Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.
Fulda.
Bon Otto Baumgard-Cleve.
..Hier sollten Sie einmal aussteigen! —“
Irgend jemand hatte das Wort fallen lassen, als der l)°Zug Frankfurt—Berlin ein paar Minuten in Fulda verschnaufte. „Klcin-Würzburg" hatte der Unbekannte noch hinzugefügt. Halb ungläubig hatte man hingehört. Fulda? — Das ist die Stadt des Bonifatius, erinnerte man sich. Und sonst? Wahrscheinlich eine kleine, stille Mittelstadt, wie hundert andere auch. Freilich, ein Schloß sollte dort sein, eine alte Bibliothek, Klöster ...
Und dann fährt man eines Tages wieder, wie schon so oft, über die große Bord—Süd- Schnellzugsstrecke. Wieder tauchen, von den sanften 'Rundungen der Rhönberge eingeschlossen, die Türme und Kuppeln der Bischofsstadt aus anmutiger Landschaft auf und gleichzeitig die Erinnerung an jene Gesprächsfehen. Soll man aussteigen? — Und schon ist der Entschluß gefaßt, schon steht man draußen auf dem Bahnsteig ...
Auf gut Glück geht's hinein in die Stadt. Sie ist nicht groß und weitläufig. Man findet sich leicht zurecht beim planlosen Schlendern. Zunächst eine Bahnhofstraße, wie alle Bahnhofstraßen. Aber dann steht man unversehens auf einem Platz, nicht eben groß, aber beherrscht von einem Raumgefühl, wie es nur die architektonische Baugesinnung des 18. Jahrhunderts besitzen konnte. Da liegt klar und streng gegliedert das Stadtschloh. der ehemalige Sih der Fürstbischöfe. und nur wenige Schritte entfernt öffnet sich ein barockes Gartenwunder von unbeschreiblicher Schönheit' der Schloßgarten. Wasserkünste, steinerne Götter und Basen, Sandsteinbalustraden, überwüchcrt von wild rankenden Petunien formen eine wundervolle Einheit von Architektur und Gartenkunst. Weiß schimmert durch grünes Buschwerk in reifstem Barock Welsch' und Stengels Orangerie mit dem pathetischen Akzent der Floravase auf der breiten Freitreppe.
Diese Stadt gehört noch zur süddeutschen Kunstprovinz. Ihre Brunnen, Türmchen, Tore, Giebel und Türfüllungen lassen einen hier an der Grenzscheide des Rordens noch einmal süddeutsches Lebens- und Kunstgefühl atmen.
Steht nicht die feierlich-dekorative Fassade von Dientzenhofers Dom da wie die Münchener Thea- tinerkirche? Gewaltig wölbt sich die Kuppel über der Dierung und taucht die Säule des Hochaltars in eine unwirkliche Helle. Roch einmal wiederholt sich das Spiel der Pfeiler und Bogen in der Bonifatiusgruft unter dem Chor. Hier ruhen unter dem schlichten Altar die Gebeine des Heiligen. Eng benachbart dem barocken Dom das früheste Mittelalter, die kleine strenge Michaeliskirche, eine der ältesten Deutschlands, schon um 820, zur Karolingerzeit, erbaut.
Roch mancher beglückende Eindruck bleibt dem flüchtigen Wanderer haften. Das Paulustor. der Hexenturm, das Priestcrseminar und stille Klostcr- höfe — Fulda ist eine fromme Stadt. Bom Frauenberg mit den weiträumigen Anlagen des alten Franziskanerklosters kann man die Kirchtürme alle zählen, funkelnd und leuchtend in der reinen Luft, die vom Vogelsberg und der Wasserkuppe hcrüberweht und eben einen großen seltsamen Bogel in schönem lautlosen Flug über die Stadt trägt' einen Segelflieger von der nahen Rhön. Sein stilles Gleiten ist wie ein Sinnbild des erhabenen Schweigens, das von diesem Stadtbild ausgcht. Ein frommes Schweigen ist in ihren Mauern eingcfangcn. Eine längst entschwundene Lebensform schlummert in ihr. und keiner wird sich diesem Zauber entziehen können, wenn er auch nur einen Schnellzug überschlägt. Wer aber mehr Zeit hat, bleibe einen Tag in Fulda und einen Abend- Es ist etwas Wundersames um einen stillen, geruhsamen Abend in dieser Stadt...
