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Nr. 4 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
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französischen Mgeordneten Margaine und Pezet haben in der Pariser Kammer die Aufgabe erhalten. in der Oeffentlichkeit für den Gedanken einer österreichisch-ungarischen Zollunion als Vorläufe- rin einer Donauföderation zu werben.
Paris hat eS verstanden. Rumänien und P o l e n durch Abschluß des Nichtangriffspaktes mit Moskau nach Osten hin zu entlasten, und diese Staaten sollen dann mithelsen, den Plan der Donauföderation zu verwirklichen, indem fie ihre ganzen Kräfte gen Westen wenden. Der innere Grund dieser sicherlich größten Aktion der Nachkriegszeit in Europa ist, darüber kann kein Zweifel herrschen, die Einkre isung Deutschlands mit dem Hintergedanken, Italien gründlich „übers Ohr zu hauen". In Rom ist man natürlich inzwischen keineswegs untätig gewesen, und niemals hat der Gedanke einer Balkan- f öd e r a t i o n mehr Anklang in Rom gesunden als heute. Die Konferenzen von Athen und Konstantinopel. die Forträumung der jahrhundertealten Gegensätze zwischen Griechenland und der Türkei, sowie der erste, schüchterne aber durchaus glückhafte Versuch, die Minderheitenfrage am Balkan zu lösen und eine Zollunion aller Balkanstaaten zustande zu bringen, das alles hat den Weg freigelegt, um so etwas wie einen Zusammenschluß der Länder im klassischen politischen Wetterwinkel Europas seiner Vollendung näherzubringen. Die Türkei, die heute an Europa nicht mehr interessiert ist, wird dabei der n a - türlicheMittler, und es kommt jetzt daraus
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Budapest, Dezember 1931.
Als die Pläne DriandS von' einem P a n - europa der verewigten Friedensdiktate an ihren eigenen Stacheln zu Tode gekommen waren, glaubte Mitteleuropa den Weg frei für einewirtschaftSpolitischeDe- f r i e d u n g des Kontinents. Aber die Art, in der eine ausgehehte Meute unter französischer Füh- rung die deutsch - österreichische Zollunion untergrub, ließ die starren Gegensätze, die Politiker mit rosaroter Drille bereits verschwunden glaubten, stärker denn je hervortreten. Paris hatte sich aber nicht damit zufrieden gegeben, das Zollunionsprojekt zu vereiteln. Man erinnert sich, wie die überstürzten französischen Abzüge eine vernichtende Finanzkrise in Oesterreich — als Vorspiel für die folgenden entsprechenden Ereignisse in Deutschland — hervorriefen. Ein Trommelfeuer auf die österreichischen Finanzen setzte ein, Erpressungen am laufenden Band waren an der Tagesordnung, und heute, an der Jahreswende, steht Wien inmitten von währungs- und wirtschaftspolitischen Gefahren aller Art. verhängt die österreichische Rationalbank eine Ausreisesperre als Zeichen höchster valutarischer Rot.
