rückhaltung zu üben, die sich für sie aus ihrer Eigenschaft als Diener am Volksganzen und bedeutsame Organe der Staatsgewalt ergibt."
Oer Preissturz auf dem Buttermarkt.
DerRcichslandbund fordert durchstreifende Maßnahmen.
Berlin, 8. Aug. (CAB.) Das Präsidium des Deichslandbundes hat an den Reichskanzler und den Reichsernährungsminister ein Telegramm gesandt, worin mit Bezug auf den am letzten Samstag auf dem Butter markt eingetretenen Preissturz u. a. erklärt wird: Die Pressenachrichten, nach denen die Reichsregierung ihre Maßnahmen von Verhandlungen mit den an der Buttereinfuhr nach Deutschland hauptsächlich interessierten Ländern abhängig zu machen scheint, und nach denen ein B u t t e r e i n - heitszoll von 75 Mark je Doppelzentner und ein Kontingent in Höhe von zwei Dritteln der vorjährigen Einfuhr beabsichtigt sein soll, haben in der Landwirtschaft alarmierend gewirkt. Ein solches Kontingent und ein derartiger Einheitszoll ist keine irgendwie fühlbare Verbesserung gegenüber dem gegenwärtigen Zustand. Auch die Frage der Margarinesteuer, die zum Schuh der bäuerlichen Dercdelungsproduktion unerläßlich ist, kommt nicht von der Stelle. Der Reichslandbund erwartet, daß die Reichsregierung sich nunmehr endlich von den verhängnisvollen einseitigen Exporteinflüssen des früheren Systems frei macht und in ihrer Eigenschaft als von Parteien und Parlament unabhängiges Kabinett durchgreifende Mahnahmen, die der Schuh der nationalen Produktion erfordert, trifft.
Kundgebung des deutschen HauS- und Grundbesitzes.
Irn Rahmen des 5 3. ordentlichen Der - bandstagos des Zentralverbandes Deutscher Haus - und Grundbesitzer- Vereine in Hamburg fand eine öffentliche Kundgebung statt. Rach den Begrühungs- ansprachen hielt der Präsident des Zentralver- bcndcs, Stadtrat Josef H u m a r -München, Mitglied des Reichswirtschaftsrates, einen Vortrag über den „Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft durch Hausbesitz und Handwerk". Darauf sprach Stadtrat Pflugmacher-Magdeburg, der den Ausführungen des Vorredners namens des Rcichsverbandes des deutschen Handwerks zustimmte. Zum Schluß wurden zwei E n t - schliehungen angenommen, die an den Reichstag und an die Reichsregierung gerichtet sind. 3n der ersten Entschließung werden die Forderungen des deutschen Haus- und Grundbesitzes, die der Zentralverband der jetzigen Reichsregierung bei ihrer Amtsübernahme unterbreitet hat, nochmals zum Beschluß erhoben und die Erwartung ausgesprochen, daß die Reichs- rcgierung für eine schnelle und entschlossene Durchführung dieser Forderungen Sorge trage. Die zweite Entschließung besagt u. a.: Dem deutschen Handwerk wurde seit 1924 mindestens die Hälfte des jeweiligen gesetzlichen Mieteertrages weggesteucrt. Der organisierte Hausbesitz fordert in älebereinstimmung mit allen Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft und unterstützt vom Urteil der deutschen Wissenschaft Wiedergutmachung der steuerlichen Aufsaugung der Mieten durch gesetzgeberische Maßnahmen, die es dem Hausbcsih ermöglichen, einen Teil der bisherigen Steuerbeträge auf dem Wege der Instandsetzung der Althäuser dem Handwerk, und Gewerbe sowie zur Linderung der Arbeitslosennot nutzbar zu machen. Dies berechtigt den Haus- besih zu folgenden Forderungen: 1. Für die Instandsetzung und Modernisierung des Hausbesitzes sowie für Aufteilung von Grohwohnungen sofort ausreichende Reichskredite zu verbilligtem Zins zur Verfügung zu stellen: 2. die Verzinsung und Abdeckung aller für diese Zwecke seit dem 1. Januar 1932 aufgewendeten Geldbeträge durch Steuersenkung zu ermöglichen und zu sichern und 3. die Steuersenkung durch Reichsgeseh in der Weise für das ganze Reichsgebiet anzuordnen, daß jährlich mindestens 15 v. H. aller nach dem Stande des Jahres 1932 auf dem Hause ruhenden Landes- und Gemeindesteuern solange nachgelassen werden, bis der Reparaturbetrag im Einzelfalle getilgt ist. — Unter diesen Voraussetzungen erklärt sich der deutsche Hausbesih bereit, eine umfangreiche Instandsetzungsarbeit im ganzen Reichsgebiet durchzuführen. Bei einem Bestand von mehr als fünf Millionen Althäusern schafft ein Repardturaufwand von durchschnitt- lich nur 300 Mark je Haus laufend Arbeitsgelegenheit von jährlich 1,5 Milliarden Mark. Das ist in einem Jahre schon ein mehrfaches der durch das Reich angebahnten und finanzierten einmaligen Arbeitsbeschaffung.