Wanderfahrten.
Bieber-Altenberg—Dlasbachtal—Dick« Eiche—Bieber.
Wir fahren mit Sonntagskarte nach Bieber und folgen vom Bahnhof gelben liegenden Kreuzen, die uns hinter dem Ort durch Wald und Feld in kräftigem Anstieg in die Höhe bringen. Oben erschließen sich uns prächtige Rückblicke auf Gießen, den Schiffenberg und die Burgen, etwas später Ausblicke auf Königsberg, das Helfholz und den Dünsberg. Rach einiger Zeit kommen wir am Fuße des Altenbergs her, dessen Besteigung sich seines baufälligen Turmes wegen nicht lohnt und kommen auf die Straße Hohensolms- Wetzlar. Hier verlassen wir unser Zeichen, wenden uns links und gelangen durch den Blasbachgrund, ein liebliches, von Waldbergen eingeschlossenes Tal, dessen viele Windungen man durch Fußpfade abkürzen kann, nach Blasbach, wo zwei gute Gasthäuser sind. Zum Weitermarsch benutzen wir eineü Feldweg, der am Eingang des Dorfes in die Höhe und später zum Wold führt. Gelbe Striche, die wir hier treffen, führen uns zur Dicken Eiche. Das altehrwürdige Raturdenkmal ist dank dem energischen Eingreifen der Gemeinde Waldgirmes und namentlich des dortigen Ortspfarrers mit erheblichem Kostenaufwand instandgesetzt und so vor dem Verfall gerettet worden. Weiße Striche leiten uns hinab in das liebliche Schwalbcnbachtal. in dem wir bis zur Straße Bieber—Wehlar weitergehen. Wir wenden uns hier links, kommen auf dieser Straße zunächst durch Wald, später am Forsthaus Haina vorüber und durch den Hof Haina nach unserem Ausgangspunkt Bieber zurück. Wanderzeit knapp 5 Stunden.
Mücke—Ahenhain-Weitershain—Homberg.
Von der Station Mücke wandern wir zunächst durch das nahegelegene Merlau nach Atzenhain, das wir in westlicher Richtung durchschreiten, um bald darauf auf blaue liegende Kreuze zu stoßen, die von Grünberg kommen. Diesem Zeichen folgen wir nach rechts und gelangen auf einer schönen breiten Waldstraße nach Weiters- Hain mit guter Unterkunft. Zuerst über Feld
bis Schodenbach, von da durch Wald, führt uns das Zeichen nach unserem Endziel, dem hochgelegenen Städtchen Homberg a. d. Ohm, auf das wir beim Austritt aus dem Wald einen überraschend hübschen Blick haben. Das Städtchen birgt noch viele mittelalterliche Schönheiten. Sehr lohnend ist auch die Aussicht auf Ulrichstein und die Vogelsberger Höhen, sowie auf das Ohmtal und die Amöneburg. In Homberg, das Station der Strecke Rieder-Gemünden—Kirchhain ist, sind einige sehr gute Gasthäuser. Wanderzeit etwa 4 Stunden. Rüstigen Fußgängern sei der anderthalbstündige Weg nach Rieder-Gemünden durch die romantische Hardtschlucht empfohlen.
Reisewinke.
Bad Salzhauseu.
Die Eröffnung des diesjährigen Kurbetriebs erfolgte am 2. Mai. In Anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Lage sind die Kurmittelpreise sowohl wie die Höhe der Kurabgabe bis aufs äußerste herabgesetzt. Besonders günstige Bedingungen bestehen für Pauschalkuren von mindestens 3 Wochen Dauer.
Nordjeebad Borkum.