Frankreich hat inzwischen seine Hände nach den österreichischen Bundesbahnen ausgestreckt und macht auch Miene, au einem gegebenen Zeitpunkt die österreichische Post zu schlucken, während der Goldfranken längst Eingang in die heimische Industrie des früheren Kaiserreiches gefunden hat. Zu welchem Zwecke das alles geschieht, darüber ist heute ein Zweifel nicht mehr möglich. Frankreich betreibt stärker denn je den Gedanken einer Zollunion imDonauraum, und es will auf diese Weise
an, ob die Donauföderation oder der Balkanbund eher zustande kommt. Geschieht das letztere, so wird die österreichisch-ungarische Zollunion ge en- standslos und schicot sich zu ihrem eigenen Verderben zwischen Deutschland und den europäischen Südosten. Ersteht jedoch die Dvnausöderation eher, dann wird es schwer halten, S ü d s l a w i c n und Rumänien für den Dalkanbund zu gewinnen. Wirtschaftlich, geopolitisch sind beide Staaten an den Balkan gebunden. Aber die Militärkredite kommen aus Paris. Man befindet sich also zwischen zwei Feuern, und es hat ein wirtschaftspolitischer Wettlauf zwischen der Moldau und dem Bosporus eingesetzt, ein Wettlauf, der über europäisches Schicksal im allgemeinen und über das Schicksal Deutschlands im besonderen entscheiden dürste
Rußland spielt inzwischen auf eigene Rech» nung. Es schließt mit Frankreich, Polen und Rumänien Freundschaftspakte, sendet jedoch leitende Staatsmänner nach Angora, um das schon lange bestehende Bündnis mit der Türkei zu erhärten. Es streckt leine Fühler sowohl in die Richtung einer Donausöderation wie auch in die eines Dal- kanbundes aus. Es seht aufbeideFelder. um in jedem Falle gewinnen zu können. Wo Deutschlands und Oesterreichs Interessen liegen, das ist zu klar, als daß es noch im besonderen ausgesührt werden muß. Eine wirtschaftliche und polit.sche Befriedung Europas, vor allem des Kontinents, kann nur vertikal, niemals horizontal erfolgen. Deutschland hat seinen vor- gezeichneten Weg nach dem Südosten zu nehmen, und der Südosten muß sich, wenn er der wirtschaftlichen Vernunft folgt, nach dem Rord- westen wenden. Eine Donausöderation versperrt natürliche Ventile, auf ihrem Wege liegen die Leichen Oesterreichs und Ungarns.
Unionsträume zwischen Moldau und Bosporus
Don unserem ä. 3.-Berichterstatter.
den Gedanken der Donauföderativn auf- neue auf leben lassen.
So wie man Oesterreich zu Leibe rückte, so hat man es ja auch mit Ungarn gemacht. Der Sturz der Regierung B e t h l e n ist auf französische Initiative hin erfolgt, und wenn jetzt, zu Ende des Jahres, die bereits seit längerer Zeit in der ungarischen Oeffentlichkeit behandelte Frage eines Transfermoratoriums spruchreif geworden ist, so offenbart das die Währungsnot, die auch in Budapest herrscht, beweist daS, daß auch Ungarn die Macht des französischen GoldeS au fühlen bekommen hat. Hand in Hand mit diesen wirtschaftlichen und finanziellen Vorbereitungen geht natürlich die politische Intrige. Es gibt heute einen Ungarn, den man alS politischen Reisenden in Sachen Dvnausöderation ansprechen kann. Es ist kein anderer als Herr H a n t o S, dessen Aufgabe es ist, in Italien, Frankreich und Deutschland vorzufühlen, wie man sich dort gegenüber einer Zollunion der Rachsolgestaaten der österreichisch ungar schen Monarchie verhielte Herr Hantos war natürlich auch in Prag und in Wien. Der Plan, der hier erwogen wird, sieht ungefähr so aus? Eine Zollunion zwischen den Rachfolge- ftaaten erscheint gegenwärtig Italien untragbar, da es da in eine Stärkung der Kleinen Entente erblickt. Darum will man vorerst es mit einer österreichisch - ungarischen Zollunion versuchen, wobei Wien die Aufgabe erhielte, in Paris das politische Terrain zu klären und Budapest entsprechend in Rom wirken soll. Roch im Januar will man überdies in Brünn eine Konferenz der Rachfolgestaaten zusammenberufen. Der Präsident der österreichisch- ungarischen Handelskammer, Alfred Gergely, hat im Oesterreichischen Club in Wien über diese Konferenz verschiedene Einzelheiten mitgeteilt, und die
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I. H. Thomas (X), der Minister für die Dominions und frühere Führer der Eisenbahnergewerk« schäften, eröffnet mit dem Ablassen eines Expreßzugs den großen englischen Werbefeldzug für den Kauf einheimischer Waren. Der Zug trägt die Aufschrift: „Kauft englische Waren!" und soll alle größeren Orte Englands berühren.
Zch hab dir verzieh«!
Roman von (SlotilOe von Stegmann-Stein.
Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.
9 Fortsetzung Nachdruck verboten
Birgit hob ihren Kopf und sah dem Vater mit einem ernsten und doch strahlenden Lächeln in die Augen.
