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2.9.1932 Frühausgabe
 
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daß eine Partei im Parlament die Mehrheit ge­winnt und die Staatsführuna für sich in Anspruch nimmt Die NSDAP, hat diese theoretische Möglich­keit als praktisches Ziel verkündet und ist diesem Hiele in hohem Maße nahegekommen.

Der noch einen Sinn für die mitreißende Kraft einer großen Bewegung besitzt, wird es ohne Rückhalt begrüßen, daß sich Millionen Deutscher im Glauben an die Zukunft der Ration zusam­mengefunden haben, hier sind Ansätze vor­handen, aus denen sich neuer konser­vativer Geist entwickeln kann. Es ist zu hoffen, daß die Führer dieser Bewegung die Ration über die Partei stellen werden und damit den Glauben von Millionen an einen Ausweg aus der seelischen und materiellen Rot des Volkes auch in der Staatsführung sichtbaren

Ausdruck geben werden.

Jetzt geht es um den Staat und nicht um die Par­tei. Die Menschen, die zur NSDAP, geströmt sind, haben sich zum größten Teil von den alten liberali- strschen Parteien abgewandt und sich der Bewegung in der Hoffnung angeschlossen, an einem Neu­bau des Staats auf konservativer Grundlage mitzuwirken. Ein Staat aber, der von einer Partei und einem Parteiapparat beherrscht wird, kann konservatives Leben nicht entwickeln. Die Hoffnungen in den Herzen der Mil­lionen von Nationalsozialisten können nur durch eine autoritäre Regierung erfüllt werden.

Die Frage einer Regierungsbildung auf parlamentarischem Koalitions- tD<j ist neuerdings wieder in den Kreis der öf­fentlichen politischen Diskussion gestellt worden. Wenn angesichts der wachsenden Rot derartige Verhandlungen mit dem Motiv geführt werden, den parteipolitischen Gegner durch Mißerfolg seiner Rcgierungstätigkeit zu vernichten, so bst das ein gefährliches Spiel, vor dem nicht genug gewarnt werden kann. Denn letzten Endes edeuten solche Pläne nichts anderes als eine Taktik, die man in Kauf nimmt, daß es dem Volk noch schlechter geht und der Glaube von Millionen in bitterste Enttäuschung umschlägt, wenn nur damit das Ziel erreicht wird, den politischen Gegner zu vernichten. Cs liegt in der Natur solcher parteitaktischer Manöver, daß sie verschleiert und in der Oeffentlichkeit abgeleug- net werden. Das kann mich nicht hindern, offen vor solchen Plänen zu warnen, bei denen es zunächst unerörtert bleiben mag, wer der Be­trogene und wer der Betrüger ist, die aber be­stimmt das deutsche Volk um die Hoffnung auf die Besserung seiner Lage betrügen.

Richls kann eindringlicher die Rolwendigkeik einer autoritären Regierung beweisen als der­artige Aussichten auf die Manöver eines tak­tischen Spieles der Parteien.

Die Forderung nach konservativer Staatsfüh­rung darf aber nicht in der Weise verfälscht werden, als ob die konservativen Elemente in der Staatsführung nicht der Gegenwart, sondern einer Vergangenheit, die restauriert werden müsse, zu gelten hätten. Der Sinn einer autori­tären Regierung würde vollkommen verfälscht, wenn man irgendwie dem Gedanken Rahrung gebe, das Präsidialkabinett sei notwendig, um den Willen der überwiegenden Mehrheit des Volkes zu durchkreuzen. Ich glaube vielmehr, daß die Maßnahmen, die die Reichsregierung in näch­ster Zeit zu treffen hat, den Widerhall viel weiterer Kreise des Volkes finden werden, als sie durch irgendeine parlamenta­rische Regierungsbildung zusammengebracht wer­den können.

Das Reichsgericht bestätigt das Verbot derHessischen Landeszeitung".

