Nr. rr Zweites Blatt
Siebener Anzeiger liöeneral-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 2. April 1932
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beantworten, dal; Frankreich leine Stellung zum Kriegsschuldenproblem im Sinne der Forderung Lloyd Georges nicht ändert.
e h e st e n durch politischen Entschluß getätigt werden kann. Der Wille aber dazu muh aus Europa, d. h. also von Frankreich kommen. Dann würde ein Anstoß da sein, der die Bereinigten Staaten weiter triebe, wo ja Verständnis für die Situation vorhanden ist. wie der amerikanische Redner der Pariser Handelskammerfitzung wiederum sehr deutlich gezeigt bat. Wäre dieser erste Stein aus dem Wege geräumt, so wurde man auch in den Erörterungen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit weiter vorwärts kommen, die freilich mit der Zollsrage oder Zollunion durchaus nicht erschöpft sind, sondern die dazu noch konstruktiver, regulierender Gedanken bedürfen.
Wird aus dem großen fernöstlichen Zusammenhang. der für Japan, Rußland. England, Amerika größte Probleme aufwirlt. etwas kommen. waS Frankreichs heutige Stellungnahme zu Kriegsschulden und europäischer Zusammenarbeit beeinflussen, verändern könnte? Werden die Monate nach der Osterpause, im Sommer, den Anfang einer neuen Ordnung bringen oder weitere Schritte in das Chaos? Es Hot nicht den geringsten Wert, wenn ein daran im höchsten mitschuldiger Staatsmann wie Lloyd George heute seine Rechtfertigung verfucht vor einem Europa, das durch die sog. Ordnung der Pariser Friedensverträge in dauernden Unfrieden und in wachsende Gefahr des Zusammenbruchs gestoßen worden ist!
Wir klugen Leute haben hier unten soviel zu schaffen und sehen zum Himmel nur auf, wenn ein Flugzeug oorbeigondelt. Ein Stinb muß kommen und seine kleine Hand aufheben, um uns zu erinnern, daß es da oben noch-etwas anderes zu sehen gibt und etwas Größeres.
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Hat England die Krise bereits überwunden? Man hört optimistische Töne in dieser Beziehung: das Pfund ist gestiegen, die Preise sind inzwischen — aber nicht wesentlich — gestiegen, man hat keine Inflation, höchstens einen Stillstand der Deflation, die Bilanz des Handels und der Zahlungen habe sich gebessert, die Zahlungsbilanz wäre wohl wieder aktiv, der Zinsfuß konnte in einem Monat dreimal gesenkt werden. Das beweist indes nur, daß sich England trotz allem, mehr an Reichtum bewahrt hat als man annahm. Es beweist durchaus nicht, daß diese Atempause in finanzieller Beziehung auch eine Atempause für die Wirtschaft sei. Unb umgekehrt: da die englischen Finanzen sich etwas erholten, sagt man in Amerika, daß man nun er st recht keine Beranlassung habe/
Lavieren!
Außenpotitische Umschau.
Don Or. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin.
Lloyd George hat in seinem Buche, das das Reklameereignis der letzten Woche im Buchhandel war, die Streichung der Reparationen und Kriegsschulden gefordert. Biel wesentlicher als diese Forderung aus seinem Lande sind, die beiden Fragen, die die englische Presse in der Besprechung daran knüpfte: Wird Amerika mit einem Strich aus eine Forderung, die man auf 7 Milliarden Dollar beziffert, verzichten? Und wird Frankreich auf die deutschen Reparationszahlungen verzichten? Die Antwort auf diese Fragen hängt wieder d<won ab, wie die innere Lage beider Länder wirtschaftlich und politisch sei.