„Gerade das ist es ja, lieber Vater, was mich an Hans Egon so bezaubert hat. Seine fröhliche, unbeschwerte Art hat mich selbst, seitdem ich ihn kenne, zu einem anderen Menschen gemacht. Vielleicht sind die Frauen aus der Familie Sibelius etwas zu schwerblütig für das Leben, vielleicht ist es eine gütige Fügung, daß leichter und schwerer Sinn jetzt durch die Liebe ihren Ausgleich finden sollen?"
Der Konsul unterdrückte einen Seufzer.
„Wenn es so steht, meine Birgit, so bleibt mir Nichts anderes übrig, als mich zu fügen, ich tue es schweren Herzens. Jedoch, es ist dein Leben, und du mußt es nach deinem Willen leben. Du nimmst eine schwere Verantwortung auf dich, für deinen Erwählten, wie auch für dich selbst. Roch erscheint dir die Zukunft als ein strahlender Elücksgarten — aber eine Birgit Sibelius mutz auch in Sturm und Hagelfchlag den einmal beschrittenen Weg in Treue zu Ende gehen. Der Segen deiner Eltern ist mit dir. Solange noch ein Atemzug in meiner Brust ist, hast du an mir einen Berater und Beschützer. Aber merke, immer wird es der Weg der Pflicht fein, den ich dir weifen werde, und sollte dieser Weg auch dornenvoll sich gestalten. Ich werde also Graf Rauenstein freute abend noch mitteilen, daß ich ihm dein Jawort gebe.“ % _
Birgit beugte sich über die Hand des Vaters, Tränen des Glücks stürzten ihr aus den Augen.
Der erste Schnee war über Rächt gefallen. Auf dem Kirchhof von Sankt Marien lagen dicke, weiße Hauben, die Rosetten .an der Rathausfasfade leuchteten wie schneeige Rosen aus der dicken Umhüllung. Aus dem Marktplatz fuhren schon die ersten Schlitten des Landadels vor, der nun zu einer Sitzung im Kreistag gekommen tont. Die ganze Stadt war wie weiß verzaubert. Die alten Giebel schienen sich unter der Last des dicken Schnees noch tiefer zu neigen, an den Bürgersteigen häuften sich die rafch zusammengefegten weihen Mauern, hinter benen die Kinder mit lautem Jauchzen die ersten Schneeballfchlachten begannen.
Vor dem Hause des Konsuls Sibelius hielt ein kleiner hellblauer Schlitten, der das Entzücken der Sttahenjugend hervorrief. Es war der be
rühmte Rauensteinfche Damenfchlitten, den Hans- Egon zum ersten Male feit dem Tode der Mutter aus der Remise hatte ziehen lassen. Der Schlitten hatte die Form eines großen Schwans, der auf schlankem Halse stolz feinen Kopf mit silbernem Schnabel trug. Die Pelzdecken im Innern des Schlittens lagen achtlos hingeworfen auf dem schmalen Sitz, auf dem nur zwei Personen Platz hatten. Der Schimmel vor dem Schlitten wieherte lustig in die klare, kalte Winterluft und schüttelte sich von Zeit zu Zeit, daß die Schellen an Hals und Rücken fröhlich aufklangen.
Hans Egon war zwei Stufen auf einmal hinaufgeeilt in das Haus der Sibelius' und hatte sich bei Birgit melden lassen. Aber auf der obersten Treppenstufe des Hauses kam sie ihm schon entgegen. Hans Egon mußte sich gestehen, daß sie wirklich reizend aussah. Sie trug einen hellgrauen Fehmantel, aus dem ihr jetzt rosig angehauchtes Gesicht unter der kleinen silber- grauen Pelzkappe wie eine Frühlingsblüte hervorschimmerte. Mit einem Iubellaut eilte sie bei Hans Egons Anblick die Treppen hinunter, daß die kleinen, grauen Pelzschuhchen klapperten. Er fing fie lachend in feinen Armen auf und drückte einen heißen Kuß auf ihre frischen jungen Lippen.
„Soll ich meine kleine Schneekönigin hinaus- tragen auf meinen Armen in die weiße Wunderwelt?"
