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sere Grenzen bedroht werden, dann müssen wir von jedem Deutschen verlangen, daß er sich demReichezur Verfügung stellt, einschließlich der SA. und einschließlich Hitlers. (Beifall bctderMehr­heit, Lachen und Unruhe bei den Nationalsozialisten.) Die SA. war bis zum Herbst 1930 verhältnismäßig harmlos. Erst mit dem Erscheinen des Hauptmanns Röhm ist ein ncuei; Zug in die SA. gekommen. (Große Heiterkeit links.) Äic lab fache, daß die ganze SA. in der Hand eines ein­zelnen Mannes ein unbedingt fügsames Werkzeug ist, bedeutet eine besondere Gefahr. (Lärm und La­chen bei den Nationalsozialisten.) Ich erinnere nur an den Hitler-Putsch. (Lärm bei den Nationalsozia­listen.) Das Verbot der SA. war im Interesse der Staatsautorität notwendig. Die Forderung eines Verbots des Reichsbanners konnte da­gegen nicht^begründet werden, denn die SA. ist gegen den Staat eingestellt, das Reichsbanner da­gegen für den Staat. (Lärm und Lachen bei den Nationalsozialisten.) Wenn Abg. Goering darlegt, ohne die SA. gäbe es keine Ruhe und Ordnung in Deutschland, so antworte id): Ohne die SA. hätten wir seit Jahren Ruhe und Ordnung im Staate! (Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.) Wenn Abg. Goering n u r f ü r s e i n e P a r t e i die Vaterlands­liebe in Anspruch nimmt, so ist das eine unerhörte Anmaßung. Die Vaterlandsliebe hat in allen Parteien ihre Stätte und id) will dafür wirken, daß sie im ganzen deutschen Volk immer stärker wird. (Beifall bei den Mittelparteien Lärm und Gelächter bei den Nationalsozialisten.)

Abg. Strasser (Nats.): Ich beantrage, daß diese Groenerrede durch Schallplatten in Deutschland verbreitet wird (Heiterkeit) und daß eine Pause eingelegt wird, damit das Reichskabinett darüber entscheidet, ob dieser Mann weiterhin die öffentliche Sicherheit und die Armee in Deutschland in Händen halten kann. Die Nationalsozialisten begleiten .diese Erklärung Strassers mit lautem Beifall und Gelächter.

Abg. Ör. Bell (Z.)

lehnt den Antrag auf Aufhebung des SA.-Ver­bots ab. Der Einwand, daß es sich um ein ein­seitiges Anterdrückungssystem gegen eine be­stimmte Partei handele, entbehre jeder Grund­lage. Der Reichswehrminister, der durch seinen bekannten Erlaß Angehörigen der Nationalsozia­listen den Eintritt in die Reichswehr gewährt habe, sei sicherlich gegen solchen Ver­dacht gefeit. Durch die neue Notverordnung über die militärähnlichen Verbände werde der Vorwurf der Imparität ausgeräumt. Die Zeiten des schran­kenlosen Individualismus seien endgültig vor­über. Im volkswirtschaftlichen Interesse liege es. ^lebertreibungen von Konzentrationsgebilden zu verhüten und im Rahmen der allgemeinen Wirt­schaftsförderung das Hauptaugenmerk auf die mittleren und kleineren Betriebe zu richten. Berieten heute ehemalige Kriegsgegner gemeinsam am Verhandlungstisch, dann seien die Zeiten wahrlich ernst und bitter genug, um auch Arbeiter und Angestellte mit den ülnternehmern an einenTischzu brin­gen. Alle autarkis'chen Bestrebung en scheiterten an der internationalen Ver­flechtung von Wirtschaft und Kapi­tal, von Kredit und Verkehr. Zu den außenpoli­tischen Problemen erklärt der Redner, daß der Worte genug gewechselt seien, auch der Friedensversicherungen und Dersöhnungsbeteue-

rungen.

Sollte wirklich in Lausanne und Genf ein großer Aufwand schmählich vertan werden, bann wären die verheerenden Auswir­kungen einer Enttäuschung nicht abzusehen. Troß schärsttcr innerpolitischer Gegensätze sei das deutsche Volk in den brennen­den außenpolitischen Fragen ohne Unterschied der Parteien einig. Die Kriegsschuldthese des Versailler Diktats sei durch die historischen Fest­stellungen längst umgeprägt in eine Kriegsschuld­lüge, ebenso wie die Kolonialschuldlüge, wir treten ehrlich ein für einen dauernden Frieden, aber weder für einen Gewallfrieden noch für einen Kirchhofsfrieden, wahrer Friede muß als endgültige Liquidation des we'lt- krieges Deutschland wie allen anderen Staa­

ken gleiches Recht, gleiche Sicherheit und Enk- Wicklungsmöglichkeit gewährleisten.

