daß eine Partei im Parlament die Mehrheit gewinnt und die Staatsführuna für sich in Anspruch nimmt Die NSDAP, hat diese theoretische Möglichkeit als praktisches Ziel verkündet und ist diesem Hiele in hohem Maße nahegekommen.
Der noch einen Sinn für die mitreißende Kraft einer großen Bewegung besitzt, wird es ohne Rückhalt begrüßen, daß sich Millionen Deutscher im Glauben an die Zukunft der Ration zusammengefunden haben, hier sind Ansätze vorhanden, aus denen sich neuer konservativer Geist entwickeln kann. Es ist zu hoffen, daß die Führer dieser Bewegung die Ration über die Partei stellen werden und damit den Glauben von Millionen an einen Ausweg aus der seelischen und materiellen Rot des Volkes auch in der Staatsführung sichtbaren
Ausdruck geben werden.
Jetzt geht es um den Staat und nicht um die Partei. Die Menschen, die zur NSDAP, geströmt sind, haben sich zum größten Teil von den alten liberali- strschen Parteien abgewandt und sich der Bewegung in der Hoffnung angeschlossen, an einem Neubau des Staats auf konservativer Grundlage mitzuwirken. Ein Staat aber, der von einer Partei und einem Parteiapparat beherrscht wird, kann konservatives Leben nicht entwickeln. Die Hoffnungen in den Herzen der Millionen von Nationalsozialisten können nur durch eine autoritäre Regierung erfüllt werden.
Die Frage einer Regierungsbildung auf parlamentarischem Koalitions- tD€<j ist neuerdings wieder in den Kreis der öffentlichen politischen Diskussion gestellt worden. Wenn angesichts der wachsenden Rot derartige Verhandlungen mit dem Motiv geführt werden, den parteipolitischen Gegner durch Mißerfolg seiner Rcgierungstätigkeit zu vernichten, so bst das ein gefährliches Spiel, vor dem nicht genug gewarnt werden kann. Denn letzten Endes edeuten solche Pläne nichts anderes als eine Taktik, die man in Kauf nimmt, daß es dem Volk noch schlechter geht und der Glaube von Millionen in bitterste Enttäuschung umschlägt, wenn nur damit das Ziel erreicht wird, den politischen Gegner zu vernichten. Cs liegt in der Natur solcher parteitaktischer Manöver, daß sie verschleiert und in der Oeffentlichkeit abgeleug- net werden. Das kann mich nicht hindern, offen vor solchen Plänen zu warnen, bei denen es zunächst unerörtert bleiben mag, wer der Betrogene und wer der Betrüger ist, die aber bestimmt das deutsche Volk um die Hoffnung auf die Besserung seiner Lage betrügen.
Richls kann eindringlicher die Rolwendigkeik einer autoritären Regierung beweisen als derartige Aussichten auf die Manöver eines taktischen Spieles der Parteien.
Die Forderung nach konservativer Staatsführung darf aber nicht in der Weise verfälscht werden, als ob die konservativen Elemente in der Staatsführung nicht der Gegenwart, sondern einer Vergangenheit, die restauriert werden müsse, zu gelten hätten. Der Sinn einer autoritären Regierung würde vollkommen verfälscht, wenn man irgendwie dem Gedanken Rahrung gebe, das Präsidialkabinett sei notwendig, um den Willen der überwiegenden Mehrheit des Volkes zu durchkreuzen. Ich glaube vielmehr, daß die Maßnahmen, die die Reichsregierung in nächster Zeit zu treffen hat, den Widerhall viel weiterer Kreise des Volkes finden werden, als sie durch irgendeine parlamentarische Regierungsbildung zusammengebracht werden können.
Das Reichsgericht bestätigt das Verbot der „Hessischen Landeszeitung".
WSR. Darmstadt, I.Sept. Die nationalsozialistische „Hessische Landeszeitung" hatte am 26.3uli unter der Lieberschrift „Hochverrat" e i n Pol izeiliches Aktenstück abgedruckt und der hessischen Regierung zum Vorwurf gemacht, sie dulde die Vorbereitung kommun isti- schen Hoch- und Landesverrats in
Die Opfer des hlauenDiamanten.
