Ausgabe 
16.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus der provinzialhauptsiadt

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Die Bedeutung des Bauernstandes

Buntes Allerlei

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>er gestohlen.

lchen Mnbefannk mit ein und stahlen die n Deuteln verpacken i rund 9000 Mk.

Im Rahmen der Ausstellung der Gießener Hausfrauenberatung sprach am Montagabend der Direkter des älniverlitätZ-Tierzuchtinstituts Obe­rer Hardthof. Pros. Dr. Kraemer, überSie Bedeutung des Bauernstandes". Ten Ausführungen des Redners sei folgendes entnom­men :

Rie hingen dunkle Wolken so schwer über deut­schen Fluren, wie jetzt. Ueberall sei Leid und Ber- zweifl'.ing anzutresfen. Die eine Erwerbsgruppe tlage heute die andere an. Riemand wisse Wege aus der Rot. Und aus der Geschichte habe man nichts gelernt.

Endlich müsse man begreifen, daß das Gewerbe der Bodenkultur, die Landwirtschaft, für die Unsterblichkeit der Ration die Grundlage bildet. Da.s Bauerntum sei das Lebensreferooir einer

Ration.

Wo der Zustrom vom Lande zu den Städten auf- höre, folge Riedergang und Entartung. Und der Zustrom müsse aufhören, wenn der Bauernstand untergehe. Das lehre schon die Geschichte der Hei­nen Handelsstaaten des Altertums (Phönizien, Karthago, Venedig), denen die Volkskraft fehlte, um beständig sein zu können. Richt anders sei es in den italienischen Handelsrepubliken gewesen. Tie Städte gingen bald dazu über, die Einfuhr von Getreide zu erleichtern und schnitten dadurch sich selbst den Lebensnerv ab, indem sie den eige­nen Bauernstand schädigten. Mussolini gehe heute andere Wege. Er habe die Zeichen der Geschichte verstanden. Offen habe Mussolini gesagt, danie­der reaktionär genannt werden müsse, der die För­derung der Industrie jener der Landwirtschaft "vorziehe. In Deutschland sei vieles versäumt wor­den. Mit den Mitteln der Erwerbs losen- Unterstützung hätte man drei Millio­nen Dauern st eilenschaffen tonnen. Schon Goethe habe die Bedeutung der Schaffung von Kulturland erkannt und in seinem Faust wunder­voll zum Ausdrvck gebracht, älnd ähnlich wie zu früherer Zeit, .-abe sich die Entwicklung auch m Spanien, in den Riederlanden vollzogen, in England durch die Bevorzugung der Industrie nicht viel anders. England opferte die Bauern um der Industrie willen. Aber auch das beginne sich zu rachen. Besser habe cs Frankreich ver­standen, seine innere ständische Ordnung aufrecht zu erhalten, weil es im Boden das Vaterland er­blickte und dem Dauern allen erdenklichen Schutz angedeihen ließ. Sn Frankreich betrage der Bauernstand immer noch 54 Prozent der Bevöl­kerung.

Deutschland stehe jum Teil durch eigene, zum andern Teil durch fremde Schuld in Rot und Elend. Es müßten endlich die Jahre kommen, in denen sich der Deutsche aus sturer Gründ­lichkeit zu freierem, weiteren, grohdeutschen Horizonten erhebe.

In knappen älmrisscn schilderte der Redner die geschichtliche Entwicklung Deutschlands unter be-

)e in Japan.

ten Streiken des öst« iftung hervorgerufen. 3<^ien wurden 26, »erlebt. 26 Per-' )d 100 Käufer finb Mzt und WOW Lcmun aufirelenden jser gesetzt worden.

Hai stark gelitten, zerstört und Daum

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Adolf Erik Nordenskjöld.

Zum lOO.deburfefage des großen Polarforschers am 18. November. Don Professor Dr. (L Aries, Serlin.

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daß junge M' Hncn Verwandten

JSÄ M L. M- T Ä öcben die fcier- 2lnv-s Ä dick **£ vorüber' daß sofort 8eier l^nn ni-ht

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llnge^Aan f gereS^ecwand^ inpteu ^^gestatte eidung >,xlich >sh

Zauber beim $ingtrfier-$ong.

