa 17 6W.' gegen nur 1,7 SW. des alten Senders.
Die Melle des neuen Senders ist wesentlich kürzer als die des alten (rund 260 gegen 390 Meter). Die Bedienung des Senders erfolgt durch ein in der Mitte des Senderaumes aufgestelltes Schaltpult. Auf diesem sind 3nstrumente angebracht, die die richtige Aussteuerung des Senders zu überwachen gestatten. Hinter dem Bedienungspult befindet sich das Verstärker-, Meß- und Lieber- wachungsgestell, an dem die Besprechungskabel zum Sender endigen. Durch einen Endverstärker auf dem obengenannten Gestell werden die ankommenden Darbietungen verstärkt und zur weiteren Verstärkung dem Modulationsverstärker zugeführt.
Die Stromversorgung der neuen Rundfunk-Scnde- anlage erfolgt durch zwei Hochspannungskabel, die von verschiedenen Speisepunkten des städtischen Netzes herangeführt sind, um eine größtmögliche Betriebssicherheit zu erzielen. Um die von dem Städtischen Elektrizitätswerk gelieferte Energie umzuformen, befinden sich im Maschinenraum acht Maschinensätze, von denen die eine Hälfte zum Betrieb, die andere als Ersatz bei Störungen dient. Sie liefern auch die Anodenspannungen für die Stufen 1 bis 4. Ferner sind zwei Queck.sil- berdampfaleichrichter für eine Leistung von je 100 KVA. bei 12 000 Voltspannung vorhanden. Sie liefern die Anodenspannung für die Stufen 5 bis 6. Unter dem Maschinenraum sind b e« gehbare Kabeltunnel vorhanden, in denen die Starkstromzuführungskabel von den Maschinen, den Gleichrichtern ufro., einerseits zu den Schalttafeln und anderseits zum eigentlichen Sender derlegt sind.
3m Pumpenraum, der sich im ftellet befindet, steht die Wasserrückkühlanlage.
Diese dient dazu, das an den Röhren der 6. Stufe vorbeifließende und dadurch warmgewordene Wasser wieder abzukühlen, um es von neuem gebrauchen zu können. Hierzu wird am zweckmäßigsten Regenwasser genommen. Da dieses aber nicht dauernd zur Verfügung steht, muß destilliertes Wasser nachgefüllt werden. Um das warme von den Röhren zurückkommende Wasser zu kühlen, wird es in einem Oberflächenkühler von kaltem Wasser umspült. Als Kühlwasser kann gewöhnliches Leitungswasser nicht verwendet werden, weil es durch das Ansetzen von Kesselstein in den Kühlschlangen des Oberflächenkühlers Störungen Hervorrufen könnte.
Die englische Billard-Partie.
Kleines Erlebnis eines Weltreisenden.
Don E. 3- Klötzel.
Es war vom Sport die Rede gewesen und davon, wie sehr manche europäische Nationen und vor allem Amerika heute Enaland auf diesem Gebiet den Rang streitig machen. Mister Stroke, der einzige Engländer in unserem Kreis, hatte schweigend zugehört.
„Well, ©entfernen", sagte er jetzt, „ich gebe zu, daß die anderen uns in den sportlichen Leistungen hart auf die Pelle gerückt sind, und in manchen Sportarten sogar übertreffen. Aber wir haben immer noch einen Vorsprung: unsere Leidenschaft für den Sport! Sie wird von keinem Volk übertroffen, auch van den Amerikanern nicht, trotz des Riesenlärms, der drüben um jeden Rekord gemacht wird. Wenn es Ihnen recht ist, meine Herren, will ich Ihnen zum Beweise dessen eine Geschichte erzählen."
Wir nickten und tranken Mister Stroke zu.
„Dor zwei Jahren", begann Mr. Stroke, fuhr ich auf einem kleinen italienischen Dampfer van Mas- sana nach Port Sudan. Wir waren nur wenige Passagiere an Bord, und der einzige Engländer außer mir war ein schon älterer Konsularbeamter. Natürlich waren wir Tischnachbarn geworden und hatten unsere Deckltühle nebeneinander gestellt.
„Kennen Sie Aden gut?" war eine der ersten Fragen, die er an mich stellte. Ich sagte ihm, daß ich schon öfter in Aden gewesen sei.
„Glauben Sie, daß man in Aden ein vernünftiges Billard finden wird?"
Die Frage verblüffte mich. Aber ich konnte ihm versichern, daß es im Imperial-Hotel ein ausgezeichnetes Billard gebe, auf dem ich selbst schon gespielt habe. Nur sei es bei der Hitze in Aden nicht üblich, vor Sonnenuntergang zu spielen, und solange würde unser Dampfer kaum im Hafen bleiben.
„Oh", antwortete er, „ausnahmsweise wird man auch am Tage spielen können. Ich habe mich mit einem Freunde verabredet, eine Partie zur Entscheidung zu bringen. Es liegt uns beiden sehr viel daran, zu erfahren, wer von uns der stärkere Spieler ist."
