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6.8.1932 Frühausgabe
 
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Kanada dielet England Zollvvrzngsbehandlnng an

Ein wichtiger Schritt auf -er Reichskonferenz von Ottawa.

Ottawa, 5. Aug. (TU.) Die kanadische Regierung unterbreitete Baldwin tiyre Vor­schläge zur Förderung des englisch-kanadischen Handels, die besonders auf die Ausschaltung der russischen Konkurrenz hinarbeiten. Kanada bietet für etwa 150 bis 200 Artikel eine Dorzugsbehandlung bei gleichzeitiger Re­vision der hohen Zollsätze an. Don dem Angebot werden hauptsächlich Eisen und Stahl, Anthra­zit, Chemikalien, Laue, Lederwaren ufw. betroffen, während für Textilien die Zugeständnisse wesent­lich geringer sind und sich hauptsächlich auf Luxus­artikel erstrecken. Kanada schätzt, daß durch diese Maßnahmen die Einfuhr englischer Wa­ren nach Kanada um rund 300 bis 4 0 0 Millionen Mark gesteigert werden kann, und zwar meistens auf Kosten Amerikas. Ka­nada verlangt von England vor allem verstärkten Schutz gegen die russische Konkurrenz. Die eng­lische Regierung wird die Vorschläge einer ein­gehenden Nachprüfung unterziehen.

Das Zollvorzugsangebot wird in der englischen Öffentlichkeit naturgemäß lebhaft erörtert. Man sieht mit Spannung der Antwort entgegen, die von der englischen Delegation am Montag erteilt

werden soll. Die Schätzungen über die Wertsteige- rvng des englischen Handels mit Kanada, die man sich von dem Angebot Kanadas erhofft, gehen sehr auseinander. Einige Blätter veranschlagen sie auf 20 Millionen Pfund, andere rechnen mit grö­ßerer Nüchternheit nur mit 8 bis 10 Millionen. Morning Post" hält für den wesentlichsten Punkt die Verdrängung Rußlands vom eng­lischen Markt.Daily Telegraph" meint, die Vorteile des Vorschlages für England seien offen­bar, zu rosig gehalten. Offenbar sei es zu opti­mistisch, damit zu rechnen, daß Großbritannien unter dem neuen Vorzugszollsystem die Möglichkeit habe, den größten Teil der kanadischen Eisen- und Stahleinfuhr an sich zu reißen, die im letzten De­pressionsjahr rund 40 Millionen Pfund betrug, und an der Großbritannien nur mit 10 v. H. beteiligt war. Es fei für Großbritannien so gut wie un­möglich, die gesamte Eisen- und Stahleinfuhr aus den Vereinigten Staaten für sich zu sichern. Da­gegen sprächen nicht nur wirtschaftsgeographische Momente, sondern auch die Tatsache, daß die Ent­wicklung der kanadischen Industrie in engster An­lehnung an die amerikanische Technik erfolgt sei.

Oie Ausführungsbestimmungen für den freiwilligen Arbeitsdienst.

D e r l i n, 4. Aug. (TU. Amtl.) Tlnterm 2. August sind die Ausführungsvorschriften des Reichs- arbcitsministers zur Verordnung über den Frei­willigen Arbeitsdienst vom 16. Juli 1932 ver­öffentlicht worden. Den Vorschriften kommt be­sondere Dedeutung für die Praxis zu, weil die Verordnung vom 16. Juli 1932 im wesentlichen programmatischen Charakter trägt imd in erster Linie die allgemeinen Grundsätze für die Neu­regelung gebracht hat. Die wichtigsten Bestim­mungen sind folgende:

Als Förderung wird fürdenArbeits- dien st willigen ein Betrag von höch- stens 2 Reichsmark wochentäglich bis zur Dauer von 20 Wochen innerhalb eines Zeit­raumes von zwei Jahren gewährt. Bei volks­wirtschaftlich wertvollen Arbeiten kann die För­derungsdauer bis zu 40 Wochen verlängert werden. Während der Förderung erhält der Arbeitsdienstwillige weder versicherungsmäßig Arbeitslosenunterstützung, noch Krisenunterstüt­zung. Die Förderungszeit wird auf die Un - terstützungsdauer in der Arbeitslosen­versicherung und in der Krisenfürsorge nicht mehr angerechnet.