Das Fingertier stellt eine besonders merkwür­dige Art der Lemuren dar, die einzig au>f Mada­gaskar vorkommt. Dieses seltsame Geschöpf von Katzengröhe mit rundem starkem Kopf, großen Ohren, einem langhaarigen Fell und buschigem Schwanz hat seinen Ramen von einem gana schlanken Spinnenfinger erhalten, der als dritter an der Hand erheblich dünner und größer ist als die andern. Obwohl sich dieses seltene Tier in manchen Zoologischen Gärten befindet, ist es doch bisher noch nie einem Weißen gelungen, es in Freiheit zu beobachten. Auch Professor B l u n t s ch l i wurde bei seiner Expedition in die älrwälder von Madagaskar dies Glück nicht zuteil. Er schreibt die Tatsache, wie er in der Frankfurter Wochenschrift .Die Umschau" berich­tet, dem Umstand zu, daß die Bewohner des mittleren OstenS der Insel, die Detsimisarakas. vor dem Tier, das, sie Ahe-Ahe oder Hs-Hc nennen, eine abergläubische Furcht haben. Rur die Zauberer sollen imstande sein, das Fingertier zu erblicken, ohne dadurch zu Schaden zu kom­men. Es sand sich solch ein eingeborener Medi­zinmann, der sich bereit erklärte, gegen gute Fang-Prämie ein lebendes Fin^ertier zu, ver­schaffen, aber er wollte unter keinen llmftänben dulden, daß jemand bei dem Fanggeschäft da­bei sei; die Waldgeister dürften nicht erzürnt werden. Das Fingertier wurde auch richtig zu­gesandt.Seine großen Glotzaugen leuchteten bei Rächt auffällig stark", berichtete Professor Dluntschli,und ebenso war leicht erkennbar, daß es sich in der Dunkelheit stets gegen das Licht hin zu bewegen suchte. Diese Eigenschaften wer- den wohl bei dem Fang des Tieres abgenutzt und die Hauptkunst dürste darin bestehen, es umsichtig zu packen, da seine Vorderzähne eine recht kraftvolle Waffe sind. Sn der Freiheit braucht es diese, um än morsch gewordenen Baumstämmen die Rinde anzunagen, den Splint herauszubrechen und die Bohrgänge zu eröffnen, in denen sich oft massenweise daumendicke, fin­gerlange Käferlarven versteckt halten, die es dann mit seinen Spinnenfingem herauShvlt und verzehrt. Sch habe eine Reihe vom Stngerher angerissener Stämme ausgespalten und immer solche Larven oder auch Hundertfüßler und große Tausendfüßler darin gefunden. So werden die

ausfälligen Besonderheiten des Körperbaus bei dem durchaus nächtlich lebenden Tier als An­passungserscheinungen an eine sehr eigenartige Ernährungsweise verständlich."

Das ^(Sespensterschiff".

In der kleinen französischen Hafenstadt Hon- fleur weiß bestimmt keiner ganz genau, woher dasGeisterschiff" eigentlich stammt. Eines Mor­gen- war es da, lag vor Anker, sah ein wenig wunderlich aus und blieb dann da liegen. Die Leute von Honsleur sind nicht neugierig und recht zurückhaltend. Sie wunderten sich freilich über die seltsamen Formen dieses Schiffes, das aus einer ganz anderen Welt, aus einem an­deren Sahrhundert zu kommen schien. Das Sch.ff hatte gewiß nie eine große Fahrt getan. Eines Tages wagte sich einer aus Honsleur an Bord dieses Schiffes, das stumm und still und ohne Besatzung dalag. Als der Sommer tarn, mieteten sich ein paar junge Leute in den netten Kam­mern desGespensterschiffes" ein. Seht haben sie es gar blau, ganz hellblau angestrichen und könnten das seltsame Schiss gar nicht mehr mis­sen. Eine crnziehungskräftige Reliquie.. Sm ®e- meinderat hat man sogar ein paar gute Schiffs- zimmerleute beauftragt, dasGespensterschui fein herzurichten und die Segler ft eilen zu be­seitigen. Denn an dem Schiff waren ein paar schadhafte Stellen. Doch die waren mit vieler Mühe und Rot einst künstlich hineingeschaffen worden. Heute weih man es endlich: das Schiff soll eine Rachbildung jenerSanta Maria" sein, die ein gewisser Columbus einst benutzte, um Amerika zu entdecken. Ein reicher Südamerikaner kam vor einigen Sahren auf die seltsame Sdee, sich ein ebensolches Schiff, wenn auch ein wenig kleiner, in Holz nachbilden zu lassen. Der Bau­meister tat sein Bestes und schuf chn Meister­werk der verkleinerten Kopie. Aber als das Schisslein nach Südamerika übergeführt werden sollte, da gab es zwischen dem Südamerikaner und dem Baumeister einen gottserbärmlichen Krach. Die Folge war, daß der Baumeister das Schiff dem Südamerikaner zur Verfügung stellte, während der Südamerikaner die Annahme ver­weigerte. Srgenb jemand nahm in irgendeinem Auftrag das Schifflein in Schlepv. 11 nb so kam eS als Gespensterschiff nach Honsleur.

