Nr. 251 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Eine Balkanreise in Krisenzeiten.
Serbien hofft auf Deutschlands Hilfe.
Von unserem ^.-Korrespondenten.
Belgrad, September 1932.
Es gibt heute eine Grundstimmung in Serbien, die heißt: „Wir haben genug von der F r a n z o s e n h e r r s ch a f t!" Am Ausgang zum Kalimegdan, der alten Türkenfestung von Belgrad, ist ein kolossales burgartiges Gebäude im Entstehen. Es ist die neue französische Gesandtschaft, deren letzte Gerüste nächstens fallen werden. „Was haben wir nun Großes eingetauscht?" — fragt der Serbe kopfschüttelnd im Vorübergehen; „da, wo wir früher den Türken hatten, da baut jetzt der Franzose seine Festung, uns zu beherrschen!"
Es gibt tatsächlich eine Gruppe von Serben der hohen Gesellschaft, die von Herzen franzosenfreundlich sind. Das sind die Generale, die als junge Offiziere die französische Kriegsschule von St. Cyr durchgemacht haben, und diejenigen unter den höchsten Staatsbeamten und Diplomaten, die in Frank- re.ich studiert haben. Diese Gruppe hat auch Nachwuchs. Frankreich unterhält dauernd etwa 40 Doll- und Halbstipendien an französischen Universitäten und Fakultäten für Studierende aus Jugoslawien, ganz überwiegend Serben. Nur der kleinste Teil davon sind fachwissenschaftliche Stipendien, juristische, technische, künstlerische. Bei weitem die meisten sind Stipendien für französische Sprache und Literatur, weil man die Erfahrung gemacht hat, daß dies der sicherste Weg ist, einen Ausländern, auch einen Serben, mit französischem Geist zu durchtränken, ihn „frankreichliebend zu machen" wie die berühmte Formel lautet.
Von dieser frankophilen Gruppe will aber alles, was in Jugoslawien zur Geschäftswelt gehört, aus wirtschaftlichen Gründen nichts wissen. Auch der serbische Nationalismus alten Schlages ist nicht franzosenfreundlich, weil ihn die fortdauernden französischen Forderungen ärgern, Serbien müsse sich „dankbar" beweisen. „Es gefällt uns nicht", sagen diese Serben, „daß der Franzose von Dankbarkeit spricht und Unterwürfigkeit verlangt; es sieht ganz so aus, als ob er uns gar nicht zu unserem, sondern z u seinem eigenen Nutzen geholfen hat!"
Dies Wort trifft den.Nagel auf den Kopf. Die Serben als solche sind dem Franzosen ganz gleichgültig; was Frankreich verlangt, ist Bekundung der Vasallenherrschaft. Jeder politisch und vor allen Dingen jeder geschäftlich einigermaßen geschulte Mensch in Jugoslawien weiß, daß die französischen Pläne für die Konferenz von S t r e s a zum Nutzen Frankreichs entworfen sind, nicht zum Nutzen Jugoslawiens und seiner gleiche Not leidenden Nachbarn. Ebenso weiß jeder, daß die Durchführung der deutschen Vorschläge eine wirkliche Hilfe bedeuten würde. Ein offenes Wort darüber wagt sich kaum in die Presse; im stillen ist der Aerger groß, daß die serbischen Delegierten in Strcsa nicht reden dürfen, wie sie sollten und wie sie möchten.
Es ist ein Llnterschied in der Stimmung zwischen den neuen Provinzen, die früher zu Ungarn und zu Oesterreich gehörten, und dem altserbischen Gebiet. In der ersteren ist auch der Bauer aufgeklärt genug, um zu wissen, daß die Dinge besser würden, wenn Deutschland mehr kaufte. Er denkt auch an die alten Zustände zur K. K.-Zeit und sagt: „Früher war doch alles besserl" Der Dauer in Altserbien, der von der Welt weniger weih, räsoniert etwas anders. Er sagt: Im alten kleinen Serbien ging es uns eigentlich ganz gut, wir konnten unsere Produkte verkaufen. Warum kann uns das große Jugoslawien jetzt nicht dazu helfen?
