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3.11.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 259 Erster Blaff

182. Jahrgang

Donnerstag, 3. November 1932

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zernfprcchanschliifse unter 6ammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gießen.

poftscheckfonto: §ranlfurt am Main 11686.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

vriiS und Verlag: vrühl'sche Univerfitälr-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig 7 für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20/, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für denAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Gießen.

Oie Reichsregierung zur zweiten Held-Rede.

Oer bayerische Ministerpräsident war unterrichtet.

Berlin, 3. Nov. (CNB. Funkspruch) Die gestrige Rede des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held vor Vertretern der Presse, die in den heutigen Morgenblättern vielfach als Sensation be­zeichnet wird, wird in den der Reichsregie­rung nahe stech en-den Kreisen nicht als solche »mpfunden.

An maßgebender Stelle wird ausdrücklich betont, daß die Reichsregierung mit der bayeri­schen Regierung durchaus darin einig ist, daß eine

Reichsreform nicht durch Maßnahmen auf Grund des Artikels 48 der Verfassung oder durch Gewaltanwendung erfolgen soll.

Wenn Ministerpräsident Dr. Held weiter hervor- hcbt, daß ihm Reichsinnenminister Freiherr von G a y l zugesichert habe, den Entwurf einer Reichsresorm vorher zur Stellungnahme zuzu- leiten, so deckt sich diese Zusicherung des Reichs- innenministers vollkommen mit den schon vorher wiederholt von der Reichsregierung gemachten Erklärungen gegenüber Bayern. Die Reichsregierung hat diese Zusagen auch v ö l l i g inne gehalten: denn es sind von der Reichs­regierung keinerlei Maßnahmen getroffen worden, durch die die Verfassung an geta­stet wird, oder die Struktur des Reiches geändert werden soll. Es kann nur immer wie­der betont wenden, daß alle Maßnahmen des Rei­ches in Preußen sich durchaus im Rahmen des Leipziger Urteils halten.

Dr. Held beschwert sich dann weiter, daß er auch über diese Maßnahmen in Preußen nicht unterrichtet worden sei. Demgegenüber wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daß der bayerische Vertreter fh Berlin, Gesandter von Preger, durch den Staatssekretär der Reichskanzlei, Planck, eingehend über die bevorstehenden Maßnahmen in Preußen unter­richtet worben ist. Gesandter von Preger hat dem Reichskanzler ausdrücklich bestätigt, daß er diesen ihm mitgeleilten Standpunkt der Reichs­regierung sehr ausführlich nach München weiter­gemeldet hat.

Wenn Ministerpräsident Held dann am Schlüsse betont, daß die Möglichkeit einer Ver­ständigung nicht ausgeschlossen ist, so stimmt ihm die Reichsregierung darin vollkommen zu Rur ist man in Berlin der Auffassung, daß eine Fortsetzung dieser öffentlichenAus- einandersetzung nicht der geeignete Weg dafür sei.

Brüning über die Aufgaben nach der Wahl.

Frankfurt a. M., 2. Rov. (Lpd.) Unter der TleberschristAmTage nachderSch lacht veröffentlicht Dr. Heinrich Brüning m Der Rhein-Mainischen Volkszeitung" einen Artikel, worin er an die Rede des Prälaten Kaas in Münster anknüpft, der damals gesagt habe:o.ur Zeit stehen wir im Kamps. Aber wir fuhren die­sen Kampf so. daß am Tage nach der Schlacht die Gegner sich nicht zu scheuen brauchen, Auge in Auge das Fazit des politischen Waffenganges zu ziehen". Brüning erklärt es für einen ver­hängnisvollen Irrtum, zu glauben, daß ein Wirtschaftsprogramm genügen konnte, den Kampf gegen die Wirtschaftskrise auf großer Linie erfolgreich auszunehmen. Auch die starrsten Antriebe einer etwa aus der Weltwirtschast auf­steigenden Welle konjunktureller Delebimg tonn= ten nicht realisiert werden, wenn es nicht gleich­zeitig gelinge, die Gesamtpolitik und a l l e Kräfte des Volkes in Methode und Ziel­setzung auf eine durchgehende Generallinie zu bringen. . , . , T.

