Nr. 204 Erstes Matt
182. Jahrgang
Mittwoch, H- vezember 4932
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Vorweihnachlsgedanken
Es ist die Eigenart und zugleich die religiös-sittliche Bedeutung des Weihnachts- f e st e s , daß es durch seine Gedanken und sein Erlebnis tief eingreift in alle Gebiete unseres Lebens, — auch in die Politik. Hier wirkt die Weih- nachtsidee beruhigend und klärend, sie schafft einen Abstand zwischen uns und dem politischen Alltag und wendet den Blick zu jenen großen Entwicklungen, die das Ergebnis politischen Bemühens für die Jahrhunderte bestimmen. Mit der Geburt des Christkindes zugleich feiern wir die Wiedergeburt all jener Lleberlieferungen und Gedanken, die als Sinnbild und Verkörperung der aufbauenden schöpferischen Kraft im Deutschen gelten können. Einmal im Jahre treten alle Widerstände und Streitigkeiten, die im Alltag die Einigkeit, die Ausgeglichenheit unseres Lebens verhindern, zurück und in der Stelle der Weihnachtslichter werden jene anderen gelüblsmäßigen Kräfte sichtbar, die das Deutsche nicht untergehen lassen und, die die Hatton immer wieder zum Aufbruch und Aufstieg treiben. Wo Kimmen diese gefühlsmäßigen Dinge am stärksten zum Ausdruck? Will man ermessen, mit welcher Gesinnung diese deutsche Weihnacht gefeiert wird, so gibt es nichts Besseres, als über die Grenzen des Reichs hinaus- zugehen und zu verweilen bei jenen 4 0 Mil - Honen Deutschen, die getrennt von der Heimat ihr Weihnachtsfest begehen, im Banat und im Baltikum, im Elsaß und im tiefen Rußland. Hier werden Werte und Bekenntnisse sichtbar, die zeigen, daß der zermürbende Politische Kampf gegenüber inneren und äußeren Feinden nicht umsonst war, daß das Deutschtum diesen Kampf gewonnen hat.
»Auf den Waldfriedhöfen von Kurlandund Lettland ruhen 50 000 deutsche Soldaten, die im Weltkrieg gefallen sind. Schon einige Tage vor Weihnachten ziehen Kinder und Erwachsene gegen Abend hinaus auf diese Friedhöfe und stellen kleine Meihnachtsbäume auf die Gräber. In der Christnacht wird der Julklapp in das Zimmer gerollt und die alten Dauern erzählen ihren Kindern vjele der alten nordischen Sagas, die von biblischen Geschehnissen, aber auch von den Tagen der Wintersonnenwende handeln, an denen Ostaras leuchtendes und Fruchtbarkeit spendendes Flammcngestirn am_ Himmel emporsteigt. Krieg und Hader ruhen während der Tage der Sonnenwende vollständig. Der Segen der Fruchtbarkeit wird für das ganze nächste Jahr ausgeschüttet", — so berichtet ein Schreiben, das an den Verein für das Deutschtum im Ausland gelangt ist. Und in anderen Briefen steht geschrieben, daß man unten in Siebenbürgen am Weihnachtsabend auf den Bergen die Freudenseuer entzündet, daß man drüben bei den deutschen Siedlern inDra^- s i l i e n kleine Juleber, aus Kuchenteig gebacken, unter die Früchte mengt, als altes deutsches Sinnbild der Fruchtbarkeit im kommenden Jahr. (Das Schwein war schon bei den alten Germanen das Sinnbild der Fruchtbarkeit.) Und man erfährt, daß die Franzosen den uralten Christmarkt i n S t r a ß b u r g mit scheelen Augen betrachten, weil hier, in der Geburtsstadt des Weihnachtsbaums und der Weihnachtsgeschenke das Weihnachtsfest ganz einfach ein Bekenntnis zu Deutschland ist. Wenn in Buenos Aires am Weih- nochtstage uralte deutsche Krippenfpiele aufge- führt werden, wenn in dem jetzt von Polen beherrschten deutschen Osten Weihnachtsum- züge und Weihnachtsgesänge so grotesk sind, daß man mehr an die Volkstümlichkeit als an weihevolle Formen denkt. — in tausend versponnenen unö verschrobenen Sagen und Bräuchen zeigt sich der Sinn dieser Weihnacht.
