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Nr. 136 Zweiter Blatt

Montag, 15. Juni 1952

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)

Oie Entlarvung Ivar Kreugers

Seit jenem denkwürdigen Tage, an dem die fen-

jationclle

Meldung über 3 u a r Kreugers r d die Welt durcheilte und in Bestürzung

die im

1492 die legten Mauren aus

einem etwas repu- einen

Arrapon im 3ahrc Spanien vertrieben Maurknprinzen zu schwierig. Vielleicht

allerdings handelte Kilo Tpnamit, mit iug hatte angeftellt

es sichnur" um zweihundert denen aber doch allerhand Un- werden tonnen, wenn die tuch-

bat. Diesen Orden also verleihen, ist immerhin gründet man einen rein um aus dieser Sackgasse

schäft nicht vorhandene als ein Außenseiter, der er immer gewesen war, geht er in sein siebzigstes Lebensjahr ein.

denen sie erfahren tonnen, wie man am besten seine eignen Kleider herstellt oder sich seine Hure garniert. Stets mehrfach oorbcftcUt sind Bücher über Gartenbau, denn man hofft, auf diese Weife das Stück Land, das man- besitzt, in der ergiebigsten Weile verwenden zu tönneu. So liefert die Bibliothek alle Arten praktischer Auskünfte, und sie muß barauf bedacht lein stets die neuesten Schristen zur Hand zu haben b'.e praktische Anleitungen auf allen Gebieten geben Die Benunung geisteswissenschaftlicher Werke und von Buchern der schonen Literatur tritt dagegen zuruck Doch natürlich suchen die Arbeitslosen auch Unterhaltung, und es ist be­merkenswert. daß sie die allen guten Erzähl un- gen gegenüber so vielen zweifelhaften Aeuerfchei- nungen bevorzugen."

setzte, sind reichlich zwei Monate vergangen. In­zwischen liegen ausführliche Polizeiberichte über die jämmerliche Hinterlassenschaft dieses Pseudo-Indu- striekonigs vor. und nunmehr hat auch die Unter- suchungskommission der Gläubiger einen ersten ab­schließenden Bericht erstattet. Alles, was man aus diesen Dokumenten erfahren hat, ist aber nichts weiter, als daß man nunmehr eindeutig weiß: Kreuger war ei n Betrüger! Die verschie­denen Details, das Drum und Dran spielen keine Rolle. Es hat heute auch keine Bedeutung mehr, wenn man sich fragt, ob Kreugers Handlungen von vornherein auf Betrug abgestellt waren oder ob ihn erst der Verlaus der ungeheuerlichen Weltwirt­schaftskrise in das zweifelhafte Fahrwasser ge­trieben hat.

Für die Oeffentlichkeit der Welt ist durch die bis­herigen Untersuchungen nach dem Schuß in Paris jedenfalls erwiesen, daß dieser Schwede, dessen Schie bungen sein ganzes Land in Gefahr zu bringen drohen, schon lange sein Schiff durch schmutzige Gewässer steuerte. Allerdings: er selbst stand bis zum letzten Augenblick in Galauniform auf der ver­goldeten Kommandobrücke des Konzernschiffes, und alle Welt bestaunte, bewunderte nur ihn, berWangeb lich genialsten Finanzkops der Weltgeschichte. Es fiel niemandem ein, den Blick einmal von der Höhe des Kommandolurms abzulenken und auf das rings­herum befindliche stockige Meer zu richten, durch das der Kurs ging. Roch lange wird es dauern, bis die Akten über die Manöver dieses größten Finanz, jchwindlers aller Zeiten geschlossen werden können. Das von Kreuger aufgebaute Konzerngebäude ist so verwickelt, so unklar, ja, so fiktiv, daß Jahre ver­gehen miiffen, ehe restlos in alle Gange und unter­irdischen Kanäle hineingeleuchtet werden kann.

Allein, die Tatsache der Entlarvung Kreugers für sich genügte, ym ein ganzes Wirtschaftssystem vor­übergehend in Mißkredit zu bringen. Ärcuacr ver­körperte für die Welt den Typ des Groß k a p i t a 1 i ft e n. Er war der Mann^der freigebig Staaten Kredit emraumte, wenn ihre Finanzminister Nicht mehr mciier wußten, wenn keine Bank dem Fiskus mehr einen Pfennig Kredit gab Zuerst half

Lochschulnacknchien.