Aus dieser Erkenntnis ließe sich ein sachli­ch e s A r b e i t s p r o g r a m m für die von K a a s geforderteRot- und Mehrheitsgerneinschack ous- bauen. Brüning kommt zu dem Schluß, daß es so möglich wäre, den immer noch vorhandenen Aufbauwillen in allen Schichten der Ration politisch zu aktivieren und, gestützt auf Das Vertrauen des Reichspräsidenten und des Reichstags, in ein r Regierung zu konzentrieren. Die als Ausdruck eines in weitesten Schichten le­bendigen Volkswillens und in verständnisvoller Zusammenarbeit mit dem Reichstag Die innerlich begründete Autorität einer starken Führung beanspruchen und aus­üben könnte. Auf solchem Wege und auf solcher Grundlage bestünde begründete Hoffnung, daß Deutschland im gegebenen Augenblick mit einem Mindestmaß von Reibung und Störung den An­schluß an die Auftriebstendenzen der Weltwirt­schaft gewänne. Ein solches Ziel enthalte nichts, worauf sich nicht alle Kreise desDolkes einigen könnten.

Der Standpunkt des Zentrums.

Hildesheim, 2. Rov. (ERD.) Der Gene­ralsekretär der Zentrumspartei Dr. Do ck e l hielt beute eine Rede, in der er den Standpunkt des Zentrums zur gegenwärtigen politischen Lac«' schilderte. Das Zentrum müsse erwarten, Daß sich die Reichsregierung umgehend ernfthast mit denAbrüstungsvorschlägenHer- r i o t s auseinandersetze, weil in ihnen starke wehc- politische Bedenken für Deutschland schlummer­ten obwohl scheinbar Deutschland eine gewisse Gleichberechtigung zuerkannt therde. Die Reichs­

regierung, so betonte der Redner, die in dem grundsätzlichen Kampf für die Abrüstung das ganze deutsche Volk hinter sich habe, habe es verabsäumt, diesen einheitlichen Willen Deutschlands klug einzusetzen.

Zu den verfassungsrechtlichen Fra­gen, fuhr der Redner fort, sei festzustellen, daß die Reichregieruns seit Monaten große Reform­ziele verkünde, daß aber ein Erfolg für eine wirk­lich gesunde, die Autorität des Staates sichernde Resorm von dieser Regierung nicht mehr durch- geseht werden könne. Die beiden konkreten Vor­schläge, die der Reichsinnenminister in der Aen- derung des Art. 54 und in der Aenderung des Wahlrechtes gemacht habe, seien bezeichnend für die Bruchstückarbeit der Regierung.

3n der Wirtschaftspolitik der gegen­wärtigen Reichsregierung vermißt der Redner einen konsequenten Schutz für denMit- t e l st a n d. Die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung kämen trotz aller gegenteiligen Be­teuerungen viel mehr den großen Betrieben zu­gute, als den kleineren und mittleren selbständigen Unternehmern. Die Maßnahmen für die Land­wirtschaft hätten diesen keinen Vorteil ge­bracht, weil die Methode der Maßnahmen falsch gewesen sei. Das Zentrum müsse ferner die Mah­nung an die Reichsregierung wiederholen, die öffentlichen Finanzen zu ordnen, weil diese Ordnung eine Grundvoraussetzung auch für den wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands sei.

Hitler spricht in Berlin.

Berlin, 2.Nov. (TU.) Die Rede Hitlers am Mittwoch brachte für die Berliner National-

Berlin, 3. Nov. (CNB. Funkspruch.) Die Ber­liner warteten heute früh zu Hunderten an den Haltestellen auf ihr gewohntes Verkehrsmittel. Erft als sie durch Flugbiätter über den Streik bei der BVG. unterrichtet wurden, setzten sich die Massen in Bewegung, um zu Fuß an ihre Arbeits- tätten zu gelangen. Die Mannschaftswagen, die in der 3. und 4. Morgenstunde das Personal zu den Betriebsbahnhöfen bringen sollten, kehrten mit fast leeren Wagen zurück, da sich nur e in geringer Teil Arbeitswilliger eingesunden hatte. An den Betriebsbahnhöfen der BVG. waren noch in der Nacht uniformierte Streitpoften aufgestellt worden, die allen Arbeitswilli­gen den Zutritt zu den Wagenhallen verweigerten. An verschiedenen Stellen kam es zwischen Streikposten und Arbeitswilligen »zu kleineren Reibereien, die jedoch von der Polizei im Keime erstickt werden konnten. Die Polizei hat be­reits in der Nacht Sicherungsmaßnahmen getroffen und befindet sich zurzeit in erhöhter Dienstbereitschaft. So sind besondere Strei­fenwagen eingesetzt und die Straßenpasten verdop­pelt worden. Besonderes Augenmerk richtet die Po­lizei auf die Betriebst) ahnhöfe, die von zahlreichen BDG.-Leuten umlagert sind.