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Frankreich auSzubauen, auf dem m Xr Haupt­sache Angehörige der früheren hessischen 2Ugi- menter ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Vorarbeiten sind in die Weae geleitet, so daß vielleicht schon im nächsten Sagte an die Ausfüh­rung gedacht werden kann. Da die Behörde der Auffassung ist, daß den Bestrebungen des Dolks- bundes jegliche Unterstützung zuteil werden sollte, werden die Bürgermeister ersucht, die Leitung der Sammlung in ihren Gemeinden unmittelbar zu übernehmen und unter Berücksichtigung der ört­lichen Verhältnisse nach geeigneter zuvoriger Be­kanntmachung, zweckmäßig in Verbindung mit der Schule, durchzusühren.

ganzen nordsibirischen Meeres und die Errei­chung dernordöstlichen Durchfahrt" gerichtet. Am 4. Juli fuhr er mit derWega" und derLena" von Gotenburg ab. Das K arische Meer wurde wieder durchfahren', am Kap Tscheljuskin, der nördlichsten Spitze Asiens, ging es vorbei, und am 27. August.langte man am Delta des Lena an. Hier teilte sich die Expedition. DieLena" fuhr den gleich narnigen Strom aufwärts und kam bis über das Werchojanski-Gebirge nach der Stadt Jakutsk. Nor- denskjöld aber zog mit derWega" weiter, er er­reichte sein Ziel, die Beringsstraße, allerdings nicht, denn dicht vor dem Ziel, an der nördlich der Tschüs tschen-Halbinsel gelegenen Koliutschin-Bai, wurde das Schiff vom Schicksal des Einfrierens ereilt War die Durchfahrt also diesmal auch noch nicht gelungen, so war das Erreichte doch kolossal. Der Teil des von ihm zuerst befahrenen Nördlichen Eismeeres wurde nach ihmNordenskjötdsee' be­nannt. Im nächsten Jahre umsegelte Nordenskjold nun aber die sibirische Nordküste, erreichte tatsächlich bei der Behringsstrahe die langersehnte nordöstliche Durchfahrt und fuhr alsdann um ganz Asien, über den Indischen Ozean, das Note Meer, den Suez- kanal nach Europa zurück. Jetzt war er der Held des Tages. Uebcrall wurde er im Triumph empfangen. (Er und Schliemann waren die berühmtesten Entdecker ihrer Zeit, und auf manchem Bankett wur­den sie gefeiert. Der König von Schweden erhob Nordenskjöld in den Freihermstand. Dieser schrieb sein WerkVegas färd Kring Asien och Europa, das 1881 zweibändig in Stockholm erschien, und un nächsten Jahre begannen dieWissenschaftlichen Er­gebnisse derWega-Expedition" zu erscheinen, deren fünfter Band 1887 herauskam. Nordenskjold hm überhaupt viel geschrieben und seine Zährten an schaulich und anregend geschildert. Ein Engländer, Leslie, gab ein Buch über tueArche Voyages heraus, das auch eine Selbstbiographie Norden skjökds enthält. Im Jahre 1883 fuhr dieser noch ein­mal nach Grönland. Oskar D i ck s o n , der finanz- gewaltige, unterstützte wie früher so auch diese Ex- pedition. Nordenskjöld wollte das non ihm ver­mutete eisfreie Innere Grönlands auffinden. Mit Schlitten fuhr er landeinwärts und suchte 130 Kilo meter weit, ohne anderes als Eis zu finden. Die Lappen in feiner Begleitung fuhren auf Skiern so­gar 230 Kilometer ins Binnenland, das sich als durchweg eisbedeckt erwies. Aber auch dieses nega tioc Ergebnis war natürlich wertvoll.

