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7.7.1932 Erstes Blatt
 
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Sochschulnachrichten.

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Gleichzeitig hätten sich allerdings auch die natko- nalen Kreise mit fruchtloser Opposition begnügt. Die Gegnerschaft zu den N a t i o n a l s o z i a li­st e n sei grundsätzlicher Statur. Man müsse ihnen vor allem den Dorwurf unklarer und zweideutiger wirtschaftlicher Zielsetzungen machen. Die DVP. gehe in diesen Wahlkampf nicht mit Versprechungen an einzelne Stände oder Berufe hinein, sondern sie kämpfe für einen vernünftigen nationalen Freiheitswillen und gegen jede Art des Sozialismus.

Wirkung vor allem inden er st en Monaten nach der Ernte fühlbar wird.

Zugunsten des R o g g e n m a r k te s wird eine Erhöhung des Roggenverbrauchs um mehrere 100 000 Tonnen durch Aufhebung der im letz­ten Frühjahr zur Streckung der Roggenvorräte eingeführten Festsetzung der Ausmahlungs­grenze von 70 Prozent erreicht werden. Die noch im Besitz der Deutschen Getreidehandels-Gesell­schaft befindlichen Aussenroggenmengen werden nicht am Getreidemarkt, sondern ver­koppelt mit deutscher Ger st e zur Stüt­zung des Gerstenmarktes abgeseht werden. Durch die Derkoppelungsaktion von deutscher Gerste und Auslandroggen werden jedoch auch diejenigen Be­triebe und Wirtschaftsgebiete berücksichtigt, bei de­nen der Futtergetreidezukauf eine stär­kere Rolle spielt.

Den Geflügelhaltern wird nach dem Mu­ster der bisherigen Maisaktion, jedoch in stark er­weitertem Ausmaß und unter der Bedingung, die Eier zu standardisieren, verbilligter Mais zur Verfügung gestellt werden.

Ich bin der festen Aeberzeugung, daß das Zu­sammenwirken aller dieser Maßnahmen Voraus­setzungen schafft, die stabileGetreidepreise während des ganzen Jahres ermögli­chen. Den durch die dargelegten Maßnahmen ge­kennzeichneten Kurs der Getreidepolitik wird die Reichsregierung während des ganzen Jahres in der großen Linie durchhalten.

Der Minister schloß: Wenn ich die Getreideernte heute allein behandelt habe, so ist das deswegen geschehen, weil die Ernte unmittelbar vor derTür steht und alle Beteiligten auf das Programm warten. Die großen Aufgaben die

Don der Akademie der Wissenschaften in Wien sind der Berliner Historiker Friedrich M e i n e ck e und die Philologen Ed. Schwartz in München und Jakob Wackernazel in Basel zu Ehrenmitgliedern gewählt worden; korre­spondierende Mitglieder im Ausland wurden der Leipziger Geologe Franz K o h m a t, der Berliner Geograph Rorbert Krebs und der soeben nach Berlin berufene Madrider Prä­historiker Hugo Obermaier.

In Wien verschied der außerordentliche Professor der Dermatologie und Syphilidologie an der dortigen Universität und Abteilungs­vorstand der Allgemeinen Poliklinik Dr. Alfred Drandweiner im Alter von 57 Jahren.

Dem Ausgräber von Numantia, Professor Dr. Adolf Schulten in Erlangen, wurde der Martorell-Preis der Stadt Barcelona verliehen.

Professor Dr. Rudolf Degkwitz in Greifs- wald hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Kinder­heilkunde an der Hamburgischen Universität als Nachfolger von Professor Hans Kleinschmidt er- halten und angenommen.

Professor Dr. W a r n e k r o s, der Leiter der 1 Dresdner Frauenklinik, hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Frauenheilkunde an der Prager Deutschen Universität abgelehnt.

Professor Artur Steinwenter in Graz hat den Rerf auf den Lehrstuhl für römisches Recht an der Universität Münster als Rach­folger von H. Kreller abgelehnt.