Oer Bombenanschlag auf das Bretonendenkmal.
Verhaftung von Separatisten. — Große Zurückhaltung der Polizei.
Paris, 8. August. Die Polizei hat nach dem gestrigen Bombenanschlag in Rennes auf das die Vereinigung der Bretagne mit Frankreich verherrlichende Denkmal sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet. Die Nachforschungen erstreckten sich besonders auf die Kreise der bretonischen Separatistenpar- t e i (Breiz-Atao), aus deren Reihen wiederholt Proteste gegen das zerstörte Denkmal laut geworden waren. Noch in der vergangenen Woche war ein heftiger Artikel in einem separatistischen Wochenblatt von Rennes gegen das Denkmal erschienen. 14 Führer dieser Partei sind im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag verhaftet worden. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß in Rennes ein derartiger Anschlag verübt worden ist. Zu Beginn der großen französischen Revolution wurde eine Statue des Königs Ludwig XV. zertrümmert, die damals übrigens in der gleichen Nische stand, in der das gestern zerstörte Denkmal ausgestellt war.
Die zunächst nach Möglichkeit unterdrückten Nachrichten über den Sprengstosfanschlag in Rennes werden auch jetzt noch von der Pariser Presse m i t großer Zurückhaltung behandelt. Man bemüht sich, die Zerstörung des Einigungsdenkmals als die Tat einiger „Extremisten" hinzustellen. Das zerstörte Denkmal stand im Zentrum der Stadt und
stellte die Huldigung der Bretonen vor König Karl VIII. von Frankreich in Bronze dar. Die Bronzegruppe ist vom Sockel gestürzt und so schwer beschädigt worden, daß ihre Erneuerung kaum möglich erscheint. Der Anschlag muß in den Nachtstunden vorbereitet worden sein, da man im Sockel einen ausgebohrten Sprengkanal -fand.
Eine neue Kundgebung Borahs zum Gchuldenproblem.
Reuhor k, 8. Aug. <WTB.) Senator Borah hat an den hier tagenden Kongreß für außenpolitische Fragen folgendes Telegramm gerichtet: Ich bin nicht für ein Moratorium, weil dadurch die Verhältnisse materiell nicht gebessert würden. Eine neue Regelung der Schulden auf der Grundlage der Zahlungsfähigkeit wäre fast ebenso unwirksam. Das eine oder das andere Mittel oder eine Verbindung der beiden würde keine neuen Märkte erschließen, noch dem Handel einen Aufschwung geben. Wenn jedoch die Rachkriegsprobleme, Schulden, Reparationen und Rüstungen gelöst und die Wiederherstellung des Goldstandards sowie die Stabilisierung des Silbers im Orient durchgeführt werden können, dann werde ich dafür sein, daß man die Schulden in irgendeiner Weise dazu benutzt, um zum Erfolg zu gelangen.
Kleine politische Nachrichten.
Innerhalb des Hörbildes „Saarland", das der Südwest funk, Frankfurt a. M., am heutigen Dienstag, 9. August, veranstaltet, gibt der Herr Reichskanzler von Popen Dr. Paul Laven vom Südwestfunk ein Interview.