Die Arbeiten im Freiwilligen Arbeitsdienst müssen gemeinnützig sein. Eine Arbeit, die unmitteEar nur einem beschränkten Personen­kreis zugute kommt, gilt aber auch als gemein­nützig, wenn die Allgemeinheit ein wesentliches Interesse an der Ausführung hat. Soweit eine Arbeit als Notstandsarbeit durchgeführt werden kann, darf sie nicht vom Freiwilligen Arbeitsdienst gefördert werden. Beim Ausschei­den aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst ist dem Arbeitsdienstwilligen auf Antrag eine Beschei­nigung über Art und Dauer dieser Beschäfti­gung auszustellen.

Die Leitung und Durchführung des gesamten Freiwilligen Arbeitsdienstes liegt in derHand des Reichskommissars. Zu seinen Auf­gaben gehört u. a. auch, für die Auswahl und Schulung von Führern zu sorgen. Der Reichskommissar und die Bezirkskommissare ha­ben Personen, Vereinigungen und Einrichtungen, die besondere Erfahrung im Freiwilligen Ar­beitsdienst haben, zur beratenden Mit­wirkung heranzuziehen und mit allen beteiligten Behörden zusammenzuarbeiten. Ob eine Arbeit im Freiwilligen Arbeitsdienst ausgeführt werden kann, bestimmen die Dezirkskommissare. Die Vorsitzenden der Arbeitsämter entscheiden über die Forderung des einzelnen Arbeitsdienstwilligen. Sie handeln hierbei a l s Beauftragte des Dezirkskommissars.

Die Arbeitsdienstwilligen sind gegen Krank­heit und Unfall versichert. Aus der Krankenversicherung erhalten sie Krankenpflege für ihre Person, gegebenenfalls Krankenhauspflege. Arbeitsdienstwillige, die vor ihrem Eintritt in den Freiwilligen Arbeitsdienst pflichtversichert

waren, haben Anspruch auch auf Familienkranken­pflege. Von der Entrichtung des Arzneikosten­beitrages und der Krankenscheingebühr sind die Arbeitsdienstwilligen befreit. Die Krankenkassen­beiträge werden aus Mitteln des Freiwilligen Ar­beitsdienstes bestritten. Erhebliche Verbesserungen bringt die Neuregelung 'bei der Unfallversi­cherung. Diese ist auch auf Unfälle bei Sport und bei Dienstleistungen im Arbeitslager aus­gedehnt worden. In allen Fällen, in denen das Reich, die Länder und Gemeinden als Träger der Arbeit selbst Träger der Unfallversicherung sind, tritt an die Stelle der verschiedenen Berufs­genossenschaften, die bisher je nach der Art der Arbeit zuständig waren, eine einzige Berufs­genossenschaft oder deren Zweiganstalt. Als solche ist die Zweiganstalt der Tiesbauberufsgenossen- schaft bestimmt. Die Vergütung beträgt wochen­täglich zwei Reichspfennige für den Arbeitsdienst- willigen und fällt dem Träger der Arbeit zur Last.

Für Arbeitsdienstwillige, die vorher in der Arbeitslosenversicherung, in der Krisenfürsorge oder als Wohlsahrtserwerbslose in der öffent­lichen Fürsorge unterstützt worden sind, ist Vorsorge getroffen, daß ihre Anwart­schaften in der Invaliden-, Angestellten- und knappschaftlichen Pensionsversicherung auf­rechterhalten werden.