Verhandlungen im Gange.

Berlin, 3. Rov. (ERB. Funkspruch.) Zwi­schen der Leitung der BVG. und den Arbeiter­vertretungen fanden heute vormittag erneut Ver­handlungen statt, die zum Ziel hatten, den Streik im Berliner Verkehrswesen s o schnell wie mög-lich zu beenden. Tarifrechtlich handelt es sich um einen wilden Streik, da die Dreiviertelmehrheit für den Streik bei der Abstimmung nicht erreicht wurde. Seit dem 30. August herrscht bei der BVG. ein tarifloser Zu st and, der dadurch verursacht wurde, daß eine Einigung über die von der Ge°

Berlin. 2. Rov. (WTB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat die kom­missarische preußische Staatsregierung am 1. Ro° vember eine Verordnung über die Haushalts­führung der Gemeinden und Gemeindeverbände, sow e eine Ve ordnung über die Aufstellung von Stellenplänen in Gemeinden und Gemeindeverbänden verabschiedet.

Die Gemeinde-Finanzverordnung verfolgt in erster Linie das Ziel, eine geordnete und sparsame Haushaltsführung in den Gemein- den sicherzustellen und für die Zukunft Miß- stände, wie sie in den verstossenen Jahren in der Finanzgebarung der Gemeinden sich ge­zeigt haben, auszuschliehen.

Diesem Zwecke dienen die Stärkung der Stellung des Gemeindevorstandes cm Verhältnis zur Vertretungskörperschaft, die klare Gestaltung der Verantwortlichkeit bet ter Ausführung des Haushaltsplanes, die Einfüh­rung einer weitgehenden Publizität auf dem Ge­biete des Haushalts- und Rechnungswesens, so-

sozialisten den Höhepunkt des Wahlkampfes. Im Sportpalast hatten sich etwa 20 OOO Personen ein­gefunden, eine Anzahl diplomatischer Vertreter hatte den an fie' ergangenen Einladungen Folge geleistet. Die Reden wurden vom Sportpalast nach vier weiteren Versammlungsräumen in verschiedenen Stadtteilen übertragen, so daß zu der Veranstaltung etwa 35000 Personen versammelt waren. Hitler ging zunächst auf die Frage seines Eintritts in das Kabinett v. Papen ein und erklärte dazu: Es wird immer wieder die Frage aufgewor­fen, ob es nicht doch richtiger gewesen wäre, daß wir in das Kabinett eintraten. Ich bin nach reiflicher Ueberlegung nicht in das Kabinett ge­gangen. Innerlich dachte man garnicht daran, uns überhaupt einen Einfluß zu gewähren. Man wollte die junge Kraft unserer Bewegung nur als Tromm­ler und unter Aussclzaltung von der Führung. Wir haben nicht viel von einem solchen Einfluß im Ka­binett erwartet. Die deutsche Wirtschaft wird von dieser Regierung nicht gerettet werden. Zwischen dem Denken der Regierung und unserem Denken besteht eine nicht zu überbrückende Kluft. Wir müssen einen deutschen Staat aufbauen, der unerhörte seelische Kräfte mobilmachen kann. Was ich will, das ist die Führung, die zu beanspru­chen ich ein Recht habe traft des Gutes, das ich mitbringe. Wer hat ein Recht, davon zu sprechen, daß der Parlamentarismus überlebt sei? Nur der, der den Ersatz dafür geschaffen hat, und das sind wir. Man spare sich alle Ver­suche, an mich mit halben Vorschlägen heranzu­treten. Ich kann warten. Die Bewegung wird nicht zu beugen sein.

sellschaft vorgeschlagene Stundenlohnsen­kung um 2 Pf. nicht erzielt werden konnte. Man muß abwarten, wie die Verhandlungen zwi­schen den beiden Parteien ausgehen. Sollten sie scheitern, so ist anzunehmen, daß der Reichs­arbeitsminister mit einem Schlichtungsverfahren eingreift. Zunächst hängt das aber von der weiteren Entwicklung ab, die um so zweifelhafter ist, als der Streik von den Gewerk­schaften abgelehnt eine Angelegen­heit ausschließlich der Kommunisten und R a t i o n a l s o z i a l i st e n ist. also stark poli­tischen Charakter hat.