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Der Landtagsobgeordnete der NSDAP. Pi- charski, Kreisleiter des Oberlahnkreises, in Weilburg, hot in einem Telegramm an den stellvertretenden Reichskommissar Dr. Bracht die Amtsenthebung des Landrots Dr. Menzel gefordert. Sie wird begründet mit der Anstellung von Mitgliedern der Eisernen Front a l s H i l f s p o l i z e i zur Bewachung des Landrals- amtes. Menzel ist der Schwiegersohn Severings.
Da der Präsident des Preußischen Landtages, K e r r l, infolge der für den 16. und 17. August angesehten nationalsozialistischen Parteiveranstal- tungen die für den gleichen Termin in Aussicht genommenen Plenarsitzungen des Landtages absehte, hat die sozialdemokratische und die kommunistische Fraktion den Landtagspräsidenten ersucht, auf jeden Fall noch in der nächsten Woche dasPlenum einzuberufen. Die Sozialdemokraten beantragen, die nächsten Landtagssitzungen am 19. und 20. August abzuhalten.
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Argentinien, Brasilien und Peru haben einen Reutralitätspakt unterzeichnet, durch den Bolivien und Paraguay aufgefordert werden, alles zu tun, um sich zu verständigen und jede kriegerische Haltung aufzugeben. Der Text dieses Abkommens wurde den Regierungen von Bolivien und Paraguay sowie der neutralen Kommission in Washington zur Kenntnis gebracht.
Aus aller Welt.
„Do X“ über Bremen.
Das Flugschisf „Do X“ traf, von Wilhelmshaven kommend, über Bremen ein. Nach Einigen Schleifen nahm es Kurs auf Bremerhaven, um dort im Seeflughasen Blexen zu wassern und sodann mit eigner Kraft weseraufwärts nach Brernetz zu fahren.
Saarkundgebung
auf dem Mittelrheinischen fireisturnfeff.
Auf dem 35. Mittelrheinischen Kreis- turnfest in Trier, zu dem etwa 10 000 Saarturner und Saarländer erschienen sind, führte Kommerzienrat Röchling, Völklingen, als Festredner u. a. aus, im Kampf der Saar um ihr Deutschtum hätten die Turner stets in vorderster Linie gestanden. Nur noch zweieinhalb Jahre trennten die Saardeutschen von der Volksabstimmung über die politische Zukunft ihrer Heimat. Wenn die Verfasser des Versailler Vertrags sich eingebildet hätten, in 15 Jahren das Saarvölk dahin bringen zu können, daß es die Treue zum Vaterland vergäße, so müsse man sich über solche Ansicht wundern. „Wir stehen," so erklärte der Redner, „vor der Türe des Vaterhauses und wollen herein, gleichgültig, welche Hausordnung gerade in ihm gilt. Wir sehen mit großer Zuversicht der Volksabstimmung entgegen." — Der Redner schloß seine eindrucksvollen Ausführungen mit xinem Hoch auf das deutsche Saarland.
Internationale kirchenführerkonferen; in Genf.
In Genf ist eine internationale Konferenz von protestantischen, anglikanischen und griechisch orthodoxen Kirchenführern zu etwa achttägigen Beratungen zusammengetreten, die von dem Vizepräsidenten des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses in Berlin, D. Kappeler, geleitet wird Zu den Vollsitzungen des Oekumenischen Rats für praktisches Christentum werden über 100 Teilnehmer aus kirchlichen Streifen Europas und Amerikas erwartet. Im Mittelpunkt der Beratungen steht eine Aussprache über dieAufgabenderChristen- h e i t in der gegenwärtigen Weltkrise.
Greta Garbo in Göteborg.
Die berühmte Filmschauspielerin Greta Garbo ist dieser Tage, von Reuyork kommend, in Göteborg eingetroffen. Sie erklärte, sie habe Hollywood verlassen, nur um sich auszuruhen. Die Filmschauspielerin lehnte es ab, sich über ihre Zukunftspläne zu äußern.
3m Streit erschossen.