In Graz ist der Physiker Prosesfor Albert von Ettingshaulen im 13. Lebensjahr gestorben. Von Isxk bis 1920 war er Direktor des Physikali scheu Instituts der Grazer Techmichen Hvchichule«

Der Münchner Botaniker Professor W e 11 fi e i n Hal die Berufung an die Universität Wien abgelehnt

Der Marburger Privatdozeni Dr. Jost Trier hat einen Rui auf Öen Lehrstuhl der deutichen Sprache und Literatur an der Universität Munster als Aachfvlger von Schwietering erhalten

Der früher in Gießen lehrende Althiftoriker Prof Dr. Richard Lagueur ubernimjni in Halle das Ordinariat für Alte Geschichte an Stelle von W Weder

Oer Lehrstuhl der Botanik an der Universität Hall Ist dem Münchner außerordentlichen Prosesfor Wilh Troll angeboten worden.

Der Frankfurter Professor Eberhard Bruck hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für römisches Recht an der Universität Bonn als Nachfolger von Fritz Schulz erhalten.

Professor Rudolf Ladenburg, Mitglied de. Kaiser Wilhelm Instituts kur physikalische Chemie und Elektro Chemie in Dahlem hat den Rus an die amerikaniiche Universität Primeeton angenommen

Dem Professor für physikalische Chemie in Göttin gen, Geheimrat Tammanv, wurde vom Koni-, von Italien die Golden? Paterio-Medaille verliehen.

Auf Einladung der deutschen Akademie werden die griechischen Professoren Keromopoulos (Athen und Spnropolus (Salomfi) an einer Reih deutscher Hochschulen Gastvorlesungen halten.

bela la Gatolicn". Und das ist jene große. Königin, Verein mit ihrem Gemahl Ferdinand von

Madrids, mit Kreuzchen und mit schleitchen in den alten Farben rot gelb geschmückt. herumzuslanieren und damit da» nachzudolen, tna» sie am Tage de» Umstürze» in Spanien Dtraumi hat Damals nämlich sah man s i e nicht und alle die­jenigen, die zur Rettung der Monarchie berufen ge­wesen waren, waren, mit wenigen Ausnahmen, von der Bildflache vetlchwunden. Neute ist da» an­der». solange nicht» passieren kann, suhlt man sich gerne wieder als Monarchist. Und doch passiert ab und ZU etwas, was aber auch ziemlich lächerlich ist H>e und da glaubt die Polizei die Republik dadurch reiten \u müssen, daß sie eine junge Dame verhaftet, die solchen rot gelben Schmuck tragt, und sie lang wierigen Verhören unterwirft oder «n Banquctt in letzter Minute unterlagt, weil Freunde und Ver­ehrer so einem tapferen Mädchen dabei ihre Be­wunderung zum Ausdruck bringen wollen, und ähnliche Dinge.

3m Gegensatz zu Madrid werden die Behörden auf der conneninfei Mallorca weniger durch volitiichc al» durch wollen wir lagen tounsti sche Probleme in Atem gehalten Und zugegeben, die Probleme sind nicht einfach. Was wurden Sie sagen, wenn die zahllosen amerikanischen Frauen, die die Insel bevölkern, nur mehr mit Büstenhalter und Pyiamahole bekleidet durch die Straßen der Stadt wandelten und Sie sollten einerseits der Mo­ral wieder auf die Füße helfen und anderseits dem Fremdenverkehr nicht ichaden^ Der Gouverneur non Palma hat sich daraus beschränkt, um Verwen­dung von etwa? mehr Kleidung zu bitten ist da» nicht höflich'' Aber wie man sieht, wirklich Frühling ist es eben doch nur auf Mallorca'

ein Blitz durch England, Frankreich, Amerika, Ja­pan. Es hat fein Land gegeben, in dem die Ge­schichte Karl Heinzens nicht Tranen der Rührung gekostet hatte wunderbar genug, wenn man bedenkt, wie fern und fremd anderswo das deutsche Stuöcnteniniheu mit Liebe, Liedern und -valo- mondern anmuten mußte