„Sie haben Bekannte in Aden?"
„Keine Menschenfeele. Mein Spielpartner ist auf dem Postschiff aus Indien, das heute Aden passiert. Er wird eine Stunde an Land gehen können. Ich hoffe, das wird genügen, um die Partie zu beenden."
_ "2hr Freund lebt in Indien?" — ,3a, seit neun Jahren."
Ich erinnerte mich, daß er mir erzählt hatte, er selbst sei die letzten vier Jahre in Abessinien gewesen.
„Und wann", fragte ich erstaunt, „ist jene Partie begonnen worden, die Sie jetzt zum Austrag bringen wollen?"
„Vor sieben Jahren, im „Civil and Military Club" von Lahore. Wir waren damals junge Beamte des Civil Service. Ich wurde bald darauf versetzt, aber er ist bis heute in Indien geblieben. Wir beide galten damals als die besten Billard-Spieler der ganzen indischen Beamtenschaft — heut werden uns dort längst Jüngere überholt haben. Jene fetzte Partie zwischen uns beiden blieb unentschieden, und wir brennen beide daraus, sie endlich zur Entscheidung zu bringen."
Wir kamen nach Aden und fanden es in Erwartung eines hohen Besuchs. Ueberall war geflaggt, eine Ehrenpforte war am Hafen errichtet, auf allen Kasernenhöfen waren die Truppen im Paradeanzug angetreten und rückten bald danach aus, um Spalier zu bilden.
«Was ist los?" fragte ich den Wirt des Imperial- Hotels, in das wir sofort gegangen waren.
„Seine Exzellenz der Gouverneur von Bombay kommt mit dem indischen Postschiff hier an und wird der Stadt einen Besuch abstatten. Sie wissen, daß Aden zu seinem Verwaltungsgebiet gehört, obwohl es ein paar tausend Meilen von Indien entfernt ist."
Mein Schiffskamerad hatte für diese Mitteilung kein Interesse. Er hatte längst den Rock ausgezogen, eine Queue ergriffen und jagte die drei Elfenbeinballe unermüdlich gegen die Bande. Aus feinem Training weckte ihn erst der Donner der Kanonen von den Forts, die für den Gouverneur Salut schossen, als dessen Dampfer in den Hafen einfuhr, — der gleiche, aus dem der Spielpartner meines Bekannten reifte.
„Kommen Sie", sagte er und stellte den Billardstock in das Gestell, „wir wollen ihn abholen."
Das Imperial-Hotel liegt dem Anlegeplatz der Boote gerade gegenüber; mit wenigen Schritten waren wir an dem Platz, wo die gesamte weiße Beamtenschaft Adens, der Oberkommissar an der Spitze, Aufstellung genommen hatte.
Und da kommen auch schon die Boote, voran das mit dem Gouverneur, einem großen, gut aussehen- den Mann in Tropen-Gala-Uniform. Die Kapellen der weißen und schwarzen Truppen spielten die Nationalhymne, das Militär präsentierte, und der Gouverneur begann, Händedrücke auszuteilen. Schließlich kam er auf uns zu. „Halloh, Jimmy, wie geht's?" rief er beim Anblick meines Begleiters
und schlug ihm vor Freude auf die Schulter. „Du mußt nach eine Viertelstunde warten, ich muß erst noch einen Besuch bei der Gattin des Oberkvmmis- sars machen. Wo spielen wir? Im Imperial? Gut — in einer Viertelstunde also."
Ich vergaß vor Verblüffung, eine Verbeugung zu machen, als der Gouverneur gleich darauf mir die Hand schüttelte.
„War das Ihr Freund?" fragte ich erstaunt meinen Reisegefährten.
„Ja", sagte er mit einem verlegenen Lächeln, „das war er. Er hat es ein bißchen weiter gebracht als ich. Damals waren wir beide auf der gleichen Stufe. Er hat schnell Karriere gemacht. Aber wer von uns beiden der stärkere Billardspieler ist, das wird sich nachher ja Herausstellen."
Es war noch keine Viertelstunde vergangen, da fuhr das Auto mit dem Gouverneur vor dem Imperial-Hotel vor. „Los, Jimmy", rief er, fünfunddreißig Minuten haben wir Zeit. Wir müssen es diesmal zu einer klaren Entscheidung bringen. Ich könnte es nicht aushalten, wieder sieben Jahre zu warten, ohne zu wissen, wer von uns der Stärkere ist"
Sie spielten ausgezeichnet, und einer war dem anderen immer dicht auf den Fersen. Ehe man sich dessen versah, war die Zeit um und der Adjutant mahnte diskret zum Ausbruch. Jimmy war am Zug, aber der Gouverneur war ihm um 137 Points voraus.
„Auf Wiedersehn, Jimmy", sagte er, und fegte das Queue aus der Hand. „Ich kann den Dampfer nicht warten lassen. Spiele deine Serie ruhig weiter und funke mir an Bord, auf wieviel Points du es gebracht hast."'