4uf Borkum ist man für den Besuch der Gäste gerüstet. Hier ist die Luft mild und doch kräftig, ozonreich und staubfrei. Auf kaum einer andern Insel ist der Wellenschlag so kräftig: die Bade- anlagen sind vorbildlich. Unmittelbar am Strande liegt die geräumige, geschützte Wandelhalle: sie ermöglicht auch bei ungünstigem Wetter den Aufenthalt am Meer. Unabhängig von Ebbe und Flut kann man vor- und nachmittags baden. Ein ausgewähltes, reichhaltiges Sport-, Musik- und Unterhaltungsprogramm bietet den Gästen Abwechslung. Prächtige Dünen und anmutige Täler säumen die schönen Spazierwege nach den beliebten Ausflugsorten. Trotz der schon vorgenommenen Senkung der Preise hat die Badedirektion auch in diesem Jahr ihr Möglichstes getan, die Preise noch niedriger zu halten: auch die Fahrpreise sind ermäßigt.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 15. Mai.
6.15 (Von Hamburg): Hafenkonzert. 8.30 (Frie- denskirchc Kassel): Morgenfeier: Beim 2. Deutschen Eichenkreuztag aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Reichsverbandes der evangelischen Iungmännerbünde Deutschlands. 9.30: Stunde des Chorgesangs. 10.30: Konzert. 11.30 (Don Leipzig): Reichssendung: Kantate zum Pfingstsonntag, von Johann Sebastian Bach. 12 (Don Wien): Unterhaltungskonzert, Oesterreichische Komponisten. 13: Konzert auf Schallplatten. 14: Stunde des Landes. 14.30 (Don Kassel): Die Zeltstadt des Eichen- kreuztages, Hörbild vom Lebendigen Rasen. 15.30: „Junge rheinische Dichtung", Gespräch und Rezitation. 16 (Don Baden-Baden): Konzert des Städtischen Orchesters. 17: Blasmusik des Würt- tembergischen Tonkünstler - Orchesters. 19: Dortrag: „Das Pfingstfest zu Mainz", eine Erzählung von Leo Sternberg, gelesen vom Verfasser. 18 (Don Berlin«: Zum 100.Todestag von Carl Friedrich Zelter. 19.35 (Don Karlsruhe): Brat- schenkonzert. 20.15: Johann Strauß: Das Hörspiel vom Walzerkönig, von Robert Fitzood. 22.45 bis 1 (Don Köln): Rachtmusik.
Montag, 16. Mai.
6.15 (Don Hamburg): Hafenkonzert. 8.15: Katholische Morgenfeier. 11: „Die Affenhochzeit",
eine Erzählung von Carl Zuckmaher. 11.30 (Don Leipzig): Reichssenpung: Kantate zum Pfingstmontag, von Johann Sebastian Bach. 12 (Don München): Konzert. 13: Unterhaltungskonzert des Rundfunk-Orchesters. 14: Stunde der Jugend. 15: Tagesprogramm in einer Stunde, eine heitere Schallplattenplauderei von Karl Köstlin. 16 (Don Homburg«: Konzert des Kurorchesters Bad Homburg. 18: Don der Wasserkuppe: Ein Tag bei den Segelfliegern. Hörbericht von Dera von Bilsing. 18.25: Ungedrucktes von D. Traven: Der Abschied des Indianers, gelesen von Joseph Bunzl. 19: Das kalte Herz, Hörspiel nach Wilhelm Haufs, von Walter Benjamin. 20: Konzert. 22.45 bis 24 (Don München): Rachtmusik.
Dienstag, 17. Mai.