Es hat einmal einen Alt Heidelberg-Taumel ge­geben, wir haben ihn erlebt. Monate um Monate vergingen, und noch immer gab man im Berliner Theater allabendlich und ohne Unterlaß das Stück Meyer-Försters. Es gab in jenem gemessenenBer­lin der Jahrhundertwende einen Schauspielerkult - heute ist er zum Film hiniibergewechjelt in allen Schaufenstern hingen die Postkarten der ersten Ber­liner Darsteller: Harry Walden und Leonie I a I i c n i f n Leonie in dem weißen bauschigen Kleid der Kellneiin, Harry in der modischen Eleganz jener Jahre, mit dem sehr hohen Stehkragen, der bis zum Hals hinauf geschlossenen doppelret.htgen Weste hingen neben den Bildern Matkowfkys, Josef Kainz' und Arthur Vollmers Scherl brachte damals eme billige Buchausgabe des begehrten Stucks mit den Darstellern der größten deutschen Buhnen, sie hatte eine Verbreitung, die in die Hunderttausende ging. Und immer noch gab man in allen Stabten und in allen LandernAlt-Heidelberg". Man gibt es heute noch Man gibt"es immer und überall. Denn das Schicksal Karl Heinzens und feiner Stu- benienliebc ist als Motiv vom Theater zum Film und zum Tonfilm gegangen, und bas Thema spukt unter veränderten Formen immer wieder auf der Leinwand das Thema vom ewigen Wunschtraum Denn das roar's doch, was diese ungeheure Be­geisterung heroorgerufen hatte jeder Jüngling wünscht sich, so zu'lieben, jedes Mädchen, so geliebt zu fein ... ,

Der aber diesen Taumel heroorgerufen hatte Wilhelm Meyer Förster fclbft der sich nun im Kubm Glan, unb Gluck hatte fonnen können, er fclbft hat dieses Glück, bas ihm unter Millionen Schriftstellern einmal bclducben war. au? dunkler Vereinsamung und aus weiter tyernc miterlebt. Vier Jahre späte/ erblindete er. der immer schon das Leben mehr aus stiller Zurückgezogenheit betrachtet hatte; auch feine schone Frau hatte dielen uner­warteten Aufstieg nicht mehr erleben tmr.cn ein Schauspiel, bas dem Karl Heinzens an Wehmut nicht nachsteht, nur, baß es leider grausame Wahr- heit geworben i<tAlt-Heidelberg" lebt metfer. Moyer-Förfter» Name aber steht ,n keiner der oft'- Zellen Literaturgeschichten. Er ift für bte SMen-

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten' Madrid. Ende Mai 19.32 £er heUtge Petrus scheint mit dem neuen R gtme in opanten nicht einverstanden zu seit«, wo. man ihm auch nicht übel nehmen kann, nachdem er auf Grund der neuen Verfassung sich vom ofsi ztellen Leben ins private zuruckziehen mußte. Run müssen aber auch wir Unschuldigen unter dieser Mißstimmung leiden und mit unseren alten Win- terhüten noch Ende Mai durch den sogenannten Frühling lausen, weil es immer noch nicht ©arm werben will unb ber Strichhut bei bieser Temperatur einfach unmöglich ist. Bejonbers sinn reich sind hie vereinzelt austauchenden heißen Tage mit darauffolgenden kalten Rächten, so ähnlich wie in Nordmarokko, die ganz dazu angetan sind, den lieben Aerzten stärkere Einnahmen zu 'verschaffen. Aber schließlich miiffen die ja auch leben.