DerAlMiff"rust zuGeldspenden für die Streikenden aus.

Berlin. 3.Rov. (ERB.) Der nationalsozia­listischeAngriff" veröffentlicht zu dem Ber­liner Verkehrsstreik einen Aufruf, der ten politischen Charakter der Bewegung klar erkennen läßt. Es heißt darin:

Der Ursprung dieses neuen wirtschaftlichen Kampfes von 20 000 Arbeitnehmern der DDG. ist in Jahren sozialdemokratischer Politik und in der Rotverordnung des Herrn von Papen zu suchen.

Auch dieser neue wirtschaftliche Kampf wird die Rationalsozialisten wie immer in v o r d e r st e r Front für die Rechte der Ar - beitnehmersch oft sehen.

Daher werden sämtliche Parteigenossen und Sympathisierende, sowie alle Betriebszellen auf­gefordert, sofort ihre Sympathie mit den Streikenden insofern zu beweisen, daß jeder das an geldlichen Mitteln zur Verfügung stellt, was er trotz Rot und Armut noch geben kann. Volksgenossen zeigt, daß ihr Sozialisten der Tat seid!

wie die Reuregelung der Rechnungsprüfung in den Gemeinden.

Die Verordnung gibt dem Gemeindevor­stand sowohl bei der Beschlußfassung über den Haushaltsplan, als auch nach dessen Verab­schiedung gegenüber solchen Beschlüssen der Ver­tretungskörperschaft, die die Leistung neuer Aus­gaben- Mehrausgaben oder die Verminderung von Einnahmen zur Folge haben würden, ein Widerspruchsrecht, soweit durch derartige Beschlüsse der Vertretungskörperschaft der Haus­haltsausgleich gefährdet wird Weiter schließt sie die Erörterung von Anträgen der oben­genannten Art in der Vertretungskdrpenchaft und in dem kollegialen Gememdevorstand aus wenn ihnen nicht gleichzeitig ein geeigneter und rechtlich zulässiger Deckungsvorfchlag bei- ^^Wetter^ bezweckt die Verordnung durch die Ein­führung und Ausgestaltung des sog. 6 r f a g - beschlußrechts das Eingreifen der Aufsichts­behörden in Angelegenheiten der Gemeinden, w>e es in den letzten Jahren immer häufiger notwendig geworden ist, nach Möglichkeit zu beschränken.

Deshalb ist sowohl für die Festsetzung des Haus- haltsplanes, wie für sonstige Beschlüsse, die eine geordnete und sparsame Haushaltsführung erfordert, die Beschlußfassung im Falle eines Versagens Der Vertretungskörperschaft zunächst dem Gemeinde- vorstand und gegebenenfalls seinem Vorsitzenden übertragen. Erst wenn auch diese Stellen versagen, soll ein Eingreifen der Aufsichtsbehörden erfolgen.

Die Verordnung über die Ausstellung von Stellenplänen will eine weitere Zurückfüh­rung des gemeindlichen Personalbestandes auf das unerläßliche Maß sicherstellen.

Grundlage hierfür werden gemeindliche Stellen­pläne sein, die in der Verwaltung entbehrlich werdende Stellen als künftig wegfallend zu bezeich­nen haben. Dies hat die Wirkung, daß solche Stellen im Falle ihres Freiwerdens nicht wieder b e - setzt werde dürsen. Die Durchführung dieser Maß­nahmen wird von der Aufsichtsbehörde überwacht, die bei nicht hinreichender Verringerung der Stellen­zahl in den Stellenplänen weitere Stellen in der Gemeindeverwaltung als künftig wegfallend bezeich­nen kann.

Vor wichtigen Entscheidungen des Reichskabinetts.