Wie bisher, unterliegen die Arbeitsdienstwilli­gen auch den Bestimmungen der Arbeitsschutz- gesehe. Arbeitsdienstwillige, die bei volkswirt­schaftlich wertvollen Arbeiten beschäftigt werden, können verzinsliche Gutschriften für Siedlungszwecke im Reichsschuldbuch in Höhe von 1,50 Mark wochentäglich erhalten.

Die Ausführungsvorschriften treten am 1. August 1932 in Kraft.

Die Gestattung des Taris- und Schlichtungswesen.

Berlin, 5. Aug. (TU.) Die Nachricht eines Ber­liner Abendblattes, daß das Neichsarbeits- ministerium damit beschäftigt sei, sehr weit reichende Maßnahmen auf dem Gebiete des Schlichtungswesens oorzubereiten, und daß die Ab­sichten auf eine wesentliche Einschränkung der staatlichen Schlichtungstätigkeit und eine teilweise BrechungdesTarisrechts hinauslaufen, wird von zuständiger Stelle i n A b - rede gestellt. In dieser Beziehung sind gesetz­liche Maßnahmen weder in Vorbereitung nochbeabsichtigt. Die Verbindlichkeitserklärung von Schiedsspüchen soll nicht aufgehoben wer­den, wohl aber soll dieses Instrument vorsichtiger und möglichst nur in solchen Fällen angewen - d e t werden, wo es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit erforderlich erscheint.

Aus aller Well.

Das 18. Todesopfer der Altonaer Unruhen.

Im Altonaer Krankenhaus ist dieser Tage der 72- jährige Pensionär Emil Fühler aus Hamburg g e ° st o r b e n, der bei den Altonaer Unruhen am 17. Juli eine schwere Schußverletzung erlitten hatte. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer auf 18 er­höht.

Zahlreiche Fleischvergiftungen.

In dem Dorf Schönau bei Münstereifel (Rhein­provinz) war ein Kalb geschlachtet worden, von dessen Fleisch, ohne daftes beschaut wor­den war, zahlreich« Einwohner aßen. Bald darauf erkrankten diese Personen unter Vergiftungserscheinungen zum Teil lebensgefährlich. Eine Frau ist inzwischen ge­storben. Nach polizeilicher Feststellung hatte ein Landwirt das neun Tage alte Kalb not» geschlachtet, weil es angeblich Gliedwasser gehabt hat. Das Fleisch hatte er zu billigen Preisen nur an Verwandte und Bekannte ver­kauft. Nach ärztlicher Feststellung liegt bei den Erkrankten Paratyphus vor. Zwei Personen schweben noch in Lebensgefahr.

Erfolg deutscher Bergsteiger in den Eordilleren.

Die eine der beiden vom Deutschen und Oester- reichischen Alpenverein im April d. 2. in fremde Gebiete entsandte Expedition hat das von ihr gesteckte Ziel erreicht. Beim Hauptausschuß des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins in Innsbruck traf ein Telegramm aus Südamerika «in, in dem der Leiter der Expedition, der dritte Vorsitzende des Alpenvereins, Regierungsrat Dr. Philipp Borchers -München, mitteilt, daß es der Expedition gelungen ist, den 6750 Meter hohen Hauptgipfel Huascan in der Cordillera Dlanca zu bezwingen. An der Er­steigung des Gipfels nahmen außer Dr. Borchers noch teil H ö r 1 i n - Stuttgart, Hein-Linz,

Schneider-Hall in Tirol sowie der Arzt der Expedition, Dr. Bern ar d aus Hall in Tirol. Aus dem Telegramm, das etwas ver­stümmelt ist, geht hervor, daß die Expedition bei den letzten 400 Metern große Schwierigkeiten zu bewältigen hatte. Es lag knietiefer Bruch­harsch und außerdem waren schwierige Eisbrüche zu überwinden. Die Cxpeditionsteilnehmer be­finden sich, wie das Telegramm weiter mitteilt, alle wohl. *

Tagung der deutschen Haus- und Grunöbesiher in Hamburg.