3um Ersatz für solche Unbill hat uns die Regie­rung nun wieder einmal eine neue Augenweide beschert unb den ftAa lifen von spanisch Marokko nach Madrid eingelaben. Der Kalif ist der Vertreter des Sultans von Marokko im spanischen Protektorat, Prinz aus diesem Herr­scherhaus, unb infolgebefkpkaiserliche Hoheit", (fr fuhrt ben schlichten NamenMuley El Hasan Ben El Mehebi Ben Ismael" unb steht im Blütenalter von zwanzig Jahren. Zum erstenmal in seinem Le­ben hat er Afrika verlassen unb europäischen Boben betreten. Wie wird ihm zu Mute gewesen sein, als er in Südspanien bie Stätten maurischer Kultur besuchte, welche Gebankengönge werden ihn bewegt haben in der Alhambra von Granada, im Alco'ar van Sevilla oder in der Mezquita Cor­dobas. Die alten Erzählungen werden ihm lebendig geworden sein, die sich in ben Stämmen seines Vol kes bis auf ben heutigen Tag erhalten haben und an einstige Große unb Macht erinnern. Im blühen­den üppigen Gartenland Andalusiens mochte er an bas technische Können seines Volkes erinnert wor­den sein, bas bieses Parabies mit unendlichem Fleiß unb Geschick geschaffen und sieden Iahrhunberte hinburch behütet hat.

lieber oierhunbert Jahre liegen zwischen damals unb heute, und Frieben herrscht zwilchen beiben Volkern. Seine Kaiserliche Hoheit ber Kalif ist nach -Spanien gekommen, begleitet von feinen alten Wür benträgern und Ministern, bie ihn, in wallenbe weiße Mäntel gehüllt, feierlich umrahmen um dem Staatspräsidenten seinen offiziellen Besuch abzu- ftatten. Natürlich hat er auch dicke Orden mit- gebracht, die heute die republikanischen Männer­brüste schmücken, roofiir er aber auch ganz als Souverän behandelt wird. Ihm Ehren mußte der Marineminisler sogar eine eigene Verfügung für die spanische Kriegsmarine herausgeben, wonach beim Betreten unb Verlassen eines Kriegsschiffes burd) ben Kalifen je neunzehn Schuß als Ehren- falut abzuseuern sind Ob man sich für die Orden revanchieren wirb, steht noch nicht fest, benn merk- würbigerweise hat die Republik nur einen Orten beibebalfen unb zwar ausgerechnet ben vonIsa-

Alt-Heidelberger Erinnerung.

Zum siebzigsten Geburtstag von Wilhelm Meyer-Zörster.

Von Hans Hehler.

Im November 1901 mar man im Berliner Thea- ter in Berlin sehr unluftig und nervös, man haue aus irgendwelchen Gründen ein ctud angenommen, das nun leider aufgeführt werden mußte, obwohl man den sichern Durchfall vorausjehen konnte. Aber man war nun entschlossen, das Unglück mit leiblicher Würbe zu ertragen unb das Schauspiel nach einigen Tagen vom Spiclplan verschwinden zu lauen. Ls tarn nicht dazu, es wurde nicht abgesetzt, es »ft b .s heute nicht abgesetzt worbe n, es taucht irgendwo immer wieder aufA 11-H c » d c l b e r g von Wilhelm Meyer-Forster.

Er war in Hannover geboren, hatte ferne Litern früh verloren unb kam mit elf Jahren aut bie Ka dettenschule auf Schloß Bensborg bei Köln (Junge Jahre später zwang ihn eine schwere Lungenkrank, heit, allen Unterricht für längere Zeit Zu unter­brechen. mit der Vfs.zierslaufbahn hatte esdcmi't em Ende, Meyer-Forster studierte und nicht ein­mal m Heidelberg, sondern Jura in teigig unö Berlin, dann Kunstgeschichte in München ""d Wien Er hatte in dieser Zeit, als zwanzigjähriger Student, schon einmal einen großen Enolg. ber freilich auf

Steile tddjront, blieb: ««

Bändchen Saro oaronen eine flotte ui.b freche Partie auf Meb.ngs bamals melgelefenen bluternftcn RomanDie Saxo Boru.sen - wurd auf allen Universitäten nut '.achendem BcifaU bc □ruht und konnte in mehr als zehntautend Lrem- Maren erscheinen. Wa» war sonst von ihm zu mol- d u» Er hatte einige Romane geschrieben, auf die das Publikum aber erst nach bie'em ud^ra'chenden Theatererfolg aufmerksam wurde- ..Hc'benstanim oderDerby" hießen sic und spielten im Milieu der Offiziere und Herrenreiter, und eine .loocnc Heinrich", die er zu diesem fragwürdigen cd)i u

fpät« an Einer fZ«Operationm öiiben ftarb

XÄÄ £ *

CFrfota der in der Zt>ealergefd)id)te beinahe ein Ja baS x°m alten -Berliner Ihm,er in her Berliner Eharlottenftraße lief das schaufp'el

