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Aus der provinzialhauvistadt.

Gießen, den 5. März 1932.

schöne E>onntags-(Segenwärtigkeii.

Don Reinhold Braun.

Dein Sonntag fei voll knospe und Blüte! Dann wirst du mit Früchten gesegnet fein.

Au» tiefen Bronnen".

Das Leben unserer Tage verlangt von uns star­ken Gegenwartssinn. Das Sichere. Geleishaste ver- gangener Zeit wird eine immer fernere Sage ...

Nur die Grundhaft.Gegenwärtigen werden Mei­ster des Lebens bleiben. Aber dazu gehört auch ein gut und brav gelebtes Stück Sonntaaskunst, und die oefteht zu allererst in der grundhasten Gegenwär­tigkeit.

Der Alltag will, daß wir ihm dienen, der Sonn­tag. daß wir uns von ihm dienen lassen! Dazu wird von ihm das Stillehalten, das schöne Bereit- fein unserer Seele gefordert.

Arg schnitt es mir ins fier3, als an einem Sonn- lagabenb einer meiner Jungen, noch ein Kind, sagte:Wer mag heute wieder totgeschlagen oder verwundet worden sein!" Er meinte damit den Kampf politifcher Gegner.

Oft es nicht etwas sehr Trauriges, wenn eines Kindes Seele solches an dem Tage empfindet, der dazu bestimmt ist, Frieden zu schenken, Freude und Aufatmen?

Man kann über diese Tatsache nicht ernst genug Nachdenken ...

Man vergegenwärtig« sich einmal die Zahl der Todesopfer und der Schwerverwundeten an den Sonntagen deS letzten IahreS! Wieviel hoff­nungsreiches Leben muhte zu Grabe getragen werden, wieviel« erlitten schweren Schaden, viel­leicht für immer! Wohin sind wir als deutscheS Dolk mit unseren Sonntagen gekommen?

DaS ist mehr als eine Frage! DaS ist Ruf inS Gewissen der Ration! Wenn wir unfern lieben deutschen Sonntag nicht mehr heilig zu halten verstehen, so muh daS als ein Zeichen deS Ver­falls angesprochen werden.

DaS ist ein hartes Wort, ist aber die Wahr­heit! Unb bem Sonntagsschreiber will eS schwer über die Lippen!

Wenn wir unfern Feiertagen ihren Sinn neh­men, nehmen wir unserm Leben überhaupt seinen Sinn und rauben unkerm Dasein einen Teil seines Wertes.

Oeffnc deine goldnen Tore.

Tag, der du die Ruhe bist!

Zeig' du unS di« ewigen Verge, da der Seele Heimat ist!

So lautet eines meiner Frühgedichte an den Sonntag... Mutet daö nicht heute an wie ein Wort:QIuS dem Märchen vom Sonntage?" 11 nb geht e- unS nicht ebenso, wenn wir bie Donn- tagSbildcr unseres Ludwig Richter anfchauen! Fürwahr, wohin sind wir gekommen!

Zertrümmerung des Sonntag- ist einS mit Zer­trümmerung deS Herzstückes unserer deutschen Kultur!

'egen der Wille zum Sonntag und seiner H eit ist Ausdruck deS wahren Kulturwillens ur. «Sienigen zur Kraft, zu der Hoh.it deZ freien,

fröhlich-bereiten Gemütes und deS edelbefchwing- ten Geistes.

Rur wenn solcherweise wieder SonntogS-Ge- gentoärligleit gelebt wird, erhebt fich "da- Leben von selbst auf die Ebene feiner wahrhaften Würde!

Steigerung, Vertiefung unserer deutschen Feier- tagSgegenwärtigkeit bedeutet Kraftgewinn für die schweren AlltagS-Ausgaben.