Den Rest seiner Tage widmete Nordenskjöld der wissenschaftlichen Verarbeitung seiner Entdeckungen, sowie kartographischen und rein geschichtlichen Stu dien prähistorischer Richtung. Er starb am 12. Augu.i 1901 auf der Insel Dalbyo bei Lund. Von seinen beiden Söhnen wurde der ältere, Gustav, ebenfalls Forschungsreisender und besuchte Spitzbergen und Nordamerika, während der jünger^ Erland, als Ethnologe Südamerika bereiste und als Professor in Gotenburg viel über dieses Gebiet veröffentlichte. Ein Neffe Otto, machte Expeditionen in die süd­liche Arktis und wurde Professor der Geographie in Gotenburg. Den Ruhm des großen Polarforschers hat aber keiner von ihnen erreicht.

Gießen, den 16. Rovember 1932.

Oie Fahrt ins Blaue.

Geht's nach Süden? Gebfs nach Norden auf der Schienen Silberband?

Fahrt und Traum sind wahr geworden in das unbekannte Land.

Auf geheimnisvollen Wegen schwimmt vorbei der Felder Kranz, und es atmet dir entgegen märchenhafter Ferne Glanz.

Aufgetan sind S)etx und Sinne, Not und Sorgen fliegen fort, und zu köstlichem Gewinne lockt dich hell das Zauberwort:

Steig fröhlich ein! Vertraue der schönen Fahrt ins Blaue! Du sollst dein Herz erschließen, sollst schwärmen und genießen! Verschaffe dir durch frohe Fahrt Erfüllung, Sehnsucht, Gegenwart! Steig fröhlich ein! Vertraue der schönen Fahrt ins Blaue!

Wie ahd) deines Lebens Sterne keuchten, finken und versprühn: Stets liegt unbekannte Ferne Vor dem Hoffen und dem Mühn! Schenke nicht zu viel Vertrauen Deinem Willen und Verstand: selbst die Liebe schöner Frauen führt in unbekanntes Land.

Lerne klug das Leben meistern, sei im Kummer nicht verzagt, lern an Edlem dich begeistern, bis dir Petrus gütig sagt:

Steig ein, mein Sohn! Vertraue der weiten Fahrt ins Blaue!

- Nach Hoffen und Genießen muß sich die Kette schließen! Du sandest auf des Lebens Fahrt Erfüllung, Sehnsucht, Gegenwart! Steig ein, mein Sohn! Vertraue der weiten Fahrt ins Blaue!

Puck.

Lokalschau des Kaninchen-Zuchtvereins.

Der Kan.nchcnzuchtvere.n Gießen veranstaltete am Samstag und Sonntag imThüringer Hof" eine lokale Ausstellung. Der Preisrichter, Herr Streb. Offenbach, hatte keine leichte Arbeit, denn die Zahl und Güte der ausgestellten Trere ging über die Grenze einer lokalen Ausstellung hinaus. Besonders stark vertreten waren Weche Ricsen, Groß-Chinchilla, Angora und Hermelin.

Die Preisverteilung zeitigte folgendes C r g e b n i s: Be gi che Rie en: Sch: l aas, Ehren- preis, 2. und o. Preis. Snderthal und Feuster, je 3. Preis. Weiße Riesen: Schellhaas, Ehren-, zwei 1. und 3. Preis; Feuster. Ehren- und 1. Preis; Hollricher, Ehren» und zwet 3. Pre is; Otto Becker, Ehrenpreis; K. Keil, 1. und 2. Preis; H. Rinn, zwei 2. Preise. Deutsche Widder Hollricher, Ehren- und 3. Preis. Groß-Chinchilla: Sos. Gries, Ehren-, 1- und 2 Preis; H- Stroh, Ehren- und 1. Preis; G- Haarig 2. Preis; W- Schmied, zwei 3. Preise; W. Bender, zwei 1. und 2. Preis; H. Snderthal, 2. Preis. Graue Wiener: L- Kreiling, 1. Preis. Blaue Wiener: SchellhaaS, 2- und 3. Preis.

