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4 ^ortleRung
Nachdruck verdaten
damit Sie unß immer etwa- recht SchSneS kochen können."
Frau Mertens nahm das Geld mit sichtlich« Erleichterung.
Jetzt war sie wenigstens nicht mehr allein auf den Verwalter angewiesen, den Halsabschneider. Setzt hatte sie wenigstens etwas Geld in der Hand. Die jungen Herren würden mit ihrer Küche schon zufrieden sein.. •
„Aber, Herr Gust, sagen Sie bitte dem Ber- Walter nichts von dem Geld. Sonst ist er noch unverschämter und berechnet uns das Geflügel und das übrige, was eigentlich der Herrschaft zukommt, extra!"
Theobald Fischer hob den Kopf.
„Liebe Frau Mertens, ich habe eine Bitte an Sie: Wollen Sie mir Klarheit geben über die Verhältnisse hier, besonders über den Verwalter? Wollen Sie mir olles sagen, was Sie wissen und wie Sie es sehen?"
Frau Mertens war verlegen geworden. Aus Freude über das Geld hatte sie sich zu einer Unüberlegtheit hinreißen lassen. Was sollte sie nun tun? Mit zitternder Hand strich sie sich über die blütenweihe Schürze, dann antwortete sie:
»Oh, Herr Fischer, da kann ich eigentlich gar nichts sagen...!"
„Aber ja, gute Frau Mertens! Ich sehe es Ihnen an der Aasenspitze an, daß Sie sogar sehr viel wissen. Sie brauchen keine Angst zu habcni. Wir sind Ihnen nur dankbar, wenn Sie uns reinen Wein, einschenken, uns ein wenig helfen. Och felbst will meinen Freund unterstützen, ihm behilflich sein, Ordnung zu schaffen; aber ich kann das nicht allein, ich weiß doch zu wenig von dem. was hier vorgegangen ist!"
Frau Mertens überlegte noch immer. Was sollte sie nur tun? Wenn der Verwalter erfuhr, daß sie geschwatzt hatte, dann war es mit ihr vorbei.
„Sic brauchen wirklich keine Angst zu haben. Frau Mertens! Llnd du, Gust, tätest am besten, wenn du jetzt zum Vorwerk reiten würdest. Ich möchte mich gern mit Frau Mertens allein unterhalten; ich glaube, dabei kommen wir weiter!"
Theobald brachte es auch wirklich fertig, Frau Mertens Scheu zu überwinden. Bald sprach sie sich alles herunter, was sie auf dem Herzen hatte, und Theobald wußte, daß ihn sein Argwohn gegen den Verwalter nicht getäuscht hatte. Aber das, was er da hörte, war schlimmer als seine schwärzesten Vermutungen. Seine Heiterkeit war im Laufe des Gesprächs einem tiefen Ernst gewichen. Es würde nicht leicht sein, da Abhilfe zu schaffen, das wußte er. Aber er würde trotzdem mit allem fertig werden.
Er dankte Frau Mertens, berabschiedete sich von ihr und wandte sich stehenden Fußes hinüber zum Verwaltergebäude...
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Der iroiiH oom w
Roman von Margarete Antelmann.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale)
Aber — ich bin wirklich ein netter Gastgeber. Hab' noch nicht einmal daran gedacht, daß du hungrig sein mußt. Die gute Frau Mertens wird sicher schon was Ordentliches hergerichtet haben."
„3a, Gust, ich hab' sogar Hunger! Aber — ich muß dir noch was sagen. Fürs erste wirst du mich nicht wieder los. Ich bleibe hier, mindestens ein halbes 3ahr. Mein alter Herr hat mich nämlich rausgeschmissen. 3a, du brauchst keine so großen Augen zu machen. Wir hatten einen scharfen Tanz miteinander.
Er will, ich soll die Boxerei an den Aagel hängen und mich ganz dem Betrieb widmen. Aber — ich hab' ihm meine Meinung nicht vor- enthalten. Hinter dem Schreibtisch sitzen kann ich noch lang' genug. Da wurde er wütend und fuhr mich an wie einen Schuljungen. Aa, und das ließ ich mir nicht gefallen, und das Ende vom Lied war, daß ich fort wollte. Vater war auch ganz damit einverstanden.