Man kann sagen, daß im größten Teil des jugoslawischen Staatsgebietes die Menschen nicht Hunger leiden, daß sie eher in ihren Produkten
ersticken, aber daß so gut wie nichts von diesen verkäuflich ist. Eine Kuh mit Kalb war früher, in deutsche Währung umgerechnet, 250 bis 300 Mark wert, heute 50 Mark. Ein Schwein mit allen acht Ferkeln wurde früher mit 180 bis 200 Mark verkauft, jetzt ist es kaum 25 Mark toert. Ein Liter Branntwein brachte 50 bis 75 Pfennig, heute 3 (!) Pfennig, ein Hektar Ackerland — der serbische Bauer ist von Ratur so landhungrig, wie jeder andere Bauer auf der Welt — mußte früher mit 3000 bis 3500 Mark bezahlt werden, heute findet Land selbst für einen Spottpreis keinen Käufer. Es kommt vor, daß der Dauer seine Ferkel auf den Markt bringt, daß sie ihm niemand abkauft und daß er sie dann einfach laufen läßt und wegfährt.
Hungergebiete sind die Herzegovina, das südliche Dalmatien, fast ganz Montenegro und der gegen das Meer zu liegende Teil von Kroatien. Hier wächst nicht genug Getreide, um die Devöl- terung zu ernähren. Die Leute halfen sich mit
Die am 2. D tt ob c r im Rahmen des Grenadier- tages auf dem Trieb vorgesehene Nachrichren- (tafelte soll nicht eine kriegsmäßige Nachrichtenübermittlung darstellsn, sondern es joll hierbei den Zuschauern gezeigt werden, über
welche Meldeorgane und Nachrichtenmittel eine Armee verfügt.
Bei einer kriegsmäßigen Nachrichtenübermittlung wird man stets bestrebt fein, möglichst wenig verschiedene Nachrichtenmittel bzw. Meldeorgane zu verwenden. Hat man z. B. zur Uebermittlung einen Flieger zur Verfügung, so ist anzustreben, daß unter Ausnutzung der Geschwindigkeit des Fliegers die Nachricht von diesem bis zur Bestimmungsstelle gebracht und dort abgeworfen wird. Die Einschaltung weiterer Nachrichtenmittel bedeutet naturgemäß Zeitverlust.
Bei der hier vorgesehenen Nachrichtenstafette kommt es wohl auf die Schnelligkeit der Uebermittlung durch die einzelnen Meldeorgane und Nachrichtenmittel an, jedoch nicht auf die Schnelligkeit der Uebermittlung einer Nachricht von der Anfangsstelle zur Endstelle. Mit Ausnahme des Fliegers, der uns durch das Versailler Diktat verboten ist, verfügt das Reichsheer über alle beteiligten Meldeorgane und Nachrichtenmittel. Jedoch hat sich freundlicherweise ein Frankfurter Sport- f lieg er bereit erklärt, bei dem sportlichen Teil des Programms mitzuwirken.
Es find an der Nachrichtenstafette beteiligt:
1 bewegliche Funkstelle (Sendestelle),
2 bewegliche Funkempfangsstellen,
1 Flugzeug,
2 Motorradfahrer,
2 Meldereiter,
2 Radfahrer,
2 Meldeläufer,
4 Blinktrupps,
2 Fernsprechanschlußtrupps,
2 Meldehunderotten.
Der Verlauf der Nachrichtenstafette ist folgender: Die auf dem Trieb aufgebaute Funkstelle erhält einen verschlüsselten Spruch, dessen Inhalt den Grenadiertag betrifft. Die Funkstelle sendet diesen Spruch, der von den beiden Funkempfangsstellen auf dem Flughafen ausgenommen wird. Die Funk-
das daran, daß fein Haus kein Dach hatte. Er hatte es abgedeckt, um keine Steuern darauf zu zahlen. Karn er mit Geld zurück, so tat er das Dach wieder drauf und gründete eine Familie. Jetzt sieht man keine abgedeckten Häuser mehr in Dalmatien, weil Amerika keine Einwanderer mehr ausnimmt, am wenigsten solche, die als Arbeiter Geld verdienen wollen.