(Sensationsprozeß
entyüftt seltsame Derw.ckiungen.
Im Zusammenhänge mit dem Scheidungsprozeß des amerikanischen Milliardärs M a c L e e n und den Pikanterien, die die amerikanischen Reporter durch viele Wochen mit üppigem Stoff versorgten, wird nun auch die Geschichte des verhängnisvollen blauen Diamanten „Hoffnung" erzählt, der sich jetzt nach hundertjähriger Wanderung im Besitz der Homilie Mac Leen befindet.
Von dem ersten Jahre ihres Zusammenlebens an plagte Lady Mac Leen ihren Gatten mit der Bitte, den Diamanten „Hoffnung", der sich damals in Washington befand, zu erwerben. Mac Leen, der von dem vielen Unglück gehört hatte, das der Brillant feinen früheren Besitzern brachte, versuchte, seiner Frau diesen Wunsch auszureden. Frau Mac Leen wollte auf ihren Wunsch nicht verzichten und machte sich über diesen Aberglauben lustig.
„Ich fürchte, du wirst ihn noch teurer bezahlen als ich", bemerkte Mac Leen, als er ihr den für eine große Summe erworbenen Diamanten übergab. Und richtig wollte es das Schicksal, daß gleich bei ersten Male, als Frau Mac Leen diesen Brillanten trug, ihr zehnjähriges Söhnchen, mit dem sie ausgefahren war, von einem Auto getötet wurde. — Mit dem Tode dieses Milliardärkindes schließt vorläufig die Kette der Unglücksfälle, die im Verlaufe von drei- hundert Jahren im Leben der verschiedenen Brillantenbesitzer verzeichnet werden mußten.
Nach Europa ist der Brillant „Hoffnung" von einem der berüchtigtsten Abenteurer des 17. Jahrhunderts, namens £a Dernier, gebracht worden. Tavernier hat den Brillanten aus dem Tempel des Gottes Roma-Sita in Pagana gestohlen, wobei er den Priester ermordete, der das Juwel bewachte. Er verkaufte den blauen Brillanten an Ludwig XIV. und ging selbst wieder nach Indien, wo er später von einem Tiger zerfleischt wurde.
Ludwig XIV. schenkte dos Juwel seiner damaligen Geliebten Madame de Mo nie span, die zu diesem Zeitpunkt die gefeiertste und mächtigste Favoritin am Hofe des Königs war. Zwei Tage nachdem sie sich dem Hofe im Glanze dieses neuen Juwels gezeigt hotte, fiel sie in Ungnade und mußte bald ins Kloster wanden.
Um feinem bevorzugten Finanzminister seine Gunst zu bezeugen, erlaubte Ludwig XIV. ihm, für einen Abend den Diamanten zu tragen. Zwei Taae nachher wurde F o u c q u e t in die Bastille geworfen, wo er 19 Jahre lang bis zu seinem Tode schmachtete.
Deutschlands Anspruch aus Wehrsrcheit.
Besorgnisse in Amerika.
Keine deutsche Ausrüstung, sondern Umbau der Reichswehr.
Washington, I.Sept. (WTD.) Ein offizieller Kommentar zur Fühlungnahme mit Frankreich über den Umbau der Reichswehr ist nicht erfolgt, dagegen äußerte sich eine verantwortliche Persönlichkeit aus amerikanischen Reoierungskre isen folgendermaßen in dieser Angelegenheit:
„Amerika ist in erster Linie an der Herabsetzung der Rüstungen interessiert, weshalb leider deutsche Schritt, der auf E r h ö h u n g der Rüstungen abzielt, hier recht ungünstigen Eindruck machen würde. Ohne zur Frage der Deutschland im Versailler Vertrag auferlegten Beschränkungen Stellung zu nehmen, vertritt man hier die Auffassung, daß die Parität durch eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den europäischen Nationen erstrebt werden sollte, indem dort durch die Herstellung des Vertrauens alle anderen Nationen allmählich j um deutschen Rüstungs - Niveau hinunter st eigen, anstatt daß Deutschland aufrüstet. Der vom Präsidenten hovver im Juni gemachte Vorschlag basierte auf den Zahlen des Versailler Vertrages und stellte den Beginn der Abrüstung dar, die Deutschland die Parität gegeben hätte. Unter feinen Umständen sollte je wieder aufgerüstet werden, da dadurch das delikate und schwere Werk der allgemeinen Abrüstung wahrscheinlich unrettbar zerstört werden würde?