Abg. Bell ging dann auf die Ausführungen des Abg. Strasser ein. So sehr anzuerkennen sei, daß Strasser sich nicht auf negative Kritik beschränkt, son­dern etwas deutlicher über positive Ziele gesprochen habe, könne man doch auch diesen Ausführungen den Eharakter von verführerischen, aber *1 n erfüll­baren Illusionen nicht absprechen. Die Kre- ditoersprechungen,Strassers boten insofern keine Ga­rantie, als er wohl an die Ausgabe von Wert­

papieren denke, während die Arbeitenden einen Lohn haben wollen, den sie auch versilbern können. Auch die damit verbundene kleine In- flation könnte leicht ein Sprung ins Verderben fein. Auch in der Frage der Ar­beitsdienstpflicht seien Fragen von größter Tragweite ungeklärt. Das Zentrum habe im übrigen den Beweis dafür erbracht, daß es jede mögliche Arbeitsbeschaffung unterstütze. Es habe deshalb auch dem Anleihegesetz zugestimmt und bedauere, daß die Opposition sich dem versagt habe.

Lebrun zum Präsidenten der französischen Republik gewählt.

Oie Nationalversammlung tagt in Versailles.

Paris, 11. Mai. (TU.) 3m äußeren Bild von Versailles deutete bis in die Morgenstunden des Dienstags nichts auf den großen Tag hin, wie ihn der Zusammentritt der Nationalver­sammlung sonst darstellt. Erst am frühen vor­mittag belebte sich das Bild. Regimenkerweise mar­schierten Infanterie und Kavallerie auf und sperrten den Platz vor dem Schloß in weitem Umkreise ab. Zahlreiche Schaulustige sammelten sich

hinter den Truppenreihen. Sämtliche Zugänge zum Schloß sind polizeilich und militärisch abgesperrk. Die Kontrolle war äußerst streng. Niemand konnte ohne einen aus den Namen ausgestellten Ausweis in die Nähe des Schlosses gelangen. Die Bahn­höfe und Brücken zwischen Versailles und Paris wurden von Militär in feldmarschmäßiger Ausrüstung bewacht. Ohne Störung erfolgte die Anfahrt der Mini st er und der Mitglieder der Nationalversammsting. wie üblich.trafen sich in den großen Hotels, vor allem dem Trianon-Palast, die oberen Zehntausend von Paris, unter ihnen die Bot­schaften und Gesandten der fremden Mächte. Ohne besondere Spannung und Erwartung verlief der große Tag im Gegensatz zur letzten Präsidentenwahl, als der Name Briand die Menge anzog, die Kopf an Kopf in großer Erregung auf die Entscheidung wartete.

Bereits nach 13 Uhr begann sich der Kongreß- saal zu füllen. Pünktlich um 14 Uhr erschien der Präsident der Nationalversammlung, Senakspräsi- dcnt Albert Lebrun, von den schon zahlreich anwesenden Senatoren und Abgeordneten stürmisch begrüßt. Doch fiel auf, daß ein Teil der Linken sich an dieser Kundgebung nicht beteiligte. Tardieu und seine Ministerkollegen hielten ihren Einzug, ohne daß ihnen von ihren Anhängern eine Demon­stration bereitet worden wäre. Punkt 14.15 Uhr er­klärte Lebrun die Nationalversammlung für er­öffnet 3n bewegten Worten gedachte er des ver­storbenen Präsidenten Doumer, während sich sämtliche Kongreßteilnehmer und das Publikum

auf den Tribünen von den Plätzen erhoben. Nach alter Tradition stieß Lebrun darauf ein Papiermesser zwischen die Seiten eines geschlossenen Buches und schlug den vom Schicksal bestimmten Buchstaben auf, mit dem d i e Abstimmung beginnen soll, heute ist es der Buchstabe M, und als erster tritt der Abg. M a l v y an die Urne. Der Wahlakt nimmt seinen eintönigen und langwierigen Verlauf. Bei der Abstimmung erhielten Lebrun 639 Stimmen (gewählt!), Paul Faure (Sozialist) 114, Marcel Eachin (Kommunist) 8.