Der Würzburger Geograph Professor Karl Theodor Sapper wurde auf Ansuchen vom 1. Oktober 1932 an von der Verpflichtung zur Abhaltung von Vorlesungen befreit.

Professor Dr.-Jng. e. h. Oskar Knoblauch, der Ordinarius der technischen Chemie an der Münche­ner Technischen Hochschule wurde dieser Tage siebzig Jahre all.

ließen, die mir Mut machten und sich als verlässig herausstellten."

Go sollst du aufwachsen ...

Ein Vater schreibt an sein kleines Mädchen.

Von Heinrich Hauser.

Liebste Lele!

Heute war den ganzen Tag Rebel, und das Meer war glatt und man konnte fast nichts sehen. In allen Tauen hingen Tropfen, und es regnete aus den unsichtbaren Segeln wie aus Wolken. Da bin ich eingeschlafen, und im Schlaf hörte ich das Rebelhorn tuten. Cs war unser eigenes Rebelhorn, aber es klang wie ganz von fern. Da träumte ich, wir wären in der Rordsee und des Rebelhorn käme vom Feuerschiff Elbe I und ich wäre jetzt bald bei Dir. »

®erm Dein Bild hängt vor meinen Augen über der Koje. Ich sehe es immer an, beim Einschlafen unö beim Erwachen, älnd jetzt bin ich traurig, weil es noch so lange dauern wird, bis ich Dich wiedersehe. Liebste Lele, wir segeln jetzt dem Kap Horn entgegen, da werden wieder die großen Sturme kommen; dann hat man ein so merk­würdiges Gefühl, als wäre man gar nicht auf der Welt.

Da habe ich manchmal bei mir gedacht, daß ich mir viel zu wenig Gedanken gemacht habe dar­über, wie Du aufwachsen sollst. Da habe ich zurückgeschaut, wie es bei mir gewesen ist und was da Wert gehabt hat und was keinen Wert. Ich war allein, und vielleicht wirst Du auch allein sein, ich weiß es nicht. Außer Vater und Mutter haben andere Menschen nicht viel für mich be­deutet. Aber mein erster Hund ist wichtiger ge­wesen als mein erstes Schuljahr, und ein bestimm­ter Apfelbaum war mir lieber als mein ganzes Kindei^irnrner.

Weil Du meine Tochter bist, mußt Du viele Instinkte in Dir haben, die muß man entwickeln, jetzt, wo Du noch ganz klein bist. Spater werden die Sinne stumpf. Du sollst aufwachsen wie ein junger Wolf, der überall schnuppert und wittert und guckt. Du mußt wissen, wie die Gerüche einer Wiese sind und wie die Luft ist im Wald.- Du mußt alle Tiere kennen, so gut, daß Du ihre Be­wegungen in Dir trägst, daß Du es nachmachen kannst, wie ein Hase ins Kohlfeld kriecht, daß Du ßihlst, wie ein Reh sich fühlt, wenn es in der Dämmerung aus dem Wald tritt. Du mußt auch w,ssen, wie die Vögel ausfehen, deren Stimmen ®,u mußt wissen, wie es frühmorgens

ist, wenn die Sonne aufgeht, und wie es nachts ist un -^nld. Du sollst alle Angst durchmachen, die man dabei haben kann, das macht es hinter­

Aus aller Well.

von Gronaus Flugplane.

Der bekannten Ozeanflieger von Gronau, der gegenwärtig in List auf Sylt weilt, machte dem Sylter Mitarbeiter der Telegraphen-Änion Mitteilungen über feine neuen Flugpläne. Da­nach wird er vor Antritt feines Femfluges zu­nächst noch nach Braunschweig, Berlin und Warne­münde fliegen und erst am 18. oder 19. Juli nach List zurückkehren. Der geplante Fernflug wird keinesfalls vor Ende des Monats Juli angetre­ten werden. Der Flug selbst, über den bereits alle möglichen Verlautbarungen verbreitet wer­den, dient zunächst lediglich der weiteren plan­mäßigen Erforschung der günstigsten Flugwege über den Rordatlantiknach Amerika. Er wird über Südgrönland und Süd­labrador gehen. Alles weitere wird sich dann nach der Ankunft in Amerika entscheiden und von der Aktionsfähigkeit des Flugzeuges sowie von den Verhandlungen in Amerika abhängen.