Die diesjährige Verbandstagung der Deutschen Haus - und Grundbesitzer- Vereine im Hamburg hat begonnen. Heber 1000 Mitglieder aus dem gesamten Reich sind «ingetroffen: gleichzeitig feiert der Hamburger Grunde.gentümerverein sein hundertjäh. riges Jubiläum. Die Delegierten wurden vom Sena!t im Rathaus empfangen. Auf der Tagung soll in erster Linie zur Frage der Arbeitsbeschaffung Stellung genommen werden.

Schweres Unwetter in Polen. 11 Tote, 18 Schwer- verlehte.

Warschau und Umgebung wurden in den letzten Tagen von einem außerordentlich heftigen Ge­witter, das besonders im Bezirk Lukow wü­tete, heimgesucht. Durch Blitzschläge fanden hier fünf Menschen den Tod und weitere 12 haben zum Teil sehr schwere Verletzun­gen davongetragen. So schlug in dem Orte Gron- zowka der Blitz in eine Gruppe von 8 Kindern ein, von denen eines sofort getötet, die übriger» sieben schwer verletzt wurden. In der Nähe der Ortschaft Powursk (Wolhynien) wurde eine von einer Hebung heimkehrende Abteilung polnischer Soldaten von einem ungemein starken Gewitter

überrascht. Durch einen Blitzschlag wurden sechs Soldaten auf der Stelle getötet und wei­ter« sechs schwer verletzt.

Verkehrsunglück bei Belfort Zwei Tote, fünf Schweroerlehke.

Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich in einer kleinen Ortschaft in der Nähe von Belfort. Der Führer eines Kraftwagens, der sich abends auf der Heimfahrt befand, sah sich plötzlich zwei Radfahrern gegenüber, die ihm auf der falschen Straßenseite ohne Lampen entgegenkamen. Um einen Zusammenstoß zu ver­meiden, rieß er das Steuer herum, konnte es aber nicht verhindern, daß sein Wagen in eine Gruppe von etwa zehn Ortseinwohnern raste, die vor der Tür ihres Hauses faßen. Zwei von ihnen, eine ältere Frau und ein Kind, wurden auf der Stelle getötet, fünf andere erlitten fo schwere Ver­letzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Bei einigen der Verunglückten hat man ihres hohen Alters wegen jede Hoffnung auf­gegeben.

Verheerende lleberschwemmung in China. 200 lote.

Times" meldet aus Hongkong: In Kanton kam es infolge starker Wolkenbrüche zu großen Ueberschwemmungen. Schätzungsweise sind 2 0 0 Personen ertrunken, darunter 80 Insassen eines Altersheims.

Ein französisches Skrakosphärenflugzeug.

Ein eben fertiggestelltes Stratosphärenflugzeug der Firma Farman ist dieser Tage auf dem Flug­platz Tonssus-le-noble vorgeführt worden. Der Ap­parat sieht nicht anders aus, als ein gewöhnliches Flugzeug, nur ist die Kabine, in der der Pilot und ein Ingenieur Platz finden, hermetisch abge­dichtet. Der Motor ist mit Kompressoren versehen, von denen der erste bei einer Höhe von 5000 Me­tern eingeschaltet werden kann. Mit drei Kompres­soren könnte das Flugzeug theoretisch 15 0 00 Meter Höhe erreichen. Die Apparatur weist nicht weniger als 15 Thermometer und 15 Mano­meter auf, um das Funktionieren der Kompressoren und Kühler zu kontrollieren.

Merkwürdiger Unfall.