mit feiner „Salome". Später erzählte er Holm, daß er den Erfolg gar nicht dem verdankte, was an Können in dem Bild steckt, sondern im Gegenteil. Das dämonische Weib ist dargestellt, wie es dem Haupt des Johannes mit dem Zeigefinger das eine Auge öffnen will. Der Maler konnte nun trotz aller Bemühungen nicht zuwege bringen, daß Salome wirklich das Auge ihres Opfers ansah, und geriet darüber so in Wut, daß er das Bild gar nicht aufstellen wollte. Da kam der Waler Walter L e i st i k o w mit seiner Frau zu ihm, und diese sagte bewundernd: „Das Feinste an dem Bild ist, wie sich die Salome trotz ihres Sadismus doch nicht überwinden kann, den Kopf auch richtig anzuguclen, obgleich sie ganz entschieden will, daß es so wirkt." Da war also das Unvermögen des Malers in eine Finesse umgebe utet, und was er für eine Verzeichnung hielt, machte gerade den Erfolg.
Das wäre möglich, wenn die Vereinigten Staaten besonders entgegen kämen. Wie steht es bei ihnen mit der Krise? Die Zusammenbrüche der Danken sind weniger zahlreich geworden. Der Zahlungsmittelumlaus ist zurückgegangcn. Die Goldaussuhr ist nicht mehr bedrohlich. Die finanzielle Lage hat sich also etwas gekräftigt, wobei man zweifelhaft sein kann, wieviel Verdienst daran den Maßnahmen Hoovers mit der sogenannten ..Redeflation" zuzumessen ist. Aber die Wirtschaftslage zeigt keine Besserung. Die Kreuger-Krise ist dazu gekommen. an der Amerika finanziell sehr stark beteiligt ist. Der Außenhandel ha! sich nicht gebessert, im Gegenteil, er ist weiter zusammen- gefchrumpft. Die Aktivität der Handelsbilanz war für Januar und Februar 1932: 38 Millionen Dollar, in den gleichen Monaten zwei Jahre vorher: 192 Millionen Dollar? Das gleiche gilt für dos innere Geschäftsleben. Es hot sich durch die Riesenmaßnahme Hoovers, die „Finanz- Rekonstruktions-Gesellschaft" nicht wirksam ankurbeln lassen. Wenn Hoover jetzt anregte. 200 Millionen Dollar aus der Farmer-Hilfe für Subventionen an den Export von Weizen und Baumwolle zu leiten, so beweist er damit seine Einsicht, wo die Wurzel des Uebels liegt, nämlich in der Ueberproduktion und den Uebervorräten, aber der landwirtschaftlichen Rot hilft er nicht ab, und die Farmer erheben Widerspruch dagegen, daß die für sie bewilligte Unterstützung in einen anderen Kanal gehen soll
Die Krise also hat sich nicht gebessert. Aber sie reicht auch noch nicht aus. in der Richtung auf entschlossene, internationale Zusammenarbeit vorwärts zu treiben. Beweis: die Senatsaus- sprache über eine eventuelle Streichung der Kriegsschulden, also die Forderung von Lloyd George. Man erwartet in Kürze Mellon a l s neuen Botschafter Amerikas in London. Man hatte Grund anzunehmen, daß die Hauptaufgabe des alten Herrn die Revision des e n g li s ch - ame ri k a n i sch e n Schuldenabkommens sein soll. 3m Senat aber ist darüber so scharf gesprochen worden, daß die Regierung eindeutig erklärt hat, Mellon habe keinerlei 3nstruktionen zu Verhandlungen über die Kriegsschulden. Die amerikanische Regierung werde darin nicht die geringste Initiative ergreifen, solange nicht in Lausanne die europäischen Regierungen sich „auf eine vernünftige und wirklich konstruktive Formel geeinigt hätten". Man muß zugeben, daß diese Einstellung nicht nur aus dem Zwang der nahestehenden Präsidentschaftswahl kommt, sondern auch nach den Erfahrungen des letzten Jahres in Frankreich in sich logisch ist. Es kommt also in der Reparationsfrage darauf an, daß in Lausanne Frankreich und Deutschland zu einem Arrangement kommen — das ist der Ker^ des Problems!