Uird, so seltsam es klingen mag: in all den fremden Ländern wird die deutsche Weihnachtsfeier politisch als besonders störend empfunden, weil hier Erscheinungen zum Durchbruch kommen, die man weder besiegen noch unterdrücken tann. Das deutsche Element zieht sich zurück in einen Lebensraum, in ein Heiligtum des Gefühls und Dolkserlebens, dos ihm niemand streitig machen kann. Bei den Deutschen, die unter fremder Herr- schaft leben, ist dieses Sinnbild besonders stark. <Mr den Deutschen innerhalb der Reichsgrenzen ist die Bedrückung äußerlich nicht so spürbar — deshalb aber nicht weniger lastend. Tlnd in diesem Lebensraum, in dieser Gefühlswelt vermag das Deutschtum sich immer wieder auf sich s e l b st zu besinnen, Atem zu holen, Kräfte zu sammeln und den Entschluß, aufs neue vorwärts zu dringen, zu fassen. In der Welt begreift man manches nicht vom deutschen Wesen und deutscher Art, — am wenigsten diesen uralten Fruchtbarkeitszauber, der um die Weihnachtszeit Wirklichkeit wird. Man spricht nicht viel davon, ist sich oft dieses Wunders kaum bewußt. Aber in den alten Volkssitten, im Gedenken der Helden, in romantischen Anschauungen und Dräu- chen, im Bewußtsein des Friedens auf Erden lebt er weiter, — strahlt heller denn je im dunkelsten Jahre der Rot, Weihnachten 1932.
Das Handwerk an den Reichskanzler.
Hannover, 13. Dez. (TU.) Der Reichsverband des Deutschen Handwerks hat in einem Schreiben den Reichskanzler gebeten, in seiner Rundfunkrede auch zu den vordringlichen Fragen der Handwerkswirtschaft Siel- kung zu nehmen. Das Schreiben betont, daß nur durch die unmittelbare Einschaltung einer mit den Verhältnissen des gewerblichen Mit-
Oer Kurs des neuen Kabinetts.
Jnnerpolitifche Beruhigung.Keine wirtschaftlichen Experimente.- Oie Reichswehr als Rotheiser
Was will Schleicher?
Berlin, 14. Dez. (CNB.) „Was will Schleicher?", so lautet die Ueberschnft eines Artikels in der konservativen, dem General von Stülp- nagel gehörenden „Börsenzeitun g", dessen Verfasser mit drei Sternen zeichnet. In diesem Aufsatz wird u. a. heroorgehoben, daß Schleicher kein Staatsmann wäre, wenn er die ihm zur Verfügung stehende Macht einsetze, solange es nicht unbedingt nötig sei. Deutschland komme aus einer Phase der inneren Politik, die sich durch einen Kampf um Grundsätze und Prinzipien der Staatsordnung ausgezeichnet habe. Werde der General — so müsse man sich fragen — diesen Kampf fortsetzen? „Er wird es s i ch e r n i ch t t u n. Grundsätze kann man haben, aber es ist nicht nötig, sie immer auszusprechen, besonders nicht in der Politik." Zu Zeiten könne es nützlich fein, die öffentliche Meinung durch grundsätzliche Forderun- gen 3um Nachdenken über den Staat und über di e Brauchbarkeit seiner Grundsätze anzuregen. Das seiunterder Aera Papen ausgiebig geschehen. Jeder wisse nun, worum cs gehe. Es gehe einzig und allein darum, daß das Volk Frieden, Arbeit und Brot habe, daß es zum allgemeinen Nutzen gut regiert werde und daß alle Staatsbürger zu ihrem vornehmsten Recht kämen, nämlich ihre Pflichten gegen den Staat zu erfüllen.
Der Artikel kommt dann auf das Problem der Regierungsform zu sprechen, lieber präsidiale oder parlamentarische Regierungsformen brauchen wir uns nicht mehr zu streiten. Wenn Herr von Schleicher mit dem Parlament auskommt, warum sollten wir ihn bann tadeln. Dieselben Feststellungen, so heißt es weiter, hatten auch für die Wirtschaftsformen Geltung. Mit Theorien und Plänen fei Deutschland in diesem Jahre gesegnet worden. Schleicher werde die Wirtschaftsform bevorzugen und fördern, die am wirksamsten sei, um Arbeit und Brot auf lange Sicht zu schaffen. Auch fei das eine Frage der Methode, die sich nur aus der Praxis ergeben könne. Gin anderes Bekenntnis als zu den Pflichten des Staates dem Volke gegenüber werde man von Schleicher nicht er» warten können. Mit doktrinären Parolen wirtschaftspolitischer Projektemacher werde sich der General nicht identifizieren dürfen.