Und er machte Miene, Birgit auf feinen Armen durch die Halle zur Tür zu tragen. Sie wehrte errötend und lachend ab:
„Um Gottes willen, Hans Egon, wenn das unsere jungen Leute im Kontor sehen! — was sollen sie denn denken?"
„Was sie denken sollen? Daß ich dich in Wahrheit auf Händen trage, meine süße Schneerose. Aber" — er lieh sie sanft und behutsam aus seinen Armen gleiten — „keine Angst, ein Rauenstein weiß, was er der Oeffentlichkeit schuldig ist; wir müssen uns genau so würdevoll benehmen, wie es unsere Urahne gemacht hat, wenn sie m diesem Schlitten zur Stadt gefahren ist."
Birgit glaubte sich im Märchen, als der Schlitten, von Hans Egon gelenkt, lautlos durch die Sttahen glitt. Selig lachend nickte fie den Bekannten zu, die dem phantastifchen Gefährt nachblickten.
Als die verschneite Stadt hinter ihnen lag, breitete sich das makellose Weiß der stillen tointer- lichen Ebene vor ihnen aus. Dicke weihe Trauben von duftigem Schnee hingen an den letzten Büscheln der Ebereschen. Bei jedem Windstoß stäubte es silberweiß über die Allee, durch die der Schlitten sauste.
Lustig tlingelten die Schellen am Halse des Schimmels und vermischten sich mit dem silberhellen Lachen, das immer toieber aus Birgits Munde ertönte, wenn ein übermütiges Scherzwort ihres Verlobten an ihr Ohr klang.
Warm und weih sah sie, eingekuschelt in ihren Pelz und in ein großes braunes Bärenfell, an- geschmiegt an die Seite des Geliebten, der sich ab und zu zu ihr herniederbeugte, um mit einem leichten Kuh ihre glühende Wange zu streifen.
„Hätte ich nur die Hände ein wenig frei", sagte Hans Egon, „dann würde ich mich nicht begnügen mit diesem sanften, zagen Kusse, bann würde ich dich in meine Arme nehmen und dich küssen, so, wie es mein Herz verlangt. Aber warte nur, in einer Viertelstunde sind wir im Schlosse Tannenaue, dann hole ich nach, was ich mir hier versagen muh. Hoffentlich wird mein gestrenger Herr Bruder uns auch einmal ein paar Augenblicke alleinlaffen.“
Birgit fragte ängstlich:
„Wie ist eigentlich dein Bruder? Rach deinen Schilderungen fürchte ich mich fast ein wenig vor ihm."
Hans Egon zuckte leichtsinnig mit den Achseln:
„Ach was, fürchten? Ein etwas steifleinener Tugendbold ist er, weiter nichts. Hat nichts anderes im Kopse wie Milchwirtfchaft, Ackerbau und Getreide-Vermahlen. Frauen fieht er überhaupt nicht an. Ich wette, er hat im ganzen Leben noch kein zärtliches Wort mit einem weiblichen Wesen getauscht. Der richtige Hagestolz, wie er im Buche steht."
„Merkwürdig", sagte Birgit sinnend, „zwei Brüder und zwei Welten."
„Das ist nicht so verwunderlich, wie es dir scheint. Wir haben wohl denselben Vater, aber nicht dieselbe Mutter. Und Bruder Friedrich konnte sich mit meiner fröhlichen Mutter, die lebte und leben lieh, niemals verstehen. Uebrigens war er mein Vormund und hat als solcher immer verfucht, mich zu feiner schweren Lebensauffassung zu bekehren. Aber Gott fei Dank, das ist ihm nicht gelungen.“
„Wie wird er mich nur da empfangen?" meinte Birgit zaghaft. „Hätten wir nicht doch lieber mit unserem ersten Besuch warten sollen, bis Vater aus Schweden zurückgekommen und uns hätte begleiten können? Du hast mich mit unserem heutigen Ziel der Schlittenfahrt ein wenig überrumpelt."
„Bereust du es?" flüsterte er heih. „Ist nicht dieser Tag wie geschaffen zu einer winterlichen Drautfahrl? Geniehe den Tag! Laß alle Bedenken fort! Man muh die Feste feiern, wie sie fallen!"