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— Der außerordentliche Professor des Staats- und Völkerrechts nn der Universität Frankfurt am Main, Dr. Karl Strupp, ist zum ordenllichen Profeßor an der gleichen Universität ernannt worden«
Wie ein Amerikaner Deuischland sieht.
3<n schwäbischen „Musterländle". - Oie württembergische Maschinenindustrie auch im Notwinier gut beschäftigt. - Amerikanische Kredite finanzieren das deutsche Rußlandgeschäst.
Don H. X Knickerbocker.
Würde. Frau Langen, die wie ihr großer Vater sich etwas als Literaturpapst dünkte, las manchmal einlaufende Manuskripte und darunter auch eins von Franks Bruder, Donald Wedekind, der durch Gewagtheit seiner Stoffe vor allem aufzufallen suchte. Rach der Lektüre eines solchen Werkes sagte Frau Langen zu Frank: „Ich las Ihres Bruders Donald letzte Rovelle. Sagen Sie ihm von mir: er ist ein Schwein." Wedekind holte Block und Bleistift aus der Tasche und erwiderte mit steinernem Gesicht im Tone größter Verbindlichkeit: „Ich will es mir sofort notieren, gnädige Frau "
Eine enge Freundschaft bestand zwischen Wedekind und dem feinsinnigen Dichter Eduard von Keyserling. Dieser war ebenso mit M. H a l b e befreundet, mit dem Wedekind sich immer wieder verkrachte. Einmal hatten die beiden sich wieder verzankt, und als sich Wedekind mit Keyserling am frühen Morgen in einer Droschke auf den Heimweg machte, da bemühte er sich, Keyserling plötzlich klarzumachen, daß er zwischen ihm und Halbe wählen müsse. Keyserling hörte sich dieses Drängen geduldig an, bis er ausstieg; dann reichte er dem stürmischen Frager ruhig die Hand: „Ich schätze es im Grunde mehr, wenn man mich nicht vor solche Alternativen stellt. Und Halbe hat es nicht getan. Sagen wir also: er! Und nun, mein lieber Frank: auf ewig Lebewohl!" Mit leisem Lächeln wendete er sich ab — er wußte ja, daß eine Ewigkeit in Schwabing ihre Grenzen hat. Wedekind aber rief ihm wütend nach: „Ist mir sehr recht! Es ist mir immer eine Ueberwindung, mit Leuten zu verkehren, die so häßlich sind!" Keyserling erwiderte in ruhigem Ton: „Ich habe mir Dich natürlich nach der Schönheit ausgesucht." 2m Grunde genommen aber war der zartfühlige, kranke Mann doch über fein unschönes Aeußeres unglücklich. Und als ihn Corinth allzu naturgetreu gemalt hatte, wollte er keinem Künstler mehr sitzen. Der junge Münchener Maler Albert Weitzgerber bat ihn einmal: „Ach, Herr Graf, ich würde Sie zu gerne malen. Sie haben solch eine blödsinnig noble Haut: ganz wie zerknittertes Papier!" Worauf Keyserling gelassen ablehnte: „Ree, lieber Freund, da malen Sie doch lieber die „Münchener Reuesten" von vorgestern." Als der heut bekanntere Philosoph Graf Hermann Keyserling seine ersten schriftstellerischen Versuche veröffentlichte, sagte der Rabenonkel: „Ich finde es wirkllch unerfreulich, daß nun jeder Keyserling sich ernknldet, er muß auch schreiben."