WSR. Darmstadt, I.Sept. Die national­sozialistischeHessische Landeszeitung" hatte am 26.3uli unter der LieberschriftHochverrat" e i n Pol izeiliches Aktenstück abgedruckt und der hessischen Regierung zum Vorwurf gemacht, sie dulde die Vorbereitung kommun isti- schen Hoch- und Landesverrats in

Die Opfer des hlauenDiamanten.

(Sensationsprozeß

entyüftt seltsame Derw.ckiungen.

Im Zusammenhänge mit dem Scheidungsprozeß des amerikanischen Milliardärs M a c L e e n und den Pikanterien, die die amerikanischen Reporter durch viele Wochen mit üppigem Stoff versorgten, wird nun auch die Geschichte des verhängnisvollen blauen DiamantenHoffnung" erzählt, der sich jetzt nach hundertjähriger Wanderung im Besitz der Homilie Mac Leen befindet.

Von dem ersten Jahre ihres Zusammenlebens an plagte Lady Mac Leen ihren Gatten mit der Bitte, den DiamantenHoffnung", der sich damals in Washington befand, zu erwerben. Mac Leen, der von dem vielen Unglück gehört hatte, das der Brillant feinen früheren Besitzern brachte, versuchte, seiner Frau diesen Wunsch auszureden. Frau Mac Leen wollte auf ihren Wunsch nicht verzichten und machte sich über diesen Aberglauben lustig.

Ich fürchte, du wirst ihn noch teurer bezahlen als ich", bemerkte Mac Leen, als er ihr den für eine große Summe erworbenen Diamanten übergab. Und richtig wollte es das Schicksal, daß gleich bei ersten Male, als Frau Mac Leen diesen Brillanten trug, ihr zehnjähriges Söhnchen, mit dem sie ausgefahren war, von einem Auto getötet wurde. Mit dem Tode dieses Milliardärkindes schließt vorläufig die Kette der Unglücksfälle, die im Verlaufe von drei- hundert Jahren im Leben der verschiedenen Bril­lantenbesitzer verzeichnet werden mußten.

Nach Europa ist der BrillantHoffnung" von einem der berüchtigtsten Abenteurer des 17. Jahr­hunderts, namens £a Dernier, gebracht worden. Tavernier hat den Brillanten aus dem Tempel des Gottes Roma-Sita in Pagana gestohlen, wobei er den Priester ermordete, der das Juwel bewachte. Er ver­kaufte den blauen Brillanten an Ludwig XIV. und ging selbst wieder nach Indien, wo er später von einem Tiger zerfleischt wurde.

Ludwig XIV. schenkte dos Juwel seiner damaligen Geliebten Madame de Mo nie span, die zu diesem Zeitpunkt die gefeiertste und mächtigste Fa­voritin am Hofe des Königs war. Zwei Tage nach­dem sie sich dem Hofe im Glanze dieses neuen Juwels gezeigt hotte, fiel sie in Ungnade und mußte bald ins Kloster wanden.

Um feinem bevorzugten Finanzminister seine Gunst zu bezeugen, erlaubte Ludwig XIV. ihm, für einen Abend den Diamanten zu tragen. Zwei Taae nachher wurde F o u c q u e t in die Bastille geworfen, wo er 19 Jahre lang bis zu seinem Tode schmachtete.

Deutschlands Anspruch aus Wehrsrcheit.

Besorgnisse in Amerika.

Keine deutsche Ausrüstung, sondern Umbau der Reichswehr.

Washington, I.Sept. (WTD.) Ein offizieller Kommentar zur Fühlungnahme mit Frankreich über den Umbau der Reichswehr ist nicht erfolgt, dagegen äußerte sich eine verantwortliche Persönlichkeit aus amerikanischen Reoierungskre isen folgendermaßen in dieser Angelegenheit:

Amerika ist in erster Linie an der Herab­setzung der Rüstungen interessiert, weshalb leider deutsche Schritt, der auf E r h ö h u n g der Rüstungen abzielt, hier recht ungünstigen Eindruck machen würde. Ohne zur Frage der Deutschland im Versailler Vertrag auferlegten Be­schränkungen Stellung zu nehmen, vertritt man hier die Auffassung, daß die Parität durch eine Ver­besserung der Beziehungen zwischen den europäischen Nationen erstrebt werden sollte, indem dort durch die Herstellung des Vertrauens alle anderen Nationen all­mählich j um deutschen Rüstungs - Niveau hinunter st eigen, anstatt daß Deutschland aufrüstet. Der vom Präsidenten hovver im Juni gemachte Vorschlag basierte auf den Zahlen des Versailler Vertrages und stellte den Beginn der Abrüstung dar, die Deutsch­land die Parität gegeben hätte. Unter feinen Um­ständen sollte je wieder aufgerüstet werden, da da­durch das delikate und schwere Werk der allgemei­nen Abrüstung wahrscheinlich unrettbar zerstört werden würde?

Von zuständiger deutscher Stelle wird hier­zu mitgeteilt, daß aus den Erklärungen des Reichs- wehrministers hervorgeht, daß Deutschland

nicht aufrüsten will, sondern nur das Geld, das es schon jetzt für seine Wehrmacht ausgibt, für feine Sicherheit nutzbringender anwen - den will, als das bei seiner heutigen Militärorga­nisation möglich ist.

Kabinettsrat in Paris.

Herriot unterrrchtet die britische Regierung

Paris, 1. Sept. ($11.) Der Pariser Kabi­nettsrat ist um 17 Uhr unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Herriot zusammen- ge treten. Herriot hat den deutschen Schritt in der Frage der Gleichberechtigung Pressevertre­tern gegenüber als außerordentlich wichtig be­zeichnet, im übrigen jedoch jede Erklärung a b g e l e h n t. Er hat sich darauf beschränkt, den Pressevertretern Kaltblütigkeit und Ruhe wnzucmpsehlen, bis das Ergebnis einer genauen Prüfung des deutschen Dokumentes vor­liege.Journal" weiß zu berichten, Minister­präsident Herriot habe gestern dem engli­schen Geschäftsträger eine Kopie des deutschen Schriftstückes, in dem der deutsche Standpunkt in der Gleichberechtigungsfrage be­handelt wird, mit der Bitte überreicht, sie der englischen Regierung zur Kenntnis zu bringen. Herriot habe sich, To schreibt das Blatt, nach dem gestrigen Kabinettsrat zwar geweigert, irgend eine Erklärung abzugeben, aber seine Unterredung mit dem englischen Geschäftsträger gebe einen interessanten Hinweis auf die wahr­scheinliche Haltung der französischen Regierung, die vor altem bemüht zu sein scheine, gemäß den Bestimmungen des Vertrauensabkommens vom 13. Juli sich mit der englischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen.

ihrem Land, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Obgleich die Zeitung in einer Auflagenachricht der Regierung darauf aufmerksam gemacht wor­den war. daß es sich gar nicht um hessi­sches Aktenmaterial handele, sondern um solches aus Braunschweig und aus dem Ruhr­gebiet, das vor etwa einem 3ahr von einer Berliner Stelle nach Darmstadt gesandt worden sei, wurden die Angriffe gegen die hessische Re­gierung fortgesetzt. Die Zeitung wurde dann vom 28.3uli bis 4. August verboten. Die einge­legte Beschwerde wurde vom Reichsinnenminister an das Reichsgericht weitergegeben. Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat die Beschwerde als unbegründet verwor­fen und erklärt, der hessische 3nnenminister habe mit Recht die in den Nummern 204, 205 und 206 der Zeitung enthaltenen Artikel be­anstandet.

Um die Einführung der Schlacht uer in Hessen.