Der neugewählte Präsident begab sich, begleitet vom Ministerpräsidenten Tardieu, dem vizepräsiden- ten des Senats und dem Ehef des Protokolls, in einen besonderen Saal, wo die llebertragung der Vollmachten an das neue Staatsoberhaupt vor sich ging. Sofort nach seiner Rückkehr von Versailles nach Paris begab sich Präsident Lebrun in Beglei­tung von Ministerpräsident Tardieu ins Elysee, um Frau Doumer erneut sein Beileid auszu- drücken. Dann legte er am Grabe des unbekannten Soldaten eine Blumenspende nieder. 3ns Senats­gebäude zurückgekehrt, wurden ihm vom Grohkanz- ler der Ehrenlegion die 3nfignicn des Großmeisters der Ehrenlegion feierlichst überreicht.

Der neue Präsident.

Der neue Präsident der französischen Republik, der bisherige Senatspräsident Albert Lebrun, wurde am 29. August 1871 in Mercy-le-Haut (Departement Meurthe et moselle) geboren. Er stammt aus einer bäuerlichen Fami- l i e, besuchte das Gymnasium zu Nancy, später das Polytechnikum und war drei Jahre auf der Dergbauhochschule, nach deren Absolvierung er bis 1900 a ls Bergwerksingenieur im Staatsdienst war. 1900 wurde er zum ersten Male in die Kammer gewählt. Er war dort bei der Fraktion der Linksrepublika­ner eingeschrieben. K o l o n i a l m i n i st e r im Kabinett Caillaux 1911/12, Kriegs Minister im ersten Kabinett Poincare 1912 13 an Stelle des zurückgetretenen Millerand, später wieder Kolonialminister, 1917 im Kabinett Clemenceau Minister für die Blockade und der be­freiten Gebiete (bis 1919), 1920 zum Senator . gewählt, und zwar ließ er sich einschreiben b e i der Fraktion Poincare, 1925 bis 1929 Vizepräsident des Senats und 1931 an Stelle des zum Präsidenten der Republik gewählten Doumer Senatspräsident. 1923 war Lebrun auch französischer Delegierter beim Völkerbund. Le­brun gehörte der Republikanischen Anion (Poin­care) an.

Befriedigung über die Wahl Lebruns.

Paris, 10. Mai. (TA.) Das Ergebnis der Präsidentenwahl wird in der französ^chen Oef- fentlichkeit mit großer Befriedigung aufgenommen, da man in Lebrun einen würdigen und erfahrenen Vertreter Frankreichs erblidt. Der neue Staatspräsident ist eine sehr repräsentative Erscheinung und gilt als wohlhabend. Seine politische Rechtsein -

Losephine.

Spielereien einer Kaiserin.

Wie es eine Napoleon-Legende gibt, so gibt es auch eine Ioscphincn-Legende. Diese elegante und reizende Frau, die mehr einWeibchen" als einegroße Dame" war, wurde durch den Zufall des Schicksals dazu ausersohen, in einem der größten Genies der neueren Geschichte die Leidenschaft der ersten großen Liebe zu erwecken und die Sonnenbahn seines Aufstieges lange Zeit als Trabant zu begleiten. So ist ihr Name mit dem feinen auf immer verknüpft. Ihre Familie, die Deanharnais, haben alles getan, um sie der Nachwelt als liebende Gattin und treue Gefährtin Napoleons darzustellen. In Wirklichkeit hat sie die Größe dieseskomischen Bonaparte", wie sie ihn zuerst nannte, spät erkannt und sich dann von ihr bedrückt gefühlt; sie hat sich ^hm lange ent» Sogen, ihn betrogen und gequält, bis sie der Dämonie und Aebcrmacht seiner Natur unter­lag und nun als Besiegte seinem Triumphwagen folgte; stets ist sie nur im Vorhof geblieben, hat niemals Zutritt zu dem Inneren seines Geistes erlangt. Als sie von ihm verstoßen wurde, war es auch nicht die Tragik einer Liebenden, die uns heute noch erschüttern, würde, sondern nur die Anzusriedenheit einer Entthronten, die bald mit den Feinden ihres früheren Gatten kokettierte. Die Zerstörung der Iosephinen-Legende wird jetzt zum erstenmal konsequent durchgeführt in dem psycho­logisch tiefschürfenden BuchJosephine Ihre Liebes- und Lebensgeschichte" von C. A. R h e i n- barbt, die bei S. Fischer in Berlin erscheint und die erste schonungslos realistische Schilderung dieser anmutigen und oberflächlichen Frau ent­halt. Einen Schlüssel zu ihrem Wesen liefert ihre Verschwendungssucht, ihr ewiges Schulden- machen, das sie in stete Abhängigkeit von der Freigebigkeit Napoleons brachte und ihr Verhält­nis zu ihm weitgehend bestimmte.