Lovis Corinth ging damals von München nach Berlin uni) hatte hier den ersten großen Erfolg
Die Wirtschaftskrise wühlt unter der Oberfläche in Frankreich stark. Auch der größte Optimist in Frankreich kann jedenfalls nicht bestreiten, daß die Finanzlage des Staates sehr unerfreulich ist. Mit welcher Schnelligkeit sind jene Schätze verbraucht worden, die Poincare und der Finanzminister Cheron gesammelt hatten! 19 Milliarden Frank hatte Cheron dem Rachfolger überlassen! Richts mehr da! Zwei Staatshaushalte bereits im Defizit, der neue für 1932 nur mit Kunststücken ausgeglichen, tatsächlich aber auch mit ciftcm Milliardendefizit. 2m Wahlkampf wird es natürlich heißen, daß das die Schuld der bisher regierenden Rechten gewesen sei. Das stimmt natürlich zum großen Teil. Denn die Kammer hat außerordentlich leichtherzig gewirtschastet, hat das Budget anschwellen lassen, wobei wir namentlich b i c €- teige r u n g des Militärbudgets besonders nicht vergessen wollen. Aber das ist nicht alles. Hier tritt d i e Wirtschaftskrise im ganzen auch in ihrem Angriff auf die französische Wirtschaft schon zutage. Im übrigen nagt sie noch unter der Oberfläche, während sie z. B. im benachbarten und befreundeten Belgien schon deutlicher zu sehen ist. mit einer Arbeitslosigkeit, die bereits 6 Prozent der Bevölkerung ausmacht, und einer Furcht vor einer Inflation, der man übrigens auch in Frankreich begegnet.
Immerhin: aus dem Druck dieser Wirtschaftskrise heraus wird Frankreich weder heute noch morgen, auch noch nicht in den nächsten Monaten sich gezwungen sehen auf eine verständigere Behandlung der Reparationsfrage einzugehen. Infolgedessen wird auch die Linke, der man einen großen Sieg voraussagt, in dieser Beziehung nichts Reues zu tun sich entschließen. Man erkennt das jetzt schon aus den Aeuße- rungen für den Wahlkampf. Die Wahlen werden wohl ausgangs April, die Stichwahl im Mai ftattfinben, und zwar nach dem alten Wahlrecht, da der naive Vorstoß der Rechten erledigt ist. Was Briand überhaupt noch im Wahlkampf, d. h. für seine außenpolitische Färbung hätte bedeuten können, ist mit seinem Tod erledigt. Die Linke hat so keine Kraft, keinen Mut, die Außenpolitik gegen die Rechte zu behandeln. Sie drückt sich um klare Programmforderungen dazu herum. Sie hat keine konstruktive Außenpolitik, und wenn man z. B. lieft was eben Herriot. vielleicht Frankreichs kommender Ministerpräsident und Vertreter bei der Lausanner Konferenz für die Wahlen, über die Außenpolitik getagt hat, dann sieht man. daß auch er. daß auch die Linke ncchts anderes tun wird, als die Rechte: einseitige, defensive Vertretung der Interessen Frankreichs. Denn Herriot erklärt, daß er in der Reparationspolitik bleibe, „in den Grenzen des Voung Plans", und daß er für Abrüstung und Sicherheit bleibe, „der Mann des Genfer Protokolls von 1 924". Das genügt! Jene erste Frage der englischen Presse ist also im Augenblick damit zu
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Kurioses- aus ber Geschichte der Schönheitspflege.
Als ein Land, von dessen uralter Schönheitspflege wir noch wenig wißen und das darüber noch manche Aufschlüße gewähren könnte, wird China von dem amerikanischen Kullurhistoriker Dr. Herman Goodman bezeichnet, der soeben in Neuyork ein Buch über die Geschichte der Stosmetit veröffentlicht. Er glaubt, daß die kosmetischen Kenntnisse der Chinesen noch jo manches von dem erhalten haben, was im Altertum, besonders in Aegypten, zur Verschönerung angewendet wurde. 3m übrigen geht aus seiner Darstellung hervor, daß die Schönheitsmittel im klassischen Altertum sehr viel reichlicher benutzt wurden als heutzutage. Z. B. war der Gebrauch von Parfüms bei den alten Griechen so weit verbreitet, daß der Verkauf aromatischer Essenzen an Männer zeitweise verboten wurde, um einen fühlbaren Mangel zu verhindern. Die Frauen unter- lagen diesem Verbot nicht, wahrscheinlich weil man die Verschönerung bei ihnen für berechtigter hielt ober aber auch, weil die Gesetzgeber vor den Wutausbrüchen der entrüsteten Weiblichkeit Angst hatten. Die Chinesen sind nach Goodman die ersten gewesen, die Blinde als Masseure anstellten und überhaupt ein ganzes System der Massage aus- bildeten. Sie benutzten auch zuerst Gänsefett zum Einreiben, und die moderne Wissenschaft hat bestätigt, daß dieses Fett sich zur Hautpflege besonders gut eignet. Die nordamerikanischen Indianer taten ebenfalls viel für die Schönheit ihrer Haut; sie nahmen Bäder in heißen Quellen und benutzten auch den heißen Ofen als Ersatz für unsere Dampfbäder. Die Toilettenkünste Cleopatras bezeichnen bekanntlich einen Höhepunkt der antiken Kosmetik. Sie benutzte grüne Farbe für die Schatten unter ihren Augen, schwarze für die Bemalung ihrer Augen- über, Wimpern und Brauen — unb Henna für ihre Fingernägel unb Hanbflächen.