Von zuständiger deutscher Stelle wird hierzu mitgeteilt, daß aus den Erklärungen des Reichs- wehrministers hervorgeht, daß Deutschland
nicht aufrüsten will, sondern nur das Geld, das es schon jetzt für seine Wehrmacht ausgibt, für feine Sicherheit nutzbringender anwen - den will, als das bei seiner heutigen Militärorganisation möglich ist.
Kabinettsrat in Paris.
Herriot unterrrchtet die britische Regierung
Paris, 1. Sept. ($11.) Der Pariser Kabinettsrat ist um 17 Uhr unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Herriot zusammen- ge treten. Herriot hat den deutschen Schritt in der Frage der Gleichberechtigung Pressevertretern gegenüber als außerordentlich wichtig bezeichnet, im übrigen jedoch jede Erklärung a b g e l e h n t. Er hat sich darauf beschränkt, den Pressevertretern Kaltblütigkeit und Ruhe wnzucmpsehlen, bis das Ergebnis einer genauen Prüfung des deutschen Dokumentes vorliege. — „Journal" weiß zu berichten, Ministerpräsident Herriot habe gestern dem englischen Geschäftsträger eine Kopie des deutschen Schriftstückes, in dem der deutsche Standpunkt in der Gleichberechtigungsfrage behandelt wird, mit der Bitte überreicht, sie der englischen Regierung zur Kenntnis zu bringen. Herriot habe sich, To schreibt das Blatt, nach dem gestrigen Kabinettsrat zwar geweigert, irgend eine Erklärung abzugeben, aber seine Unterredung mit dem englischen Geschäftsträger gebe einen interessanten Hinweis auf die wahrscheinliche Haltung der französischen Regierung, die vor altem bemüht zu sein scheine, gemäß den Bestimmungen des Vertrauensabkommens vom 13. Juli sich mit der englischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen.
ihrem Land, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Obgleich die Zeitung in einer Auflagenachricht der Regierung darauf aufmerksam gemacht worden war. daß es sich gar nicht um hessisches Aktenmaterial handele, sondern um solches aus Braunschweig und aus dem Ruhrgebiet, das vor etwa einem 3ahr von einer Berliner Stelle nach Darmstadt gesandt worden sei, wurden die Angriffe gegen die hessische Regierung fortgesetzt. Die Zeitung wurde dann vom 28.3uli bis 4. August verboten. Die eingelegte Beschwerde wurde vom Reichsinnenminister an das Reichsgericht weitergegeben. Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat die Beschwerde als unbegründet verworfen und erklärt, der hessische 3nnenminister habe mit Recht die in den Nummern 204, 205 und 206 der Zeitung enthaltenen Artikel beanstandet.
Um die Einführung der Schlacht uer in Hessen.