Sie sah ihn mit drolligem Ernst an:
„Ich sehe schon, ich werde immer die Besiegte sein.“
„Eine echte Frau wünscht sich auch nichts anderes, und ich glaube, wenige Frauen sind heutzutage so echt weiblich in höchstem Sinne wie du, meine sühe Birgit. Aber schau, da leuchten schon die Türme von Schloß Tannenaue."
Er drückte einen Kuß auf ihre Lippen:
Mittwoch, 6. Zannar 1952
Oberbeffen.
Landkreis Gictzcn.
U Großen-Linden, 5. Ian. Der Gesangverein „Germania" hielt am Sonntag seine Hauptversammlung ab. Der 1. Vorsitzende W. Wenzel erstattete den Jahresbericht. Die vom Dercinsrechner H. D o p s vorgetragene Rechnungsablage wies an Einnahmen 945 Mk.. an Ausgaben 1160,10 Mk. auf. Die Mehrausgabe von 215,10 Mk. wurde aus dem Vereinsvermögen gedeckt. Der Verein zählt zur Zeit 307 Mitglieder (230 zahlende und 77 Ehrenmitglieder). Die fatzungsgemäh ausfcheidenden Vorstandsmitglieder L. Faber. H. Bernhard und L. L u h wurden wiedergcwählt.
< E b e r ft a b t. 5. Ian. Am Silvestertage 1931 würbe ber Veteran von 1870 71 Ioh. Weil zu Grabe getragen. Der Verstorbene war 84 Jahre alt. Er war Mitbegründer unb langjähriger Vor- fitzenber bes hiesigen Kriegervereins unb batte verschiebens Ehrenämter in ber Gemeinbe inne. Der Greis war eine allgemein geschätzte unb geachtete Persönlichkeit. — Am gleichen Tage konnte ber letzte Veteran von 1870 71 in unserem Dorfe, Herr Phil. G ö r l a ch l., in voller geistiger unb körperlicher Frische seinen 84. Geburtstag feiern. Dem Jubilar wurden zahlreiche Glückwünsche zuteil. Der 84jährige gab seinem verstorbenen Kameraden das letzte Geleit. — Im Jahre 1931 sind in unserer Gemeinde nurLeuteimAlter von und über 80 Jahren gestorben. Cs waren folgenbe Personen: A. E. Bu ß (80 I.), Gg. G ö r la ch I. (80 I.), Ioh. Weil (84 3.), Ioh. Görlach I. (81 I.) unb Elise Eich (85 3.). Zur Zeit leben noch fünf Personen in unserer Gemeinde, die über 80 3ahre alt finb. Es sinb bies: Heinr. Buß I., Anna Elise Buß unb Phil. Görlach mit je 83 Jahren, Elise Alles unb Anna Elise Vorbach mit je 80 Jahren.
OO Muschenheim, 5. Jan. Am letzten Tage bes alten Jahres zog Lehrer Karl Lehr (seither in Gammelsbach) hier ein. Beide Lehrerstellen unserer Schule sind nunmehr wieder endgültig besetzt. Man hofft, daß damit der in letzter Zeit häufige Lehrerwechsel ein Ende gefunden habe. Lehrer Lehr ist für die 2. Klaffe innerhalb kurzer Zeit schon der 6. Lehrer.