Ein Bäckermeister in Schwerin wurde von einem argen Mißgeschick betroffen. Er hatte den Hund eines Bekannten mit ins Schlafzimmer genommen und dem Tier für die Nacht ein Lager hergerichtet. Der Hund wurde durch das laute Schnarchen des Bäcker­meisters so aufgeregt, daß er ihm einen Teil der Nase a b b i ß und noch weitere erhebliche Diß- verletzungen beibrachte.

Riesige Betrügereien einer französischen Transportfirma.

Einem Millionenbetrug sind die Pariser Behörden auf die Spur gekommen. Die großen französischen Eisenbahngesellschaften haben die Ge­pflogenheit, den konzessionierten Transportgesell­schaften bei Worentransporten gewisse Tarifnach­lässe, teilweise bis zu 25 Prozent, zu gewähren.

Dies hat, wieMatin" berichtet, eine Pariser Transportfirma ausgenuht, um sich bedeu­tende Gew innedurch falsche Deklara­tionen und unrichtige Gewichtsangaben zu ver­schaffen. Es soll sich dabei um mehrere Millionen Franken handeln.

Kunst und Wissenschaft.

Reichs-Goelhe-Gedächtniswoche in Frankfurt.

Das deutsche Goethe-Gedenkjahr findet seinen Abschluß in der Goethe-Gedächtnis- Woche in Franksurt, vom 21. bis 28. August, mit einer Reihe bedeutsamer Festveranstaltun­gen. Den Höhepunkt erreicht die Gedächtniswoche am 28. August, dem Geburtstag Goethes; nach einer Kranzniederlegung iin Geburtszimmer Goe­thes wird der G o e t h e p r e i s der Stadt Frank­furt feierlich übergeben; der Preis fällt in die­sem Jahre an Gerhart Hauptmann. Es folgt eine Gedächtnisfeier auf dem Dömerbekg mit Ansprachen von Vertretern der Reichsregierung, der Stadt Frankfurt und der deutschen Dichter.

Die Bayreuther Festspiele 1933.

Die Vorarbeiten für die Festspiele 1933 sind im Bayreuther Festspielhaus jetzt zu vor­läufigem Abschluß gebracht worden. In gemein­samer Arbeit haben Frau Winifred Wagner, Generalintendant Tietjen und Professor Pree- torius alle Dekorations- und Kostümpläne für die Neuinszenierung desNibelungenrings" und derMeistersinger von Nürnberg" durchgeführt; die Entwürfe und Modelle sind fertiggeftellt. Pro­fessor Preetorius übernimmt nunmehr die Aus­führungsarbeiten in den Ateliers des Festspiel­hauses, damit die Herstellung sämtlicher Dekoratio­nen und Kostüme bis zum Winter beendet ist.

Professor Adelbert Niemeyer t-

Im 66. Lebensjahre ist der Professor an der Münchner Staatsschule für angewandte Kunst, Geh.- Rat Adelbert Niemeyer gestorben. Niemeyer kam von der Akademie in Düsseldorf nach München, wo er 40 Jahre wirkte, Landschaftliches und Figür­liches malte und seinerzeit Mitbegründer der Münchner Sezession war. Er hat auch auf großen Ausstellungen, u. a. in München, Brüssel und Paris, ausgestellt.

Greta Garbo

will die Stockholmer 6reuger-villa ersteigern.

Dagens Nnheter" zufolge beabsichtigt die Film­schauspielerin Greta Garbo die Villa des verstorbe­nen Zündholzkönigs Ivar K r e u g e r in den Stock­holmer Schären zu kaufen, die in den nächsten Tagen zur Versteigerung gelangt. Greta Garbo wird, der schwedischen Zeitung zufolge, in Schweden ein eigenes großes Filmatelier eröffnen.

Der Erbauer des Nilstaudammes bei Affuan f.

Nach einer Meldung aus Kairo ist der Ingenieur Sir William Willcocks, der den Plan f'lr den Nilstaudamm bei Assuan entwarf und aus­führte, an Lungenentzündung und Dysenterie ge­storben.