Dann wird an einen Re i ch s w e h r e r l a h erinnert, den General v. Schleicher 1923 entworfen und den General v. S e e ck t unterzeichnet hat. In diesem Schreiben heißt es: „Solange ich an meiner Stelle bin, habe ich die Ansicht vertre- ; ten, daß nicht von diesem oder jenem Extrem, 1
nicht von äußerer Hilfe oder innerer Revolution das Heil kommt, sondern daß nur harte nüchterne Arbeit die Möglichkeit zum Weiterleben gibt." Die Wehrmacht und ihr politischer Führer sollen nicht als Herr und Direktor kommen, sondern als Rothelfer des Volkes in schwer st er Stunde.
Ium Schluß wird die Frage aufgeworfen, auf w e lche P a r te i e n sich der Reichskanzler stützen werde. In diesem Zusammenhang kommt der Verfasser auf die RSDAP. zu sprechen. Er gelangt dabei zu folgendem Schluß: „Aus der Kraft dieser einen Partei allein ist die Erneuerung des Reiches nicht möglich. Sie kann nur erfolgen unter Führung derjenigen Kräfte, auf denen der preußisch-deutsche Staat sich von jeher im Kern begründete. Aber sie kann nicht
erfolgen ohne das Bündnis mit der Volksbewegung, heute so wenig wie 1813 und 1870? Darum dürfte es falsch sein, wenn dem General nachgesagt werde, er betreibe den Zerfall der Rationalsozialistischen Partei. Vielleicht sei es seine größte Sorge, daß dieser Zerfall nicht ein trete. Was könnte ihm, so müsse man sich fragen, eine zweite rechtskonservative Sezession nützen?
Oer Reichskanzler spricht Donnerstagabend 1 ühr im Rundfunk.
Berlin, 14. De;. (LRV. Funkspruch.) Reichskanzler von Schleicher wird, wie jetzt festslehß feine angekündigle Rede i m Rundfunk Donnerstag um 19 Ahr hotten.
Arbeiterschaft und Reichspräsident.
Ein Führer der Christlichen Gewerkschaften über seinen Besuch bei Hindenburg
Die Christlichen Gewettschasten und das Kabinett Schleicher.
Berlin, 13. Dez. (TU.) Die Christlichen Gewerkschaften hielten eine Kartellversamrnlung ab, in der der Landesgeschäftsführer Jakob Kaiser die Stellung der Christlichen Gewerkschaften zum Kabinett Schleicher barlegte. Er führte u. a. aus: Rie wird eine Regierung Vertrauen finden, die nicht mit der unwürdigen Zweiteilung des Volkes in einen nationalen und einen marxistischen Teil aufräumt. Rie wird eine Regierung Vertrauen gewinnen, die den sozialen Willen der Arbeiterschaft mit Marxismus verwechselt. Wir haben den Eindruck gewonnen, daß in General v. Schleicher etwas von diesem gleichen Willen und Erkennen des Vo Ikes leben- d i g ist, und ich glaube, daß auch die freien Gewerkschaften mit dem gleichen Eindruck ungefähr von Schleicher schieden. Wir sind z u p o s i t i ve r Mitarbeit bereit, aber wir haben noch keine Veranlassung, uns restlos dieser Regierung zu verbinden. Der mann, der heute die Regierung führt, hat sich erfolgreich wieder dem Volke zugewandt, erfolgreich zunächst einmal in dem Sinne, daß die Welle von Mißtrauen undAblehnung, die das Volk immer stärker rerbagateHifierte, zusammengeschmolzen ist, und das ist schon ein großer Fortschritt nach dieser Vergiftung aller Beziehungen im deutschen Volke. Ich spreche dabei noch nicht vom Okr- trauen. Vertrauen will erst durch Taten erwor- |
ben werden. Wir warten darauf, daß sie kommen.