Darmstadt, I.Sept. (WSN.) Jrn Finanz- m i n i ft e r i u m sand heute morgen eine Besprechung mit Vertretern der Handwerkskammer und der Landwirtschaftskammer über die Schlachtsteuer statt. Wie bekannt, ist deren Einführung in Hessen noch nicht endgültig beschlossen, da das Kabinett noch keine Stellung genommen hat. Gleichwohl sind angesichts der Tatsache, daß die Schlachtsteuer in einem Gebiet erhoben wird, das neun Zehntel der Bevölkerung des Reichs umfaßt, von den hessischen Ressortstellen pflichtgemäß die Vorarbeiten geleistet worden. Das hessische Metzgergewerbe und die Landwirtschaft hatten gebeten, ihre Wünsche vor einer Einführung der Schlachtsteuer vorbringen zu dürfen. Bei der Regierung besteht Geneigtheit, den Vorschlägen der Jnteressenvertreter bei der Ausgestaltung des Steuerentwurfs nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, auch hinsichtlich der Wünsche nach der Klasseneinteilung. Mit Rücksicht auf die Höhe der Schlachthofgebühren dürften die Steuer- sätze in Hessen nie d r i g e r werden als in Preu-
Die einzige französische Königin, die den blauen Diamanten nachher zu tragen wagte, war die Unglück- liche Königin Marie Antoinette.
Viele Jahre später tauchte der verhängnisvolle Diamant in Amsterdam auf. Er wurde von dem damals bekannten Juwelenhändler F a l s erworben, der ihm seinen jetzigen Schliff gab.
In Amsterdam geschah es nun, daß Fals' Sohn seinem Vater das Juwel stahl und mit ihm nach Poris flüchtete. Bald mußte er jedoch den Diamanten verkaufen, begann ein liederliches Lebern und als er sich ganz verarmt sah, endete er durch Selbstmord. Der Lebemann hatte den Diamanten einem Franzosen Beaulieu verkauft. Der Franzose der wußte, daß der Diamant gestohlen war, traute sich nicht, mit dem kostbaren Stück hervorzutreten und hielt sich im Londoner Armenviertel verborgen.
Der nächste Besitzer des Juwels war Thomas Hope, der ihn für 18 000 Pfund erwarb und ihm auch feinen Namen Hope (Hoffnung) gab. Er schenkte den Stein feinem Sohn, Lord Hope, der nach einigen Jahren vollständig zugrunde ging. Er hatte sich mit der berühmten Schauspielerin May Joga ver- heiratet, die bald fein ganzes Vermögen verfchwen- bete und ihn verließ.
*
SBie ein antiker Fluch, vor dem kein Entrinnen möglich ist, mutet es an, wenn man lieft, wie schrecklich der Besitzer dieses Diamanten im Leben des Fürsten Ponjatowsky wirkte. Ponjatowsky liebte in Paris, wo er eine berühmte Schönheit, die Tän- zerin Ladou aus den „Folies Bergeres“ als Geliebte hatte. Eines Abends faß er mit der Ladou, die den von ihm geschenkten blauen Diamanten am Halse trug, in einer Theaterloge und aller Augen wandten sich nach ihr. Plötzlich erhob sich in der Nachbarloge ein Herr und gab einen Schuß auf die Ladou ab, der sie am Halse traf. Der blaue Diamant wurde vom Blute der Tänzerin benetzt, die auf der Stelle starb. Zwei Tage nachher wurde Fürst Ponjatowsky auf der Straße erschossen. Der Juwelenhändler, der ihm den Diamanten verkauft hatte, beging Selbstmord.
Eine solche Chronik okkulten Grauens wäre nicht vollendet wenn sie nicht nach dem Orient hinüber- fpielte. und richtig wurde eines Tages der blaue Diamant durch einen Griechen für den Sultan Abdul Hamid erstanden.
Dem Griechen selbst widerfuhr zehn Tage nach dem Verkauf mit seiner ganzen Familie ein tödliches Unglück bei einer Automobilkatastrophe. Oeffentlichen Gebrauch wagte Abdul Hamid nickt von diesem verhängnisvollen Diamanten zu machen. Er wollte sich aber auch nicht von ihm trennen und verbarg ihn in
ßen und Bayern. Die Entschließung des Gefamt- minifteriums über die Einführung der Schlachtsteuer dürfte in Kürze erfolgen.
Zinsprobfem und Landwirtschaft.
Die landwirtschaftlichen Genossenschaften fordern allgemeine Zinesenkung.