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später L Diese ite« All- mite» JÄr"« räss -BH »HS

rmiderte der lionn. ianb lasen, da sagten sei acht. Daraujhm lotfenefolleheur sah- fl[ in meinem Leben mmer ach- An der n, und ich brach nur !, dah Äh" P<ch° , p» jofort benMN. 'dm Professor M

i Zähne aus den 7us den Stiesel und !> Trotter einhundert' injen Sache heraus-

Von früh auf entzündet sich die Knaben Phantasie an den Heldentaten der Polarforscher. Das Nord­licht, das Packeis, die unabsehbaren Vogel- und Pinguinherden, die Mitternachtssonne und die Kristallpracht der Eisberge jeder rechte Junge möchte einmal in jene Gebiete mit Vordringen und der Arktis ihre Geheimnisse abringen. Begeisterung erfüllte uns, wenn wir den Namen des großen Nordenskjöld aussprechen hörten, und hoch horchten wir auf, wenn aus der Zeitung von fei­nen Heldentaten oorgelefen wurde. Und nun feiert man [einen 100. Gedenk-Geburtstag.

Nils Adolf Erik Nordenskjöld stammte aus Hel- singfors. Naturwissenschaftliche Studien süßten seine Jugend aus. Vor allem beschäftigte er sich mit Geologie und suchte aus den Urschichten unseres Planeten Antworten auf naturphilosophische Grund­fragen zu gewinnen, wie denn naturgeschichtliches Forschen eigentlich bann erst einen höheren Reiz gewinnt, wenn es gleichsam sub specie aeterni, wenn es von einer naturphilosophisch höheren Warte aus geschieht. Sonst verrennt sie sich in öden Spe- zialismus. Aber der junge Nordenskjöld war nun einmal nicht zum Stubenhocker geboren. Schon mit 26 Jahren begleitete er den Polarforscher loreH auf einer Entdeckungsfahrt nach Spitz­bergen, der noch immer für die Wissenschaft er­giebigen Insel, wie die kürzlich unternommene bo­tanische Expedition des Greifswalder Prioatdozen- ten Dr. Gesner wieder zeigte.

Nordenskjöld fand an dieser Tätigkeit soviel Ge­fallen, daß er die Fahrt noch zweimal ganz selb, tänbig wiederholte (1864 und 1868). Spitzbergen war damals noch ziemlich unentdecktes Land. Aber die Entdeckerfreude war einmal bei dem Sproß- ling des alten Wikingervolkes erwacht und ließ ihm keine Ruhe. Als in Europa der große Kampf zwi- schen Deutschen und Franzosen ausgesochten wurde, befuhr Nordenskjöld die Westküste von Grönland und bahnte sich neue Wege in das unzu­gängliche Dinneneis. Er konnte 45 Kilo- Meter ins Innere des Londes bringen unb das Gebiet gründlich untersuchen. Zwei Jahre später finden wir ihn abermals in Spitzbergen, wo er so­gar den ganzen Winter über verbleibt. Auch der sibirischen Nordküste hatte er längst Interesse abge­wonnen, so daß er sich 1875 zu einer Expedition dorthin entschloß, und zwar benutzte er eine Segel- jocht zu dem Unternehmen, diePröoen". Don den Mitteln jetziger Technik war natürlich noch kein« Rede. Nordenskjold durchfuhr mit seiner Mannschaft bas Karische Meer zwischen der Insel Npwaja Semlja und der von Samojeden bewohnten Jalmal- Halbinsel und gelangte bis zur Münduna des Ienisselstromes. Zurück fuhr er mit einigen seiner Gefährten auf dem Landwege über die russische Hauptstadt. Im nächsten Jahre besuchte er die große Weltausstellung in Philadelphia. Kurz daraus aber suchte er das eisige Meer am Jenissei noch einmal auf, diesmal auf einem Dampfer, demPmir", und zwar fuhr er in die Jeniffeimünbung hinein und er­forschte den Stromlauf sogar dis zum 71. Brei­tengrad.