Man behauptet kein Wort zu viel, wenn man sagt: Der Gedanke an ein Mitteleuropa unter der wirtschaftlichen Führung Deutschlands, marschiert in ganz Jugoslawien, auch wenn die mitteleuropäische Formel nicht gebraucht wird. Allerdings ist eine bestimmte praktische Einschränkung dabei. Die Leute sagen: Die Idee ist gut, wirtschaftliche Annäherung an Deutschland ist das einzige, was uns wirklich helfen könnte — aber dazu müßte Deutschland wieder politisch mächtiger werden, a-ls es heute ist; was nützt es uns und was nützt es Deutschland, wenn Deutschland zu schwach ist, um für sich selbst und für uns seine guten Gedanken durchzusehen?
Gerade weil man den Druck der französischen Dankbarkeitsforderung fühlt, weil man es erfährt, daß Frankreich um seines politischen Nutzens willen die wirtschaftlichen Lebensnot- wendigkeiten Jugoslawiens für nichts achtet, darum wären heute schon viele froh, wenn es ein Deutschland gäbe, stark genug, um den mitteleuropäischen Wirtschaftsverband zu verwirklichen.
empfangsstellen übergeben die aufgenommenen Sprüche einem Flieger, der an einer auf dem Trieb gekennzeichneten Meldeabwurfstelle die beiden Meldungen abwirft. Bei Abschuß einer Signalbombe beginnt nun die eigentliche Zeitrechnung der beiden Stafetten. 2 Motorradfahrer suchen die abgeworfenen Meldungen und bringen sie auf festgelegten Umwegen zu den Blinkstellen. Die Stafette 1 hat weiße, die Stafette 2 rote Armbinden. Die Sprüche werden zur Gegenstelle geblinkt, dort den Radfahrern übergeben. Nach Ankunft der Radfahrer bei den Meldehundtrupps werden die Sprüche durch Meldehunde zu den Gegenstellen befördert. Hier erfolgt die Heb ergäbe an Meldeläufer und von diesen an die Fernsprechanschluß- trupps, die eine Fernsprechleitung bauen Und die Sprüche nach Fertigstellung der Leitung durchgeben. Als Abschluß werden die Sprüche von den Fernsprechendstellen durch Meldereiter ans Ziel gebracht.
Den Eingang der ersten Meldung zeigt wiederum eine Signalbombe an.
Bis zur Entschlüsselung der Sprüche werden Schulübungen der Meldehunde, sowie Bau von Fernsprechleitungen, Beförderung von Munition und Brieftauben durch Meldehunde gezeigt.
Spruchinhalt und Beförderungsdauer werden durch Lautsprecher bekanntgegeben.
Oie Zahnen
der alten hessischen Regimenter,
die zum Grenadier-Tag hierher überführt wurden, haben ihren ständigen Aufbewahrungsort im Schloß-Museum zu Darmstadt. Die Fahnen der hessischen Infanterie-Regimenter 117 und 168 konnten zu dem Gießener Militärfest nicht mit herangezogen werden, da die Traditionstruppenteile vom 2R. 117 und JA. 168 in Marburg bzw. Kassel sind und die Fahnen dieser beiden alten Regimenter dem Marburger bzw. Kasseler Kommandeur der Traditionstruppenteile unterstehen.
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Die Quadrille beim Grenadiertag wird nicht, wie irrtümlich gemeldet, vom Reiterverein, sondern vom Verein ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen geritten.