äleber das Verhältnis der christlichen Gewerkschaften zum Reichspräsidenten führte Kaiser dann u. a. aus: Wir haben in den letzten Tagen die Möglichkeit gehabt, mit Hindenburg zu sprechen. Wir haben ihm die Rot des Volkes geschildert. Wir fandeneinoffe- nes Ohr. Lind ich darf noch eines sagen: Wir haben nicht anders gekonnt, als dem Reichs- Präsidenten auch ein offenes Wort darüber zu sagen, wie schmerzlich es dem Volk, vor allem der Arbeiterschaft, war, daß sich zwischen ihm und das Volk die störende Wand einer so volks- fremben Rcg erung stellen konnte. Unter sichtbarer Bewegung sagte uns der Reichspräsident, daß c r s i ch nie vom Volk getrennt habe. Er habe in seinem ganzen Leben zu den einfachen Menschen des Volks gestanden. Und als ein sprechendes Beispiel sprach er uns von seiner Verbundenheit mit feinen Soldaten. So, wie er schon im Feldzug 1866 mit seinem Zug immer das gleiche Strohlager geteilt habe, habe er es innerlich stets gehalten. Rie werde er sich vom Volk trennen. Das i st Hindenburg und das war auch wohl immer sein Wille. Die Reaktion hat feinen Willen nur anders gedeutet. Demgegenüber steht seineGe- stalt als st arte Abwehr einerHitler- Diktatur. Dreimal hat er sich dieser Diktaturgefahr entgegengestellt. Es war das Hindenburgs geschichtliche Sendung in seinem hohen
telstandes durchaus vertrauten Persönlichkeit an entscheidender Stelle die erforderliche Berücksichtigung des Handwerks erwirkt werden könne.
Der Eingabe wurde eine Entschließung beigefügt, öte den Ernst der Lage im Handwerk und seine Verzweiflungsstimmung kennzeichnet. Schließlich wurde der Reichskanzler noch gebeten, der Spihenvertretung des deutschen Handwerks sobald to;e möglich Gelegenheit zu mündlichem Vortrag zu geben. Auch an den Reichskommissar für das Handwerk und das Kleingewerbe trat der Reichsvevband heran mit der Bitte, im Sinne des an den Kanzler gerichteten Schreibens seinen Einfluß zur Geltung zu bringen.
Die Kommunisten fordern einberufunq zum Montag.
Berlin, 14. Dez. (VDZ.) Der Abg. T o r g l e r hat im Auftrage der kommunistischen Reichstagsfraktion an den Präsidenten des Reichstages ein Schreiben gerichtet, in dem er die Einberufung des Rcichstagsplenums zu Montag, 19. Dezember, fordert. Auf der Tagesordnung sollen stehen:
1. Bericht und Beschlüsse des haushaltsausschusses zu den Dinterhilfemaßnahmen für die Erwerbslosen und sämtliche Hilfs, bedürftige.
2. Bericht und Beschlüsse des Haushaltsausschusses zu den Anträgen auf Aufhebung der Notverordnung vom 14.3unl 1932.
3. Mihtrauensantrag der kommunistischen Reichstagsfraktion gegen die Reichsregierung von Schleicher.
Bürgermeister Kraus-Mainz tritt aus der SVO. aus.
Mainz, 13. Dez. Der ursprünglich als batri- scher Innenminister in Aussicht genommene Bürgermeister Dr. Kraus in Mainz hat durch ein Schreiben an den Parteisekretär der SPD. seinen Austritt aus der Partei erklärt. In einem bei gefügten längeren Schriftsatz begründet er diesen Schritt damit, daß ihm die politische Haltung der badischen Sozialdemokratie, die durch die Ablehnung des Konkordats die badische Koalition gesprengt habe, das Weiteroerbleiben in der Sozialdemokratischen Partei unmöglich mache. Die SPD. Groß-Mainz hat Bürgermeister Dr. Kraus ersucht, das ihm von der SPD. Groß-Mainz übertragene Ehrenamt des Beigeordne- t e n der Stadt Main; wieder in die Hände der Sozialdemokratischen Partei zurückzulegen.
Rücktritt Herriots vom Präsidenten angenommen, pa ris, 14. Dez. (MTV. Funkspruch.) Ministerpräsident h e r r i o t hat sich in Begleitung der Regierungsmitglieder heute früh ins Elysee begeben und dem Präsidenten der Republik die G e s o m t de m i s s i o n des Kabinetts überreicht. Präsident Lebrune hat die Demission angenommen und das zurückge- tretene Kabinett mit der Erledigung der laufenden Geschäfte beauftragt.