Hindenburg verabschiedet sich auf dem Berliner Bahnhof Friedrichstraße, von wo er sich SS ?^ck m?,?preußen begab Er wird auf dem Gut längeren Aufenthalt nehmen, bleibt ledoch mit den Reichsstellen im engsten Kontakt und wird die Regierungsgeschäfte von dort un- ___________________________ eingeschränkt weiterführen.

Die Preußische Akademie der Wissenschaften den Präsidenten des Archäologischen Instituts Deutschen Reiches, Professor Dr. Gerhard Roden- waldt, und den Ordinarius für neuere Geschichte an der Universität Berlin, Professor Dr. Hermann O n ck e n, zu ordentlichen Mitgliedern ihrer philo­sophisch-historischen Klasse gewählt.

Oie deutsche Broiversorguug vom Ausland unabhängig.

Oer NeichsernährungSminister über die Stabiihattung der Getreibepreise.

her erst richtig schön. Es schadet auch nichts, wenn Du mal ganz früh auf stehst oder später schlafen gehst.

Du mußt etwas haben, was für Dich zum Maß­stab wird von ganz früh an. Du darfst es aber nicht wissen, daß es da ist. Man muß es Dich finden lassen. Manche Menschen nehmen sich dafür einen Menschen. Manche nehmen sich den Himmel Wit den Sternen oder die hohen Berge. Ich zum Beispiel habe mir das Meer genommen. Aber ich habe es lange nicht gewußt. Ich muß immer zum Meer zurückkehren, sobald ich in einer Schwierig­keit im Leben mir keinen Rat mehr weiß.

Wenn Du Dein Ziel gefunden hast, dann be­halte es als Geheimnis. Manchmal sind einem die Ohren so voll von einem Wort, das man ge­hört hat, oder von einem Buch, das man gelesen

-L. daß man fein ganzes Leben danach richten mochte. Das schadet nichts, solange man den ge­heimen Maßstab in sich trägt, der richtig führt, ohne daß man es weiß.

Du sollst nie mehr besitzen, als Du verwalten kannst, man kann mit einem Ball spielen, man kann, wenn man geschickt ist, auch mit zwei oder drei Bällen spielen. Aber man kann nicht mit vielen Bällen zu gleicher Zeit spielen. Genau so ist es mit allen anderen Gegenständen. Die meisten Menschen haben die Hände so voll damit, daß sie gar nichts mehr mit ihnen anfangen können. Darum redet man so viel von leblosen Gegen­ständen undtotem" Besitz. Aber Du wirst mer­ken, daß jeder Gegenstand genau so viel Leben bekommt, wie man in ihn hineintut. Daß es tote Häuser gibt und lebendige Häuser. Darum sollst Du nicht zu viele Sachen haben. Man soll Dir auch nichts geben, wodurch ein Gegenstand, den Du liebst, entwertet wird.

In zehn Jahren werden die Bücher für Dich wichtig werden. Das wird nicht schwierig sein, Me richtigen zu finden, denn Du wirst nur gute Aucher finden. Ich teile alle Bücher in zwei Arten: in die gewachsenen Bücher das sind die guten und in die künstlich gemachten die sind schlecht. Als ich mit zehn Jahren ' das Dschungelbuch" von Kipling las, da habe ich mir mit dem Messer in die Hand geschnitten und habe das Blut auf die Seiten tropfen lassen Die Wildheit des Buches kam über mich und kam von mir zu dem Buch zurück.

Ich brauche nicht bei Dir zu sein, damit Du mir viel gibst, aber ich hoffe, ich werde immer Onstinkt genug haben, bei Dir zu fein, wenn Du mich brauchen kannst. Manchmal, wenn ich etwas tue, was gut ist, dann merke ich, daß es mit ge­heimen Gedanken an Dich geschieht.