Sn Mösbach bei Achern erschoß der 40- jährige Landwirt Lienhard Böhlert auf der Straße seinen Rachbarn, den 54 Jahre alten Landwirt August Lemminge r. Böhl gab drei Revolverschüsse ab, von denen Lemminger in den Arm, den Rücken und die Halsschlagader getroffen wurde. Lemminger konnte sich noch mit letzter Kraftanstrengung in ein Rachbarhaus schleppen, in dessen Eingang er nach wenigen Minuten im Beisein seiner Frau verschied. Die Ursache der Mordtat ist in einem Streit wegen der Hühner zu suchen. Böhlert wurde sofort verhaftet. Lemminger hinterläßt Frau und drei Kinder.
Schrecklicher Unfall eines Kindes.
Auf dem Ebertring in Rathenow ereignete sich ein gräßlicher Unglücksfall. Dort lagern große Zementröhren, die von der Post für unterirdische Leitungen benutzt werden. Kinder rollten die Röhren beim Spielen hin und her. Die
fünfjährige Tochter des Arbeiters Kleinod war in eine dieser Röhren, die etwa einen Meter Durchmesser haben, hineingekrochen und ließ sich fortrollen. Dabei stieß die Röhre mit ziemlicher Wucht gegen eine andere und stürzte in sich zusammen. Die schweren Trümmer fielen auf das Kind und richteten es entsetzlich zu. Es wurde in hoffnungslosem Zu st and ins Krankenhaus eingeliefert.
3n Pantoffeln rund um die Erde.
In 9tancy traf dieser Tage ein dänischer Journalist namens Peter Nissen ein, der in über sieben Jahren die Welt durchwandert hat und sich nun auf dem Weg nach Paris, dem endgültigen Ziel seiner Fußwanderung, befindet. Er wanderte nur in Pantoffeln und trug nie eine Kopfbedeckung. Während seiner siebenjährigen .Wanderschaft durch alle Länder der Welt hat Nissen nicht weniger als 13 6 Paar Pantoffeln abge - n u tz t. Er brauchte außerdem 14 Anzüge und 17 Stöcke. Seit seinem Aufbruch aus Kopenhagen am 25. März 1925 ist er dreimal krank gewesen und hat mehrere Wochen in verschiedenen Krankenhäusern zugebracht. Seinen Lebensunterhalt während der Fußwanderung bestritt er durch feuilleto- nistische Beiträge für ein großes Kopenhagener Blatt.
Tagung des Bundes Deutscher Marine-Vereine in Königsberg.
In Königsberg fand der 37. Abgeordnetentag des Bundes Deutscher Marine- Vereine statt. Die Reichsmarine hatte alter Tradition gemäß eine Reihe von Fahrzeugen, darunter das Vermessungsschiff „Meteor", nach Königsberg entsandt. Die Schiffe wurden von einer großen Menschenmenge,herzlich begrüßt. In der Stadthalle fand ein Festakt statt. Vizeadmiral Rösing dankte als Vorsitzender des Bundes für den begeisterten Empfang der Marine in Königsberg. Der Bundestag sei nach Königsberg verlegt worden, um den Willen zur Beseitigung des dem Osten angetanen Unrechts zu starken. Es sei Pflicht, zur Offenhaltung
des Seeweges eine starke Flotte zu schaffen. Um Danzig und Memel spielten sich Kämpfe ab, die nur einen Teil der Angriffe auf den ganzen deutschen Osten bedeuteten. Die Mitglieder würden überall für die Sache Ostpreußens werben. Mit einem Hurra auf das Vaterland und dem Deutschlandlied schloß der Festakt. Es sprachen dann der Kommandant der Festung Pillau, Kapitän z. S. Kraft, der die Grüße von Admiral Uaeder überbrachte. Frgatten- kapitän Simon sprach für den Deutschen Flottenbund, Major A u g a r für den Kolonialkriegerbund und den Verein ehemaliger Afrikaner. Nach dem Vertreter des Reichskriegerbundes Kyffhäuser sprach für die Zivilbehörden Landrat Friedrich. Nach sportlichen Wettkämpfen fand ein Festgottesdienst in der Schloßkirche.