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sind besser besucht, in seinen Tanzlokalen herrscht mehr Stimmung, unb seine neuen öffentlichen und privaten Gebäube sprechen beutlicher von Wohlstand.
.Wie gut es Württemberg geht, kann daran ermessen werden, daß der Staat im Vergleich mit dem übrigen Reich so wenige Arbeitslose hat, daß et imstande ist, der Neichsregierupg allmonatlich an- nähernd 750 000 Dollar zu überweisen; um diesen Betrag^iberschreitet die oumme der von beschäftigten Arbeitern erhobenen Versicherungsbeiträge die Ausgaben des Landes für seine Erwerbslosen. Und das geschieht in einer Zeit, in der das Reich gezwungen ist, nahezu allen anderen deutschen Staaten mit Unterstützungsgeldern auszuhelfen. Das geschäftstüchtige Württemberg hat etwas für fein Geld ver- langt unb vom Reich bie Zusicherung bekommen, baß bie Eisenbahnstrecke München — Ulm — Stuttgart — Karlsruhe elektrifiziert wirb.
In Begleitung Herrn Vollstäbts besichtigten wir bie Fabrik von Hahn & Kolb bie automatische Zy- linderbrehbänke herstellt unb sowohl in ihrer Größe wie in ihrer Art für bie am Rußlanbgeschäft interessierte württembergische Inbustrie typisch ist. Augenblicklich finb 60 v. H. der Aufträge, die die Fabrik hat. russischer Herkunft. Die Auftragsstatistik zeigt jedoch, daß in Zeiten guter Konjunktur sowohl absolut wie auch relativ weniger russische Aufträge angenommen wurden.
Damit soll nicht gesagt werden, daß Württembergs Wohlstand ausschließlich auf Sowjetaufträge zurückzuführen ist Wie wichtig jedoch die Sowjetaufträge für bie deutsche Maschinenindustrie finb, mag an ber Tatsache erkannt werben, baß von bem Gesamtwert bes beutschen Maschinenexports in den ersten neun Monaten des Jahres 1931 200 Millionen Dollar, ungefähr 45 Millionen Dollar aus bem Hanbel mit ber Sowjetunion resultieren.
Das Erzeugnis von Hahn & Kolb ist eine seltsame intelligente Maschine, eine vollautomatische Zylinber- brehbank, bie alle Arten komplizierter Gewinbeteile
entgegenzutoinmen, zumal die amerikanischen Finanzen in immer größere Schwierigkeiten geraten.
England laviert darum in Völkerbunds- fragen und in dem fernöstlichen Konflikt. Außenpolitisch gehört sein Hauptinteresse der Konferenz von Lausanne und der von Ottawa. An L a u - fanne ift es interessiert, weil jene „konstruktive Lösung", die die Vereinigten Staaten verlangen, auch für England eine Erleichterung in seiner Belastung gegenüber Amerika bedeuten würde. In O t t a w a aber sollen die Würfel sollen darüber, ob der Ucbergang zum Schutzzoll überhaupt denkbar und möglich ist. indem das Weltreich im ganzen sich handelspolitisch stärker zusammenschlösse. Für das eigentliche Europa oder auch für Deutschland kann nach wie vor in dieser Lage England nicht allzu viel sein. Seine Politik ist zwangsläufig bestimmt.
