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Nr. 3b Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Zapans Kriegsziele.

Bon G. Mulden

Dem Dorgehen Japans in China haftet etwa- Schleierhaftes an: die japanische Okkupation dehnt sich immer mehr aus, immer tiefer bringen die Truppen ins feindliche Land zugleich aber weicht Japan jeder Auseinandersetzung über seine eigentlichen Absichten aus. brüskiert die Proteste der Fremdmächte und hält daS Ziel seiner Unternehmung im Dunkel. Die Eigenart dieses ganzen Vorgehens kann nur verstanden (nicht etwa gerechtfertigt!) werden, als gewaltsame iGaftion auf eine jahrzehntelange, nach dem Weltkriege noch , verschärfte Behinderung und Isolierung Japans in seiner Ehina-Politik durch die Großmächte

Vergegenwärtigen wir uns einmal in der Tat die Hauptetappen in dieser Hinsicht. Die Halb­insel L i a u t u n g (Güdmandfchurei), die Japan nach Besiegung Chinas sich im Vertrag von Shi- miuoscki (1895) gesichert hatte, muhte eS infolge des Einspruchs der Frenidmächte zurückge- b e n (die freilich bald darauf selber sich verschie­dene Gebiete Chinas ancigncten). Erst zehn Jahre später, nach dem Kriege mit Ruh­land. konnte Japan sich die früheren Siegessrüchte zurückholen. Aehnliches wiederholte sich aber aüch nach dem Weltkriege. Richt nur die be­rüchtigten .21 Forderungen" Japans an China vom Jahre 1915, deren Verwirklichung eine vollständige Unterjochung Chinas bedeutete, erstorben stillen Todes auf der Washingtoner Konferenz 1922, sondern auch Japans An­sprüche ausSchantung. Japan, das an der Leite der Allierten am Weltkriege teilgenommen hatte, sieht sich nunmehr, nach der Richterneue­rung des anglo-japanischen Bündnisses, iso­liert einer Front der Westmächte, insbesondere der angelsächsischen Front gegenüber und muh nolcns volens in daS Prinzip der Unantastbarkeit einwilligen.

Dieses Prinzip bleibt fortan jenem Japan, das sich durch seine kriegerischen Traditionen, seinen Patriotismus, seine militärische und technische Ueberlegenheit als der berufene Herr in Asien fühlt, ein Dorn im Auge. In der Man­dschurei. die unter Tschangtsolin ein vom ganzen übrigen China getrenntes Leben führt, findet Japan freilich in diesem janusköpfigen Marschall eine Art Bundesgenossen Allein in seinen letzten Lebensjahren wird auch dieser un­zuverlässig: Tschangtsolins Tod ist bis heute noch von einem Geheimnis umhüllt, die Behauptung, dah er einem japanischen Zugattentat zum Opfer gefallen, nicht widerlegt... Den Anschluh seines Rachfolgers Tschangtsüliang an Ran- ling, die Proklamierung der chinesischen Einheit, die Kündigung der chinesisch-japanischen Verträge von 1896 beantwortet der japanische Premier Ta­naka im Sommer 1928 mit der Besetzung 6 ch a n *u n g e und der Riedermetzelung chinesi­scher Truppen in Tsnansu. Das japanische Kabi­nett verkündet in der Sitzung vom 8. August 1928 das Recht Japans auf eine D o r - Machtstellung in der Mandschurei; die Zurücknahme der Vertragskündigung wird ge­fordert. die Handelskammer von Osaka, den» bedeutenden Wirtschaftszentrum Japans, dessen Handel zu tO Prozent in Chinageschäs- ten besteht, erklärt, die Regierung in jeder po.iti chen und in litärischen Aktion unterstützen zu wollen. Vorsichtig wird ein Fühler nach England ausgestreckt. Aber Chamberlain ant­wortet mit der Anerkennung Rankings. ihm schliehen sich die Vereinigen Staaten an. Japan sieht sich wieder völlig isoliert, und zieht schon im September desfeiben Jahres seine Truppen aus Schantung zurück. Welche Gefühle all diese Erfahrungen in der Seele der japani­schen Patrioten anhäuften, zeigte sich erplosions- artig anläßlich der Londoner Flottenlon- ferenz 1930; der berühmte Admiral Kato er­klärte sich offen als Gegner der Beschränkung der japanischen Flotte, ein javanischer Delegierter beging unterwegs von London Harakiri, und der Premier Hamagutfchi. der den Londoner Pakt

So kehren jetzt die Schiffe vom Nord - Atlantik zurück, sie sind so vereist, datz cs oft stundenlang dauert, bis die Mannschaften «chiffsdeck und laue von dem starken Eispanzer befreit haben.

ratifizierte, wurde im Rovernber 1930 zum Opfer eines Attentats.