Meine $rou läßt sich malen/"

Meine Frau läßt sich malen" so heißt eine, mit wu ndervollen farbigen Abbildungen ge­schmückte Plauderei in dem soeben erschienenen Iuliheft von Velhagen & Klasings Mo­natsheften. Der Verfasser macht dem Leser auf eine heitere und anmutige Weise Lust zu einem Unternehmen, das manchem unzeitgemäß, verschwenderisch, unerschwinglich erscheint, und weist auf die Werte hin, die dem einzelnen, dem Hause, der Rachwelt aus einem künstlerischen Bildnis erwachsen. Er vergißt aber auch nicht die Kostenfrage und schreibt:Sie mußte zuerst be­reinigt werden. Ich habe einen Bekannten, der ein berühmter Maler schöner Frauen ist, natür­lich Akademieprofessor und Inhaber eines fabel­haften Ateliers. Er hat noch etwas von dem malerischen Prunk, mit dem sich Makart, Lenbach und Stuck zu umgeben pflegten. Der Herr Pro­fessor braucht diesenfaulen Zauber", wie er selber sagt, für seine Kunden; sie können sich einen Maler ohne Samt und Seide, ohne echte Teppiche und antike Möbel, ohne Riesenbilder, auf denen Grazien zu sehen sind, nicht vorstellen. Ich wußte, daß dieser Maler, der ohne Rücksicht auf seine Modelle nur schöne Frauen aus der Werkstatt gehen läßt, auf hohe Preise hält. Allein wenn man sich kennt und schon zusammen manche gute" Flasche Wein getrunken hat, rechnet man auf ein gewisses Entgegenkommen.Lieber Freund", antwortete der Maler auf meine Frage, niemand möchte ich lieber malen als Ihre ver­ehrte Gattin. Sie reizt mich schon lange. Doch ich bin mit Aufträgen überhäuft. Die Prinzessin von Guastalla drängt mich da sehen Sie das kaum angelegte Bild, und schon nächste Woche muß ich nach Duisburg, wo die Frau eines Groß­industriellen ausgerechnet von mir gemalt sein will. Ich kann nicht ablehnen, so sehr mich das Herz zu anderen Ausgaben zieht. 10 000 Mark pro Bild Sie verstehen!" Ich verstand; hier war Handeln unmöglich. Bei einem anderen Aka­demieprofessor, der gewiß nicht minder tüchtig ist, allein über die Gabe liebenswürdiger Schmei­chelei nicht in ausreichendem Maße verfügt hörte ich den Preis von 4000 Mark nennen und hatte den Eindruck: wenn ich die Hälfte bar auf den Tisch legte, er würde froh und dankbar zugreifen. Jüngere angesehene Künstler, so ließ ich mir er­zählen, würden mit 1000 oder gar 500 Mark zu­frieden sein, und damit kam ich auf Zahlen, die Kwar immer noch viel für mich bedeuteten, die mich jedoch nicht mehr vor Schreck erbleichen

die Regierung dann zu lösen hat, liegen auf demGebietdertierischenProduktion und auf dem Gebiet von Obst, Gemüse, Holz usw. Ich werde in kürzester Zeit im Rundfunk auch hierüber sprechen und keinen Zweifel darüber las­sen, daß dort beim Dauern das Zentralnerven­system unserer ganzen deutschen Wirtschaft liegt und daß der Aufstieg des deutschen Dauern ben ersten Schritt bedeutet auf dem Wege aus der Knechtschaft ins Freie, dem Wege, an dem wir alle gebunden sind, ob wir die Hand an der Ma­schine oder am Pfluge halten.

Auch weiterhin Iieichsbeihilfen für die Viehzucht.