Wembau, Tabakbau, Schafzucht, aber weder Wein noch Tabak noch Schafe sind jetzt verkäufliche Ware. Viele kräftige Männer wanderten auch nach Amerika aus und kamen nach Jahr und Tag mit ersparten Dollars wieder. Wenn jemand fort war nach Amerika, so merkte man
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Aachrichteuslafette beim Grenadiertag.
Oer Tintenfisch.
Don Georg Mühlen-Gchulte.
Der Händler Scharrvogel kam aus Schrimm nach Berlin, und einer seiner ersten Wege führte ihn ins Aquarium. Er stand lange andächtig vor einer der Wasserstuben. Schließlich wandte er sich an einen Wärter:
„Entschuldigen Sie, Herr Dompteur, — was ist in diesem Käfig?"
„Das ist kein Käfig."
„Natürlich nicht. Was ist es denn?"
„Ein Bassin."
„Ein Bassin? Danke sehr! Was ist das für ein Tier, ein Bassin?"
„Das ist kein Tier, das ist ein Behälter."
„Aha ein Behälter! Wozu sperren Sie ihn in den Käfig, Den Behälter?"
„Was reden Sie denn für Zeug, mein Herr?! Wir sperren keinen Behälter in den Käfig."
„Erlauben Sie, Herr Dompteur, ich habe Sie gefragt: Was ist in dem Käfig? Darauf haben Sie gesagt, es ist fein Käfig. Darauf habe ick gesagt, das verstehe ich, daß in dem Käsig kein Käfig ist, und ich habe Sie gefragt: Was ist es denn? Darauf haben Sie gesagt: Es ist ein Bassin, und ein Bassin ist ein Behälter. Also ist in dem Käfig ein Behälter. Habe ich recht, Herr Dompteur?"
„Nein, Sie haben nicht recht. Sie verstehen mich überhaupt vollständig falsch. Ich will Ihnen mal erklären, was ein Käfig ist; ein Käsig, das ist ein ein ..., also in einen Käfig sperrt man zum Beispiel einen Löwen; ist Ihnen das klar?"
„Ja. Aber ein Löwe ist doch so groß wie ein Hanomay ... Was sage ich — rote ein Automobil so groß ist er. Wie woll'n Sie den hier reinkriegen in den Käfig?"
„Wir woll'n ihn ja gar nicht reinkriegen. Das ist hier doch kein Käfig, das ist ein Bassin."
„Ein Bassin?"
„Ja. Ein Behälter."
„Ach, das ist ein Behälter!? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?"
„Das habe ich doch gesagt. Es ist ein Behälter für Fische."
„Herr Dompteur, das ist das erste, was ich höre. Kein Wort haben Sie von Fischen gesprochen."
„Weil Sie mich nicht danach gefragt haben."
„Na, habe ich Sie nach Löwen gefragt?"
„Ach was, lassen Sie mich in Ruhe!"
„Gott, sind Sie aufgeregt, Herr Dompteur! Man wird sich doch informieren können; man wird doch eine höfliche Frage stellen dürfen, wenn man was wissen will."
„Also bitte schön, was möchten Sie wissen?"
„Danke sehr, Herr Dompteur! Ich möchte wissen, was in dem Behälter für Fische sind."
„Da ist ein Tintenfisch drin."
„Ein Tintenfisch? Wo ist der Tintenfisch?"
„Da, das graue Gebilde zwischen dem Geröll, das ist er."
„Hicks Geier! ... Er scheint tot zu sein, der Tintenfisch. Ist ja auch gar keine Tinte in dem Behälter."
„Da braucht auch keine drin zu sein, der Tintenfisch hält sich in klarem Wasser auf!"
„Das ist doch nicht möglich."
„Das ist nicht bloß möglich, — das ist Tatsache."
„Erlauben Sie, Herr Dompteur, — kennen Sie Bierfisch?"
„Allerdings."
„Na, sehn Sie! Bierfisch hält sich in Bier auf, folglich hält sich Tintenfisch in Tinte auf."