Der Entdecker des Rübenzuckers.

Zu Andreas Sigismund Marggrafs hundertfünfzigstem Todestage:

7. August 1932.

Don Dr. Franz Kittler.

Eines der wichtigsten unter den Erzeugnissen, die Deutschland auf eigenem Boden gewinnt, ist der Rübenzucker. Wir verwenden ihn als Nahrungs- und Genuhmittel zugleich, dient er doch ebensowohl dem Aufbau unseres Körpers, wie dazu, viele Speisen schmackhaft zu machen. Aus unserem Dasein läßt er sich kaum mehr weg­denken. Unbegreiflich erscheint es uns, wie man einst ohne ihn überhaupt zurechtkommen konnte. Wenn wir uns in die Art und Weise vertiefen, wie die Menschheit ihren Zuckerbedarf deckte, ehe Andreas Sigismund M a r g g r a f den Rüben­zucker entdeckte, kommen wir zu der Erkenntnis, daß es damit ziemlich schlimm bestellt war. Ins­besondere in den nordischen Ländern, wo der Körper zur Herstellung seines Wärmegleichge­wichts einer erhöhten Zufuhr gewisser Stoffe, darunter auch des Zuckers bedarf, muh man ihn sehr entbehrt haben. Das geht auch daraus hervor, daß immer wieder Versuche gemacht wur­den, diesen wertvollen Wärmespender aus den verschiedenartigsten Pflanzen zu gewinnen, die auf heimatlicher Erde wuchsen. Irgendwelche durchschlagenden Erfolge hat man bei Liesen Ver­suchen nicht erzielt. Deshalb behalf man sich nach wie vor in der Hauptsache mit dem Honig. Etwa mit dem 16. Jahrhundert beginnt die Ein­fuhr des Rohrzuckers aus Westindien und aus anderen Ländern nach Europa. Dieser Zucker war aber außerordentlich teuer. Nur sehr wohlhabende Leute konnten ihn sich leisten. Niemals stellte er ein allgemein gebrauchtes Nahrungsmittel dar. Seine Rolle war die eines Luxusgebrauchs. Die Begründung einer einheimi­schen Rübenzuckerfabrikation stellt aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht einen nicht zu unter­schätzenden Erfolg dar.

Der Mann aber, dem wir den Rübenzucker verdanken, Andreas Sigismund M a r g g r a f, ist nicht nur durch die Entdeckung des Zuckergehaltes der Runkelrübe berühmt geworden. In ihm sehen wir einen Chemiker, der auf den mannigfachsten Gebieten arbeitete und sich dabei von den starren Regeln der Schulwissenschaft frei zu machen ver­stand, was wesentlich dazu beitrug, ihn Neues finden zu lassen. Marggraf ist am 3. März 1709 in Berlin als Sohn eines Apothekers geboren. Er wollte sich gleichfalls der pharmazeutischen Wissenschaft widmen, studierte aber Medizin und Mineralogie. Don auswärtigen Universitäten kehrte er 1735 nach Berlin zurück, wo er zuerst bei seinem Vater arbeitete. Bereits 1738 er­nannte ihn die Preußische Akademie der Wissen­schaften zu ihrem Mitglied, 1754 zum Direktor ihrer physikalischen Klasse.

Im chemischen Laboratorium der Akademie der Wissenschaften hat Marggraf bis in sein hohes Alter gearbeitet, bis Krankheit ihn an jeder weiteren Tätigkeit hinderte. Es ist unmöglich, alles aufzuzählen, was er bei seinen Untersuchun­gen entdeckte. Durch ihn wurde der Beweis ge­führt, daß Alaunerde, (Bittererbe und Kalkerde, die viele für den gleichen Stoff hielten, ganz ver­schiedene Dinge sind. Die analytische Ehe­rn i e förderte er beträchtlich.