Darmstadt, I.Sept. (WSN.) Jrn Finanz- m i n i ft e r i u m sand heute morgen eine Bespre­chung mit Vertretern der Handwerks­kammer und der Landwirtschaftskam­mer über die Schlachtsteuer statt. Wie bekannt, ist deren Einführung in Hessen noch nicht endgültig beschlossen, da das Kabinett noch keine Stellung ge­nommen hat. Gleichwohl sind angesichts der Tat­sache, daß die Schlachtsteuer in einem Gebiet er­hoben wird, das neun Zehntel der Bevölkerung des Reichs umfaßt, von den hessischen Ressortstellen pflichtgemäß die Vorarbeiten geleistet worden. Das hessische Metzgergewerbe und die Land­wirtschaft hatten gebeten, ihre Wünsche vor einer Einführung der Schlachtsteuer vorbringen zu dürfen. Bei der Regierung besteht Geneigtheit, den Vorschlägen der Jnteressenvertreter bei der Aus­gestaltung des Steuerentwurfs nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, auch hinsichtlich der Wünsche nach der Klasseneinteilung. Mit Rücksicht auf die Höhe der Schlachthofgebühren dürften die Steuer- sätze in Hessen nie d r i g e r werden als in Preu-

Die einzige französische Königin, die den blauen Diamanten nachher zu tragen wagte, war die Unglück- liche Königin Marie Antoinette.

Viele Jahre später tauchte der verhängnisvolle Diamant in Amsterdam auf. Er wurde von dem da­mals bekannten Juwelenhändler F a l s erworben, der ihm seinen jetzigen Schliff gab.

In Amsterdam geschah es nun, daß Fals' Sohn seinem Vater das Juwel stahl und mit ihm nach Poris flüchtete. Bald mußte er jedoch den Diamanten verkaufen, begann ein liederliches Lebern und als er sich ganz verarmt sah, endete er durch Selbstmord. Der Lebemann hatte den Diamanten einem Fran­zosen Beaulieu verkauft. Der Franzose der wußte, daß der Diamant gestohlen war, traute sich nicht, mit dem kostbaren Stück hervorzutreten und hielt sich im Londoner Armenviertel verborgen.

Der nächste Besitzer des Juwels war Thomas Hope, der ihn für 18 000 Pfund erwarb und ihm auch feinen Namen Hope (Hoffnung) gab. Er schenkte den Stein feinem Sohn, Lord Hope, der nach einigen Jahren vollständig zugrunde ging. Er hatte sich mit der berühmten Schauspielerin May Joga ver- heiratet, die bald fein ganzes Vermögen verfchwen- bete und ihn verließ.

*

SBie ein antiker Fluch, vor dem kein Entrinnen möglich ist, mutet es an, wenn man lieft, wie schreck­lich der Besitzer dieses Diamanten im Leben des Fürsten Ponjatowsky wirkte. Ponjatowsky liebte in Paris, wo er eine berühmte Schönheit, die Tän- zerin Ladou aus denFolies Bergeres als Ge­liebte hatte. Eines Abends faß er mit der Ladou, die den von ihm geschenkten blauen Diamanten am Halse trug, in einer Theaterloge und aller Augen wandten sich nach ihr. Plötzlich erhob sich in der Nachbarloge ein Herr und gab einen Schuß auf die Ladou ab, der sie am Halse traf. Der blaue Diamant wurde vom Blute der Tänzerin benetzt, die auf der Stelle starb. Zwei Tage nachher wurde Fürst Pon­jatowsky auf der Straße erschossen. Der Juwelen­händler, der ihm den Diamanten verkauft hatte, be­ging Selbstmord.

Eine solche Chronik okkulten Grauens wäre nicht vollendet wenn sie nicht nach dem Orient hinüber- fpielte. und richtig wurde eines Tages der blaue Diamant durch einen Griechen für den Sultan Abdul Hamid erstanden.

Dem Griechen selbst widerfuhr zehn Tage nach dem Verkauf mit seiner ganzen Familie ein tödliches Un­glück bei einer Automobilkatastrophe. Oeffentlichen Gebrauch wagte Abdul Hamid nickt von diesem ver­hängnisvollen Diamanten zu machen. Er wollte sich aber auch nicht von ihm trennen und verbarg ihn in

ßen und Bayern. Die Entschließung des Gefamt- minifteriums über die Einführung der Schlacht­steuer dürfte in Kürze erfolgen.

Zinsprobfem und Landwirtschaft.

Die landwirtschaftlichen Genossenschaften fordern allgemeine Zinesenkung.