Material dafür zu liefern, daß die Lipiiühfuuh. Wiriichaftsocdnung endgültig aus den Fugen geriete und an ihre Stelle eine neue Wirtschaftsform trete, über deren Konturen sich heute viele Edle unb Un edle den Kopf zerbrechen Gewiß, da» Erwachen, da. Kreuger» lob für bie Welt bedeutet, ist bitter unb schwer Aber auch diese Knie wird oorubergehen wie id)on lo viele andere, in ihrer Art vielleicht nicht minder heftige trübere Krisen Perioden fiel» einmal ihren Abfchluß fanden, llebrig bleibt dann, bie Lehren aus dem Skandal zu ziehen. 3u riften. Wirtschaftler unb Politiker werden bann eine Fülle von Snbalispunlien dafür erhalten, wo Re formen an ber Zeit sind Romanschreiber werden ein Leben barficUen fonnen. dessen überraschende! Abschluß der Welt einen Augenblick den Atem stocken ließ.

Man wird in jenen Buchern lesen, weshalb Kreuger stet» öffentliche Gesellschaft miet). Heute weiß man. warum Kreuger den bescheidenen Mann spielte Er hatte viel, ja so viel zu verschweigen, daß man sich heute.wundern muß, wie ein einziger, geistig ohne Frage auf schwindelnder Hohe stehender Mensch solange ein derartige» Maß von Verschulden auf sich nehmen konnte. Mit einer Milliarde perfon licher Verpflichtungen und weiteren Milliarden Ge- seUschaftsschulden von bannen zu gehen, ist wahr hastig eine Leistung, bie in ber Welt einmalig bleiben wird lieber den Streich bc» Schuster» von Köpenick lachte bie Welt, bie Erfahrung mit dem Groß betrüger von Stockholm bedeutet aber ein schmerz liffies Reuegelb, da» bie vertrauensselige kultivierte Menschheit ber Gegenwart für ihr kritikloses Auf blicken zu diesem Riesenschwinbler zahlen mußte.

Warenhäuser

unb Einheitspreisgeschäfte.

3n der sehr gut besuchten TTonatöbcrfammlung der Ortsgruppe Gießen im D e u t f d) n ä t i o n a - len Handlungsgehilfen - Verband sprach Herr Dr. Muller über das Thema .Warenhäuser unb Einhei tspreis - g e s ch ä f t e'. 5er Redner gab zunächst einen all­gemeinen Mcberblid über die Entstehung und Ent­wicklung der Warenhäuser, ihr llcbergreikn von Amerika nach Europa unb ihr Eindringen in Deutschland An Hand von Zahlen zeigte er den ungeheuren Aufschwung der Warenhäuser in ber Nachkriegszeit. Aus ben Warenhäusern entwickel­ten sich die Einheitspreisgeschäfte, von denen etwa 400 im Jahre 1931 in Deutschland gezählt wurden, davon 50 Prozent in Orten unter 100 000 Ein­wohnern Es lei keine Frage, daß bie Waren­häuser unb Einheitspreisgeschäfte den selbständi­gen Einzelhandel stark bedrohen, unb es sei des halb auch verständlich, daß eine starke Bewegung gegen diese Aiesengebilde im Einzelhandel ein­gesetzt habe Der Redner schilderte die verschie­denen Phasen des Kainpses gegen Warenhäuser unb Einheitspreisgeschäfte, der z. T. vom Staat, vom selbständigen Einzelhandel, von den politi­schen Parteien, den antifemitifdhen 'Bewegungen und auch teilweise von den Arbeitnehmern ge­tragen wurde Wenn auch hier und da Erfolge in diesem Kampfe erzielt wurden, fo tonne man doch sagen, daß er eS nicht vermochte, die stark borwärtsschreitende Entwicklung der Warenhäuser und EinheitSpleisgefchäste aufzuhalten. Die Not­verordnung vom 9 März 1932, die die Errichtung von Einheitspreisgefchästen in Orten unter 100 000 Einwohnern bis 31 März 1934 untersagt, habe einen wirksamen Lchuy für den selbständigen Gin zelhandel nicht gebracht Ts müsse weiter noch Mitteln unb Wegen gesucht werden, um ben seid ständigen Einzelhandel vor dem tteberhandnehmen der Einheitspreisgeschäfte zu schützen.