Siele Vorgänge beleuchten wie mit einem Blitz­licht das enorme, an Demütigung grenzende Miß- trauen japanischer Patriotenkreife gegen die Welt­mächte. Dah diese Gefühle seither nicht erloschen, sondern unter der Oberfläche, unsichtbar für das Auge Europas, sich weiter erhielten, beweisen die gegenwärtigen Ereignisse. Denn sie lehren höchst anschaulich, dah Japan nunmehr mit feiner Iso­lierung ernst zu machen entschlossen ist. dah es sie zur Grundlage seiner Kriegführung und Kriegsziele erhebt, indem es jede sremde Intervention, jede Vermittlung immer wie­der hartnäckig a b w e i st.

Ein überaus kennzeichnendes Licht auf diese Kriegsziele werfen die beiden Voraussetzungen, die Japan zu conditiones sine qua der Ein­stellung feiner Waffenhandlungen macht:

1. keine Einmischung fremder Mächte in die japanisch-chinesischen Verhandlungen;

2. Trennung zwischen der Schanghai- und Man­dschurei-Frage.

Die erste Bedingung bedeutet, dah Japan feine Forderungen China diktieren will. Die zweite deutet auf die verschiedene Taktil hin. die To­kio jenen beiden Problemen gegenüber einzu- fchlagen gedenkt Zur Zeit liegen in chinesischen Häfen rund 800 000 Tonnen japanischer Waren brach infolge des chinesischen Boykotts. Ein Lö­wenanteil daran dürfte auf Schanghai, den größten chinesischen Hafen, entfallen. Unzweifel­haft wird nun Japan das ®in ft eilen des Warenboykotts zu erzwingen suchen. Unter dieser Bedingung würde Japan im übrigen das Prinzip deroffenen Tür" anerkennen und die Rechte der Fremdmächte in Schanghai unan­getastet lassen, was auch diplomatisch nicht un­günstig wäre.

Ganz anders als in dem vollständig internatio­nalen Schanghai liegen aber die Dinge in der Mandschurei. Hier, namentlich im Süden, wo sich um die südmandschurische Bahn ein ganzes Retz mannigfa'tiger Jndustr-en (Kohlenbergwerke, Oel-, Seifen-Fabriken usw.) herausgebildet hat, besteht seit langem ein wirtschaftliches Ueber- gewicht Japans. Hier stöht Japan auf keine Konzessionen westlicher M ä ch t e. Der

Festigung und Ausbreitung seiner Wirtschafts­macht stehen hier nur zwei örtliche Mächte: China und R u h l a n d im Wege. Eine lehr verbreitete, aber irrige Ansicht will in der Man­dschurei vor allem ein bevölkerungspolitisches Ven­til für Japan sehen. In Wahrheit hat die japa­nische Kolonisation in der Mandschurei Fiasko ge­macht und niemand weih es besser, als die Ja­paner selbst. Rach mehr als zwanzig Jahren waren dort unter 25 Millionen Einwohnern kaum 200 000 Japaner vorhanden Die chinesische Ein­wanderung dagegen ging allein in den letzten Jah­ren in die Millionen. Das liegt sowohl an dem Bürgerkrieg, der Riesenmassen von Dauern hier­her trieb, als auch an der unübertresslichen Kon­kurrenz der billigen chinesischen Arbeitskraft. Rein, was Japan in der Mandschurei will, ist vor allem wirtschaftliche Durchdringung, Ausbeutung der Raturreichtümer lSojabohne, Holz, Kohle. Eisen) sowohl sür den Handel als für das Jnfelreich selbst. Daher der erbitterte Kamps gegen alle Eifenbahnkonkurrenzbauten der Chinesen, daher die immer wieder (fo auf den beiden Kolonialkonferenzen in Tokio lind Dairen 1927) ausgestellten Pläne umfassender ja­panischer Bodenkon^essionen. die sowohl für Lati­fundien mit chinesischer Arbeitskraft als für Jndustriewerke dienen können.