Berlin,!. Sept. (LH.) 3mDeutschen Land­wirtschaftlichen Genossenschaftsblatt", dem Organ des Reichsverbandes der Deutschen landwirtschaft­lichen Genossenschaften-Raiffeisen, werden Aus­führungen wiedergegeben, die eine allgemeine Lösungdes Zinsprvblems fordern.Richt mit Unrecht werde in der öffentlichen Erörterung dieser Frage zum Ausdruck gebracht, daß eine unrentable LandwirtTchaft nicht mit untragbaren Zinsen belastet lverden könne. Es müsse allerdings betont werden, daß eine durchschlagende Hilfe nur von einer all­gemeinen Zinssenkung erwartet werden könne und daß jeder Versuch, eine individuelle Zinssenkung durchzufuhren etwa durch Ein­richtung von Schiedsstellen zwischen Gläubiger und Schuldner und in ähnlicher Weise zum Schei­tern verurteilt sei. Eine Zurückführung der Zinssätze auf den Vorkriegsstand begegne, wie die ohne wesentliche Störungen durckgeführte Zinssenkung auf dem Kapitalmarkt durch die Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 gezeigt habe, keinen unüberwindbaren technischen Schwierigkeiten. Es gelte hier im wesentlichen, Maßnahmen der Rotverordnung vom 8. Dezem­ber 1931 zu wiederholen. Schwieriger lä­gen die Verhältnisse auf dem Gebiete des Per­sonalkredits. Zunächst sei eine kräftige Senkung des Reichsbankdiskont- s a tz e s zu fordern. Rach der allgemeinen Geld­lage sei diese auch ohne weiteres möglich. 3n Gläubigerkreisen begegne die Absicht einer Zins- senkung vielfach Bedenken. Man könne aber an­nehmen, daß es gerade im wohlverstandenen In­teresse der ©laubiger liege, wenn dem Schuld­ner keine höhere Zinsleistung aufgebürdet toerde, als er tatsächlich tragen könne.

feiner Schatzkammer. Wie bekannt, entrann Abdul Hamid nicht seinem Schicksal. Erst viele Jahre nach der Absetzung und Internierung Abdul Hamids tauchte der blaue Diamant in Washington auf, wo ihn der Milliardär Mac Leen erwarb.

Orientalische Schicksalsdeuter meinen, daß die ver­hängnisvolle Wirkung des Steines nicht eher auf­hören wird, als bis der Stein feinem Gotte Rama- Sita zurückgegeben fein wird. P. S.

Wenn der 808-Ruf ertönt...

Keinen Ort gibt es auf hoher.See, an dem man mehr Sensationen und Aufregungen erleben kann als in dem Rundfunk-Raum, «der gleichsam das Ohr barstellt, das das Fahrzeug auf der unend­lichen Wasserwüste, mag es ein Kriegsschiff, ein Passagierdampfer oder ein Frachtschiff sein, mit der Außenwelt verbindet. Der Funker weiß nie­mals, was er in der nächsten Sekunde hören wird. Bald ist es eine Wettermeldung, die ihn gar nicht interessiert, oder eine glühende Liebesbotschaft, die ein junger Mann seiner an Bord befindlichen Angebeteten durch big Luft nachschickt; es kann aber auch eine Nachricht sein, die die Welt er­schüttert oder die für das Schiff selbst von gro­ßer Wichtigkeit ist. Es gibt bestimmte Tages­zeiten, art denen alle Schiffe der Handelsflotte, wo sie auch sein mögen, sozusagenmit einer ge­meinsamen Zunge" sprechen; d. h., sie hören und reden auf derselben Wellenlänge. Das ist die große Rundfunk-Brüderschaft der Meere, die alle umschließt. Mag es nun der Funker eines Lu- xusdampfers sein, der in elegant eingerichteter Kabine haust, oder der Rundfunkmann eines schmutzigen kleinen Kohlendampfers. Die größte Sensation, die man in einem solchen Rundfunk- raum erleben kann, tritt dann ein, wenn Plötz­lich ein 8 08-Ruf von irgendwoher kommt. Wo noch soeben die Luft erfüllt war mit einem bunten Durcheinander drahtlosen Ge­schwätzes, schrillt nun Plötzlich in eine lautlose Stille dieser Derzweiflungsschrci mit seinen scharf akzentuierten Tönen. Es ist eins der Gesetze des Seeverkehrs, die unverbrüchlich eingehalten wer­den, daß jede andere Liebertragung schweigt, wenn der 808-Ruf gehört wird. Nichts anderes darf diesen Schrei um Hilfe in seiner Dringlich­keit abschwächen oder undeutlich machen. Das in Gefahr befindliche Fahrzeug gibt den Ort an, an dem es sich befindet. Andere Schiffe teilen den ihren mit, und dann bestimmt das yilssbedürftigs Schiff dasjenige andere, das ihm zu Hilfe kom­men soll. Auch das ist ein Brauch der Meere, daß das Fahrzeug, das den 808-Ruf ausstötzt,