7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 7.30 (Don Bad Oeynhausen): Konzert des Kurorchesters. 12 (Don Stuttgart«: Mittagskonzert der Kapelle Maria Salini. 13 bis 14.30 (Don Köln«: Konzert. 15.20 bis 15.50: Haussrauen-Rachmittag. 16 bis 18 (Don Wiesbaden): Konzert. 18.25: „Ich kann den nicht riechen". Dortrag von Dr! S. Fink, Frankfurt am Main. 18.50: „Ein Streifzug durch das Privatrecht der Sowjetunion", Dortrag von Dr. Paul Lieb. 19.30 (Von Königsberg): Städtebilder: Danzig, Staffelreportage. 20.30: Zither-Kon
zert. 21.10: „Wie er uns sieht", aus den Reden des Südsee-Häuptlings Tuiavii, gelesen von Karl Günther. 21.30 bis 22.20: Konzert. 22.45 . (Don Karlsruhe): Liederstunde, Werke vonIosefSchelb^ 23.15 bis 24: Tanzmusik.
Mittwoch, 18. Mai.
7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 7.30 (Don Bad Pyrmont): Konzert. 12 (Don München): Konzert. 13: Konzert auf Schallplatten. 15.20 bis 16.20: Stunde der Jugend. 17: Rachmittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.25 (Don Mannheim): „Lustiges und vorteilhaftes Rechnen", Plauderei von Dr. Karl Menninger, Heppenheim a. d. B. 18.50: „Werkstudenten", Gespräch zwischen Fritz W. Schönfeld und Paul Laven. 19.30 bis 20 (Don Leipzig): Zur Feier des 150jährigen Geburtstages des Freischarsührers von Lühow, Hör- bericht aus der Lühow-Kirche in Rogau bei Zobten. 20 (München, Köln und auf den Deutschlandsender): La Gioconda, Oper in vier Akten von Amilcare Ponchielli. 22.45 bis 24. (Don Berlin): Rachtmusik.
Donnerstag, 19. Mai.
7.05: Frühkonzert auf Schallplatten. 7.30 (Don Bad Homburg): Frühkonzert des Kurorchesters Bad Homburg. 12: Konzert auf Schallplatten. 13 (Don München): Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30 (Don Freiburg): Stunde der Jugend. 17: Rach- mittagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.25: „Don Bergen und Bergsteigern", Alpine Reuerscheinungen, besprochen von Dr. Walter Bing. 19 (Don der Deutschen Welle): „Deutschlands Stellung unter den Mächten". Dortrag von Graf Westarp. 19.30: Friedrich Kayhler liest aus „Ferne, Roman eines O-Zug-Wagens", von Hermann Roßmann. 20: Der Mensch Rr. 17 381, Hörspiel von Leo Lania. 21: Sinfonie-Konzert. 22.45 bis 23.30 (Don München): Rachtmusik.
Kunst und Wissenschaft.
Das neue Frankfurter Goethe-Museum.
Nun hat Frankfurt sein Goethe-Museum. Zwar stellte auch das alte Goethchaus ein Museum dar, das aber nur in sehr bescheidenem Rahmen diesen Ausdruck verdiente. Jetzt ist es dem Freien Deutschen Hochstift mit finanzieller Unterstützung deutsch- amerikanischer Verehrer Goethes gelungen, eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst zusammenzustellen, die ein getreues Bild der künstlerischen Atmosphäre darstellt, in der Goethe groß geworden und gelebt hat. Die Grundlage für die Schaffung des Museums schuf die Stadt Frankfurt selbst durch die Hergabe der Häuser Großer Hirschgraben 25 und Am Salzhaus 1. Diese sind jetzt in meisterlicher Form mit dem eigentlichen Goethchaus zu einem einheitlichen Ganzen verschmolzen, in dem die mit vieler Liebe und Sorgfalt zusammengestellte Ausstellung untergebrocht ist. Besonders reich ist das Museum an Gemälden. Ueberhaupt sind aus allen Weltgegenden Stiftungen zur Bereicherung dieses Museums gemacht worden. Im Erdgeschoß ist die weltberühmte Goethebibliothek untergebracht, die nahezu 50 001) Bände umfaßt und die' umfangreichste Gacthebiblia- thck der Welt dorstellt. Die großen Reichsgedenk- feiern zu Ehren Goethes im August dieses Jahres haben mit der Gründung des Frankfurter Goethe- Museums einen würdigen Auftakt gefunden.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.
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