Sehr eindrucksvoll hat der deutsche Vertreter auf der letzten Sitzung der Internationalen Handelskammer, Abraham F r o w c i n . die springenden Punkte herousgearbeitet: die Streichung der Kriegsschulden und den Zusammenschluß Europas zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet, das durch keine Zollschranken getrennt sei. Er hatte damit ganz recht, daß, wenn man mit der Erledigung der Schuldenfrage bis zur Wiederkehr der Prosperität w a r - t e n wolle, die letztere überhaupt nicht wiederkehren würde. Die Schulden st re i- ch u n g ist das erste und ist das. was a m
800—1000Mk.
ob. (iJninbitüff E&BWbiS Eiahl. nach Ver- embara. Lchr.Ann *L02030_afi* 3m-;w.
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Mittwoch. 6. Avril, abends 8.30 Uhr
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Erlebnis auf dem Felde.
Don Victor Auburtin.
lieber den Feldern, dort, wo bie Stabt zu Enbe ist, steht ein tiefblauer Mittagshimmel, um ben sich fein vernünftiger Mensch kümmert.
Straßen, bie noch keine Häuser haben, laufen in bie Feme, Fabrikschomsteine qualmen schwarz ober gelb. Zn einer Vertiefung des Gefilbes ist Schutt angehäuft, unb eine Frau steht mittenbrin, bie ihn durchsucht.' Drei Bürger betrachten ben Verlauf bieser Arbeit mit Gebulb unb Aufmerksamkeit.
Aber vor mir geht bie Straße entlang ein aller Herr, ber ein kleines, etwa fünfjähriges Knäblein an ber Hanb führt.
Plötzlich bleibt bas Knäblein stehen unb zeigt aufgeregt gegen ben Himmel.
Der alte Herr sieht hinauf, unb ich sehe auch hinaus. Dort oben im Blauen steht bie schmale Sichel des abnehmenden Mondes, kaum erkennbar, in brennender Nähe der Sonne.
Der alte Herr kann offenbar das Gestirn nicht gleich sehen, er schützt feine Augen und sucht aber ber Kleine weist stürmisch mit ber Hanb hinauf. So stehen ber Greis unb bas Kinb einen Augenblick da unb bilben eine gegen bie Unenblichkeit bewegte Gruppe. Unb sie Haden bie Apostelgebärbe, die auf ben 'Silbern ber Himmelfahrt bargestellt wirb: Was steht ihr Männer von Galiläa unb seht gen Himmel?
Ich weiß nicht, was ber alte Herr von dieser Gegebenheit gedacht hat; mich hat sie belehrt unb für einige Stünden bekehrt.
Copyright by Rowohlt-Verlog, Berlin.
V.
Stuttgart.
Stuttgart... In vier Stockwerken der Fabrik war nicht eine einzige Maschine in Betrieb. Nur ein Stockwerk einer ganzen Abteilung war beschäftigt, dort wurden automatische Zylinderdrehbänke geprüft unb Messingplatten auf sie genietet. Auf ben Platten ftanben -Instruktionen für bie Bedienung der Drehbänke. Die Lettern der Beschriftung waren russisch.
In dieser ganzen Fabrik, die für Württemberg typisch ist, wurde im Augenblick ausschließlich an ber Ausführung russischer Aufträge gearbeitet. Deutfd)- lanb hat ber Sowjetunion mehr Kredite gewährt als alle anberen ßänber unb hat im Sowjethanbel eine Gelbsurnrne stecken, bie fo groß ist, wie bie Rußlanb- frebite aller anberen ßänber zusammen. Ein großer Teil bes von Amerika geborgten Gelbes hat inbireft seinen Weg in bie Kanäle bes beutschen Somjet- hanbels gefunben. Genau genommen haben wir bei ber Finanzierung ber beutschen Verkäufe an bie Sowjetunion mitgeholfen. Was bebeutet biefe von uns nicht gewollte Kapitalanlage für Deutschlanb unb für uns?