Den mit starkem Beifall auf genommenen Aus fübrungen folgte eine lebhafte Aussprache Kreis- geschästss -ihrer Schroeder wie» darauf hin. daß den Angestellten durch die Einheitspreisgeschäfte Gefahren drohen. Eine weitere Gefahr besiehe für den selbständigen Einzelhandel und für die An­gestellten in der Warenautomalenbewegung. Wa­renhäuser. Einheitspreisgefchäste und Filia! betriebe versuchten vielfach, ihre Unkosten dadurch

er auf diese Weife kleinen unb kleinsten südlichen Landern Spater zeigte, nachbem Kreuger einen An- leihevertrag mit Frankreich in ber Tafche hatte ber jeboch keine Monopole ober ähnliche Vergunsti gungen für Kreuger oorsah, ber Sozialbemokrat Hilserbing als bamaliger Finanzminister ber Welt, baß Deutschlanb, auf sich gestellt, keinen Kredit an ben Kapitalmärkten mehr hatte, aber ein deutscher Wechsel mit bem Giro Kreugers Marktfähigkeit er­hielte. Wohl nie hatte sich Kreuger träumen lassen, einmal bis zu diesem Glanzpunkt auszusteigen.

Dann aber schwand langsam auch ber Glaube an ihn. Man borgte Kreuger an ben großen inter­nationalen Finanzzentren nicht mehr so freigebig wie bisher jeben Betrag, seine Anleihen zogen nicht mehr, unb bie Gewinne aus lausenden Geschästen flössen spärlicher. In diesem Stadium halfen keine Buchungsmanipulationen mehr, bie jahrelang bos Bild der Kreugerbilanzen verschleierten und der Oeffentlichkeit einen Reichtum oortäuschien, der nie vorhanden war. Nun mußte Kreuger entweder Farbe bekennen ober von ben Bilanzsälschungen zu noch größerem Betrüge übergehen. Was tat er9 Er brurftc einfach Hunberte von Millionen Obligationen eines angesehenen Laubes, Italiens, packte diese in seinen Gelbschrank unb zeigte ben Bankiers, von benen er Kredite verlangt?, geheimnisvoll diese Pakete Auch das ging aber nur eine Zeitlang, und als lchließlich doch fcftftanb, daß zunächst seine engeren Mitarbeiter und intimen ausländischen Geschäftsfreunde ihn lang sam zu durchschauen begannen, blieb dem Manne nichts übrig, als zum Revolver zu greifen.

Das Weltpublikum horcht auf. Hier ist nicht ein mühsam aufgebauter, innerlich gesunder Konzern dem Druck ber Zeiten erlegen, hier würben Millionen von Erwerbern Kreugerscher Aktien unb Obligationen bewußt hinter» Licht geführt. Eine Stütze bes kapitali st Ischen S y st e m s i ft morIch ge wesen unb brach jetzt cnbgültig zusammen Man fragt sich braußen instinktiv, wann folgen anbere Pfeiler unb schließlich bas ganze Dach

Wir können so weitgehenbe Ueberlegungen nicht für berechtigt ansehen, benn so wie ber Hauptmann von Köpenick nichts für bie Beurteilung ber milita rischen Organisation bebeutet, so vermag auch ber Tob des Ichwktischen Ingenieurs Ivar Kreuger und der Zusammenbruch seines Finanzkonzerns keinerlei

Was man in amerikanischen Büchereien sucht.