Angestellte und Wirischastsprogramm.

Einwendungen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten.

Berlin, 1. Sept. (TU.) In einer Eingabe an die Reichsregierung vertritt der GDA. seinen Stand­punkt zur beabsichtigten Ermächtigung des Unternehmers zur untertariflichen Bezahlung. Der GDA. verlangt Sicherun­gen für die Angestellten dagegen, daß zu einer Gehaltskürzung entsprechend der Verminderung der Arbeitszeit noch eine weitere Gehaltskürzung durch die Ermächtigung des Arbeitgebers zur progressiven Herabsetzung des Tariflohnes tritt. Das würde für den Angestellten eine doppelte Belastung bedeuten. Erfolge dann noch ein allgemeiner Ab­bau der Tarifgehälter, so würde der Angestellte so­gar dreifach betroffen. Eine weitere Zurückfchrau- bung der Angestelltengehälter verbiete es, den Preisstand und die Mieten in der jetzigen Höhe aufrechtzuerhalten. Um die qualitative Bezah­lung des Angestellten entsprechend seiner Tätigkeit zu sichern, hält es der GDA. für notwendig, daß den am Tarifvertrag unmittelbar Beteiligten die Ordnung ihrer Verhältnisse durch freiwillige Selbstbestimmung ohne Bevormundung über­lassen bleibe. Der Staat soll seinen Schlichterappa­rat den Tarifvertragsparteien dann zur Verfügung stellen, wenn sie sich über die zweckmäßigste Rege­lung ihrer Beziehungen nicht einigen können. Ebenso wird es als Verpflichtung des Staates an­gesehen, die einseitige Ausnutzung wirtschaftlicher Uebermacht durch den Einsatz aller Machtmittel zu verhindern. Den Angestellten erwachsen auch noch besondere Nachteile dadurch, daß 'Per Arbeitgeber bei einer Mehreinstellung von Arbeitern die Mög­lichkeit sehe, die Angestelltengehälter zu kürzen.

Deutschlands

Auslandsverpflichtungen.

Der Reichsfinanzminister fordert Verständ­nis für die deutschen Notwendigkeiten.

London, I.Sept. (TU.) 3n derFinancial Times" wird eine längere Llnterredung mit dem Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk veröffentlicht. Der Minister weist darin auf die Rotwendigkeit einer Herab­setzung der Zinsen für die Ausland- Verpflichtungen Deutschlands hin. Er empfiehlt einen engeren Zusammenschluß der Gläubiger im Auslande auf dem Wege über die Zentralbanken und vielleicht die B3Z. und be­tont, daß etwaige Aenderungen nur auf b e mx Wege gegenteiligen Einvernehmens erzielt werden könnten. Auf die Dauer sei es für Deutschland unmöglich, große Zahlungen vom Kapital her zu leisten. Durch den Fall der Preise habe sich die Belastung erheblich ver­größert. Wenn es gelinge, die Preise wieder zu heben, so würde sich ein großer Teil der Schwierigkeiten für Deutschland von selbst regeln. Riemand hatte erwarten können, daß eine An­zahl von Ländern, die Deutschlands Gläubiger seien, ihre Märkte verschließen würden, so daß man Deutschland kaum den Vorwurf machen könne, daß es sorglos geborgt habe. Eine Entwertung der Mark oder eine Konvertie­rung von inneren Anleihen nach englischem Vor­bild komme für Deutschland nicht in Frage, da hierdurch das Vertrauen zerstört würde, das die Regierung aufzubauen versuche. Auch komme zur Zeit eine Herab­setzung der Steuern nicht in Frage, so sehr die Regierung dies auch wünsche. Hinsichtlich des Stillhalteabkommens regte der Reichsfinanz­minister die Möglichkeit einer Ausgabe von Goldzertifikaten an, die von der deutschen Regierung jeweils zurückgezahlt werden könnten, sobald die notwendigen Devisen vorhanden seien. Man komme immer wieder darauf zurück, daß Deutschland nur in Waren zahlen könne.