„Nein, das tut er nicht. Der Name ,Tintenfisch' weist bloß darauf hin daß diese Tiere an ihrer Unterseite eine Drüse haben, aus der sie im Falle der Gefahr eine schwarzbraune Flüssigkeit absondern."
„Und das ist Tinte?"
„Na, richtige Tinte ist es nicht."
„Sehn Sie wohl, Herr Dompteur, das habe ich mir gleich gedacht. Woher soll das Tier die Tinte kriegen?! Es wird Schokolade fein."
„Na, und woher soll es Schokolade kriegen?"
„Was fragen Sie mich? Bin ich ein Tintenfisch? Vielleicht ist ein Schiff untergegangen mit einer Fracht von Schokolade, und der Tintenfisch hat sich den Bauch vollgeladen mit der Schokolade."
„Vielleicht hat bas Schiff aber außer der Schokolade noch Tinte an Bord gehabt."
„Herr Dompteur erlauben Sie mal, — wenn ein Schiff untergebt mit Schokolade und Tinte, und Sie kommen zufällig vorbei, als Fisch, meine ich, — wonach werden Sie schnappen?"
„Na ja, das ist ja alles Unsinn! Jedenfalls ist es Tinte, was der Fisch absondert."
„Vorhin haben Sie gesagt, es ist keine Tinte."
„Aber es ist dach eine Flüssigkeit, die der Tinte am nächsten kommt. Daher haben doch auch die Forscher das Tier .Tintenfisch' genannt."
„Trau einer den Forschern, Herr Dompteur! Es gibt einen Fisch, den haben sie .Blei' genannt. Keine Spur von Blei finden Sie beim Blei, Herr Dompteur. Na, und kabelt vielleicht der Kabeljau? Bückt sich der Bücking? Schwimmt der Schellfisch mit einer Glocke um den Hals herum? Geht der Walfisch wählen? Alles nicht, nicht wahr? Da haben Sie die Forscher! So einer entdeckt einen neuen Fisch, und weil es gerade am Monatsende ist, sagt er: es ist der Ultimofisch. Oder der Forscher spürt eben einen
Stich in der Hüfte, — da sagt er: Es ist der Jschiasfisch. Oder ...
„Hören Sie auf, mein Herr! Sie machen einen total konfus."
„Wieso ich? Die Forscher machen einen konfus. Nehmen wir mal an, ein Forscher springt im Sommer an der Ostsee ins Wasser, und dabei fängt sich in seiner Badehose ein unbekannter Fisch. Darauf nennt der Forscher den Fisch ..."
„Ich weiß schon, — den Badehosenfisch."
„Ja. Und wenn die Badehose gestreift ist, dann nennt er ihn den .gestreiften Babehosenfisch'. Und wenn die Badehose hinten geplatzt ist ..."
„Schluß damit, mein Herr! Dieser Fisch hier ist jedenfalls ein Tintenfisch. Haben Sie sonst noch eine Frage?"
„Ja. Sie haben gesagt, die schwarzbraune Flüssigkeit sondert er im Falle der Gefahr ab."
„Allerdings."
„Sondert er auch ab, wenn keine Gefahr ist?"
„Nein, natürlich nicht."
„Sehr interessant, Herr Dompteur! Wie ist das nun — schießen Sie manchmal auf ihn?"
„Auf wen?"
„Auf den Tintenfisch."
„Dummes Zeug!"
„Vielleicht stechen Sie ihn mit einer Lanze?"
„Wie kommen Sie denn darauf? Ich habe keine Lanze. Ich bin doch kein Ulan."
„Oder Sie hauen ihn mit Ihrem Gummiknüppel."
„Ich habe auch keinen Gummiknüppel."
„Na, wo ist dann die Gefahr für den Tintenfisch?" „Gefahr? Gefahr ist keine."
„Daun passen Sie mal auf! Vorhin haben Sie gesagt, wenn keine Gefahr ist, sondert er nicht ab, der Tintenfisch."