Sein größtes Unternehmen fällt in das Jahr 1878. Jetzt war sein Ehrgeiz auf Bezwingung des

Weiße Wiener: K. Kirchner. Ehren- und zwei 1. Pre.se; Keil, 2. Preis. Rheinische Schecken: W. Ullrich, Bundes-Ehren-, vier 1. und ein 2. Preis: H Reuling, 3- Preis. Ha'en- kaninchen: Ph- Schäfer, drei L, zwei 2-, zwei 3. Preise, H. Becker, zwei 1-, zwei 3. Preise. Luxkaninchen: Otto Steih, 1., 2. und 3. Preis. Klein-Ehinchilla: K. Derghöser. Ehren- und 1. Preis; Herrn- Koch, vier 1., drei 2. und ein 3. Preis. Englische Schecken: L. Kreiling, drei 1. und zwei 2- Prei'e. Schwarzloh: H Becker, 2. und zwe 3- Preis. Holländer: H- Becker, zwei Ehren-, 2- und 3- Preis. Silber: Otto Steih, Ehren- und 1. Preis; Rieolai, Ehren- und 3. Preis. Rextaninchen: Urstadt, Ehren- und 1. Preis; K. Hoffmann, Ehren-, 2. und zwei 3. Preise; H. Rinn, 1. Preis. Hermelin: Suft. Bolz, zwei Ehren-, zwei 1-, zwei 2. und drei 3. Preise: Otto Steih, Ehren». L, 2. und 3. Preis. Angora: Hans R un,Sohann-Appel-Gedacht- nis-Wanderpreis", drei Ehren-, ein 1., zwei 2. und vier 3. Preise.

Taten für Mittwoch, 1«. November.

1632: Tod Gustav Adolfs von Schweden bei Lützen. 1869: der Geschichtsforscher Hermann Ondcn in Oldenburg geboren.

Vor nottzcn.

Aus de» Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als Dolksvorstellung zu ganz kleinen Preisen heute 15.45 Uhr zum letzten­mal die berühmte LokalposseDer Datterich von Riebergall mit H u b als Datterich, der auch die Spielleitung dieser humorvollen Szenen hat. Äbcnds 20 Uhr Erstaufführung der Operette .Peppina" von Oesterreicher und Stolz. Spiel­leitung: Wrede, Moehl, ulke Mit- wirkende: Damen: Deling, Flemming, Schurrt- Süngling; Herren: Förderer, gierment Hub, Wrede. Da die Erstaufsührung der Operette außer Abonnement ist, fallt das Mittwoch-Abon­nement heute aus. Die Vorstellung ist öcemoen- vorstellung zu ermäßigten Operettenpreisen. Ende 22.30 Uhr. v Ä . r

Der Bund Haus und Schule veran- stallet Freitag, 18. Rovember, 20 Uhr, einen Familienabend im Sohannessaal. Die Herren Steuerinspektor Klemmrath und Prokurist Slroh werden ihren Lichtbildervortrag beenden, Mitglieder der Militärkapelle ihn musikalisch umrahmen. (Siehe heutige Anzeige.)

*

"Sammlung für deutsche Krieger, gräber. Der Vollsbund «Deutsche Krieger- grübcrfürsorge" bezweckt die Herrichtung und den Schmuck der Friedhöie, Sammelgräber und Ein­zelgräber unserer Gefallenen im Ausland. Er hat zu diesem Zweck beträchtliche Mittel nötig, da sehr viele Friedhöfe sich noch nicht in dem Zu­stande befinden, wie es das Andenken an die Gesallenen und die Ehre des deutschen Ramens erfordern. Rachdem der Herr Minister des In­nern für dieses Iahr Sammclerlaubnis erteilt hat, ist die Bezirksgruppe Gießen des Volksbundes mit der Bitte an das Kreisamt Gießen herange­treten, am Totensonntag eine Sammlung von Geldspenden durch Vermittelung der Herren Bür­germeister vornehmen zu lassen. Die Dezirks- gruppe Gießen des Volksbundes beabsichtigt, in Verbindung mit dem Landesverband Hessen, ins­besondere einen größeren Krieger-Friedhof in