Was sie für Deutschlanb bedeutet, ist am besten in ber Hauptstadt bes wohlhabendsten Staates von Deutschlanb zu sehen; Württemberg ist bas Zentrum der deutschen Arbeitsmaschinenfabrikation, und die Arbeitsmaschinen sind ber größte Posten ber Sowjetkäufe im Reich.
Wir ftanben mit Herrn Vollstäbt, bem Prokuristen ber Firma Hahn & Kolb, auf ben Höhen über Stuttgart unb sahen auf bie in ihrem ßichterglanz strah- lenbe Stabt hinunter. In Stuttgart ist ganz ent- schieben kein äußeres Zeichen ber Depression zu erblicken. In ben Straßen Stuttgarts finb mehr gut angezogene ßcute zu sehen als in allen anberen mir bekannten Städten Deutschlanbs, seine Restaurants
MünchenerKünstlergeschichten
iterc Erlebnisse eines Verlegers.
Korsiz Holm, der begabte baltische Dichter, der seit einem Menschenalter die Entwicklung des Verlages Albert Langen betreut hat. gibt jetzt in seinem Verlag unter dem Titel „ich — kleingeschrieben" einiges aus dem reichen Schatz seiner Erinnerungen zum Besten. Er ist allen den Berühmtheiten nahegetreten, die in dem Münchener Verlag Obhut für ihre Werke fanden; er hat in Ben Sturmtagen des so angriffslustigen „Simpli- zissimus" dem Verleger Langen zur Seite gestanden. Langen war mit einer Tochter Björnst- jerne Djörnsons verheiratet, und seine ersten heiteren Erlebnisse weiß er von seinen Begegnungen mit dem großen norwegischen Dichter zu berichten Björnson war stolz aus sein Deutsch das er freilich mit einer Eigenart sprach, bie der Verfasser geschickt andeutet. Er behauptete, daß Deutsch unter den modernen Sprachen sich des größten Wohllauts rühmen könne, und führte dafür als Beweis an, daß er in Rom am Pfingstsonntag bei einem Kirchenfest Geistliche aus allen Ländern der Christenheit in ihrer OTutterJbradjc habe sprechen hören: „Ich.weiß die Zahl von Sprachen, es da gab nicht mehr. So fünfzig, sechzig waren es vielleicht. Das aber weiß ich noch: die schönst klingende Sprache ich m diese Kirche hörte, das war Deutsch. Und da hilft nichts: was wahr ist, das bleibt wahr. TNit ' seinem großen Rebenbuhler in 21^011, mit Ibsen, stand er stets auf gespanntem £up und daß er sich für die größere Begabung biclt, das deutete er Holm einmal in Worten an. in denen er Ibsens größere Drama-Erfolge also erklärte: „Holm, hoben Sie beachtet, wie der kleine rafft» r.ccrte Apotheker, was er ist, in jedes von Die . neuen Stücke, was er schreibt, nur fünf bis sechs Personen auf der Szene bringt, weil er genau weiß, daß es in die ganze Welt kein einziges Theater gibt, was mehr als so viel wirklich tüchtige Aktören hat. Ich aber kann mir, wenn ich meine Stücken dichte, freilich nicht durch solche kalte Rechnungen in die Inspiraschon beengen lassen. Finden Sie nicht auch?"
Die interessanteste Persönlichkeit unter den Getreuen und oft auch Ungetreuen des Lcmgenschen Verlages war F. Wedekind. Er forderte stets unter wildem Pathos und noch wilderen Beschimpfungen Vorschuß und fühlte sich als der Ausgebeutete, obgleich er eigentlich von Langen recht aut bezahlt wurde. Bei feinem mehr als originellen Auftreten hielt er doch auf eine gewisse
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