Sein größtes Verdienst aber war die ®nt- öedung des Zuckergehalts der Runkel­rübe. Das Bedürfnis nach zuckerhaltigen Spei­sen veranlaßte die Chemiker, nach neuen Zucker­quellen zu suchen. Viel kam dabei nicht heraus.

1586 entdeckt Barkoletti den Milchzucker. 1660 gibt Glauberein Verfahren an, um Zucker aus verschiedenen Pflanzen, vor allem aus dem weißen Mangold zu gewinnen. Aber auf alle diese Ar­beiten ließ sich keine Industrie gründen. Auch Marggraf stellt Zucker aus Birkensaft her und zieht ihn aus Rosinen aus. Aber er erkennt, daß auch damit noch nicht das Richtige gefunden war. Deshalb gibt er den süßen Stoffen, die er aus diesen Pflanzenteilen erhält, noch nicht den NamenZucker". Unermüdlich forscht er weiter. Dabei kommt er schließlich ai.f die Runkel­rübe, bei der er einen süßen Geschmack festzu­stellen vermag. Hier scheint also Zucker vor­handen zu sein.

Nach längeren Bemühungen gelingt es Marg­graf im Jahre 1747 wirklich, diesen aus der Rüber darzustellen. Er arbeitet ein Verfahren aus, nach dem größere Mengen eines ziemlich reinen Zuckers gewonnen werden können, und er sucht sogar dieses Verfahren noch dadurch be­sonders wirtschaftlich zu gestalten, daß er die ausgepreßten, aber noch zuckerhaltigen Neste der Rüben zur Erzeugung von Spiritus ver­wendet.

Damit war die Möglichkeit zur Begründung einer einheitlichen Zuckerindustrie geschaffen. Marggrafs Schüler Franz Karl Achard war es, der sich, auf den Arbeiten seines Lehrers weiterbauend, dieser Aufgabe widmete. Er ging dabei mit großer Umsicht vor. Die gewöhn­lichen Runkelrüben, wie sie damals an das Vieh verfüttert wurden, waren noch ziemlich zuckerarm. Deshalb versuchte Achard sie durch Züchtung mit Zucker anzureichern. Das gelang ihm auch. Ferner verbesserte er die von Marggraf angegebenen Verfahren zum Auspressen des Zuckersaftes aus der (Rübe. Dadurch wurde es möglich, die Aus­beute etwas zu steigern und soviel Zucker zu er­halten, daß man an den Bau von Fabriken gehen konnte. Die erste Fabrik, die Achard er­richtete, war nur klein, da ihm keine Geldmittel zur Verfügung standen. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts konnte Achard eine größere Fabrik erbauen. Jetzt setzte der Kampf gegen den Rübenzucker ein, der mit größter Er­bitterung geführt wurde. Auf der einen Seite kämpften die großen Häuser, die den Rohrzucker einführten, auf der anderen Achard, allein und auf sich selbst gestellt. Vielleicht wäre er unter­legen, hätte nicht die von Napoleon an­geordnete Kontinentalsperre die Ein­fuhr des ausländischen Rohrzuckers überhaupt unterbunden.

Jetzt erst erkannte man. was man an dem ein­heimischen Rübenzucker hatte und welche Ver­dienste sich Marggraf durch seine Entdeckung erworben hatte. Ohne die Arbeit dieses großen Chemikers hätte man jahrelang auf Den Zucker verzichten müssen. So aber stand in ihm ein billiges Nahrungsmittel zur Verfügung, das in unbeschränkten Mengen gewonnen werden konnte und wirtschaftliche Vorteile brachte. Große Zuckerfabriken wurden gebaut. Die deutsch« Zuckerindustrie begann sich zu entwickeln. Als die Kontinentalsperre aufgehoben wurde, war die- Fabrikation bereits so bedeutend geworden, und man hatte den einheimischen Zucker derart schätzen gelernt, daß der eingeleitete Aufschwung sich weiter fortsehte.