Allein infolge der chinesischen Oberhoheit gebt das Problem der wirtschaftlichen Durchdringung für Japan leicht in das der politi schen Machtausdehnung über. Rur zwei Bei­spiele. Als im August 1927 die P'äne japanischer Konzessionen in der Rordm. ndschurei b kannt wur­den. gab es fofort in einer Reihe mandschurischer Städte antijapanische Unruhen. Und a!s Tfchong- tsolin in seinen letzten Lebensjahren eigene Gifen- bahnpläne in Angrisf nahm, war die Freundschaft Tokios schnell erkaltet. Was Tokio heute als Kriegsziel vorschwebt, das bat schon im Beginn der jebigen militärischen Aktion das in Tschan- Tschun erscheinende japanischeHokuman-Rippo" (vom 22. September 19311 angedeutet:Die ganze Welt hat sich jetzt davon überzeugt, dast Japan in der Mandschurei seine Ausgaben erfüllen wird, nötigenfalls mit bewaffneter Macht, bis es eine positive Lösung aller Streitfragen, die sich seit lan­gem angehäuft haben, erreicht. Dieser Entschluß ist hart wie Eisen. Japan hat seine gegenwärtige

erschlafften und verwöhnten Gedächtnis nicht mehr vorwärts. So entstanden kleine, mit spitzem Bleistift geschriebene Kurzgeschichten auf den Blättern von Babettes Kartothek. Und da diese Notizen auch aus das Privatleben Übergriffen, so kam cs zu der Kata­strophe mit Felix, ehe man sich's versah.

Felix hatte am 12. Oktober Geburtstag, und schon wochenlang vorher war Babette von der fixen Zdee besessen, dast sie diesen Geburtstag des einzigen Menschen, der ihr wirklich nahestand, durch ihr müdes Gedächtnis vergessen würde. Daher gab es am 12. September erst mal eine Bornotiz, einen ersten Alarmruf sozusagen:Achtung' Heut in vier Wochen: Geburtstag Felix." Das wiederholte sich nach vierzehn lagen, und dort stand auch die Reihe der Geschenke aufgeführt, die man zu machen^ ge> dachte. Ein Pyjama, ein Tennisschläger, ein Fast- ball fünf Schlipse, zwei Bände Hamiun, eine Sch'reibtischlampe, ein Paar Handschuhe, ein Aqua­rium Alles, was dem unvergeßlichen Mädchen noch einfiel, wurde schnell dazu notiert. Danach jedoch folgten die Alarmsignale einander in immer kürzeren Pausen. In den letzten fünf Tagen fand sich die tägliche Notiz: Ueberübermorgen' Ueber morgen; Morgen! Aus dem 12. Oktober selbst stand ganz grost und mit Rotstift: tfelij:! Heute Geburtstag Felir! Alle Geschenke aufbauen, Lichter anzünden und ihn, wenn er alles ge|ehen hat und wir beim Kaffee sitzen, fragen, ob er mich heiraten will. (Habe es ihm vor einem halben Jahr abgeschlagen, bin jedoch andrer Meinung ge­worden.) , . m ..

An und für sich, das ist wahr, war tnefe Notiz eine nicht gerade schöne Notiz. Denn ichließlich: Wenn ich einen Mann heiraten will, dann muh ich mich auch von selber daran erinnern, dah ich es ihm vorschlagen wollte. Will ich ihm aber etwas Vor­schlägen, so muh ich mich auch von selber daran erinnern, dah ich cs ihm schon einmal abgc<d)lagen habe, und dah es nun an mir ist, die Zusage zu geben. _

Gewiß, cs war Babette vollkommen klar, dah das feine schöne Notiz war, aber das hinderte nicht, dast sie sie machen mußte

Und das Unglück, das befannilid) so ichnell schrei- tet, wollte es/daß Felix diese Kartothek zu sehen bekam, die Babette vergessen hatte, in den Schreib­tisch einzuschliehen, denn sie hatte sich offenbar keine 'notij gemacht, dast die Kartothek mit den Notizen weggeschlossen werden muhte. So stand sie auf dem Schreibtisch Felix blätterte gedankenlos in ihr, fand arost und mit Rotstift geschrieben, leinen Namen, 30g die Karle heraus, las sie mit steigendem Ent­

Das unvergeßliche Mädchen.