38. Deutscher Weinbau-Kongreh in Neustadt a. d. h.
In Neustadt an der Haardt (Pfalz) findet vom 27. bis 30. August d. I. der 3 8. D e u t s ch e W e i n- baukongreß statt. Auf dem vielseitigen Programm der Tagung steht u. a.: Eröffnung der Weinfach-Ausstellung, Vorstandssitzung des deutschen Wcinbauverbandes, Tagung des Reichsausschusses für Reblausbekämpfung, eine Sonderschau „Weinpropaganda", ferner mehrere Weinproben und Besichtigungsfahrten in das Weinbaugebiet der Haardt und der Südpfalz.
Kunst und Wiffenschaft.
VIII. Deutsches Regerscst in Baden-Baden.
Das Achte Deutsche Reg er fest der Mar- Reger-Gesellschaft (Sitz Leipzig) findet am 1. und 2. Oktober in Baden-Baden statt. Eingeleitet wird das Fest durch die Mitgliederversammlung und einen Vortrag über Erlebnisse mit Max Reger. Ferner wird ein Orchesterkonzert vorgesehen mit Aufführung des Klavierkonzertes, eine Kammermusik mit dem nachgelassenen Klavicrquintett, ein zweites Dr. chesterkonzert mit der Ballettsuite „An die Hoff, nung" und den Hiller-Variationen. Die künstlerische Leitung des Festes liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Ernst M eh l i ch - Baden-Baden.
Deutsche Stieger werben für Deutschland.
Ein Besuch imBerlinerIlugverbandhaus.- OerEuropaflug^932eine kulturelle und politische Aufgabe.
Don unserer Berliner Redaktion.
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Vom 12. bis 28. August findet der diesjährige Europarundflug statt, der mit umfangreichen technischen Prüfungen beginnt und dann über eine 7347 Kilometer lange Strecke führt. Start und Ziel ist in Berlin, als der Hauptstadt des Landes, dem der Sieger des letzten Fluges angehörte. (Die Strecke ist im Uhrzeigersinn abzufliegen.)
Inmitten der älnruhe und Rot der Zeit gibt es einige wenige Inseln, auf denen sich Wagemut, Hoffnung und Kraft nicht nur erhalten, sondern sogar gesteigert haben. Eine solche Insel ist das Flugverbandhaus in Berlin, ein Sammelpunkt des deutschen Flugwesens. In schöner Kameradschaftlichkeit sammelt sich hier am Mittagstifch oder bei geselligen Zusammenkünften alles, was in der deutschen Fliegerei einen Ra- men hat. Hauptmann Köhl und Marga von Etzdorf, Elli Beinhorn und Eckener, alle sind sie hier, sobald sie sich in der Reichshauptstadt aufhalten, zu finden. Ist ein deutscher Flieger auf großem Flug begriffen, so richtet er seine Briefe und Telegramme zunächst an die Tafelrunde im Flugverbandhaus. So vereinen sich hier nicht nur die deutschen Flieger, sondern auch der Geist des deutschen Flugwesens wird in diesem Hause ein faßbarer Begriff und wer erforschen will, welche Ziele sich das deutsche Flugwesen seht, - an dieser Stelle erhält er auf seine Frage deutliche Antwort.
In wenigen Tagen beginnt der Europa- Fl u g 1 9 3 2 , für die deutschen Flieger wahrscheinlich das wichtigste Ereignis des Jahres, Unb es ist kein Wunder, daß der Europa-Flug im Flugverbandhaus Gesprächsthema ist. 7 3 0 0 Kilometer müssen in sechs Tagen durchflogen werden. An den Streckenflug schließt sich dann eine Geschwindig. keitsprüfung, sowie eine technische Leistungsprüfung an. 61 Flieger gehen an den Start. Rehmen sie aus Rekordsucht diese Prüfung auf sich, die an Mensch und Maschine letzte Anforderungen stellt? Der Vizepräsident des Aero-Elubs, Gerd von Höppner antwortet: Die Aufgaben, die unsere besten deutschen Flieger lösen, sind keinesfalls auf sinnlose Rekorde abgestellt. Auch der Europaflug ist deutlich als Leistungsprüfung gekennzeichnet. Wir wollen bei unseren Flügen im In- und Auslande von der Zuverlässigkeit der deutschen Maschinen und der Persönlichkeit des deutschen Fliegers überzeugen.