Berlin,!. Sept. (LH.) 3m „Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaftsblatt", dem Organ des Reichsverbandes der Deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften-Raiffeisen, werden Ausführungen wiedergegeben, die eine allgemeine Lösungdes Zinsprvblems fordern.Richt mit Unrecht werde in der öffentlichen Erörterung dieser Frage zum Ausdruck gebracht, daß eine unrentable LandwirtTchaft nicht mit untragbaren Zinsen belastet lverden könne. Es müsse allerdings betont werden, daß eine durchschlagende Hilfe nur von einer allgemeinen Zinssenkung erwartet werden könne und daß jeder Versuch, eine individuelle Zinssenkung durchzufuhren — etwa durch Einrichtung von Schiedsstellen zwischen Gläubiger und Schuldner und in ähnlicher Weise — zum Scheitern verurteilt sei. Eine Zurückführung der Zinssätze auf den Vorkriegsstand begegne, wie die ohne wesentliche Störungen durckgeführte Zinssenkung auf dem Kapitalmarkt durch die Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 gezeigt habe, keinen unüberwindbaren technischen Schwierigkeiten. Es gelte hier im wesentlichen, Maßnahmen der Rotverordnung vom 8. Dezember 1931 zu wiederholen. Schwieriger lägen die Verhältnisse auf dem Gebiete des Personalkredits. Zunächst sei eine kräftige Senkung des Reichsbankdiskont- s a tz e s zu fordern. Rach der allgemeinen Geldlage sei diese auch ohne weiteres möglich. 3n Gläubigerkreisen begegne die Absicht einer Zins- senkung vielfach Bedenken. Man könne aber annehmen, daß es gerade im wohlverstandenen Interesse der ©laubiger liege, wenn dem Schuldner keine höhere Zinsleistung aufgebürdet toerde, als er tatsächlich tragen könne.
feiner Schatzkammer. Wie bekannt, entrann Abdul Hamid nicht seinem Schicksal. Erst viele Jahre nach der Absetzung und Internierung Abdul Hamids tauchte der blaue Diamant in Washington auf, wo ihn der Milliardär Mac Leen erwarb.
Orientalische Schicksalsdeuter meinen, daß die verhängnisvolle Wirkung des Steines nicht eher aufhören wird, als bis der Stein feinem Gotte Rama- Sita zurückgegeben fein wird. P. S.
Wenn der 808-Ruf ertönt...
Keinen Ort gibt es auf hoher.See, an dem man mehr Sensationen und Aufregungen erleben kann als in dem Rundfunk-Raum, «der gleichsam das Ohr barstellt, das das Fahrzeug auf der unendlichen Wasserwüste, mag es ein Kriegsschiff, ein Passagierdampfer oder ein Frachtschiff sein, mit der Außenwelt verbindet. Der Funker weiß niemals, was er in der nächsten Sekunde hören wird. Bald ist es eine Wettermeldung, die ihn gar nicht interessiert, oder eine glühende Liebesbotschaft, die ein junger Mann seiner an Bord befindlichen Angebeteten durch big Luft nachschickt; es kann aber auch eine Nachricht sein, die die Welt erschüttert oder die für das Schiff selbst von großer Wichtigkeit ist. Es gibt bestimmte Tageszeiten, art denen alle Schiffe der Handelsflotte, wo sie auch sein mögen, sozusagen „mit einer gemeinsamen Zunge" sprechen; d. h., sie hören und reden auf derselben Wellenlänge. Das ist die große Rundfunk-Brüderschaft der Meere, die alle umschließt. Mag es nun der Funker eines Lu- xusdampfers sein, der in elegant eingerichteter Kabine haust, oder der Rundfunkmann eines schmutzigen kleinen Kohlendampfers. Die größte Sensation, die man in einem solchen Rundfunk- raum erleben kann, tritt dann ein, wenn Plötzlich ein 8 08-Ruf von irgendwoher kommt. Wo noch soeben die Luft erfüllt war mit einem bunten Durcheinander drahtlosen Geschwätzes, schrillt nun Plötzlich in eine lautlose Stille dieser Derzweiflungsschrci mit seinen scharf akzentuierten Tönen. Es ist eins der Gesetze des Seeverkehrs, die unverbrüchlich eingehalten werden, daß jede andere Liebertragung schweigt, wenn der 808-Ruf gehört wird. Nichts anderes darf diesen Schrei um Hilfe in seiner Dringlichkeit abschwächen oder undeutlich machen. Das in Gefahr befindliche Fahrzeug gibt den Ort an, an dem es sich befindet. Andere Schiffe teilen den ihren mit, und dann bestimmt das yilssbedürftigs Schiff dasjenige andere, das ihm zu Hilfe kommen soll. Auch das ist ein Brauch der Meere, daß das Fahrzeug, das den 808-Ruf ausstötzt,
Angestellte und Wirischastsprogramm.