Groteske von ttatta Launisch.

Man nannte Babette allgemeindas unvergest- lidjc Mädchen', aber nicht etwa, weil jeder, der sie einmal gesehen hatte, sie nicht vergast, sondern des- halb, weil sie selbst niemals etwas vergast. Dabei hatte Babette ihren Kopf reichlich voll. Sie hatte einen ausgedehnten Beruf, der viel Ucberlegung und ausgezeichnetes Gedächtnis verlangte, oic muhte zum Beispiel noch nach vier Monaten ganz genau wissen, was an einem bestimmten Tag zu geschehen hatte, und woran sie sich erinnern mustte. Eie hatte neben diesem Beruf ein ausgedehntes Privatleben nut viel Verabredungen, Berpsiichtun- gen, Einladungen und Absagen Und seltsam, das unvergeßliche Mädchen vergast niemals etwas. Es schien einfach ein Gedächtnis ohne Grenzen zu bc» sitzen.

In Wahrheit jedoch war dieses Gedächtnis em länglicher Kosten aus gelbem Holz, in dem eine graste Anzahl gleich geschnittener Pappkartchen, teils leer, teils beschrieben, hintereinander lagen. Das unvergestliche Mädchen besah die Kartothek für alle 365 Tage feit etwa fünf Jahren, und seit dieser Zeit hatte sie niemals "was vergeben. Wurde an einem Tage das Pensum nicht erledigt, fo wurde die Notiz auf den nächsten Tag über­tragen Reichte ein Kärtchen nicht aus, io wurde mit einer akkuraten Bureauklammer ein Zweites an das erste geheftet. Babette hatte nur diele eine Kartothek, auf ihr fpielte sich, etwa wie auf einer Orgel, das geschäftliche und das private Leben in wildem Durcheinander ab. Dos klang etwa jo.

9 Uhr: Besprechung mit Direktor i.

9 Uhr 45: Frühstück mit Fritz auf dem Dach- garten. (Fritz an Leinenkleid erinnern.)

10 Uhr 20:' Direktrice stellt sich vor.

10 Uhr 35: Konferenz im Zweiten «wck.

11 Uhr 15: Ludwig anrufen und zum Mittagesten absagen ... ,

Aber je größer, ausgedehnter und unfehlbarer die Kartothek des unvergeßlichen Mädchens wurde, um so schlechter wurde sein Gedächtnis. Es sunkttomcrtc zum Schluß überhaupt nicht mehr, wie Muskeln, bic man zu wenig gebraucht. Mit Schien merkte bas unvergeßliche Mädchen baß sie nicht nur Ort und Zeit, sondern auch den Jnhatt von Zusammen fünften, Konferenzen, Besprechungen zu notieren begann und diese Notizen mußten ausführlich fe.m Anfangsbuchstaben, kurze Schlagworte halfen dem

setzen und nun also: erschauerte! Welche Ab­gründe taten sich vor ihm auf! Für ihn war bas unvergeßliche Mädchen wirklich unvergeßlich, denn sie zu heiraten, war noch vor zwei Minuten sein höchster Wunsch gewesen. Der Inhalt der Notiz also machte ihn glücklich. Gleichzeitig aber übersah er nicht, was dazu gehörte, um sich so eine Sache notieren zu müssen. Welche Summe von Gleichgül­tigkeit, Beschäftigtsein mit anderen Dingen, viel­mehr Beschäftigtsein mit sich selbst dazu gehörte? Woran denn dachte sie überhaupt, wenn der ent­scheidende Entschluß eines Lebens einer Kartothek­karte bedurfte?

Ach, er ahnte nicht, der Arme, daß das unvergest liche Mädchen, um ihren Ruf zu erhalten, daß sie niemals vergast, versäumte, verwechselte, lang­sam ihr Gedächtnis so zugrunde gerichtet hatte, daß es nur noch imstande war, auf Krücken zu hum­peln. Er sah nichts als einen Abgrund des Gefühls, wie er es in feinem beleidigten Männerherzen nannte und er handelte danach Er packte die Kartothek in einen grosten Bogen Packpapier, oer schnürte sie, nahm sie mit nach Hause, verbrannte die cinfclnen Starten und warf den Kasten in den Mülleimer Sodann vergaß er bas unvergeßliche Mädchen.