> ^osephme hatte auch als Kaiserin, da Millionen durch ihre Hände gingen, immer Schulden, von Denen sie unter großen Weinszenen nur einen Teil ihrem Gatten gestand, so daß sie die Last weiter- schleppen muhte und von neuem vermehrte; ihre Gläubiger begleiteten sie ebenso durchs Leben wie das Heer der Händler, die ihr stets neue Sachen aufdrängten, die sie wahllos kaufte. Zwar redete sie viel davon, daß sie Ersparnisse machen und

ihre Schulden bezahlen wolle. 2lber diesen löb­lichen Vorsatz vergaß sie ebenso schnell wie die ungeheuren Ausgaben, die sie machte. In sechs Jahren hat sie bei geringer Schätzung 25 Millio­nen Goldsrankcn ausgcgebcn, und zwar das meiste fürSpielereien", für Launen, die keinen Sinn und Verstand hatten. Ihre frühste und kostspie­ligsteSpielerei" war das Einrichten. In ihrem Hause kn Paris, in dem Schloß Malmaison, das ihr Hauptsih wurde, häufte sie alle nur erdenk- lid/cn Dinge auf. Mit einer wahren 'Besessenheit wendete sie sich dann der Gartenkultur zu und steckte binnen kurzer Zeit in die Anlagen von Mal- niaison 130 000 Franken. Dafür hat sie aller­dings Frankreich ein paar neue Dlumensorten ge­schenkt, denn aus Malmaison kam der Phlox und die Kamelie, Geranien, Mimosen. Kakteen usw. in die französischen Gärten. Auch Kunstwerke kaufte sie in großen Mengen, ließ sich dabei aber viel Wertloses ausschwatzen. Dann hatte diese ko­kette Gesellschaftsdame natürlich stets Bedarf für alle Dinge der Mode, für Kleidung, Schmuck usw. Sie befaß Juwelen, die einen Wert von minde­rns 4,5 Millionen Francs darstellten, wobei sie selbst dafür sehr viel mehr ausgegeben hat, denn auch hier überzahlte sie alles. And dann ihre Kleider. In einem willkürlich herausgegriffenen Jahr erwarb sie für ihre Garderobe: 23 große Stucke Spitze, 7 Staatstoiletten, 136 Kleider 20 Kaschmir-Schals, 75 Korsetts. 48 Ballen Stoff, 87 Hute 71 Paar Seidenstrümpse. 520 Paar Schuhe 980 Paar Handschuhe; aus einem anderen Jahr wird aufgezählt, daß Josephine 498 Hemden be­faß; sie wechselte dreimal am Tage die Wäsche an Strümpfen hatte sie um diese Zeit 15Q Paar weißseidener, 30 aus rosa und 18 Paar aus fleisch­farbener Seide; diese Strümpfe mußten so straff sitzen, daß sie ohne Strumpfbänder getragen wer­den konnten. Ihre Kleiderschränke faßten damals 676 Stoffkleider, wozu 60 Kaschmir-Schals ge­hörten, von denen die schönsten 8000 bis 10000 Francs kosteten. Die Summe, die für ihre Toi­lettenausgaben angeseht war, betrug jährlich 360 000 Francs, aber sie hat in manchen Jahren mehr als das Vierfache ausgegeben. Geld spielte bei ihr keine Rolle, und jedes Mittel war ihr recht, um es sich zu verschaffen. Wie sie ver­schwendete, davon gibt eine bezeichnende Ge­schichte ein Beispiel: sie lebte mit den Mitglie­dern der Familie Napoleons in Anfrieden und suchte ihnen auf jede Weise einen Streich zu spie- len. Als die schone Pauline, Napoleons zweite