Berlin, 6. Juli. (WTB.) Der Reichs­minister für Ernährung und Landwirtschaft hat sich in Anbetracht der bedrohlichen Lage der Rinderzucht entschlossen, den anerkann­ten Rinderzüchtervereinigungen wiederum eine größere Beihilfe zu gewähren, damit sie ihre Einrichtungen sowie ihr Zuchtmaterial erhalten können. Die Mittel werden nach der Zahl der eingetragenen Rinder auf die ein­zelnen Organisationen durch die Landesregierun­gen verteilt werden. Ferner wird der Minister zum Zwecke der Verbesserung der bäuer­lichen Viehhaltungen den Erwerb hoch­wertiger Vatertiere (Bullen, Eber, Schaf- und Ziegenböcke) durch Bereitstellung von Reichs- Hilfen in Höhe von 15 bis 25 Prozent des An­kaufspreises unterstützen, wenn sie von den Zucht- verbänden. Zuchtgenossenschaften oder Gemeinden aus Leistungszuchten und insbesondere auf den Zuchtviehauktionen erworben sind.

Oie Volkspartei im Wahlkampf.

Weimar, 6. Juli. (TU.) Auf einer Wahl- kreisvertreterversammlung des Landesverbandes Thüringen der DDP. sprach am Mittwoch der Parteiführer Dingeldey. Er warf Brüning vor, daß er es nicht verstanden habe, die bürger­lichen Parteien zu einer großen staatsbe­jahenden Kraft zusammenzuschliehen.

Berlin, 6. Juli. (WTB.) Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Freiherrvon Braun hielt im Rundfunk eine Rede, in der er u. a. ausführte: Aller Voraussicht nach werden wir eine Getreideernte bergen können, öie ü b e r den Durchschnitt liegt. Zum ersten Male in der Nachkriegszeit wird Deutschland in diesem Jahre in feiner Brotoersorgung frei und un­abhängig vom Ausland fein. Niemand in der Wett kann uns wie noch vor Jahren heute durch den Hunger auf die Knie zwingen. Die wich­tigsten Nahrungsmittel: Brot, Kartoffeln, Fleisch und Fett, stehen aus eigener Erzeugung in ausreichendem Maße zur Verfügung und können, wenn wir unserer Landwirtschaft den Le- bensraum geben, den sie braucht, auch für die Dauer in solchem Umfang im Inland erzeugt werden, wie die Ernährung unseres 65-Millionen-Volkes es beanspruchen kann.

Gleichwohl hat der Staat große Ausgaben in der Verteilung dieses Erntesegens zu erfüllen. Da besteht zunächst die Gefahr, daß die Landwirte gleich zu An ßa n g d e r Ernte ihr ganzes (Betreibe aufben Markt werfen und da­mit den Preis drücken, denn die Verschuldung der Landwirtschaft ist gewachsen. Es besteht ferner die Gefahr, daß gegen Ende des Verkaufs- jahres zu wenig (Betreibe am Markt ist. Die (Betreibepreife steigen, währenb ber Lanbwirt nichts mehr zu verkaufen hat. Wesentlich ist, b i e Getreibepreise bas ganze Jahr über ftabil 3u erhalten. Die Reichsregierung hat es deshalb für ihre Pflicht gehalten, erstens b e n (Bläubigerbrud auf bie Landwirtschaft mög­lichst zu milbern unb zweitens Maßnahmen zu treffen, bie bem Landwirt bie Möglichkeit geben, fein ©elbbebürfnis zu befriebigen, ohne bie Ware fofort verkaufen zu müssen.

Zur Milderung des Gläubigerdrucks ist ber Dollstreckungsschutz für Grunbstücke hinsichtlich der alten Schuldkapitalien, die nicht für bie Bewirtschftung im Wirtschaftsjahr 1931-32 aus­genommen würben ausgestattet unb ver­längert worben, baß bie Reichsbank unb die sonstigen Kreditinstitute keinen einseitigen Druck bei ber Einlösung ihrer Forde- rungen in den nächsten Monaten ausüben wer­den. Zur Befriebigung ber Gelbbedürfnisse ber Lanbwirtschaft, bie naturgemäß während ber Ge­treide- unb Hackfruchternte, ber Herbstbestellung besonbers stark auftreten, sind wiederum Möglich­keiten geschaffen worben, die eine Beleihung des Getreides gestatten. Die Banken haben sich bereit erklärt, Beoorschussungsge- schäfte zu finanzieren. Die Maßnahmen haben alle bas Ziel, das Angebot von Getreide aus der Lanbwirtschaft unmittelbar nach der Ernte nicht zu groß werden zu lassen.