3ch soll mir erst einmal den Wind um die Aase wehen lassen, meinte er, Llnd sehen, wieweit ich mit meiner Boxerei käme. 3ch brauchte erst zurückzukommen, wenn ich bereit wäre, als ordentlicher Mensch bei ihm zu arbeiten. Mein Konto sei in Ordnung, zu hungern brauche ich nicht. Aber ich sollte mir nur nicht einfallen lassen, in Saus und Braus zu leben. Dreihundert Mark im Monat würde er mir bewilligen, keinen Pfennig mehr.
3ch bin dann losgegangen, hab' mich nicht einmal von ihm verabschiedet. Hab' meinen Koffer gepackt, und da bin ich nun.
3ch bin nur neugierig, wie lange es der Alte ohne mich aushalt. 3ch denke, daß bald ein Telegramm bei dir eintreffen wird, mit einer ängstlichen Frage nach mir. Er ist, trotz seiner Marotten, herzensgut. Aber — diesmal werde ich ihn zappeln lassen, damit er endlich vernünftig wird."
„Theo, Junge, was machst du nur für dumme Sachen! Wegen dieser dummen Doxerei! Hoffentlich kommst du doch noch zur Vernunft; es wäre wirklich zu wünschen. Wenn ich du wäre, wüßte ich, was ich zu tun hätte."
„Fange du nur auch noch an mit dem Moralpredigen! Dann geh' ich gleich wieder fort."
„Red' keinen Unsinn, Theo! Tu weiht ja, wie ich es mit dir meine. Und wenn du absolut den Drang hazu fühlst — hier hast du Gelegenheit genug, deine Kräfte anzustrengen, wenn du einen Gläubiger nach dem anderen aus dem Hause boxen willst."
„Aa, laß mich nur machen, Gust! 3ch werde dir schon helfen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen."
„3etzt wollen wir hinübergehen, ins Speisezimmer, Theo."
Die Freunde durchschritten die große Halle und kamen in das große, mit altdeutschen Möbeln eingerichtete Spe.sezimmer. Ueberall an den Mö-
Und nun steh' ich da und hab' keine Ahnung, was eigentlich los ist. 3ch begreife das alles nicht. Ein so großes Gut wie Löbbau müßte doch eigentlich ertragreich sein. 3n den letzten Jahren hat es keine schlechte Ernte gegeben; unser Boden ist sehr fruchtbar. Das Vieh ist gesund, hat sich ständig vermehrt. Und trotz alledem ist nach dem Bericht des Verwalters alles immer zurück« gegangen..."
Eine kurze Stille war nach diesen Worten entstanden. Theobald Fischer sah nachdenklich vor sich hin. Dann hob er den Kopf.
„Sag' mal, Gust, was ist das eigentlich für ein Mensch, dein Verwalter?"
„Aun, er ist über fünfundzwanzig 3ahre hier! Also muh mein Vater doch zufrieden mit ihm gewesen sein, sonst hätte er ihn doch längst weg- geschickt. 3ch habe schon mit ihm gesprochen. Er meinte, die ganze Schuld läge eben in der heutigen Zeit begründet. Man könnte arbeiten und arbeiten, ohne etwas herauszuschlagen."
„Hast du die Bücher schon durchgesehen, Guft?'^
„Bis jetzt noch nicht! Sie seien noch nicht ganz in Ordnung, meinte der Verwalter. Gr müsse *stoch die letzten Eintragungen machen, dann wolle er sie mir herüberbringen. Ich bin doch ganz überraschend hier hereingeschneit — mußt du
„So! Und da hast du einfach ja und amen gesagt? Er müsse die Bücher erst noch in Ordnung bringen? Du, Gust, das gefällt mir ganz und gar nicht. Solche Bücher müssen immer in Ordnung sein. Die Bücher sieht man sich auch sofort an und wartet nicht, bis der Herr Verwalter die Bilanz so einträgt, wie sie ihm passend erscheint.