Daß schlechte Zeiten Hochbetrieb in den öffent­lichen Büchereien bringen, hat man auch bei uns beobachtet, aber die Benutzung dieser Anstalten in den Bereinigten Staaten hat einen noch viel größeren, geradezu sensationellen Aufschwung ge­nommen. Eine Statistik über die Büchereien in 36 großen amerikanischen Städten stellt fest, daß im Jahre 1931 über 8 Millionen Bücher mehr gelesen wurden als 1930 und daß die Beluchs- zisfer um über 10 v H anstieg. Gewiß spielt das Bilbungsstreben dabei eine wichtige Rolle, denn die Arbeitslosen haben ja mehr Zeit als je. ihre .Kenntnisse zu erweitern. Aber in der Haupt­sache sind es v'cht lolche ibealistischen Ziele, die in die Lekfäle locken, «onbem mehr praktische Absichten Der Gedanke, daß Witten stark macht und in dem harten Kampf ums Dasein wetter- hittt. treibt die meisten zum Studium der Bucher Wie die Bibliothekarin der öffentlichen Bibliothek von Cleveland. Linda Eastman, m der Zeitschrift der amerikanifchen Bibliotheken ausführt, ist es typisch, daß hauptsächlich nützliche Schriften ver­langt werden. Man will aus Buchern lernen, wie man .Gelb machen" oder Ersparungen durch- führen kann. Die Bibliothek wird so zu einer Auskunftei .Man verlangt von uns die merk­würdigsten Ratschlage", schreibt die Berfattenn .Sv wurde ich nach Re^vten hir die Herstellung von Schuhwichse. Seife. Zuckerfachen und Schön­heitsmitteln gefragt Die Neugierigen wollten die besten Methoden kennenlernen, um solche leicht absetzbaren Waren herzustellen und habe zu ver­dienen Andere wieder wünschten, sich darüber >u unterrichten, wie man Kraftwagen anstrcicht und poliert, wie man Häuser deckt, wie man Möbel­stücke ausbefsert oder anfertigt. Beständige Nach­frage herrscht nach den besten Methoden der Pelztierzucht, nach der Anlage von Farmen für Geflügel. .Kaninchen. Kanarienvögel und Frosche, fnr die Einrichtung einer Pilzzucht. Hausfrauen, die jetzt gezwungen find, mit einem Dollar das­selbe zu leisten, w,e he früher mit zweien voll­brachten. befudjen die Büchereien, um sich über Haushaltsführung. Buchhaltung und Marktpreise zu unterrichten. 6tc verlangen Schriften, au6

lige Polizei nicht rechtzeitig auf die Spur gekom­men warc. Vom gefundenen Kleinzeug wie Gewehre und Pistolen gar nicht zu reden. Obwohl jetzt feder Mensch und vor allem dir Polizei ganz genau weiß, wann und wo die Herrschaften losjchlagen wollen, behaupten diese, doch an ihrem Äriegspian, fest- halten und zunächst einmal am kommenden Sonn­tag zum Angriff übergehen zu wollen. Nun e» wird nur halb |o ichlinmi werben, benn so schnell wird auch die syndikalistische Ruftungsmduftrie nicht arbeiten und ohne Bomben und Bombchen geht es nup einmal nicht.

Nachdem man nun aber in hiesigen offiziellen Kreisen nicht gerne .zugibt, daß bie extremen Links­elemente ein liebevolles Verhältnis mit ber jungen Republik ablehnen, sucht man immer roieber ben bösen Feind krampfhaft auf der rechten Seite der Bühne Ja man ging dabei soweit, schon von einem geplanten Attentat der Rechten aus den Staats­präsidenten und die Minister zu sprechen, bis sich endlich herausgestellt hat, daß auch dieser Gedanke in kommunistischen Gehirnen geboren wurde Die Rechtsoppofition ift dagegen außerordentlich harm­los und beschrankt sich daraus, beim Bummel in ber klassischen Castellano, bem schönsten Boulevard

blikanischen Orden,

Ausweg zu finden wer kann das wissen.

Der Frühling hat uns aber auch noch weniger angenehme Dinge beschert: 'Bomben! Große Bomben, kleine Bomben, noch kleinere Bomben in allen Fabrikationsarten, angesangen non ber pri mitiiiften Heiminbustrie bis zum Großhersteller Bor vierzehn Tagen etwa ist bics neckische spiel an­gegangen. Jeden Tag brachten bie Zeitungen mit großen Ueberschristen neue Meldungen über Bombenfunde. Bald war es im «''den. in Andalusien, bald im Nordosten beim edlen Volk der Katalanen unb schließlich sogar in Madrid Hier

Frühling in Spanien

Von unserem v. Gss -Bend)tfrftaMer.