Höppner spricht nicht alles aus. Unser Berichterstatter hat eine Unterredung mit Elli Beinhorn, die eben erst von Südamerika zurückgekehrt ist und unmittelbar nach dem Weltflug schon wieder zum Europaflug startet. Auch Fräulein Beinhorn macht nicht viel Worte, — aber aus ihren Erzählungen hört man vieles- Wesentliche heraus. In ihrer frischen, natürlichen und humorvollen Art berichtet sie über die Begeisterung, mit der sie beim Ueberfliegen der Urwälder, beim Landen in den größeren Städten von den über ganz Südamerika ver st reuten deutschen Kolonien begrüßt wurde. Immer wieder hat man ihr gesagt: „Es ist, als ob ein Stück von der Heimat zu uns tarne." Und Elli Beinhorn ist ebenso wie ihre Kollegin Marga von Etzdorf davon durchdrungen, daß man in ihr nicht einen Rekordträger sondern die deutsche Fliegerin begrüßte und feierte, ein deutsches, junges Mädchen, das die eingeengten Grenzen des „Volk ohne Raum" überwunden hat. Zahlreiche Deutsche draußen in Uebersee können nicht mehr richtig deutsch sprechen und so hat man die merkwürdigsten Inschriften auf ihr Flugzeug gemalt. „Auch Wiedersehen". Viele hatten die Hoffnung aufgegeben, noch einmal etwas anderes von Deutschland zu sehen oder zu hören als fremdländische Zeitungsberichte. Diesen Deutschen
gegenüber haben die deutschen Fliegerinnen und Flieger eine große kulturelle Aufgabe erfüllt. Aber ihre Mission geht noch weiter.
Im Flugverbandhaus hört man von dem außerordentlich großen Interesse, das das Auswärtige Amt an den internationalen Flügen deutscher Flieger nimmt. Man ist auch an dieser Stelle einsichtig genug, um festzustellen, daß kaum eine andere Leistung geeignet ist, im Ausland so stark von Deutschland zu überzeugen, wie derartige Taten, die die deutschen Fliegerinnen und Flieger in der Welt vollbracht haben. Wenn ein deutsches Mädel mit einem Sportflugzeug die Anden in 5000 Meter Höhe an einer Stelle überfliegt, an der zu beiden Seiten des Passes dis Berge 7000 Meter hoch ragen und dreimotorige Verkehrsflugzeuge kaum zu fliegen wagen, so ist der höchste Orden, den der Staatspräsident von Peru ihr gibt, nur ein kleiner Teil der Anerkennung. Das eigentliche Echo ist ein allgemeiner und vielfach neuartiger Eindruck deutscher Kraft und Tätigkeit, der durch die persönliche Bescheidenheit und selbstverständliche Liebenswürdigkeit unserer Flieger noch verstärkt wird. In den französischen Zeitungen ist kaum jemals menschlich verständnisvoller für Deutschland gesprochen worden wie damals, als Wolf H i r t 5 bei einem kühnen Segelflug-Wett- bewerb an der französischen Küste zehn Kilometer weit aufs Meer hinausflog und vor der glücklichen Landung fein selbstgebautes Segelflugzeug in drei Meter Höhe über dem Erdboden durch einen Felsfpalt steuerte. Dieser Eindruck der Tlnbeküm- mertheit, des größten Mutes und der höchsten Leistung bei persönlicher Bescheidenheit ist ein Eindruck, den Deutschland in der Welt braucht. Tschudi sagte einmal: „In diesem Volk ohne Raum isteiix neuer Mensch imWerden: Der deutsche Fliegermensch. Er wird der Welt zeigen, was deutsche Art ist." älnd in diesem Sinne wird auch der Europaflug 1932 eine kulturelle, eine politische Aufgabe erfüllen.