Schwester, nach ihrer Verheiratung mit dem Für­sten Borghese ihren vorgeschriebenen Besuch ab- stattete, da hatte sie vorher in Erfahrung gebracht, daß die verhaßte Schwägerin bei dieser Gelegen­heit ein Kleid von starkem Grün tragen würde; sofort ließ sie den Salon, in dem sie solche Be­suche zu empfangen pflegte, mit großen Kosten umgestalten, und zwar wurden Tapeten, Möbel- beziige und Teppiche in einem Blau gewählt, das jenes Grün schreiend und gemein wirken lassen mußte. Die Kauflust artete bei ihr zu einem krank­haften Zwang aus, und sie umgab sich mit den sinnlosesten Dingen, wie z. B. einem künstlichen Orangenbaum, einem geigespielenden Affen, einem Blumenstrauch mit singenden Vögeln und ande­rem Spielzeug, für das sie ungeheure Preise zahlte. Napoleon wußte sich schließlich nicht an­ders mehr zu helfen, als daß er einen strengen Vesehl erließ, durch den der Umgebung der Kai­serin verboten wurde, in ihren Gemächern Möbel, Bilder, Schmucksachen und andere Gegenstände von Händlern oder Privatpersonen zuzulassen, und alle, die ihr etwas verkaufen wollten, an den Intendanten zu verweisen.

Bruck als Mephisto.

In der gestrigenFaust"-Ausführung spielte Herr Bruck zum ersten Mal den Mephisto. Er formt die Gestalt nach seiner Individualität, gibt sie nicht eigentlich aus dem Metaphysischen und Dämonischen heraus, sondern ganz leicht, elegant und spielerisch. Er macht den Mephisto als weltmännischen Kavalier und spöttisch-über­legenen Gegenspieler des schwerblütig-grübleri­schen Doktors. Er beherrscht die große Partie dialektisch vollkommen und ist übrigens sichtlich von den rein komödiantischen Möglichkeiten der Rolle fasziniert, was vor allem in der Schüler- szene amüsant zur Geltung kommt. Sehr witzig und mit das beste Stück seiner Darstellung: der erste Besuch bei Marthe Schwerdtlein; während das wahrhaft diabolische Wesen seines Mephisto überraschenderweise viel weniger in den ersten Partien als in der SzeneWald und Höhle" sichtbar wurde, die zuvor nicht so eindringlich wirkte. Brucks temperamentvolle Leistung fand viel Beifall im gut besetzten Hause. Bemerkens­wert scheint uns noch, daß die Erdgeist-Stimme jetzt wesentlich besser und klarer verständlich wird als in der ersten Aufführung. hth.

ste llung ist der großen Masse der Bevölkerung vollkommen gleichgültig, da der Präsident ja aus jeder Parteipolitik ausscheidet und auch auf das praktische politische Leben im wesentlichen nur einen vermittelnden Einfluß hat. Schließlich begrüßt man es, daß die Radikalsoziali- sten die Kandidatur des Sozialisten Faurenicht unterstützt haben. Man glaubt hieraus, Schlüsse auf die zukünftigen Absichten H e r r i o t s ziehen zu können. Wenn Herriot auf das Kartell eingeschworen wäre, hätte er von feiner Partei zumindesten Stimmenthaltung fordern müssen. Da von 826 Mitgliedern der Nationalversammlung nur 767 gültige und 10 ungültige Stimmzettel abgegeben worden sind, haben 'sich tatsächlich 49 Volksvertreter der Stimme enthal­ten, worunter sich eine Anzahl der dem linken Flügel der Partei angehörigen Radikalsozialisten befinden mögen. Ihre Zahl ist jedoch so gering, daß sie auf die Gefarntrichtung kaum einen Ein­fluß ausüben können. Der Sozialist Paul Faure hat 114 Stimmen auf sich vereinigt. Da an der Nationalversammlung etwa 126 So­zialisten aus Kammer und Senat teilnehmen, ist er sogar von seinem Parteifreunden nicht einstimmig gewählt worden.

Wie wird die Kabinetts­bildung aussehen?

Der Schlüssel für jede Mehrheit liegt bei Herriot.

Paris, 11. Mai. (WTD. Funkspruch.) Nach der Wahl des neuen Präsidenten der Republik und nach der Beisetzung Doumers, die morgen erfolgt, wird die kurze Periode des politischen Waffenstillstandes durch eine rege politische Ge­schäftigkeit abgelöst werden. Das Kabinett Tardieu amtiert feit gestern nur noch als Gefchäftsministerium, das die laufenden Angelegenheiten erledigt. Wie bereits wieder­holt betont, bestehen zwei Möglichkeiten, und zwar entweder die Bildung eines links­stehenden Kabinetts, also die Wieder­herstellung des Kartells der Linken oder die Schaffung einer Konzentration, was den Ausschluß der Maringruppe und der Sozialisten nach sich ziehen müßte. In beiden Fällen ist eine Mehrheitsbildung mög­lich. Will der neue Präsident der Republik die parlamentarische Tradition einhalten, so muh er Edouard Herriot mit der Regierungsbildung betrauen. Dessen Aufgabe wird es sein, die Lage schon jetzt so weit zu reif, daß bereits nach der Konstituierung der neuen Kam­mer, die am 1. Juni zusammentritt, ein neues Kabinett vorhanden ist.