Laß doch gleich mal die Bücher herüberbringen, Gust. Ich werde sie durchsehen. Aicht umsonst hat sich mein Vater Mühe gegeben, aus mir einen guten Geschäftsmann zu machen. Einiges hab' ich schon gelernt."
„Das ist wirklich ein guter Gedanke, Theo! Willst du so gut sein und gleich zum Verwalter hinübergehen, dir die Bücher geben lassen. Ich reite solange zum Vorwerk hinaus. Der Pächter bat mich, sobald als möglich zu ihm zu kommen. Ich möchte den Mann nicht warten lassen. Er ist der einzige, der das Pachtgeld direkt an mich zahlt. Auf diese Weise bekomme ich bann etwas Geld in die Hand, denn der Verwalter behauptet, keinen Pfennig Ueberschutz zu haben.
bclstücken waren Schnitzereien angebracht, mit Emblemen des Weidwerks. An den Wänden hingen Geweihe und ausgestopste Tiere, über dem Tisch schwebte eine zwötfarmige Krone, gleichfalls aus Geweihen zusammengesetzt.
Durch die bunten Scheiben der Fenster fielen die ersten Strahlen der Märzsonne und beleuchteten ben kärglich geheckten Tisch, ber ehedem vor Ueberfluh fast erdrückt worden war. Heute stand nichts darauf als ein kleiner Bierkrug mit zwei Gläsern, ein derbes Landbrot, Butter, Schinken und Käse.
So einfach das Gebotene auch war, so appetitlich sah alles aus. Frau Mertens, diei alte Haushälterin, war tüchtig, und sie liebte August Richter. Sie sorgte für ihn, soweit es in ihrer Macht stand.
Als die Freunde gegessen hatten, trat sie herein, ein Körbchen mit vier Apfelsinen in der Hand. Sie hatte die Früchte gestern für ihr Geld gekauft. Der Verwalter bestimmte ja genau, was es im Herrenhause zu essen gab. Wie er auch das Essen für die Arbeiter und Tagelöhner bestimmte.
Lieser anmaßende Mensch war Frau Mertens ein Lvrn im Auge, besonders in den letzten Jahren, seitdem der Amtsrat tot und August fern war. Er tat, als ob er hier der Herr war.
Frau Mertens hatte wohl gesehen, wie der Verwalter erschrocken war, als ihm die plötzliche Ankunft des jungen Herrn gemeldet wurde. Sie war überzeugt davon, daß da vieles nicht in Ordnung war. Bei dem Verwalter gab es jeden Tag herrliches Essen, das wußte sie; die Vorratskammern drüben waren gut gefüllt.
Aber — durfte sie beim etwas gegen die da drüben sagen? Der Verwalter besaß die Vollmacht über das gesamte Personal; er hätte sie kurzerhand entlassen können, und bann wäre auch ins Herrenhaus irgendein Geschöpf gekommen, das die Herrschaft begaunert hätte. So schwieg sie lieber und wartete auf ihre Zeit; wenn sie erst wieder vertrauter mit dem jungen Herrn geworden war, konnte sie vielleicht doch reden.
Theobald Fischer sprang auf, als Frau Mertens hereinkam, gab ihr die Hand.
„Kennen Sie mich noch, Frau Mertens?"
„Aber, gewiß doch, Herr Fischer! Ich erinnere mich noch gut daran, als Sie damals als Junge hier waren, älnb ich freue mich sehr, daß Sie den Herrn August besuchen!"
_„3a, Frau Mertens, mein Freund wird sogar längere Zeit hierbleiben. Lassen Sie noch ein Bett in meinem Schlafzimmer auf stellen; wir wollen wieder so zusammenhausen wie früher!"
„Und baß ich es nicht vergesse, Frau Mertens", sagte letzt Theobald und zog seine Brieftasche, „ich trage natürlich meinen Teil bei zu der Haus- haltkasse. Hier, haben Sie zweihundert Mark,
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