seine Befehle erteilt, denn es ist ja klar, daß In höchster Rot sofortige Hilfe dringend notwendig ist, und Schiffe, die weit entfernt sind, nur nutz­los die Luft mit ermutigenden Botschaften in An­spruch nehmen, während die Verbindung mit dem nächsten Schiff, das zur Hilfeleistung aufgefordert ist, dadurch gestört werden könnte. Richt alle Schiffe senden gewöhnlich auf derselben Wellen­länge; das hängt in hohem Maß von ihren Appa­raten ab . Man versteht daher zunächst nicht, wie es möglich ist, daß ein aufs Geratewohl ausge­sandter 808-Ruf gewöhnlich so rasch und sicher ausgenommen wird. Doch die Erklärungist ein­fach. Die übliche Wellenlänge auf dem Meer ist 600 Meter. Unb nach internationalem Gesetz müs­sen alle Funker sich auf diese Wellenlänge drei Minuten jede halbe Stunde einschalten. Damit bei dieser Maßnahme keine 3rrtümer Vorkommen, ist die Hörzeit für alle Schiffe festgelegt; es sind die Zeiten von 15 bis 18 und von 45 biS 48 Minuten in jeder Stunde. Was auch ein Funker in diesem Augenblick gerade tut, mag er noch so wichtige Rachrichten senden oder empfangen, er mutz seine Arbeit sofort unterbrechen und seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, ob irgend­eine Kunde von schtoerer Seegefahr zu ihm bringt Der Rundfunk-Raum spielt heutzutage auch eine sehr wichtige Rolle bei der Navigation des Schif­fes, besonders bei schlechtem oder nebligem Wet­ter. 3st es doch durch diese geheimnisvollen Werk­zeuge möglich, mit fast unfehlbarer Sicherheit den Aufenthalt anderer Schiffe festzustellen und von diesen wertvolle Mitteilungen über die Rich­tung zu erhalten. Diese rasche ilebermittlung der Rachrichten von Schiff zu Schiff trägt ja heute soviel dazu bei, die Meerreissn sicher und an­genehm zu machen. Auherdem hört der Funker natürlich die neuesten Rachrichten. Es gibt Ge­sellschaften in den verschiedenen Ländern, die einen besonderen Nachrichtendienst für die Schiffe auf hoher See eingerichtet haben; diese nimmt der Funker auf und teilt sie durch die Bordzeitung den Passagieren mit. Die großen Schiffe sind auf solche Nachrichtendienste abonniert, aber die klei­nen natürlich nicht, und so gibt es auf dem Meer biete Schwarzhörer, die sehr schwer zu fassen sind. Der Funker wird freilich es meist für sich behal­ten, wenn er sich auf solche Weise die neuesten Neuigkeiten verschafft, denn der Kapitän, der da­von weiß, macht sich damit einer üe&ertretung ir­gendwelcher Bestimmungen schuldig. Liegt ihm daran, etwas Wichtiges zu erfaßen, so bezahlt et lieber der Gesellschaft, deren Dienst er in An­spruch nimmt, eine geringe Gebühr, um auf an­ständigem Wege feine Neugierde zu befriedigen.