Ich nehme an, daß alle Maßnahmen, die das Angebot an Getreide aus dem In- und Ausland für die nächste Zeit möglichst gering halten sollen, nicht ausreichen werben, um eine ge­sunde Preisentwicklung für Getreide in den näch­sten Monaten herbeizuführen. Aus diesem Grunde soll die Aufnahmefähigkeit unserer (Betreibemärfte weiter ausgedehnt unb über den laufenben Bedarf hinaus gesteigert werben.

Um am Weizenmarkt eine möglichst hohe Aufnahmefähigkeit ber zweiten und britten Hanb Zu erzielen, wird für bas neue Erntejahr roieberum ber Vermahlungszwang von 97 Pro- lent eingeführt. Um eine möglichst starke Ein­lagerung zu erreichen, ist mit ben Weizenmühlen vereinbart worben, baß sie über bie normalen Vor- rate hinaus zusätzlich etwa 230 000 Tonnen In- lanbsweizen, getrennt von ihren übrigen Vorräten, für vier Monate einlagern. Als weiteres Entlastungsventil wirb bas Austauschexport. DcerJ^rern für Weizen unb Roggen ab 1. August 1932 in Kraft gesetzt. Das Verfahren ist dabei so gestaltet worden, daß seine entlastende

AMpielzudenZeitungsverboten

Berlin, 6. Juli. (VDZ.) Im Preuß. Land­tag bringt Abg. Pieck (Komm.) einen Antrag seiner Fraktion ein, der die Regierung ersucht, das Verbot des Vorwärts und der kölnischen Volkszeitung sofort auf- zu heben. (Heiterkeit rechts.) Der Antrag daß den nachgeordneten Behörden das Recht zum Erlaß von Zeitungsverboten ent­zogen wird. Der Redner erklärt, im Wahlkampf mußte jeder Eingriff in die Pressefreiheit aufs schärfste zurückgewiefen werden.

Hamburger (Soz.) weist daraus hm, daß der kommunistische Antrag in seiner jetzi­gen Fassung bem Staatsministerium einen Auf­trag erteilen wolle, den dasselbe nicht erfüllen Der Redner bringt einen sozialdemokrati- schea Aenderungsantrag ein, wonach das Staatsministerium ersucht werden soll, nochmals auf das ernsteste bei der Reichsregierung für bie sofortige Aufhebung des Verbots des Vorwärts" und derKölnischen Volkszeitung" hmzuwirken.

Abg. Kube (Rat.-Soz.) stimmt dem kommu­nistischen Antrag zu und wendet sich gegen den sozialdemokratischen Antrag, der mit seinem Hin­weis auf die Zuständigkeit der Reichsregierung nur faulen Zauber darstelle. Die preußisch« Regierung sei es, die die Pressefreiheit un­terdrücke.

Der sozialdemokratische Aenderungsantrag wird gegen die Stimmen der Regierungsparteien a b - gelehnt, der kommunistische Antrag, das Verbot desVorwärts" unb derKölnischen 5,;. 8ettung sofort aufzuheben, in namentliche« Abstimmung mit 197 Stimmen der Ra­tional so ziali st en und Kommunisten gegen 28 Stimmen der Deutschnationalen ange­nommen. Die Regierungsparteien beteiligten sich nicht an der Abstimmung.

Oie Uniformierung ber SA.

Mützchen, 7. Juli. (CNB. Funkspruch.) Der Völkische Beobachter erklärt, die Behaup­tungen, daß dieNeuuniformierung" ber SA. 15 Millionen Mark gekostet habe, für falsch. Die 021. | e i gar nicht neu uniformiert roor- ben. Jeber SA.» und SS.-Mann bestreite seine Umformieruna aus eigener Tasche. Keine Organisationsstelle ber NSDAP, habe irgenb einen Betrag für einen solchen ober einen anderen Zweck aus einemb esonberen" Fonds der Reichsregierung erhalten.