Der Gouverneur und feine Suite brachen auf, Jimmy spielte weiter. Er kam auf 133, 134, 135 Points. Er machte den 136. Points. Als ihm der 137. gelungen war, dröhnte kurzer Applaus — und dann wartete alles atemlos auf den nächsten Stoß. Aber der mißlang, die gestoßene Kugel berührte nur einen der beiden anderen Bälle, an dem zweiten rollte sie haarscharf vorbei.
„Unentschieden!" Einer der Offiziere eilte hinaus und ließ es durch einen Matrosen von der Landungsbrücke zum Dampfer des Gouverneurs winken, der gerade die Anker gelichtet hatte. Zwei Minuten später kam die Antwort vom Schiff:
„Gratuliere! Laß mich nicht wieder sieben Jahre warten, Jimmy. Viel Glück/
Als wir wieder an Bord waren, mit Kurs auf vprt Sudan, sagte mein Gefährte zu mir: „Wissen Sie, ich hätte den 138. Point aud) bekommen kön
nen. Aber schließlich ... Sie verstehen ... er ist inzwischen Gouverneur geworden! Und es ist so angenehm, sagen zu können: Der Gouverneur von Bombay ist mir noch eine Billardpartie schuldig..."
Meine Tante — Deine Tante.
Ich bitte um Entschuldigung. Ich meine nicht jenes ruchlose Glücksspiel gleichen Namens. Das, wovon hier die Rede sein soll, ist etwas überaus Ehrbares und sogar durchaus Nachahmenswertes. In der britischen Hauptstadt gibt es feit Jahr und Tag eine Vereinigung, deren Mitglieder samt und sonders unverheiratete Damen gesetzten Alters sind. Dieser Verein nennt sich, poetisch und dezent, „Jeder- manns Tanten". Oder soll man den Urtext: „Universal Aunties“ etwa so übersetzen: vielseitige Tanten zu vermieten?
Was ist der Beruf dieser guten Tanten, die angeblich überall zu Hause fein wollen, wo man sie braucht? Ihre Pflichten beginnen meist dort, wo die Hausfrau versagt, versagen muß. Zum Beispiel: eine jungverheiratete Frau ist berufstätig. Sie kann sich weder um ihren Haushalt noch um ihr Baby kümmern. Abends, wenn der Gatte nach Haufe kommt, findet er eine angebrannte Suppe vor und einen Säugling, der vor lauter Schreien schon ganz heiser ist. So unerfreulich sähe manches englische Familienbild aus, — wenn eben, diese Tanten-in- allen-Gassen nicht wären.
Diese Tanten können den Ruhm beanspruchen, die erste organisierte Tantengemeinschaft der Welt zu sein. Mit Statuten, Obertanten und vielleicht sogar Ehrentanten fristen sie ein durchaus bekömmliches fieben. Denn es gibt ja gewiß viele Leute, denen eine gütige Vorsehung weder eine eigene blutsver- verwandte Tante in die Wiege gefegt hat, noch genügend Zeit, um sich tagsüber um die kleinen Dinge des Lebens zu kümmern. Eben diese Leute greifen bann mit Freude auf jene ehrwürdige Organisation derer zurück, die für ein geringes Entgelt, mit Würde und Geschick buchstäblich „jedermanns Tanten" sind. Wobei die Großtante allemal für die Zuverlässigkeit der jeweils vermieteten Tante zu haften hat...
Sochschulnachrichten.
Der durch die Berufung von Professor Harald Fuchs nach Basel an der Llniversität Königsberg erledigte Lehrstuhl der klassischen Philologie ist dem außerordentlichen Professor Willy TheiLer in Kiel angeboten worden.
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Wie in jebem Iah Offijiersoereinigung Nr. 116, vereint mit ter-Regimenter (Res. Rgt. 116, Res.'Inf.-R Rgt. 186 und 418) bi Denkmal des R< her Zeughausk. bei Anloy zunächst guft, 19.30 Uhr. An den Offiziersoereinig hiesigen Bataillons, . und die Bataillonsm nieberlegung am Den alle Gefallenen der o menter statt. Redner bienrat Holzel (@i tiger bei bet Mobilir getreten war, den gar unoerrounbet mitgen sichrer heimgekehrt is
Der Tag von Anlo hessischen Regimentei krieg. Die Regiments Wilhelm Nr. 116 sag, war geschlagen. Der b ges lag hinter bem A an seine Fahnen gehes Gegner war aus Stell R 3 Tage lang mit ( OE hatte. Rühmlich nung mit wen, w ben. Aber arvh, sehr lüfte. Kein Tag de;! viele Opfer geforberi Innerhalb weniger 6 mehr als ein Dritt 13 Offiziere waren ben. 340 brave Ui waren mit ihnen in 1° viel war bie Zah waren 20 Offiziere.