„Tut er auch nicht."
„Schön! Sagen Sie mir eins, Herr Dompteur, — wenn er nicht abfonbert, woher wissen Sie bann, baß er abfonbern würde, wenn Gefahr wäre?"
„Zumdeubelnochmal, er stammt doch aus einer Familie von Fischen, die das alle tun."
„Herr Dompteur, das will nichts heißen. In dem Bassin schwimmt ein Fisch. Der Fisch hat eine Drüse, in der sich schwarze Tinte befinden soll. Gesehn hat sie keiner, die Tinte. Geschmeckt hat sie auch keiner. Ich erkläre, die Sache ist Schwindel, Herr Dompteur. Wir haben es mit einem plumpen Reklametrick zu tun ..."
„Mein Herr, ich gebe ja zu ..
„Sehn Sie, jetzt kommen wir uns näher! Wenn wirklich mal Tinte drin war in dem Fisch, dann ist noch lange nicht gesagt, daß heute auch noch welche drin ist. Ein Organ, das nicht gebraucht wird, oer-
Samstag, (. (Moder 1952
Flugzeugabsturz bei Darmstadt.
Zwei Tote.
Darmstadt, 1. Oft. (WTB. Orahtmeldung.) Lin Flugzeugunglück, das zwei Todesopfer forderte, ereignete sich heute vormittag gegen 10 Uhr in der Nahe des Darmstadter Wasserwerks. Ls handelt sich um ein Sportflugzeug aus Neustadt a. d. Haardt, das zu den Zuverlässigkeitsflügen des Deutschen Luftfahrtverbandes vom Griesheimer Flugplatz aus gestartet war. Offenbar geriet es in den dichten Nebel und stieß gegen eine hohe Pappet. Die Tragflächen brachen, und die beiden Insassen, L a ch n e r und Haßlacher, verunglückten tödlich.
Oie Bluttat in Eppertshausen.
Räuber noch immer nicht gefaßt. — Für seine Ergreifung gute Belohnung zugesichert.
Von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen wird mitgeteilt:
Am 16. August 1932, gegen abend, hat in Eppertshausen (Hessen) ein Unbekannter in einer dortigen Wirtschaft die Kasse geplündert. Während er sich gerade hinter dem Büfett an der Kasse befand, wurde er von dem 12jährigen Sohne des Wirtes überrascht. Auf die Hilferufe des Jungen eilten zwei Männer aus der Rach- barschaft herbei, die den Dieb, der auf seinem Fahrrad flüchtig gehen wollte, festhielten. Während der hierdurch entstehenden Rauferei zog der Dieb eine Schußwaffe aus seiner Hosentasche, schoß dem einen der Männer, der vor ihm stand, eine Kugel in den Unterleib und ergriff auf seinem Fahrrad die Flucht. Der Schwerverletzte ist trotz sofortiger ärztlicher Hilfe nach einigen Tagen verstorben.
Der Räuber wurde während des Kampfes auf der Straße und auf seiner Flucht von einer Anzahl erwachsener Personen ganz nahe gesehen. Er wird mit kleinen Abweichungen überernftim- mend wie folgt beschrieben: Etwa 30 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, schlank, aber dennoch kräftig, damals langes, zurückgekämmtes, gepflegtes Kopfhaar von tiefschwarzer glänzender Farbe. Das Haar war etwas lockig. Zu beiden Seiten der Stirne auffallende kahle Stellen (sog. Geheimratsecken). langes bartloses Gesicht mit auffallend gelblich-brauner Hautfarbe, etwas hervortretende Backenknochen, leicht gebogene Rase, dunkle Augen (Zigeunerthp), gut gepflegte Hände. Wahrscheinlich Goldzahn im Oberkiefer, sprach hochdeutsch mit badischem oder württem- bergischem Anklang. Der Räuber wird sich Wohl in seinem Aeußeren nach Möglichkeit verwandelt haben. Richt verändern kann er aber seinen charakteristischen sSesichtsausdruck.