Berlin, 2. Rov. (CRB.) Wie wir erfahren, sind in der Sitzung des Reichskabinetts, die in den heutigen Abendstunden stattfand, keine Beschlüsse gefaßt worden. Die Ver­handlungen gehen vielmehr morgen vormittag weiter, und man nimmt an, daß diese Sitzung zu Entscheidungen führen wird. Die Probleme, um die es augenblicklich geht, sind die Siche­rung der Gemeindefinanzen, das K o n- tingentierungsproblem und die Stüt­zung der Getreidepreise. 2m Vorder­grund steht dabei die Kontingentierungsfrage, nachdem die Kommission heute von ihren Aus­landreisen zurückgekchrt ist. Man darf annehmen, daß auch über diese Frage morgen eine Klärung herbeigesührt werden wird.

Starke Veränderungen in der deutschen Diplomatie.

Berlin, 2. Nov. (WTB.) Der Herr Reichs­präsident hat ernannt: den Generalkonsul Dr. Freiherrn von Grünau zum Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, Den Vortragenden Legations­rat Dr. Graf A d e l m a n n von Adelmannsfelden zum Generalkonsul in Kattowitz, Den Ministerial- Direftor z. D. Dr. Zech l in zum GesanDten in Mexiko Den GesanDten z. D. Dr. h. c. Freytag zum Geschäftsträger in Lissabon, Den GesanDten Dr. Schmidt-Elskop (MonteviDeo) zum Ge­sanDten in Rio De Janeiro, Den Gesandten von Bülow (Asuncion) zum Generalkonsul in Kal­kutta, den Gesandten z. D. Weiß zum Gesandten in Asuncion, den Vortragenden Legationsrat Dr. G r o b b a zum Gesandten in Bagdad, Den bisheri­gen Untergeneralsekretär des Völkerbunds Freiherrn Dufour- Feronce zum Gesandten in Belgrad, den Gesandtschaftsrat Dr. P i st o r zum Gesandten in Quito, den Generalkonsul in Jerusalem Dr. Nord zum Gesandten in Bangkok. Mit der Leitung der kulturpolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes wird der Gesandte in Riga, Dr. Stieve, betraut.

Hoesch in London.

London, 2. Nov. (WTB.) Der neue deut- s ch e Botschafter in London, vonHoesch, ist heute nachmittag auf Dem Viktoriabahnhof einge­troffen. Auf Dem Bahnhof wurde Herr von Hoesch im Auftrage des britischen Staatssekretärs des Aeußern von Mister M o n ck begrüßt.

Msahbelebung im Ruhrgebiet.

Essen, 2. Nov. (WTB.) Aufgrund der Wa­ge n g e st el l u n g s zi f f e r n, Die einen Grad­messer für Die Entwicklung Des Ruhrkohlen- ab s a tz e s bilDen, ist festzustellen, Daß im Gegensatz zum Porjahr, in Dem Die Wagengestellung trotz Der sonst einsetzenden Saisonbelebung eine Sta­gnation aufwies, in Den letzten Wochen eine Be­lebung der Absatzlage eingetreten ist. Wah­rend in Der ersten Woche Des September Die ar- beitsiägliche Wagengestellung mit rund 14 OOO Wa­gen zu je 10 Tonnen ihren tiefsten Stand erreichte, ist i'eitDem eine Aufwärtsentwicklung von Woche zu Woche deutlich erkennbar, 1° bah m Der letzten Oktoberwoche bereits wieDer 17 OOO Wa­gen zu je 10 Tonnen gestellt wurden.

Weiterbeschcistigung Ausgelernter ist Mehreinstellung.

Berlin, 3. Rov. (CRB.) Auf eine Eingabe des Reichskartells des selbständigen Mittelstan­des hat der Reichsarbeitsminister dem Kartell fol­gende Entscheidung mitgeteilt: »Wenn ein Le h r - ling nach Ablauf seiner Lehrzeit nicht aus einem Tlnternehmen ausscheitet, sondern als Geselle oder Handlungsgehilfe oder sonst gegen Entgelt im Betriebe we i t e r b e sch äs t i g t wird, so ist diese We i ter be sch ä f tig un g re­gelmäßig als Mehrbeschäftigung eines Arbeitnehmers im Sinne der Verordnung des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September 1932 anzusehen."

Severing ernstlich erkrankt.

Magdeburg, 2. Nov. (CNB.) Heute sollte Der preußische Innenminister Severing auf einer Wahlversammlung sprechen. Die Rede wurde ab- gesagt, weil Severing ernstlich erkrankt in Frankfurt a. M. darniederliegö.

Der Verkehr in Berlin lahmgelegt.

Schonung der prenßischen kommnnalsinanzen.

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