Die Wiener Regierungskrisis.

Dollfuß mit der Kabinettsbildung betraut.

Wien, 10. Mai. (TA.) Der Bundespräsident hat den bisherigen Landwirtschaftsminister Dr. D o 11 f u ß mit der Neubildung der Re­gierung betraut. Dollfuß, der früher Sekretär der Landwirtschaftskammer für Niederösterreich war, bekleidete zum erstenmal in dem am 4. De­zember 1930 ernannten Kabinett Dr. Enders die Stelle eines Landwirtschaftsmini st ers und gehörte dann neuerlich dem Kabinett Bu- resch l und II an. Er hat seine Ausbildung zum großen Teil im Deutschen Reich empfangen und ist seit Jahren wirtschaftlich ein Verteidiger desPräferenzzollsystems.

Dr. Dollfuß verhandelte heute mit den Ver­tretern der bürgerlichen Parteien bis spät nachts in dem Bemühen, ein bürgerliches Son- zentrationskabinett zu erreichen. Wie verlautet, stehen die G r o ß d e u t f ch e n auf dem Standpunkt, erst die Entscheidung über die Auf­lösungsanträge im Verfassungsauschuß, für die sie stimmen werden, abzuwarten, ehe sie zur Regierungsbildung selbst Stellung nehmen könn­ten. Vom H e i m a t b l o ck heißt es, daß er bestimmte Forderungen bezüglich der innerpoliti­schen Richtung der neuen Regierung gestellt habe. Von deren Erfüllung soll er auch seine Haltung bei der Abstimmung über die Auflösungsanträge abhängig gemacht haben.

Oer kluge Biber.

Die Schlauheit und Tatkraft des Bibers ist von dem amerikanischen Biologen Dr. Vernon Bailey auf die Probe gestellt worden und hat sich vor­trefflich bewährt.Ich machte einen tiefen. Ein­schnitt in den vortrefflich angelegten Damm einer Biberf.edlung, der das Wasser in einem klaren tiefen Teich hielt", berichtet der Gelehrte. Es war kurz vor Sonnenuntergang am Abend eines klaren Herbsttages. Die Biber hatten Holz ge­schnitten und aufbewahrt, um sich für den Winter zu rüsten, und sie wußten ganz genau, wie wichtig für sie war, den Tcich angefüllt mit Wasser zu halten. Sobald der alte Biber, das Oberhaupt der Familie, den Schaden entdeckte und das ab- ftrömenbe Wasser bemerkte, besichtigte er beide Seiten des gebrochenen Dammes. Er suchte augen­scheinlich nach einer Arsache dieser Katastrophe, aber bald wendeten sich seine Gedanken prak­tischen Zielen zu. Er verschwand dicht unter dem Damm im Wasser und kam bann mit einer Menge von Schlamm und Schlinggewächsen her­auf, die er mit feinen Vorderpfoten umspannte. Damit versuchte er. das Loch in dem Damm zu verstopfen. Aber als er nach einer Minute be­obachtete, wie das Wasser immer weiter abfloß, wandte er sich dem Ufer zu, wo er einen starken. Pusch abschnitt. Diesen brachte er bann nach dem Damm, unb mit beiden Vorderpfoten und seinen Zähnen drückte er das dicht belaubte Ende in dem Schlamm auf der einen Seite des Loches. Dann tauchte er wieder auf den Boden des Teiches, brachte einen etwa 2 Fuß langen Holz- block herauf, schwamm mit dieser Last, die er mit seinen großen Zähnen festhielt, zurück zu dem Damm und preßte das Holz in die andere Seite der Lücke. Ohne länger zu verweilen, als ein Blick brauchte, der die Festigkeit des Blockes begutachtete, schwamm er zu einem andern Teil des Teiches, brachte einen langen Stock, legte ihst quer über die beiden andern Hölzer, so daß nun der Abfluß nicht mehr so stark war. Da aber die Quelle der Beunruhigung noch immer nicht verstopft war, brachte er weiter Schlamm und Schlinggewächse vom Grunde herauf, Ladung nach Ladung, und preßte sie überall in die noch vor­handenen Lücken, bis kein Tropfen mehr hin- durchkonnte. Dann war die Arbeit getan.