Einwendungen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten.
Berlin, 1. Sept. (TU.) In einer Eingabe an die Reichsregierung vertritt der GDA. seinen Standpunkt zur beabsichtigten Ermächtigung des Unternehmers zur untertariflichen Bezahlung. Der GDA. verlangt Sicherungen für die Angestellten dagegen, daß zu einer Gehaltskürzung entsprechend der Verminderung der Arbeitszeit noch eine weitere Gehaltskürzung durch die Ermächtigung des Arbeitgebers zur progressiven Herabsetzung des Tariflohnes tritt. Das würde für den Angestellten eine doppelte Belastung bedeuten. Erfolge dann noch ein allgemeiner Abbau der Tarifgehälter, so würde der Angestellte sogar dreifach betroffen. Eine weitere Zurückfchrau- bung der Angestelltengehälter verbiete es, den Preisstand und die Mieten in der jetzigen Höhe aufrechtzuerhalten. Um die qualitative Bezahlung des Angestellten entsprechend seiner Tätigkeit zu sichern, hält es der GDA. für notwendig, daß den am Tarifvertrag unmittelbar Beteiligten die Ordnung ihrer Verhältnisse durch freiwillige Selbstbestimmung ohne Bevormundung überlassen bleibe. Der Staat soll seinen Schlichterapparat den Tarifvertragsparteien dann zur Verfügung stellen, wenn sie sich über die zweckmäßigste Regelung ihrer Beziehungen nicht einigen können. Ebenso wird es als Verpflichtung des Staates angesehen, die einseitige Ausnutzung wirtschaftlicher Uebermacht durch den Einsatz aller Machtmittel zu verhindern. Den Angestellten erwachsen auch noch besondere Nachteile dadurch, daß 'Per Arbeitgeber bei einer Mehreinstellung von Arbeitern die Möglichkeit sehe, die Angestelltengehälter zu kürzen.
Deutschlands
Auslandsverpflichtungen.
Der Reichsfinanzminister fordert Verständnis für die deutschen Notwendigkeiten.
London, I.Sept. (TU.) 3n der „Financial Times" wird eine längere Llnterredung mit dem Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk veröffentlicht. Der Minister weist darin auf die Rotwendigkeit einer Herabsetzung der Zinsen für die Ausland- Verpflichtungen Deutschlands hin. Er empfiehlt einen engeren Zusammenschluß der Gläubiger im Auslande auf dem Wege über die Zentralbanken und vielleicht die B3Z. und betont, daß etwaige Aenderungen nur auf b e mx Wege gegenteiligen Einvernehmens erzielt werden könnten. Auf die Dauer sei es für Deutschland unmöglich, große Zahlungen vom Kapital her zu leisten. Durch den Fall der Preise habe sich die Belastung erheblich vergrößert. Wenn es gelinge, die Preise wieder zu heben, so würde sich ein großer Teil der Schwierigkeiten für Deutschland von selbst regeln. Riemand hatte erwarten können, daß eine Anzahl von Ländern, die Deutschlands Gläubiger seien, ihre Märkte verschließen würden, so daß man Deutschland kaum den Vorwurf machen könne, daß es sorglos geborgt habe. Eine Entwertung der Mark oder eine Konvertierung von inneren Anleihen nach englischem Vorbild komme für Deutschland nicht in Frage, da hierdurch das Vertrauen zerstört würde, das die Regierung aufzubauen versuche. Auch komme zur Zeit eine Herabsetzung der Steuern nicht in Frage, so sehr die Regierung dies auch wünsche. Hinsichtlich des Stillhalteabkommens regte der Reichsfinanzminister die Möglichkeit einer Ausgabe von Goldzertifikaten an, die von der deutschen Regierung jeweils zurückgezahlt werden könnten, sobald die notwendigen Devisen vorhanden seien. Man komme immer wieder darauf zurück, daß Deutschland nur in Waren zahlen könne.