Rur wenn wahre, schöne Menschlichkeit wieder Zierde und Ziel unseres deutschen Sonntags wird, wenn die Seele wieder herrscht und nicht mehr die Faust, wenn Liebe sich wieder frei entfallen und bewegen kann und nicht mehr Haß und Roheit blindlings wüten dürfen, dann erst haben wir wirklich den Weg zu einem neuen .Bergauf" be­treten! Rur ein echte- Sonntagsvolk kann ein echte- Wertvoll sein! Rur wo frohe, lebendige Sonntags-Gegenwärtigkeit waltet, wird die Zu­kunft nicht der Quellen entbehren!

Ein Wort zur Zeit.

Don (Stobtbauraf Gravert, Vorsitzendem des Oderhefsischen Kunftvereins.

Der Oberhessische Kunstverein, Sitz Gichen, hat seinen Jahresbeitrag für 1932 auf 4 Mk. herab- gefetzt, einmal, um den veränderten Verhältnissen zu folgen und ferner, um den KreiS feiner Freunde nicht nur zu erhalten, sondern noch zu erweitern. Gerade in einer so schweren Zeit wie der heutigen, in der auch die Zusammenbringung von Ausstellungen auf erhöhte Schwierigkeiten stöbt und in der ein Kunstverein ganz besonders bestrebt sein muh, Abwechselung und Anregung zu bringen, bedarf er nicht nur der Treue seiner alten Mitglieder, sondern einer noch breiteren Dosis von Freunden und Anhängern. Das wiederholt geäußerte anerkennende Interesse auch von Richtmttgtiedern gibt dem Vorstand immer wieder den Anstoß, alle Wege zu betreten, die Aussicht bieten, die Liebe zu Kunst und Künstler in immer weitere Kreise zu tragen. Dadurch will er daran mithelsen, bah das oft gebrauchte Wort Kunst tut not" nicht nur in die Ohren, sondern in möglichst viele Herzen bringt. Denn so leistet ein Kunstverein Dienst am Volke in bester Form. Diese Aufgabe kann er aber nur erfüllen, wenn ihm von seinen alten Mitgliedern die Treue Sehalten wird und neue Freunde nicht auf den intrittsbetrag. sondern auf den inneren Wert der geleisteten Arbeit sehen.

Aber noch einS: Richt nurKunst tut not", sondern noch schwerer:Kunst hat Rot!" Die wenigsten wissen darum; b.e wenigsten kennen die äußere und innere Rot unserer Künstler. Denn wo bleibt der Kampf, der Wettbewerb, wenn die Aufgaben fehlen. Als 1911 die Aus- schreibung für daS Dismarckdenkmal bei Binger­brück alS Reichsehrenmal erlassen wurde, gingen fast 400 Entwürfe ein. Und heute?! 2500 Ent­würfe für das Reichsehrenmal bei Berka. Sollten nicht diese Zahlen genügend sprechen?! Wievicle Maler, Bildhauer und Architekten haben hier nach Ideen gesucht und wie wenige von ihnen werden bei dieser Zahl der Mitbewerber Aus­sicht auf Erfolg haben.

Doch jedem Helsen kann man nur, wenn jeder hilft. Denn heute schafft nicht einer alles, aber viele etwas. Wir brauchen die Kunst und die Kunst braucht uns. Deshalb bleibt nur einS:

Treue um Treue!

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag Deutscher Pfadfmderbund Horst Gießen: 20 Uhr, Reue Aula Bündifcher Lingabend. - Artillerte- verein: 20.30 Uhr, ..Hessischer Hof . Monats- Derfammlung. 1. Rcichskurzfchrif tgesellschaf t: .Stadt Cid). Verein-abend. Kurzschrift-Ver­ein von 1861: Lase Ebel. Dereinsabend.- L chttpielhau- Bahnhofstraße:Primanerehre"; 22.45 Uhr, . Strafbare Ehen". - Astoria-Licht- fpiele: . Dandltenlied".