Bereits heute früh um 9 Uhr hat der Präsident seine politischen Beratungen ausgenommen und die Präsidenten des Senats und der Kammer empfangen.
Rach dem Stur; der Regierung herriot ist die politische Lage insofern besonders verworren, als bas Abstimmungsergebnis dem Präsidenten der Republik keine politischen Anhaltspunkte dafür gibt, welche Persönlichkeit am besten geeignet sei. das neue Kabinett zu bilden. Vie Mehrheit. die herriot heute gestürzt hat. seht sich näm- lich aus Abgeordneten zusammen, die parteipolitisch unterschiedlich eingestellt sind, heute vormittag nennt man als Kandidaten den radikalen Abgeordneten Daladier.
Die mit der Erledigung der laufenden Geschäfte beauftragte Regierung muß den Text der von der Kammer heute früh mit 380 gegen 57 Stimmen angenommenen Entschließung nach Washington übermitteln, die lautet: „Die Kammer ist der Ansicht, daß es angebracht ist. die am 15. Je- zember fällige Zahlung z u verschieben."
Macdonalds falscher Sekretär.
Berlin, 14. Dez. (TL1.) Während der Kammerdebatte wurde Herriot plötzlich ans Telephon gerufen, daMacdonald ihn sprechen wolle. Am Apparat teilte dann ein Mann, der erklärte, er sei der Privatsekretär Macdonalds, dem erstaunten Herriot mit, daß die britische Regierung ihre Ansicht geändert habe und nicht zahlen werde. Bei einer der Vorsicht halber durchgeführten Rückfrage im Londoner Auswärtigen Amt stellte es sich dann heraus, daß jemand — man nimmt an, daß es
sich um einen der royalistischen Gegner Herriots handelt — sich einen schlechten Scherz mit dem französischen Staatschef erlaubt hatte.
Ungarn über das Genfer Ergebnis befriedigt.
'Budapest, 13.Dez. „Remzett lljfag“ stellt feft, daß die Genfer Einigungsformel a u ch v o m Standpunkte Ungarns von geschicht- kicher Bedeutung sei. „MagyaZag" schreibt, die deutsche Diplomatie könne sich mit berechtigtem Selbstgefühl auf das Genfer Ergebnis berufen. Das Deutschland des Rechtskurses brauche sich nicht zu schämen, denn es habe Deutschland von der Rolle des Prügelknaben und des Almosenempfängers f r e i g e m a ch t und einen neuenWeg betreten. Das Ergebnis sei lehrreich für jedes Volk, das für seine Existenz und feine Freiheit kämpfe. Deutschland könne nun ohne Pre- stig e v e r l u st in die Abrüstungskonferenz zur-ückkehren. — „Pesti Hirlap" führt aus, Abrüstungsabmachungen ohne Befriedung der Seelen seien nicht vollständig. Die Befriedung der Seelen aber könne nicht eintreten, solange die in der Umgebung von Paris geschaffenen Friedensverträge nicht beseitigt seien. — „Pester Lloyd" schreibt: Durch die Einigungsformel ist das Recht Deutschlands und der übrigen durch die Friedensverträge entwaffneten Mächte, also auch Ungar n's, auf Gleichberechtigung auch auf militärischem Gebiet anerkannt.
Nächste Sitzung des Abrüstungsbüros Ende Januar.
® ent, 13. Dez. (WTB.) Das Bureau der Abrüstungskonferenz, an dessen Sitzung zum ersten Male feit Juli wiedereindeutfcherDer- tretet teilnahm, hctt heute beschlossen, dem Hauptausschuß eine Entschließung vorzuschlagen in der das Ergebnis der Fünfmächtebesprechungen begrüßt und die Bereit- schäft zu einer wirksamen Durchführ unff der Konferenzarbeiten ausgesprochen werden soll Die nächste Sitzung des Bureaus soll dann am 2 3. Januar 1933, die nächste Sitzung des Hauptausschusses am 31. Januar 1933 statt- finden. Es wurde auch über das künftige A r - beitsprogramm des Hauptausschusses gesprochen. Im Januar wird eine Reihe weiterer Berichte der Unterausschüsse abg»