ch L i ch, 4. Jan. Der hiesige Kriegerverein hielt bei Kamerad Ludwia Vogt seine Hauptversammlung ab. Die schon lange bestehende Kasse zur Unterstützung bedürftiger und kranker Kameraden ist genötigt, ihre Unterstützungssätze herabzu- setzen, es sollen in Zukunft nur 25 Mark pro Jahr und Mitglied gewährt werden. Ferner beschloß man, am Sonntag, 17. Januar, in der Turnhalle ein Militärkonzert zu veranstalten. Es soll von der Gießener Militärkapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße ausgeführt werden. Der Verein zählt heute rund 140 Mitglieder und wird von Stadtrechner Häuser als erstem Vorsitzenden geleitet
—/— Lich, 5. 3an. Der Volksbildung s- verein veranstaltete am Sonntagabend im hiesigen Gemeindesaal einen sehr gut besuchten V o r- tragsabend zum Besten der Licher Winterhilfe. Architekt Spahr, ein gebürtiger Licher, führte die Zuhörer im Geiste nach Ekuador, wohin der Redner im Jahre 1925 in seiner Eigenschaft al- Architekt berufen wurde. Auf Grund seiner Eindrücke während seines mehrjährigen Aufenthaltes schilderte er Land und Leute jenes Staates, der ungefähr die Größe Deutschlands hat, aber nur 2,5 Millionen Menschen als Einwohner zählt. Die Geschichte des alten 3nkareiches, die Besitzergreifung des Landes durch «Spanien, die Selbständigmachung im 3ahre 1830, ber ungeheure Reichtum des Landes an Bodenschätzen, Waldungen und Früchten, die landschaftlichen Schönheiten, ber Panamakanal u. a. m. erstanden in Wort unb schönen Bildern
„Willkommen, mein Lieb, auf Rauensteinschem Grund."
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3n dem großen Kamin der Halle des Schlosses loderte ein großes Buchenfeuer. Zart und schmal und etwas ängstlich stand Birgit Sibelius untefl dem hochgewölbten Portal.
Hans Egon sah sich suchend um.
Da tonte aus dem halben Dämmer, den die Geweihlichterkrone nur mäßig erhellte, eine dunkle Männerstimme an Birgits aufhorchendes Ohr.
„Darf ich Sie begrüßen, Schwägerin?“
Birgit unterdrückte mühsam einen Ausruf.
Diese Stimme kannte sie — schon einmal hatte sie dieselbe vernommen, und im nächsten Augenblick wußte sie auch, wo!
Sie reichte Graf Friedrich, der vor ihr stand, so herzlich unb impulsiv die Hand, daß Hans Egon erstaunt unb mit leisem Mißmut nähertrat:
„Kennt ihr euch benn?“ fragte er.
Das freudige Leuchten, das im ersten unbewachten Augenblick über die ernsten Züge des Grafen Friedrich geglitten war, erlosch.
„Wir kennen uns", sagte er leise und schwer. Er ließ Birgits Hand fallen und trat mit einer ungeschickten Bewegung zurück.
Ehe Birgit noch etwas erklären und ehe Hans Egon fragen konnte, kam jetzt hinter dem Grafen Friedrich Mamsell Stülpnagel hervor, strahlend unter ihrer weihen Haube. Ihre frisch gestärkte Schürze knitterte, als sie sich jetzt vor Birgit Sibelius verneigte.
Hans Egon wollte mit einem kurzen Ricken an der alten treuen Dienerin vorüber. Da trat Gras Friedrich wieder hervor unb sagte mit gepreßter Stimme zu feinem Drüber:
„Willst du beincr Braut nicht unsere alte treue Fielen vorstellen?"
Aber Birgit kam ihrem Verlobten zuvor. Mit lieblichem Lächeln reichte fie ber Braven bie Hand:
„Ich freue mich, Mamsell, Sie kennenzulernen, und ich sehe es Ihrem Gesicht an, daß wir beide bestimmt gut Freund miteinander sein werden.“
Strahlend erwiderte Mamsell Stülpnagel den herzlichen Händedruck. Birgit Sibelius hatte schon in ber ersten Stunde ihr Herz gewonnen.
„Führen Sie das gnädige Fräulein hinaus in das Gastzimmer, Mamsell!" gebot Graf Friedrich. Er wandte sich steif an Birgit:
„Wir dürfen Sie wohl in einer Viertelstunde unten zu einem kleinen Imbiß erwarten!?“
Birgit nickte etwas befangen und folgte der Wirtschafterin in das obere Stockwerk.
Lächelnd, mit einem Schlager auf den Lippen, sah Hans Egon der zierlichen Gestalt nach, bie eben um die Biegung bet großen Treppe verschwand.
„Run", wandte er sich herausfordernd an den Grasen Friedrich, „sage selbst, habe ich nicht einen guten Griff getan?“ (Fortsetzung folgte