seine Befehle erteilt, denn es ist ja klar, daß In höchster Rot sofortige Hilfe dringend notwendig ist, und Schiffe, die weit entfernt sind, nur nutzlos die Luft mit ermutigenden Botschaften in Anspruch nehmen, während die Verbindung mit dem nächsten Schiff, das zur Hilfeleistung aufgefordert ist, dadurch gestört werden könnte. Richt alle Schiffe senden gewöhnlich auf derselben Wellenlänge; das hängt in hohem Maß von ihren Apparaten ab . Man versteht daher zunächst nicht, wie es möglich ist, daß ein aufs Geratewohl ausgesandter 808-Ruf gewöhnlich so rasch und sicher ausgenommen wird. Doch die Erklärungist einfach. Die übliche Wellenlänge auf dem Meer ist 600 Meter. Unb nach internationalem Gesetz müssen alle Funker sich auf diese Wellenlänge drei Minuten jede halbe Stunde einschalten. Damit bei dieser Maßnahme keine 3rrtümer Vorkommen, ist die Hörzeit für alle Schiffe festgelegt; es sind die Zeiten von 15 bis 18 und von 45 biS 48 Minuten in jeder Stunde. Was auch ein Funker in diesem Augenblick gerade tut, mag er noch so wichtige Rachrichten senden oder empfangen, er mutz seine Arbeit sofort unterbrechen und seine ganze Aufmerksamkeit darauf lenken, ob irgendeine Kunde von schtoerer Seegefahr zu ihm bringt Der Rundfunk-Raum spielt heutzutage auch eine sehr wichtige Rolle bei der Navigation des Schiffes, besonders bei schlechtem oder nebligem Wetter. 3st es doch durch diese geheimnisvollen Werkzeuge möglich, mit fast unfehlbarer Sicherheit den Aufenthalt anderer Schiffe festzustellen und von diesen wertvolle Mitteilungen über die Richtung zu erhalten. Diese rasche ilebermittlung der Rachrichten von Schiff zu Schiff trägt ja heute soviel dazu bei, die Meerreissn sicher und angenehm zu machen. Auherdem hört der Funker natürlich die neuesten Rachrichten. Es gibt Gesellschaften in den verschiedenen Ländern, die einen besonderen Nachrichtendienst für die Schiffe auf hoher See eingerichtet haben; diese nimmt der Funker auf und teilt sie durch die Bordzeitung den Passagieren mit. Die großen Schiffe sind auf solche Nachrichtendienste abonniert, aber die kleinen natürlich nicht, und so gibt es auf dem Meer biete Schwarzhörer, die sehr schwer zu fassen sind. Der Funker wird freilich es meist für sich behalten, wenn er sich auf solche Weise die neuesten Neuigkeiten verschafft, denn der Kapitän, der davon weiß, macht sich damit einer üe&ertretung irgendwelcher Bestimmungen schuldig. Liegt ihm daran, etwas Wichtiges zu erfaßen, so bezahlt et lieber der Gesellschaft, deren Dienst er in Anspruch nimmt, eine geringe Gebühr, um auf anständigem Wege feine Neugierde zu befriedigen.