^agcsfalcnbcr litr Sonntag. Stadttheater 15 45 bis 18 00 Uhr. ..Wilhelm Teil" <Schüler-Vorstellung': 19.00 bis 21.15 Uhr. ..Die drei Zwillinge". - Oberhessifcher Kunst - verein. Turmhaus am Brandplay. 11 bi- 13 Uhr, Frühjahrs-Kunstausstellung - Gießener Tur- verschalt: Reue Aula, 10 Uhr, Feier aus Anlaß deS 100. GauturntageS. Deutsch-Edristl. Tech­nikerbund Herberge zur Heimat. Konferenz. An­fang 9 30 Uhr; 17 Uhr, Lichtbildervortrag über

Stimmrecht sichern!

Wie bei jeder politischen Wahl, so dürfen auch bei der Reidjspräfi&cnlenroaßl am 13. Zllärj nur d ie Personen über 20 Jahre wählen, deren Hamen in der Wählerliste verzeichnet sind.

Zur Sicherung des Stimmrechtes ist es er­forderlich, daß alle rechtzeitig die

Wählerliste einsehen!

Die Wählerliste liegt in Gießen von Donners­tag, 3. März, bis einfchi. Sonntag, 6. März, werk­tags von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, am Sonntag, S. März, von 9 bis 13 Uhr, im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 13, zu jedermanns Einsicht offen.

Amerika im Lichte moderner Technik". Licht­spielhaus Bahnhofstraße: 11.15 Uhr,Kampf um die Mandschurei"; ab 15 Uhr,Primanerehre". Astoria-Lichtipiele:Danditenlied".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 15.45 6.8 18 Uhr, SchickersWilhelm Teil' a!S Schülervorstelung zu Heinen Preisen. Schülerpreise. Dieselbe Vor­stellung findet zum letztenmal am Sonntagnach­mittag, gleichfalls um 15.45 Uhr statt. Spiel­leitung Peter Fassott. Sonntag, 6. März, zum letztenmalDie drei Zwillinge", Schwank von Toni Impekoven und Karl Mathern. Als Frem­denvorstellung zu ermäßigten Preisen. Seit der Erstaufführung immer wieder Lachstürme! Das beste (Donntag.-fcrgnügcn, daS man fich machen kann. Ende 21.15 Uhr. Dienstag. 8. März. Erstaufführung des Lustspiels Vater sein dagegen sehr!"

Kampf um die M a n b f d) u r e i. Das Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, veranstaltet In Ver­bindung mit dem Goethe-Bund am morgigen Sonn­tag, 11.15 Uhr, wieder eine Kulturfilm-Vorstellung, die einen Ton» und Sprechsilm bringt, der das Ver­ständnis für die Vorgänge im Fernen Osten zu för­dern imstande sein dürfte. Der Bildstreifen zeigt das

moderne Japan, daß sich trotz aller Zivilisation seine Eigenheiten bewahrt hat, gestattet einen Blick in Religion und Kunst des In'eloolke» und läßt da- durch manches oerftänblid) werden, was bisher fremd war. Er bringt weiterhin Bilder von China, zeigt die Oroßartigfcit der chinesischen Landschoit, das Unergründliche »einer Menschen und das Delent- lichste aus dem ältesten lebendigen Äulturfrtis. Näheres ist aus der Anzeige vom Donnerstag er­sichtlich.