sonderer Berücksichtigung des Bauernstandes. Er gedachte der Iahre des Krieges und der ungeheu» reu Leistung der deutschen Bauernschaft im Dienste der Volksernährung, aber auch der bangen Sorge, die aus dem Bewußtsein erwuchs, daß der wirt­schaftliche Mobilmachungsplan fehlte. Industrie und Handel bitten zwar den Ruhm des deutschen Mannes hinausgetragen in alle Welt, das Volk geistig gesördert, gewaltigen Reichtum geschaffen nnd die Verteidigung in der erlebten Form zu führen erst ermöglicht, aber doch mußte man die ungeheure wirtschaftliche Verlag e- r un g , die in unserem Vottskörper vor sich ging, mit Sorge betrachten. Sm Sabre 1803 hätten 18 Millionen Tauern drei Millionen Menschen in der Stadt mit versorgen müssen, heute solle die gleiche Anzahl Bauern für 50 Millionen Menschen in der Stadt die Ernährung sichern. Da sei schon Großes geleistet worden durch den deutschen Bauern.

Die Leistungen der Bauernschaft während des Krieges seien leider vielfach schon vergessen, ver­gessen auch die Zeit, da man sich der entfern­testen Verwandten aus dem Lande erinnerte.

Die Bauernschaft verdiene aber auch noch in anderer Hinsicht eine anerkennende Würdigung. Die Land­bevölkerung stellte die meisten Militärdienstpflichti­gen, die Verteidiger bes Vaterlandes. Der Groß­

städter fühle sich oft dem Bauern geistig überlegen. Der Städler fei aber nur fixer durch ständige Hebung feiner geistigen Kräfte, der Bauer dafür grünbhdier und um so sicherer, weil er den Ablauf des Gejcyehens um sich her genauer beobachten kann. Als elhische Güter erwachsen aus der Landbevölke­rung Vaterlandsliebe, ruhig-ernstes Denken, Ein­fachheit, Sitte und Heimc^ßliebe. Die Bauern­schaft könne ihre gesunde Entwicklung aber nur dann beibehalten, wenn ihr die Lebens­grundlage erhalten bleibe. Gegenwärtig sei die Landwirtschaft nicht rentabel. Wenn eine Ver­elendung des Bauern verhindert wer­den sollte, im Interesse der gesamten Nation, bann müsse i h m geholfen werden. Vom Bauer hänge vieles ab. Gießen x. B. wäre ohne landwirt­schaftliches Hinterland nicht denkbar.

Der Bauer war noch immer der beste Kunde der Industrie. Einfachste nationale Pflicht sei es deshalb, auch den Bauer leben zu lassen. Man habe mit manchem Mittel zu helfen versucht, aber das Bedeutsamste bleibe doch immer die Selbsthilfe, in der Form des freiwilligen Ver­zichts auf fremde TD ar en.

Nur durch Abnahme deutscher landwirt­schaftlicher Erzeugnisse könne man die unentwegte Arbeit des Bauern ehren, unb nur bann könne man noch hoffen auf die Rettung der Land- wirischast und damit des Vaterlandes, für das zwei Millionen seiner Besten gefallen sind.

Der Vortrag wurde verdientermaßen mit anhal­tendem Beifall ausgenommen.

Srieftoften der Redaktion.

lRechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schnstteitung.)

Fundsache. M. L. H. Die Polizeibehörde ist ver­pflichtet, die Fundsachen, die in ihren Gewahrsam gelangten, ordnungsmäßig auszubewahren. Ist der Verderb einer Sache zu besorgen, oder ist ihre Auf­bewahrung mit unverhältnismäßlgcn Kosten oder Schwieriakeitcn verbunden, so hat die Behörde die Sache öffentlich versteigern zu lassen und den Er­lös in Verwahrung zu nehmen. Ueber offenbar wertlose Sachen, sowie über Sachen, aus deren Versteigerung kein Erlös zu erwarten ist, kann die Polizeibehörde in der ihr geeignet erscheinenden