Sicher ist, dast Babette einen furchtbaren Schmerz empfunden hätte, wenn es ihr eingefallen wäre, dast Felix sich von ihr getrennt hatte Do aber die Kartothek verschwunden blieb, die sie an Felix und die Ereignisse der letzten Woche hätte erinnern können, so vergoß sie cs .

Zeitschriften

Das grobe Interesse der Homöopathie be­friedigt das neue Sonderheft ber .Süddeut­schen Monatshefte": cs gibt in aller Ge­drängtheit eine Einführung und einen Ueber- blicf über homöopathische Probleme. Eine aus­führliche historische Darlegung des Entwicklungs­ganges der Homöopathie von Hahnemann, ihrem Begründer, bis Bier, dem neuerdings der ak­tuelle Antrieb der Medizin zur Beschäftigung mit homöopathischen Dingen zu verdanken ist, gibt W. Schweisheimer. München. In inftruktiver Weise ist das Heft weiterhin in zwei Abteilun­gen geteilt. Zunächst kommen Homöopathen zu Wort, darunter der Leiter der homöopathischen Universitäts-Poliklinik in Berlin. E. Bastanier. Im zweiten Teil kommen Gegner und Freunde der Hoinöopatdie zu Wort. u. a. Geheimrat His. Berlin, Professor Heubner, Heidelberg, Geheimrat

Srtitag,12.Scbruarl952

Aktion nach sorgfältiger Ucberlegung untcnwnw men und daher wird es seine Truppen nicht cbe< räumen als bis es olle Hindernisse belcitigt bat, bic seiner Politik in der Mandschurei und Mon­golei im Wege stehen.' Solanae aber das Miß­trauen gegen China bei ihm anhält. wird Japan die beste Form für die »positive Lösung aller Streitigkeiten" in einem Protektorat über bic Mandschurei erblicken, mit dessen Er­richtung es schon begonnen hat. bzw. in der Er» richtung einer umfassenden .Einflußsphäre

Wie sich aber Tokio zu der andern Macht, zn Sowjet rußland stellt, hat feine 21b!ebnung deS russischen Richtangrifsspakt-Angebo s (Mitte Januar d. 3.) gezeigt Gewist. es durchschaute die Absicht Moskau», dadurch der Besetzung E h a r b i n S vorzubeugen. Da es aber Char­din dann doch besetzte, bewies es. wie es die rus­sische Wieberstandskrasi einlchätzlc Das schließt aber nicht aus. daß Tokio schließlich auch in Der- banblungcn mit Rußland eintritt, um die .Ein­flußsphären" in der Mandschurei abzugrenzen. Durch das Ehardiner Faustp!and hat es sich jeden­falls daS nötige Uebergewicht auch für diefe Mög­lichkeit verschafft.

Oie Organisation der Krebsbekämpfung.

Die Organisation der Krebsbekämpfung war Ge­genstand der Besprechung im Präsidium des Rcichsausschusscs für Krebsbekämp­fung , unter Borfitz seines Präsidenten, Minisie» rialbircftor Dr. Dam mann. Auf Grund der Er­fahrungen, die in Deutschland selbst, aber auch in anderen Ländern gesammelt worden sind, wurden Richtlinien zur Organisation der Krebsbekämp­fung verabschiedet. Sie betonen die ausschlaggebende Bedeutung der Mitarbeit der gesamten Acrzteschast für die Bekämpfung der Krebs- krankheiten. Die Fortbildung der Aerzte - schaft, die Belehrung der Hebammen, Gemeindeschwestern und Fürsorge­rinnen und die Aufklärung der gesam­ten Bevölkerung darüber, dast der Krebs, wenn er rechtzeitig erkannt und recht­zeitig behandelt wird, nicht mehr zu beit unheilbaren Krankheiten gehört, find nnchtige Bor- aussetzungen. 3n allen Teilen Deutschlands find Krankenhäuser vorhanden, in denen tüchtige Aerzte die chirurgische Behandlung des Krebses zu über­nehmen imstande sind. Bon besonderer Bedeutung sind jedoch die Forschungsinstitute und Kliniken der Universitäten und graste Krankenanstalten, in denen die Behandlung des Krebses mit allen anwendbaren Methoden der Ope­ration. der Röntgentiefenbestrahlung und ber An­wendung von Strahlen des Radiums und Mesotho­riums ausgeführt werden kann. Die Richtlinien be­tonen, wie wichtig cs ist, dast mit den Acrzten und ivisjenjchaftlichen Instituten auch die Behör­den, die Krankenkassen und die freie Wohlfahrtspflege Zusammenarbeiten, um die planmäßige Durchführung der Krebsbekämpfung mit allen heute erreichbaren Mitteln sich^rziistellen. Es ist das Ziel, alle Personen mit verdächtigen An­zeichen z u sofortiger sachgemäßer ärzt­licher Untersuchung zu veranlassen und, io- bald eine Krebserkrankung festgestellt ist. die als­baldige gründliche Behandlung sicherzustellen. Auch ohne in großem Umfang neue Mittel flüssig zu ma­chen, wozu unter den gegenwärtigen Berhältmssen keine Möglichkeit besteht, werden die schon bisher erzielten Heilerfolge der deutschen Aerzte und Kli­niken, die einen Vergleich mit denen des Auslandes nicht scheuen brauchen, wesentlich gesteigert wer­den können. Tausenden von Menschen kann so dis Gesundheit wiedergegeben werden.