Der Bauerfchc Gesangverein wird SamStag. 12. März, fein erste- Konzert unter seinem neuen Dirigenten Dr Stefan lerne 8- vorn geben. Die VortragSsoige umfaßt fo schreibt man unS eine Anzahl gediegener Werke auS der Männerchor-Literatur. Zu Obren von Goethes 100. Geburtstag werden drei Gedichte von Goethe gefunden werden, in der Vertonung von Reichardt, Alfred Schubert einem lebenden Komponisten und Felix Mendelssohn Herr Ernst Schneider, der hier besten- be­kannte Solo-Eellist, wird das Lelio-Konzert von Haydn mit Orchestcrbcgleitung Vorfragen. Meh­rere altdeutsche Volkslieder folgen. Frau Lena S t ü l v n a a e l au- Frankfurt a. M. wird eine Anzahl Lieder von Franz Schubert zu Gehör bringen den Beschluß deS Abends wird die Rhapsodie für Altfolo, Männerchor und Orchester von Brahms bilden. Frau Lena Stülpnagel, als Konzertsängerin in verschiedenen Teilen dc» Rei­che- rühmlichst bekannt, wird in d eiern Werk die Solo-Partie fingen. Die Orchesterbegle tung liegt in den Händen des Gießener Orchester- Vereins. der fich in der letzten Zeit bekannt­lich mehrfach hervorragend betätigt hat. 2s ist zu erwarten, daß sowohl die Vortragssolge. wie auch die Qualität der Mitwirkenden die musik- liebenbcn Ärcife unserer Stadt und der Umgebung interessieren und zum Besuch des Konzerte- veran­lassen wird. (Siehe heutige Anzeige.)

Städtische Personal-Verände­rungen. Der Oberbürgermeister hat den Vor­stand de- städtischen TiefbauamteS, Stadtbau- direltor Braubach, beauftragt, die Dienst» geschälte des Direktor- de» städtischen Gas- und Wasserwerts wahrzunehmen Ferner hat der Oberbürgermeiflcr den Vorstand deS städtischen Hochbauamtes. Stad'.baurat Gravert, beauf­tragt, gleichzeitig die Dienstgeschäfte deS Vor­stände- deS städtischen TiefbauamteS wahrzu­nehmen.

Die Museen und der Heidenturm find am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bet kleinen Preisen geöffnet.

Gefchäftsjubiläurn. DaS SchuhhauS Bernhardt, Schulstraße 10, kann jetzt auf fein 40jährige- B stehen zurückblicken. Die Firma hat sich im Verlause der vier Jahrzehnte zu einem an­gesehenen Geschäft der Gießener Schuhwaren­branche entwickelt, das fich in weiten Kreisen der Derbrau^rschast großer Wertschätzung er)reut.

Eine Siebzigjährige Frau Geheim­rat D i e r rn e r , wohnhaft Gnaulhstraße 40. feiert am morgigen Sonntag bei guter Gesundheit ihren 70. Geburtstag.

Geflügelcholera. DaS Polizeiamt teilt mit: In dem Hühnerbestand der Frau Land­gerichtsdirektor Wilhelm Bücking Ww«., Gie­ßen, Düdanlage 14, ist die Geflügelcholera auS- gebrochen. Gehöftsperre ist angeordnet.

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1. Fleisch, und Wurstwaren;

2. Milch,

3. Backwaren (Brat usw).

(Die Anstalt behält sich vor, diese Liefe­rungen evtl, auf 2 Jahre zu vergeben);

4. an sonstigen Verzehrungsgegenstän- ben (Del, Essig, Zucker. Malzkaffee, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Butter, Handkäse, Margarine, Marmelade usw.);

5. Reinigungsmalerialien (Seifenflocken, Soda, Kernseife, Bohnerwachs (gelb) usw., Schmierseife)

soll im Wege des öffentlichen Anerbietens für das 1. Vierteljahr des Rechnungsjahres 1932 vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen liegen am 8. und 9. März 1932, vormittags 8 bis 12 Uhr, bei uns offen.

Die Angebotsformulare können gegen Erstattung der Selbstkosten von uns be- zogen werden.

Angebote sind verschlossen und versehen mit der Aufschrift:Angebot zu der am 1. März 1932 ausgeschriebenen Lieferung" bis zum Eröffnung:terminMontag, dem 14. März 1932, vormittags 10 Uhr, hier- i her einzureichen. In den Angeboten find die Bedingungen anzuerkennen.

Die einzureichenden Warenmuster müf-1 fen getrennt von den Angeboten verpackt und mit der Aufschrift:lauster zum Aus- 'chreiben vom 1. März 1932 versehen sein.

Gießen, den l.März 1932. Die Direktion der Landes-Heil- u. Pflegeanstalt Gießen.

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