Mit Rücksicht auf die außerordentlich rohe und brutale Handlungsweise des Räubers und die Schwere seiner Tat, muß in allen solchen Fällen das Interesse und die Mithilfe der breitesten Oeffentlichkeit in Anspruch genommen werden. Es ergeht daher die dringende Aufforderung, die Behörden bei der Entdeckung und Ergreifung dieses Räubers zu unterstützen, damit er seiner gerechten Bestrafung zugeführt werden kann. Unter Zusicherung strengster Diskretion sind Mitteilungen aller Art an jede Polizeistelle, insbesondere an das Landeskriminalpolizeiamt in Darmstadt, zu richten.
Hohe Strafen
für die Mainzer Falschmünzer.
WSR. Mainz, 30. Sept. Wegen Herstellung und Verbreitung von Falschgeld verurteilte die hiesige Große Strafkammer den Handlungsgehilfen Franz B r ö cker aus Iakobsberg zu drei Jähren sechs Monaten Zuchthaus, den Schneider Hermann P l a m b e ck aus Fiefbergen zu drei Jahren und den Invaliden Wilhelm Georg Seil aus Mainz zu z w e i e i n - halb Jahren Zuchthaus. Broecker und
kümmert, das wissen Sie doch, Herr Dompteur?! Außerdem möchte ich bloß mal wissen, ob die Drüse verkorkt war ..."
„Verkorkt? Um Gottes willen!"
„Das genügt, Herr Dompteur! Die Drüse war nicht verkorkt, und wenn sie nicht verkorkt war, bann ist bie Tinte längst eingetrocknet. Da schwimmt nun also ein Fisch in bem Bassin, hat keine Drüse unb fonbert auch keine Tinte ab. Aber er heißt Tintenfisch. Warum heißt er Tintenfisch, Herr Dompteur? Kann er nicht Makrele' heißen? Makrele ist auch ein Fisch, hat auch keine Drüse, sonbert auch keine Tinte ab. Hab' ich recht, Herr Dompteur?"
Hier zieht ber Wärter mit zitternder Hand einen Bleistift aus ber Tasche, streicht auf dem Schilbchen vor bem Bassin bas Wort ,Tintenfisch' burch und schreibt ganz groß Makrele' drüber.
Zeitschriften.
Die neueste Nummer ber Leipziger „I11ustrir - t e n Zeitung" (Verlag I. I. Weber) enthält eine Würdiaung ber kürzlich eröffneten Internationalen Photo-Ausstellung in Leipzig. In zahlreichen, zum Teil ganzseitigen Bildern wirb ber Stanb ber Photokunst von heute atj.fgezeigt. Man findet hier eine ausgezeichnete Zusammenstellung der besten unb anregendsten Aufnahmen aus dieser größten Photo- schau nach dem Kriege. Eine Fundgrube unb eine Augenweide für den ernsten Amateur, der gern noch etwas zulernt! — Außerdem: aktuelle Zeitberichte, gute Modentips, ein reichhaltiger, belletristischer Teil, farbige Kunstblätter, aufschlußreiche Artikel aus den mannigfachsten Gebieten des Wissens unb Lebens.
Hochfchulnachrichten.
Der durch das Ableben von Prof. O. Hoehne an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl der Geburtshilfe und Gynäkologie ist Prof. Dr. Hans Runge in Kiel angeboten worden.
Der durch den Weggang von Professor R. Degkwitz an ber Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl ber Kinberheilkunbe ist bem Münchner Pri- vatbozenten Dr. Bernharb b e Rubber angeboten worben.
Der durch den Weggang von Professor D. Schweitzer an der Universität Königsberg erledigte Lehrstuhl der klassischen Archstäologie ist dem Privatdozenten Dr. Guido Kaschnitz - Weinberg in Freiburg i. B. angeboten worden.