Daten für ^rritafl, 12. Februar.

Sonnenaufgang: 7.48 Uhr, Sonnenuntergang: 17.32 Uhr. Mondaufgang: 9.32 Uhr, Mond- untergang: 24.11 Uhr.

1804: Der Philosoph Jinanual Kant in Königs­berg in Preußen gestorben - 1809: der Ratur- forfcher Charles Darw'n in Shrewsbury geboren.

Klemperer, Berlin. Prof. Otfried Müller. Tü­bingen, Pros. Hans Much. Hamburg. Es war immer Grundsatz der ..Süddeutschen Monats­hefte", ein Problem von mehreren Seiten her zu beleuchten, und fo tragen auch die gegneri- fchen Stimmen in hervorragendem Maße zur Ver­tiefung der Erkenntnis bei.

Was haben wir von der Genfer Abrüstungskonferenz zu erwarten? Diefe entscheidende Frage behandelt ein so vor­züglicher Sachkenner wie Oberst Schwertseaer im Februarheft derZeitwende", E. H. Becksche Verlagsbuchhandlung. Er betont, daß der gegen­wärtige Zustand ber Rüstungsungleichheit, in dem vier völlig entwaffnete Staaten von bis an die Zähne gerüsteten Rachbarn umgeben sind, eine größere Gefahr für den Weltfrieden bedeutet, als ber frühere bewaffnete Friede. Aber aus seiner nüchtern-sachlichen Darstellung gehl auch klar hervor, daß von der AbrüftungSkonfereirz kaum ein besriedigenbeS Ergebnis zu erhoffen ist. Eine ebenso aktuelle Frage behanbelt ber Beitrag Wie entstehen Revolutionen?" Der Hamburger Historiker Justus Hashagen hebt vor allem die Tatsache hervor, daß jede echte Revolution nicht einfach eine Reaktion auf Mißstände und un­erträgliche Zustände ist, daß ihr vielmehr ein positives Ziel, eine revolutionäre Idee zugrunde liegt, die meist älter ist als die vorrevolutionären Zustände, an denen sich dann schließlich die Revo­lution entzündet. In Meyer-Erlachs Aussatz ..Oliver Cromwell" wird neben die bekannten Dik­tatoren der Gegenwart bas packende und farbige Bild eines ber größten Diktatoren der Welt­geschichte gestellt.

6od)fd)ulnad)rid)fen.

Geheimrat Prokessor Dr Paul Kehr inBer- 11 n wurde an Stelle des verstorbenen Professors Ulrich v Wilamowih-Möllenborfs zum Ritter des Ordens Pour le merite für Wissen­schaften und Künste gewählt Geheimrat Kehr, 1860 in Woltershausen geboren, ist General­direktor der preuhtlchen Staatsarchive und erster Direktor des Geheimen Staatsarchivs in Derlln. 1893 kam Kehr als außerordentlicher Professor der Geschichte nach Marburg, 1895 erhielt er eine Professur an der Universität Göttingen. Bevor er 1915 zum Generaldirektor der preußi­schen Staatsarchive ernannt wurde, war er Direk­tor des Preußischen Historischen Instituts in Rom«